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Thema: Costa Rica: Ganzsachen
Cantus Am: 15.11.2014 23:37:40 Gelesen: 4208# 1 @  
Costa Rica ([ˈkostɑ ˈrikɑ], spanisch für „reiche Küste“) ist ein Staat in Zentralamerika, der im Norden an Nicaragua und im Süden an Panama grenzt. Im Osten ist er durch die Karibik und im Westen durch den Pazifik begrenzt. Das Land gilt als eines der fortschrittlichsten Lateinamerikas. So wurde bereits in den 1950er Jahren die Armee zugunsten der Förderung von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen abgeschafft, das Land gewinnt mehr als 90 % seines Energiebedarfs aus regenerativen Quellen und der Ökotourismus wird stark gefördert. Rund 27 % der Landesfläche stehen unter Naturschutz [1].

Mehr als ein Viertel des Landes sind Nationalparks und geschützte Gebiete. In verschiedenen Klimazonen leben über achthundert Arten von Vögeln, Hunderte Spezies von Säugetieren, fast vierhundert Arten von Reptilien und Amphibien. Unter den zahlreichen Pflanzenarten zählen über tausend zur Familie der Orchideen. Viele Baumarten sind hier beheimatet und farbenfrohe Schmetterlinge flattern durch die tropische Luft [2].

Vor über einem Jahrzehnt hatte ich mich entschlossen, mich mit den Ganzsachen dieses kleinen Landes zu beschäftigen, kein ganz einfaches Unterfangen, denn ich wollte mich dabei ausschließlich auf bedarfsgelaufene Belege beschränken, außerdem spreche ich die Landessprache nicht und Deutschland war und ist nicht gerade der bevorzugte (Post-)Partner dieses kleinen mittelamerikanischen Landes. Die Internationalität des Internets jedoch, viele Messe- und Börsenbesuche sowie allerlei vereinsgebundene Kontakte haben so nach und nach eine ganz nette Sammlung entstehen lassen. Vieles davon ist sehens- und zeigenswert und sicherlich bei den meisten Mitgliedern dieses Forums bisher völlig unbekannt.

Manchmal werde ich gefragt, wie ich denn zu solch ungewöhnlichen Sammelgebieten komme. Die Antwort ist ganz einfach. Zunächst und vor allem Anderen bin ich ein Ganzsachensammler und habe meine Freude an grundsätzlich jeder Ganzsache, die weltweit erschienen ist. Nun kann man das nicht alles sammeln, denn selbst wenn die finanziellen Mittel dafür vorhanden wären, so reicht doch die Lebenszeit nicht dafür aus, sich tatsächlich auch in angemessenem Rahmen damit zu beschäftigen. Also habe ich mich nach einigem Nachdenken dazu entschlossen, bei den Erdteilen Amerika, Afrika und Asien einzelne Sammelgebiete herauszupicken, die für mich ihren Reiz haben, die weitestgehend eine vernünftige Ausgabepolitik betreiben und die als Sammelgebiet nicht gerade einer aktuellen Mode unterliegen. Bei Amerika sind so die Sammelgebiete Brasilien (in Südamerika) und Costa Rica (in Mittelamerika) entstanden.

In Costa Rica erschienen die ersten beiden Ganzsachen im Jahr 1886 in Form von Postkarten, dabei eine Karte zu 2 Centavos mit einem schwarzen Wertstempel auf blaßbraunem Postkartenkarton sowie eine Doppelkarte auf graugelben Postkartenkarton, die eine unübliche Besonderheit aufweist, auf die ich heute aber noch nicht eingehen will.

Heute daher zunächst zwei Beispiele der ersten Karte, allgemein als P 1 in den Katalogen geführt. Der Wertstempel dieser Karte (und auch der Doppelkarte) zeigt das Bildnis des Präsidenten Fernández. Zur Zeit der Herausgabe der Karten regierte Juan Primitivo Próspero Fernández Oreamuno (* 18. Juli 1834 in San José (Costa Rica), ; † 12. März 1885 in Atenas Alajuela, Costa Rica) als Präsident von Costa Rica [3].



Die erste gezeigte Karte datiert vom 7.12.1886 und war nach Barcelona adressiert. Zwar ist die Zusatzfrankatur abgefallen, aber da der Stempel von San Jose noch an anderer Stelle sauber abgeschlagen ist, halte ich diese Karte für zeigenswert.



Bei der zweite Karte fehlt der Abgangsstempel, aber die Karte war an einen Empfänger in Leon im Nachbarstaat Nicaragua adressiert und erhielt unterwegs am 18.10.1887 einen sauberen Durchgangsstempel von Corinto, sodass die Verwendungszeit realitätsnah bestimmt werden kann.



