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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Das Thema hat 586 Beiträge:
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marc123 Am: 10.07.2019 11:54:01 Gelesen: 8010# 562 @  
@ Heinz 7 [#556]

Lieber Heinz,

danke für Deine tollen Beiträge. Ich kenne mich mit dem Thema Bermuda nicht sonderlich aus, stelle mir trotzdem beim Lesen deiner Beiträge eine Frage. Du schreibst dass nur 11 Exemplare bekannt sind und diese verteilt auf die fünf Jahre (1848, 1849, 1853, 1854 und 1856). Bei dieser geringen Anzahl von Exemplaren halte ich es für durchaus denkbar, dass auch solche aus den Jahren 1850, 1851, 1852 und 1855 existiert haben, von denen kein Exemplar mehr erhalten blieb. Ich denke, dass sich aber auch schon andere diese Frage gestellt haben.
Hast Du darauf eine Antwort? Die Typologie von Stanley-Gibbons finde ich vielleicht etwas übertrieben. Würden mehr Exemplare existieren käme man dann auf acht Katalognummern. Ich habe den Michel von 2010 (Wertvolle Briefmarken aus aller Welt vorliegen). Hier werden mittlerweile drei Nummern vergeben und die Beschreibung hat sich auch etwas verändert:

I 1 Penny schwarz auf bläulich (1848/49)
II 1 Penny rot (1853)
III 1 Penny rot auf bläulich (1856)

Diese Beschreibung kommt der von Stanley-Gibbons näher, die von Dir gezeigte Michel-Typologie beinhaltet ja einen Fehler "rot 1849" entweder in der Jahreszahl oder der Farbe.

@ 10Parale [#559]

Befindet sich der andere Brief in der königlichen Sammlung?

Lieber 10Parale,

Der eben erwähnte Michel schreibt "Ein Brief mit einer beschädigten MiNr. I von 1848 wurde im Oktober 1999 für ca. 150 000 zugeschlagen." Das müsste der Brief sein, von dem Du redest. Gilt jetzt noch zu klären wo er versteigert wurde.

Liebe Grüße
Marc
 
merkuria Am: 14.07.2019 00:43:36 Gelesen: 7317# 563 @  
@ merkuria [#554]

An der Cherrystone Auktion vom 10. Juli 2019 wurde in New York die bedeutende US-Sammlung „The New Amsterdam Collection of U.S. Rarities“ versteigert. Unter Los Nr. 200 wurde wieder einmal eine Inverted Jenny angeboten. Es handelt sich dabei um die Nr. 27, welche letztmals an der Siegel Auktion vom 19. Mai 1990 für damals 115‘000 US$ den Besitzer wechselte. Die Marke ist von einem neuen, am 25. Februar 2019 erstellten Attest der Philatelic Foundation begleitet.



Das Exemplar Nr. 27 erfuhr mit einem Ausruf von 325‘000 US$ keine grossen Steigerungen und wurde zu 350‘000 US$ + Aufgeld zugeschlagen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf meine im Juni 2016 präsentierte Zusammenstellung der 100 existierenden Jenny-Kopfsteher [#93] zurückkommen. Nicht zuletzt dank der sehr ausführlichen Inverted Jenny-Datenbank [1] des US-Auktionshauses Siegel ist es uns heute möglich, alle letzten Verkäufe der einzelnen Nr. zu dokumentieren. Auf dieser Datenbank kann auch die Geschichte sowie frühere Besitzer der einzelnen Nr. eingesehen werden.

Wir können heute davon ausgehen, dass dem Handel derzeit 94 der 100 existierenden Exemplare zur Verfügung stehen. 5 Exemplare sind in Museen, 1 Exemplar ist noch immer verschollen (Nr. 66). Hier die bereinigte Übersicht mit den aktuellsten Bewegungen. Neuere Bewegungen zwischen 2016-2019 sind in rot notiert. In diesem Zeitraum haben 9 Exemplare ihren Besitzer gewechselt! Zusammen wurden dafür 3.9 Mio US$ + Aufgeld aufgewendet.






Grüsse aus der Schweiz
Jacques

[1] https://invertedjenny.com/salerecords
 
Heinz 7 Am: 15.07.2019 17:54:52 Gelesen: 6883# 564 @  
@ Heinz 7 [#549]

In Stockholm habe ich am 1.6.2019 mit einem Philatelisten, der den US-Markt besser kennt, als ich, gerätselt, welche Ergebnisse denn die erste Auktion "Haub" bringen wird. Wir beide waren sehr zuversichtlich, dass es hohe, ja sehr hohe Resultate geben wird.

Ich habe mich nicht "verstecken wollen", sondern habe klar geäussert, dass mehrere Resultate der Auktion vom 22.6.2019 schlecht gewesen seien. Mit solchen Aussagen macht man sich keine Freunde, besonders nicht beim Verkäufer, und darum tat mir mein Befund selber "weh". Nur zu gerne hätte ich über tolle, hohe Preise jubiliert und Vergleiche angestellt. Aber - der Erfolg blieb (bei einigen wichtigen Losen) aus, und das darf man wohl festhalten.

Dass der US-Markt aber nicht generell schwach ist, zeigen folgende, unglaublichen Resultate:

@ merkuria [#563]

Die "Inverted Jenny" spielte US$ 350'000 ein (plus 15 %), wie Jacques ausführlich zeigt.

Aber, bitte, wer kennt DIESE Marke?



Es ist eine Briefmarke aus dem Jahr 1867, die aber eine ganz seltene Abart ist: sie hat den "Z-Grill". Ich habe vor etwas mehr als drei Jahren die berühmteste Marke dieser "Z-Grills" schon kurz behandelt; der Wert zu 1 Cent erzielte vor einigen Jahren einen gigantisch hohen Preis.

@ Heinz 7 [#103]

Nun aber zum 15 Cents-Wert, den es gemäss Auktionsbeschreibung nur zweimal gibt.

Anbei die Katalogbeschreibung (Cherrystone New York)

"1867 Z. Grill - 15c black green One of Two Known
1867 15c black, Z.Grill, geometric cancel, centered to right, completely sound, one of only two known copies, with 1962 and 2019 Philatelic Foundation Certificates, ex-Eugene Costales. A tremendous United States and World Class rarity, ex-Schilling Collection, last offered in a 1975 Siegel Rarities sale (catalogued in the grade of extremely fine at $2,000,000 and $800,000 as VG-50 in the U.S. Specialized by Grade). This stamp is definitely a key to forming a complete U.S. stamp collection, equal in rarity to the famous Z.Grill 1c (In Scott catalogue of U. S. Stamps, the 15c Z.Grill is listed as 85F: it is one of the very few issues that does not bear a unique number but must share its numeral (85) with other stamps of different denominations. This anomaly arose because Scott created its system long before the Z pattern gained general recognition as a separate variety of Grill (which did not occur until the 1910s). Accordingly, Scott assigned capital letters to the Z.Grill denominations and inserted them into the catalogue after No.85 (the 3c D.Grill). The 1c Z.Grill appeared as 85A and the 2c through 15c Z.Grills were designated 85B through 85F. This expedient enabled Scott to retain the existing numbers for all subsequent stamps, beginning with the E.Grill issues (86-91)
O
Catalog #85F"

Diese Marke erzielte soeben den sensationellen Zuschlag von US$ 1'400'000, mit Zuschlag (15%) kostet die Marke also astronomische US$ 1'610'000.

