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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Das Thema hat 448 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 24.09.2018 22:30:18 Gelesen: 12750# 424 @  
@ Heinz 7 [#423]

Lieber Heinz,

die 3 Skilling galt lange Jahre als fälschungsgefährdet, weil sie angeblich farbverfälscht sein sollte. Ich kenne leider nicht den neuesten Stand der Analyse - vlt. hat man sie daher weggelassen, um keiner Fälschung den Weg ins Goldene Buch der Philatelie zu ebnen?

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 25.09.2018 23:01:35 Gelesen: 12268# 425 @  
@ bayern klassisch [#424]

Du hast recht, dass der Farbfehldruck angezweifelt wurde. 1974 wurde die Marke im Ehrenhof der "Stockholmia 1974" ausgestellt. Damals baten 9 schwedische Experten, die Marke genau untersuchen zu dürfen, was dann auch erlaubt wurde. 1975 kam Professor Diego Carlström "and others" zum Schluss, dass der Fehldruck echt ist.

Diese Info habe ich aus dem oben gezeigten Katalog.

Die Marke hat x-mal sehr hohe Preise erzielt. Seit 43 Jahren sind wohl auch die Kritiker und Zweifler verstummt. Wie die Situation um 1910 war, wissen wir heute wohl zu wenig.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 26.09.2018 11:11:24 Gelesen: 12156# 426 @  
@ Heinz 7 [#425]

Lieber Heinz,

danke für die profunde Auskunft mit den Daten - so genau hätte ich das nicht machen können.

Selbst als ich noch Jungsammler war, gab es Stimmen, dass sie evtl. nicht echt sein könnte und da reden wir von den 1970er Jahren.

Es mag durchaus sein, dass schon weit früher Zweifel geäußert wurden und sich dadurch der potentielle Wert/Preis nach unten verändert haben könnte.

Wenn sie aber echt ist (ich habe sie mal in natura gesehen, weiß aber nicht mehr wo und wann das war), dann ist sie sicher die Krone der Klassikphilatelie, obwohl es ja von jedem Farbenfehldruck mindestens einen ganzen Bogen gegeben haben muss, also das Auftauchen weiterer Exemplare nicht auszuschließen ist, wohingegen andere Weltraritäten in so geringer Stückzahl gedruckt bzw. in hoher Stückzahl zurückgezogen und vernichtet wurden, dass diese Befürchtung weniger besteht.

Liebe Grüsse und vielen Dank für dein sensationelles Engagement in diesem interessanten und wichtigen Bereich der Philatelie,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 27.09.2018 23:07:43 Gelesen: 12055# 427 @  
@ Heinz 7 [#422]

Im Thema "Vom Nutzen philatelistischer Literatur" habe ich die wohl wichtigsten Eckdaten zu den Maury-Katalogen gegeben, welche im 19. Jahrhundert für Frankreich die führende Stellung einnahmen (1870 bis Ende des XIX. JHs).

Ich habe einen der letzten Kataloge von Arthur Maury (er starb 1907), und zwar die Ausgabe 1904. Diese ist besonders interessant, weil sie fast gleichzeitig herauskam wie das phantastische Lehrbuch von Theodor Haas. Haas schrieb 1905 bekanntlich eine Einschätzung der seltensten Marken.

Schön am Katalog Maury ist, dass einige Briefmarken bewertet wurden, die im Katalog der Gebrüder Senf (Leipzig) nicht bewertet wurden! So können wir Quervergleiche ziehen!

@ Heinz 7 [#371]

Haas setzte auf die ersten 6 Plätze:(siehe unten, Vergleich mit Maury)

1) Guyane Anglaise - 1856 - 1 cent rouge - Maury No. 9a: Wert 10'000 (nur gestempelt im Katalog) (Seite 209)
2) Guyane Anglaise - 1850-51 - 2 cents rose - Maury No. 0: Wert 6'000 (nur gestempelt im Katalog) (Seite 209)
3) Hawaii 1851 - 2 cents bleu - Maury no. 1: Wert 8'000 (nur gestempelt im Katalog) (Seite 218)
4) Maurice 1847 - 2 pence bleu - Maury no. 7: Wert 18'000 (ungestempelt) bzw. 15'000 (gestempelt) (Seite 282)
5) Maurice 1847 - 1 penny rouge - Maury no. 6: Wert 20'000 (ungestempelt) bzw. 10'000 (gestempelt) (Seite 282)
6) Roumanie 1858 - 81 parale bleu - Maury no. 3: Wert 10'000 (ungestempelt) bzw. 6'000 (gestempelt) (Seite 364)

Man sieht hier also interessante andere Ansätze als bei Senf, mit der blauen Mauritius als der teuersten Marke der Welt.

Bei den teuren Postmeister-Marken der USA hat Arthur Maury aber auch nur sehr lückenhaft informieren können; die meisten dieser Raritäten waren unbewertet oder überhaupt nicht katalogisiert.

Noch ein Wort zur seltsamen Nummerierung bei Maury. Arthur Maury gab seinen ersten kompletten Katalog schon sehr früh heraus (1865). Vermutlich war dort British Guiana 2 Cents gar noch nicht bekannt, darum erhielt der 4 Cent-Wert bei Maury die Nummer 1. Als dann später die 2 Cents bekannt wurde, gab Maury ihr offenbar die Nummer Null, damit die 4 Cents weiterhin die Nummer 1 bleiben konnte. Bei Mauritius war die Ausgabe von 1848 nummeriert mit 1-5, die Ausgabe 1847 (Post Office) aber mit Nummer 6+7.

