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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 164 Beiträge:
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Detlev0405 Am: 12.08.2019 08:11:00 Gelesen: 7445# 140 @  
Heute kann ich einen Brief von der wohl längsten Strecke, auf der ein Brief bis 1939 von der Tschechoslowakei befördert wurde, vorstellen.



Es handelt sich um die Destination Prag – Melbourne aus dem Jahr 1938. Beim ersten Blick auf den Brief werden wohl viele enttäuscht sein – keine Luftpostmarken, keine Durchgangsstempel. Daher verweise ich hier auf den Beitrag von Ralf unter [#22] und vom Wolfgang [#24] Punkt 1 zweiter Absatz. Lediglich ein Abgangsstempel von Prag – Flughafen am 09.04.38 um 17 Uhr und ein Ankunftsstempel in Melbourne am 24.04.38 . Und dennoch ist es ein faszinierender Brief der Bedarfsluftpost – wir müssen nur in die Details eindringen.



Es handelt sich hier um einen Geschäftsbrief der „Boskin“ AG für Lederwaren an den Partner in Australien zum Bezug der Rohware für die AG. Frankiert wurde er – und das wieder entgegen den geltenden Bestimmungen der Post – mit zwei Firmenfreistempeln a 8 Kronen. Also gesamt 16 Kronen Porto. Ab dem 01.03.1937 galt für internationale Briefe ein Porto von 2,50 Kronen bis 20 g. Der Luftpostzuschlag je 5 g betrug ab 01.07.1937 4,50 Kronen. Somit war der Brief etwa 15 g schwer = 13,50 Kronen + Porto. Also bedarfsgerecht frankiert.

Bleibt die Frage, welche Gesellschaft auf welcher Route den Brief nach Australien befördert hat, denn der Abgangsstempel von Prag – Flughafen legt ja die Luftpostbeförderung nahe. Und hier kommt uns der Fakt, das keine Durchgangsstempel angebracht wurden, zur Hilfe. Aus der Zeit der Luftpost bis 1939 fallen mir zwei Länder auf, die kaum gestempelt haben – USA und England. Das der Brief über die USA lief kann ausgeschlossen werden.

Also ein Flug über London ? Eigentlich wäre Athen als Anbindung idealer. Aber erinnern wir uns, die tschechoslowakischen Airlines hatten es verpasst, sich mit der DLH vertraglich zu verbinden auf der Strecke. Und so macht die Destination über London Sinn.

Wir müssen auch wieder auf die Wochentage achten, da Flüge nur an bestimmten Wochentagen durchgeführt wurden. Der 09.04.38 war ein Samstag und der 24.04.38 ein Sonntag. In diesen Rahmen muss die Beförderung passen.

Los geht es am 10.04.38 um 15 Uhr ab Prag mit dem Trans Europe Air Express nach London. Dort kam der Brief um 20.05 Uhr an. [1] Leider verpasste der Brief den Flug nach Australien an diesem Tag um genau eine Stunde. Also musste er bis Mittwoch warten. So verließ der Brief am 13.04. London. Die wichtigsten Etappen waren dann : 14.4 . (Do) Athen 15.4. (Fr) Basra 16.4. (Sa) Karachi 17.4. (So) Calcutta 18.4. (Mo) Bangkok 19.4. (Di) Singapore. Bis hierher beförderte die Imperial Airways den Brief. Eine kleine Besonderheit muss hier noch eingefügt werden. Von London wurde der Brief per Bahn nach Southampton befördert, um dort in ein Flugboot verladen zu werden.

Von Singapore wurde der Brief weiter befördert mit der Qantas Empire Airways, einer Tochtergesellschaft der Imperial Airways. So waren die weiteren Etappen : 20.4. (Mi) Sourabaya 21.4. (Do) Darwin 22.4. (Fr) Townsville und 23.4. (Sa) Sydney . Hier endet der lange Flug. [2]

Von Sydney nach Melbourne beförderte die Australian National Airways ANA den Brief mit einer DC-2 . Der Flughafen von Melbourne befand sich zu der Zeit in Essendon . [3]



Das war das einzige Schema von Flugplänen, das in den vorgegebenen Zeitrahmen passte. Nun wird auch jeder verstehen, warum keine Etappenstempel abgeschlagen wurden.

Der Brief dokumentiert noch einmal sehr deutlich, das auch entgegen der gesetzlichen Regelung – Aufkleber + Luftpostmarke – Post ohne Luftpostmarke anstandslos befördert wurde.

Zur Seltenheit von Freistempeln bei Luftpostsendungen hatte ich mich schon im Beitrag [#94] geäußert.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok38/ok38-5.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/iaw38aus/iaw38u-2.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/an36.htm
 
Detlev0405 Am: 14.08.2019 08:33:44 Gelesen: 7287# 141 @  
Ich freue mich heute einen Beitrag veröffentlichen zu können, der sich auf die Anfänge des Threads bezieht. Es geht um den Beitrag [#9], wo ich den Flug nicht so richtig zuordnen konnte.

Dazu erreichte mich folgende Zuschrift:

Ihr Beitrag vom 15. 1.18 LP-Karte Marienbad - Chemnitz - Halle /
Leipzig. Die Karte wurde auf der Lufthansa-Linie Marienbad - Chemnitz -
Berlin, eröffnet am 21. 5. 1928, bis Chemnitz befördert, dort entkartet und auf
die Direktlinie Chemnitz - Halle / Leipzig geleitet. Deshalb die
Flugbestätigungen von Chemnitz und Halle / L. Eine Direktlinie Marienbad
- Chemnitz - Halle gab es nicht-

Mit herzlichen Gruß Dietrich Intelmann


Auch für den Beleg aus dem Beitrag [#17] wird nun eine fundierte Auflösung angeboten.

Da waren noch 2 Belege 1.6.31 An
diesem Tag wurde durch CSL die Linie
Halle / Leipzig - Marienbad - Karlsbad eröffnet. Sie zeigten da den
Rückflug Karlsbad - Marienbad , dort umgeleitet auf die LH-Strecke
Richtung Berlin, in Chemnitz entkartet und den Hinflug Halle -Karlsbad.
Näheres findet man im Handbuch von Otto Dt. LP 1919 - 1932

Mit herzlichen Grüßen Dietrich Intelmann


Ich bedanke mich ausdrücklich bei Herrn Intelmann für die Lösung der beiden Rätsel in meinen Beiträgen. Seine Zustimmung zur Veröffentlichung der Mails liegt mir vor.

Mit freundlichen Grüßen
Detlev
 
Detlev0405 Am: 22.08.2019 08:30:58 Gelesen: 6946# 142 @  
Unser heutiger Beleg ist weder ein Bedarfsbeleg noch ein Erstflugbeleg. Am 18.07.1937 fand in Brüssel ein Flugmeeting statt. Aus diesem Anlass wurde ein Sonderflug zur Propagierung der Luftpostverbindung zwischen Brüssel und Prag durchgeführt.



Abgefertigt wurde die Karte am 19.07.1937 um 10 Uhr am Flughafen in Brüssel. Seinen Ankunftstempel erhielt sie am Flughafen Prag am gleichen Tag um 16 Uhr. Abgeschlagen wurde in Brüssel ebenfalls ein Sonderstempel in Türkis, der Anlass bezogen war.

Frankiert mit tschechischen Marken ging der Brief am 21.07.1937 zurück nach Brüssel. Dabei werfen die verklebten 2 Kc aber Fragen auf. Ab 01.03.1937 war der Posttarif ins Ausland für eine Karte 1,50 Kc. Hinzu kommt der gültige Flugposttarif vom 05.06.1930 von 1.50 Kc . Eine Vergünstigung für Drucksachen ins Ausland gab es nicht.

