Thema: (?) (154) Kriegsgefangenenpost
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Pilatus Am: 04.02.2008 22:57:26 Gelesen: 165466# 5 @  
Hallo Chrisskywalker und andere,

wie viel größer die Dramatik sein kann, wenn man die Sprache des anderen Landes nicht vesteht, zeigt ein mir vorliegender Gefangenenbrief aus der Sowjetunion. Bei diesen Briefen war ja der Antwortteil im Brief enthalten und damit auch die Vorgaben für die Addressierung.

Folgendes passiert: Noch recht junge Frau in Berlin hält endlich glücklich den ersten Brief ihres Mannes aus SU-Gefangenschaft in der Hand, schreibt natürlich sofort zurück. Doch dann adressieren ? Sie sieht sich den Brief ihres Mannes an und schreibt alles so, wie er es getan hat. Ab damit zum Briefkasten und am nächsten Tag große Verwunderung, daß sie ihren Brief in ihrem eigenen Briefkasten findet.

Die Folge war mehr als ein halbes Jahr Ungewissheit auf beiden Seiten, bis ihr Mann die zweite Gelegenheit für ein Heimatbrief erhielt.

Pilatus
 
Holger Am: 05.02.2008 08:18:39 Gelesen: 165456# 6 @  
@ Pilatus [#5]

Hallo Pilatus,

Du hast meine volle Zustimmung !

Hinter jeden POW-Brief weltweit stehen Menschen. Und jeder Mensch mit seinen Ängsten, Befürchtungen und seinem Schicksal.

Im Nachlass meines Großvaters (Jahrgang 1914) haben wir erschütternde Dokumente aus seiner Soldaten- und Kriegsgefangenenzeit gefunden. Es grenzt an ein Wunder, dass er wieder zu seiner Familie zurück konnte.

Sein Bruder (selber Arzt) starb in russischer Gefangenschaft an Wundinfektion, die er, wenn er die einfachsten Mittel gehabt hätte, selber hätte kurieren können. Auch das ist in des Bruders Briefen erschütternd dokumentiert.

Daher bin ich der Meinung, dass es nicht nur aus philatelistischer Sicht interessant ist sich mit dieser Art Belege zu beschäftigen. Nach über 60 Jahren "danach" bewegen und mahnen auch noch die Menschen, die diese Dokumente verfasst oder empfangen haben.

Mögen solche Zeiten nie, nie wieder kommen !

Mit nachdenklichen Grüssen
Holger
 
chrisskywalker Am: 07.02.2008 22:37:51 Gelesen: 165416# 7 @  
@ Holger [#139]
@ Pilatus [#5]

Ich stimme euch beiden zu denn POW Briefe/Karten sind nicht nur Zeitzeugen der Geschichte, philatelistisch interessant, sondern auch "kleine Wunder".

In der Zeit des 1. Weltkrieges gab es viele Analphabeten. Soldaten, die nicht lesen oder schreiben konnten, hatten keine Möglichkeit um Ihre Verwandten zu informieren, wie es ihnen geht. Oder sie hatten Glück und es gab jemanden in ihrer Einheit der bereit war, um für sie zu schreiben.

Da diese Briefe durch die Zensur gingen, konnten die Soldaten sowieso nicht alles schreiben, was sie wollten.

Möge uns ein 3. Weltkrieg erspart bleiben!

Holger
 
Jürgen Witkowski Am: 14.02.2008 23:08:17 Gelesen: 165375# 8 @  
POW-Beleg aus den USA

Brief eines deutschen Kriegsgefangenen aus dem II. Weltkrieg.

Ein Feldwebel schreibt am 10.Februar 1944 aus einen Kriegsgefangenenlager in Texas an seine Mutter in Loccum, Kreis Nienburg/Weser. Der Brief lief durch die amerikanische Zensur (Stempel unten links) über New York N.Y., 1944 Feb 26 7.30 PM. Das Ankunftsdatum 23.5.44 hat die Empfängerin mit Bleistift vermerkt.