Wir wissen auch von anderen Katalogen, dass eine einmal gewählte Katalognummer sehr oft - trotz neuen Erkenntnissen! - nie korrigiert wurde/wird!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.09.2018 19:42:20 Gelesen: 11995# 428 @  
@ Heinz 7 [#427]

Ich kann etwas bestätigen, das ich gestern erst vermutet habe.

Die Maury Nr. 0 von British Guiana (der 2 Cents Wert) wurde gemäss Literatur erst 1877 bekannt.

Das mag damit zusammenhängen, dass am 1.7.1850 das erste Postbüro eröffnet wurde, damals aber nur Briefporti von 4, 8 oder 12 Cents fällig waren (abhängig von der Distanz). (Quelle: "The Postage Stamps and postal history of British Guiana" von Townsend & Howe, 1970, Seite 406). Gemäss Tabelle kam die 2 Cents Wertstufe erst am 1.3.1851 hinzu ("City Post in Georgetown (short-lived)".

Townsend & Howe schreiben denn auch (Seite 19): "The values of the stamps which came into use on 1st July 1850 were 4 cents, 8 cents and 12 cents".

Eigentlich ist es dann auch logisch, dass die Kataloge diese Werte als Nummern 1,2,3 aufführen! Maury tat das auch, was also völlig richtig war und ist.

Was aber offenbar lange Zeit unbekannt war: (siehe Seite 19):

"A further duty (2 cents) came into use on 1st March 1851 as is shown by the notice which appeared in the Royal Gazette on 22nd February 1851 (...)".

Weiter lesen wir (Seite 20): "In the British Guiana Philatelic Journal of December 1921, Mr A.D. Ferguson stated that the first copy of the 2 cents circular was found by Mr N.R.McKinnon in 1877. It was therefore 26 years before an example was discovered."

Also - alles klar! Maury gab seinen ersten Katalog bereits 1865 heraus und notierte die Werte 4, 8 und 12 Cents korrekt mit den Nummern 1, 2 und 3. Der 2 Cents Wert hätte dann eigentlich die Nummer vier erhalten sollen, aber er war damals noch nicht bekannt/gesehen. Erst 26 Jahre nach der Ausgabe wurde die Marke entdeckt! Maury hatte die Nummer 4 dann aber längst an die Folgeausgabe: 1852 Segelschiff im Hochrechteck, 1 Cent, vergeben!

Offenbar wollte Maury dann 1877 nicht die Katalogisierung korrigieren, seine Nummern 4-44 (1852-1876) hätten alle eine Nummer "aufrücken" sollen. Stattdessen vergab Maury der neu-bekannten 2 Cents-Marke die Nummer Null und stellte sie an den Anfang des Landes.

Nicht ganz korrekt, aber verständlich. Andere Kataloge (wie Senf) nahmen die 2 Cents auch an den Anfang, was streng genommen nicht korrekt ist; nur die Nummer 4 ist "sauber".

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.09.2018 20:10:38 Gelesen: 11985# 429 @  
@ Heinz 7 [#428]

Ich möchte hier einen der extrem seltenen Werte noch zeigen:



1877 wurden 4 Exemplare dieser Marke erstmals gefunden, 26 Jahre nach ihrer Herausgabe! Alle vier Marken wurden von McKinnon gekauft. In den nächsten 10 Jahren wechselte diese Marke dann 8 Mal den Besitzer! (Quelle: "Encyclopedia of rare and famous stamps", by Leon N. William, 1997).

Neben diesen vier aufgetauchten Exemplaren wurden dann noch drei Briefe bekannt, die alle aber nicht als Einzelfrankatur (City-Post) eingesetzt wurden, sondern immer im Paar, dies ergab das normale Briefporto von 4 Cents.

Die drei Briefe kamen ans Tageslicht:

1888: Brief von Demerara, 24. Oktober 1851
1896: Brief von Demerara, 5. August 1851 (der berühmte Miss Rose, Blankenburg-Brief) = Geschenk an die Kirche!
1897: Brief von Demerara, 26. November 1851

In den Beiträgen [#46] und [#151] habe ich zwei Briefe bereits gezeigt.

Seit nunmehr 120 Jahren ist meines Wissens die Anzahl der bekannten Stücke nicht grösser geworden: es gibt nur 7 Stück: 3 Briefe und 4 Einzelmarken (alle gebraucht (Unterschrift/Initiale des Postmeisters bzw. eines Postbeamten)).

Theodor Haas setzte diese Marke 1905 wie erwähnt auf Platz 2.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 01.10.2018 20:45:14 Gelesen: 11180# 430 @  
@ Heinz 7 [#429]

Einen tollen Fund habe ich in meiner Zeitschriften – Bibliothek gemacht. Von der Zeitschrift „Le Timbre-Poste“ schreibt Prof. Carlrichard Brühl: „(…) das von J.-B. Moens verlegte „Le Timbre-Poste“ (…) das ohne jeden Zweifel die führende philatelistische Zeitschrift des 19. Jahrhunderts gewesen ist“ (siehe Brühl, Seite 772)

In der Ausgabe Mai 1878 (16. Jahrgang, No. 185) auf Seite 38 fand ich den Hinweis auf die neuentdeckte British Guiana 2 Cents, schwarz auf rosa! Redakteur Louis Hanciau schreibt nicht eben begeistert über die Neuentdeckung. Im Gegenteil, er warnt die Sammler vor solchen Neuentdeckungen!



