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Thema: Auktionslose aus der Bastelstube ? Echt oder falsch ?
Stempelwolf Am: 11.10.2008 23:14:46 Gelesen: 8796# 1 @  
Diesen Beleg habe ich bei einer Auktion entdeckt "interessanter Brief mit L1 Stuttgart" für 7,50 Euro im Festverkauf. Meines Wissens ist solch ein Grobsendungsstempel in Stuttgart nicht verwendet worden. Ausserdem soll der Brief wohl aus Nürnberg nach Ebingen versandt worden sein wenn man dem Absenderstempel links unten Glauben schenken soll. Die Abstempelungen der Marken machen auch keinen Sinn - 1 x unleserlicher Tagesstempel U.., 4 x unleserlicher großer Kreisstempel?? und dann diese Langstempel? Übrigens habe ich auch keinen passenden Tarif für diese Frankatur (0,72 Reichsmark) gefunden. Alles in allem sieht das nach "Kinderpost" aus! Und die bekommt man um 10 Cent.



Beste Grüße
Wolfgang
 
Jürgen Witkowski Am: 11.10.2008 23:33:18 Gelesen: 8790# 2 @  
@ Stempelwolf [#1]

Das riecht sehr nach Bastelstube. Meine unmaßgebliche Vermutung sieht wie folgt aus:

Die beiden Marken rechts oben haben mal irgendwo zusammen auf einem Beleg geklebt. Der Rest stammt aus einem Doublettenalbum für Falzmarken. Woher der Stempel kommt, wissen die Götter und was der Regimentsstempel von 1939 auf einem Beleg, der angeblich in 1943 gelaufen ist für einen Sinn macht, kann uns wohl nur der Schöpfer dieses Machwerkes höchstselbst erklären. Die Absenderin war vielleicht Eva Braun, die an eine Schulfreundin geschrieben hat. Weil sie auf ihren Lover so stolz war, hat sie ihn gleich neunmal auf den Umschlag geklebt.

Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Mit kopfschüttelnden Sammlergrüßen
Jürgen
 
Stempelwolf Am: 11.10.2008 23:42:18 Gelesen: 8788# 3 @  
Und noch eins: "WUERTT. 1919 Reco-Bf. STUTTGART, GSU mit Zusatzfrankatur" gleich 3 x im Angebot für jeweils 7,- Euro. Der Ganzsachenumschlag war 1919 nicht mehr gültig - also wäre der Einschreibebrief portogerecht, wenn der Postbeamte den ungültigen Wertstempel als ungültig gekennzeichnet hätte. Die 10 Pfg und 15 Pfg Marken zeigen einen Aufdruck: "für Kriegsbeschädigte" und sind somit zu Spendenmarken geworden und meines Wissens damit nicht mehr frankaturgültig.

Meiner Meinung hat sich hier ein Spaßvogel von seinem Postamts-Bekannten diese "Belege" vorne am Schalter abstempeln lassen, denn Einschreibebriefe wurden im Innenraum abgestempelt und dort hatten die Stempel die Unterscheidungsbuchstaben "q,r,s,t etc." während die Schalterstempel die Unterscheidungsbuchstaben "a,b,c,d etc." trugen.



Beste Grüße
Wolfgang
 
reichswolf Am: 15.10.2008 23:32:22 Gelesen: 8628# 4 @  
@ Stempelwolf [#3]

Hallo Wolfgang,

den GSU kann ich nicht geneu erkennen, dafür ist mir der Scan zu klein. Aber 1919 waren auf jeden Fall noch nicht alle Württemberger Marken und Ganzsachen ungültig, Dienstmarken und -GA gab es noch, die auch als Mischfrankatur mit Marken des DR vorkommen können. Aber wie gesagt, zu dem Beleg selbst kann ich mir bezüglich des Umschlages kein Urteil erlauben, ich erkenne da nichts.