Das es sich um einen Sonderflug handeln muss, ist aus dem Flugplan der CSA für 1937 ersichtlich. Der reguläre Streckenflug von Brüssel ging täglich um 9 Uhr ab [1]. Der Sonderflug laut Stempel vom Flughafen Brüssel nicht vor 10 Uhr.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-1.jpg
 
Detlev0405 Am: 27.08.2019 13:42:16 Gelesen: 6620# 143 @  
Heute möchte ich die Destination zwischen Belgien und der Tschechoslowakei mit weiteren Belegen dokumentieren. Neben den schönen Frankaturen der Luftpost aus Belgien fällt noch ein weiterer Umstand ins Auge. Obwohl die Direktverbindung zwischen Prag und Brüssel am 05.04.1937 hergestellt wurde, war es nicht die einzige genutzte Flugverbindung.



Unser erster Beleg wurde auf der direkten Verbindung zwischen Brüssel und Prag abgefertigt. Aufgegeben vom 1. Luftfahrtsalon in Brüssel am 28.05.1937 um 16 Uhr, konnte er am nächsten Tag um 09 Uhr seine Reise nach Prag antreten. In Prag kam er um 11.50 Uhr an nach Flugplan [1] . Das belegt auch der auf der Vorderseite angebrachte Ankunftstempel vom Prager Flughafen. Von dort aus ging es per normaler Post weiter nach Opava. Eine Luftpostbeförderung nach Opava kann ausgeschlossen werden, da diese Strecke 1936 eingestellt wurde.



Der zweite Beleg ging von Zwartberg über Brüssel und Paris nach Prag. Am 02.12.1937 in Zwartberg aufgegeben, traf er in Paris am 03.12.1937 ein um von dort aus weitergeleitet zu werden nach Prag. Hier endete die Beförderung am 04.12.1937 . Sehr schön die Einzel Frankatur mit der MiNr. 283 von Belgien. Warum dieser Brief doch diesen Umweg über Paris genommen hat, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Zumal Brüssel als Zwischenstation nachgewiesen wurde auf der Rückseite mit einem Stempel. Am 02.12.1937 gegen 19 Uhr in Brüssel angekommen, hätte der Brief auch am 03.12.1937 früh direkt nach Prag gehen können und wäre Mittag in Prag gewesen. So erst einen Tag später.



Das letzte Beispiel ist ein Brief, der von Brüssel direkt nach Prag ging. Er ging in unruhigen Zeiten auf Reisen, denn er wurde in Brüssel am 19.10.1938 abgeschickt. Erinnern wir uns, ab dem 01.10.1938 wurden die Sudeten durch Deutschland besetzt. Nach Prag funktionierte die Postverbindung noch reibungslos, so kam er am 20.10.1938 am Flughafen Prag an mit der regulären Verbindung 09 Uhr ab Brüssel und Ankunft 11.50 Uhr in Prag. Es verwundert nicht, das der Brief durch die Zensur ging.

Zur Zusatzleistung Eilpost auf Luftpostbriefen hatte ich mich schon einmal im Beitrag [#69] geäußert. Eigentlich sinnlos, wenn die Enddestination am Endflughafen ist, aber auch in diesem Fall macht es wohl wieder Sinn. Ich habe beobachtet, das Zensurbelege 1937/38 bis zu drei Tagen Verzögerung erfuhren bis sie am Zustellpostamt eintrafen. Dieser Brief wurde wohl bevorzugt bearbeitet, was die Durchgangsstempel beweisen. So hat wohl die Eilpost seinen Zweck erfüllt.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-1.jpg
 
Detlev0405 Am: 03.09.2019 13:43:43 Gelesen: 6385# 144 @  
Unsere heutige Karte begegnet uns als kleines hässliches Entlein – auf den ersten Blick. Dabei entpuppt sich die Karte bei tiefgehenden Nachforschungen als ein stolzer Schwan, in mehreren Teilgebieten des tschechoslowakischen Sammelgebietes.



Grundtenor der Karte – von Prag in das besetzte Gebiet der Tschechoslowakei, die Sudeten. Seit dem 01.10.1938 besetzten deutsche Truppen nach dem Münchner Abkommen die Gebiete der Sudeten.

Meine erste Frage war selbstverständlich auf die Richtigkeit der Luftpostbeförderung gerichtet. Die Frankatur war für eine Auslandsfrankatur ausgelegt und sogar etwas zu hoch – ab 01.03.1937 war 1.50 Kc für eine Auslandskarte fällig, Luftpostzuschlag nach Deutschland betrug ab dem 05.06.1930 1,00 Kc. Der Flugpost Stempel vom Prager Flughafen ist zweifelsfrei vom 06.10.1938 um 21.00 Uhr. Fakt ist, das die Karte erst am 07.10.1938 vom Flughafen Prag auf Reisen gehen konnte. Die Frage steht – wohin ? Erste Möglichkeit über Berlin. Oder nur bis Dresden – nur von beiden Standorten fehlt ein typischer Ankunftstempel. Von Dresden aus hätte die Karte dann mit der Reichspost nach Rumburg befördert werden müssen.

Hier hilft uns der historische Ablauf der Besetzung der Sudeten weiter. Rumburg wurde am 02.10.1937 besetzt ( andere Quellen benennen sogar den 30.09. ). Der nächstliegende Flughafen war Liberec/Reichenberg, von hier aus waren es etwa 20 km mit der Post nach Rumburg und weitere 4 km etwa nach Nixdorf. Liberec wurde von den deutschen Truppen erst am 09.10.1937 besetzt, stand also für die CSA am 07.10.1937 zur regulären Luftpostbeförderung zur Verfügung. Aber die CSA stellte bereits ihre Flüge nach Liberec am 23.09.1938 ein. Die Deutsche Lufthansa hatte keine Verbindung nach Liberec auf dem Plan. Bleibt nur noch eine Linie möglich – die CSL.

Und wir werden fündig, im Jahre 1938 am 01.05. den Flugbetrieb aufgenommen, gibt es keine Angaben über das Ende des Flugbetriebes von Prag nach Liberec mit der CSL. So konnte die Karte ab Prag um 16.45 Uhr abgehen, um gegen 17.25 Uhr in Liberec am 07.10.1938 anzukommen [1]. Hier befand sich die Karte noch auf tschechoslowakischen Gebiet. Nun musste sie auf dem Landweg nach Rumburg. Hier überschritt die Karte die „neue“ deutsche Grenze. Das auf der Rückseite angebrachte Bleistiftdatum lässt vermuten, das die Karte an dem Tag vom Empfänger bearbeitet wurde. Interessant der Vermerk des Absenders, per Luftpost zu antworten. Hier können wohl eher die Spezialisten der Sudetenpost ihre Meinung äußern.

Somit ist die Karte einer der letzten Belege, die mit tschechoslowakischer Luftpost nach Liberec befördert wurde. Zugleich ein Zeitdokument der Post in die Sudeten als besetztes Gebiet. Ein Beleg aus dessen Anfangstagen und echt gelaufen. Ab 01.11.1938 waren auf dem Flughafen Reichenberg die Aufklärungsgruppen 52 und 41 der deutschen Luftwaffe stationiert [2].

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/cls38/cls38-06.jpg
[2] http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-liberec.htm
 
Detlev0405 Am: 10.09.2019 13:09:06 Gelesen: 6113# 145 @  
Mein heutiger Beleg ist fast ein normaler spanischer Luftpostbeleg – wenn er nicht vom 12.08.1936 datiert und damit nahtlos ein Vorgänger des Beleges aus dem Beitrag [#124] wäre. Am 17.07.1936 brach der spanische Bürgerkrieg aus.



