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Thema: (?) (397) Altdeutschland Bayern: Briefe erklären
Das Thema hat 411 Beiträge:
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Stamps99 Am: 09.03.2019 14:18:56 Gelesen: 2564# 387 @  
Hallo,

aus der umfangreichen Korrespondenz des Tuchhändlers Nicolaus zum Stein aus Memmingen/Kempten ist auch bei mir ein Brieflein gelandet. Es ist im Feb. 1800 samt Unterbund von Augsburg mit der Reichspost nach Kempten befördert worden.



Wenn ich den Inhalt richtig lese, waren Stoffmuster angehängt. Der Brief war vorausbezahlt, leider ist weder das Franco noch das Gewicht notiert. Nach dem Tarif von 1784 wären für einen einfachen Brief 4Kr angefallen - gab es damals schon Moderationen für Warenproben? Augsburg führte schon lange Stempel - warum ist keiner abgeschlagen?

Gruß Ralf
 
bayern klassisch Am: 09.03.2019 14:26:13 Gelesen: 2559# 388 @  
@ Stamps99 [#387]

Hallo Ralf,

ich habe die liebe und kompetente Adriana von deinem Brief informiert und hoffe, dass sie uns hier schlauer macht.

Meines Erachtens war das hier ein Fahrpostbrief - siehe die Manualnummer oben rechts. Daher auch kein Poststempel (hatte nur die Briefpost) und die fehlende Franko - Notation (Fahrpost war notierungsfaul).

Aber Adriana wird alles wissen, nicht nur Bruchstücke wie ich.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Stamps99 Am: 09.03.2019 14:58:37 Gelesen: 2550# 389 @  
@ bayern klassisch [#388]

Hallo Ralph,

der Scan läßt sich besser lesen als das Original - hätte ich besser vorher dem Fragen mal gelesen.

Mit dem Paketbegleitbief hast du Recht: Es war ein Paket mit Waren angehängt, die nach zuvor von zum Stein geschickten Mustern zusammengestellt waren.

Schade, dass die Fahrpost faul war. :-)

Gruß Ralf
 
bayern klassisch Am: 21.03.2019 21:33:18 Gelesen: 1932# 390 @  
Liebe Freunde,

auch wenn meine Contraventionssammlung der Vormarkenzeit klein und unbedeutend ist, muss ich jedoch erkennen, dass Briefe, die in dieses thematische und zeitliche Spektrum fallen (1.1.1806-31.10.1849) nicht häufig sind. Insbesonders dann nicht, wenn es gilt, Verfehlungen der bedeutenderen Poststellen wie der Hauptbriefpostexpeditionen zu belegen.



Ein Brief aus Nürnberg vom 30.8.1842 wurde am Folgetag aufgegeben und der dortige Beamte rechnete ein Porto von 10 Kreuzern aus - wie immer in blauer Tinte, die sonst in Bayern um diese Zeit keiner hatte. Der Brief an die Firma Göhl seelige Erben in Hindelang bei Kempten kostete aber 12 Kreuzer, so dass eine uns unbekannte Hand diese Taxe später korrigierte. Dazu kamen 2 Kreuzer Botenlohn von Kempten bis Hindelang, so dass er den Empfänger total 14 Kreuzer kostete.

Die schöne Rechnung mit nettem Vordruck des Kaufmannssiegels hielten mich auch nicht vom Kauf ab. Jetzt gilt es noch einen vergleichbaren Brief einer anderen Hauptbriefpostexpedition zu finden, am besten einen Frankierten, der auch falsch berechnet worden war. Aber ich fürchte, das kann noch ein wenig dauern.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.04.2019 21:05:25 Gelesen: 1408# 391 @  
Liebe Freunde,

der hier gezeigte Brief dürfte Probleme haben, auch nur irgendeinen Schönheitspreis zu gewinnen, weil er schon an der Vorauswahl des lokalen Blindenclubs scheitern dürfte. Aber ich habe ihn trotzdem genommen, weil er eine kleine Geschichte erzählen kann und das kann halt mal nicht jeder Brief.