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr hinaus. Der "Blue Boy" bleibt bei einer Million fast liegen, die unscheinbare Scott 85F hingegen erzielt einen höheren Preis.

Der US-Markt ist also doch stark. Umso weniger verstehe ich das Resultat
z.B. für den Grove Hill - Brief [#551] oder eben für das Alexandria-Unikat.

Es scheint mir, als haben am 22.6.2019 einige Sammler nicht aufgepasst.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.07.2019 18:08:42 Gelesen: 6879# 565 @  
@ Heinz 7 [#564]

Auch nicht unbescheiden ist der Katalogwert für eine weitere Z-Grill-Marke von 1867: die 10 Cents green (Scott no. 85D): US$ 600'000 (nach Angabe im Auktionskatalog).



Die Marke gibt es immerhin 6 Mal, ein Exemplar ist im Museum, und von den verbliebenen 5 sei dies die schönste, sagt der Auktionskatalog (Los 70)

"1867 Z. Grill - 10c green The Finest Known Example
1867 10c green, Z.Grill, segmented cork cancel, well centered on crisp white paper, completely sound, ex-Laurence and Stryker, with 1958 and 2019 Philatelic Foundation certificates (the latter graded "VF-XF 85"). There are only six known copies of this stamp, one of which is in the Miller Collection. Only one other (ex-Ishikawa) is sound and this is by far the better centered of the two. A major philatelic rarity, one of only five existing examples available to collectors, this one not seen since 1958 (Siegel Census 85D-CAN-01), worthy of the finest collection (SMQ for FN-70 $520,000) (Scott catalogue value is for a well centered copy with faults)
O
Catalog #85D
Catalog Value $600,000"

An der jetzigen Auktion wollten mindestens zwei Sammler das Stück mit sehr viel Einsatz. Der Zuschlag erfolgte erst bei US$ 1'000'000. Dazu kommen 15 % Aufschlag.

Damit reiht sich auch diese weithin unbekannte Briefmarke unter die teuersten Stücke weltweit ein.

Es ist mir ein Rätsel, wie innerhalb derselben Stadt (New York) zwei Auktionen innerhalb von weniger als 30 Tagen so unterschiedliche Resultate ergeben können.

Vielleicht realisieren dies nun ein paar Freunde der US-Philatelie und sie "steigen" dann doch so richtig ein, wenn von Erivan Haub der ZWEIITE Teil der Sammlung kommt.

Ich bin sehr gespannt!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.07.2019 20:05:04 Gelesen: 6844# 566 @  
@ marc123 [#562]

Vielen Dank für die freundlichen Worte.

Bermuda 1. Issue Perot ist wahrlich eine "Knacknuss" für alle Raritäten-Sammler.

Während der oben gezeigte Brief

@ Heinz 7 [#555]

An mindestens 6 öffentlichen Auktionen sich bewähren musste, ist der zweite Brief meines Wissens deutlich seltener "im rauhen Wind" der öffentlichen Auktion ausgesetzt gewesen.

1848 wurde die Perot-Marke herausgegeben. Erst 130 Jahre später (!!) gelangte der anbei gezeigte Brief zum ersten Mal überhaupt auf eine öffentliche Auktion.

Der best bekannte grosse Sammler (Sir) Henry Tucker hatte eine phantastische Sammlung Bermuda. Er hatte zwei Perot-Erstausgaben, wobei sein Brief 1848 wohl als Glanzstück bezeichnet werden darf. Es ist die Stanley Gibbons No. 1.



Das Foto stammt aus einem gebundenen Band, darum ist das Foto nicht ganz gerade. Aber die Sammler waren begeistert, dass dieses Super-Stück ca. 50 Jahre nach seinem ersten Handwechsel erstmals an eine Auktion kam (1848-ca. 192x war der Brief in Familienbesitz der Brief-Empfänger-Familie (gemäss Leon N. Williams)).

Der Brief wurde in London versteigert, beim ehrwürdigen Auktionshaus H.R. Harmer, das damals zu den besten Auktionshäusern der Welt gehörte.
 
Heinz 7 Am: 15.07.2019 20:28:21 Gelesen: 6834# 567 @  
@ Heinz 7 [#566]

Los 58 der Auktion vom 17.10.1985 wurde mit starkem Herzklopfen der massgebenden Sammler dieser Zeit erwartet: der oben gezeigte Brief!



Los 1-57 waren vor allem frühere Briefe von Bermuda (1796-1850, ohne Briefmarken, teils mit den so schönen Handstempeln, welche von den Sammlern so geschätzt werden).

Los 58 war beschrieben wie folgt:

- einer von drei Exemplaren 1848
- einer von nur zwei bekannten Briefen
- gekauft von Tucker 1961 (Williams nennt Verkaufstermin 1960)

Die Briefmarke diente auch als Verschluss-Medium, und wurde darum beim Öffnen des Briefes beschädigt. Die Marke ist sorgfältig restauriert worden.

Der Ausruf bzw. Estimate lag bei GB£ 12'500 - GB£ 15'000.

Das mag für heutige Leser wenig scheinen, aber 1978 war das durchaus ein respektabler Preis.

Es blieb aber nicht beim Schätzpreis, sondern der Brief wurde auf GB£ 22'000 hochgesteigert (kein Aufgeld, wenn ich mich nicht irre. Die Auktionatoren bezogen damals in England meist nur eine Provision des Verkäufers).

Sehr interessant: Es gab an derselben Auktion jedoch 3 andere Lose, die noch teurer wurden! Die Tucker-Auktion war wirklich ein Gradmesser für die grössten Raritäten des Landes. Die Sammlung war so bedeutend, dass es sogar Platz hatte für einen zweiten Teil, welcher bei H.R. Harmer Inc. in New York zum Verkauf kam.

Heinz
 
Martin de Matin Am: 15.07.2019 21:56:03 Gelesen: 6809# 568 @  
@ Heinz 7 [#564]

Interessant ist, dass das zweite Exemplar der 15 cent mit Z-grill (das schönere der zwei bekannten) 1998 bei der Zoellnerauktion einen Zuschlag von 190.000 Dollar hatte.

