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Thema: Weissrussland: Absenderfreistempel
KaraBenNemsi Am: 04.09.2013 23:40:25 Gelesen: 6687# 1 @  
Hier nun für alle Freistempelfreunde in loser Folge ein paar Anmerkungen zu weißrussischen Freistempeln. Ich orientiere mich dabei am International Postage Meter Stamp Catalog/Belarus [1]

Über Ergänzungen, Hinweise, Fragen etc. würde ich mich freuen.

Um einfach mal irgendwo anzufangen, beginne ich mit der Nr. C7.

Die Absenderfreistempel der Nr. C7 haben rechteckige Wertstempel, mit angedeuteter Zähnung oben und links. Links senkrecht steht Беларусь [russ. für Belarus] rechts senkrecht steht "Почта" [russ. für Post]. Im Katalog ist ein Wertstempel mit 4 Ziffern abgebildet.

Ein dazu passendes Beispiel aus meiner Sammlung sieht so aus (etwas nachbearbeitet, um störende Schrift auszublenden):



Das folgende Bild zeigt nun allerdings eine im Katalog noch nicht erfasste Variante. Statt vier sind nämlich nun fünf Wertziffern im Wertstempel zu sehen.
Zudem fehlt im Tagesstempel die Ortsangabe. Es ist nur angegeben "Беларусь/ Пошта" [weißrussisch für Belarus/ Post]. Vermutlich wurde der Stempel erst in einer anderen Stadt verwendet. Für den Einsatz in Gomel wurde dann möglicherweise der alte Ortsname aptiert:



Soviel vielleicht als kleiner Einstieg in die Thematik.


[1]: http://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog/Belarus)
 
Wim Ehlers Am: 05.09.2013 00:26:55 Gelesen: 6678# 2 @  
@KaraBenNemsi [#1]

Statt vier sind nämlich nun fünf Wertziffern im Wertstempel zu sehen.

Eigentlich sammle ich nur Briefmarken aus Weißrussland und ignorierte bisher Freistempel. Mich interessieren dann häufig auch Hintergründe für den Anlass einer Briefmarken-Ausgabe (Jahrestag eines Ereignisses, Motivwahl usw.). Die Frage nach der Erhöhung von vier auf fünf Wertziffern hat mit dem Verfall des weißrussichen Rubels zu tun.



Bei der von mir gezeigten ersten Briefmarken aus Weißrussland waren noch Werte von 1 Rubel vielfach ausreichend für die Frankierung von Inlandsbriefen. Die Inflation führte dann dazu, dass beispielsweise in 2010 teilweise 1000- bis 5000-Rubel-Briefmarken verwendet werden mussten. Heute verwendet man - wie in anderen Ländern auch - statt Rubel-Werte nun Buchstaben.

Gerne lese ich nun dieses Thema weiter.

Beste Grüße
Wim

[1] http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=5817&CP=0&F=1
 
KaraBenNemsi Am: 05.09.2013 08:47:45 Gelesen: 6664# 3 @  
@ eurowelter [#2]

Ja, die geänderte Anzahl der Ziffern des Wertstempels ist ein Beleg für die Inflation. Wobei es da noch ganz andere Möglichkeiten der Anpassung der Wertstempel an die gestiegenen Tarife gibt. Wenn es sich anbietet, also zum Thema passt, werde ich sicherlich mal etwas davon zeigen.

Allgemein zu den Nominalen und Tarifen:

Da zum Ausgabezeitpunkt der von Dir gezeigten Briefmarke Nr. 1 (20.3.1992) ein einfacher Inlandsbrief in Belarus noch 15 Kopeken kostete, waren 1 Rubel-Marken weit mehr als ausreichend. ;-)

Richtig ist aber, dass gut drei Monate nach der Ausgabe der Nr. 1 der Tarif für einen einfachen Inlandsbrief auf einen Weißrussischen Rubel stieg und weitere viereinhalb Monate später schon auf 2 Weißrussische Rubel.

Die Buchstabennominalen gibt es bei weißrussischen Briefmarken nicht ausschließlich. Es gibt nach wie vor parallel Ziffernominalen, insbesondere bei den Dauerserien. Anders ist das bei den Ganzsachen. Dort gibt es seit vielen Jahren nur noch Buchstaben, was auch damit zu tun hat, dass in Belarus traditionell viele (Dauer-)Ganzsachen verwendet werden, gerade auch von Firmen oder Behörden. Wenn man die bei jeder Tarifänderung anpassen müsste, erfüllten sie ihren Zweck nur noch bedingt.

