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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Das Thema hat 491 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 09.12.2018 13:24:35 Gelesen: 7020# 467 @  
@ Heinz 7 [#466]

Lieber Heinz,

hier sitzt noch einer im Sessel und harrt deiner wundervollen Aufarbeitung - klasse und bitte weiter machen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 09.12.2018 13:42:18 Gelesen: 7009# 468 @  
@ Heinz 7 [#466]

Es mag uns interessieren, was denn dieses Ergebnis in "heutigem Geld" wert ist.

Ich habe bereits Dutzende von Stunden mir den Kopf zerbrochen, wie wohl solche Resultate umgerechnet werden sollten. Schliesslich habe ich mich für eine "einfache" Lösung entschieden.

Ergebnisse des 20. Jahrhunderts werden umgerechnet in Schweizer Franken und danach verzinst mit 3 % pro Jahr bis 1.1.2000. Danach reduziert sich der Verzinsungs-Faktor auf 0,4 %.

Damit errechne ich

5.4.1922 = FRF 300'000 + 17.5 % = CHF 165'869
31.12.1922 = CHF 169'532
31.12.1999 = CHF 1'650'889
31.12.2018 = CHF 1'780'980

Daraus sehen wir:

Der Preis 1922 war damals schon viel wert.
Heute ist DIESE Marke noch deutlich mehr wert.
Bekanntlich erreichte sie bei Sotheby's am 17.6.2014 den Preis von sensationellen US$ 9,48 Mio.

Damit steht sie wieder weit vor allen anderen. So wie 1922.

Sie hat sich preislich nicht linear entwickelt, aber immer wieder die Spitzenposition erobert. Sie war 1922 die Königin und ist es heute wieder bzw. immer noch.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.12.2018 13:44:34 Gelesen: 7008# 469 @  
@ Totalo-Flauti [#465]
@ bayern klassisch [#467]

Danke, danke, Freunde! Für heute soll (muss) es genug sein. Aber ich werde mich bemühen, die nächsten Tage fleissig weitere Ergebnisse liefern zu können!

Herzliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.12.2018 22:53:47 Gelesen: 6748# 470 @  
@ Heinz 7 [#468]

Ich möchte mich entschuldigen.

Ich habe im obigen Beitrag den Zinssatz von 3 % für das 20. Jahrhundert verwendet. Das war sicherlich wohlüberlegt, aber vielleicht war es doch zu vorschnell.

Ich habe diese Frage mit einem Freund mehrere Male besprochen. Aufgrund unserer Arbeiten hatten wir uns nicht festlegen wollen, ob wir den Zinssatz bei 3 oder 3 1/4 Prozent festlegen wollen. Wir haben diese Frage nie definitiv entschieden. Auch 3 % war - bei beiden - anerkannt als "möglicher (korrekter) Wert".

Nun bin ich in meiner Arbeit vorgesprescht und habe die 3 % für meine Arbeit genannt. Kaum habe ich das getan, meldete sich mein Freund und sagte, er tendiere seit einigen Monaten doch eher zum höheren Wert (3 1/4 %). Er erläuterte mir seine Meinung und ich kann sie nachvollziehen.

Kurzum: Ich bin ein bisschen unglücklich, dass ich nicht Rücksprache genommen habe, mit ihm, bevor ich meinen Beitrag [#468] geschrieben habe. Heute Abend würde ich wohl der Empfehlung meines Freundes folgen, und ebenfalls 3.25 % als Aufrechnungswert einsetzen. Dieser Wert fasst die tatsächliche Situation in der Schweiz 1910-1999 vielleicht NOCH genauer zusammen, als der Wert von 3 Prozent.

Also, liebe Leser: bitte erlauben Sie mir, mich zum Start meiner Arbeit über die Aufrechnung der Preise heute noch zu korrigieren: ich will folgende Werte verwenden:

1.1.1910-31.12.1999: 3.25 %
1.1.2000-31.12.2018: 0.40 %.

Bitte denken Sie nicht, dieser Entscheid spielt keine Rolle! Sie bewirkt eine Erhöhung der Werte der Ferrary-Auktion um über 20 Prozent wie folgende Tabelle zeigt.

5.4.1922 = FRF 300'000 + 17.5 % = CHF 165'869
31.12.1922 = CHF 169'837
31.12.1999 = CHF 1'993'274
31.12.2018 = CHF 2'150'342.

Danke für das Verständnis.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.12.2018 23:34:52 Gelesen: 6332# 471 @  
@ Heinz 7 [#464]

Die Spannung war riesig. Viele der grossen Sammler waren persönlich erschienen oder liessen sich durch ihre Kommissionäre vertreten; die erste Auktion der fabelhaften Sammlung "Ferrary" stand vor der Türe, am 23. Juni 1921 kam die erste Portion zur Versteigerung!

In der philatelistischen Presse sagte man - zum Teil - ein Einbrechen der Preise voraus. Autoren fürchteten die schiere Menge an Grossraritäten in der Sammlung des "Briefmarken-Königs" könnten vom Markt nie geschluckt werden.

Monsieur Gilbert, der philatelistische Experte, liess sich aber nicht beirren und in der ersten Auktion wurde dem gierigen Publikum nur eine kleine Portion "zum Frass" vorgeworfen. Nur knappe 172 Lots aus der riesigen Sammlung wurden offeriert und nur ein Los war ein grösseres Los (Los 172: die gesamte Uruguay-Sammlung mit 2222 Marken), sonst wurden fast nur Einzellose angeboten, oder kleine Sätze (nur Los 63+124 umfasste mehr als 10 Marken neben Los 172).

