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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Das Thema hat 872 Beiträge:
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Heinz 7 Am: 20.03.2022 15:37:18 Gelesen: 78935# 848 @  
@ Heinz 7 [#847]

Richard, ich bitte Dich, folgende "Gesundheitswarnung" über meinen nachfolgenden Beitrag zu stellen:

"Vorsicht! Der Inhalt des nachfolgenden Beitrages kann gesundheitsgefährdende Folgen nach sich ziehen, wie Herzrasen, Bluthochdruck, Ohnmachtsanfälle..."

Jeder Liebhaber von Canada-Marken kommt ins Schwärmen, wenn er die "Canada"-Sammlung von Louise Boyd-Dale-Lichtenstein studiert. Ich zeige hier einen scan aus dem Auktionskatalog vom 18.-21.11.1968: British North America. Auf Seite 18 und 19 sind die Lose 56-59 vorgestellt. Sie zeigen nicht weniger als 3 Super-Raritäten von Canada Twelve Pence black:

Los 56 - waagrechtes Paar ungebraucht (später: Sam Nickle, siehe Beitrag 847)
Los 58 - waagrechtes Paar, gestempelt
Los 59 - Einzelfrankatur auf Brief von Montreal nach New York



Bei Siegel sind diese Super-Gems registriert als
3-OG-PR-04, Sound = Paar *, Los 56
halloooo ?!? nicht registriert ?!? = Los 58
3-COV-02 Fault = Einzelfrankatur, Los 59
dazu: Los 57 ist offenbar auch nicht registriert.

Na, das ist dann doch eine grössere Überraschung. Ich werde Siegel schreiben.

Bleiben wir bei der Auktion 1968. Die Ergebnisse waren:

Los 55: US$ 17'000 (ein ungebrauchtes Stück)
Los 56: US$ 39'000 (Paar *)
Los 57: US$ 13'000 (gestempeltes Einzelstück), man beachte den damaligen Katalogpreis von US$ 7'500
Los 58: US$ 12'000 (Paar gestempelt)
Los 59: US$ 16'000 (Einzelfrankatur)

Den Leuten, die gerne "Farbe" sehen, sei noch die Abbildung des Briefes gegönnt:(Kopie aus dem Census Siegel)



Na, jetzt habe ich selber "Herzrasen" erlebt, als ich sah, dass im Siegel-Census zwei Marken aus dem Sale Dale-Lichtenstein fehlen!

Frohen Sonntag wünscht

Heinz
 
Heinz 7 Am: 21.03.2022 22:56:53 Gelesen: 78877# 849 @  
@ Heinz 7 [#848]

Die Frage der Erfassung der existierenden Stücke bei Siegel hat mich beschäftigt. Ich habe zwei oder sogar drei Lose der Auktion 18.11.1968 (Dale-Lichtenstein) bei Siegel NICHT gefunden, und das ist doch erstaunlich, denn die Sammlung Dale-Lichtenstein ist ja eine der ganz berühmten und muss bei einer "Bestandsaufnahme" natürlich berücksichtigt werden.

Ich habe mir die Auktionen Dale-Lichtenstein auch noch genauer angeschaut, und festgestellt, dass es nicht bei den 5 oben genannten Losen blieb, sondern dass noch mindestens vier (!) weitere Lose hinzukamen!

21.5.1969: Los 413: 12 Pence black, gestempelt

29.1.1970: Los 836: 12 Pence black, *

7.12.1970: Los 76: 12 Pence black, * Paar
do. Los 77: 12 Pence black, gestempelt

Diese 9 Lose wurden gemäss Ergebnislisten alle verkauft, ich notiere die folgenden Zuschläge:

21.5.1969: Los 413: 12 Pence black, gestempelt = US$ 2'500 (Stück mit Fehler)
29.1.1970: Los 836: 12 Pence black, * = US$ 26'000
7.12.1970: Los 76: 12 Pence black, * Paar = US$ 40'000 (!)
do. Los 77: 12 Pence black, gestempelt = US$ 5'000

Und vermutlich war das nicht einmal alles! In einer "Preview" -Broschüre ist noch ein weiterer Brief mit einer Einzelfrankatur abgebildet, den ich aber an keiner der fünf "British North America"-Auktionen im Angebot gefunden habe. Er ist auch im Siegel-Census nicht aufgelistet!

Die Siegel-Auflistung scheint also lückenhaft zu sein. Aber in einem Punkt kann ich Siegel doch entlasten: das Los 58 der Auktion 18.11.1968 (das Paar) ist nämlich bei Siegel aufgelistet, aber als ZWEI Einzelmarken (!), weil irgend ein Depp das Paar nach 1968 offenbar auseinander geschnitten hat.



Die Siegel-Nummern 3-CAN-32 und 3-CAN-15 scheinen die rechte und die linke Marke des ehemaligen Paares zu sein. Bei 3-CAN-15 steht bei Siegel auch ein Vermerk, dass das Stück einst in einem Paar war; das Stück 3-CAN-32 habe ich aufgrund der Ränder und dem Stempelbild wohl zutreffend identifizieren können. Bei Siegel steht aber in der Kurzbeschreibung von 3-CAN-32 nichts davon.

Ausserdem wird beim Census Siegel der vierte Brief "3-COV-04" als "ex Dale-Lichtenstein" bezeichnet, aber ich kann diesen Brief in den Auktionskatalogen nicht finden. Los 55 vom Sale 18.11.1968 könnte die Nr. "3-OG-11" sein, aber bei Siegel fehlt ein entsprechender Vermerk und die Identifikation von ungebrauchten Marken ist immer schwieriger, weil meist nur der Rand/der Schnitt als Unterscheidungsmerkmal dienen kann, während bei Stempeln es sehr selten vorkommt, dass zwei Stücke genau gleich aussehen.

