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Thema: Nachgebühr bei Portopflichtigen Dienstsachen
London-Dieter Am: 18.08.2019 07:40:05 Gelesen: 643# 1 @  
Ist dies das berühmte "Ende Einer Dienstfahrt" frei nach Heinrich Böll?



Irgendwie ist diese Dienstpost des Auswärtigen Amtes aus Paris nach Bonn gelangt (siehe Absenderangabe auf der Rückseite). Interessant ist auch der leider schwach abgeschlagene Stempel von Bonn mit dem Zusatz "Bundeshaus" und UB aa - das wird wahrscheinlich für Auswärtiges Amt stehen?

Von Bonn ging es dann weiter nach Hamburg am 11.12.52, mit korrekt zu verwendender 2 Pfg. Notopfer - und soweit ging es ja bis dahin noch gut. Aber beim stempeln mit "Gebührenpflichtiger Dienstsache" ist dem Betreffenden wohl kein Licht aufgegangen oder war er sich nicht sicher, ob die 2er bereits ausreichte?

Das war die eine Seite der Medaille, nun kommt die "Rechenakrobatik" der Nachgebührberechnung = ja was denn nun? 20 oder 26 Pfg. ?

Blau war wohl zu erst am Ball, dann kam aber der Schiri hinzu - und mit Handzeichen abgesegnet.
 
ligneN Am: 18.08.2019 18:45:55 Gelesen: 608# 2 @  
Das ging alles seinen geregelten Gang.

Ihre Anspielungen auf Zauberei / Inkompetenz seitens der Post oder des Amin. sind nicht nachvollziehbar.

Post von Diplomaten inkl. angeschlossenem Verkehr gelangte per Kurier ins Außenministeriums. Der Kurier begleitete selbst. Später genügten dann auch Kurierbeutel, die dem LH-Kapitän überreicht wurden. Im näheren Europa konnte das auch die Bahn sein.

Status "diplomatische Vertretung": Eine Botschaft war das noch nicht, dazu wurde sie erst wieder im Juli 1953.

Nach der Ankunft der Beutel beim AMin:

1. interner amtlicher Schriftverkehr wird entnommen;
2. Post an Außenstehende wird sortiert in:

- Privatpost, wird frankiert und dem Abs. berechnet (Pauschabrechnung). Später gab es Freistempler mit getarnter Postfachadresse Bonn.
- bei Dienstsachen wurde ganz normal zwischen gebührenfreien und gebührenpflichtigen unterschieden.

Gebührenpflichtige Dienstsachen waren definiert als solche, die vorwiegend im Interesse des Empfängers seien. Die mußte der Empfänger bezahlen. Aber lediglich den einfachen Portobetrag, es war ja keine Strafgebühr (Postgebührengesetz vom 19.12.1921). Galt unverändert bis 1964.

Neben dem Stempel "Portopflichtige Dienstsache" war der Abschlag des Dienstsiegels verpflichtend, um den Charakter der P.D. zu bestätigen. Damit wurde auch gegenüber der Post dargestellt, daß nur der einfache Fehlbetrag fällig war. Das geschah im vorliegenden Fall also bereits in Bonn.

Soweit mir bekannt, wurden auf Dienstsachen die 2 Pf. für die Notopfermarke (1948/56 auf allen Inlandspostsendungen verpflichtend) wegen des damit verbunden Verwaltungsaufwands (Buchungen)grundsätzlich nicht berechnet. Habe auch noch nie einen Dienstbeleg mit Notopfermarke gesehen, wo das gemacht wurde. Die 2 Pfg. Notopfer hat daher wohl mit den zusätzlich zum Briefporto verlangten 6 Pfg. nichts zu tun.

Den Betrag von 6 Pfg. kann ich nicht mit Nachweis deuten.

Da der Betrag zusätzlich zum Porto von 0,20 aufgeführt wird (also nicht summarisch "0,26"), handelt es sich womöglich gar nicht um eine Postgebühr. Vielleicht um eine Stempelgebühr für amtliche Leistung, z.B. Legalisationsgebühr/Beglaubigung. Man mag einwenden - was wäre 1952 so billig gewesen? Evtl. nur ein Restbetrag. Ohne das einliegende Schreiben kaum nachvollziehbar.