Fred Melville, der Enthusiast, war natürlich auch an der Auktion dabei - Er schrieb nach der Auktion einen begeisterten Kommentar, z.B. im "Stamp Lover".

Die ersten 10 Lose waren Dreieck-Marken vom Kap der Guten Hoffnung. Los 9 stieg hoch und höher (mehr davon später). Dann kamen ein paar Lose Ceylon und Sizilien bevor Los 32 ausgerufen wurde:

"GUYANE ANGLAISE. 1850, 2 c. noir sur rose en paire verticale, obl. sur lettre entière, les plus beaux exemplaires connus de ce timbre, pièce rarissime. (Photo pl. 1.)"



Ich habe hier diesen Brief aus einem Auktionskatalog von 1989 kopiert.

Die Gebote starteten erst bei Francs 104'000! Das heisst, es lagen schon zu Beginn sehrsehr hohe Gebote vor. Doch die Gebote schraubten sich immer weiter in die Höhe. Und ... ja, auch FRF 200'000 wurde geboten ... nächstes Gebot: FRF 205'000, immer noch kein Zuschlag. FRF 208'000 ... aber noch einmal wurde das Gebot erhöht: FRF 210'000 bot der französische Sammler Maurice Burrus.

Dies war damals ein sensationeller Weltrekord.

Machen wir noch unsere Rechnung ins hier und jetzt (aufgerechnet mit 3.25 % im 20. Jahrhundert, siehe Beitrag 470):

23.6.1921: FRF 210'000 + 17.5 % Zuschlag = FRF 246'750 = GB£ 5'289 (Kurs damals 1 GB£ = FRF 46.65) = CHF 117'610 (Kurs damals 1 GB£ = CHF 22.235)
31.12.1921: CHF 119'595
31.12.1999: CHF 1'449'231
31.12.2018: CHF 1'563'429

Das mag nun viele überraschen! Kein Mauritius-Brief ist an zweiter Stelle, sondern eine weitere Rarität aus British Guiana!

Und der damals bezahlte Preis war brutal hoch. Aufgerechnet auf heute errechne ich einen Kaufpreis von CHF 1.56 Millionen Franken! Dieser Preis wurde vermutlich für dieses Stück nie wieder bezahlt, aber wir werden das noch verifizieren!

Die philatelistische Welt hatte ihre Sensation und alle waren begierig zu wissen, wie es weitergeht.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.12.2018 16:55:06 Gelesen: 6190# 472 @  
@ Heinz 7 [#464]

(Fortsetzung)

An der magischen Auktion im Juni 1921 folgten die hohen Zuschläge Schlag auf Schlag. Los 32 hatte einen Traum-Zuschlag erzielt, kurz darauf wurde Los 56 ausgerufen:

„Hawaii. 1851-52. 2 c. blau, probablement le plus bel exemplaire qui existe de ce timbre, à peine oblitéré en bleu. (Photo pl. 3.)



Interessant, dass die Marke als gestempelt beschrieben wurde! Später wurde die Marke als ungebraucht definiert, und als solche ist sie ein Unikat!

Die Marke erreichte von allen Ferrary-Losen das dritthöchste Ergebnis: FRF 156‘000! Dies war, umgerechnet: GB£ 3‘929 (FRF 183‘300) oder CHF 87‘367 oder US$ 14‘701.

Die Marke war 1911 im Senf nicht bewertet (-.-), jedoch 1913 im Senf mit 30‘000 Mark bewertet und überflügelte damit sogar die zwei Mauritius-Post-Office-Marken.

Rechnen wir die Ergebnisse 1921 wieder um in die heutige Zeit, so erhalten wir:

23.06.1921: CHF 87'367
31.12.1921: CHF 88'842
31.12.1999: CHF 1‘076‘572
31.12.2018: CHF 1‘161‘405

Käufer war wiederum Maurice Burrus!

Nehmen wir das Buch von Theodor Haas zur Hand („Lehrbuch der Briefmarkenkunde“) von 1905 dann sind wir beeindruckt:



Der hier gezeigte Scan ist ein Ausschnitt aus Seite 477, wo die 5 seltensten Marken genannt wurden. Und – es ist kaum zu glauben: Platz 1-3 bei Haas ist absolut identisch mit der Reihenfolge der tatsächlich erzielten Preisen 16 bzw. 17 Jahre später bei den Auktionen Ferrary!

Haas ist für seine gute Beobachtung/Einschätzung also sehr zu loben. Ich denke, das stellt auch Leipzig als philatelistischem Zentrum und der dort ansässigen Firma "Gebrüder Senf" ein gutes Zeugnis aus. Kataloge gab es auch in Belgien, Frankreich, Grossbritannien, USA, u.s.w., doch Senf war zweifellos einer der besten Ratgeber.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.12.2018 21:37:11 Gelesen: 6045# 473 @  
@ Heinz 7 [#472]

Das Los mit dem viertgrössten Preis hat - nominell gesehen - sogar einen höheren Zuschlag als die drittplatzierte Hawaii-Marke aus Beitrag 471. Aber der französische Francs verlor in den Jahren 1921-1924 dramatisch an Wert, sodass der Preis in Schweizer Franken tiefer war als beim Hawaii-Los fast dreieinhalb Jahre zuvor.

