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Thema: Absenderfreistempel – Abfolgen
volkimal Am: 16.06.2021 16:50:24 Gelesen: 294# 1 @  
Hallo zusammen,

Abfolgen von Absenderfreistempeln sind ein gutes Mittel, um z.B. die Zeitgeschichte oder die Geschichte eines Ortes darzustellen. Ich fand sie immer schon interessant. Da es bisher kein entsprechendes Thema gibt, möchte ich es heute eröffnen.

Es sollen hier vor allem solche Abfolgen vorgestellt werden, bei denen die Absenderfreistempel [b]alle von derselben Maschine stammen{/b]. Die Abfolgen können sich dadurch ergeben, dass der Ortsstempel, der Wertrahmen oder das Werbeklischee ausgetauscht wurden. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Absenderfreistempel aptiert wurde. Hier mein erstes Beispiel:



Absenderfreistempel der Norddeutschen Holz-Berufsgenossenschaft Sektion 6 in Bremen.

Der Stempel vom 4.8.1942 hat den Wertrahmen Reichsadler. Der Stempel enthält eine sehr breite Postamtsnummer „1“. Ungewöhnlich finde ich außerdem, dass der Ortsstempel „BREMEN 1“ ist nicht ganz symmetrisch ist. Reine Spekulation: Vielleicht hat man die Postamtsnummer irgendwann vorher ausgetauscht (aptiert).



Nach dem Ende des Krieges wurde der Wertrahmen Reichsadler zunächst unverändert weiterbenutzt. Hier ein Abschlag vom 4.8.1945. Leider ist der Abschlag etwas blass.



Am 11.6.1946 ist der Wertrahmen aptiert. Der Reichsadler und das Wort „Deutsche“ wurden entfernt.



Am 3.3.1947 hat der Absenderfreistempel den neuen Wertrahmen „Deutsche Post“ (Typ E-18)



Drei Jahre später, am 15.2.1950, ist wieder ein neuer Wertrahmen vorhanden. Es ist der Wertrahmen „Deutsche Post“ mit Posthorn (Typ E-20). Zusätzlich ist im Ortsstempel die Postleitgebietszahl (23) dazugekommen. Auffällig ist, dass die breite „1“ immer noch vorhanden ist und sich immer noch an derselben Stelle befindet. Der Ortsnamen „BREMEN“ ist dagegen schmaler geschrieben als vorher. Hat man hier beim alten Zweikreisstempel bis auf die „1“ alles ausgetauscht (aptiert)?

Soweit meine erste Abfolge. Ich bin gespannt, was für Abfolgen ihr zeigen könnt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 17.06.2021 16:03:40 Gelesen: 257# 2 @  
Hallo zusammen,

heute eine zweite Abfolge von Absenderfreistempeln. Auch die Stempel von den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen stammen aus der Zeit des 2. Weltkrieges und danach.



Stempel der VEW Münster mit dem Wertrahmen Hakenkreuz vom 18.10.1944.



Am 10.07.1945 wurde der Wertrahmen unverändert weiterverwendet. Ob man dann doch Bedenken hatte und deshalb den Wertrahmen mit einer Briefmarke überklebte? Ich weiß es nicht. Der Postverkehr war erst kurze Zeit vorher wieder aufgenommen worden.



Im August 1945 hatte man diese Bedenken nicht mehr. Hier wurde der Wertrahmen Reichsadler am 16.08.1945 unverändert weiterverwendet.



Am 29.09.1945 ist der Adler dann aus dem Stempel aptiert (entfernt) worden. Ein weiteres Exemplar dieses Stempels vom 02.04.1946 ist bei Philastempel zu sehen.



Als letztes ein Stempel vom 26.5.1948. Inzwischen ist der Wertrahmen ausgetauscht worden. Im Absenderfreistempel ist jetzt der Wertrahmen „Deutsche Post“ mit Posthorn.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 14.08.2021 15:05:29 Gelesen: 120# 3 @  
Hallo zusammen,

die Firma Bartling war der größte Holzpappenhersteller in Deutschland. Friedrich August Bartling sen. erwarb 1919 die Papiermühle der Firma Haarmann beim Haus Dahl an der Lippe und eine rund 5 km flussaufwärts gelegene Holzschleiferei beim Haus Horst.





Ich gehe davon aus, dass das Iterimsklischee bei der Firma Bartling verwendet wurde. Es ist der einzige Absenderfreistempel in meiner Heimatsammlung, bei dem alle Details der beiden Ortsstempel exakt übereinstimmen. Ich habe die beiden Stempel dazu am Bildschirm übereinandergelegt.



Beim Haus Dahl wurde das Grundmaterial für die Pappen hergestellt und auf der Lippe nach Horst zur Weiterverarbeitung verschifft, um anschließend auf demselben Weg zur Trocknung und endgültigen Verarbeitung wieder nach Dahl verbracht zu werden. 1940 zerstörte ein Blitzschlag die Fabrikanlagen beim Haus Horst, die nicht wieder aufgebaut wurden. Die Werksanlage beim Haus Dahl wurde danach entsprechend ausgebaut.



Zwischenzeitlich hatte die Firma den Namen Bartling, Schmidt & Co. Bei dem Stempel und auf der Karte aus dem Jahr 1959 heißt es dagegen nur noch Friedrich-August Bartling.



Unter der Leitung Friedrich August Bartlings jun. wies das Unternehmen eine enorme Entwicklung auf. 1961 gab es im Werk die seiner Zeit größte Wickelpappenstraße Europas, die 1971 durch eine Kartonmaschine mit einer Tagesleistung von 45 Tonnen ersetzt wurde. Als Rohstoff für die Pappenherstellung dienten Fichtenholz, Zell- und Holzstoff. Allmählich erfolgte die Umstellung der Rohstoffe auf Altpapier. Zu den Produkten gehörten u. a. Pappteller für Kuchen, Imbiss und Würstchen, Tortenunterlagen, Weihnachtsteller, Versandrollen und Bierdeckel.



Bei den beiden letzten Stempeln taucht der Name Bartling nicht mehr auf und das Logo „fab“ ist modernisiert worden. Weshalb es beim letzten Ortsstempel auf einmal wieder „Bork, Kr. Lüdinghausen heißt, weiß ich nicht.



Als Friedrich August Bartling das Familienunternehmen 1984 an einen Londoner Konzern verkaufte, wies der Jahresumsatz 80 Millionen DM aus. Es folgten weitere Eigentümerwechsel und schließlich die Insolvenz.

Viele Grüße
Volkmar

Quelle: https://www.heimatverein-bork.de/unser-bork/dokument-des-monats/jahrgang-2016/
 
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