Unklar ist mir die Bedeutung des roten Stempels "Ab". Ob das ein deutscher Stempel ist?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Jürgen Witkowski Am: 08.03.2008 20:06:14 Gelesen: 165328# 9 @  
Kriegsgefangenensendung aus dem I. Weltkrieg

Eine Briefhülle aus dem Offiziers-Gefangenen-Lager Döbeln an das Büro des Moskauer Hilfskomitee für Kriegsgefangene in Kopenhagen. Mit Prüfstempel des Lagers und Tagesstempel von Döbeln 1 i 23.3.17.6-7V

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
AfriKiwi Am: 08.03.2008 20:51:53 Gelesen: 165324# 10 @  
@ Concordia CA [#9]

Eine Karte an 'Charlotte' von Russland.



Erich


 
Jürgen Witkowski Am: 16.03.2008 21:25:56 Gelesen: 165297# 11 @  
Kriegsgefangenenpost aus dem Jahr 1947. Der deutsche Unteroffizier Paul Fischer schreibt aus dem französischen Kriegsgefangenenlager L'Alma in Algerien an seine Frau Hildegard in Ahstedt, Landkreis Hildesheim.

Mit nachdenklichen Sammlergrüßen
Jürgen


 
Jürgen Witkowski Am: 13.04.2008 10:01:58 Gelesen: 165223# 12 @  
Ebenfalls aus dem Jahr 1947 ist dieser Rückantwortbrief. Charlotte Mennich aus Berlin-Friedrichsfelde schreibt an Ihren Mann Walter im französischen Kriegsgefangenenlager Hesdin im Departement Pas-de-Calais.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Holger Am: 14.04.2008 12:11:44 Gelesen: 165203# 13 @  
@ Concordia CA [#12]

Hier ein Beleg aus dem Lager "OFLAG XI/A (Offizierslager) in Osterrode:

Das Lager wurde am 28.08.1939 eingerichtet und am 04.04.1944 nach Wladinir Wolynsk in die Ukraine verlegt. Dort bekam es die neue Lagernummer "OFLAG 365".



Für mich ist der Beleg wegen der Biene im Zensurstempel interessant. Wer mag, kann diesen Beleg aktuell bei Delcampe beziehen.

Grüsse
Holger

PS: ich bin nicht der Anbieter
 
Pilatus Am: 14.04.2008 19:00:57 Gelesen: 165195# 14 @  
@ Holger [#13]

Das heißt doch, dass Deutschland bereits vor Kriegsbeginn Gefangenenlager eingerichtet hat.

Auch die Verlegung im April 1944 in die Ukraine bereitet mir Kopfzerbrechen. War Wlademir Wolynsk damals nicht schon durch die Sowjettruppen befreit?

Mit skeptischen Grüßen

Pilatus
 
Holger Am: 14.04.2008 19:05:30 Gelesen: 165193# 15 @  
@ Pilatus [#14]

Hallo Pilatus,

werde mal bei meiner "Quelle" in Holland nachfragen. Habe diese Angaben von einem dortigen Sammler bekommen, aber bei näheren Nachdenken kommen mir jetzt auch leichte Zweifel.

Danke für den Hinweis - mal schauen was aus NL zu dieser Fragestellung kommt.

grübelt
Holger
 
Jürgen Witkowski Am: 23.04.2008 22:57:11 Gelesen: 165150# 16 @  
Onkel Fritz schreibt am 23. Februar 1947 an seine Nichte Anneliese eine vorgedruckte Karte aus dem englischen Kriegsgefangenenlager No 116 Hatfield Heath bei Bishop’s Stortford, Hertfordshire nach Alverdissen, Kreis Lippe.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Jürgen Witkowski Am: 27.04.2008 01:30:05 Gelesen: 165121# 17 @  
@ Concordia CA [#8]

Unser Mitglied Carolina Pegleg schreibt mir zu dem fraglichen Stempel Ab:

"Das ist ein so genannter "Durchlaufstempel" der deutschen Postueberwachung. Solche Stempel kamen auf Post die aus innerbetrieblichen Gruenden, z.B. Zeitmangel, nicht zensiert werden konnten und zur Weiterbefoerderung freigegeben wurden.

Bei der deutschen Zensur 2. WK kann man die Dienststelle am Kennbuchstaben ablesen. Hier "b" = Berlin. Die Dienststelle Berlin war u.a. fuer die Post deutscher Kriegsgefangener und Internierter in alliierter Hand zustaendig. Diese Kennbuchstaben finden sich nicht nur bei den Durchlaufstempeln, sondern praktisch immer auch auf den Verschlussstreifen und in den Zensurstempeln."