1. Auktion: FRF 156'000 + 17.5 % = FRF 183'300; 23.6.1921 = Wechselkurs 1 GB£ = 46.65 FRF, also GB£ 3'929 (oder US$ 14'701) = CHF 87'367
11. Auktion: FRF 200'500 +19.5 % = FRF 239'597.50; 19.11.1924 = Wechselkurs 1 GB£ = 87.55 FRF (!), also GB£ 2'737
(oder US$ 12'675) = CHF 65'276.

Welches Los erreichte denn 1924 diesen Super-Preis?

Die Ferrary-Auktionen fanden statt in Paris. Natürlich interessierten sich die einheimischen Sammler brennend für die Marken des Heimatlandes Frankreich. Ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt! Erst an der 11. Auktion kamen die ersten Lose Frankreich zur Auktion: Lose 1-318 und 361, am 19./20.11.1924. (Die ganze Auktion umfasste 635 Lose, auch noch am 21.11.1924).

Die Lose fanden grossen Zuspruch und viele Preise waren sehr hoch.

Frankreichs Erstausgabe 1849 hat zwei verschiedene 1 Franc-Werte:
Yvert & Tellier No. 7f: vermillon pâle (dit: Vervelle)

Im Katalog von Y&T. von 1916 finden wir folgende Notierungen (für ungebrauchte Marken):

No. 7 - Vermillon vif = FRF 2'500
No. 7a - rouge terne = FRF 1'500
Nr. 7b - vervelle = FRF 750.

An der Ferrary-Auktion am 19.11.1924 wurde unter Los 59 angeboten:
"FRANCE. 1849. 1 F. vermillon (Vervelle) tète-bèche dans un bloc de 4, très jolie pièce unique, photo pl.3."


das Foto stammt aus dem Auktionskatalog vom 17.11.2003 (Spink Behr)

Das Los wurde irrsinnig teuer an der 11. Auktion.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 12.12.2018 22:24:01 Gelesen: 6029# 474 @  
@ Heinz 7 [#473]

Der Hammer fiel erst bei FRF 200'500! Dazu kam ein Aufgeld von nun 19.5 %, das ergab den stolzen Preis von FRF 239'597.50; oder GB£ 2'737 = US$ 12'675 = CHF 65'276.

Umgerechnet auf heute erhalten wir folgenden Wert in Schweizer Franken (heute)

31.12.1924 = CHF 65'518
31.12.1999 = CHF 721'299
31.12.2018 = CHF 778'136

Das ist natürlich ein gewaltiger Preis, der heute für dieses Stück immer noch bezahlt wird!

An der Auktion vom 17.11.2003 in Paris wurde das Los angeboten. Schätzpreis war Euro 325'000-425'000. Zuschlag war bei Euro 460'000 + 15 % Aufgeld = Euro 529'000 x 1.5587 = CHF 824'552.

(Ja, der Euro war vor 15 Jahren noch viel mehr wert als der Schweizer Franken).

Das heisst, der Preis 2003 lag zeitbereinigt ca. 6 % höher als 1924!

Früher galt dieser Kehrdruck-Viererblock als wertvollste Einheit von Frankreich. In der Losbeschreibung 1924 stand: "unique", doch 7 Jahre später wurde eine Rieseneinheit des Wertes "vervelle" gefunden, ein 22er-Block! Dieser wurde dann aufgeteilt. Wir habe an anderem Ort bereits über diese beliebte Rarität von Frankreich gesprochen.

Dass der Tête-bêche Viererblock an den Ferrary- "Festspielen" aber den vierten Platz erzielen konnte, war vermutlich für viele eine angenehme Überraschung. Der "Heimvorteil" hat hier bestimmt etwas mitgeholfen!

Käufer des Superstückes war übrigens: Arthur Hind!

Wir sehen also, dass sich Burrus und Hind die teuersten Stücke von Ferrary teilten:
Hind: Platz 1+4
Burrus: Platz 2+3.

Andere reiche Sammler waren vorher "ausgestiegen".

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.12.2018 21:14:12 Gelesen: 5945# 475 @  
@ Heinz 7 [#464]

Mister Arthur Hind geht in Führung! 3:2 gegen Monsieur Maurice Burrus!

So könnte man die Auswertung der Top-Five-results der Ferrary-Auktionen plakativ überschreiben. Denn diese zwei Sammler teilten vor über hundert Jahren die teuersten Käufe aus dem Schatz von Ferrary unter sich auf! (siehe oben, Beiträge 464-474).

An der 3. Auktion wurde nicht nur die British Guiana, 1 Cent verkauft, sondern, am dritten Tag, am 7.4.1922, auch x Raritäten der Vereinigten Staaten. 114 Lose "Etats unis" kamen (unter anderem) zum Verkauf (Lose 458-571). Los 556 erreichte einen besonders hohen Verkaufs-Wert:

"556. Etas-unis. Boscawen. 5 c. bleu pâle sur papier mince jaunâtre, resté neuf sur lettre. La pièce a été expertisée et signée par M. John N. Luff au verso de l'enveloppe. Seule pièce connue. (Photo pl. 16.)"

Übersetzung: Vereinigte Staaten. 5 Cents blassblau auf dünnem gelblichen Papier, neu (ungebraucht) geblieben auf Brief. Das Stück wurde geprüft und signiert von Herrn John N. Luff auf der Rückseite des Briefumschlages. Einzig bekanntes Stück".



Hier zeige ich den Brief aus dem Buch/der Sammlung von Erivan Haub.

Der Preis für diese Rarität stieg und stieg an der Auktion immer weiter. Zwar war die Rarität bekannt, aber bis 1920 meines Wissens in keinem Katalog bewertet. 1922 kam dieses Unikat zum ersten Mal auf den Markt.