Schade. Da hat jemand bei Siegel offensichtlich nicht sehr sorgfältig gearbeitet.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.04.2022 01:01:26 Gelesen: 73373# 850 @  
Das Auktionshaus Peter Rapp hat in den rund 50 Jahren seines Wirkens schon viele äusserst wertvolle Briefmarken anbieten können. Dass die Schweiz Marke Nr. 1 von 1849 (Bundespost) ungebraucht äusserst selten ist, haben wir in diesem Thema schon besprochen.

Nun gibt es eine Gelegenheit, diese seltene Marke bei Rapp zu kaufen. Sie ist optisch sehr schön, mit breiten Rändern.



Ich nehme nicht an, dass der Schätzpreis ausreichen wird, diese Marke zu erwerben. Der Katalogwert liegt bei Euro 35'000 (Michel 2010).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 17.04.2022 14:19:19 Gelesen: 70106# 851 @  
@ Richard [#3]

Richard hat schon vor 12 Jahren darauf hingewiesen, dass der "Schwarze Einser" zu den berühmtesten Briefmarken der Welt gehört. Mit einem Katalogwert von lediglich

30 Mark (Senf 1912, gestempelt)
2'600 Euro (Michel 2010, gestempelt)
liegt die Marke in Bezug auf den Wert aber nur im "erweiterten Mittelfeld".

Viele populäre Marken, die einzeln, lose, nicht besonders teuer sind, wie die "Grossbritannien 1840 Penny Black", die "Schweiz/Basel 1845 Basler Taube", "USA 1847, Benjamin Franklin" oder eben die "Bayern 1849 Schwarzer Einser" sind aber bei besonderen Verwendungen (z.B. grössere Einheiten, seltene Briefe) durchaus sehr begehrt bei den Sammlern und entsprechend teuer.

Die erste Briefmarke von Bayern existiert in einigen grossen Einheiten (z.B. 45er-Blocks), die vereinzelt sogar noch eine kopfstehende Marke beinhalten. Diese sind in der Regel sehr teuer. Daneben gibt es aber auch einen Halbbogen zu 90 Marken, der 1992 zur Auktion kam.

Dank dem Hinweis eines Lesers ergänze ich, dass es noch einen zweiten Halbbogen zu 90 Marken gibt, ex Sammlung Elster - (Danke Charly!)



Beim süddeutschen Auktionshaus "Götz" wurde diese Preziose angeboten und war heiss umkämpft.



Bei einem Schätzpreis von DM 500'000 erreichte der Halbbogen beeindruckende DM 880'000 Zuschlag. Zählen wir den Aufpreis (Kommission) von 17 % dazu, errechnen wir einen Preis von DM 1'029'600.

Damit reihte sich dieses Los in die höchsten Resultate aller Zeiten ein, durchaus vergleichbar mit anderen mega-Ergebnissen, die z.B. anlässlich der ersten 11 Boker-Auktionen 1985-1992 erzielt wurden.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.06.2022 11:53:18 Gelesen: 54416# 852 @  
@ Heinz 7 [#484]

Es gibt Briefmarken, die sind unglaublich selten, und wohlbekannt, fast jeder Philatelist kennt sie. Z.B. Weltraritäten aus Mauritius, British Guiana, Hawaii oder Rumänien.

Dann gibt es auch weitere Weltraritäten, die stehen in Seltenheit ihren berühmten Schwestern in nichts nach, sie sind aber viel weniger bekannt und sie sind viel weniger im Scheinwerferlicht zum Beispiel bei grossen Ausstellungen.

Ich bin froh, dass ich eine aufregende Geschichte von Weltraritäten der zweiten Kategorie hier erzählen kann. Es kam nämlich soeben zum Verkauf von gleich drei Welt-Raritäten.

Vorgeschichte.

1862 erklärte Großbritannien die Stadt Lagos und ihre direkte Umgebung zum Protektorat und 1886 zur Kronkolonie. Damit übten sie erstmals in diesem Gebiet direkte Herrschaft aus und die Kronkolonie Lagos wurde zur Keimzelle des späteren Protektorats Süd-Nigeria. Im Gebiet wurde ein Territorium «Oil Rivers Protectorate» genannt, 1893 wurde der Name geändert zu «Niger Coast Protectorate». 1892 erschienen erstmals Briefmarken für dieses Gebiet; englische Briefmarken von 1881 und 1887 mit den Aufdruck «BRITISH PROTECTORATE / OIL RIVERS». In wenigen Jahren (1892-1900) wurden nicht weniger als 38 Briefmarken herausgegeben, zu denen es noch mehrere Aufdruck-Varianten und -Abarten gibt.

Der «Senf»-Katalog 1912 listete 38 Nummern auf, wobei allerdings die seltensten Marken ohne Bewertung blieben. Es waren folgende Marken:
1893. Marken 1892 mit Aufdruck des neuen Wertes, Name OIL RIVERS durchstrichen: 20 Shilling auf 1 Shilling grün
Senf 13a. Aufdruck violett
Senf 13b. Aufdruck ziegelrot
Senf 13c. Aufdruck schwarz



Wie auf dem Foto ersichtlich ist, wurden die Aufdrucke etwas zu hoch angesetzt, sodass das geplante Durchstreichen der Ortsbezeichnung OIL RIVERS bei diesen Werten nicht realisiert wurde.
 
Heinz 7 Am: 06.06.2022 11:58:15 Gelesen: 54413# 853 @  
@ Heinz 7 [#852]

(Teil 2)

Die Michel-Katalogisierung 1968 war nahezu dieselbe, während das Kohl-Handbuch 1915 43 Nummern katalogisierte. Die 3 oben genannten Marken hatten bei Kohl die Nummern 18a, 18b und 18c. Kohl bewertete die Nr. 18a mit 4000 Mark! Das war damals ein Wert, der die Marke unter die teuersten Briefmarken der Welt einordnete, wie ich in diesem Thema schon ausführlich zeigte.

Bei Stanley Gibbons trugen die Marken 1906/07 und 1932 die Nummern 33,34 und 35. Später hat eine Neu-Numerierung stattgefunden.