Im grossen „Catalogue prix-courant de timbre-poste, enveloppes, (…) etc. par J. – B. Moens, sixième édition » von 1883 ( ?) ist die Marke aber sauber katalogisiert (Seite 398) als (vermutlich neue) Nr. 1 von Guyane Anglaise. Dass die Marke erst 1871 herauskam, war Moens noch nicht bekannt, er listete die Marke zusammen mit den anderen 3 Werten (4, 8 und 12 Cents) im Jahre 1870 aus.

Es ist sehr nützlich, wenn man "den Stand des Wissens" im Nachhinein rekonstruieren kann!

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.10.2018 10:08:42 Gelesen: 11001# 431 @  
@ Heinz 7 [#411]

Ganzsache gut verkauft!



Die Postmeister-Ausgabe von Annapolis (Umschlag) ist fraglos eine Pretiose ersten Ranges in der Welt der Philatelie. Als eine der ganz wenigen Ganzsachen konnte dieses Postwertzeichen wertmässig mithalten mit den teuersten Briefmarken der Welt. Meines Wissens ist dies seit ca. 100 Jahren die wertvollste Ganzsache der Welt.

Dieser Umschlag existiert nur zweimal, wobei die Formate der beiden unterschiedlich sind und darum auch als "zwei Unikate" angesehen werden können. Beide Umschläge wurden erst 1895 entdeckt und wanderten sofort in berühmte Sammlungen. In den letzten 123 Jahren kamen die beiden Postwertzeichen nur selten auf den Markt. Der oben gezeigte Umschlag ([#411]) wurde jetzt erst zum zweiten Mal an einer Auktion öffentlich angeboten! Im 19./20. Jahrhundert war der Umschlag offenbar nie öffentlich zum Kauf angeboten, sondern wurde immer privat verkauft (gemäss Informationen Auktionskatalog)!

Gestern war es wieder soweit. In New York wurde die Ganzsache angeboten und verkauft.

Schätzpreis: US$ 300'000
Zuschlagpreis: US$ 390'000 + 18% Zuschlag = US$ 460'200

Das ist natürlich ein stolzer Preis. Es sei aber daran erinnert, dass an der Auktion im Jahre 2012 (als der Umschlag das erste Mal an einer Auktion war!) die Ganzsache noch deutlich teurer wurde: der Zuschlag war damals erst bei US$ 550'000, vgl.

@ Heinz 7 [#412]

Die Ganzsache war lange Zeit "von der Bildfläche verschwunden" (siehe Informationen von Christie's 1989)

@ Heinz 7 [#414]

Offenbar ruhte der Brief lange Zeit bei einem Raritätenhändler. Senator Peter Frelinghuysen hatte ihn dann gekauft. 2012 mochte Erivan Haub ihn nicht kaufen, aber vielleicht war er der Unterbieter? - - Nun, gestern gab es einen neuen Preis dafür.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 08.10.2018 23:58:23 Gelesen: 9537# 432 @  
@ Heinz 7 [#136]

Wir wissen, dass die Hawaii 2 Cents eine der wertvollsten B. der Welt ist. Bei Haas gelang erreichte sie 1905 Platz 3. Die Marke ist wirklich sehr selten, wie folgende Übersicht zeigt:

15 Exemplare, davon

- 1 ungebraucht
- 1 Brief mit Zusatzfrankatur (siehe [#167] und [#168]
- 1 Fragment, zusammen mit 13-Cents-Marke
- 12 gestempelte Exemplare, davon offenbar sogar 5 in Museen (*)

(* Auskunft gemäss Auktionskatalog).

Wenn die ungebrauchte 2 Cents-Marke zum Verkauf kommt, dann ist das schon eine grosse Sache, denn in den 167 Jahren seit 1851 war die Marke offenbar erst bei sieben Sammlern (*). An öffentlichen Auktionen war das gute Stück erst das fünfte Mal

- 1921 (ex Sammlung Ferrary)
- 1963 (ex Sammlung Burrus)
- 1995 (ex Sammlung "Honolulu Advertiser")
- 1997 Auktion Ivy & Mader, Pacific 1997
- 2018 (ex Sammlung William Gross)

Die ersten drei Verkaufsergebnisse habe ich in Beitrag 136 schon genannt. Der Preis 1997 ist mir nicht bekannt.



Nun wurde das Los geschätzt zu US$ 500'000 - 750'000. Der Zuschlag erfolgte dann bei US$ 525'000, dazu kommen die üblichen Gebühren (m.W. 18 % = US$ 619'500).

Der Preis war also tiefer als 1995.

Gute Nacht!
Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.11.2018 17:23:40 Gelesen: 3134# 433 @  
@ Heinz 7 [#355]

Nachdem ich in Beitrag 355 die HEUTE wertvollste Briefmarke der Schweiz benannt habe, wagen wir auch eine Betrachtung zu den wertvollsten BRIEFEN der Schweiz. Einige Kandidaten für diese Bezeichnung haben wir bereits oben vorgestellt:

Beitrag 79: Brief mit zwei Züri 4 (8. April 1847)
Beitrag 86: Brief mit Rayon II mit Kreuzeinfassung
Beitrag 91: Brief mit Basler Taube und Frankreich-Frankatur
Beitrag 118: Brief mit Mischfrankatur Basler Taube (Paar) und Rayon II ("Renan-Brief")

Mit dieser Aufzählung sind wir aber noch nicht am Ende! Es gibt mehrere andere Briefe, die sich in den gleichen Grössenordnung aufhalten. Ich werde versuchen, diese nach und nach zu zeigen.