Gemäß Siegel-Census wurde dieses Stück 1986 für 100.000 Dollar und 1963 für 11.500 Dollar zugeschlagen. Ein stetiger extremer Aufwärtstrend.

@ Heinz 7 [#565]

Zu der 10 cent mit Z-Grill muss man sagen, das von den fünf in Sammlerhänden befindlichen Exemplaren nur zwei ohne Mängel sind, das oben gezeigte Stück und das Exemplar der Ishikawa-Sammlung, das schlechter zentriert ist (1993 mit dem Zuschlag von 46.000 Dollar). Die anderen haben dünne Stellen beziehungsweise fehlenden Eckzahn.

Vielleicht hat man sich bei den Haubstücken das falsche Auktionshaus ausgesucht, oder das Interesse an Postmeisterausgaben ist geringer, weil die Sammler die allgemeinen Marken bevorzugen. Die Zukunft wird es zeigen.

Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 16.07.2019 19:36:08 Gelesen: 6599# 569 @  
@ Martin de Matin [#568]

Danke, Martin, für diese interessanten Ergänzungen.

Ich kenne den Ishikawa-sale. Und ich kenne die Zoellner-Auktion. Aber mir war bei Ishikawa nicht bewusst, dass er eine 10 Cent mit Z-grill hatte. Ein Zuschlag von US$ 46'000 (1993) finde ich auch einigermassen "vernünftig" für eine so seltene Briefmarke. An der Auktion bei Cherrystone (2019, also nur 26 Jahre später) sausten nun aber einige Preise "ab durch die Decke". Das hat mich nun doch echt erstaunt. Der US-Markt ist aber immer wieder für Überraschungen gut.

Es ist ja auch undenkbar für ein anderes Land, dass eine Briefmarke, die es fast 100 x gibt, für so viele Exemplare schon so hohe Preise bezahlt wurden, wie für die kopfstehende Jenny, vgl. -> Inverted Jenny, siehe u.a. den Beitrag von Jacques,

@ merkuria [#563]

Wobei die Position 27 wirklich eines der schönsten Stücke ist.

Nochmals zu den Z.-Grill-Ausgaben.

In meinem Scott 2000-Katalog sind die Katalogwerte wie folgt:

85A = 1 Cent = US$ 935'000 (gestempelt)
85B = 2 Cente = US$ 5'350 (**), US$ 800 (gestempelt)
85C = 3 Cents = US$ 8'500 (**), US$ 2'250 (gestempelt)
85D = 10 Cents = US$ 90'000 (gestempelt)
85E = 12 Cents = US$ 7'000 (**), US$ 1'000 (gestempelt)
85F = 15 Cents = US$ 220'000 (gestempelt).

Von den 6 katalogisierten Marken sind also gleich 3 Weltraritäten.

85A = 2 Stück, wovon 1 im Museum (New York)
85D = 6 Stück, wovon 1 im Museum (New York)
85F = 2 Stück

Scott 2000 listete die 1 Cent-Marke also genau zum dem Auktionserlös, den das Stück zuvor erzielt hatte (US$ 850'000+10%). Es ist nun spannend, zu sehen, ob nun die Katalogwerte für die 85D und für die 85F hochschnellen. Für die 85F nun "einfach" US$ 1'610'000 anzusetzen (= 732 % des Katalogwertes von 2000) fände ich etwas "gewohnungsbedürftig".

Ob Scott die Preise auch gegen unten anpasst, wenn die Erlöse tief ausfallen, weiss ich nicht; ich nehme aber an: eher NEIN.

Früher haben meines Wissens einige massgebende Philatelisten die Katalogpreise in Diskussionen "ausgehandelt". Wenn nur der effektiv erzielte Marktpreis als Massstab herangezogen wird, kann dies zu Verzerrungen führen. Dieser kann "zu tief" ausfallen, aber er kann auch gegen oben ausreissen. Für beide Fälle gibt es zahllose Beispiele.

Zum Abschluss noch ein Blick auf ein Albumblatt "ex Ishikawa"



Ishikawa besass u.a. einen Viererblock der 2 Cents-Marke, einen 7-Streifen der 3 Cents-Marke, drei Exemplare der 12 Cents Marke und, wie Du sagst, ein Exemplar der 10 Cents-Marke.

Die Abbildungen stammen aus dem Buch "The United States Stamp 1847-1869; Ryohei Ishikawa Collection", ein grossformatiges Wunderwerk.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.07.2019 20:12:59 Gelesen: 6588# 570 @  
@ Heinz 7 [#567]

Dieser vornehme Herr war Sir Henry Tucker.



Ich bin fast sicher, dass es sich um den BRIEFMARKEN-SAMMLER handelt.

Er wurde 1903 geboren und starb 1986. Als 17-jähriger besuchte er Schulen in England, bevor er nach Bermuda zurückkehrte. Er gilt heute als "National hero" (Nationalheld). Siehe Royal Gazette und Wikipedia.

"Sir Henry Tucker - one of the Island's two most important leaders of the 20th Century"

http://www.royalgazette.com/article/20110616/ISLAND11/706149916/-1
https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Tucker_(Bermudian_politician)

Unsterblich hat er sich gemacht bei den Philatelisten durch das Zusammentragen der vermutlich besten Bermuda-Sammlung, die je existiert hat.

Leider habe ich den Harmer New York-Auktionskatalog nicht zur Hand, aber allein der Harmer London-Sale (siehe oben) zeigt, wie umfassend die Sammlung war. Die Auktion umfasste 581 Lose (London, ohne New York).

Los 58 haben wir oben besprochen. Los 59 war ein gebrauchtes Exemplar des Jahres 1853, in der Farbe rot = Stanley Gibbons Nummer O 3.



Auch von dieser Marke kennt man heute meines Wissens nur 3 Exemplare. Sie tauchte erstmals 1934 auf (das neunte und das zehnte Stück) und kam 1978 erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte auf den Auktionsmarkt; Tucker hatte die Marke 1960 privat vom Vor-Sammler gekauft.

Warum diese Marke im Zuschlag höher geschätzt wurde, als Los 58 (immerhin ein Brief!), ist mir nicht klar. Jedenfalls sahen die Sammler 1978 dies ähnlich und die gezeigte Marke erzielte den stolzen Preis von GB£ 32'000, also satte GB£ 10'000 mehr als Los 58.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.07.2019 09:34:30 Gelesen: 6227# 571 @  
@ 10Parale [#559]

Danke für das Interesse, die Anerkennung und die Abbildungen.