Die Marken waren sehr selten, wurden praktisch nur ganz vereinzelt gehandelt und waren in den Katalogen zum Teil gar nicht bewertet. Der ultimative «Härtetest» folgte dann 1921-1925, als die Ferrary-Sammlung auf den Markt kam! Fast alle Raritäten der ganzen Welt kamen damals zeitnah zum Verkauf und ein Vergleich der Werte untereinander wurde auf eine ganz neue Basis gestellt.

Ferrary hatte alle drei Marken in seiner Sammlung!



An der 5. Auktion (November 1922) kamen zwei Marken zum Verkauf:

Los 127: surcharge violette (also unsere Michel 13a)
Los 128: surcharge noire (also Michel Nr 13c)

Die Ergebnisse lagen bei FRF 16'000 bzw. FRF 12'500 + 17.5 %

An der 9. Auktion (April 1924) kam die dritte hinzu:
Los 32: surcharge vermillion (also Michel 13b)

Der Preis damals war FRF 20'000 +19.5 %

Diese Preise zeigen, dass die Sammler die Seltenheit dieser Marke anerkannten und hohe Preise dafür auslegten. Allerdings erreichten sie keine absoluten Spitzenplätze in der «Ferrary-Hitparade».

(Fortsetzung folgt)
 
Heinz 7 Am: 06.06.2022 12:06:04 Gelesen: 54408# 854 @  
@ Heinz 7 [#853]

(Teil 3)

Dass die Marken von den Philatelisten aber hoch geschätzt wurden zeigt auch die Tatsache, dass sich die British königliche Sammlung darum bemühte, diese Werte zu haben. Im Prachtsband «The Royal Philatelic Collection» von Sir John Wilson (1952) sind auch alle drei Briefmarken abgebildet, zwei davon sogar auf einer der raren Farbfototafeln! (siehe: Plate VII, British Africa).

@ Heinz 7 [#484]

Die Möglichkeiten, eine dieser drei Raritäten zu kaufen, waren in den letzten 100 Jahren sehr begrenzt. Nur sehr vereinzelt gelangten gelegentlich Stücke zur Auktion. Briefmarken-Krösuse wie Colonel Green oder Arthur Hind hatten diese Rarität auch, aber insgesamt war der Markt dafür fast leer.

Umso aufgeregter schauten nun die Kenner dieser Rarität nach Zürich, wo alle DREI Marken bei Corinphila angeboten wurden!
Los 5251 A - 20/- in violet, Gibbons no. 42, Katalogwert GB£ 140'000, «2 examples recorded »
Los 5251 B: 20/- in vermillion, Gibbons no. 43, Katalogwert GB£ 120'000 «3, possibly 4 examples recorded»
Los 5251 C: 20/- in black, Gibbons no. 44, Katalogwert GB£ 120'000. «3 examples recorded»
Die Lose 5151A+5251C sind aus der Ferrary-Sammlung.

Corinphila bot die Marken zuerst als Los an: alle drei Marken zusammen. Wäre das Los nicht verkauft worden, wären die Einzelwerte einzeln angeboten worden.

Doch dazu kam es nicht. Mehrere Sammler erkannten den Wert dieses Angebotes und so wurde der Startpreis von CHF 160'000 für das Sammellos weit übertroffen! Erst bei CHF 520'000 fiel der Hammer! + 22 % Aufgeld ergibt einen Preis von CHF 634'400, das heisst im Schnitt mehr als CHF 200'000 pro Marke, und das ist mehr als ihr voller Katalogwert.

Der Käufer darf stolz sein. Meines Wissens gelang es erst drei Sammlern vor ihm, alle drei Nummern in einer Sammlung zu vereinen:
bis 1922: Ferrary –
bis heute: königliche Sammlung
bis 2022: Sammler mit Name "Besançon"
nun: neuer Käufer 2022.

Ich bin gespannt ob wir die Namen der Sammler 3 und 4 einmal kennen werden.

Heinz
 
Martin de Matin Am: 06.06.2022 14:06:47 Gelesen: 54380# 855 @  
@ Heinz 7 [#854]

Hallo Heinz,

ich hätte eine Frage zu diesen Marken.

Im Auktionskatalog der Dale-Lichtenstein-Sammlung (Harmers New York 14.3.1991) wird bei der Einleitung für die Lose 201 (roter Aufdruck mit Zahnfehler oben, ex. Hind: unverkauft) und 202 (schwarzer Aufdruck: 50.000 Dollar) wird über die Sammlung von Col. Green geschrieben, das er drei von diesen Aufdruckmarken hatte (das Stück mit dem schwarzen Aufdruck stammt daher). Hatte Col. Green drei verschiedene Marken oder waren welche doppelt vorhanden?

Vielleicht ist es aber nur ein Fehler des Verfassers des Vorworts, denn es werden für Ferrary nur zwei angegeben, dies ist ja offensichtlich falsch.

Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 06.06.2022 23:01:35 Gelesen: 54330# 856 @  
@ Martin de Matin [#855]

Lieber Martin

Ich freue mich über Deine Frage!

Den Auktionskatalog von Dale-Lichtenstein 14.3.1991 habe ich soeben konsultiert. Er gibt in der Tat interessante Infos, die wir verifizieren wollen.

Die Fotos sind sehr gross und klar, wir sehen, dass die Exemplare Dale-Lichtenstein sicherlich ANDERE Marken sind, als die drei Stücke aus der Besançon collection.

Die Colonel Green Sammlung habe ich auch vor mir und - ja, es gibt DREI verschiedene 20 Shilling-Aufdrucke!

Los 1102: violet surcharge, inverted (angeblich SG no. 35a)
Los 1103: red surcharge (angeblich SG no. 35)
Los 1104: black surcharge (angeblich SG no. 36)

ALSO: Green hatte auch ALLE drei Marken, die violette allerdings nicht mit normalstehendem Aufdruck, sondern sogar mit kopfstehendem! Wir lesen im Corinphila-Katalog 2022, dass es davon EIN Exemplar gibt (zwei normalstehende, ein kopfstehender Aufdruck). Da die kopfstehende Aufdruck-Abart sogar seltener ist, als die Normalmarke, ist es sicher zulässig, auch Col. Green zu ehren, dass er alle drei Marken hatte.