Verfasst wurde er in Wallerstein und gerichtet war er an Herrn Ad(olf) Leyerer in Nensling bei Thalmässing. Am 14.8.1860 geschrieben, lag er mit einer passablen 3 Kreuzer blau am Folgetag auf dem Tisch und wurde recht gut gestempelt. Allerdings strich man den Vermerk "Thalmässing" aus und notierte "per Weissenburg".

Das heute Nennslingen genannte Dorf lag zwischen den Orten Thalmässing und Weißenburg, erhielt aber erst zum 1.7.1865 eine eigene Postexpedition, so dass es möglich sein konnte, dass es von einer Postexpedition zur anderen "gewandert" ist, weil es Umstrukturierungen gegeben haben könnte.

Interessant ist siegelseitig der Stempel der Güter Expedition Nördlingen vom 15.8. und der Ankunftsstempel von Weißenburg vom 17.8.. Es gibt noch einen völlig unlesbaren Halbkreiser, den ich Thalmässing zuweisen würde und der erklärte, warum der Brief so lange unterwegs war.

Stempel der Königlichen Güter - Expeditionen (K.G.E.) hatten eigentlich auf Briefen nichts zu suchen, kamen aber hin und wieder vor - im Rahmen eines Transits sind sie nicht häufig zu beobachten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.04.2019 21:16:39 Gelesen: 1406# 392 @  
Liebe Freunde,

weil eine sehr angenehme Dame dieses Forums, wer wird nicht verraten, Zurückhaltung übte, gelang es mir, diesen hier zu schnappen:



Verfasst in Münchberg am 26.11.1823 von Johann Friedrich Roeßler lief er an Nikolaus Zumstein & Söhne, derzeit in Ulm residierend. Die Absendung dieses Briefes erleichterte die Tatsache, dass er jemanden hatte, der ihn im näher zu Ulm gelegenen Nürnberg als Portobrief aufgab, wofür die dortige Hauptbriefpostexpedition 6 Kreuzer mit blauer Tinte ansetzte. Bei einer regulären Leitung hätte er dann auch nicht 4 Kreuzer für Württemberg gekostet, sondern deren 2, aber Bayern hat ihn nicht direkt ausgetauscht, sondern wo anders über die Grenze gehen lassen, so dass die Taxispost in Württemberg noch 2 Kreuzer extra kassieren durfte und in summa der Empfänger mit 10 Kreuzern belastet wurde.

Münchberg - Ulm wären 237 km gewesen = gut 36 Meilen und das hätte damals ein Porto von mind. 12 Kreuzern nach sich gezogen (exakt gerechnet sogar 14 Kreuzer, aber man war damals großzügig mit der Vermessung des Königreichs gewesen).

Nürnberg - Ulm waren 141 km gewesen = knapp 19 Meilen, was bei idealer Leitung 8 Kreuzer ergeben hätte. Um auf 6 Kreuzer zu kommen, muss man die Post zu Ungunsten der bayerischen Postkasse schnell nach Württemberg geleitet haben, wodurch sich die kürzere Entfernung für Bayern und die größere für Württemberg ergab. Generös die einen, sparsam die anderen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.04.2019 21:25:17 Gelesen: 1403# 393 @  
Liebe Freunde,

einen solchen Brief hatte ich zuvor auch noch nicht in Händen: Absender ?? gerichtet "An die großherzoglich hessische Cabinetts - Cassa - Verwaltung in Darmstadt" mit der Beisetzung NULL fr(anco). Leider ohne Inhalt heute, so dass man nicht mehr feststellen kann, wer alles verfasst hatte.



Die Aufgabepost in München akzeptierte ihn so am 18.2.1851 und ließ ihn untaxiert abgehen (Marken hätten eh keine verwendet werden dürfen, da dieser Teil Hessens erst später in den DÖPV aufgenommen wurde).

Laut Siegelseite mit dem 2. Bestellgang am 20.2.1851 zugestellt - alles in allem recht unspektakulär das Ganze, aber ungewöhnlich.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 14.04.2019 09:44:28 Gelesen: 853# 394 @  
Liebe Freunde,

Dienstbriefe der Pfalz nach Frankreich sind nichts Besonderes - aber immer nett anzusehen.