Ich konnte nun also beide Briefe in ganzer Grösse in Farbe zeigen (Beiträge [#555] und [#566]). Beide Briefe befinden sich meines Wissens in Privathand, also nicht in der Sammlung von Queen Elizabeth. Sie hat zwar drei Postmeistermarken Perot 1. Ausgabe in ihrer Sammlung, aber alle drei Stücke sind lose Briefmarken. Die (meines Erachtens: besonders wertvollen) Briefe sind für ambitionierte Sammler mit adäquatem Bankkontostand erhältlich.

Beide Briefmarken sind übrigens auf der Rückseite des Briefes angebracht (Brief [#555] aufgeklappt), das war so vorgesehen (Vorschrift/?).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.07.2019 20:17:23 Gelesen: 5798# 572 @  
@ Heinz 7 [#49]

Ich habe oben gesagt, dass beim Verkauf der Sammlung "Bermuda" von Tucker im ersten Teil verschiedene sehr hohe Preise erzielt wurden. Natürlich wollen nun alle (?) wissen, welches denn das teuerste Lot der Auktion war, wenn nicht die weltberühmte Stanley Gibbons Nr. 1 auf Brief, die es nur auf Platz vier schaffte:

@ Heinz 7 [#567]

Los 58: Zuschlag = GB£ 22'000 - siehe Beitrag 566
Los 59: Zuschlag = GB£ 32'000 - siehe Beitrag 570
Los 60: Zuschlag = GB£ 36'000 - siehe Beitrag 572
Los 62: Zuschlag = GB£ 25'000 - folgt...

Nun, wir KENNEN diesen Brief schon (!), denn vor mehr als 3.5 Jahren stellte ich Ihnen einen Brief vor:



Es ist dies die Michel Nr. V = 1861 = Postmeistermarke von Perot: Runder Handstempel ohne Jahreszahl, mit Inschrift "HAMILTON".

Ich habe schon gesagt, dass es von dieser Marke meines Wissens nur 5 Exemplare gibt; 2 auf Brief, 3 lose (2 entwertet, 1 ungebraucht). Und, wirklich erstaunlich: die philatelistische Öffentlichkeit erfuhr erst 1946 von der Existenz dieser Briefmarke! (gemäss Leon N. Williams). 1948 wurden dann das zweite und das dritte Exemplar entdeckt, während Exemplar 4 und 5 erst 1967 und 1984 wirklich öffentlich bekannt wurden (so lese ich "The Biographies" von L.N. Williams, 1997).

Ich erwähnte im Dezember 2015 schon, dass dieser Brief 1978 GB£ 36'000 kostete. Was ich damals nicht sagte: es war der Spitzenpreis an der berühmten Tucker-Auktion Bermuda (sales 4141-4142).

GB£ 36'000 war 1978 ein sehr hoher Betrag. Ich sollte dies einmal näher aufzeigen.

Wer den zweiten existierenden Brief dieser Marke sehen will, der betrachte Beitrag von 10Parale [#544].

Vielleicht interessieren uns auch die Katalogpreise?

Stanley Gibbons 2008 bewertete die 2. Postmeistermarke von Perot (Nr. O6) mit
GB£ 100'000 ungebraucht bzw. GB£ 80'000 entwertet und bewertet damit die Marke wesentlich tiefer als SG no. O1-O5:

O1 = GB£ 130'000
O2 = GB£ 150'000
O3 = GB£ 110'000
O4 = GB£ 275'000
O5 = GB£ 170'000

Scott sieht das nicht ganz so deutlich:

Scott 2000:

X1 = US$ 115'000
X1a = US$ 135'000
X2 = US$ 175'000
X2a = US$ 225'000
X3 = US$ 145'000

X5 =Perot 1861= US$ 110'000

Michel 2010:

I: Euro 160'000
II: Euro 160'000
III: Euro 220'000

V: Euro 130'000 (entwertet; ungebraucht: -.-)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.07.2019 11:05:20 Gelesen: 5676# 573 @  
@ Heinz 7 [#567]

Heinz ?
Ja ?
Machst du das mit Absicht ?
Was denn ?
Du schreibst einen Aufsatz in mehreren Teilen und steigerst die Spannung, doch dann enthälst du mir das gute Ende der Geschichte vor! Ich warte vergeblich auf den letzten Teil der Geschichte!

Ja? Tue ich das? Also... NEIN, mit böser Absicht mache ich das sicher nicht!

Es ist richtig, beim vorliegenden Thema "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" versuche ich (auch) einem "roten Faden" zu folgen und gewisse Erkenntnisse in einem grösseren Kontext darzustellen. Dass ich dabei nicht in "x plus 3 Tagen" fertig werde, das liegt an der Komplexität der behandelten Materie und daran, dass ich als berufstätiger Mensch nur sehr eingeschränkt Zeit einsetzen kann für das schönste Hobby der Welt (die Philatelie). Zudem erfordern meine Beiträge - gerade zu diesem Thema - oft viel Zeit zur Recherche; ich kann also nur selten einfach ein Foto scannen und zwei Sätze dazu schreiben.

Zudem reagiere ich auf Aktualitäten. Wenn also ein Freund plötzlich das Thema "Bermuda" bespricht, dann steuere ich gerne mein Wissen dazu bei, oder wenn an einer Auktion besonders aufsehenerregende Resultate erzielt werden, kann ich dies manchmal auch ein wenig kommentieren. Und ansonsten? - Ich verspreche, immer wieder auf die noch offenen Fragen zurückkehren zu wollen und meine Leser nicht unnötig "zappeln" zu lassen.

Damit ich im aktuellen "Fall" (Bermuda, Tucker Auktion) meine Leser in rascher Abfolge alle Infos gebe, anbei nun die Vorstellung von Los 62 der Bermuda-Auktion von Sir Henry Tucker. Wie erwähnt erzielte dieses Los beachtliche GB£ 25'000 im Jahre 1978; und vor 41 Jahren war dies sehrsehr viel Geld.

Umgerechnet in Schweizer Franken, Stand Ende 2018 wären dies genau CHF 155'694... (sofern ich richtig gerechnet habe. Der Kaffee steht auf dem Tisch, wurde aber noch nicht eingenommen...)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.07.2019 12:20:00 Gelesen: 5665# 574 @  
@ Heinz 7 [#567]

Bermudas Postmeister-Ausgaben von Perot haben wir in den letzten Tagen recht gut kennen gelernt. 1848 gab er seine erste Serie heraus, 1861 folgte seine zweite.

Hamilton war aber nicht der einzige Ort in Bermuda, wo ein Postmeister Briefmarken herausgab. Dasselbe erfolgte auch in St. George, in welchem seit 1818 ein Postmeister eingesetzt war.