Der Auktionskatalog von Harmer Rooke, New York, 13.-18.11.1944 gibt wohl falsche Katalognummern an; Los 1102 sollte wohl (damals) SG no. 36 gewesen sein und Los 1103 damals SG no. 37. Die Nummer 35a existiert tatsächlich im Katalog Stanley Gibbons 1932: es ist die Marke mit "surcharge inverted".

Als Erkenntnis dürfen wir aber festhalten: es existier(t)en also offenbar bzw. nachweislich 5 Sammlungen mit allen drei Marken

Ferrary
Brit. Königl. Sammlung
Green
Besançon
Käufer 2022

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.06.2022 19:33:26 Gelesen: 54265# 857 @  
@ Heinz 7 [#856]

Ich möchte an dieser Stelle folgende Briefmarke zeigen:

Niger Coast Protectorate

1893. Britische Briefmarken mit Aufdruck "BRITISH PROTECTORATE / OIL RIVERS",
mit Handstempel-Überdruck neuer Wert: 20 Shillings auf 1 Shilling, Aufdruck in violett.
Aufdruck KOPFSTEHEND
Stanley Gibbons No. 35a (Ausgabe 1932)



Die Foto ist aus dem Auktionskatalog von Harmer Rooke, New York, 13.-18.11.1944

Am 16.11.1944 wurde u.a. auch Los 1102 angeboten und verkauft.

Gemäss Auktionskatalog/handschriftlicher Notiz hatte die Briefmarke damals einen Katalogwert von GB£ 500 und erreichte einen Zuschlagpreis von US$ 925.

Offenbar gibt es die oben genannte Marke nur 3 x, zweimal mit normalstehendem Überdruck und einmal mit kopfstehendem Überdruck. Das bedeutet nichts anderes, als dass die oben gezeigte Marke offenbar ein Unikat ist! Auch im Auktionskatalog Corinphila 2022 ist kein anderer "Stand des Wissens" vermerkt.

Heinz
 
merkuria Am: 11.06.2022 15:52:24 Gelesen: 53645# 858 @  
@ Heinz 7 [#856]

Ich denke, die Gelegenheit, diese drei Raritäten zusammen zeigen zu können, ist schon eine aktuelle Farbabbildung wert!



Dazu noch die vorhandenen Atteste zu diesen Ausgaben:




Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 14.06.2022 16:24:42 Gelesen: 53333# 859 @  
@ Heinz 7 [#856]
@ Heinz 7 [#857]

Die Briefmarke Nigerküste, Michel 13 a, ist seit mehr als hundert Jahren bekannt und ist in den Briefmarkenkatalogen der Welt auch schon lange bekannt, wie folgende Übersicht zeigt:

Senf-Katalog / Michel (1912+1993)

13a = violet = ohne Preis + DM 200’000
13b = rot = ohne Preis + DM 200’000
13c= schwarz = ohne Preis + DM 200’000

Yvert & Tellier « Cote d’Or » (1938 + 1994)

No. 17 = violette = FF 60'000 + FF 500’000
No. 17a = noir = FF 175'000 + FF 800’000
No. 17b = vermillion = FF 90'000 + FF 650’000

Stanley Gibbons (1906/07 + 2008)

No. 35, später 42 = 20s. violet = ohne Preis + GB£ 120’000
No. 36, später 43 = 20s. vermillion = ohne Preis + GB£ 120’000
No. 37, später 44 = 20s. black = ohne Preis + GB£ 120’000

Scott (2000)

No. 34 = US$ 62‘500
No. 35 = US$ 85‘000
No. 36 = black = US$ 85‘000

Nur einer dieser vier Kataloge führt aber eine sehr markante Abart – nämlich: Aufdruck kopfstehend! – ebenfalls in den Katalogen, es ist der Katalog Stanley Gibbons.



Die einmalige Variante „surcharge inverted“ (SG 35a) war 2008 noch 33 % höher bewertet als die Grundmarke, also GB£ 160‘000 (statt GB£ 120‘000).
 
Heinz 7 Am: 14.06.2022 16:37:05 Gelesen: 53328# 860 @  
@ Heinz 7 [#859]

Dies sind nun alles Werte, welche die Briefmarken doch als sehr wertvolle Exemplare hervorheben. Trotzdem werden sie in mehreren Verzeichnissen über Raritäten nicht aufgeführt, was uns natürlich zur Frage führt: warum?

Das Zusammenstellen von Basiswissen
Entstehung: Hintergründe, Zeitpunkt, Ort, Auflage
Seltenheit/Wert: Vorkommen, Katalogpreise, Verkaufspreise
ist in Einzelfällen in wenigen Stunden „beinharter Arbeit“ (wissenschaftlich abgestützt) erledigt, in anderen Fällen muss der ambitionierte Forscher – nach Dutzenden von aufgewendeten Stunden - aber durchaus auch oft feststellen: (wie Goethe schon seinen „Faust“ summieren liess):

„Da steh ich nun, ich armer Tor
und bin so klug als wie zuvor“

Schwierig ist in unserem Fall, dass die wohl bekanntesten „Raritäten-Dokumentierer“, die Gebrüder Williams, diese Marke in keinem ihrer Werke erwähnten. Ob es dafür einen Grund gibt (gab), würde mich interessieren.

Ich habe mir in den letzten Tagen einige Stunden zusammen gestohlen und wurde nun dafür reichlich belohnt. Ich habe nämlich eine Schrift gefunden, in welcher diese Briefmarken ausführlich behandelt werden! Fast alle meine Fragen wurden auf einen Schlag erledigt… eine Situation, wie wenn eine Schatztruhe zum ersten Mal geöffnet werden kann!



(Fortsetzung folgt)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 14.06.2022 16:43:29 Gelesen: 53324# 861 @  
@ Heinz 7 [#860]

Die Publikation wurde unspektakulär an alle Abonnenten des „London Philatelist“ verteilt, als „Supplement“ zur Ausgabe „The London Philatelist“, Volume 118. March 2009.