Hier zeige ich einen aus Bergzabern vom 8.10.1863 nach Strasbourg, der nicht, wie man annehmen könnte, über den Kartenschluss Wissembourg (nur 8 km entfernt!) lief, sondern durch die Südpfalz nach Baden und von dort mit der Bahn nach Süden Richtung Kehl, wo er über den Rhein nach Strasbourg kam und dort den Stempel BAVIERE 1 STRASB. erhielt.



Wer eine gepflegte Pfalz - Frankreich - Sammlung hat, kann vlt. weitere Stücke mit dieser Leitung, oder welche über Wissembourg zeigen, damit man u. U. eine Systematik erkennen kann. Den B.S.P. - Stempel von Bad Bergzabern kennen wir in ca. 30 Abschlägen, so selten ist er also nicht, auch wenn das hier optisch ganz gut zusammen spielt, wie ich finde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 19.04.2019 10:18:22 Gelesen: 572# 395 @  
Liebe Freunde,

verschlossene Briefe waren der Post zum Transport zu übergeben (Postzwang) und die allermeisten, die sich heute noch finden lassen, zeigen auch Siegel bzw. die Reste davon. Das war zwar illegal, kam aber recht häufig vor.

Seltener sind m. E. aber die legalen Briefe, also die, die nicht verschlossen waren und die man selbst, oder durch andere zustellen ließ.



Einen solchen "Abgrenzungsbrief", wie ich sie nennen möchte, zeige ich heute. Die Anschrift lautet: Wagner Leute for den Herrn Bothschacher Handelsmann alhier.

Damit dürfte Franz Xaver Poschacher in Titmoning gemeint sein.

Der Inhalt ist als Nachweis für Geleistetes zu verstehen, dessen Kosten sich total auf 7 Gulden und 30 Kreuzer belaufen. Gefertigt wurde der Brief am 1.1.1826, so dass die Kosten wohl 1825 angefallen sein dürften.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 19.04.2019 10:38:18 Gelesen: 565# 396 @  
Liebe Freunde,

einen netten Inhalt hat der folgende Vermittlungsbrief, der in Aschaffenburg am 3.1.1848 verfasst wurde, jedoch erst am 8.1.1848 in Kempten als Portobrief mit 3 Kreuzern taxiert nach Nesselwang aufgegeben wurde. Nach dem Regulativ vom 1.1.1843 hätte er als einfacher Brief von Aschaffenburg nach Nesselwang (280 km direkte Linie, somit 37,5 Meilen) über 36 - 42 Meilen aber 14 Kreuzer gekostet, so dass man sich hier satte 11 Kreuzer (2 Mittagessen) sparte.



Neben dem lustigen Inhalt oben und dem Unterschleif war für mich auch ein Kaufgrund der letzte Satz des Briefes: "Um Verwechslungen zu vermeiden, belieben Sie meiner Addresse stets Roßmarkt C. 54 1/2 beizufügen".

Es war also nicht immer so, dass eine Angabe wie z. B. An Firma Karl Müller in München 100% zum Erfolg der Zustellung führte, sondern, wie dieser Brief zeigt, gelegentlich Präzisierungen notwendig waren, um das richtige Handelshaus zu eruieren, an den der Brief gehen sollte. Hier gehe ich davon aus, dass der letzte Brief an Franz Dessauer in Aschaffenburg wohl dort falsch zugestellt wurde. Wenn ich den jetzt noch hätte ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 19.04.2019 10:38:34 Gelesen: 565# 397 @  
@ bayern klassisch [#395]

Hallo Ralph,

verschlossene Briefe waren der Post zum Transport zu übergeben (Postzwang) und die allermeisten, die sich heute noch finden lassen, zeigen auch Siegel bzw. die Reste davon. Das war zwar illegal, kam aber recht häufig vor.

Könntest Du dies vielleicht etwas näher ausführen, ich verstehe nicht genau, was jetzt daran illegal gewesen ist?