Vermutlich war es James Henry Thies, der 1860 eine Briefmarke herausgab, die aber kaum bekannt war. In der Zeitschrift "Stanley Gibbons' Monthly Journal" von Januar 1899 wurde eine Thies Marke besprochen (Major Evans), aber es bestanden damals Zweifel an dieser Ausgabe. Selbst im Standardwrk "The Postage Stamps of Bermuda" von H.R. Holmes, das 1932 herauskam, wurde die Marke zwar erwähnt, aber nicht detailliert besprochen.

Gemäss dem monumentalen Werk von Leon Norman Williams ("Encyclopaedia of rare and famous stamps" in zwei Bänden 1993/1997) sind aktuell nur 5 dieser Thies-Marke bekannt, wobei von einer Marke (Nummer 2) aber nicht einmal ein Foto existiert, und sie scheint seit 1899 verschollen. Von den restlichen vier Marken sind drei gestempelt und eine ist sogar auf Brief.



Über diesen Brief wusste Williams was folgt:

1860: Der Briefempfänger James Tatem in Hamilton (Bermuda) erhielt diese Marke (den Brief)
1929: Ein Verwandter von James Tatem fand diesen Brief
193(?): Major T. Charlton Henry, ein führender Philatelist dieser Jahre, kaufte diesen Brief
1960: Sir Henry Tucker kaufte den Brief von Charlton Henry
1978: der Brief erschien zum ersten Mal an einer Auktion! 118 Jahre nach der Herausgabe.

Die führenden Sammler wussten natürlich über die Bedeutung dieses Briefes, und der Auktionator setzte dementsprechend den Schätzpreis hoch an: GB£ 25'000 - GB£ 30'000. Das Los wurde zum Schätzpreis verkauft.

Das oben gezeigte Foto ist etwas unscharf links (scan aus einem gebundenen Auktionskatalog), aber da es im Moment das einzige Farbfoto ist, das ich kenne, zeige ich es so.

Ob der Preis von (umgerechnet auf heute) rund CHF 156'000 nochmals erreicht oder sogar übertroffen wurde, weiss ich nicht.

In den Katalogen steht die Marke wie folgt:

Michel IV (1860): Euro 95'000 (Katalog 2010)
Stanley Gibbons O7 (1860): GB£ 75'000 (Katalog 2008)
Scott X4 (1860): US$ 90'000 (Katalog 2000)

Brief-Bewertungen liegen mir nicht vor.

Übrigens: in der Ulrich Sammlung, die bei Temple Bar Auctions 1989 zum Verkauf kam, war AUCH eine Thies-Marke enthalten!

Heinz
 
10Parale Am: 21.07.2019 11:59:40 Gelesen: 5381# 575 @  
@ Heinz 7 [#574]

Es ist schon beeindruckend, mit welcher wissenschaftlichen Präzision du uns Hobby- und Berufsphilatelisten in Erstaunen über soviel bedeutende Informationen versetzt. Ich muss das erst einmal alles dreimal durchlesen und studieren. Von St. Georges habe ich auch schon schöne Stempel in meiner Sammlung.

Auch ich kann als berufstätiger Mensch wie so viele hier meine Zeit auch nur beschränkt für das Hobby einsetzen. Um so schöner, wenn ich dann ein paar wenige Stunden finde, um mich dem ganz hinzugeben.

[#571] "Sie (die Queen, Anmerkung des Verf.) hat zwar drei Postmeistermarken Perot 1. Ausgabe in ihrer Sammlung, aber alle drei Stücke sind lose Briefmarken."

Wer diese sehen will, schlage Seite 241 des Buches "The Queen´s Stamps" von Nicholas Courtney auf, dort sind sie farbig abgebildet.

[#574]

"Übrigens: in der Ulrich Sammlung, die bei Temple Bar Auctions 1989 zum Verkauf kam, war AUCH eine Thies-Marke enthalten!"

Da mir der Katalog auch vorliegt, zeige ich hier einmal die Losbeschreibung und den Ausrufpreis der Temple Bar Auciton 1989. In einem weiteren Beitrag zeige ich eine Abbildung dieser sehr wertvollen Postmeister Marke.


Bedeutend finde ich den Hinweis: "Ex Collection King Carol". Damit wäre wieder ein Bogen geschlagen zu unserer vielgeliebten Rumänien-Philatelie. Wie einige wissen, ist ja ein Großteil der "King Carol" -Sammlung verschwunden, als wären sie im Bermuda-Dreieck auf Nimmerwiedersehen verloren gegangen. Die Geschichten rund um verschollene Schiffe im Bermuda-Dreieck basieren auf keinerlei wissenschaftlichen Grundlagen, wie wir heute wissen. Allerdings scheinen im wirklichen Leben tatsächlich Dinge auf rätselhafte, unerklärliche Art zu verschwinden.

Wäre auch mal interessant, darüber zu spekulieren, wo denn die Sammlung des rumänischen Königs abgeblieben ist?

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 21.07.2019 12:13:07 Gelesen: 5377# 576 @  
@ 10Parale [#575]

Hier die Thies Marke siehe [#574]


 
Martin de Matin Am: 21.07.2019 14:36:35 Gelesen: 5344# 577 @  
@ 10Parale [#576]

Dieses Stück wurde wie in meinem Beitrag [#553] aufgeführt für 75.000 Dollar angeboten.

@ Heinz 7 [#572]
@ Heinz 7 [#574]

Ich hätte zu den Postmeistermarken von Bermuda eine kleine aber nicht unwichtige Frage. Sind die Postmeistermarken, insbesondere die Ausgaben mit der Inschrift "PAID AT", wirklich Briefmarken; und gibt es Unterlagen in Archiven, die die Ausgabe bestätigen?

Bei den ersten Postmeistermarken von Hamilton kann ich den Briefmarkenstatus ja akzeptieren, da dort wohl aus dem normalen Stempel von Hamilton die Tag und Monatsangaben entfernt wurden und handschriftlich one penny und Perot eingetragen wurden.

Nun zu den Ausgaben mit der Inschrift PAID AT von Hamilton und St. Georges. Hier eine Beispielabbildung (Los 84) aus der Morris H. Ludington Auktion bei Spink 1999.



Das oben gezeigte Stück stammt aus dem Jahr 1861, also aus dem Jahr der Verausgabung der zweiten Hamilton-Ausgabe. Ich sehe hier keinen Unterschied zu den Postmeister-ausgaben (meine Abbildung ist nur der Ausschnitt eines Briefes mit dem Stempel "PAID AT"). Der einzige Unterschied ist das Papier, aber dies ist bei den Postmeisterausgaben auch unterschiedlich, und die Federzugentwertung. Falls jemand meint das Stück aus Beitrag 576 hat ja einen Stempel, so sollte man bedenken, das es auch unfrankierte Briefe mit einem Stempel über den roten "PAID AT"-Stempel gibt. Federzugentwertung und Behauptungen Briefe in einer Korrespondenz gefunden zu haben sind noch lange kein Beweis für die Echtheit.