Aber vielleicht kommt ja Hilfe von wirklichen Nachgebührkennern.
 
London-Dieter Am: 19.08.2019 04:14:01 Gelesen: 570# 3 @  
@ ligneN [#2]

Vielen Dank für die umfangreichen Informationen. Für mich bleibt es weiterhin ein Rätsel.

Das schöne ist, das nach so vielen Jahren immer wieder etwas aus schlummernden Nachlässen auftaucht und Kopfzerbrechen bereitet.

Nette Episode zur obigen Absenderangabe:

Nachdem ich den obigen Text geschrieben hatte, fiel mir erst später ein dass ich Anfang der 1970er Jahre mal in der Deutschen Botschaft in Paris war. Ob es die gleiche Anschrift wie beim obigen Absender war, weiss ich nicht mehr.

Man hatte mir auf dem damals neuen Flughafen Charles DeGaulle den Geldbeutel mit samt Personalausweis gestohlen. Nachdem Interpol mich unter das Mikroskop gelegt hatte, stellte mir die Botschaft einen Ersatzausweis aus und stattete mich mit 100 DM aus, rückzahlbar innerhalb 4 Wochen. Die Fahrt mit dem Taxi zur Botschaft hatte ich mit den letzten verbliebenen Zigaretten bezahlt - der Taxler war echt cool drauf - heute wohl ein Ding der Unmöglichkeit.
 
opti53 Am: 19.08.2019 16:01:48 Gelesen: 540# 4 @  
Hallo,

das ist ein interessantes Thema. Es muss nicht unbedingt Diplomatenpost sein. Auch bei den Uni's war es seinerzeit üblich, die Gebühren auf diese Weise den armen Studenten aufzubürden.



Ich habe noch eine ganze Reihe ähnlicher Belege.

Viele Grüße
Thomas
 
ligneN Am: 20.08.2019 12:58:51 Gelesen: 504# 5 @  
@ opti53 [#4]

Na ja, "aufbürden". Zwischen Privatleuten soll es ja auch Rückporto geben.

Warum soll eine Dienststelle mit Steuergeld "Rückportounwillige" unterstützen -

fragt ein Steuerzahler B-)
 
opti53 Am: 21.08.2019 12:17:26 Gelesen: 448# 6 @  
@ ligneN [#5]

Vielleicht muss man das doch im historischen Zusammenhang sehen, den ich zugegebenermaßen noch nicht aufgezeigt hatte. Es geht hier (inhaltlich) um Studiengebührenermäßigungen oder Mensa-Freitischkarten für mittellose Studenten. Manchmal haben sie doch eine Briefmarke gefunden, was bei vorgedruckten Karten als Orts-Drucksache auch nicht so teuer war. Im vorliegen Fall waren wohl auch die Vordrucke aus, und man hat eine normale Postkarte genommen.

Viele Grüße
Thomas
 
ligneN Am: 23.08.2019 12:36:38 Gelesen: 381# 7 @  
@ opti53 [#6]

Alles klar, Danke.
 
skribent Am: 23.08.2019 14:32:49 Gelesen: 371# 8 @  
Zu diesem Thema kann ich einen schönen Beleg beisteuern.



Dieser hochoffizielle Brief vom Amtsgericht Wennigsen soll in Empelde den Herrn Wilhelm Arendt erreichen. Der Gerichtsbote bringt die tägliche Ausgangspost am 16. Juni 1952 kurz vor Dienstschluss zum Postamt Wennigsen. Die 1. Abstempelung misslingt, die 2. ist dann sauberer.

Nach der Feststellung, dass die Dienstsache portopflichtig ist, wird ein Nachgebühr-Stempel zugefügt.



Der Brief kann in Empelde nicht zugestellt werden, weil der Empfänger unbekannt verzogen ist.

Stempel "Zurück" und "Nachgebühr" abgeschlagen, Nachgebühr deklariert und zurück nach Wennigsen zum Amtsgericht. Und dort bezahlt die Nachgebühr genau die richtige Stelle, nämlich das Amtsgericht. Oder?

MfG >Franz<
 
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