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Thema: Schweiz Dauerserie Sitzende Helvetia
Das Thema hat 499 Beiträge:
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SH-Sammler Am: 08.08.2018 06:05:01 Gelesen: 2184# 475 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#474]

Hallo Kevin,

schön, dass Du wieder dabei bist, nach all den Jahren. Ich verstehe. dass Deine Ausbildung wichtiger ist als ein (noch so schönes) Hobby.

Der Transitstempel ist von GENEVE (Genf), von wo aus der Brief nach Frankreich überging.

Gruss

SH-Sammler
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 08.08.2018 19:58:05 Gelesen: 2003# 476 @  
Hallo Hanspeter,

vielen Dank für die Entzifferung des Transitstempels!

Liebe Grüße

Kevin
 
Heinz 7 Am: 08.08.2018 21:09:17 Gelesen: 1973# 477 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#473]

Hallo Kevin,

auch ich begrüsse Dich herzlich zurück in "unserem" schönen Phila-Forum. Du hast in kurzer Zeit mehr als 750 Beiträge geschrieben, dann hörten wir 33 Monate nichts mehr von Dir... (eine Ausnahme). Nun hoffen wir wieder auf Deine Beiträge.

Die Altschweiz-Themen wurden unterschiedlich intensiv "beackert". Wir haben nun zu fast jeder der Schweiz-Ausgaben der ersten Jahrzehnte ein eigenes Thema. Offensichtlich ist die "Sitzende Helvetia" die Ausgabe mit den meisten Beiträgen; wir nähern uns der 500-er-Marke!

Du zeigst uns hohe Frankaturen (80 bzw. 40 Rappen), ich zeige eine tiefe: nur 5 Rappen wurden verlangt für diesen Brief im Nahverkehr



Der Brief wurde geschrieben am 15.2.1867 und abgeschickt in Affoltern am Albis. Der blaue Stempel ist schön abgeschlagen (Gruppe 104 I). Die Anschrift ist nicht einfach zu lesen, es heisst: Gemeinderath Kappel. Rückseitig bestätigt ein Ankunftsstempel "Kappel am Albis 16 FEB 67" das Gesagte.

Die Ortschaften liegen nur ca. 9 oder 10 Kilometer auseinander, darum war nur ein Porto für Briefe im Nahverkehr geschuldet. Das waren damals 5 Rappen.

Heinz
 
briefmarkenwirbler24 Am: 10.08.2018 11:44:55 Gelesen: 1671# 478 @  
Hallo Heinz,

du hast Recht, am Anfang war ich Feuer und Flamme und konnte gar nicht schnell genug neue Beiträge verfassen, darunter litt jedoch oftmals die Qualität meiner Aussagen, weil sich ziemlich viele Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen haben. :D

Dennoch habe ich immer wieder zwischendurch die Beiträge im Forum verfolgt, sodass ich recht gut weiß was wann vorgestellt und welche Serien bearbeitet wurden.

Zu deinem Beleg: Die Optik des Briefes gefällt mir sehr gut, weil der blaue Stempel sehr schön raussticht!

Dann stelle ich ebenfalls dieses Mal eine niedrige Frankatur vor, die jedoch eine Besonderheit aufweist.

Aufgegeben wurde der Brief am 08.06.1875 in Couvet und adressiert nach "Höfen près Thoune". Meine Recherchen ergaben, dass Höfen bis 2013 eine kleine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Thun des Kantons Bern gewesen ist, bis es mit zwei Gemeinden darauffolgend fusionierte und nun Stocken-Höfen heißt. Anfang 2005 hatte die Gemeinde bloß 399 Einwohner und durfte damals nicht wesentlich größer gewesen sein. ;D

Der Brief passierte dann ebenfalls am 08.06. Neuchâtel und am darauffolgenden Tag Bern und Thun, sodass er am 09.06. dem Empfänger zugestellt werden konnte.

Betrachtet man allein die Briefvorderseite scheint es ein ganz normaler Brief bis 15 g im Fernverkehr zu sein, der somit folgerichtig mit 10 Rappen zu frankieren war.