Der grosse Philatelist John Sacher beschreibt in dieser 80 seitigen (!) Broschüre in 15 Kapiteln „alles“, was er zur Zeit über diese Marken wusste. Er beschränkt sich nicht auf die drei Spitzenwerte, sondern geht auf alle Marken des Gebietes „Oil Rivers“ & „Niger Coast“ ein, das sind, nach Stanley Gibbons, 64 Briefmarken (Hauptnummern mit vielen, vielen Zusatznummern).

So zeigt er insbesondere die verwirrende und schwierig zu überblickende Vielfalt der Aufdrucke und ihrer Abarten auf. Diese kommen vor: in den verschiedensten Farben, kopfstehend, verdreht, doppelt angebracht oder auch „vergessen“. Es braucht eine gehörige Portion „Mut“ (und Hartnäckigkeit!) dazu, dieses Thema so ausführlich zu behandeln.

Ich will nicht auf zu viele Details dieser wunderbaren Studie eingehen, sondern mich auf „unsere“ drei Marken „Stanley Gibbons no. 42+43+44“ beschränken. Dazu lese ich Erstaunliches!

Alle drei Marken entstammen offenbar einem EINZIGEN Bogen der „One Shilling Marke“, die die Überdrucke „BRITISH PROTECTORATE / OIL RIVERS“ und „20 / -„ (für „20 Shilling“) erhielten! Warum die zweiten Überdrucke nicht mit EINEM Handstempel in EINER Farbe durchgeführt wurden, sondern in DREI verschiedenen Farben (!), dazu gibt es wohl nur eine plausible Erklärung: „Philatelistische Interessen“! - - Nun, es ist mir bewusst, dass ein solches Urteil für viele Sammler einem „tödlichen Dolchstoss“ für die Attraktivität dieser Marken gleichkommt, und vielleicht haben gerade DARUM die Gebrüder Williams die Marke nicht behandelt… ?

John Sacher schreibt auf Seite 68 (Kapitel „Conclusions“):

„That there were philatelists involved with the issue of all the surcharges provisionals is clear“

Sacher gibt genaue Angaben zu diesen seltenen Briefmarken. Laut seiner Dokumentation gibt es nur 9 solche Briefmarken, die Sacher auf Seite 50 der Broschüre alle zeigt! Sacher zeigt die neun Marken sogar zusammenhängend als unregelmässigen Neunerblock!

1. Reihe, 1. Marke: fig. 188 = violet, surcharge inverted
1. Reihe, 2. Marke : fig. 189 = violet
2. Reihe, 1. Marke : fig.190 = violet
2. Reihe, 2. Position: fig 194 = black
3. Reihe, 2. Position: fig. 195 = black (1. Position: fehlt)
3. Reihe, 3. Marke: fig. 196 = black
4. Reihe, 2. Position: fig. 193 = vermilion
4. Reihe, 3. Position fig. 191 = vermilion
5. Reihe, 2. Position: fig. 192 = vermilion
 

Heinz
 

Heinz 7 Am: 14.06.2022 16:53:50 Gelesen: 53321# 862 @  
@ Heinz 7 [#861]

(Schluss)

Wäre es (bei der Produktion) ein regelmässiger 15-er-Block gewesen (5 Reihen à 3 Marken), würden also noch 6 Marken fehlen, doch Sacher weist darauf hin, dass seit 1903 kein weiteres Stück ans Tageslicht gelangt sei.

Aus «Copyright»-Gründen sollte ich wohl auf eine Wiedergabe der Seite 50 aus der Broschüre verzichten.

Wir kennen also exakt 3 Exemplare pro Farbe, wobei ein Exemplar den Aufdruck kopfstehend trägt. Bei dieser Kenntnislage ist also auch die Katalogisierung von Stanley Gibbons sehr schlüssig:

No. 42 = 20s. violet = GB£ 120’000
No. 42a = do. Surcharge inverted = GB£ 160’000
No. 43 = 20s. vermillion = GB£ 120’000
No. 44 = 20s. black = GB£ 120’000

Die anderen Katalognotierungen, insbesondere bei Yvert + Tellier, die unter den Marken grosse Wertunterschiede sahen, sind daher, aus heutiger Sicht, nicht verständlich. Doch müssen wir wissen, dass eine Marke «black» längere Zeit angeblich als Unikat galt, gleichzeitig wurde behauptet, von der Marke «violet» seien 5 Stück bekannt (siehe Seite 48).

Besonders wertvoll ist auch die Aufzählung bei Sacher aller ihm bekannten Besitzer der 9 Marken. Daraus wird ersichtlich, dass die Royal Collection London offenbar 1915 eine Marke «vermilion» erwarb (fig. 191) und 1920 eine Marke «black» (fig. 194). Mich erstaunt, dass 1922, als eine Marke «violet» im Angebot war (Ferrary-Auktion!) die Trustees der Sammlung diese Marke aber nicht kauften! Erst 1934 wurde ein Stück «violet» für die königliche Sammlung gekauft (fig. 190), Seit 1934 ist also hier die Reihe komplett, wie zuvor schon bei Ferrary.
Dieser kaufte bereits 1901 offenbar alle 3 Varianten; fig. 189+fig 192+fig 194).

Die drei Stücke ex Besancon, die nun in Zürich für Aufsehen sorgten, sind die fig. 189 (violet), fig. 193 (vermilion) und fig. 196 (black). Ich habe sie in Farbe schon oben gezeigt.

@ Heinz 7 [#852]. Jacques hat noch 4 Atteste dazu gezeigt @ merkuria [#858]. Gemäss Sacher wurden die Marken natürlich auch früher schon attestiert.

Zum Besitzer der einmaligen SG no. 42a lesen wir bei Sacher (2009): "Private Collection" (1987); gemäss seiner Übersicht wurde die von mir gezeigte Marke aus der Sammlung Green seit 1944 nicht mehr öffentlich verkauft. Das Unikat sei darum also anbei nochmals gezeigt



Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.07.2022 17:19:20 Gelesen: 44145# 863 @  
@ Heinz 7 [#383]

Vor einiger Zeit haben wir uns intensiv mit dieser Marke auseinandergesetzt.