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 19.04.2019 11:07:30 Gelesen: 559# 398 @  
Liebe Freunde,

das kann einmal den besten Beamten passieren, dass sie in einem Gebührenregulativ einfach etwas vergessen. Bayern vergaß nämlich ab dem 1.7.1850 bei der inneren Umstellung der Tarife, die Versendung von anhängenden Mustern günstig zu stellen, wie das zuvor immer der Fall war und erst zum 1.7.1858 änderte man dies und vergünstigte Briefe mit anhängenden Mustern ohne Wert um 50%.

Die Folge war, dass das Publikum, das mit dergleichen Versendungen bewandert war, praktisch alles an Mustern ohne Wert in die Briefe stopfte, weil nur Auslandsbriefe und Briefe in den DÖPV mit anhängenden Mustern noch portobegünstigt waren. Bei Inlandsbriefen aber gab es keine Portomoderation, so dass sie wie gewöhnliche Portobriefe (oder frankierte Briefe) taxiert bzw. frankiert wurden.



Hier ein Beispiel aus Bamberg vom 3.1.1851 an Poschacher in Tittmoning. Oben lesen wir: "Inliegend Muster ohne Werth" und die Aufgabepost taxierte den Brief mit 9 Kreuzern (über 12 Meilen, aber bis 15,625g leicht trotz Muster.

Inhalt: In Erwiederung Ihres Werthen vom 26. v. Mts v. Js (vorigen Monats vorigen Jahres) reiche Ihnen bekommend Muster von schönen neuen Kleesaamen welchen Ihnen ad 23 1/2 ab hier ohne Sack pr. compt gegen 2 Monat rime p. Ffurt (Frankfurt) Augsburg oder Nürnberg äußerst erlaßen kann und worauf Ihnen angl. Auftraegen entgegen sehe, schöne Waare wird bei uns immer rarer, da der größte Theil der Ernte vom Regen gelitten hat und roth wurde, Sie werden daher wohl thun wenn Sie bald für Ihren Bedarf sorgen. Von 1 & 2 jährigen Saamen besitze ich keinen Vorrath dagegeben habe ich noch ein Partiechen 3 jährigen welchen Ihnen ad 18- erlaße, neue Zweschen 10 Es soll mir angenehm seyn mit Ihnen in Geschaeftsverbindung zu kommen, und können Sie überzeugt seyn bei mir eine reele & billige Bedienung zu finden. Mit Achtung zeichnet Johann Gabriel Keilholz".

Wieder ein kleiner Mosaikstein der wachsenden Sammlung "1851".

Wer an der altdeutschen Kurrentschrift noch etwas üben muss, darf sich den Brief hier gern als Muster nehmen und selbst versuchen, ihn zu transkribieren - auf gehts, Buam!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.04.2019 10:29:38 Gelesen: 474# 399 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Dienstbrief aus Bad Bergzabern in der Südpfalz an den Bürgermeister ("Maire") von Wissembourg (Weißenberg falsch geschrieben) vom 9.4.1859, der die 8 km innerhalb kürzester Frist zurück gelegt hatte und am Folgetag dort ankam. Ankunftsstempel, das kennen wir auch von anderen französischen Kartenschlußämtern, mangeln oft, weil man die sog. "Loco - Correspondenz", also diejenigen Poststücke, die am Ort bzw. im Lokalbereich verblieben, erst gar nicht ankunftstempelte, sondern gleich dem oder den Briefträger(n) zur schleunigen Bestellung aushändigte.



Das Eigentümliche daran war, dass er mit 3 Decimes (Taxstempel von Wissembourg) dem Herrn Bürgermeister ausgehändigt wurde, was für 8 km nicht eben wenig war, nämlich fast 9 Kreuzer! Absender war der königliche Revierförster Perges, der in seinem Schreiben Bezug nimmt auf einen Holzkauf des Gemeindedieners Heinz von Barbelroth.

Da Revierförster, der Name sagt es ja schon aus, in ihrem Revier weit herum kamen, so auch an die pfälzisch - französische Grenze, hätte es mich nicht verwundert, wenn sich dieser über Schweigen (500 Meter von Wissembourg damals wie heute entfernt) begeben hätte und den Brief kostenlos dem Bürgermeister übergeben hätte, vlt. noch mit einem sinnerweiternden Kommentar versehen.