Nun zu der Siegelseite, erkennen lässt sich ein Werbeaufdruck der Firma Auguste Bader in Couvet "Fabrique de Jura-Bitter, Absinthe et liqueurs surfines".
Leider ergaben meine Recherchen im Internet nicht sehr viel, lediglich in einer Zeitschrift wurde eine solche Firma für die Herstellung von Absinth aufgelistet.
Betrachtet man den Werbeaufdruck jedoch isoliert, lässt sich sagen, dass eben solche Werbecouverts im Zeitraum 1850 bis 1875 nicht häufig, wenn nicht sogar selten vorzufinden sind.

Im Zuge der Industriealisierung gewannen solche Werbeaufdrucke natürlich immer mehr an Bedeutung und dass sich diese Art der Werbung bis heute durchgesetzt hat, sieht man an den später immer häufiger werdenden Werbecouverts in sämtlichen Bereichen und Branchen.

Wie auch an anderer Stelle in diesem Thread erwähnt, sollte man niemals einen Brief nur aufgrund seiner Vorderseite direkt abstempeln, sondern immer die Siegelseite mit betrachten, da die schönsten Geschichten nicht an der Vorderseite, sondern anhand der Siegelseite aufgedeckt werden können (vgl. Irrläufer, seltenere Laufwege, etc. pp).

Liebe Grüße

Kevin


 
bayern klassisch Am: 10.08.2018 12:16:41 Gelesen: 1660# 479 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#478]

Hallo Kevin,

indem du der Siegelseite eines Poststücks gesteigerte Aufmerksamkeit zukommen lässt, bist du jetzt schon weiter, als 98% aller Sammler. Chapeau!

Diese Drucke auf der Rückseite erfüllten mehrere Anforderungen, die für die damaligen Korrespondenten sinnvoll waren:

1. Wußte man oft nicht, ob die Firma bzw. der Kunde noch existierte. Im Falle der Nichtexistenz war es ein Leichtes für die Post, anhand der aufgedruckten Absenderadresse das Poststück korrekt und zügig zu remittieren, was natürlich im Interesse seines Absenders lag.

2. Wußte der Empfänger sofort, wer ihm etwas geschickt hatte - und konnte das Poststück dann annehmen, oder die Annahme verweigern, je nachdem. Das Geschäftsleben damals war auch geprägt von krummen Hunden, geplatzten Wechseln, Hochstamplern, Kriminellen und Betrügern - da war es schon sinnvoll, dass Briefe nicht ungeöffnet abgelehnt wurden, sondern man sie las bzw. die Angebote durchforstete.

3. Darf man, allen Geschäftssinns zuwider, nicht vergessen, in welcher Zeit wir uns in den 1850er bis 1870er Jahren befanden - da war auch noch Stil angesagt und Niveau; von daher wollte man zeigen, wie toll man als Firma war und wie geschmackvoll man seine Korrespondenz gestalten wollte und konnte.

4. Zeigte man mit derlei exquisiten Stücken an, dass es einem gut ging und man sich das leisten konnte - womit zu unterstellen war, dass die Waren sehr gut waren und das Unternehmen solide finanziert war.

Ich darf hierzu - völlig off topic - mal etwas aus meinen Sammlungen zeigen, das in diesen Kontext passt (die Variante aus Cincinatti ist übringens bilingual und datiert vom 1.7.1875, dem Gründungstag des UPU!).





4. Begann die Werbung in eigener Sache aus den in dieser Beziehung weit fortschrittlicheren USA zum alten Kontinent herüber zu schwappen und man beließ diese "Werbung" dann oft nicht mehr nur auf der Siegelseite, sondern übertrug sie nach vorne oder am besten gleich auf beiden Seiten.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 10.08.2018 14:38:15 Gelesen: 1628# 480 @  
Hallo Ralph,

erst mal Gratulation zu den tollen Briefen, besonders der USA Brief nach Würzburg ist einfach der Hammer, einen schöneren wird man wohl kaum noch finden!
Wenn ich das richtig verstanden habe, war die USA also die erste Nation, die begonnen hat diese Art von Werbung zu betreiben und wenn ja dann sicherlich sehr erfolgreich, da die Europäer diese Variante relativ schnell adaptierten :D.