@ Richard [#1]

Richard hat bei der Einführung in das Thema auch die Basler Taube 1845 genannt. Diese Marke ist wirklich eine der berühmtesten und beliebtesten weltweit. Aber ganz so selten ist sie nicht, was sich natürlich auf den Preis auswirkt(e). Wir sahen, dass im Senf-Katalog 1913 die Basler Taube nicht extrem hoch bewertet war: CHF 300 ungestempelt, CHF 150 gestempelt. Das war zu wenig, um in den Studien Haas (1905) und Schubert (1912) auf den vorderen Plätzen zu landen.

Es gibt aber Briefe, die sehr teuer bezahlt wurden. Besonders Briefe, die nicht (nur) eine Einzelfrankatur aufweisen, sondern eine aussergewöhnliche Frankatur aufweisen, wie

- ein Paar (oder zwei Basler Tauben)
- eine Mischfrankatur mit einer anderen Marke (siehe oben)

wurden/werden regelmässig sehr teuer bezahlt.

Der nachfolgende gezeigte Brief ist nun sicher ein besonders Aufsehen erregendes Stück:



Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.11.2018 17:50:58 Gelesen: 3115# 434 @  
@ Heinz 7 [#433]

Bei diesem Brief von 1850 zählen wir nicht weniger als 6 Basler Tauben! Die Basler Taube wurde grundsätzlich für den Kanton Basel herausgegeben; bei diesem Brief aber wurde ein Brief über die Kantonsgrenze (bis nach Kreuzlingen, Kanton Thurgau) versandt. Und dafür wurden 15 Rappen gefordert, die nicht mit Schweizer Bundesmarken, sondern mit alten Basler Tauben bezahlt wurden!

Dieser einmalige Brief war schon früh bekannt. Er war Teil der Georg Koch Sammlung, welche ab Juni 1908 in Paris versteigert wurde!

1908 - das liegt zeitlich nahe bei unseren "Studiengrundlagen" (Senf 1912 oder 1913). Es ist also bestimmt interessant, zu wissen, wie viel der Brief 1908 denn kostete.

Ich habe einen Nachdruck der Verkaufskataloge von Gilbert & Köhler, welche auch Preisnotizen enthält. An der ersten Auktion wurde als Los 854 tatsächlich der oben gezeigte Brief verkauft. Die handschriftliche Notiz deutet darauf hin, dass der Verkaufspreis FRF 1140 betrug. Und damit war dieser Brief tatsächlich ziemlich teuer.

Laut unabhängiger Quelle erzielte das Los einen Verkaufspreis von FRF 1254 (laut Zeitschrift "Echo de la Timbrologie, Amiens, 15.6.1908); das sieht wirklich nach Hammerpreis von FRF 1140 + 10 % Provision aus.

Es gibt nicht viele Lose, die 1908 bei den Koch-Auktionen einen vierstelligen Zuschlagpreis erzielten!

Heute kann man diesen Brief im Postmuseum in Bern bewundern.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.11.2018 18:35:41 Gelesen: 3073# 435 @  
@ Heinz 7 [#214]

In Beitrag 214 habe ich gezeigt, dass um 1908 der Wert des Französischen Franc gleich lag wie der des Schweizer Frankens. Zwanzig FRF oder CHF galten damals = 16 Mark und 20 Pfennige.

Einen hohen Verkaufserlös erzielte Los 274 = "Mercure rouge foncé". Gemäss Notiz wurden FRF 1540 erzielt (vermutlich netto; +10 % = FRF 1694 brutto?). Ich habe schon erwähnt, dass der zinnoberrote Merkur (1856) einen Katalogwert von Mark 2000 hatte (ungestempelt) (Senf 1913).



Die Abbildung im Nachdruck des Kataloges ist nicht sehr deutlich, aber es scheint, dass die Marke ungebraucht war. Leider fehlt aber (im Textteil) das Zeichen "*" vor der Los-Nummer, das üblicherweise für ungebrauchte Lose angebracht wurde.

Aus diesen Vergleichen können wir aber sicher festhalten, dass 1908 der "Basler Taube-Brief mit den 6 Exemplaren" zwar teuer war, heute aber wohl noch bedeutend teurer wäre. Doch ist er käuflich nicht mehr zu bekommen. Gemäss Buch von Bach/Winterstein ist der Brief seit 1973 im Museum in Bern.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.11.2018 23:59:03 Gelesen: 2245# 436 @  
@ Heinz 7 [#435]

Hand aufs Herz: Wer kann die "richtigen" Preise für die Altschweiz-Marken benennen? Ich habe grosse Mühe, eine korrekte Tabelle auswendig aufzusagen, obwohl ich ja schon viele Jahre Interesse habe an den Schweiz-Pretiosen und obwohl ich die Auktionsergebnisse immer wieder mit grossem Interesse verfolge.

