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Thema: Deutsches Reich Bogentaschen
Veen72 Am: 18.12.2016 12:31:36 Gelesen: 702# 1 @  
Heftchen April 1923 mit Mi 242 Bogenteil

Guten Tag,

ich habe ein Heftchen mit einem Bogenteil mit 25 Stück Mi. 242. Ursprünglich enthielt es 20 Bogenteile. Weiß jemand was das für ein Heftchen ist? Ich kann es nicht im Michel Katalog finden.

gruß,
Hans


 
lueckel2010 Am: 18.12.2016 14:45:59 Gelesen: 669# 2 @  
@ Veen72 [#1]

Guten Tag,

es dürfte sich wohl eher um eine Versandtasche (Verpackungsmaterial), eventuell um einen Teil davon, handeln, mit der die (Reichs-) Druckerei komplette Markenbögen oder, wie in diesem Fall auch Bogenteile, in größerer Anzahl (hier 20 Stück) an die so genannten Wertzeichenverteilstellen geschickt hat, die diese dann nach Anforderung an die einzelnen Postämter weiterleiteten.

MfG, "lueckel2010"
 
muemmel Am: 18.12.2016 16:21:00 Gelesen: 643# 3 @  
@ Veen72 [#1]

Hallo Hans,

hier handelt es sich um eine so genannte Viertelbogentasche, die nichts mit Markenheftchen zu tun hat.

Während der Inflationszeit kam es wegen der damaligen Hektik manchmal zu Ausschuss bei der Markenherstellung. Solche "Defekten" Schalterbogen wurden meist vernichtet. Wenn aber Teile eines Schalterbogens, in diesem Fall 1/4 des Schalterbogens noch brauchbar war, wurden diese Viertelbogen vom Rest des Schalterbogens abgetrennt und in eben diesen Viertelbogentaschen an die Postämter verteilt.

Da die üblichen Randdrucke wie Summierungszahlen und Reihenwertzahlen bei den Viertelbogen aber fehlten, wurden ersatzweise als Abrechnungshilfe für die Postbeamten, die Taschen mit entsprechenden Zahlen bedruckt.

Schöne Grüße
Mümmel
 
Veen72 Am: 18.12.2016 17:05:00 Gelesen: 624# 4 @  
Vielen Dank, klar.

Grüße
Hans
 
muemmel Am: 17.06.2017 22:22:31 Gelesen: 220# 5 @  
Guten Abend,

lange ist es her, dass ich zu diesem Thema etwas aus meiner Feder habe fließen lassen und da ich kürzlich in den Besitz einiger Bogentaschen gelangte, werde ich das Thema nun ein wenig ausführlicher beleuchten.

Die normalen Freimarken der Reichspost wurden in Schalterbogen zu je 100 Marken hergestellt. Jeweils 20 Schalterbogen wurden aufeinander gestapelt und links mit einer Heftklammer versehen, die bei Entfernung derselben mitunter zu den bei Bogensammlern ungeliebten Ausrissen führten. Zusätzlich bekam der Bogenstapel noch eine Banderole aus Papier.



(Die Heftklammer befindet sich am linken Rand zwischen den Summierungszahlen 28 und 32)

In einem nächsten Schritt wurde ein solches Gebinde in eine Bogentasche gesteckt.



Damit auch alles ordentlich ablief, wurde dies alles mit diversen Stempeln (manchmal auch Aufklebern) versehen. In der Mitte steht immer die Wertstufe, die Gesamtzahl der Bogen und der Gesamtwert. Die beiden Stempel mit Namen oder/und Nummern stammen von den Leuten in der Druckerei, die dies auf Richtigkeit geprüft hatten. Schließlich wurde noch ein Stempel abgeschlagen, wie mit diesen Gebinden nach der Auslieferung zu verfahren war.

Besonders auffällig ist bei den Bogentaschen die rechts oben schräg abgeschnittene Ecke, die aber durchaus Sinn macht. Die Bogen wurden von der Reichsdruckerei an die Oberpostdirektionen (OPDn) geliefert, die dann wiederum die Postämter versorgten. Wie der letztgenannte Stempel besagte, musste der Inhalt der ungeöffneten Bogentaschen auf Vollständigkeit kontrolliert werden, und das ging eben nur, indem man eine Ecke der Tasche abschnitt.