Vielen Dank für die Hilfestellung.

Diesmal schreibt Friedrich (Fritz) Bevermeier aus Hatfield Heath (siehe auch [#16]) an seinen Schwager Fritz, jun. und dessen Familie. Da er mehr zu schreiben hat, kommt dieses Mal ein vorgedrucktes, einem Aerogramm ähnlichen Briefformular zum Einsatz.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Jürgen Witkowski Am: 02.05.2008 15:03:34 Gelesen: 165090# 18 @  
Die Kriegsgefangenen hatten in den sowjetischen Lagern sehr viel schwierigere Bedingungen als bei den anderen Siegermächten.

Die Karte aus dem Jahr 1946 hat auf der Rückseite einen Zensurstempel und auch eine zensierte Stelle ist zu erkennen. Aus dem Kontext ist zu erkennen, dass dort der Name eines Mitgefangenen genannt wurde. Das war verboten und wurde unkenntlich gemacht.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Jürgen Witkowski Am: 11.05.2008 11:56:09 Gelesen: 165044# 19 @  
Aus dem britischen Kriegsgefangenenlager N° 137 wurden diese beiden Belege von Oberfeldwebel Friedrich Horn an seine Verlobte Kläre Schütfort in Dortmund. Das Lager befand sich in Plymton, Devon.

Der Brief wurde am 19. Januar 1947 geschrieben. Beachtenswert ist die Schreibweise des Wortes Kriegsgefangenenpost. Zwei Buchstaben fehlen, ein Buchstabe ist zuviel.

Die Karte ist vom 9. Februar 1947. Es war demnach ein reger Schriftverkehr in die Heimat möglich.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Jürgen Witkowski Am: 18.05.2008 21:54:57 Gelesen: 165007# 20 @  
Noch im Jahr 1958, fast 13 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, gab es in Kriegsgefangenenangelegenheiten etwas zu tun.

Auch für die dabei erforderliche Post bestand Gebührenfreiheit.

Das Evangelisches Hilfswerk e.V. für Kriegsgefangenen-, Kriegsverurteilten- und Interniertenbetreuung arbeitete nach der Entlassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen im Jahr 1956 noch weiter in der Vermisstensuche. Es bestand eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutsche Roten Kreuz. Danach verlagerte sich die Tätigkeit auf die Betreuung Auslandsdeutscher in Osteuropa. Im Jahr 1997 löste sich der Verein auf.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Carolina Pegleg Am: 19.05.2008 00:44:13 Gelesen: 165001# 21 @  
@ chrisskywalker [#118]

Ich glaube der unter [#118] gezeigte Brief ist ein ganz "normaler" KuK Feldpostbrief. Die Tschechoslowakei gab es damals noch nicht. Tschechen kaempften -- halbherzig, wohl -- fuer die Kuk Monarchie. Die Karte scheint in Bosnien gestempelt zu sein.

Stempel mit "KuK Militaerpost" kenne ich nur aus Bosnien und Herzegowina, was damals unter Militaerverwaltung stand. "Zensuriert" ist oesterreichisch fuer zensiert, und zensiert wurde die KuK Feldpost flaechendeckend. Natuerlich bei den vielen Nationen im Habsburger Reich, ueberwiegend mit eigenen Unabhaengigkeitsbestrebungen, war dies mutmasslich auch angezeigt.

Ich habe nicht viele KuK Feldpostbrife, die sind aber auch alle in den verschiedensten Sprachen geschrieben.
 
Jürgen Witkowski Am: 05.06.2008 17:23:16 Gelesen: 164940# 22 @  
Ein Brief der "Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht".

Die Dienststelle wird auch mit der Abkürzung WASt für Wehrmachtsauskunftsstelle bezeichnet. Der WASt oblagen neben der Auskunfterteilung über fremdländische Kriegsgefangene die Erfassung der Verluste der deutschen Wehrmacht, deren Bearbeitung einschließlich personenstandsrechtlicher Regelungen und amtlicher Gräberdienst. Die Dienststelle wird wegen ihres Materials von Privatpersonen und Behörden in Anspruch genommen, wenn sie mit dem Dienst in der Wehrmacht oder dessen Auswirkungen zu tun haben.