Um eine aktuelle Tabelle erstellen zu können, behelfe ich mir mit dem Schweizer Briefmarken Katalog 2018 des Schweizer Briefmarken-Händler-Verbandes. Die Briefmarken 1843-1852, Zumstein Nr. 1-20 werden betrachtet. Wir verzeichnen dazu aber nicht "nur" 20 Preis-Notierungen, sondern ganze 36, da verschiedene Marken in zwei Varianten existieren; mit oder ohne Kreuzeinfassung oder ein paar wenige Abarten werden auch bewertet (z.B. verkehrt geschnittene Doppelgenf). Auch eine Ganzsache wird ausführlich bewertet; der Briefumschlag Genf, 1846, in drei Formaten, und dazu noch der Ausschnitt des Briefumschlages, als Marke verwendet (Zumstein Nr. 07; 1849).

Interessant an den Notierungen des SBK sind auch die Preise für Paare! Einzelne Marken sind im Paar extrem selten und die Paar-Preise schnellen in die Höhe.

Leider aber gibt der Katalog kein vollständiges Bild ab. Einzelne Preise fehlen; das macht Sinn bei Varianten, die NICHT EXISTIEREN (z.B. Doppelgenf als Paar auf Brief). Bei der Poste Locale ohne Kreuzeinfassung (ZSt. 14 II) aber fehlt ein Preis für "ungebraucht", weil "diese Marke kommt ungebraucht praktisch nicht vor". Ganzganz wenige Stücke gibt es aber. In der Iwan Bally-Sammlung waren gleich zwei Stücke enthalten (davon 1 auf Brief, unentwertet geblieben).



Nun, wir wollen nicht jammern, sondern die vorhandenen Informationen studieren. Immerhin haben wir 155 (von 216 theoretisch möglichen) Preise(n) vorgefunden.

Soviel vorweg: In 30 (von 36) Fällen haben wir Preisnotierungen für ungebrauchte Marken/Ganzsachen, in 6 Fällen haben wir nur Preise für gestempelt. In 28 der 30 Fälle ist "ungebraucht" teuerer als "gebraucht" (z.T. deutlich!) - nur 07 und 1 W sind ungebraucht weniger teuer als gestempelt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.11.2018 01:08:06 Gelesen: 2228# 437 @  
@ Heinz 7 [#436]

Drei Preise des SBK 2018 (von 155, siehe oben) sind moderat, nur je CHF 200.



Die Zumstein Nrn. 16 II, 17 II und 20, alle gestempelt mit CHF 200 bewertet, sind in vielen Schweiz-Sammlungen die einzigen Schweiz-Marken der Jahre 1843-1852.

Die Bewertungen auf Brief sind für diese drei Marken je CHF 400, die Bewertung je für ein Paar gestempelt ist je CHF 500.

Damit sind die neun tiefsten Preise genannt (Platz 147-155). Platz 102-146 sind eingenommen von Marken-Varianten mit Preisen von CHF 600 bis CHF 4'900. Aber 101 Preisnotierungen sind CHF 5'000 oder höher - darum wird die Luft für Schweiz-Klassik-Sammler, die ALLE Varianten suchen, extrem dünn.

Platz 48-101: Preise CHF 5'000 bis CHF 45'000
Platz 33-47: Preise CHF 50'000 bis CHF 80'000
Platz 22-32: Preise TCHF 100 bis TCHF 170

Das heisst also, dass nicht weniger als 21 Preise CHF 200'000 oder höher sind. (!!) Unter anderem ist ein Paar der Basler Taube auf Brief bewertet mit CHF 220'000.

Auf dem Spitenplatz stehen zwei Brief-Notierungen:

17 I - Rayon I hellblau, mit Kreuzeinfassung: siehe [#355]

Auf Brief ist diese Marke notiert mit CHF 550'000.

Denselben Ansatz verwendet SBK für ein Paar auf Brief der Nr. 11 (sog. "Neuenburg").



Ich kenne nur diesen einen Brief mit einem Paar der Nummer 11. Daneben gibt es noch einen Brief mit sogar DREI Marken Nummer 11. Beide "Neuenburg"- Briefe sind heute in der Sammlung von Joseph Hackmey.

Ah ja, der Katalogwert für diese 20 Marken (36 Nummern) in allen Varianten (= 155 Preise) beläuft sich auf CHF 10'054'300.

Da reicht nicht einmal ein Lotto-Haupttreffer.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.11.2018 21:19:55 Gelesen: 1933# 438 @  
@ Heinz 7 [#437]

Im gestrigen Beitrag habe ich den SBK 2018 unter die Lupe genommen und festgestellt, dass nicht weniger als 32 Preise notiert sind von CHF 100'000 und mehr für Briefmarken der Schweiz 1843-1852, sofern auch Briefe und Paare mit berücksichtigt werden!

Am höchsten bewertet sind im SBK:

Brief Einzelfrankatur der Zumstein Nr. 17 I
Brief Paar der Zumstein Nr. 11

Auf Platz drei steht mit Katalogwert CHF 450'000
die Doppelgenf, verkehrt geschnitten, senkrecht, auf Brief



Der hier gezeigte Brief ist wirklich eine Augenweide! Er schmückte die Sammlung "Helveticus", die 1991 und 1992 verkauft wurde. Das Los erzielte einen Preis von CHF 286'000 (nach Angabe David Feldman 2000).

Es gibt nur sehr wenige senkrecht zusammenhängende (halbe) Doppelgenfs! Hier hängen zwei linke Hälften zusammen, und das auf Brief. Man könnte diese Einheit auch als Paar der Zumstein 4L bezeichnen, aber Abart der Zumstein Nr. 3 tönt vielleicht NOCH besser ?