Eure Meinung dazu ist jetzt gefragt.

Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 22.07.2019 21:00:36 Gelesen: 4908# 578 @  
@ 10Parale [#575]

Besten Dank für die anerkennenden Worte.

@ Martin de Matin [#577]

Es ist tatsächlich so, dass die Briefmarken und die Handstempel sich sehr ähnlich sehen. Nach Information des Auktionskataloges von H.R. Harmer kann ich Folgendes bekanntgeben.

Seit 1818 durften die Postmeister die Erträge für Inland Post für sich behalten. 1842 wurde die Rate für einen nicht schweren Brief reduziert auf 1 Penny. Die Leute, die einen Brief aufgeben wollten, konnten diesen in einen Briefkasten einlegen, bitte mit dem Geld für die Beförderung.

Das klappte aber nur ungenügend. Die Anzahl der abgegebenen Briefe überstieg die Anzahl der eingegangenen Pence, darum machte der Postmeister William Bennet Perot eine Notmassnahme: er gab Briefmarken heraus.

"He produced them by utilising his datedtamp (PM4) with day and month slugs removed and endorsing them with "One Penny" an his signature".

Die Briefmarken mussten dann als Vorauszahlung angebracht werden; andere Briefe wurden (vermutlich) nicht mehr befördert (früher war es Pflicht, da man ja nicht wusste, wer den Brief bezahlt hatte, und wer nicht).

Normale Briefe mit solchen Datumstempeln sind nicht besonders teuer. In der Sammlung Tucker waren gleich 11 Stücke mit diesem Handstempel vorhanden, davon 10 von Hamilton:

Los 40: PM 4 Hamilton: 1842, Teil von Umschlag
Los 41: PM 4 Hamilton: 1847, single letter-sheet
Los 42: PM 4 Hamilton: 1849, letter
Los 43: PM 4 Hamilton: 1850, envelope
Los 44: PM 4 Hamilton: 1854, letter
Los 45: PM 4 Hamilton: 1855, mourning envelope
Los 46: PM 4 Hamilton: 1855, tender, (...) with strike of red PM4
Los 47: PM 4 Hamilton: 1859, front
Los 48: PM 4 Hamilton: 1859, letter
Los 49: PM 4 Hamilton: 1861, letter
Los 50: PM 4 Ireland Isle: 1842, wrapper

Die PM 4-Stempel von Hamilton erzielten Preise von nur GB£ 33 (Los 47) bis GB£ 360 (Los 44).

Die auf Extra Papier angefertigten Briefmarken sind wohl als solche zu akzeptieren. Es wurde das Datum entfernt und eine Unterschrift vom Postmeister wurde angebracht.

Der Poststempel PM 4 war aber nicht der einzige, der damals verwendet wurde. Du zeigst uns oben einen PM 2, dazu kann ich auch ein schönes Exemplar zeigen:



Dies war Los 14 der ersten Tucker Auktion mit Postmark 2 "Paid at Hamilton Bermuda". Solche PM 2-Stempel gab es auch von St. Georges und Ireland Isle.

Heinz
 
10Parale Am: 22.07.2019 21:11:46 Gelesen: 4901# 579 @  
@ Martin de Matin [#577]

Dann sag ich mal meine Meinung:

"sind die Postmeistermarken, insbesondere die Ausgaben mit der Inschrift "PAID AT", wirklich Briefmarken; und gibt es Unterlagen in Archiven, die die Ausgabe bestätigen?"

Kurz mal ein Rückblende: In Hamilton war Mr. Perot der Postmeister mit einem Jahresgehalt von £70. Die Einnahmen aus dem Briefverkehr standen ihm zusätzlich auf Grund eines Gesetzes zu. Das Problem war, in seinem hölzernen Briefkasten, der vor dem Haus stand, wurden bei der Leerung mehr Briefe als One Penny Münzen gefunden, so dass es im Prinzip ein Minusgeschäft war. Der Hobbygärtner Perot hatte nun einen freundlichen Nachbarn, den Chemiker Mr. J.B. Heyl. Dieser Chemiker hatte nun den Einfall, die tatsächlich bezahlte Post mit einem Label zu versehen, wie er es bereits aus Amerika kannte. Perot wärmte sich mit dem Gedanken an und formte nun aus dem eigentlichen Stempel eine Briefmarke, indem er den Monat und den Tag entfernte und nur das Jahr auf dem Label beließ. Dann schrieb er noch One Penny handschriftlich drauf und unterschrieb das Ganze. So kreierte er eine Art Bogen mit 12 Marken, die er auseinanderschnitt und bis Juni 1849 in schwarzer Tinte, dann mit roter Tinte beschriftete (HAMILTON _ BERMUDA).

Nun kommt in dem bereits genannten Buch THE QUEEN´s STAMPS von Courtney, woher ich diese Informationen beziehe, eine aufhellende Passage, ich zitiere:

"As Perot made the stamps, he did not see the need to further cancel them which meant that it was a long time before they were discovered, and even longer before they were recognised as genuine because no Act of the Legislature had confirmed the issue."

Das Buch führt weiter aus, dass Edward Denny Bacon´s Studien über die Bermuda Postmeistermarken dazu beitrugen, die Authentizität bzw. Echtheit der Marken zu bestätigen.

Aus diesem Grund halte ich diese Postmeistermarken natürlich für Briefmarken, mit dem einzigen Unterschied, dass ihre Existenz keinem staatlichen Auftrag entspringt, sondern der Notwendigkeit, - wie so oft im Leben -, dem Betrug einen Riegel vorzuschieben.

Ob eine Federzugentwertung wie in Beitrag [#572] gezeigt echt ist, steht mir allerdings nicht zu, dies zu beurteilen.

Liebe Grüße

10Parale
 
Heinz 7 Am: 22.07.2019 21:57:19 Gelesen: 4885# 580 @  
@ Heinz 7 [#578]

Bei der zweiten Perot-Ausgabe 1861 (Stanley Gibbons Nr. O6) sind wir uns vielleicht nicht sicher, ob es eine eigens geschaffene Briefmarke ist, oder ob es einfach ein PM2-Stempel ist, der, ausgeschnitten, auf einen Brief draufgesetzt wurde.

Es gibt zwei Briefe mit dieser Marke, siehe z.B. [#572]. Der Federstrich geht nicht auf den Brief über, so auch nicht beim anderen Brief und auch nicht bei den zwei losen Marken. Ich verstehe also sehr gut, dass Du fragst:

"... und gibt es Unterlagen in Archiven, die die Ausgabe bestätigen?"