Welchen Wert hat solch ein Unikat? Der Markt hat in diesem Fall entschieden:
sehr viel! Erst bei FRF 105'000 fiel der Hammer

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.12.2018 21:57:51 Gelesen: 5935# 476 @  
@ Heinz 7 [#475]

FRF 105'000 am 7.4.1922 werden von mir hochgerechnet auf CHF Ende dieses Jahres 2018 wie folgt:

7.4.1922 = FRF 105'000 + +7.5% = FRF 123'375 = GB£ 2'562 = US$ 11'252 = CHF 58'054
31.12.1922 = CHF 59'432
31.12.1999 = CHF 697'517
31.12.2018 = CHF 752'481

Leon Norman Williams schrieb 1993 zu dieser Briefmarke, dass die Boscawen vielleicht die best bekannte Marke der US-Postmeistermarken ist. Postmeister Worcester Webster gab sie 1846 heraus. Seit 1865 ist der Brief in Sammlerhand:

1865 H. H. Lowrie erhielt die Marke (den Brief) von einem Postbeamten
1894 offerierte Lowrie den Brief einem bekannten US-Sammler: Hiram E. Deats. Dieser kannte die Briefmarke (verständlicherweise!) nicht, aber kaufte sie angeblich für US$ 5.00

Die Marke wurde John Luff vorgelegt, dem führenden Kenner der US-Klassiker, der die Marke in seinem Buch auch erwähnte.

1912 wurde Deats Sammlung verkauft an Warren H. Colson, der die Marke tauschte (Ferrary).

Und nun, 1922, erzielte der Brief einen sensationellen Preis. Die Nachfrage nach US-Raritäten war generell hoch, und viele der zuvor nicht bewerteten Raritäten erhielten erstmals ein "Preisschild".

Ich werde später zeigen, dass die "Boscawen" später nicht immer so extrem teuer wurde.

Im Katalog von Michel 2010 wurde sie bewertet mit "nur" Euro 250'000, das ist nur noch ein Bruchteil des Preises, den die Marke 1922 tatsächlich erzielte.

Nicht alle Briefmarken stiegen im Wert in den letzten rund 100 Jahren! Wenn es mir gelingt, zu zeigen, dass auch vor 100 Jahren schon durchaus stattliche Preise bezahlt wurden, dann freut mich das.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.12.2018 22:04:38 Gelesen: 5862# 477 @  
@ Heinz 7 [#464]

Heute möchte ich Ihnen das Los vorstellen, das an den Ferrary-Auktionen den sechsthöchsten Zuschlag erzielte. Dazu möchte ich Sie um etwas Phantasie bitten.

Kennen Sie Hubert Griebert? Ich auch nicht. Aber ich kenne Hugo Griebert, er war ein Philatelist erster Güte. Geboren 1867 war er anfangs XX. Jahrhundert ein Briefmarkensammler und -händler. Er erwarb sich höchste Anerkennung, vor allem durch seine Studien zu den Marken von Uruguay und Spanien. 1910 publizierte er "A study of the stamps of Uruguay", 10 Jahre später sein bahnbrechendes Werk "The Stamps of Spain 1850-1854". Griebert war eine Autorität auf seinen Sammelgebieten. Für sein Werk über Spanien wurde er als erster mit der Crawford Medal der Royal Philatelic Society London ausgezeichnet. 1921 wurde er auch als einer der ersten Philatelisten eingeladen, die (neu geschaffene) Roll of Distinguished Philatelists zu unterschreiben. Damit war er "im Olymp" der Briefmarkensammler angekommen. Grössere Ehre kann einem Sammler nicht zuteil werden. Hugo Griebert war damals 54 Jahre alt.

Im November 1922, ein Jahr später, kam es zur 5. Auktion des verstorbenen "Briefmarkenkönigs" Ferrary. Eine schöne Portion Spanien wurde angeboten - und Herr Hugo Griebert wusste, dass sich ihm eine Chance bot, die vielleicht einmalig war!

Ich habe bereits im Artikel "Farbfehldrucke" (Beitrag 2) darauf hingewiesen, dass Spanien 1851 einen Farbfehldruck "bekam". Siehe Beitrag 2:

"Einer der ganz seltenen und ganz teuren Farbfehldrucke ist die Marke von Spanien, 1851. Schon bei der zweiten Ausgabe von Spanien (Königin Isabella II mit Diadem im Oval; Michel Nr. 6-11) gab es einen Fehler. In die Druckplatte der 6 Reales blau (Michel 10 w) wurde versehentlich ein Klischee der 2 Reales eingesetzt. Normalerweise wurde die 2 Reales (Michel 8 w) orangerot gedruckt. Im 6 Reales-Bogen wurde nun das Klischee mit Nominale 2 Reales ebenfalls blau eingefärbt. Offenbar wurde der Fehler früh bemerkt, denn es sind bis heute nur ganz wenige dieses Farbfehldruckes bekannt geworden. (...). Von den heute bekannten drei Stück ist eines im Museum (British Library, Tapling Sammlung, siehe Beitrag 328 von Thema: "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt"). Eine weitere Marke hängt aber noch mit einer 6 Reales Marke zusammen, und ist darum besonders wertvoll!"

Genau DIESES Stück war in der Sammlung Ferrary!