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.11.2018 22:19:00 Gelesen: 1916# 439 @  
@ Heinz 7 [#87]

Vor über 2 Jahren habe ich die Rayon II mit vollständiger Kreuzeinfassung auf Brief vorgestellt. Ich kann im Moment nicht sagen, von welchem Druckstein diese Marke (ex Alma Lee) kam: A3 oder A1.

Der SBK 2018 unterscheidet spitzfindig nach diesen beiden Drucksteinen und kommt so auf astronomische Katalogwerte:

Zumstein Nr. 16 I (Michel Nr. 8 I), Stein A1: lose CHF 220'000, auf Brief CHF 440'000
Zumstein Nr. 16 I (Michel Nr. 8 I), Stein A3: lose CHF 170'000, auf Brief CHF 360'000.

Damit nimmt diese Marke in der Reihenfolge des SBK 2018 die folgenden Plätze ein:

Platz 4: CHF 440'000 = 16 I - A1 auf Brief
Platz 8: CHF 360'000 = 16 I - A3 auf Brief
Platz 15: CHF 220'000 = 16 I - A1 lose (ex aequo mit anderen Raritäten)
Platz 22: CHF 170'000 = 16 I - A3 lose.

Gemäss SBK 2018 gibt es immerhin "ca." 17 Stück von Stein A1 und "ca." 26 Stück vom Stein A3.

Es gibt deutlich seltenere Weltraritäten, die im Preis deutlich tiefer stehen.



Im Mai 2016 habe ich einen Brief mit einer 16 I von Grandson nach Aubonne gezeigt. Anbei zeige ich einen Brief mit einer 16 I von Grandson nach Aubonne. Es ist aber nicht derselbe Brief wie in Beitrag 87! Das lässt sich ohne Schwierigkeiten bestätigen. Beide Briefe kommen aus derselben Korrespondenz "Charbonnier"

Herzliche Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 08.11.2018 20:54:42 Gelesen: 1683# 440 @  
@ Heinz 7 [#437]

In obigem Beitrag 437 habe ich die zwei höchstbewerteten Briefe im SBK 2018 vorgestellt, dabei allerdings erst ein Bild gezeigt. Nun möchte ich auch einen der ganz raren Briefe mit einer 17 I zeigen. Auch dieser Brief war dieses Jahr in Bern zu sehen, an der phantastischen Ausstellung "Extrem" zum 175 Jahre-Jubiläum der ersten Schweizer Briefmarken



Ein Katalogwert von CHF 550'000 macht klar, warum sich nur ganz wenige Sammler einen solchen Brief je leisten konnten.

Aber nicht einmal "alles Geld der Welt" garantiert, dass man einen solchen Brief einmal in die eigene Sammlung aufnehmen kann - manchmal kommt so ein Brief während eines Sammlerlebens einfach nie auf den Markt oder man verpasst ihn.

Dieser Brief schmückte übrigens die Sammlung von Alfred Caspary (1877-1955) und erreichte einen guten Preis an der Auktion von H.R. Harmer, New York am 18.11.1957: US$ 7'500 (Los 231). Wie dieser Preis (1957) einzuordnen ist, möchte ich auch einmal ausführlich besprechen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 08.11.2018 21:30:28 Gelesen: 1670# 441 @  
@ Heinz 7 [#440]

Eine Bewertung von CHF 420'000 reichte im SBK 2018 nur auf Platz 5! Vier andere Briefe werden NOCH höher bewertet (siehe Beiträge 433-439).



Ein Paar der "Waadt 4" auf Brief ist natürlich extrem selten. Aber Toni Abele gelang es, immerhin vier Briefe (oder Briefvorderseiten) davon nachzuweisen ("A propos Altschweiz" Artikelserie in der Schweizer Briefmarken-Zeitung Mai 1958 bis Mai 1961).

Im Sonderdruck werden die vier Briefe (plus zwei Fragmente) auf den Seiten 66-70 vorgestellt. Der oben gezeigte Brief von Genève nach Cointrin war bei Abele Paar Nr. 4. Er zierte einst die Sammlung von Alfred Lichtenstein

Ich konnte dieses Stück 2018 gleich dreimal bewundern:

in Bern: Ausstellung "Extrem"
in Lugano: Wettbewerbsausstellung
in Prag: Wettbewerbsausstellung.

In Prag gewann der stolze Besitzer u.a. mit diesem Traumstück den Grand Prix.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.11.2018 19:29:56 Gelesen: 1442# 442 @  
@ Heinz 7 [#433]

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich realisierte, dass die Schweiz 1843-1852 (Nrn. 1-20) in nicht weniger als 32 Fällen sechsstellig bewertet wurde im SBK 2018! Klar - die Berücksichtigung auch von Paaren bläht diese Tabelle natürlich gewaltig auf, denn rund 60% der Notierungen sind für Paare. Ganz genau sind es:

9 Paare auf Brief
6 Paare ungebraucht
5 Paare gestempelt
7 Briefe mit Einzelmarken
4 Marken gestempelt
1 Marke ungestempelt

Ich habe dabei die Doppelgenf verkehrt geschnitten senkrecht neu als Paar gezählt: Paar der halben Doppelgenf links oder rechts, siehe [#438].