Davon aber noch völlig unberührt wurde unser Brief am 12.08.1936 in Barcelona aufgegeben. Es gab offensichtlich noch keinerlei Zensurmaßnahmen.

Hier gab es jetzt zwei Möglichkeiten der Beförderung – zum einen auf der regulären Strecke Barcelona ab 13 Uhr – Paris an 20.15 Uhr oder Dakar – Barcelona ab 13.05 Uhr – Paris an 19.10 Uhr. [1] Von Paris erfolgte die weitere Beförderung im Direktflug nach Prag. Der Flug ging um 06 Uhr in Paris ab und erreichte Prag um 11.25 Uhr. [2]

So abenteuerlich es klingt, die restliche Etappe nach Piestany wurde auch mit dem Flugzeug der CSA geschafft und das in mehreren Etappen. Prag verließ der Brief um 16 Uhr, machte Zwischenlandungen in Brno 17.15 Uhr und Bratislava 18.10 Uhr um in Piestany um 18.50 Uhr anzukommen. [3]

Zwei Tage Laufzeit des Briefs, am 3. Tag wohl zugestellt – eine tolle Leistung.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af36p/af36p-13.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af36p/af36p-08.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok3506/ok3506-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 17.09.2019 06:02:20 Gelesen: 5807# 146 @  
Manche Belege entlocken mir einfach nur ein leichtes Schmunzeln. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.



Diese Karte ging am 09.03.1928 von Leipzig nach Prag. In der Zeit vom 04. - 14.03.1928 fand die Frühjahrsmesse in Leipzig statt. Aber jeder Beleg, der in dieser Zeit vom Flughafen Leipzig abging, ist nicht gleich ein Beleg vom Messeflugverkehr.

Auch wenn diese Karte als Messeflugverkehr angeboten wurde, ist sie es nicht. In den 20er Jahren schrieb das Messeamt Sonderflüge zur Messe aus, zu denen sich die Deutsche Lufthansa und die Nordbayerische Verkehrsflug bewarben. [1] Diese Karte wurde am 09.03.2019 zwischen 12 – 13 Uhr am Flughafen aufgegeben. Somit konnte sie den Flug um 13.40 Uhr nutzen, um in Prag gegen 15.50 Uhr anzukommen. Allerdings handelt es sich hier um den Linienflug Bremen – Leipzig – Prag – Wien. [2] Der fragmentarische Ankunftsstempel auf der Rückseite (wenn es denn einer ist) gibt uns leider keine Auskunft über die Ankunft.

Dafür aber der auf der Vorderseite angebrachte Stempel vom Haupttelegrafenamt. Nur hat sich der Postbeamte hier vertan – gut um 8 Uhr früh nachvollziehbar – der Monat war falsch eingestellt worden auf dem Stempel.

Also Vorsicht vor Messeflug Belegen – es könnten normale Linienflüge sein.

Gruß
Detlev

[1] https://publikationen.dglr.de/?tx_dglrpublications_pi1[document_id]=82601004
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-21.jpg
 
Detlev0405 Am: 23.09.2019 14:00:56 Gelesen: 5488# 147 @  
Der heute Beleg ist etwas verwirrend, denn er trägt 4 verschiedene Stempel von Prag bevor er auf Reisen ging. Er reflektiert aber eine große Begeisterung vieler Sammler in der damaligen Tschechoslowakei – das Interesse an Sonderstempel.



Unser Fan wollte die Sonderstempel zum 20. Jahrestag der tschechischen Armee. Also beklebte er einen Blankoumschlag mit einer 10 Heller Marke und holte sich beim Postamt Praha 25 den Maschinenstempel in Rot ab. Dann ging es zum Postamt der Prager Burg in Praha 10 , wo er den Abschlag des Sonderstempels zum gleichen Anlass in Gold bekam. Die ordnungsgemäße Abfertigung am gleichen Postamt für den Postweg bestätigt der Tagesstempel vom gleichen Postamt auf der 50 Heller Marke.

Als Drucksache (Tiskopis) deklariert, wurde der Brief vom Flughafen in Praha 7 mit Luftpost nach Brno befördert. Dabei ist aber eine Besonderheit zu beachten. Zum 31.08.1934 wurden die meisten Linien im Sommerflugplan eingestellt. Eine Linie wies aber ein Besonderheit auf, sie wurde vom 01.09. - 31.10.1934 betrieben. Es war die Linie Prag – Bratislava – Ushorod. Diese ging über Brno und beförderte unseren Brief ab Prag 12 Uhr und Ankunft in Brno um 16.15 Uhr. [1]



In Brno bekam der Brief den Ankunftsstempel nach Horka RV12 in violett.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 01.10.2019 08:26:45 Gelesen: 5269# 148 @  
Heute und das nächste Mal habe ich Belege, die etwas abseits der stark frequentierten Strecken die Flugverbindungen der Tschechoslowakei aufzeigen. Es geht um den Standort Brno.

Luftpostbelege von Polen in die Tschechoslowakei bis 1939 sind relativ schwer zu finden. Warum vermag ich nicht zu erklären. Um so erfreulicher, wenn einem sogar Erstflugbelege über den Weg laufen – wie dieser Erstflug auf der Strecke Warschau – Krakau – Brno – Wien.



Dieser Brief wurde am 01.11.1927 in Warschau aufgegeben und mit dem violetten Kastenstempel für den Erstflug versehen. Registriert ist er bei Horka unter der Nummer 73a. Nach Horka war auch die staatliche polnische Fluggesellschaft LOT für die Beförderung verantwortlich. Das stimmt aber nicht so und in seiner umfangreicheren Beschreibung auf Seite 84 unten erwähnt er auch die P.L.L. LOT als transportierende Luftfahrt Gesellschaft. Richtig ist, das der Brief durch die Polska Linja Lotnicza befördert wurde. Die LOT wurde erst am 29.12.1928 gegründet. [1]

Der Flug ging in Warschau nach Plan um 08.45 Uhr in Richtung Krakau. Dort sollte Ankunft um 11.15 Uhr sein. Um 12.30 Uhr geht dann der Flug laut Plan von Krakau über Brno nach Wien. [2]

Der aufmerksame Beobachter stellt sich nun eine Schlüsselfrage – wieso ist der Ankunftsstempel in Brno vom 03.11.1927 ? Dazu muss man streng die gesamte Flugstrecke teilen. Warschau – Krakau war eine inländische Destination genauso wie die Strecke Lwow – Krakau. Beide Städte sollten ursprünglich in Krakau zeitgleich auflaufen, um dann weiter nach Wien befördert zu werden. Letztere wurde erst am 03.11.1927 realisiert (vgl. Horka Nummer 73c) und so konnte der Erstflug Krakau – Wien erst am 03.11.1927 abgeschlossen werden. Auf der polnischen Strecke wurden 140 Belege befördert, wovon 40 erst ab Krakau aufgegeben wurden.

Etwas ungewöhnlich aber wir dürfen nicht vergessen, wir sind in der Anfangszeit der Luftpostbeförderung.

Gruß
Detlev

[1] https://corporate.lot.com/pl/en/history
[2] https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f2/Skany_dokumentow_historycznych_068.jpg
 
Detlev0405 Am: 08.10.2019 05:52:22 Gelesen: 4968# 149 @  
Der zweite Beleg kommt viel bescheidener her.



Es handelt sich um die Flugverbindung von Katowice nach Brno. Aufgegeben in Katowice am 08.01.1929 um 8 Uhr, traf er in Brno am gleichen Tag gegen 11 Uhr ein.



Markant für den Erstflug der rote Zusatzstempel für den Erstflug auf der Strecke Katowice – Brno. Geflogen wurden 75 Stück.