Am Belegdatum 11. Februar 1957 kann man erkennen, dass es auch 12 Jahre nach Kriegsende genug zu tun gab. Unklar ist mir, was die Französische Militärregierung von Berlin, die mit einem eingedruckten Siegel auf dem Brief verewigt ist, mit der Behörde zu tun hatte.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Georgius Am: 08.06.2008 13:54:00 Gelesen: 164900# 23 @  
@ Concordia CA [#93]

Hallo Jürgen,

ich will versuchen Deine Frage zu beantworten. Die deutsche Behörde WASt befand sich im Berliner Bezirk Reinickendorf, der zum Französischen Sektor Berlins gehörte. Die vier Alliierten Mächte hatten gemäß den Beschlüssen von Jalta bzw. Teheran die ehemalige deutsche Wehrmacht aufzulösen und alles was mit dieser im Zusammenhang stand, zu kontrollieren. Es ist also logisch, daß die WASt, eine deutsche Dienststelle, von der Französischen Militärkommandantur kontrolliert, und dieses mit einem entsprechenden Dienstsiegel deutlich gemacht wurde.

Einen schönen Sonntag wünscht Dir
Dietrich
 
Richard Am: 20.06.2008 17:46:44 Gelesen: 164880# 24 @  
roteratte48 hat gestern im Briefmarken Cafe eine Karte aus Schweden vorgestellt und fragt: "Kann mir ein WK I / Skandinavien-Spezialist was dazu sagen ? Schwedisches Formular mit Antwortkarte, privater Zudruck der Deutschen Bank, Kriegsgefangenenpost, Geldtransfer, Zensur, viele Fragen."

Eine solche Karte habe ich bisher noch nicht gesehen. Wer kann helfen ?
 


duphil Am: 20.06.2008 18:09:29 Gelesen: 164874# 25 @  
@ Richard

Hallo Richard!

Kann jemand den Text, der hinter dem schwedischen Maschinenstempel auf der Karte steht, noch einmal hier veröffentlichen?

Auch der Text im Feld rechts oben ist trotz Vergrößerung nicht vollständig von mir lesbar.

Außerdem würde mich interessieren, ob die Rückseite auch bedruckt ist.

Als erste Info: Unter anderem über das Schwedische Rote Kreuz lief für Deutschland der Austausch von Kriegsgefangenenpost, Liebesgaben und Geldsendungen mit Rußland. (Siehe Rotes Kreuz Belege / Beitrag #18. Daher wohl auch die schwedische Ganzsache. Mehr vielleicht, wenn ich den für mich nicht lesbaren Text der Ganzsache und evtl. die Rückseite kenne.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
roteratte48 Am: 20.06.2008 18:46:05 Gelesen: 164866# 26 @  
Hallo Peter,

der Text rechts oben: Correspondences des prisonniers de guerre.

Du siehst die Rückseite der Karte - die (ehemals) anhängende Antwortkarte diente zur Bestätigung des Geldempfangs. Hübsch finde ich den eingerahmten roten Text, einen Kriegsgefangenen aufzufordern, eine "etwaige Adressänderung" sofort mitzuteilen.

Wissen würde ich gerne den ungefähren Text des Zensurstempels - ich kann einen besseren Abschlag zur Verfügung stellen. Auf insgesamt vier mir vorliegenden Karten der selben Korrespondenz gibt es zwei unterschiedliche Zensurstempel.

Gruss an alle,
Rolf
 
duphil Am: 20.06.2008 19:03:15 Gelesen: 164862# 27 @  
@ roteratte48

Hallo Rolf!

Den Text und die Abbildung der Zensurstempel kannst Du hier gerne reinsetzen. Wir haben zumindest ein Mitglied, welches russisch lesen und übersetzen kann.

Zum "hübschen eingerahmten roten Text":

Deutsche Kriegsgefangene in Rußland mussten im Regelfall schwerste körperliche Arbeit im ganzen Zarenreich leisten und wurden einfach nach Bedarf eingesetzt und verlegt, vorzugsweise nach Sibirien und an die Grenze zu China. Das heißt, möglichst weit weg von der Grenze zum Westen. Dadurch wussten die Angehörigen in Deutschland nicht immer über das Schicksal und den aktuellen Aufenthaltsort der Kriegsgefangenen Bescheid, also ob er nur verlegt wurde oder vielleicht doch schon verstorben war.