Die Vorstellung der weiteren Ganzsachen von Costa Rica wird von mir in zeitlicher Abfolge nach und nach realisiert werden.

Viele Grüße
Ingo

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Costa_Rica
[2] http://www.hallo-costarica.com/
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%B3spero_Fern%C3%A1ndez_Oreamuno
 
Cantus Am: 03.02.2015 16:20:46 Gelesen: 4041# 2 @  
Zeitgleich mit der ersten einfachen Postkarte erschien auch eine Doppelkarte, allgemein als P 2 bezeichnet. Diese Doppelkarte, deren Antwortteil unten an der Fragekarte dranhängt, weist die ungewöhnliche Besonderheit auf, dass im Wertstempel der Fragekarte kein Frankaturwert angegeben ist, während auf der Antwortkarte ein Wert von 4 Centavos im Wertstempel eingetragen ist. Es wurde wohl davon ausgegangen, dass jeder, der diese Doppelkarte nutzte, wusste, dass die Karte für den Postverkehr mit dem Ausland vorgesehen war und deshalb nicht noch extra die Portostufe aus der Karte hervorgehen musste, während ausländische Poststationen zur Berechnung des korrekten Rückportos nach Costa Rica sehr wohl auf eine Frankaturwertangabe angewiesen waren.

Ich zeige zunächst eine gelaufene Doppelkarte, die unzertrennt am 14.1.1889 von San Jose über New Orleans nach Hamburg gelaufen ist.



Hier sind nun Abgangs-, Durchgangs- und Ankunftsstempel, die auf dieser Karte abgeschlagen wurden.



Es folgt eine separate Fragekarte, die am 19.2.1889 in Hamburg ankam.



Nun noch eine abgetrennte Antwortkarte (Respuesta), die zwar abgetrennt vom Frageteil nicht als Antwortkarte, sondern wie eine Fragekarte verwendet worden war, bei der aber nun - im Gegensatz zum Frageteil - der Wert von 4 Centavos im Wertstempel zu erkennen ist. Die Karte erhielt am 28.9.1890 in New York ihren Durchgangsstempel; der Stempel von San Jose ist leider nicht zu entziffern. Die Karte war an eine Adresse in Neuendorf im Amt Oderberg gerichtet.



Viele Grüße
Ingo
 
Cantus Am: 14.08.2015 23:26:30 Gelesen: 3727# 3 @  
Im Jahr 1890 kommen zwei neue Arten von Postkarten zum Verkauf. Eine Karte zu 2 Centavos mit grünem Wertstempel für den Postinlandsverkehr sowie eine Karte zu 3 Centavos mit rotem Wertstempel für den Postverkehr mit dem Ausland. Da die Karte zu 3 Centavos offensichtlich nicht immer überall verfügbar war, findet man relativ häufig Karten zu 2 Centavos mit einer Zusatzfrankatur von einem Centavo. Die Poststempel auf den Karten, die ich zeigen kann, sind oftmals kaum zu erkennen; ich führe das auf mangelhafte Stempelgeräte in den Poststellen zurück, möglicherweise aber war den zuständigen Dienstkräften eine saubere Abstempelung eher nicht so wichtig.

Auf zwei meiner 2-Centavos-Karten finden sich Zudrucke in deutscher Sprache, die darauf hindeuten, dass es damals in Costa Rica eine vermutlich recht einflussreiche deutsche Niederlassung gab. Heute nun zeige ich eine Auswahl ausschließlich von 2-Centavos-Karten, allgemein als P 3 bezeichnet.



P 3 mit rückseitigem deutschem Textzudruck, gelaufen am 20.10.1892 als Ortspost in San José



P 3, wiederum mit rückseitigem deutschem Textzudruck, gelaufen am 27.11.1895 als Ortspost in San José.



P 3, gelaufen am 29.10.1895 von Puntarenas nach San José



P 3, gelaufen am 27.2.1903 als Ortspost in San José



P 3 mit rückseitigem Textzudruck der "Costa Rica Railway Company Ltd.", gelaufen am 21.3.1904 als Ortspost in San José



P 3, gelaufen am 6.3.1893 von San José über New Orleans nach Belgien (Zusatzfrankatur abgefallen)



P 3, gelaufen am 20.12.1896 mit ordnungsgemäßer Zusatzfrankatur von Limon über New York (Transitstempel FOREIGN N.Y. TRANSIT) und über Hamburg mit Durchgangsstempel nach Altona



P 3, gelaufen am 21.4.1898 mit Zusatzfrankatur von San José über New York (eine andere Art von Durchgangsstempel rückseitig) nach Hamburg



P 3, gelaufen am 3.9.1901 von San José nach Berlin (Zusatzfrankatur abgefallen)

Abbildungen und Erläuterungen von Karten zu 3 Centavos (P 4) folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Viele Grüße
Ingo
 
Cantus Am: 04.09.2017 05:37:20 Gelesen: 1943# 4 @  
Die ersten beiden Ganzsachenumschläge für den Inlands- und Auslandsverkehr zu 5 und 10 Centavos erschienen im Jahr 1886. Der Wertstempel zeigt jeweils ein Brustbild von Don Bernardo Soto Alfaro, der vom 12. März 1885 bis zum 7. November 1889 der Präsident von Costa Rica war.