Das Stück ist einmalig! Ein Fehldruck, der mit einer normalen Marke zusammenhängt, ist natürlich das Non-plus-Ultra. Verständlich, dass Hugo Griebert ein grosses Ziel hatte.
 
muemmel Am: 14.12.2018 22:39:31 Gelesen: 5854# 478 @  
Mannomann,

das ist ja mitunter spannender als ein Krimi.

Grüßle
Mümmel
 
Heinz 7 Am: 14.12.2018 22:42:33 Gelesen: 5852# 479 @  
@ Heinz 7 [#477]

Hugo Griebert wusste genau, dass dieses Los eine für ihn unvergleichbare Weltrarität war.

Erinnern wir uns: Haas setzte diesen Fehldruck 1905 kurzerhand an die Spitze ALLER Fehldrucke und Abarten! VOR dem Baden-Fehldruck, VOR der Schweden 3-Skilling-Marke! Nur drei Exemplare des Spanien-Fehldruckes waren bekannt, und eines davon war zudem in einem Museum "gefangen". Die 2 Reales-Marke im Paar mit einer normalen 6 Reales war zweifellos äusserst begehrenswert!

Griebert hatte an den Auktionen 1-4 sicherlich gesehen, dass die ambitionierten Sammler bereit waren äusserst hohe Preise für die Super-Raritäten auszulegen. An der fünften Auktion aber wollte er sich nicht von den Superreichen das Beste wegschnappen lassen.

Hugo Griebert bot gnadenlos mit. Wir wissen, dass im Senf-Katalog 1913 die höchste Notierung bei 30'000 Mark lag, oder ca. 40'000 Französischen Francs. In den Kriegsjahren 1914-1918 war der Briefmarken-Markt gestört, und jetzt, 1922 kam es zur ganz grossen "Neu-Orientierung".

Griebert musste feststellen, dass 40'000 Französische Francs nicht ausreichten. Auch 60'000 nicht, auch 80'000 nicht, ja sogar die Grenze von FRF 100'000 wurde einfach durchschlagen.

Ich kenne die finanziellen Ressourcen von Herrn H. Griebert nicht. Aber wenn ein Sammler bereit ist, ein so hohes Vermögen für ein Briefmarken-Los hinzugeben, dann können wir erahnen, wie wichtig Herrn Hugo Griebert die Erfüllung seines Wunsches war.

Hugo Griebert gab nicht nach. Und endlich, endlich: bei FRF 130'000 war Hugo Griebert alleine. Niemand bot mehr gegen ihn. Der Zuschlag war ihm. Er hatte das Wunderstück für seine Sammlung sichern können.

Umgerechnet in Preise von 2018 hatte ihn die Erfüllung seines Traumes annähernd 3/4 Millionen Schweizer Franken gekostet! (Die genaue Zahl werde ich nachliefern). - Verrückt, vielleicht... Aber ich bin sicher, Hugo Griebert hat seinen Kauf nicht bereut. Er hatte sich seinen Traum erfüllt.

Zwei Jahre später starb Hugo Griebert, 57-jährig.

Er hat seine Chance genutzt. Hut ab und Respekt, Mister Griebert. Die Spanien-Philatelie fand in Ihnen einen Enthusiasten und Grossmeister!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.12.2018 11:54:10 Gelesen: 5795# 480 @  
@ Heinz 7 [#464]

An der ersten Ferrary-Auktion wurden die Sammler ja so richtig heissgemacht auf das, was noch kommen sollte. Vier Monate später wurden die Sammler wieder eingeladen zum "Tanz". Neue, atemberaubende Raritäten warteten auf die Sammler. Rund dreimal so viele Lose wie bei der ersten Auktion kamen zum Verkauf; schön aufgeteilt auf drei Tage.

Kap der Guten Hoffnung - Sizilien - British Guyana - Hawaii - Mauritius - Rumänien - Schweiz - Toskana

Raritäten dieser "Triple A"-Briefmarkenländer kamen zum Verkauf. Der Auktionskatalog ist ein Kleinod; es ist dies eine der schönsten Auktionen für Raritätenliebhaber, die weltweit je stattgefunden hat. Ich empfehle jedem Sammler, sich einen Auktionskatlog zu kaufen; er war auch reichlich bebildert. Der Katalog wurde ja auch nachgedruckt. Die Originale sind etwas teurer. Sollten sie einmal für drei Jahre auf eine einsame Insel verbannt werden, empfehle ich Ihnen, diesen Katalog mitzunehmen.

Die Sammler stürzten sich auf das Material und es gab Höchstpreise dutzendfach. Allein an dieser 2. Auktion zähle ich mehr als 50 Marken/Einheiten/Briefe (Lose), die einen Zuschlag von FRF 8'000 oder mehr erreichten; die meisten davon waren Einzellose (nicht ganze Sammlungen oder Grosslose).

Ein Normal-Sammler konnte sich vielleicht ein oder zwei Lose sichern, wenn er seine Ersparnisse opferte. Die meisten von ihnen aber sind leer ausgegangen. Sicherlich werden die persönlich Anwesenden aber ein unvergessliches Erlebnis mit nach Hause genommen haben.
 
Heinz 7 Am: 15.12.2018 13:41:07 Gelesen: 5773# 481 @  
@ Heinz 7 [#464]

Natürlich ist das Jahr 1921 nur bedingt vergleichbar mit dem Jahr 1912, dem Ausgangspunkt unserer Betrachtungen, und FRF 8'000 des Jahres 1912 sind mehr wert als FRF 8'000 des kriegsgeschüttelten Frankreichs 1921. Aber es ist dennoch bemerkenswert, wie die Katalogpreise für Raritäten an den Auktionen von Ferrary bestätigt/übertroffen oder geradezu pulverisiert wurden. Wir erinnern uns, dass 1912 nur 17 Marken einen Katalogwert von 3000 Mark oder mehr aufwiesen. Vgl. @ BD [#2]

Wie erwähnt hatte Haas auch einige der nicht bewerteten Raritäten in seinen Studien mit berücksichtigt.