Im Falle der frankierten Absendung hätte der Brief nur 6 Kreuzer gekostet, also ein Drittel weniger als hier. Ein ganz früher Druck auf die Korrespondenten zur Frankatur nach dem Ausland.

Liebe Grüsse von bayern kassisch
 
bayern klassisch Am: 20.04.2019 10:50:28 Gelesen: 470# 400 @  
Liebe Freunde,

noch etwas zu Briefen nach und von Frankreich:



Weil ich es bisher vergessen hatte, jetzt aber nachholen möchte, zeige ich euch die VO Nr. 11,934 vom 28.6.1858, die im VO - Blatt Nr. 34 vom 30.6.1858 gerade noch so rechtzeitig zum Postvertrag Bayern - Frankreich ab dem 1.7.1858 heraus kam und die zeigte, wie präzise hier nach neuem Muster zu verwiegen war.

Das in der VO mit "bayerisches Gewicht" genannte, uralte Münchener Loth (17,5g!), war somit endlich obsolet geworden, denn Frankobriefe nach Frankreich und Portobriefe aus Frankreich waren bis dato noch immer nach diesem Gewicht zu taxieren und zwar so, dass bis 1/2 Münchener Loth inklusive einfach war (also 8,75g inkl.).

Auch hatten nur die Poststellen Gewichte in fanzösischen Grammen, die Kartenschlüsse zu Frankreich führten, also nur ganz wenige, so dass man mit den ab 1850 international üblichen Zollgewichten (1 Loth = 15,625g) arbeiten musste und darauf bedacht war, die richtigen Teil - Loth - Gewichte vorrätig zu haben, um die Taxen korrekt zu ermitteln. Hierfür wurden ausgegeben: 3/10, 4/10, 5/10 und 6/10 Loth - Gewichte, womit alle möglichen Gewichtsstufen nach/von Frankreich messbar waren (bis 10g inkl. - bis 20g inkl. - bis 30g inkl. usw. mussten umständlich mit 1 Zollpfund = 32 Zolloth - Teilgewichten abgewogen werden, also fast so kompliziert wie heute der Alltag in der EU!).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.04.2019 11:00:12 Gelesen: 468# 401 @  
Liebe Freunde,

falsch taxierte Auslandsbriefe sind bei Bayern so selten, wie Kettenraucher in Filmen der 1950er Jahre - dennoch ist es immer wieder schön, mal einen nett daher kommenden zeigen zu können.



Als selbiger präsentiert sich ein einfachre (bis 1 Loth) Portobrief aus München vom 23.12.1858 an Firma Frowein & Co in Arnhem (deutsch: Arnheim) an der preussisch - niederländischen Grenze. Die doch sehr erfahrene Aufgabepost taxierte ihn zuest wie einen gewöhnlichen DÖPV - Brief über 20 Meilen nach Preussen mit 4 Silbergroschen, ehe man bemerkte, dass dergleichen falsch war. Nun strich man die falsche 4 und ersetzte sie durch die korrekte Portoforderung Bayerns an Preussen mit 3 Sgr., die Preussen auch siegelseitig im Rahmen ihrer Abrechnungen mit der NL - Post wiederholte.

Die Niederlande beließen den blauen Wirrwarr und notierten einfach ihr Gesamtporto von 25 Cents, die der Empfänger am 26.12. berappen durfte.

Der Absender, Max Wassermann in München, teilte der Fa. Frowein mit, dass der Java - Caffee der letzten Zeit in Preis und Qualität nicht dem entsprechen würde, was man als Proben damals nach München geschickt hatte und man darüber sehr erbost sei. Auch so erklärt sich mancher Portobrief, der frankiert aber auch nicht viel günstiger gewesen wäre.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.04.2019 11:06:38 Gelesen: 466# 402 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Vorschuß - Rückschein von Erlangen nach Aub vom 20.1.1866. Er war unter Chargé ausgefertigt und sollte nach Einlösung des Post - Vorschusses wieder vollzogen und unterschrieben nach Erlangen zurück laufen.