Damals durften wir davon ausgehen, dass es vermutlich doch drei ungebrauchte Exemplare dieser extrem seltenen Marke gibt. Eines dieser Stücke habe ich vielleicht in einem Auktionskatalog von 1949 gefunden:

H.R. Harmer Ltd. London, 9.'/10.Mai 1949, sales 2033+2034, dabei die Sammlung "William Luder: Spain"

Los 426



Die Marke wurde damals verkauft für GB£ 500; das war 1949 sehr viel Geld.

Weitere Ausführungen dazu im separaten Thema "Spanien: Hintergründe zur Mi. 27 y"

Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.07.2022 23:54:22 Gelesen: 43004# 864 @  
@ Heinz 7 [#693]

Ich habe vor einiger Zeit die wunderbare Cape of Good Hope Sammlung von D. Alan Stevenson besprochen.

Sie hatte eine "irre" seltene Marke im Angebot:

Los 231 - Error of colour 1d. pale milky blue, margins two sides but cut into at bottom. With R.P.S. certificate 20,552 stating "that it is genuine and apparently unused. Creased in three places"

Meines Wissens gibt es nur zwei ungebrauchte Marken dieses Farbfehldruckes.

Acht Jahre später kam bei H.R.Harmer London wieder eine Kap-Sammlung zum Verkauf (Sammlung M.C. Morgan, Sale 2786-2787 vom 31.3./1.4.1958). Die Sammlung ist nicht so gut wie die von Stevenson, aber ein Los verdient unsere besondere Beachtung: Los 130



Aus der Losbeschreibung wird ersichtlich: es ist dasselbe Exemplar, das also wieder verkauft wurde. Wieder wird die Zertifikat-Nummer 20'552 erwähnt, natürlich mit demselben Befund. Wichtig auch folgende Zusatzinformation: "ONLY ONE OTHER UNUSED COPY RECORDED".

Das Los hatte einen Schätzpreis von GB£ 400 -500, erreichte aber einen Zuschlag von satten GB£ 875; das war 1958 ein sehr hohes Ergebnis. 1950 hatte das Stück nur GB£ 220 eingebracht, bei einem Schätzpreis von GB£ 250.

Ich freue mich also, diese Weltrarität im Bild vorstellen zu können.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.08.2022 21:21:40 Gelesen: 40834# 865 @  
@ Martin de Matin [#835]

Martin hat auf die "Kilbourne" Auktion 1999 aufmerksam gemacht, die für das Sammelgebiet "USA: Confederate States of America" eine der wichtigsten Sammlungen aller Zeiten war. Immerhin 158 Lose zeigte der Katalog, alle mit schönen Farbfotos. Es ist ein wichtiger Referenz-Katalog.



1954 stellte Harmer in seinem aufsehen-erregenden Briefmarken-Artikel im "LIFE"-Magazin gleich 9 wertvolle Briefe aus dem Bereich CSA vor. Als wertvollste Belege bewertete Harmer

- den Brief mit 2 x 5 Cents Livingston US$ 12'500
- den Brief von Grove Hill US$ 6'000
- den Brief mit Mount Lebanon, US$ 5'000



Alle drei Briefe gehörten zur Sammlung Caspary, und an seiner Auktion erzielten diese drei Briefe auch die meines Wissens höchsten Resultate an der CSA-Auktion 5.-7.3.1956:

- Los 143: Grove Hill - US$ 7'000
- Los 186: Livingston (Paar) - US$ 14'000
- Los 287: Mount Lebanon - US$ 5'500

1999 bewertete Scott diese Briefe wie folgt:

36X1 Grove Hill on cover US$ 75'000
51X1 Livingston, Ala., pair on cover US$ 120'000 (unique)
60X1 Mount Lebanon on cover US$ 100'000 (unique)

In der Kilbourne-Sammlung war "nur" der Brief mit der Mount Lebanon-Marke. Der Brief zierte die Umschlagseite des Kataloges.



Der Brief wurde zu sensationellen US$ 350'000 zugeschlagen, plus 10 % Aufgeld = US$ 385'000.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 04.08.2022 22:26:47 Gelesen: 40799# 866 @  
@ Heinz 7 [#865]

Gemäss Mitteilung des Auktionshauses war dieser Erlös der höchste, der jemals für ein CSA-item erzielt wurde.



Der Text zu Los 93 ist sehr ausführlich. Wir erfahren, dass der Brief ebenfalls in der Sammlung Weatherly war, einem anderen grossen CSA-Sammler, dessen Sammlung 1972 verkauft wurde (auch bei Siegel). Doch schon 1963 hatte Weatherly dem Sammlerpaar Kilbourne (Charles & Lucy) einige wichtige Stücke privat verkauft; sie fehlten darum im Auktionskatalog 1972. Weatherly hatte den Brief 1956 an der Caspary-Auktion gekauft.

Wenn wir den Ankündigungskatalog der Erivan-Auktionen studieren, sehen wir, dass Haub ja nicht nur USA-Postmeistermarken sammelte, sondern auch CSA-Ausgaben. Auf Seite 178 finden wir den berühmten Livingston-Brief mit dem Paar und auf Seite 180 sehen wir einen Grove Hill-Brief. Der Hinweis: "Der einzige Brief mit dem Grove Hill Provisional" im Buch ist aber nicht richtig, Caspary hatte ja zwei Briefe dieser Marke (Los 143+144).

Kilbourne hatte einen Brief von Livingston (Einzelmarke, nicht das Paar), aber eine Grove Hill-Marke finden wir nicht. Auch von Helena finden wir kein Stück, was uns Martin in Beitrag 835 mitteilte.

Es wird den Leser aber sicherlich interessieren, welche seltenen Stücke denn bei Kilbourne sonst noch auffielen. Die Auktion war ein voller Erfolg. Die 158 Lose erzielten nach meiner Addition ein respektables Resultat von US$ 2'141'445. Vor allem die hoch geschätzten Lose waren in der Regel heiss begehrt.