@ Heinz 7 [#371]

Es ist beeindruckend, wie genau die Einschätzungen von Haas an den Auktionen von Ferrary bestätigt wurden. Man könnte fast versucht sein, die Preisfindung 1921-1924 ausnahmsweise als "exakte Wissenschaft" anzusehen, was sie natürlich nicht ist. Dennoch war die Konstellation einmalig: Raritäten aller Welt wurden angeboten, unlimitiert, ohne Startvorgaben. Einzig die Sammlerschaft entschied das Preisgefüge!

An der Auktion vom 13.-15.10.1921 wurde Geschichte geschrieben. Ich werde diese denkwürdige Auktion noch einige Male erwähnen bei meiner Studie über die höchstbezahlten Marken der Ferrary-Auktionen.

Einen schwindelerregend hohen Preis erzielte das folgende Los:



Wir erkennen die Doppelgenf, bekanntlich die Nummer 21 auf der Liste Haas. Aber: hier ist die Doppelgenf ungebraucht nicht EINZELN, sondern gleich im SECHSERBLOCK.

Ich habe im November einige Überlegungen angestellt über EINHEITEN (PAARE) der alten Kantonalmarken der Schweiz, siehe @ Heinz 7 [#442] ff. Da haben wir gesehen, dass schon Paare sehr selten (und sehr teuer!) sind. Auch früher schon zahlten Sammler für wirkungsvolle Einheiten bisweilen Spitzenpreise.

Der Sechserblock der Doppelgenf erreichte einen Zuschlag von FRF 113'000. Die genaue Umrechnung hole ich nach, aber per 31.12.2018 werden wir nach meiner gewohnten Hochrechnung den Betrag von CHF 700'000 vermutlich übertreffen.

Beeindruckend! ... dieses Ergebnis reichte für den 7. Platz aller Ferrary-Lose. Auch die Schweiz hatte ein Top-Stück ganz vorne platzieren können!

Wer übrigens mehr lesen will zur edlen Doppelgenf, dem sei der kürzlich erschiene Artikel von Torsten Berndt empfohlen. Er hat aus aktuellem Anlass vor Kurzem einen sehr schönen Aufsatz geschrieben über die Schweizer Doppelgenf-Marke (siehe Deutsche Briefmarken-Zeitung).

https://www.deutsche-briefmarken-zeitung.de/2018/09/20/koenigin-der-schweizer-175-jahre-doppelgenf/

Ich wünsche allen Ihnen ein wunderschönes Wochenende
Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.12.2018 18:17:39 Gelesen: 5709# 482 @  
@ Heinz 7 [#464]

Auf Platz 8 folgt nun, von manch einem wohl schon schmerzlich vermisst ("wo sind sie denn?") die erste Mauritius-Marke von der berühmten Erstausgabe "Post Office".



Die 1 Penny-Marke orange ungebraucht! Gerne hätte ich Ihnen diese Marke in ihrer ganzen Pracht und in Farbe gezeigt, aber im Moment scheine ich kein Farb-Bild dieser Seltenheit zu haben.

Diese Marke gibt es ungebraucht nur zweimal! Gemäss Auktionskatalog 1993 (David Feldman) ist die andere Marke (Moens Nr. X) die anerkannt schönere. Ferrary besass die Moens Nr. VIII, die er am 15.2.1881 hatte kaufen können. Mehr als 40 Jahre war die Briefmarke in festen Händen, am 26.4.1923 wurde sie in Paris verkauft; an der 6. Ferrary-Auktion.

"* 340. MAURICE. 1847. Post-Office. 1 p. vermillon excessivement rare, neuf. (Photo pl. 11)."

Der Zuschlag erfolgte bei FRF 122'000 und damit war dies das achthöchste Resultat aller Ferrary-Lose!

Die Marke wurde gekauft vom Briefmarkenhändler Théodor Champion. Im Buch "Encyclopedia" von Williams wird erwähnt, er habe sie für seine eigene Sammlung gekauft. In den Sechziger-Jahre soll sie den Besitzer wieder gewechselt haben, aber offenbar weiss man nicht so genau, wer sie wann gekauft hat.

Wenn jemand genaue Details zum Verbleib dieser Marke weiss, bin ich froh um Hinweise. Ohne Gewähr würde ich sonst annehmen, dass sie seit 95 Jahren nicht mehr gesehen wurde.