Soviel für heute zu diesem Thema.

Schöne Grüße
Mümmel
 
muemmel Am: 18.06.2017 21:05:29 Gelesen: 175# 6 @  
Salut,

die im vorigen Beitrag gezeigte Bogentasche mit Inhalt hatte ich vor etlichen Jahren mal erwerben können. Alle weiteren Bogentaschen, die ich zu diesem Thema noch vorstellen werde, sind leer.

Doch nun geht es weiter. Zur Vereinfachung wird im weiteren Verlauf das lange Wort Bogentasche(n) durch BT abgekürzt.

Nachdem die BT mit je 20 Schalterbogen gefüllt und zugeklebt waren, wurden nun jeweils fünf solcher BT in eine Großbogentasche gesteckt. Kontrolliert und gestempelt wurde analog dem Verfahren bei den BT. Wie es der Zufall wollte, fanden sich in dem Posten fünf BT der Markenausgabe zu 1 Million (MiNr. 314), die alle am 11. Oktober 1923 von den selben Leuten in der Reichsdruckerei mit ihren Kontrollstempeln versehen wurden:





Und genau diese BT landeten dann in einer Groß-BT, ebenfalls am 11. Oktober und wiederum kontrolliert von den selben Leuten.



Danach verließen die Marken die Reichsdruckerei und wurden den Oberpostdirektionen (OPDn) zugestellt, die sie ihrerseits weiter an die Postämter verteilte.

Auch bei den Groß-BT sehen wir eine abgeschnittene Ecke, allerdings gegenüber den BT diagonal entgegengesetzt. Auch dies hatte einen Grund, denn bei der Überprüfung in den Postämtern bestand der erste Schritt darin, die Zahl der BT in einer Groß-BT zu zählen, was auf diese Weise einfach war.

Sommerliche Grüße
Mümmel
 
muemmel Am: 19.06.2017 22:20:23 Gelesen: 134# 7 @  
Guten Abend,

analog zu den Bogentaschen (BT) der Wertstufe 1 Million kann ich auch eine Serie von fünf Bogentaschen nebst Groß-BT der Wertstufe 5 Millionen (MiNr. 317) vorstellen:





Alle mit dem gleichem Datum und den selben Kontrolleuren.

Hochsommerliche Grüße
Mümmel
 
muemmel Am: 20.06.2017 21:30:55 Gelesen: 90# 8 @  
Hallöle,

heute mal etwas leichtere Kost mit nur einer Bogentasche:



Wie ersichtlich, wurden hier Bogen der Überdruckmarken zu 20.000 Mark verpackt. Ob es dich um Marken der MiNrn. 280, 281 oder 282 handelte, weiß man nicht.

Dass die Bogentaschen nach der vorgeschriebenen Kontrolle nicht sonderlich pfleglich behandelt worden sind, verwundert nicht. Nach Öffnung derselben konnte man sie eigentlich nicht weiter gebrauchen und die meisten BT dürften im Papierkorb gelandet sein.

Zunehmend schmilzend
Mümmel
 
muemmel Am: 22.06.2017 21:39:45 Gelesen: 51# 9 @  
Guten Abend,

hier eine Großbogentasche, in denen Marken zu 4 Millionen (MiNr. 316) verpackt waren.



Interessant ist, dass bei den Großtaschen Material Verwendung fand, das noch auf Halde lag. Hier wurde die alte Kennzeichnung 500 Mark mittels Blaustift durchgestrichen.

Hochsommerliche und schwitzende Grüße
Mümmel
 
muemmel Am: 23.06.2017 23:07:10 Gelesen: 10# 10 @  
Liebe ForumlerInnen,

heute zeige ich eine Bogentasche und eine Großbogentasche der Wertstufe 50.000 Mark (MiNr. 275):



Auch hier wurde bei der Großtasche vorhandenes Altmaterial verwendet. Die Krakeleien auf derselben stammen von Vorbesitzern, die nichts besseres zu tun hatten, als solche Teile zu verunstalten.

Gute Nacht
Mümmel
 
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