Im Rückschein Nr. 43 sandte man der Postexpedition Aub einen Vorschuß über 1 Gulden an Brennhäuser in Gülchsheim zu (Aufgabepostler Schiller), der dort kassiert werden sollte. Aber das scheint in die Hose gegangen zu sein, denn der Vordruck wurde nicht ausgefüllt und somit auch nicht der Vorschuß eingelöst, sondern nur kommentarlos retourniert. Hat man auch nicht alle Tage.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.04.2019 08:22:03 Gelesen: 402# 403 @  
Liebe Freunde,

Portochargébriefe sind Geister, die Insider kennen, sonst aber hat sie keiner, hat sie keiner gesehen und haben tut man sie auch nicht. Aber es gibt sie! Nachdem ich einige davon zusammentragen konnte (innerbayerisch und im Postverein bzw. den Vertragsstaaten), gelang es mir heuer erstmals, einen Retour - Portochargébrief zu schnappen, auch wenn der Preis für ihn üppig war, aber bekanntlich ist die Erinnerung an das ausgegebene Geld schneller verschwunden, als die Freude, die man mit dem Stück hat, von daher ist alles gut.





Aufgegeben wurde er in Thalmässing am 27.4.1864, also genau 1,5 Monate nach dem Tode seiner Majestät Maximilians II am 10.3.1864, weshalb sich der Trauerrand und das schwarze Siegel, wie wir später sehen werden, erklären wird.

Gerichtet war er an Jakob Bauer aus Wettstetten, ca. 40 km südlich von Thalmässing und etwas nördlich von Ingolstadt gelegen. Der Absender wollte weder die Postgebühr, noch die Recommandation bezahlen und überließ folglich beides dem Empfänger. Daher notierte die Aufgabepost 6 / 6 für 6 Kreuzer Porto bis 12 Meilen und 6 Kreuzer ihr zustehende Recogebühr.

Damals hatte Wettstetten nur ca. 500 Einwohner, daher war die Post nicht sicher, wo es genau liegen würde und man notierte unter den Zielort Kipfenberg, strich dies dann aber und verblieb beim richtigen Ingolstadt. Ausweislich der Siegelseite war er am 28.4. in Ingolstadt und am Folgetag in ??heim.

Doch konnte die Zustellung und Berichtigung des 12 Kreuzer Portos nicht bewirkt werden, wie man aus der Notiz hinten ersehen kann: "Jakob Bauer seit drei Jahren tod, von dessen Verwandten nicht angenommen, Präßer, Postbote".

Warum niemand der "Relikten" den Brief annehmen wolte, geht wohl aus dem Inhalt hervor, den aber nur der Absender kannte: "Jakob Bauer von Wettstetten schuldet zur unterfertigten Rentenverwaltung Lehenbodenzins pro 1862 41 Kreuzer 3 Pfennige, Lehenbodenzins pro 1863 41 Kreuzer 3 Pfennige, in Summa 1 Gulden 23 Kreuzer 2 Pfennige.

Derselbe wird deshalb beauftragt, diesen Betrag innerhalb längstens 8 Tagen bei Vermeidung der gerichtlichen Einklagung portofrei anher zu senden.
Bemerkt wird hiebei, daß dem Geld nach für Porto u. Scheingebühr 9 Kreuzer, und als Austragergebühren für den Postboten 3 Kreuzer, sohin in Summa 12 Kreuzer, beizulegen sind.

Syburg, am 22. April 1864 Die freiherrlich Schenk v. Geyerische Rentenverwaltung - Schenk.

Fassen wir also zusammen: Portochargébrief, retourniert, Empfänger verstorben, Relikte nicht annahmewillig, Chargéstempel in schwarz, statt roter Farbe, Probleme mit der Findung des Zielortes, Trauerrand wegen kurz zuvor verstorbenem König und innen eine Postgebührenauflistung, die man auch nicht jeden Tag findet. Ich finde, viel mehr geht kaum noch, oder?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.04.2019 08:35:11 Gelesen: 399# 404 @  
Liebe Freunde,

nach langer Zeit (hihi) ist mir wieder mal eine schnuckelige Armensache ins Netz gegangen. Im wunderschönen Regensburg ließ am 14.9. 1853 das dortige Kreis- und Stadtgericht eine portofreie A.S. = Armensache "Zum hochwürdigen Consistorium des Bißthums Passau in Passau" ab, also fast ein Bischofsbrief, könnte man sagen.