Die 10 und 15 Pfennig Germaniamarken findest du unter den Nummern 105/6 im Michel, das sind ganz normale, frankaturgültige Marken.

Beste Grüße,
Christoph
 
Stempelwolf Am: 14.12.2008 21:27:09 Gelesen: 8509# 5 @  
Mal wieder ein Beleg der mich nachdenklich stimmt:

portogerecht: ja. 1950 betrug das Porto für einen Luftpost-R-Eilbrief in der 1. Gewichtsstufe 1,55 DM
Rotaufdrucke Berlin: waren gültig bis 31.1.1950 (hier Letzttagabstempelung)
Bizone Bauten: noch frankaturgültig
Bizone Baden: noch frankaturgültig
Mischfrankaturen der Zonenausgaben: zulässig
JEIA-Marke: wohl nur als Luftpostzettel verwendet, da keine Klebepflicht mehr gegeben
Papier des Briefumschlags: gab es 1950 schon
aptierter Stempel Stuttgart 10: Verwendung bis 1963 nachgewiesen
R-Zettel: so in dieser Form nur in der französischen Zone verwendet. Im Postamt Stuttgart 10 wurden nachweislich seit 1947 die Zettel (mit Postleitgebietszahl im Kreis eingedruckt) verwendet.
Gab es in Belgien Stempel für postlagernd? In Deutschland wurden welche auf Belegen abgeschlagen (meist eine römische Ziffer im Kreis).

End vom Lied: Echte Verwendung oder nur Spielerei?

Wer kann helfen?

Beste Grüße
Wolfgang


 
Christian Am: 15.12.2008 00:01:13 Gelesen: 8492# 6 @  
@ Stempelwolf [#5]

Guten Abend Wolfgang!

Der Brief ist bestenfalls die Spielerei eines Sammlers. Dafür würden viele der von dir erwähnten Faktoren sprechen. Eine echte Verwendung kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Dazu sind die Marken viel zu unterschiedlich. Ohne die Berlin-Marken, könnte man vielleicht noch annehmen, dass jemand alle vorhandenen Marken "zusammengekratzt" hat. Vor allem der letzte Tag der Gültigkeit, lässt darauf schließen, dass hier ein Sammler am Werk war.

In Betracht käme auch noch eine Fälschung. Halte ich aber für unwahrscheinlich, da ich den Wert des Beleges nicht als sehr hoch einschätze.

Grüße

Christian

PS: Ich bin mir ziemlich sicher, dass in Belgien auch Stempel für postlagernd abgeschlagen wurden.
 
Stempelwolf Am: 15.12.2008 21:42:54 Gelesen: 8445# 7 @  
@ Christian [#6]

Danke Christian für Deine Einschätzung. Ca. 20 dieser Briefe in den verschiedensten Aufmachungen werden bei der Auktion zwischen 19,95 Euro (der abgebildete) und 218 Euro angeboten.

Beste Grüße
Wolfgang
 
Stempelwolf Am: 17.02.2009 21:17:58 Gelesen: 8306# 8 @  
Ein ähnlicher Beleg aus der gleichen "Bastelstube". Was mich, von der Spielerei mit der JEIA-Make mal abgesehen wundert, ist dieses violettblaue/blaue "R" sowohl links in der Ecke des Belegs als auch im Einschreibezettel. Meiner Meinung nach sind die Abschläge des "R" identisch.

Was hat sich da der Bastler wohl überlegt? Oder gab es solche Abschläge tatsächlich? In keinem mir vorliegenden Handbuch finde ich etwas über eine solche Stempelung.



Beste Grüße
Wolfgang
 
Lars Boettger Am: 17.02.2009 21:30:49 Gelesen: 8302# 9 @  
Hallo Wolfgang,

eine Überlegung: Links unten siehst Du eine belgische Marke ü/65 Centimes für die "Poste Restante"-Gebühr. Ob das "R" ein Stempel des Postamtes Mons für "Poste Restante"-Briefe war? Das ist allerdings reine Spekulation.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
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