Wir haben uns ja an anderer Stelle schon mal über die Schönheit der klassischen Marken und Briefe unterhalten, an diesen Couverts kann man noch mal sehr schön sehen wie detailverliebt und liebevoll die Briefe gestaltet wurden und es bedurfte nicht viel (aus damaliger Sicht vielleicht schon) um solch schöne Stücke zu "kreieren". Wenn man sich dagegen unsere heutige Post und deren modernisierte Methoden anschaut.

Das non plus ultra der klassischen Philatelie sind jedoch meines Erachtens die Zierbriefe.

Untenstehend der, wie ich finde, schönste von allen (zumindest der der Schweiz), in der Sammlung von Silvain Wyler. Rein von der Verwendungsform her nur ein paar Euros wert, aber so muss man schon sehr tief in den Geldbeutel greifen. :D

Liebe Grüße

Kevin


 
bayern klassisch Am: 10.08.2018 15:49:36 Gelesen: 1616# 481 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#480]

Hallo Kevin,

da stimme ich die 100% zu - solche Stücke sind Augenweiden, für die reguläre Katalogpreise obsolet sind.

Es gibt (mindestens) eine Sammlung der Klassik mit nur Zierbriefen - davor stehend konnte ich träumen - und nicht nur ich träumte da. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 12.08.2018 18:46:17 Gelesen: 1308# 482 @  
Guten Abend,

heute mal ein Brief der Sitzenden Lady nach Italien.

Geschrieben und aufgegeben wurde der Brief am 13.05.1867 in Zürich und ist 2 Tage später bereits in Mailand angekommen.

Es handelt sich hierbei laut Postvertrag vom 01.07.1862 bis zum 30.06.1875 um einen Brief der 2.Gewichtsstufe, der richtigerweise mit 60 Rappen zu frankieren war. Die 60 Rappen Marke der Sitzenden Helvetia ist auf Brief nicht ganz so häufig zu finden.

Liebe Grüße

Kevin




 
Heinz 7 Am: 12.08.2018 19:36:21 Gelesen: 1300# 483 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#480]

Dieser Zierbrief würde perfekt in meine Sammlung passen! (Gemeinde Stallikon Bezirk Affoltern). Aber der Preis dafür lag bisher immer im vierstelligen Bereich! Er zierte einst die Titelseite einer Rölli-Spezialauktion, und wenn Multi-Millionär Silvain Wyler ein Los wollte, dann kaufte er es auch! Ich habe den Preis vergessen.

Als die Sammlung Wyler verkauft wurde, rückte das Los wieder in meine Aufmerksamkeit. Aber ich war realistisch genug, zu ahnen, dass der Preis wieder hoch sein wird. Und so war es auch.

Ich habe das Briefchen immer noch nicht, wurde schon dreimal überboten, und das wird vermutlich auch so bleiben. Naja.

Ich habe trotzdem meine Freude daran!

Zierbriefe sind sehr populär in den USA, und es gibt einige davon. In der Schweiz gibt es nur sehr wenige.

Heinz
 
briefmarkenwirbler24 Am: 12.08.2018 19:50:59 Gelesen: 1295# 484 @  
Hallo Heinz,

ich glaube der Brief wäre das Sahnehäubchen in deiner Sammlung! :D

Das Problem an der Sache liegt wahrscheinlich daran, dass dieser Brief ein absolutes Liebhaberstück ist. Und wenn, wie du bereits gesagt hast, ein vermögender Sammler an solch einem Stück dran ist, hat ein "normaler" Sammler keine Chance, da es für ihn keine Rolle spielt, ob er nun 3000€ oder 5000€ bietet (die Preise sind jetzt mal x-beliebig, aber sicherlich wird der Brief so um den Dreh verkauft worden sein).

Dennoch erfreut es wahrscheinlich jeden Sammler solche Stücke betrachten zu dürfen, unabhängig davon, ob im eigenen Besitz oder nicht.

Liebe Grüße

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 13.08.2018 20:13:47 Gelesen: 1107# 485 @  
Guten Abend,

heute mal eine nicht so alltägliche Frankatur:

Es handelt sich hierbei um einen Brief der 2. Gewichtsstufe im Fernverkehr, der laut Tarif vom 01.07.1862 bis 01.09.1871, portogerecht mit 20 Rappen freigemacht wurde.