Der folgende Umschlag zu 5 Centavos lief am 20.12.1888 als Ortspost innerhalb von San Jose.



H&G U 1

Viele Grüße
Ingo
 
Cantus Am: 02.07.2018 03:35:00 Gelesen: 932# 5 @  
Heute aus gegebenem Anlass ein Umschlag der Ausgabe des Jahres 1903, H&G-Katalog U 5a. Es gibt viele verschiedene Umschläge, die alle unter der einen Katalognummer U 5 zusammengefasst sind.

Der Wertstempel dieses Umschlages lautet auf 5 Centimos, die Wertstempelfarbe lautet im Katalog auf blau, ich würde das eher mit hellblau und leichten Farbabweichungen davon bezeichnen. Das Papier der Umschläge ist stets weiß oder ganz leicht bläulich eingefärbt. So weit erst einmal die Grobbestimmung. Die Abbildung im Wertstempel zeigt eine Seitenansicht des Kopfes von Christoph Columbus.



Die Umschläge der Ausgabe von 1903 weisen jedoch, wie schon die Vorgängerausgabe des Jahres 1890, eine Vielzahl unterschiedlicher Varianten eines rückseitigen farblosen Texteindruckes auf, den man auf der Rückseite des Umschlages bei hochgeschlagener Umschlagklappe auf der linken Seite dort findet, wo der Umschlag zugeklebt wird. Bei dieser Umschlagsausgabe gibt es die Gummierung dermaßen auf der Umschlagklappe, dass beim Zukleben des Umschlages auch wesentliche Teile des Texteindruckes verdeckt werden, weshalb es bei gelaufenen Umschlägen oft sehr schwer ist, die Maße des Texteindruckes zu ermitteln.

Zur Verdeutlichung bilde ich zwei kurze Katalogauszüge aus dem H&G-Katalog ab. Aus dem ersten Auszug geht hervor, dass es zwei unterschiedliche Texte auf diesen Umschlägen gibt:

WATERLOW & SONS, LTD., LONDON WALL (für Type 1 = H&G U 5)
oder
WATERLOW & SONS, LTD., LONDON WALL, LONDON (für Type 2 = H&G U 5a)

Der von mir gezeigte Umschlag gehört zur Type 2.



Im zweiten Auszug sind in Millimetern unterschiedlichste Maße des Texteindruckes genannt, die man bei Katalogerstellung schon kannte; der Umschlag, den ich zeige, hat das Maß 48 x 1,5 Millimeter.



Leider lassen sich im Scan solche Texteindrucke nur äußerst schlecht darstellen, mit reichlich Farb- und Kontrastbearbeitung konnte ich aber wenigstens einen Teil des Texteindruckes herausarbeiten.



Des Brief lief am 26. Mai 1907 von San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas, nach Hamburg, der rückseitige Ankunftstempel ist aber nur unzureichend abgeschlagen. Da der Umschlag für den Inlandsverkehr hergestellt worden war, war eine Zusatzfrankatur für den Postweg nach Europa erforderlich. Der Umschlag trägt links oben einen privaten Absenderzudruck des Juan Knöhr Hijos, was vom Namen her auf deutsche Einwanderer schließen lässt.



Viele Grüße
Ingo
 
dr.vision Am: 09.07.2018 16:24:42 Gelesen: 863# 6 @  
Moin zusammen,

da ich der "gegebene Anlass" war, erst einmal Dank an Ingo, der mir durch seinen vorausgegangenen Beitrag - und auch telefonisch - eine große Hilfe war, die Prägung unter der Deckklappe des Ganzsachenumschlages zu finden und diesen zuordnen zu können. Es handelt sich um den GS-Umschlag Nr. 10 (nach Ascher) mit der Prägung „AMERICAN BANK NOTE CO. / NEW YORK", der 1911 an die Schalter kam. Wie Ingo schon schrieb, ist die Darstellung der Prägung fast unmöglich.

Der Umschlag wurde am 19. Februar 1912 in San José entwertet, bekam am 29. Februar einen Durchgangstempel von New Orleans und erreichte Namur / Namen am 14. März.



Beste Grüße von der Ostsee
Ralf
 
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