Die Bestätigung als Armensache war von einem für die Richtigkeit haftenden Beamten zu unterzeichnen, was hier auch getan wurde. Am Folgetag kam das Schreiben an und wanderte in die Akten - jetzt ist das gute Stück in meine Mini - Sammlung der Armensachen gewandert.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
wuerttemberger Am: 21.04.2019 08:36:52 Gelesen: 398# 405 @  
@ bayern klassisch [#403]

Er lief über Eitensheim. Das liegt westlich von Wettstetten.

Gruß

wuerttemberger
 
bayern klassisch Am: 21.04.2019 08:56:28 Gelesen: 390# 406 @  
@ wuerttemberger [#405]

Lieber Axel,

deine Augen möchte ich haben - tausche auch gerne ein paar Briefe dazu. :-)

Vielen Dank - ich saß 10 Minuten vor dem Brief und kam nicht drauf, weil ich vorne ein "G" gelesen hatte und partout nichts passen wollte mit einem "G".

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 21.04.2019 09:09:56 Gelesen: 386# 407 @  
Liebe Freunde,

das Königreich Hannover war nicht völlige Terra incognita für einen Bayern, aber aus der Welt war es schon!



Die Aufgabepost in Hollfeld hatte einen Postkunden am 8.1.1854 vor sich, der einen einfachen Brief aufzugeben gedachte. Für dergleichen besagte die Vorschrift (ab 1.6.1851 war Hannover im DÖPV), dass nach Ländern nördlich von Preussen die Taxe für Portobriefe in preussischer Währung = Silbergroschen zu notieren war, denn die tatsächliche Währung Hannovers, der Gutegroschen, war in Bayern abrechnungstechnisch unbekannt, weil man hier nur in rheinischen Kreuzern und Silbergroschen verrechnen konnte.

Daher waren die zuerst notierten 12 Kreuzer sinnentleert, denn die kannte keiner in Preussen und Hannover, weswegen man sie auch bald wieder mit dem feuchten Daumen auswischte. Richtig waren und wären gewesen 4 Silbergroschen für einfache Portobriefe über 20 Meilen via Preussen.

Bei der Ankunft in Hildesheim am Folgetag (Respekt!) strich man die 4 Silbergroschen durch und ersetzte sie korrekt mit 3 1/4 Gutegroschen, die unser Tischlermeister H. Bayer sicher freudig erregt berappte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.04.2019 09:31:47 Gelesen: 376# 408 @  
Liebe Freunde,

bei dem folgenden Brief passte vieles - nicht!



Absender war der k. Notar M. Maunz in Sulzbach am 26.5.1873. Er ließ einen unfrankierten Brief an den k. Advokaten Herrn Ernst Gaßner in Amberg abgehen und fügte nur seine Expeditions - Nummer 329 hinzu, heute würde man Geschäftszeichen dazu sagen.

Zuerst wähnte ihn die Aufgabepost als Partei - Sache, für welche schon lange nur der Satz für Frankobriefe = 3 Kreuzer auch im Falle der unfreien Versendung vorgesehen war. Dann aber sah sie keine Notiz "P.S.", wie es hätte der Fall hierfür sein müssen und taxierte ihn wie einen gewöhnlichen Privatbrief mit 7 Kreuzern.

Oder: Man sah zwar keinen Vermerk "P.S.", tat aber so, als wäre es nur vergessen worden und taxierte eine Partei - Sache der 2. Gewichtsstufe richtig mit 7 Kreuzern, die andernfalls sogar als Privatbrief 11 Kreuzer gekostet hätte. Das werden wir wohl nicht mehr heraus finden.