Weiterhin konnte ohne aktuelle Adresse weder Geld (siehe deinen Beleg); Bekleidung, Nahrungsmittel oder Liebesgaben, sprich Tabak, Zigarren u.ä. an den Kriegsgefangenen gesandt werden.

Mit freundlichen Gruß
Peter

PS. Ich glaube, ich habe mich etwas im Ton vergriffen und zu hart geantwortet. Das war und ist nicht persönlich gemeint. Da waren die tippenden Finger wegen der Formulierung "hübschen" schneller als die Vernunft und Ruhe. Noch einmal: Sorry!
 
Jürgen Witkowski Am: 20.06.2008 20:29:35 Gelesen: 164834# 28 @  
Kriegsgefangenensendung 1. Weltkrieg

Eine Postkarte an einen britischen Soldaten in ein Kriegsgefangenenlager in Darmstadt aus dem Jahr 1914. Die Karte kam aus dem schottischen Ort Knockando, der bei Kennern einen guten Ruf für den gleichnamigen Single Malt Whiskey geniesst.

Sie ist frankiert mit einer Marke zu 1 Penny, GB MiNr. 128. Der Poststempel Kockando R.S.O. Morayshire 5.30 PM 14 DE 14 04 weist eine Besonderheit auf. Er ist von einem R.S.O., das bedeutet Railway Sub Office. Die R.S.O.'s sind eine britsche Besonderheit. Es waren kleine Stadt- oder Landpostämter, die die ankommende Post hauptsächlich direkt an die Travelling Post Offices (Bahnpostämter) weiterleiteten und weniger an die Haupt- oder Bezirkspostämter.

Der englischsprachige Rundstempel links weist die Sendung eigentlich als gebührenbefreite Kriegsgefangenensendung aus: Post Free *Prisoner of War* P.C. Die Bedeutung der Abkürzung P.C. ist mir nicht ganz klar. Es könnte Prisoner Camp, zu deutsch Gefangenenlager, bedeuten.

Der Stempel "Kriegsgefangenensendung" auf der rechten Seite ist ja eindeutig.

Zum Kriegsgefangenenlager in Darmstadt wäre noch zu sagen, dass es schon unmittelbar nach Kriegsbeginn im August 1914 eröffnet wurde. Die ersten nach dorthin transportierten Kriegsgefangenen sollen 280 Franzosen gewesen sein. Das Lager war bis zu Kriegsende im November 1918 in Betrieb und hatte in Spitzenzeiten bis zu 15.000 Insassen.

Nach soviel geschichtlichem Hintergrund nun zu den philatelistischen Fragen. Wer hat eine Erklärung dafür, was die Abkürzung P.C. bedeutet? Warum wurde die eigentlich gebührenfrei Postkarte mit 1 Penny Auslandsporto frankiert?

Mit besten Sammlergrüßen
Concordia CA


 
roteratte48 Am: 21.06.2008 10:02:41 Gelesen: 164844# 29 @  
Hallo Peter,

es ist wie immer - beim Schreiben kommen Untertöne nicht mit rüber, ich hätte beim "hübschen Text" wohl Ironie-Tags setzen sollen. Gemeint war natürlich die fast schmerzhafte Ironie, einem unter Extrembedingungen lebenden Kriegsgefangenen aufzuoktruieren, eine Verlegung in ein anderes Lager (oder schlimmeres) "sofort unter Angabe der Referenznummer etc." zu melden. No hard feelings!