Wer gedacht hat, der vorhergehende Beleg wirft schon eine Menge Fragen auf, wird bei dem Beleg fast in den Wahnsinn getrieben ( zumindest wenn er keine Spezialliteratur hat ) . Es geht um die Frage, welche Luftfahrtgesellschaft hat diesen Brief befördert ? Im Flugplan der LOT von 1931 wird die Verbindung Katowice – Brno ausgewiesen. [1] Ein Nachweis über Flugpläne der LOT kann ich erst ab dem 01.09.1930 finden. Selbst die Geschichte der LOT ist im Jahre 1929 sehr vage und gibt dazu keine Auskunft. [2] Auch in der Geschichte der PLL , die ja formal Ende 1928 abschließt, findet sich kein Hinweis.
Bemerkenswert ist jedoch, das der Flug bereits am 07.01.1929 statt finden sollte und auch gestartet ist. Allerdings endete dieser in einer Notlandung in Pohrlitz/Pohorelice am gleichen Tag.

Meine These – auch wenn die PLL ab dem 01.01.1929 in der LOT aufging und damit formal die LOT flog, wurde der Flug real von der PLL noch realisiert. Aber vielleicht gibt es ja Spezialisten, die dazu besser Bescheid wissen.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/i-kl/lo3104i.jpg
[2] https://corporate.lot.com/pl/en/history
 
Detlev0405 Am: 15.10.2019 08:04:13 Gelesen: 4750# 150 @  
Ich habe lange gesucht nach einem Beleg, der bedarfsmäßig zumindest einen großen Teil der Strecke mit einem Zeppelin auf dem Weg nach Prag oder weiter zurück gelegt hat. Um so mehr habe ich mich gefreut, das der folgende Beleg anstelle eines Flugzeuges einen Zeppelin zur Beförderung erwischt hat.



Am 29.05.1934, einem Dienstag , in Buenos Aires aufgegeben , konnte der Brief mit dem Condor Express Dienst nach Rio de Jainero befördert werden. Dort erreichte er den LZ 127 , der am 31.05.1934 auf den Flug nach Recife ging. Am 01.06.1934 ging dann der große Flug ab Recife nach Friedrichshafen, wo das Luftschiff am 05.06.1934 eintraf. [1] Somit handelt es sich um die Michel Nr. 364 und 365.
Dabei tritt dann für mich als Zeppelinpost Laie eine Frage auf. Handelt es sich bei der Argentinischen Post im klassischen Sinne um eine Zuleitung im Sinne einer Zubringer Post und zweitens hätte der Brief in Rio de Jainero nicht an Bord des LZ 127 mit einem Bordstempel versehen werden müssen ? Michel gibt zu derartiger Post keine Auskunft.

Nun wird es wieder interessant, wenn wir uns den Ankunftsstempel in Friedrichshafen zwischen 6 – 7 Uhr ansehen und den Ankunftsstempel von Prag – am gleichen Tag um 17 Uhr. Wer auf den Flugplan der DLH schaut kann erkennen, das ab Friedrichshafen am gleichen Tag erst gegen 17.10 Uhr ein Flug nach Stuttgart geht. [2]
Wir müssen dazu zurück zu [1] . In der Flugplan – Übersicht wird dort vermerkt, das 2 Stunden nach der Landung des Zeppelins ein Sonderflug über Stuttgart nach Berlin abging. Genügend Zeit , um in Berlin den Flug nach Prag zu erreichen. Somit ging der Brief in Berlin um 14.40 Uhr über Dresden 15.40 Uhr nach Prag, wo er um 16.45 Uhr ankam. Das korrespondiert auch mit dem Ankunftsstempel um 17 Uhr vom Prager Flughafen. [2]
Von Prag aus nahm der Brief seine Reise nach Gablonec auf dem Landweg auf.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh34/dlh34-09.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh34/dlh34-08.jpg
 
Detlev0405 Am: 22.10.2019 07:18:45 Gelesen: 4448# 151 @  
Unser heutiger Beleg ist zweifelsfrei als Sammlerbrief aufgemacht worden. Aber ein schöner Blickfang für jeden.



So wurde er frankiert mit der Mi.Nr. 271 2x , 1x Nr. 219, 4x Nr.228 und dem kompletten Satz Nr. 234 – 236 . Ob das Porto gerecht war mögen Dänemark Spezialisten beurteilen. Der Brief wurde in Kopenhagen am 08.03.1937 abgefertigt. Erstaunlich – die Uhrzeit wurde mit Minutenangabe versehen, also 16.40 Uhr. Dabei hatte es keine Bedeutung für den Flug nach Prag, denn der Brief ging erst am nächsten Tag von Kopenhagen ab. Mit der DLH wurde der Brief um 09 Uhr in Richtung Berlin geflogen, wo er um 11 Uhr eintraf. [1] Um 12.45 Uhr ging die Reise weiter über Dresden – an 13.30 Uhr – nach Prag an 14.30 Uhr. Somit korrespondiert die Ankunftszeit mit dem Ankunftsstempel um 15 Uhr am Prager Flughafen.

Beachtenswert auf der Rückseite – 2 Vignetten zur Werbung für Esperanto.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3610/dlh36-07.jpg
 
Detlev0405 Am: 29.10.2019 08:48:31 Gelesen: 4076# 152 @  
Unser heutiger Beleg schließt an die Beiträge [#27] [#40] [#112] an und hier besonders den Beitrag [#40]. Es geht wieder einmal um den Erstflug Brno – Piestany – auf dem ersten Blick.



Was uns bei dem Beleg als erstes ins Auge springt ist der blaue Stempel von Piestany vom Erstflug Brno – Zlin – Piestany. Und das wieder vom 04.05.1937 , wo doch der Erstflug am 01.05.1937 stattfand. Bei der weiteren Suche nach einer Erklärung versagt unser Horka das erste Mal (wenn ich nicht etwas überlesen habe).

Hier müssen wir uns den gültigen Flugplan der CSA von 1937 ansehen, um weiter zu kommen. [1] Dort finden wir die Flugstrecke 660, die für uns wichtig ist. Sie geht von Uzhorod über Kosice, Piestany, Bratislava nach Brno. Und an der gesamten Strecke wird der Vermerk angebracht od 3.5. , also ab 3.5.

Lediglich bei Mahr finden wir im Band 3 Seite 121 1.Absatz einen Hinweis auf diese Strecke, allerdings nur bis Bratislava und nicht nach Brno. Das ist für meine Betrachtung aber nicht von Bedeutung. Die bei Mahr im Band 4 Seite 201 unter der Nummer 16/01.21 erfolgte Registrierung von Belegen auf der Strecke Prag – Piestany vom 03.05.1937 hat mit dem heutigen Beleg nichts zu tun.

Also ist unsere Karte auf der Strecke Kosice ab 14.05 Uhr nach Piestany an 15.50 Uhr geflogen worden. Offensichtlich war das Postamt schon geschlossen, so das der Stempel von Piestany am 04.05. um 7 Uhr Morgens auf den Beleg kam. Damit ist eindeutig belegt, das er nicht nur als Bestätigungsstempel für den Erstflug verwendet wurde sondern auch als normaler Flugbestätigungsstempel, möglicherweise aber gegen bestehende postamtliche Vorschriften verstoßend.

Wir haben es hier mit einem echten, bisher noch nicht registrierten Erstflug auf der Etappe Kosice – Piestany zu tun. Aber auch nur auf diesem Teilstück.