Heinz
 
bignell Am: 17.12.2018 16:50:10 Gelesen: 5642# 483 @  
@ Heinz 7 [#482]

Hallo Heinz,

die Bilder in ihrer ganzen Pracht auf Wikipedia [1]

"Ungebrauchte Exemplare
Die Besitzer der vier ungebrauchten Blaue-Mauritius-Marken sind die folgenden:
Eine Marke befindet sich im Privatbesitz von Queen Elisabeth II. (Moens Nr. XXIV).
Eine Marke befindet sich im Museum voor Communicatie in Den Haag (Moens Nr. VI).
Eine Marke befindet sich in der British Library in London (Moens Nr. XIV).
Die vierte Marke (Moens Nr. III) befindet sich zusammen mit einer ungestempelten Roten Mauritius (Moens Nr. X) seit 1994 im Blue Penny Museum in Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius. Neben den Original-Marken werden dort auch zwei Kopien der Roten und Blauen Mauritius ausgestellt. Um die Qualität der Originale zu erhalten, werden für den überwiegenden Teil der Öffnungszeiten nur die Kopien angeleuchtet. Die über 55 Minuten pro voller Stunde im Blue Penny Museum gezeigten Kopien sind die 1912 erstellten Neudrucke von der Originalplatte in vertauschten Farben (1 Penny blau und 2 Pence rot).
Die Besitzer der zwei ungebrauchten Rote-Mauritius-Marken sind die folgenden:
Eine Marke ist seit 1995 Privatbesitz eines Westeuropäers (Moens Nr. VIII).
Eine Marke ist im Besitz des Blue Penny Museums in Mauritius (Moens Nr. X)."


Lg, harald

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_und_Blaue_Mauritius
 
Heinz 7 Am: 17.12.2018 19:30:08 Gelesen: 5612# 484 @  
@ bignell [#483]

Lieber Harald,

besten Dank für Deine Hinweise.

Ich habe schöne Fotos von fast allen Exemplaren der P.O. Mauritius. Ich habe auch die Mehrheit der 27 Exemplare schon im Original mit eigenen Augen gesehen. Aber die ex-Ferrary-Marke 1-Penny-Marke, die 1923 letztmals öffentlich verkauft wurde (meines Wissens), von DIESER Marke habe ich kein Farbfoto. Auch auf Wikipedia wird "die andere" ungebrauchte rote Mauritius gezeigt, die 1993 in Zürich verkauft wurde.

Der Wikipedia-Artikel zeigt sehr schön, wie "dramatisch" heute die Situation für Sammler aussieht: es gibt fast keine Post-Office-Marken mehr in Privathand! Ein Grossteil der Exemplare ist in Museen "gebunden".

Du sprichst die Sammlung der Queen von England an. Ich zeige die beiden "Wunder-Exemplare" aus dieser Sammlung anbei. Sie sind beide illustriert in dem "schönsten philatelistischen Buch der Welt", wie es schon oft genannt wurde: ein schwerer Mehr-Kilo-Wälzer (Grösse: 36 x 25 cm),



siehe: "vom Nutzen philatelistischer Literatur", Beitrag #67

Die 8. Farbfoto-Tafel in dem Buch zeigt ein paar Mauritius-Raritäten:



6 Raritäten werden gezeigt auf Plate VIII



Anbei sehen wir die zwei Post-Office-Marken:

Ein "Ball-Invitation-Brief" (wunderschön!!)

Die mit Abstand schönste Blaue Mauritius ungebraucht (wunderschön!!).

Die "blaue" hat der König (King Georg V.) im Januar 1904 für sehr viel Geld gekauft: GB£ 1450; damals ein Welt-Rekordpreis.

Bezüglich Qualität konnte Ferrary bei Mauritius mit den zwei königlichen Exemplaren nicht mithalten. Aber das ist "Jammern auf "unanständig" hohem Niveau".

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.12.2018 21:38:00 Gelesen: 5581# 485 @  
@ Heinz 7 [#464]

Ich habe versucht, in der Vorweihnachtszeit pro Tag eine Nummer der Top-Ergebnisse zu präsentieren. Es ist 21 Uhr, ich muss mich beeilen, wenn ich heute Platz Nummer 9 noch zeigen möchte.

An der 7. Auktion (13.-15. Juni 1923) kamen viele verschiedene Länder zum Angebot. Die grössten Sektionen sind: 70 Lose Südaustralien waren im Angebot, 83 Lose USA, 55 Lose Tasmanien, 60 Lose Württemberg ... - welche Marke brachte das höchste Resultat?

Los 343 konnte die "Schallmauer" von FRF 100'000 auch durchstossen, wie schon 7 Lose an den Auktionen vorher...



Diese 2 Cents-Marke von Hawaii gilt als schönste der gestempelten Marken dieser Weltrarität. Theodor Haas hatte die Hawaii 2 Cents von allen Marken auf Platz 3 gesetzt.

Der Zuschlagpreis betrug FRF 109'000 + 17.5 % = FRF 128'075 = GB£ 1'762 oder US$ 8'120 = CHF 45'267.

Käufer war Theodore Champion, der die Marke für die eigene Sammlung kaufte.

Aufrechnung:

31.12.1923: CHF 46'068
31.12.1999: CHF 523'563
31.12.2018: CHF 564'917

Das ist bereits das neunte Los mit einem Zuschlag von klar über einer halben Million Schweizer Franken (Geldwert heute)!

Hawaii ist gleich zweimal in den "top ten" vertreten (Platz 3 und 9).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.12.2018 21:28:22 Gelesen: 5478# 486 @  
@ Heinz 7 [#464]

Vor 33 Jahren war eine Sternstunde für die deutsche Philatelie.

Am 16. März 1985 fand in Wiesbaden die erste Auktion statt zur Auflösung der Sammlung John R. Boker, Jr. - Es ist Zufall, dass gerde heute Richard ebenfalls auf diese Auktion hinweist!

siehe: Thema: Erivan Haub Sammlungen werden bei Köhler, Corinphila und Harmers versteigert -Auktionshaus Heinrich Köhler startet mit der 1. ERIVAN-Altdeutschland-Auktion am 8. Juni 2019

Am 16.3.1985 kam unter Los 5 eine Weltrarität zur Versteigerung. Anbei der Ausschnitt aus dem Auktionskatalog:



Wir sehen aus der Beschreibung des Auktionsloses u.a. auch den Hinweis auf die Ferrary-Auktion, wobei wir "voll im Thema" sind.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 18.12.2018 21:36:54 Gelesen: 5474# 487 @  
@ Heinz 7 [#486]

Lieber Heinz,

danke fürs Zeigen dieser Weltrarität - lange ists her.