Dank Deines Querverweises auf das Rote Kreuz hab ich mich mit der Suche etwas leichter getan und bin vorerst auf zwei Quellen gestossen. Zum einen ein Buch der bekannten Elsa Brandström über die Bedingungen und Vorschriften in sowjetischen Lägern 1914 - 1920; zum andern eine im PDF-Format vorliegende Datei von Georg Wurzer, Ehingen - Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie an der Uni Tübingen im Jahre 2000. Titel: "Die Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Russland im ersten Weltkrieg". Dort heisst es u.a. auf Seite 154:

"Die Geldüberweisungen an die Gefangenen erfolgten über verschiedene Kanäle, beispielsweise über die Deutsche Bank und Schweden. Der offizielle Wechselkurs betrug 2,50 Kronen für einen Rubel. In dem Befehl für den Turkestanischen Militärbezirk vom 15. 5. 1915 wurden die Gebiets- und Kreiskassen angewiesen, die Krone zu 15 Kopeken, die Mark zu 30 Kopeken, die Goldkrone zu 39 und die Goldmark zu 46 Kopeken zu tauschen. Die Angaben zu dem tatsächlichen Tauschkursen, die die Gefangenen beim Wechseln ihrer Gelder bekamen, differieren stark, von 38 Rubeln für 100 Kronen in Frontnähe bis zu 25 Rubeln in Turkestan. Auch die Geldsendungen gaben Anlaß zu den verschiedensten Klagen. Sehr häufig heißt es, daß die Gefangenen die Benachrichtigung über das Eintreffen von Geldern erhalten hätten, ohne sie ausbezahlt zu bekommen, oder gar daß sie auf Druck des Lagerkommandanten Quittungen über den Erhalt von Geldern hätten unterzeichnen müssen, ohne sie ausbezahlt zu bekommen.

Kunewälder beispielsweise bemängelt hingegen nicht die Zuverlässigkeit, sondern die Langsamkeit der Geldsendungen nach Irkutsk-Gorodok: „Geldsendungen erreichten fast immer den Empfänger, doch dauerte es wochenlang, bis das Geld ausgezahlt wurde,selbst auch dann, wenn man den Scheck von der Schwedischen Bank in Stockholm bereits erhalten hatte. Unter anderem wurde den Gefangenen angeblich in den Lagern in Charkov, Krasnojarsk und Omsk ihr Geld vorenthalten. In einer Liste der Beschwerden der Kriegsgefangenen beim 5. Sibirischen Schützen-Reserve-Bataillon in Verchne-Udinsk, tauchen 29 Kriegsgefangene mit Klagen auf, alle ausschließlich über den Nichterhalt der ihnen angekündigten Geldsendungen. Öfters hatten sie die Nachricht über das Eintreffen der Gelder bei der örtlichen Post erhalten, in einigen Fällen war ihnen von zuhause geschrieben worden.

Interessant sind die Erläuterungen des Bataillonskommandeurs zu den Klagen. In 15 Fällen schrieb er, beim Bataillon sei keine Benachrichtigung eingetroffen. Die Dauer der Geldsendungen läßt sich teilweise genau ermitteln. Beispielsweise trafen die 2 R. 85 K., die Paul Fischer am 9. 12. 1914 von zu Hause gesandt worden waren, nach zweieinhalb Monaten, am 23. 2., beim Bataillon ein.Bei der Auszahlung der Geldbeträge kam es wohl in der Tat zu Unregelmäßigkeiten, denn die Hauptverwaltung des Generalstabs schrieb am 25. (12.) 6. 1915 an den Stabskommandeur des Irkutsker Militärbezirks, im Augenblick habe das Zentrale Auskunftsbüro für Kriegsgefangene beim Russischen Roten Kreuz Gründe anzunehmen, daß bei den lokalen Postbehörden bedeutende Mengen an Überweisungen aufbewahrt würden, die von dem genannten Büro gesandt worden wären, aber aus irgendwelchen Gründen die Adressaten nicht erreicht hätten. Um eine unnötige Verzögerung der Überweisungen zu verhindern, bitte das Büro die lokalen Militärbehörden den entsprechenden Posteinrichtungen mitzuteilen, daß die nicht abgeholten Überweisungen sofort an das Zentrale Auskunftsbüro für Kriegsgefangene zurückgesandt werden sollen. So werde eine unerwünschte Anhäufung von Überweisungen bei den Postbehörden vermieden."

Nachfolgend noch die Scans der beiden verwendeten Zensurstempel - für jede Hilfe dankbar! Sollte dieser Beitrag einige Member hier genervt haben - ich bitte um Nachsicht. Nicht ich hatte die Karte hier eingestellt - das Team war an mich herangetreten mit der Frage, ob man das Thema hier aufgreifen könne, dem habe ich natürlich zugestimmt.

Gruss an alle, Rolf


 

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