Grüße

KaraBenNemsi
 
T1000er Am: 05.09.2013 16:34:25 Gelesen: 6600# 4 @  
@ KaraBenNemsi [#1]

Den zweiten Freistempel würde ich als weitere Variante zu C2 Perm im Weltkatalog einstufen. Hier wurde nur der Inhalt des Wertrahmen geändert. Wegfall der beiden Posthörner rechts und links im Wertrahmen.

Ich möchte hier aber Rick Stambough nicht vorgreifen wollen.

Gruß,
T1000er
 
KaraBenNemsi Am: 06.09.2013 23:58:34 Gelesen: 6524# 5 @  
@ T1000er [#4]

Ich halte den 2. Freistempel in meinem Beitrag [#1] für eine Variante von C7. Allerdings sind - soweit ich das gesehen habe, die Kriterien der Katalogisierung nicht offengelegt [1]. Man kann also nur raten.

Ich zeige hier mal eine weitere nicht erfasste Variante, die schon eher zu C2 passen würde. Der Wertstempel kommt ohne Posthorn aus, aber die Schreibweise entspricht der von C2.



Wesentliche Unterschiede zwischen den Wertstempeln von C2 und C7 sind (abgesehen vom Posthorn) offenbar diese:

1. Schreibweise des Landesnamens abweichend. Bei C2 heißt es "BELARUSI (im Genitiv). Bei C7 steht aber "BELARUS`" im 1. Fall (letzer Buchstabe ist ein Weichheitszeichen "ь" und kein I).

2. Wertstempel bei C7 in russischer Sprache, bei C2 in Weißrussisch! Erkennbar ist das am Wort "Post": russisch ПОЧТА, aber weißrussisch ПОШТА

Hier mal nur die Wertstempel der von mir gezeigten Varianten, die im Katalog noch nicht erfasst sind im direkten Vergleich:



links: nicht erfasste Variante ähnlich C2
rechts: nicht erfasste Variante ähnlich C7

So richtig häufig sind die übrigens alle nicht. Weder die im Katalog erfassten C2 und C7 noch die hier gezeigten nicht erfassten Varianten.

Grüße

KaraBenNemsi

[1]: Katalognummern beziehen sich auf den International Postage Meter Stamp Catalogue, Teil Belarus: http://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog
 
T1000er Am: 07.09.2013 08:43:36 Gelesen: 6513# 6 @  
@ KaraBenNemsi [#5]

Leider ist der C7 Freistempel im Katalog von schlechter Qualität.

Das wichtigste Entscheidungskriterium ist und bleibt der Wertrahmen. Da der von Dir gezeigte Absenderfreistempel mehr "Zähne" hat als die im Katalog zu sehenden AFS, ist es auch möglich das hier vielleicht eine neue Ordnungsnummer, C9, aufgenommen wird. Das wird sich nach Vorlage bei Rick Staumbaugh aber zeigen. Ich bin auch mal gespannt wie dieser AFS eingeordnet wird. Wir bleiben am Ball!

Gruß,
T1000er
 
KaraBenNemsi Am: 01.10.2013 14:03:38 Gelesen: 6425# 7 @  
@ T1000er [#6]

Was zählt alles zum Wertrahmen? Zum Beispiel auch die Schrift?

Grüße

KaraBenNemsi
 
T1000er Am: 02.10.2013 00:10:34 Gelesen: 6404# 8 @  
@ KaraBenNemsi [#7]

Ja, auch das Schriftbild gehört mit dazu!

Gruß,
T1000er
 
KaraBenNemsi Am: 11.11.2013 16:10:44 Gelesen: 6247# 9 @  
Hier aus der Reihe der vielen provisorischen Absenderfreistempel der 90er Jahre ein besonders schönes Stück:



- Als Wertstempel fungiert ein aptierter sowjetischer Tagesstempelkopf! Anstelle der Landesbezeichnung UdSSR (CCCP) findet sich in kleinerer Schriftgröße BELARUS (БЕЛАРУСЬ), rechts der Ortsname BORISOW (nordöstlich von Minsk gelegen). Dort wo sonst das Datum steht, sind senkrecht drei Wertziffern 009 zu sehen.