Bei der Thies-Marke gibt es nur vier Abbildungen: 1 Brief mit Federzug-Entwertung (siehe [#574])
1 kleines Fragment, Marke ebenfalls mit Federzug-Entwertung
2 lose Marken mit dem Stempel "St. George"; eine davon gezeigt von

@ 10Parale [#576]

Auch hier sind die Fragen dieselben wir zur 2. Perot-Ausgabe.

Es gibt sogar ein weiteres Fragezeichen zu Bermuda-Postmeisterausgaben. Dazu nochmals ein Foto aus einem Auktionskatalog, den wir hier schon gezeigt haben:

@ Heinz 7 [#561]

Die Ulrich-Sammlung enthielt u.a. vier sehr interessante Lose, die alle auf der vierten Umschlag-Seite gezeigt wurden.



Los 13: eine Perot-Ausgabe von 1848 (Stanley Gibbons Nr. 1)
Los 15: eine Perot-Ausgabe von 1861 (Stanley Gibbons Nr. 6)
Los 16: eine Thies-Ausgabe von 1860 (Stanley Gibbons Nr. 7).

Aber was ist denn Los 14?

Die Auktionsbeschreibung sagt, es handle sich um eine Ausgabe 1862 "Ward Issue".

Robert Ward war Nachfolger von Perot als Postmeister. Ob er auch eine Postmeister-Marke herausgegeben hat, ist umstritten.

Leon N. Williams schreibt dazu: "There being no means of dating the blue pencil marking, these stamps were regarded with reserve because it is possible that each could have been cut out from an envelope of an overseas letter for which postage had been prepaid at Hamilton." (siehe: Leon Norman Williams: "Encyclopaedia of rare and famous stamps" Band 1, 1993, Seite 9). Auch das Auktionshaus Temple Bar sicherte sich ab, indem es zu Los 16 hinzu schrieb:

"probably a cut out from an envelope and posthumously cancelled in crayon".

Diese Marke ist generell nicht anerkannt. Sie ist meines Wissens auch nicht katalogisiert. Im Tucker-Auktionskatalog stand zu einer (anderen) Ward-Marke folgendes: (Los 61):

"As the status of these two known copies is still unresolved, this example is necessarily sold "as is".

Der Hammer fiel dann bereits bei GB£ 260, also mehr als 100 x weniger als bei Los 60 zuvor!

Temple Bar war da kühner, 11 Jahre später: IHR Los 16 wurde mit einem "Estimate" von GB£ 20'000-25'000 angepreist! Meines Wissens fand diese Marke aber keinen Käufer.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.07.2019 22:32:13 Gelesen: 4875# 581 @  
@ 10Parale [#544]

Du nennst eine Auktion von 1974; ich kann diesen Auktionskatalog hier ebenfalls zeigen:

Es war ein Robson Lowe, London, Sale



In 176 Losen wurde die Sammlung von M. H. Ludington angeboten.

Gleich die ersten beiden Lose waren die wertvollsten:

Los 1001: ein Fragment mit Perot-Ausgabe 1849 (Stanley Gibbons Nr. 02)
Los 1002: der eine "Miss Hurst" Perot 1861-Brief.

Deine Annahme, der oben genannte Brief habe 1974 einen ähnlichen Preis gekostet wie das Exemplar ex Sammlung Tucker (4 Jahre später), muss ich korrigieren: der Käufer musste nur GB£ 5'250 bezahlen, also nur 70 % vom estimate (GB£ 7'500). Sogar unverkauft blieb das Los 1001, das mit GB£ 10'000 geschätzt war.

4 Jahre später gabe es dann hohe Preise, wie ich oben zeigen konnte (4 Lose mit Ergebnissen von GB£ 22'000 bis GB£ 36'000).

So starke Schwankungen in den Resultaten sind manchmal kaum zu erklären.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.08.2019 23:25:58 Gelesen: 1635# 582 @  
@ Heinz 7 [#581]

Immerhin deutlich mehr als 3000 "hits" seit dem 22.7.2019 (= 19 Tage) zeigen, dass es doch ein paar Leser gibt, welche sich für das Thema interessieren. Also sehe ich mich ermutigt, weiter zu machen.

Wir haben gerade bei Bermuda gesehen (Beiträge ab [#552]), dass es Staaten gibt, wo es lange dauerte, bis seine grossen Briefmarken-Raritäten entdeckt wurden. Mein Rückblick auf die Studien von Haas (1905) und Schubert (1912) zeigt das ja auch: manch eine klassische Rarität der frühen Jahre, die wir schon besprochen haben, war vor über 100 Jahren noch nicht berühmt, obwohl damals schon das Briefmarkensammeln sehr populär war und damals schon ein "reifes" Hobby war (die ersten Briefmarken erschienen 1840), 1910 war das Briefmarkensammeln fest etabliert.

Umso erstaunlicher ist es, wenn wir feststellen, dass gewisse Raritäten fast nie auf dem "freien Markt" gehandelt werden. Ein ganz extremes Beispiel entdeckte ich vor wenigen Jahren, als 2010 eine wirkliche Weltrarität zum ersten Mal angeboten wurde:

1859 herausgekommen...
2010 zum ersten Mal an einer öffentlichen Auktion angeboten...
nach 151 Jahren...

eine Sensation!

Venezuela hat (wie andere Länder auch) ebenfalls einen Farbfehldruck, der extrem selten ist. Die allererste Ausgabe des Landes, 1859, umfasste nur wenige Wertstufen. Eine davon war die 1/2 Real, die in gelb oder orange gedruckt wurde.

Offenbar gab es auch einen Fehldruck in rot. Es ist gar nicht so klar, die Unterschiede zwischen "orange" und "rot" zu sehen, aber die Spezialisten können dies natürlich. In einem "Edition d'Or"-Band (Dr. Knut Heister-Sammlung, Venezuela, Band XVI), sind die Varianten nebeneinander gestellt.

(Fortsetzung folgt)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 10.08.2019 23:46:03 Gelesen: 1630# 583 @  
@ Heinz 7 [#582]

Die "Medio Real" rot statt gelb gibt es offenbar nur zwei Mal. Ein Exemplar zierte die Knut Heisters Sammlung.

Das gestempelte Exemplar ist zwar auch schon eine Weile bekannt, wurde aber offenbar erst 2010, also nach 151 Jahren, erstmals öffentlich (als Einzellos) versteigert!

Angeblich war das Stück zuvor schon in der Sammlung von Ferrary, wurde dort aber angeblich nicht einzeln angeboten. Möglicherweise war der Fehldruck im Sammellos 658 der 9. Auktion enthalten (alle diese Informationen entnehme ich dem Auktionskatalog: Investphila, Lugano, 15. Auktion, April 2010).