Für mögliche Zweifler – der Stempel von Kosice weist ein sehr typisches Echtheitsmerkmal auf, das mir jeden Zweifel nimmt. Das der Flug bei Horka nicht registriert ist, lässt sich mit dem kurzen Vermerk bei Mahr beantworten. Da diese Strecke bereits im Herbst wegen Misserfolges eingestellt wurde und keine Angaben zu Leistungen auf der Strecke vorliegen, hat sie meiner Meinung nach den Charakter einer Versuchsstrecke gehabt, über die sie niemals hinaus kam.



Das Bonbon der Karte ist der in dunkelviolett abgeschlagene Stempel der CSA Kosice.

Auf der Rückseite die fällige Gebühr für das Postlagernd. Es handelt sich beim Stempelabschlag um den Stempel S 583 – 1 des Typs M.41 . Der Kennbuchstabe e war von 1925 – 1939 im Einsatz. [2]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg
[2] Monografie der tschechoslowakischen Marken, Band 17, Teil II , Seite 286
 
Detlev0405 Am: 05.11.2019 06:36:46 Gelesen: 3701# 153 @  
Unser heutiger Brief wäre eigentlich völlig problemlos zu erläutern, wenn er nicht auf die Idee gekommen wäre, eine Extrawurst haben zu wollen.



Es handelt sich um einen Brief von Maastricht in den Niederlanden nach Prag. Um mit Luftpost befördert zu werden, musste er entweder nach Rotterdam oder Amsterdam. Dort lagen die zwei Flughäfen der Niederlande, die Luftpost auf Reisen bringen konnten. Naheliegend wäre Rotterdam gewesen – von hier aus bediente die CLS seit dem 02.04.1929 die Destination nach Prag. Sie bestand auch 1931 [1]. Bei der Auflieferung des Briefes am 28.11. hätte er am nächsten Tag in Prag ankommen können – wenn der Tag nicht ein Samstag gewesen wäre. Am Wochenende wurde diese Strecke nicht bedient und hätte erst am 30.11. von Rotterdam abgehen können, um gegen 18.45 Uhr in Prag einzutreffen.



Der Brief war aber schon um 12 Uhr in Prag. Deshalb auch die seltsame Destination des Briefes über Paris. Die Lignes Farman (ein Vorgänger der Air France) beflog die Strecke Amsterdam – Rotterdam – Paris täglich, so das der Brief um 16.45 Uhr in Paris am Sonntag eintraf. Das stimmt auch mit dem Durchgangsstempel von Paris um 17.30 Uhr überein. [2]



Mit der CLS ging der Brief am 30.11. um 4 Uhr ab Paris – Straßburg 6.40 Uhr nach Prag Ankunft 10.04 Uhr. [3] So konnte der Brief um 12 Uhr seinen Ankunftsstempel in Prag erhalten.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/kl/kl3105/kl3105-4.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/farmani.htm
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3105/
 
Detlev0405 Am: 12.11.2019 07:00:02 Gelesen: 3271# 154 @  
Heute haben wir Post, die mit Flugpost schnell befördert werden sollte, mit der Bahn aber noch schneller ans Ziel kam.



Sehr schön frankiert mit Werten der Luftpostausgabe Österreich Nr. 601–603 und einem Flugpostaufkleber, wurde der Brief am 26.10.1937 um 16 Uhr in Wien auf geliefert. Der Brief sollte nach Nova Rise, 20 km westlich von Brno gehen. Eine Luftpostbeförderung war erst am nächsten Tag möglich – entweder über Prag um 9 Uhr und Ankunft in Brno 17.20 Uhr oder über Bratislava nach Brno und da die Ankunft um 17.15 Uhr.

So entschloss sich die österreichische Post, den Brief mit dem Nachtzug nach Brno zu schicken, so das er mit der Morgenpost dem Adressaten zugestellt werden konnte. Ein entsprechender amtlicher Vermerk wurde von der Post auf dem Brief angebracht.

Diese Vorgehensweise ist primär bei der österreichischen Post zu beobachten, es gibt aber auch Beispiele von der deutschen Reichspost.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.11.2019 04:15:46 Gelesen: 2870# 155 @  
Mein heutiger Brief macht auf den ersten Blick einen etwas deprimierenden Eindruck – wegen der vielen Stockflecken. Bevor jedoch jemand diesbezüglich ein vorschnelles Urteil fällt, möge er überlegen, was der Brief für eine Geschichte hinter sich hat. Gerichtet an einen jüdischen Bürger in Danzig, mag sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen.



Der Brief wurde am 01.02.1937 in Mukacevo ( Karpaten Ukraine ) aufgegeben und schon am nächsten Tag erreichte er Danzig, den Bestimmungsort. Der Aufgabestempel von Mukacevo mit dem Kennbuchstaben m wurde im Zeitraum von 1932 – 1938 verwendet. [1]

Bei der Suche nach der richtigen Verbindung war Geduld gefordert. Zuerst musste die Aufgabezeit in Mukacevo ergründet werden. Ich gehe von der Uhrzeit 12 Uhr aus, auch wenn der Abschlag undeutlich ist. Da Mukacevo nur 20 km südöstlich von Uzhorod lag, konnte der Brief den Flug ab Uzhorod um 13.25 Uhr problemlos erreichen [2]. So kam der Brief in Prag gegen 17.15 Uhr an und wurde am nächsten Tag um 09.00 Uhr zum Weiterflug abgefertigt. Von dort ging er um 10.30 auf Reisen über Dresden ab 11.30 Uhr nach Berlin an 12.15 Uhr. Von Berlin ging es um 14.30 Uhr weiter nach Stettin ab 15.25 Uhr, um in Danzig um 16.45 Uhr anzukommen [3].



Der Stempel von Danzig 5 bestätigt diese Ankunft dann auch letztendlich zwischen 17 – 18 Uhr.

Bei der Bestimmung des Portos ist darauf zu achten, das die Sondertarife für Deutschland und Polen ab 1922 nicht für Danzig zutrafen. So kostete der Brief 2,50 Kc bis 20 g, je weitere 20 g 1.25 Kc. Die Einschreibgebühr war 2,50 Kc, der Luftpostzuschlag 1,00 Kc je 20 g.

Also würde ein 60g Brief 10,50 Kc kosten. Ob er wirklich 60g befördert hat, überlasse ich der Phantasie eines jeden Betrachters. Über- oder Unterfrankatur bei Luftpost Briefen war in der Tschechoslowakei gang und gebe.

Tatsache ist, das eine Destination von der Karpaten Ukraine nach Danzig sehr selten ist.

Gruß
Detlev

[1] Monografie der tschechoslowakischen Briefmarken Band 17 Teil II Karpaten Ukraine Nr. 41 – 3. Seite 366
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok3506/ok3506-3.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3610/dlh36-07.jpg
 
Detlev0405 Am: 26.11.2019 05:45:59 Gelesen: 2504# 156 @  
Heute haben wir einen Diplomatenbrief – aufgegeben von der Botschaft in Caracas (Venezuela) an das tschechoslowakische Außenministerium in Prag.



Auffallend die schöne Frankatur mit Luftpostmarken Venezuelas – der Michel Nr.153 , 163 und 166 . Aufgegeben am 23.Juli 1935 in Caracas, irritiert der Vordruckbrief mit dem Vermerk, mit der Air France befördert zu werden. Er wurde auf dem amerikanischen Kontinent mit der PanAm befördert. Entweder über Port of Spain oder Barranquilla nach Miami und von dort nach New York.[1]



Von New York wurde der Brief auf dem Seeweg nach Le Havre befördert.

Nach seiner Ankunft in Le Havre musste der Brief nach Paris. Da der Flughafen erst 1937 in Bau ging und 1939 fertig wurde, musste er auf dem Bahnweg transportiert werden. Am 02.08.1935 um 6 Uhr ging der Brief von Paris über Straßburg und Nürnberg nach Prag, wo er um 11.05 Uhr ankam.