- Der Tagesstempelkopf ganz links ist bis auf das Datum vollaptiert (der Umschlag datiert vom 29. März 1993).

- Als Absender steht im Absenderfeld des Freistempels die „Makkaronifabrik Borisow“. Empfänger war ein Geschäft für Waren des täglichen Bedarfs „Bakaleja“ in Sluzk (südlich von Minsk gelegen). Der rückseitige Eingangsstempel (noch original nach sowjetischem Muster) datiert vom 31. März 1993.

- Der Brief lief als Einschreiben und hätte als Firmenbrief eigentlich 8 Rubel gekostet. Er ist also mit der Wertangabe "009" um einen Rubel überfrankiert. Bei Sendungen aus dieser Zeit sieht man nicht selten solche Abweichungen von den Vorgaben oder unerklärliche Portostufen. Bei den Umwälzungen der damaligen Zeit verwundert das nicht.

- Der Wertstempel des sowjetischen Ganzsachenumschlages hatte zu diesem Zeitpunkt schon keine Frankaturkraft mehr. Es handelt sich im Hinblick auf die Ganzsache also um eine Formularverwendung des Umschlags.

Hier noch ein bearbeitetes Bild, auf dem ich den Stempelabdruck freigestellt habe.


 
KaraBenNemsi Am: 02.12.2013 22:06:19 Gelesen: 6082# 10 @  
@ KaraBenNemsi [#9]

Eigentlich hatte ich mir ja erhofft, auf den Beleg im letzten Beitrag die eine oder andere Reaktion zu bekommen. Einen Tagesstempelkopf als Wertstempel sieht man doch nicht alle Tage, oder?

Nun gut, versuchen wir es mit dem hier: Das ist in meinen Augen der ideale Freistempelbeleg aus dem Sammmelgebiet Weißrußland/Belarus. Ein sehr klarer, schöner Abschlag des Absenderfreistempels der Erdölraffinerie in Mozyr auf einem passenden illustrierten Umschlag der Raffinerie (Umschläge dieser Art sieht man nur selten). Rückseitig ist, um das Glück des Philatelisten noch zu steigern, ein Ankunftsstempel aus Minsk abgeschlagen. Das ist bis heute in Belarus bei allen Sendungen so üblich. Gerichtet ist der Umschlag an eine im Erdölsektor tätige Versicherung.

Einen idealeren Beleg kann ich mir kaum vorstellen.


 
KaraBenNemsi Am: 14.05.2014 21:17:36 Gelesen: 5656# 11 @  
Schraubenkopfabdruck (SKA) auf großem (oder kleinem) Brustschild

ist ein Thema, das andernorts offenbar viele Freunde der Brustschildausgabe des Deutschen Reichs begeistert. Mir fällt dabei allerdings immer wieder auf, dass die SKA oft nur mit viel Phantasie oder gar nicht an Schraubenköpfe erinnern. Wer schon einmal eine Schraube gesehen hat, wird das sicherlich bestätigen. ;-) Da kann man als Sammler weißrussischer (und anderer) Absenderfreistempel mit ein wenig Glück doch eindrucksvollere Schraubenköpfe vorweisen.

Der folgende Absenderfreistempel vom 23. Oktober 1998 aus Grodno (Belarus) - übrigens mit neuer Wertstempelinschrift "Belarus", aber noch unverändert weiterverwendetem sowjetischem Tagesstempelkopf - zeigt so einen [*] prächtigen Schraubenkopf im unteren Bildteil:



Und wenn wir schon einmal dabei sind, dann folgt hier gleich noch ein [*] dopppelter Schraubenkopfabdruck (1 x vom Absenderfreistempel in Rot und 1 x vom Eingangs-Maschinenstempel des Hauptpostamtes Grodno in Schwarz, der versehentlich auf der Vorderseite angebracht wurde):



Wobei man den doppelten SKA nicht mit dem Schraubenkopfdoppelabdruck [*] verwechseln sollte, der auf dem folgenden Bild zu sehen ist. :-)



Nun ja, so weit muss man es natürlich nicht treiben. Vielleicht konnte ich aber zeigen, dass es schöne Schraubenkopfabdrucke nicht nur auf Brustschildmarken gibt.

[*]: Wenn man genau hinschaut, sieht man jeweils weitere SKA - ich beschränke mich hier aber jeweils auf die Zählung der deutlichsten Exemplare.
 
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