Damit kommen wir zum nächsten Problem - der Stempelschneider hatte 1869/70 bei Sulzbach das "Z" falsch geschnitten. Das war dem Sulzbacher Postexpeditor aber egal und er verwendete diesen Stempel noch bis 1875 weiter!

Allerdings war der 1. Abschlag kopfstehend völlig desolat, weil a) kein Ort, b) kein Tag und c) kein Monat zu erkennen war (was mich eher an einen schweren Brief glauben läßt, da diese auch oft nur mangelhaft gestempelt werden konnten).
Der 2. Abschlag war nun gerade, immerhin, zeigte aber einen verschmierten Tag (26. mühsam zu erahnen) und einen kopfstehenden Monat (Mai) an, was auch nicht gerade im Sinne des Erfinders war.

Aber an diesem 26.5.1873 war dieses mangelhafte Produkt unserem Expeditor allemal gut genug und er ließ es dabei bewenden. Es versteht sich von selbst, dass dieser Brief auch keinen Ankunftsstempel aufweist, weil wenn alles zusammen kommt, dann kommt halt alles zusammen und auf einen Fehler mehr oder weniger kam es hier schon lange nicht mehr an.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 22.04.2019 08:06:25 Gelesen: 245# 409 @  
Liebe Freunde,

für meine wachsende Mini - Sammlung "1851" konnte ich den hier schnappen, der mir aber hinsichtlich seines Portos Probleme bereitet:



Augsburg, 28.2.1851, nach Isny in Württemberg, Taxe von Bayern 7 Kreuzer. Wieso 7 Kreuzer? Nach der Entfernung von 99 km zwischen beiden Postorten wären von Bayern aus nur 6 Kreuzer (über 12 - 18 Meilen) zu taxieren gewesen. Hat Augsburg gleich den einen Kreuzer für die Bestellung in Isny addiert? Wenn ja, wo steht das?

Fest steht, dass die bayer. Postkutsche ihn bis Isny gefahren hat (von Kempten aus) und ihr dafür nichts zustand, wie umbekeht eine württembergische Postkutsche bis Kempten gefahren wäre für Post nach Bayern und ihr hierfür auch nichts zugestanden hätte (waren nur 5 km).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 22.04.2019 09:11:32 Gelesen: 236# 410 @  
Liebe Freunde,



eine Retour - Recepisse (RR) der Briefpost aus Würzburg vom 11.4.1864 des Reichsrathes von Würzburg zu Würzburg nach Öttershausen bei Volkach an Verwalter Eberhardt lief unter Reco - Nr. 418 für 6 Kreuzer mit einem recommandirten Brief (leider hier nicht vorhanden) ab und traf am Folgetag in Volkach ein. Der dortige Landpostbote gab ihn mit dem Brief dem Empfänger zur Unterschrift ab und nahm in auch gleich quittiert wieder mit auf seine Tour.

Am 13.4. ging die RR wieder auf ihre Rückreise, wo sie am Folgetag in Würzburg eintraf und unserem Herrn Reichsrath zugestellt wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 22.04.2019 09:19:14 Gelesen: 234# 411 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Teilfrankobrief aus München vom 8.4.1835 an:

Monsieur Monsieur le Chevalier J. G. Eynard aus soues de Monsieur Snell, Consul Suisse Rome



Nach dem Postvertrag Bayerns mit Österreich vom 1.5.1819 waren Briefe in den Kirchenstaat mit Leitung über Österreich bis zur bayer-österreichischen Grenze zu frankieren. Hier zahlte man 6 Kreuzer, die siegelseitig notiert wurden (bis Salzburg).

Österreich rechnete im Paket mit dem Kirchenstaat ab, weswegen öster. Taxen für dergleichen Briefe eigentlich obsolet waren (Österreich bekam je Unze = 30g 100 Bajocchi vom Kirchenstaat vergütet). Dennoch finden wir hier eine 13 Kreuzer Conventionsmünze in Rötel, die nirgendwo sonst auf den Brief gekommen sein kann.

Über Bologna (Grenzeingangspostamt des Kirchenstaats zu Österreich) lief er nach Rom, wo er am 16.4.1835 ankam und für 27 Bajocchi dem Empfänger ausgehändigt wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

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