Dieser Flug wurde von der CLS ausgeführt.



Abgefertigt wurde der Brief durch die Auslandsabteilung der Post am Flughafen Prag.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/pa/pa34/pa34-5.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 03.12.2019 07:17:58 Gelesen: 2236# 157 @  
Hat sich schon jemand einmal die Frage gestellt, was wohl seltener ist - eine Zuleitung zu einem Luftschiff Flug, einem Katapultflug oder zu einer Schiffspassage ? Bei der Fragestellung zu letzterem werden erfahrene Sammler bestimmt den Kopf schütteln und meinen, das gibt es nicht.



Und doch möchte ich heute mit unserem Brief beweisen, das es das auch gab. Der Brief ging von Prag nach Alexandria. Schon bei der Aufgabe gab es Ungereimtheiten. Ursprünglich in Prag 8 aufgegeben, wurden die beiden oberen Marken abgestempelt und ein Porto von 6,50 Kc abgedeckt. Am Flughafen wurde der Brief offensichtlich nachgewogen – siehe die 15 unterhalb der unteren 1,50 Kc Marke – und dann das fehlende Porto nach geklebt. Denn das Porto betrug 1935 2,50 Kc für einen Auslandsbrief, 2.50 Kc für das Einschreiben und 3 Kc für den Luftpostzuschlag – gesamt 8 Kc. Deshalb auch der Flughafenstempel auf der unteren 1,50 Kc Marke.

Auf der Rückseite dann der eigentliche Abfertigungsstempel vom 06.05.1935 um 13 Uhr. Um 17.10 Uhr ging der Brief ab nach Wien, Ankunft 18.30 Uhr. Erst am 07.05.1935 ging es weiter und das durch halb Osteuropa. Ab Wien 09.45 Uhr – Budapest ab 11.05 Uhr – Beograd ab 12.55 Uhr – Saloniki 17.30 Uhr und Ankunft in Athen um 19.05 Uhr. [1]



Das korrespondiert dann auch mit den Bestätigungsstempel von Athen vom 08.05.1935 früh um 6 Uhr. Von Athen ab 12 Uhr ging es weiter mit der Imperial Airways nach Alexandria an Abend. Die Beförderung erfolgte auf der Südafrika Linie am Dienstag den 07.05.1935. [2]



Am 09.05.1935 erfolgte in Alexandria früh zwischen 6-7 Uhr die Bestätigung des Eingangs am Flughafen.



Kommen wir zurück zu unserer Ausgangsproblematik. Der Brief ist adressiert an eine Reederei und Postfach in Alexandria. Wichtig der Vermerk unter Alexandria – for SS. Kraljica Maria.



Es handelt sich dabei um ein Passagierschiff, in deren Kabine 527 der Adressat des Briefes, Frau Faustkova eingeschifft war. [3]
In der Zeit von 1926 – 1940 war das Schiff im Eigentum des Yugoslav Lloyd. [4]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-4.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/iaw35afr/iaw35f-4.jpg
[3] http://www.ansichtskarten-center.de/sisak-sissek/sisak-dampfschiff-ss-kraljica-marija
[4] https://www.wrecksite.eu/wreck.aspx?161222
 
Detlev0405 Am: 10.12.2019 07:39:30 Gelesen: 2038# 158 @  
Unser heutiger Brief besticht durch seine gute Erhaltung und der Vollständigkeit der Dokumentation des Postweges.



Am 20.02.1934 wurde ein Einschreiben – Luftpost in Olomouc aufgegeben. Ob er um 13 oder 18 Uhr aufgegeben wurde, spielt in unserem Fall keine Rolle. Er ging auf jeden Fall auf dem Landweg nach Prag. Dort wurde er um 8 Uhr am Flughafen abgefertigt. Mit der DLH Linie 471 wurde der Flug um 10.40 Uhr nach Fürth durchgeführt, Ankunft in Fürth um 12 Uhr.



In Fürth wurde der Brief sowohl mit dem Luftpoststempel zur Beförderung und dem Tagesstempel des Nürnberger Flughafens um 15 Uhr versehen. Um 15.55 Uhr ging es auf der Linie 10 der DLH nach München. Dort traf er um 16.55 Uhr ein. [1]



Und auch in München erhielt der Brief sowohl den Beförderungstempel per Luftpost als auch den Tagesstempel in München um 18 Uhr. Auf dem Landweg ging dann der Brief nach Durach, wo er am 22.02,1934 gegen 08 oder 09 Uhr eintraf. Somit ist jede einzelne Etappe mit einem entsprechenden Stempel nachgewiesen.

Ich möchte die Gelegenheit des sauberen Beleges nutzen, um auf die Bewertung eines solchen einzugehen. Der Bestätigungsstempel von Nürnberg wertet laut Michel F 81) 04 mit 20 Euro, der Stempel von München F 77) 04/a ebenfalls mit 20 Euro. Hinzu kommt eine spezielle Bewertung der verklebten Marken der III. Luftpostausgabe der Tschechoslowakei nach Horka. Dort ist auf Seite 134 eine detaillierte Aufstellung vorgenommen. Unter a) ad) finden wir unsere 4 Kc Marke. Bei einem Randstück kann man wohl die höchste Bewertung annehmen – als etwa 25 Euro. Somit haben wir schon 65 Euro zusammen gerechnet, ohne die Destination Olomouc – München zu bewerten. Dafür gibt es auch keine Anhaltspunkte, außer der eigenen Erfahrung am Markt. Entscheidend bei allem ist – was bin ich bereit, für einen solchen Beleg zu bezahlen. Was ist er m i r persönlich wert. Das muss jeder selbst entscheiden. Letztendlich habe ich den Beleg für unter 10 Euro erworben.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3309/dlh339-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 17.12.2019 08:13:35 Gelesen: 1772# 159 @  
Es erreicht uns wieder ein Brief aus Südamerika. Und das aus einem relativ kleinen Land dieses Teilkontinentes – aus Bolivien.



Am 29. April 1935 in La Paz wurde der Brief aufgegeben. Frankiert mit einer Michel Nr. 221 von Bolivien, weist der Vordruckbrief der Air France auf die Route, die zur Beförderung des Briefes genutzt wurde.

Es ist nicht ganz einfach, den Weg auf dem südamerikanischen Kontinent bis ins letzte Detail nachzuvollziehen – dazu sind meine verfügbaren Unterlagen über diese Region zu spärlich. Sicher bin ich mir, das der in La Paz aufgegebene Brief mit der Lloyd Aereo Boliviano auf der Inland Strecke bis Puerto Suarez befördert wurde und von dort nach Corumba in Brasilien mit einer anderen Fluggesellschaft bis nach Rio de Janeiro [1]. Ab Corumba kommt möglicher Weise die Syndicato Condor LTDA in Frage, hier bleibt aber die Reststrecke von Sao Paulo bis Rio de Janeiro offen [2]. Auf jeden Fall ist aber im Flugplan der Lloyd Aereo Boliviano ersichtlich, das eine direkte Weiterbeförderung nach Rio de Janeiro vorgesehen ist.

Von Rio de Janeiro ging es auf der Südamerika Linie der Air France über Natal, Dakar, Tanger nach Paris. Ab Paris dann auf der uns inzwischen hinlänglich bekannten Strecke über Straßburg nach Prag [3]. Dort kam er letztendlich am 06.05.1935 auf dem Prager Flughafen an.