Immerhin 32 Lose hatten einen Schätzpreis von US$ 10'000 oder mehr, die Zuschläge waren oft deutlich höher und wir finden 46 Lose mit einem Zuschlag von mehr als US$ 10'000!

Das zweithöchste Ergebnis erzielte eine Marke, die unsere aufmerksamen Leser bereits kennen! CSA Victoria hat zwei Briefmarken, die ich in den Beiträgen 141+159 darstellte. Ich wies oben darauf hin, dass die sehr seltenen Marken Ende des 20. Jahrhunderts in den Katalogen tief bewertet waren. So auch der Brief (Los 156), der nur mit US$ 17'500 bewertet war.



Dabei blieb es aber nicht! Der Hammer fiel erst bei US$ 105'000, was aber nicht erstaunlich ist, denn es gibt offenbar nur zwei Briefe mit dieser Marke (siehe merkuria [#146])

Übrigens: auch der Victoria-Brief wurde privat 1963 verkauft: von Weatherly an das Sammler-Paar Kilbourne.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 05.08.2022 12:01:02 Gelesen: 40598# 867 @  
@ Heinz 7 [#866]

Auch Nashville, Tennessee, hat im Bürgerkrieg Postmeister-Marken herausgegeben. Scott listet diese Marken auf unter:

61X2 - 5 Cents, carmine
61X3 - 5 Cents, brick red
61X4 - 5 Cents, grey
61X5 - 5 Cents, violet brown
61X6 - 10 Cents, green

Eine 61X1 ist im Katalog "Scott 2000" nicht (mehr) gelistet; vermutlich wurde eine Variante der Marke einmal als X1 katalogisiert, die Katalogisierung aber später wieder annulliert.

Die Marken sind alle nicht sehr teuer, sie waren bewertet (2000) mit US$ 500, 450, 625, 475 für die 5-Cents-Marke und mit US$ 3'000 für die 10 Cents-Marke. Auch auf Brief sind die Marken für einige Sammler noch erschwinglich, finden wir doch Preisnotierungen von US$ 2000, 3500, 3000 und 4000 (für die 5 Cents-Marke) bzw. von US$ 15'000 (für die 61X6).

Kilbourne hatte einen Brief mit der 10 Cents-Marke!

Gemäss Auktionskatalog ist bei diesem Stück besonders spektakulär, dass es einer der äusserst seltenen Kombinationen mit regulären US-Ausgaben ist (United States 3c Red Star Die entire).



Dieser Brief hatte den zweithöchsten "Estimate" im Auktionskatalog, mit US$ 50'000. Doch der Zuschlag erfolgte erst bei US$ 90'000, womit es das dritt-teuerste Stück der Auktion war.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.08.2022 12:35:12 Gelesen: 40272# 868 @  
@ Heinz 7 [#865]

Mit ganz besonderem Vergnügen stelle ich Ihnen Los 8 vor aus der oben genannten Auktion "Kilbourne".

Los 8 war notiert mit US$ 20'000 (ausgerufen/Schätzpreis/Katalogpreis; so ganz klar ist das nicht). An der Auktion erzielte das Stück dann aber stolze US$ 67'500 (Hammerpreis), dazu kamen 10 % Aufgeld.



Das ist nun anständig viel Geld für eine ... Ganzsache!

Ja, wirklich, wir haben es mit einem Umschlag zu tun, also einer Ganzsache. Die G. sind die "Schwestern" der Briefmarken. Beides sind Postwertzeichen. Im 19. Jahrhundert waren VIELE Ganzsachen SEHR teuer und durchaus auf Augenhöhe mit den teuersten Briefmarken; im 20. Jahrhundert hat sich das kräftig geändert: während viele Briefmarken noch teurer wurden haben viele früher teure Ganzsachen real an Wert verloren oder sind bestenfalls stehengeblieben. Dass Ganzsachen real TEURER wurden in den letzten 100 Jahren dürfte die Ausnahme sein.

Dass der hohe Preis für die Ganzsache aus Austin seine Berechtigung hat, möchte ich betonen.

Es handelt sich um Scott Nr. 8XU1, ein Ganzsachenumschlag ("envelope") von 1861 aus Austin, Mississippi, mit Wertaufdruck 5 Cents "red on amber".

Der Umschlag ist nicht nur selten, er ist offenbar einzigartig/einmalig! Er gehörte einst zur grossartigen Sammlung von Harold C. Brooks, dessen Sammlung 1943 verkauft wurde (evtl. aber auch Edward Brooks, der 1946 ein wichtiges Buch zur Postgeschichte der CSA schrieb. Im Auktgionskatalog steht als Provenienz nur "Brooks", also wissen wir noch nicht, welcher Sammler es war).

Für ein Unikat ist meines Erachtens der hohe Preis gerechtfertigt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 06.08.2022 13:07:36 Gelesen: 40263# 869 @  
@ Heinz 7 [#868]

Ich möchte meinen kleinen "Rundgang" durch die Kilbourne-Auktion abschliessen mit dem fünft-teuersten Stück der Auktion von 1999: es erzielte bei einem Katalogwert von US$ 30'000 einen Zuschlag von US$ 60'000. Dazu kamen 10 % Kommission.



Diese Briefmarke ist, zumindest in Deutschland/Schweiz, wohl die mit Abstand bekannteste/berühmteste Briefmarke dieses Sammelgebietes "Confederate Postmasters' Provisionals". Sie ist auch graphisch ein sehr schönes Stück und hebt sich deutlich ab von vielen sehr einfachen Briefmarken des Sammelgebietes USA:CSA.

Die Marke wurde 1861 herausgegeben in Livingston, Alabama, und hat die Katalognummer Scott 51X1.

Das vorliegende Stück ex Kilbourne soll gemäss Siegel-Katalog das schönste Exemplar einer Einzelfrankatur sein. Wie wir bereits erwähnten, gibt es auch einen Brief mit einem Paar dieser Marke (= Unikat).