Es wundert uns vielleicht, dass nur 1 Marke ungebraucht in dieser Tabelle erscheint, jedoch vier gestempelte. Dabei wissen wir, dass in der Regel die ungebrauchten Marken seltener sind als die gestempelten. Aber, gewisse Raritäten gibt es einfach nicht ungebraucht (16 I, 17 I) oder wurden im SBK 2018 nicht bewertet (siehe [#436])

Die einzige ungestempelte Marke, die es so hoch schaffte, ist die Doppelgenf (Nummer 3), welche ich schon mehrfach vorgestellt habe, u.a. [#156] und [#208]).



Ich wiederhole, dass bei Haas 1905 und Schubert 1912 die Doppelgenf noch hinter der "Waadt 4" (= Nummer 9) lag, aber heute steht die Waadt 4 nur noch bei 75% vom Wert der Doppelgenf (ungestempelt).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 09.11.2018 20:14:58 Gelesen: 1429# 443 @  
@ Heinz 7 [#79]

Ein Paar der Zürich 4 habe ich im Mai 2016 gezeigt; es war dies eine Zürich 4 mit senkrechten Unterdrucklinien.

Wie oben gezeigt, ist ein Brief mit einem Paar 1 W mit CHF 400'000 bewertet, dies reicht (ex aequo mit einem anderen Paar auf Brief) für Platz 6.

Heute zeige ich ein weiteres Paar Zürich 4 auf Brief:



Dieser wunderbare Brief war in den Sammlungen Mirabaud und Caspary.

Aber, gehört dieser Brief hier vorgestellt?

Es IST ein Paar der Zürich 4. Aber sie hat SENKRECHTE Unterdrucklinien, ist also eine 1 S. Im SBK 2018 sind dafür keine Preise notiert - fehlt einfach!

Es gibt meines Wissens genau gleich viele Briefe der 1 S wie der 1 W, je drei.

Nehmen wir an, der SBK habe die 1 S nicht wirklich vergessen, sondern habe für BEIDE Varianten die gleiche Bewertung vorgesehen: CHF 400'000 für ein Paar auf Brief.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 09.11.2018 20:34:21 Gelesen: 1424# 444 @  
@ Heinz 7 [#443]

Hallo Heinz,

was für ein Brief ! Ja, wenn man die Provenienz liest, ahnt man, warum man den nicht selbst im Album hat. :-)

Danke fürs Zeigen dieser Briefbomben, die wir uns leider nicht real leisten werden können, aber die wir hier auch sehr gerne via Forum betrachten, weil sie Schönheit und Seltenheit kombinieren.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Lohengrin Am: 10.11.2018 14:00:32 Gelesen: 1243# 445 @  
@ merkuria [#358]

Von der One Penny Red mit der Plattennummer 77 existieren 11 anerkannte Stücke, davon 3 Marken auf dem berühmten Brief von Victor Hugo von 1865. Die 1 Penny, SG 43, wurde von 1858-79 in hoher Stückzahl mit sehr vielen verschiedenen Platten gedruckt. Die Platte 77 hat eine komplizierte Geschichte, die man unter http://1dplate77.com und im FFE journal 18, 2015, Seite 5-21 nachlesen kann. Der Eigentümer des V. Hugo Briefs ist der englische Pharmakologe Abed H. Najjar, Buchautor und Philatelie-Experte. Er hat die bislang bedeutendste forensische wissenschaftliche Untersuchung seines Objekts in der Philatelie eingeleitet mit dem Ergebnis: die 3 Marken mit P77 und der Brief sind echt und damit eines der bedeutendsten und wertvollsten Stücke der Welt-Philatelie. Michel bewertet die Einzelmarke mit 500.000 Euro. Der Wert des Briefes jedoch geht über den Markenwert weit hinaus.

Victor Hugo befand sich von 1855-71 im Exil auf der Kanal-Insel Guernsey. Von hier hat er am 27.11.1865 den besagten Brief an seinen Verleger in Brüssel gesendet. Der Postweg ist sehr kompliziert, aber heute im Detail aufgeklärt. A. Najjar hat 2006 den Brief zur Begutachtung an die Royal Philatelic Society London (RPSL) gegeben. Das 1. Gutachten der RPSL hat den Brief zunächst als nicht echt bewertet, sich jedoch im 2. Gutachten von Oktober 2006 korrigiert und mit überzeugender Begründung den Brief und die Marken als echt erklärt (Die Druckerei Perkins, Bacon & Co sebst hatte die Platte 73 durch die "cut and paste" Methode auf 77 geändert, indem die 3 durch die 7 ersetzt wurde).

Eine 2. weitere Begutachtung durch die Philatelic Foundation NY, USA, erklärte im November 2007 den Brief als Fälschung. Daraufhin hat der Eigentümer eine sehr ausführliche und aufwendige wissenschaftliche Untersuchungsserie durch die führenden Labore für forensische Untersuchungen eingeleitet. Unter anderem konnten mit sehr präzisen Punktanalysen durch micro Raman und Röntgen micro Fluoreszenz die zweite 7 und deren Umgebung auf Retuschierung und Pigmente untersucht werden. (Der zur Untersuchung verwendete Laserstrahl ist auf 2 micro meter fokussiert und erlaubt äußerst präzise Messungen). Die Marken stellten sich als echt heraus, dabei wurde eine Anzahl der unterschiedlichsten Methoden, darunter Mikroskopieverfahren etc. zur Papierfaserstruktur vorgenommen. Damit wurde dann insgesamt die Wertung des RPSL bestätigt. Einzelheiten zur Analyse sollten in der Original-Literatur nachgelesen werden.