Interessant ist der Vermerk bei der Quelle [3] neben der grafischen Flugstrecke. Demzufolge ist die eindeutige Kennzeichnung als Flugpost oben links auf dem Brief anzubringen und der Vermerk „Via France“. Nur so wurde die Beförderung per Luftpost durch die Air France und beteiligte Gesellschaften gewährleistet.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/lb1/lb32/lb32-1.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/sc35a.htm
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/af34/af34-7.jpg
 
saintex Am: 22.12.2019 18:25:09 Gelesen: 1523# 160 @  
@ Detlev0405 [#159]

Hallo Detlev,

ein äußerst interessanter Luftpostbrief aus Bolivien aus dem Jahr 1935, den Du uns in Deinem Beitrag [#159] zeigst und der einige Anmerkungen verdient hat.

1. Der Luftpostbrief wurde im April 1935 in der Hauptstadt Boliviens, La Paz aufgegeben. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die seit Juni 1932 zwischen Bolivien und dem Nachbarstaat Paraguay andauernde militärische Auseinandersetzung (sog. Chacokrieg) um die Grenzregion zwischen beiden Staaten, den Gran Chaco bzw. Chaco Boreal, in ihrer Endphase. Beide Seiten hatten seit Kriegsbeginn ausländische Militärberater engagiert und ihren Generalstäben zur Seite gestellt. Zum Befehlshaber der bolivianischen Truppen wurde bei Kriegsbeginn der deutsche General Hans Kundt ernannt, der jedoch nach schweren Niederlagen der bolivianischen Seite im Dezember 1933 zurück trat und durch bolivianische Generäle ersetzt wurde.

Weniger bekannt ist, dass auch die Tschechoslowakei eine Militär-Mission zur Unterstützung der bolivianischen Kriegsanstrengungen nach Bolivien entsandte. Die tschechische Militär-Mission, die aus fünf Offizieren unter dem Kommando des tschechischen General Vilém Plaček stand, traf im Mai 1934 in Bolivien ein und kehrte nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Bolivien und Paraguay am 12.06.1935 im Juli 1935 in die Heimat zurück. Hintergrund der Entsendung der tschechischen Militär-Mission nach Bolivien war offensichtlich staatliche „Kundenpflege“, da Bolivien einer der Hauptkunden der tschechoslowakischen Rüstungsindustrie war. Es war die erste militärische Auslandsmission der unabhängigen Tschechoslowakei nach ihrer Gründung am 28.10.1918.



General Vilém Plaček (Bildquelle: Facebook)

Nach den Angaben auf der Rückseite Deines bolivianischen Luftpostbriefes war Absender des Briefes offensichtlich der Leiter der tschechoslovakischen Militär-Mission in Bolivien, General Vilém Plaček. Adressiert ist der Luftpostbrief an einen Major Karel Fišer in Prag-Dejvice, wo sich am Vitězné náměstí (Siegesplatz) das Gebäude des Generalstabes der tschechoslowakischen Armee befand. Auch das spricht für die Vermutung hinsichtlich des Absenders des Luftpostbriefes.

2. Thematisch zum Grund des Aufenthaltes des Absenders in Bolivien passend, ist die Frankatur mit einem Propagandastempel der bolivianischen Post entwertet, der in vier Sprachen (spanisch/engl./franz./dt. ) die bolivianischen Gebietsansprüche in der umkämpften Grenzregion bekräftigt und dessen Text lautet: „ El Chaco Boreal/es y sera siempre de Bolivia/is and will always be Bolivia‘s/est et sera toujours bolivien/ist und wird immer Bolivien sein“. Hier der Propagandastempel nochmals auf einem Luftpostbrief aus meiner Sammlung



Die bolivianischen Gebietsansprüche erfüllten sich allerdings nicht. Im Chacokrieg militärisch unterlegen, musste Bolivien im Friedensvertrag mit Paraguay von 1938 den Großteil der umstrittenen Grenzregion an das Nachbarland abtreten. Letzte Unstimmigkeiten im Grenzverlauf wurden allerdings erst im Jahr 2009 durch einen Grenzvertrag zwischen beiden Ländern beseitigt.

3. Hinsichtlich des Leitweges der bolivianischen Luftpost nach Europa innerhalb Südamerikas gab es in der 1930er Jahren nach meinen Recherchen zwei verschiedene Leitwege:

Bolivianische Luftpost, die mit der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa nach Europa befördert werden sollte, wurde innerhalb Boliviens mit der bolivianischen Fluggesellschaft Lloyd Aéro Boliviano (LAB) von La Paz über Cochabamba, Santa Cruz und Roboré bis zur brasilianischen Grenzstadt Corumbá und von dort mit der brasilianischen Fluggesellschaft Syndicato Condor über Sao Paulo nach Rio de Janeiro befördert. Dort hatte die bolivianische Luftpost Anschluss an den Trans-Ozean-Dienst der Lufthansa nach Europa.

Die zur Beförderung durch die französische Fluggesellschaft Air France bestimmte Flugpost wurde dagegen durch die LAB von La Paz aus in südlicher Richtung bis zur bolivianischen Grenzstadt Yacuiba an der Grenze zu Argentinien befördert und dort von der us-amerikanischen Fluggesellschaft Panagra übernommen, die die für Europa bestimmte bolivianische Luftpost über ihr argentinisches Streckennetz nach Buenos Aires beförderte, wo die bolivianische Luftpost Anschluss an die wöchentlich Sonntag früh um 04:00 Uhr abgehenden Flüge der Air France nach Europa hatte. Rückseitig erhielten diese Luftpostsendungen aus Bolivien in Buenos Aires häufig einen auf die Luftpostbeförderung hinweisenden Poststempel, der den Leitweg über Buenos Aires belegt.



Luftpostbrief aus La Paz nach Paris vom 7.9.1934 mit rückseitigem Transit-Stempel SERV. AEROPOSTAL BUENOS AIRES 15.9.34 18 Uhr

Ein identischer Transit-Stempel findet sich auch auf der Rückseite Deines Luftpostbriefes links unterhalb des Logos der Air France, allerdings nur schwach und auf dem Kopf stehend abgedruckt. Bei entsprechender Vergrößerung ist das Stempeldatum jedoch klar erkennbar 27.04.35. 18 Uhr. Der Luftpostbrief wurde mit der am Folgetag, Sonntag 28.4.1935 04:00 Uhr von Buenos Aires abgehenden französischen Flugpost nach Frankreich befördert, die nach den in meinem Archiv registrierten Stempeldaten am 5.5.1935 16 Uhr im Pariser Hauptpostamt (Paris R.P. Avion) eintraf. Damit korrespondiert der rückseitig angebrachte Ankunftsstempel des Postamtes Prag 7 vom Folgetag, dem 6.5.1935 13 Uhr.

4. Fazit: Ein schönes Stück tschechoslowakischer Militärgeschichte, bestimmt nicht häufig zu finden. Glückwunsch zu dem Fund.

Quellennachweise

Internet
R.E.G. Davies, Airlines of Latin America since 1919, London 1984
Gerard Collot/Alain Cornu, Ligne Mermoz Histoire Aérophilatelique Latecoere Aeropostale Air France 1918 – 1940, Paris 1990
u.a.

saintex
 
Detlev0405 Am: 22.12.2019 19:44:44 Gelesen: 1506# 161 @  
@ saintex [#160]

Hallo Wolfgang,

zuerst einmal vielen Dank für die Korrektur der Briefbeförderung innerhalb Boliviens und dem Anschluss bis Rio de Janeiro. Daran erkennt man doch, das Du der absolute Spezialist für Luftpost des südamerikanischen Kontinents bist.

Sowohl mit dem Absender als auch der Anschrift habe ich mich leider nicht beschäftigt gehabt - so entging mir der tatsächlich historische Wert dieses Briefes. Das ist nun doch wie ein Weihnachtsgeschenk durch Dich an mich, denn sehr häufig wird eine solche Korrespondenz tatsächlich nicht zu finden sein. Danke für Deine Mühen bei den Nachforschungen.