Danach kam das Stück in die Hände des weltbekannten Auktionators H.R. Harmer (der selber aber auch sammelte). Er stellte das Stück aus 1950 an der Weltausstellung in London. Die Harmer-Sammlung Venezuela wurde gesamthaft von einem anderen Sammler übernommen und kam schliesslich in die Hände des grossen Sammlers Gordon N. John.

2010 wurde ein weiterer Teil seiner grossartigen Sammlung verkauft.



Die Marke kam zum ersten Mal zum öffentlichen Auktions-Verkauf. Welcher Ausrufpreis ist hierfür anzusetzen? - Eine schwierige Frage.

Die philatelistische Leitung von Investphila wusste um die Wichtigkeit des Stückes und preiste das Stück hoch aus: Starting Price (in Euro): 150'000. Die Marke zierte auch die Titelseite des Auktionskataloges, obwohl die Sammlung auch sonst "allerhand" zu bieten hatte.

Doch bei dem Startpreis blieb es nicht. Der Fehldruck wurde gemäss Resultat-Liste verkauft für Euro 240'000 + 20 % = Euro 288'000.

Damit reiht sich die Marke ein unter die wertvollsten Briefmarken der Welt. Spät. Aber nicht zu spät für uns, damit wir diesem Fehldruck nicht ebenfalls unsere Aufmerksamkeit (und Bewunderung) schenken können.

Heinz
 
Martin de Matin Am: 11.08.2019 07:38:45 Gelesen: 1544# 584 @  
@ Heinz 7 [#583]

Bei der 1. Sonderauktion am 7. April 2ß18 bei Christoph Gärtner wurde unter Los 581 ein Paar des Fehldrucks für 160.000 Euro angeboten. Dem Paar war ein Attest von Dr. Knut Heister aus dem Jahr 2015 beigefügt. Dort wird ein Unterrandmangel beschrieben, der klar ersichtlich ist. Im Attest werden auch die beiden anderen Stücke erwähnt.



Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 11.08.2019 10:43:07 Gelesen: 1455# 585 @  
@ Martin de Matin [#584]

Lieber Martin,

ich danke sehr für diesen Hinweis. Das Paar von Gärtner habe ich persönlich nicht gekannt. Den Auktionskatalog vom 7.4.2018 habe ich leider auch nicht erhalten.

Ich finde man sieht diesem Paar die Fehlfarbe deutlich an, auch ich erkenne hier ein "rot", während ich beim Stück in Beitrag 583 spontan eher an orange gedacht habe. Ich bin froh um diese Abbildung aus dem Katalog von Gärtner.

Farbvergleiche sind keine exakte Wissenschaft, und schon viele Philatelisten sind sich in die Haare geraten bei den Farbbestimmungen bzw. -zuteilungen. Ohne (Original-) Vergleichsmaterial und sehr viel Erfahrung geht es nicht.

Interessant ist auch, dass Gärtner das gestempelte Stück (Beitrag 583) als "defekt" bezeichnet. Im Auktionskatalog von Investphila, Lugano, sind keine solchen Bemerkungen zu lesen.

In Lugano kostete Los 745 Euro 240'000 + 20 % (eine Marke). In Bietingheim blieb das Paar zum Ausruf von Euro 160'000 unverkauft, obwohl ein Paar ja eigentlich teurer sein sollte, als eine Einzelmarke. Erfolg und Misserfolg liegen oft nahe beieinander.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.08.2019 10:57:05 Gelesen: 1444# 586 @  
@ Martin de Matin [#584]

Martin, Dein Hinweis hat mir keine Ruhe gelassen, und ich habe im Netz gesucht, und habe einen Volltreffer gelandet. Offenbar wurde das Paar erst 2015 gefunden, und von Prüfer Dr. Heister geprüft.

Ich lese von einem mir unbekannten Auktionshaus folgende Info (mit Bild!)

auf http://www.lauritz.com lesen wir:

'Rote Venezuela' - eine philatelistische Rarität bei Lauritz.com

Sie ist seltener als die ‚Blaue Mauritius‘ und die Entdeckung dieses Paares ist eine philatelistische Sensation: Nur vier Exemplare der ‚Roten Venezuela‘, einer Marke von 1861 im Wert von ½ Real, sind weltweit bekannt. Bis zum 4. August 2016 kann in den Online-Auktionen von Lauritz.com auf ein Paar dieser Raritäten geboten werden. Der Schätzpreis liegt bei 550.000 Euro.

>> Zur Auktion

Eine Marke von einem ½ Real hatte damals den Postwert eines venezolanischen Inlandsbriefs. Die Farbe war eigentlich Orange. Von dem roten Fehldruck sind insgesamt nur 4 Exemplare bekannt – das aktuell zur Auktion stehende Paar und zwei weitere Einzelmarken. Das macht die ‚Rote Venezuela‘ zu einer der seltensten Marke der Welt.

Im Jahr 2010 wurde eine der Einzelmarken bei einer Auktion in der Schweiz für 288.000 Euro versteigert. Das vorliegende Paar ist mit einem Schätzwert von 550.000 Euro angesetzt und steht jetzt bei uns zur Auktion.

Das Markenpaar ist erst kürzlich in einer Sammlung entdeckt worden. Es gibt zwar schon frühe Erwähnungen von Exemplaren der ½ Real-Marke in der Fehlfarbe Rot, sie sind aber in Vergessenheit geraten, bis zur Versteigerung der Einzelmarke vor sechs Jahren.

Die Existenz des jetzt zum Verkauf stehenden Markenpaares wurde erst mit der Vorlage für ein Gutachten durch Dr. Knut Heister, Experte der venezolanischen Philatelie, im Oktober 2015 bekannt: „Die Entdeckung ist eine echte Sensation, nicht nur für die venezolanische Philatelie – und für mich ist es etwas ganz besonderes, dass ich diese Weltrarität begutachten konnte“, so Heister.

Eine persönliche Begutachtung ist im Auktionshaus Lauritz.com Hamburg nach Absprache möglich. Kontakt: Tel (+49)40 1888290 oder hamburg@lauritz.com


Es gibt sogar einen Lokal-Fernsehen-Beitrag zu dieser Marke, wo wir auch Dr. Knut Heister sehen. Der Beitrag ist sehr interessant! Das Auktionshaus "Lauritz" ist übrigens nicht auf Briefmarken spezialisiert.

https://www.rtlnord.de/nachrichten/versteigerung-seltener-briefmarken-in-hamburg.html

Ein weiteres Briefmarken-Märchen: Mehr als 150 Jahre nach der Herausgabe wurde dieses Stück offenbar neu entdeckt. Zwar noch ohne "grosses Happy End" (= mega-Erlös bei Verkauf), aber doch eine grosse Rarität.

Heinz
 

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