Leider war die Beschreibung was die Postgeschichte angeht mal wieder schlecht - Provenienzangaben sind gut und richtig, aber wer den postalischen Zusammenhang weglässt bzw. nicht kennt, findet bei den Boker - Katalogen keine Hilfe. Schade - ich befürchte, dass das 2019ff auch nicht bei den Haubschen Katalogen anders werden wird.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 18.12.2018 22:15:51 Gelesen: 5463# 488 @  
@ Heinz 7 [#486]

Im Auktionstext Köhler 1985 (245. Auktion) lesen wir:

"Das vorliegende Los erzielte einen Preis von FRF 120'000."

Das stimmt! Auf der Liste der "Prices realised" des 8. Verkaufes von Ferrary (7.-9.11.1923) finden wir für Los 122 genau diesen Preis genannt: FRF 120'000. Dazu kamen 17.5% "Government surtax", der Gesamtpreis war also FRF 141'000. Dies allerdings 1923, nicht 1922, wie im Katalog von Köhler angegeben.

Der Text des Auktionsloses war für 1923 recht ausführlich, u.a. stand da:

"BADE. 1851. Erreur 9 kr. noir sur vert, très bel ex. obl. sur lettre entière, photo pl. 3. Ce timbre est un des 3 exemplaires connus (...)."

Umgerechnet in die Hauptwährungen 1923 erhalten wir einen Preis von:

GB£ 1'802 oder US$ 7'952 oder CHF 45'012 (7.11.1923)
weiter gerechnet ergibt das:
31.12.1923: CHF 45'227
31.12.1999: CHF 514'094
31.12.2018: CHF 554'604

Damit kam der weltberühmte Baden Fehldruck bei den Ferrary-Verkäufen auf Platz 10.

Theodor Haas sah diesen Fehldruck in seiner Tabelle der Fehldrucke 1905 auf Platz 3, wie wir oben gesehen haben.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.12.2018 22:36:49 Gelesen: 5457# 489 @  
@ Heinz 7 [#488]

Machen wir eine Rekapitulation (Ferrary-Auktionen):

1. Auktion: British Guyana 2 Cents und Hawaii 2 Cents ungebraucht auf Platz 2+3
2. Auktion: Schweiz Doppelgenf im Sechserblock auf Platz 7
3. Auktion: British Guyana One Cent auf Platz 1 und USA Postmeister Boscawen auf Platz 5
5. Auktion: Spanien-Fehldruck auf Platz 6
6. Auktion: Mauritius 1 Penny red auf Platz 8
7. Auktion: Hawaii 2 Cents gestempelt auf Platz 9
8. Auktion: Baden-Fehldruck auf Brief, auf Platz 10
11. Auktion: Frankreich: Tête-bêche-Viererblock auf Platz 4

Diese 10 Lose erzielten an den Ferrary Auktionen 1921-1924 alle ein Ergebnis von über 100'000 Französischen Francs. Wegen der starken Francs-Entwertung 1921-1924 ist die Reihenfolge in GB£/US$ oder eben CHF nicht absolut identisch mit der FRF-Reihe, aber ich habe die Umrechnungen ja meist mitgeliefert bzw. werde dies noch nachliefern.

Wir haben dabei unter anderem "abgedeckt" die Haas-Nummern 1-3+5 der regulären Liste und 1+3 der Abarten-Liste !

Wir sehen schon daraus, wie die philatelistische Welt jahrelang in Hochspannung gehalten wurde, bis diese unvergleichliche Sammlung schliesslich liqudiert war. Die ersten Auktionen waren vorbildlich und sammlerfreundlich "gestylt", später gab es mehr Sammellose. Die harsche Kritik von Carl-Richard Brühl an den Ferrary-Auktionen scheint mir also über weite Teile unzutreffend.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.12.2018 22:55:30 Gelesen: 5450# 490 @  
@ Heinz 7 [#486]

Ein Wort noch zu den Preisen des Baden-Fehldruckes.

Wir haben gesehen, dass 1923 ein sicherlich respektabler Preis in Paris erzielt wurde. 62 Jahre später aber wurde - für diese Rarität - ein weit höherer Preis erzielt; die DEM 2'300'000 galten damals als Weltrekord.

Diese Aufwärtsbewegung haben nicht alle Raritäten von 1912 (oder 1921-1924) mitgemacht. Und seither haben nur sehr wenige Stücke diesen Wert übertroffen.

Sicherlich wird die (philatelitisch interessierte) Welt im Sommer 2019 den Atem anhalten, wenn diese Super-Rarität aus Deutschland wieder unter den Hammer kommt:

1894: Ventom, Bull & Cooper, London
1923: Ferrary Auktion, Paris
1956: Caspary Auktion, New York
1985: Boker Auktion, Wiesbaden
2019: Haub Auktion, Wiesbaden

Heinz
 
merkuria Am: 02.01.2019 18:22:06 Gelesen: 3303# 491 @  
@ Schwämmchen² [#453]

Ganz schöne Rendite, wenn man das Ergebnis von 2014 anschaut!

https://www.philaseiten.de/beitrag/147156

Gruss
Jacques
 

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