Mit freundlichen Grüßen
Detlev
 
Detlev0405 Am: 30.12.2019 08:05:45 Gelesen: 1090# 162 @  
Ein schöner Brief erreicht uns heute aus Ungarn, konkret aus dessen Hauptstadt Budapest. Die erste Flugverbindung durch die CIDNA nach Budapest war im Jahr 1923 in den Monaten September und Oktober. Eine Postbeförderung ist aus dieser Zeit nicht bekannt. Erst ab dem 01.07.1925 fand bis ins Jahr 1939 auf dieser Strecke auch Luftpost Beförderung statt. Bis 1933 durch die CIDNA, dann die Air France.



Frankiert mit einer Michel Nr. 532 wurde er am 27.05.1936 aufgegeben. Matyasföld ist der XVI. Stadtbezirk in Budapest. Am 28.05. um 07 Uhr fand die Abfertigung für den Flug nach Prag statt.

Es gibt zwei Gesellschaften, die zeitlich diesen Brief befördert haben können. Zum einen die DLH – ab Budapest 07.35 Uhr an Wien 08.45 Uhr und von Wien ab 09 Uhr an Prag 10.15 Uhr. Die zweite Möglichkeit ist die CSA ab Budapest 07.10 Uhr an Wien 08.45 Uhr und von dort weiter um 09.05 Uhr um in Prag 10.35 Uhr anzukommen. [1] Der Ankunftsstempel in Prag um 10 Uhr kann für beide Flüge zutreffen – auf jeden Fall hatte der Postbeamte die Zeit noch nicht auf 11 Uhr vorgestellt. Der Flugplan der Air France aus 1936 schließt eine Beförderung mit dieser Gesellschaft aus.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok3506/ok3506-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 07.01.2020 20:07:00 Gelesen: 729# 163 @  
Heute kommt der Brief aus Ungarns Nachbarland Rumänien. Der Standort Bukarest gehört zu den frühesten Luftpostverbindungen der CFRNA/CIDNA auf dem Weg über den Balkan in die Türkei. Bereits am 22.09.1922 fand ein erster Flug mit Luftpost von Prag nach Bukarest statt.



Auffallend wieder eine schöne Frankatur für eine Luftpost Beförderung. Mit der Michel Nr. 336x und 2 x 337x wird er für jeden Luftpostsammler visuell stark aufgewertet. Viel interessanter ist aber der abgeschlagene Stempel von Baneasa – Aviatie. Es handelt sich dabei um den Stempel des Flughafens von Bukarest, nördlich der Hauptstadt gelegen. Der Vermerk im Stempel „Par Avion“ weißt darauf hin, das es sich dabei um einen ausschließlichen Stempel für die Abfertigung von Luftpost Sendungen am Flughafen handelt. Den Bestätigungsstempel für Transit Post haben wir bereits im [#127] gesehen.

Auch wenn der Stempel in Bukarest keine Zeitangabe hat, lässt sich auf Grund der Ankunftszeit in Prag am gleichen Tag – 23.07.1930 – um 15 Uhr der Flug genau bestimmen. Es ist die DHL, die um 06.40 Uhr auf direktem Weg nach Wien fliegt und dort um 12.40 Uhr ankommt. Um 13 Uhr ging es dann nach Prag, wo der Brief um 15 Uhr eintrifft. Nach Brno ging der Brief dann per Bahn.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3005/dlh305-3.jpg
 
Detlev0405 Am: 13.01.2020 16:02:02 Gelesen: 423# 164 @  
Unser heutiger Beleg basiert auf einem besonderen „Spleen“ der Luftpostsammler in den 20er und 30er Jahren in der Tschechoslowakei. Da die Linien im Winterhalbjahr den Betrieb einstellten, war es ein Bestreben der Sammler, die jährlichen „Erstflüge“ und die des letzten Tages zu bekommen. Das wurde auch unserem heutigen Beleg zum Verhängnis.



Am 15.03.1928 sollte die Karte von Bratislava nach Prag per Luftpost geschickt werden. Wurde sie aber nicht, sondern ist auf ganz ordinärem Bahnweg befördert worden. Was ist geschehen ?

Seit 1924 wurde diese Linie durch die CSA beflogen und in der Regel im März je Jahr eröffnet. Nachzulesen bei Horka Seite 64 Tabelle 17 . In der gleichen Tabelle ist ersichtlich, das im Jahr 1928 die Eröffnung der Flugsaison erst am 02.04. stattfand.

Offensichtlich sollte die jährliche Eröffnung aber am 15.03.1928 stattfinden, wie im Jahr davor. Dafür spricht der Stempel vom Flughafen Bratislava. Es handelt sich hierbei um den bei Horka registrierten R6 (vergleiche Seite 179). Also wurde die Karte für den Eröffnungsflug abgefertigt. Dafür spricht weiterhin, das der Sammler Kapitan Hucl wieder seine Finger im Spiel hatte.

Warum also fand der Flug nicht statt ? Technische Probleme ? Dann wäre der Flug eben am nächsten Tag durchgeführt worden.

Bleibt also nur die Frage nach dem Wetter. Erinnern wir uns – am 19.03.1926 musste eine Maschine der CSA auf der Strecke Prag – Bratislava bei Uhlirske Janovice notlanden. Offensichtlich wollte man am 15.03.1928 nicht noch einmal ein solches Risiko eingehen. Nur wer stellt uns die Wetterdaten aus dieser Zeit zur Verfügung ? Google hilft nicht.

Da habe ich also die naheliegenden Wetterstationen angeschrieben – Bratislava und Wien. Leider keine Auskunft erhalten. Blieb noch der Deutsche Wetterdienst – hier aber mehr aus Verzweiflung. Sicherlich sind Wetterdaten aus dem Jahre 1928 und dann auch noch Tag genau fast eine Zumutung. Aber der Deutsche Wetterdienst hat diese Zumutung gemeistert. Deshalb, bevor ich zum Ergebnis komme, mein besonderer Dank an Herrn Thomas Schmischke vom DWD Hamburg Abt. Klima- und Umweltberatung, der diese Herausforderung mit Bravour gemeistert hat. Er hat mir diesen Link [1] geschickt und eine ausführliche Anleitung zu Handhabung dieser Seite inklusive Beschreibung der einzelnen Dokumente.

Was ist nun die Kernaussage der Recherche ?





Zu unserem fraglichen Termin kam es tatsächlich zu einem Kälteeinbruch sowohl in Bratislava als auch am Zielort Prag. [2]

Die Temperaturen sanken von +3° - +5° am Vortage in den Minusbereich, ca. bis 6° tiefer wie ersichtlich beim Vergleich (Spalte 4). [3]

Nicht irgendwelche außergewöhnlichen Schneefälle haben die Saisoneröffnung verhindert, sondern der Frosteinbruch und die damit verbundene Gefahr der extremen Vereisung der Flugzeuge.

Deshalb entschloss man sich offensichtlich, den bereits vorbereiteten Flug abzubrechen und die auf gelieferte Post auf dem normalen Postweg zu verschicken. Ein Flugabbruch, der so in der Literatur noch nicht dokumentiert wurde.

Gruß
-Detlev

[1] https://library.noaa.gov/Collections/Digital-Docs/Foreign-Climate-Data/Germany-Climate-Data#o46399078
[2] https://library.noaa.gov/Collections/Digital-Docs/Foreign-Climate-Data/Germany-Climate-Data#o46399078 Zeitraum Jan. - März 1928 Seite 613
[3] ebenda Seite 612
 

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