Doch auch eine Einzelfrankatur ist selten. Nach Siegel gibt es nur:

1 Brief mit Paar
6 Briefe mit Einzelfrankaturen
3 Einzelmarken

Der Katalog-Preis von US$ 30'000 (Scott 2000, Preis für Brief/Einzelfrankatur) ist also verständlich für diese sehr seltene und sehr begehrte Briefmarke.

Dieser Brief kam 1999 offenbar nach 138 Jahren seines Bestehens erstmals an eine öffentliche Auktion. Zuvor war sie nur privat weiterverkauft worden. Der Brief zierte die Sammlungen Harold C. Brooks und A. Earl Weatherly. Das Ehepaar Kilbourne kaufte auch diesen Brief 1963 von Weatherly.

Auf Seite 45 des Auktionskataloges nennt Siegel den Sammler Brooks mit Vornamen: "Harold C." - Wir dürfen also davon ausgehen, dass es derselbe Sammler ist wie bei Los 8 derselben Auktion [#868].

Heinz
 
Heinz 7 Am: 27.09.2022 21:24:24 Gelesen: 23742# 870 @  
@ Heinz 7 [#129]

Die Briefmarke von Millbury 1846 (Scott Nr. 7X1) habe ich vor fünf Jahren schon einmal vorgestellt. Heute kennt man meines Wissens 19 Stück davon:

- 1 x ungebraucht
- 8 x auf Brief (stets Einzelfrankaturen)
- 3 x auf Fragment
- 7 x gestempelt

Es gibt keine Paare oder andere Einheiten, nur Einzelstücke, wovon 18 gestempelt sind. Ein einziges Stück ist ungebraucht, mit Originalgummi. Kein Wunder, dass dieses Einzelstück eine "Ikone" der Philatelie ist, und zwar schon "seit Ur-Zeiten". Wir erinnern uns, dass bereits in der Studie Schubert (1913) diese Marke ungebraucht auf dem 6. Platz weltweit landete (Liste der teuersten Marken der Welt, nach dem Katalog "Senf" 1912).



An den Auktionen erzielte dieses Stück unterschiedliche Resultate:

7.4.1922 (Sammlung Ferrary, 3. Auktion), Los 563, FRF 18'000 Zuschlag = also nicht sehr hoch

2.2.1967 (Sammlung Josiah K. Lilly, 1. Auktion), Los 19, Zuschlag US$ 34'000 = also sehr respektabel

12.10.1989 (Händler-Bestand Gebrüder Weill), Los 631, Zuschlag (vermutlich) US$ 110'000 = also nochmals hoch

Bei solchen Prestige-Stücken fragen wir uns, ob die "ganz reichen" Sammler sie nicht kaufen wollten. Wir wissen ja, dass Erivan Haub eine phantastische USA-Sammlung hatte, aber - die Millbury ungebraucht hat er offenbar nie gekauft.

Es muss jetzt aber niemand enttäuscht sein, denn Erivan Haub kaufte die Marke sehr wohl, aber auf Brief! Und weil sie ihm so gut gefiel, kaufte er gleich zwei Briefe davon!

(Fortsetzung folgt)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 27.09.2022 22:14:09 Gelesen: 23722# 871 @  
@ Heinz 7 [#870]

Manchen Sammlern gefallen Briefe besser als ungebrauchte Marken. Wir wissen, dass Erivan Haub sehr viele Briefe hatte, doch wir finden auch viele lose Stücke (ungebraucht oder gestempelt). Ich kann über seine Vorlieben nichts Definitives sagen.

Bei der seltenen Postmeistermarke von Millbury entschied sich Haub für die Variante "Brief".



Dieser wunderbare Brief wurde am 24.6.2021 New York verkauft (Los 1 der 5. Haub-Auktion USA). Gemäss Auktionsbeschreibung war DIESER Brief zum allerersten Mal auf einer Auktion.

Der Ausruf lag bei moderaten US$ 75'000. Leider kenne ich den Zuschlagpreis nicht.

Dieser Brief ist im Buch "Edition Spéciale": "Postmasters' Provisionals. United States and Confederate States, The "Erivan" Collection" abgebildet auf Seite 48. Dort erfahren wir, warum der Brief früher nie angeboten wurde:

1884 wurde der Brief verschenkt (offenbar von der Familie des Empfängers des Briefes) an die "American Antiquarian Society, Worchester". Diese Organisation trennte sich nach über 100 Jahren von diesem Schmuckstück; 1990 konnte es gekauft werden. So kam das Stück zu Erivan Haub.

Eine nette Anmerkung: da der Brief 1846 nach Worcester geschickt wurde, dürfen wir annehmen, dass der Brief 144 Jahre lang in Worchester ruhte.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.12.2022 14:56:41 Gelesen: 123# 872 @  
@ Heinz 7 [#336]

Ein Farbfehldruck hat 2022 für grösste Aufmerksamkeit gesorgt: Die Österreich 1867, 3 Kreuzer Marke rosakarmin statt grün. Bis Ende Jahr 2021 waren erst sechs Exemplare dieser Weltrarität bekannt. Gemäss Angaben des Verkäufers wurde nun 2022 nun ein 7. Stück entdeckt: das dritte auf Brief! Während die ersten zwei bekannten Briefe in der ungarischen Reichshälfte zur Verwendung kamen, wurde dieser Brief rund zwei Jahre später von Wien nach Triest gesandt.



Der Brief war das Schmuckstück der Auktion von Viennafil, Wien Ende November/Anfang Dezember 2022 in Wien. Als Los 5009 wurde der Brief angeboten, mit einem Schätzpreis von Euro 200'000. Nun ist die Auktion durchgeführt worden; der Zuschlag des Loses erfolgte gemäss Ergebnisliste zu Euro 250'000. Dazu kommt ein Aufgeld von 24%, total also Euro 310'000.

Nun kennen wir also:

3 Briefe
1 Fragment
3 lose Marken dieser Grossrarität.

Wir haben diesen Fehldruck ausführlich besprochen in den Beiträgen [#331] - [#340].

Heinz
 

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