Natürlich wurde auch eine Anzahl von Marken mit gefälschten Plattennummern, vorrangig die Verfälschung von Nummer 177 durch Eliminierung der 1 zu 77 gefunden. Ich habe den V.H. Brief in meinem Artikel im chemischen Journal "ChemTexts" von Springer science in der neuen Ausgabe 2018,4:18 wegen seiner großen Bedeutung diskutiert.

Udo Groß


 
Heinz 7 Am: 10.11.2018 21:50:27 Gelesen: 1143# 446 @  
@ Lohengrin [#445]

Besten Dank, Udo, für diesen interessanten Beitrag.

Ich fahre fort bei meiner Vorstellung der höchsten Notierungen Schweiz (SBK 2018)

@ Heinz 7 [#442]

Zusammen mit dem Paar der Zürich 4 steht auf dem sechsten Platz im Katalog das Paar der Basler Taube. Ich freue mich, das wohl schönste Exemplar zeigen zu können:



Es handelt sich dabei meines Wissens um den einzig bekannten Brief aus Basel heraus; nach Riehen, Nachbargemeinde aus der Zeit 1845-1848, der Zeit der Kantonalpost. Weitere BT-Paare sind aus der Zeit der Bundespost (ab 1850) bekannt; mindestens 2 senkrechte Paare sind in den letzten 20 Jahren "gesehen worden".

@ bayern klassisch [#444]

Lieber Ralph,

ein Katalogwert von CHF 400'000 ist gewaltig - und erlaubt einem "gewöhlichen Sammler" nicht, selbst an einen Kauf eines solchen Stückes zu denken. Nur finanziell sehr verwöhnte Sammler können da mittun. Aber das bedeutet nicht, dass wir uns nicht trotzdem an solchen Raritäten freuen können. Da bin ich einmal mehr ganz Deiner Meinung.

Heinz
 
Philipp Harder Am: 10.11.2018 22:13:36 Gelesen: 1132# 447 @  
@ Lohengrin [#445]

Der Link funktioniert nicht mehr. Herrn Najjars neue Homepage ist http://victorhugocover.com/

Die Diskussion über den Victor Hugo Brief ist eine spannende Sache. Leider veröffentlicht Herr Najjar nur Gutachten, die keine Hinweise auf eine Verfälschung liefern.

Ausführlich: http://www.stampboards.com/viewtopic.php?f=13&t=8808

Die ganze Diskussion geht über 10 Jahre und 64 Seiten:

"From the Expert Committee Report (by Chris Harman, the Chairman) in the July-August 2017 edition of The London Philatelist: In last year’s report to the AGM, I reported on the July-August 2015 edition of The London Philatelist, which saw the publication of the Committee’s analysis and conclusion on the notorious three 1864 1d rose-reds with the plate number seemingly reading “77” on a large piece from Guernsey to Brussels.

A certificate had been issued in 2006 stating that the stamps were faked from stamps from Plate 73. I also referred to the fact that we were prevented from stating in that article that we had seen the piece again in 2014 after it had been subjected to various forensic analyses.

At the time of the last AGM we fully expected a further article to be published in The Collectors Club Philatelist detailing our own further forensic analysis during this second examination. The results reinforced the Committee’s opinion that the stamps were faked.

Regrettably, having seen the proposed article, the owner again refused permission for the CCP article to be published. An example of selective science if ever there was one."

"From the RSSL [sic] report it can be seen that the stamps have been soaked and the aluminium from the alum is missing in the areas where there was no ink (the white areas on the stamp). Aluminium is present in the areas where it has been protected by the ink. The exception is the second seven where the aluminium has been severely reduced.

To remove the aluminium, you have to remove the ink that covers it. Therefore the ink that is present now is not the original ink. Therefore the stamps have been tampered with and the stamps are fake plate 77 made by a forger."
 
Heinz 7 Am: 13.11.2018 23:09:16 Gelesen: 309# 448 @  
@ Heinz 7 [#442]

Die Briefmarke "Poste Locale" von Genf von 1851 mit dem seltsamen Namen "Neuenburg" ist eine schöne, seltene Schweizer Briefmarke aus der Übergangsperiode (1849-1851), Zumstein Nr. 11. Die Marke hat 2018 folgenden Katalogwert (Schweizer Briefmarken Katalog 2018 des Händler-Verbandes):

ungebraucht: CHF 13'500
gestempelt: CHF 5'400
auf Brief: CHF 10'000

Wir haben oben bereits gesehen, dass diese Marke IM PAAR extrem hoch bewertet wird.

ungebraucht: CHF 300'000 (Platz 9 in der Tabelle)
gestempelt: CHF 300'000 (Platz 9 in der Tabelle)
auf Brief: CHF 550'000 (Platz 1 in der Tabelle) !

Der Faktor (von Einzelmarke zu Paar) beträgt also 22.2 - 55.6 - 55; das ist sehr ungewöhnlich (sehr hoch!).

Paare der "Neuenburg" sind extrem selten. Meines Wissens gibt es davon:

ungebraucht: 3 Paare (2 waagrechte/1 senkrechtes); davon eines im Postmuseum
gebraucht: 3 Paare
Brief: 1 Exemplar (siehe [#437]



Das hier gezeigte Exemplar fand seinen Weg in die Sammlung von Ivan Bally. Ursprünglich waren BEIDE waagrechten ungebrauchten Paare in den Sammlungen von Henry J. Duveen (USA) und Alfred F. Lichtenstein (USA).

Heinz
 

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