Aufgabeort war Neumünster in Zürich (21.07.1868) und adressiert wurde der Beleg nach Basel, wo er einen Tag später ankam.

Viererblocks auf Brief werden nicht häufig angeboten und sind, wie ich finde, auf Brief relativ attraktiv, da kann man auch mal über den durch das Siegel hervorgerufenen Fettfleck hinwegsehen.

Liebe Grüße

Kevin


 
bayern klassisch Am: 13.08.2018 20:31:17 Gelesen: 1101# 486 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#485]

Hallo Kevin,

ein beeindruckender Brief, ohne Frage.

Zum Fettfleck (passierte ja oft wegen durchdrückenden Siegels, hier aber wohl eher nicht): Es gibt akademische Papierrestauratoren, die entziehen dem Papier die Schadsubstanz. Kostet zwar nicht nur 2,50, wäre es aber hier sicher wert.

Vielleicht einen Brief weniger kaufen und dafür den hier perfektionieren lassen?

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 13.08.2018 20:45:46 Gelesen: 1094# 487 @  
@ bayern klassisch [#486]

Hallo Ralph,

klingt interessant, hast du denn die Adresse eines guten Papierrestauratoren?

Aber ich finde auch, dass wenn man diesen Brief etwas in Schuss bringt, er ziemlich ansehnlich ist. :)

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 13.08.2018 20:49:30 Gelesen: 1092# 488 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#487]

Hallo Kevin,

frag mal den Oliver - der hat eine Firma in Köln, die können das sehr gut.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 17.08.2018 11:19:35 Gelesen: 632# 489 @  
Guten Morgen alle zusammen,

heute möchte ich euch ein sehr schönes "Double" vorstellen, welches ich kürzlich ersteigern konnte und welches sich nicht nur optisch prima ergänzt, wie ihr sehen werdet. :D

Zu Beginn kann man festhalten, dass beide Briefe anscheinend aus einer kleinen Korrespondenz stammen und somit zeitlich unmittelbar nacheinander einzuordnen sind.

Die Adresse der Empfängerin:

Fräulein Ege Heußer
im Doktorhaus
Hirzel
Kt. Zürich

Der erste Brief wurde am 07.09.1864 in Seewen, einer kleinen Ortschaft im Kanton Schwyz, aufgegeben und nach Zürich adressiert. Entwertet wurden die Marken mit einem sog. Stabstempel, welche im Zeitraum von ca. 1860-1900 bei kleinen schweizer Poststellen im Gebrauch waren.

Als Hintergrundinformation zu diesem Stempeltyp:

Sämtliche "nicht rechnungspflichtige Postablagen" wurden mit einem solchen Stabstempel ausgestattet. Es war sowohl erlaubt, dass der Postbeamte den Stabstempel als Entwerter einsetzte (wie in diesem Fall), als auch neben dran platzierte. Wenn er jedoch den Stabstempel auf die Marken setzte, musste er vorschriftsgemäß auch nebendran stempeln, da die Stempel oftmals nicht gut lesbar gewesen sind. In der nächsten "rechnungspflichtigen Postablage" (übergeordneten Poststelle) wurde dann die Frankatur überprüft und der Leitstempel abgeschlagen, wie es auch bei unserem ersten Brief der Fall war.

Zurück zum Brief, dieser wird wahrscheinlich noch am gleichen Tag in Zürich angekommen sein, leider lässt sich auf der Siegelseite bloß noch ein Transitstempel vom kleinen schweizerischen Ort "Zug" erkennen.

Der zweite Brief trat am 13.09.1864 seine Reise an.

Es lässt sich auf einen Blick erkennen, dass dieses Mal kein Leitstempel zusätzlich auf der Briefvorderseite abgeschlagen wurde. Ob es hierfür eine feste Vorschrift gab, einen solchen abzuschlagen, kann ich leider nicht mit Sicherheit sagen, jedoch musste definitiv die Frankatur von der übergeordneten Poststelle überprüft werden.

Zum Laufweg des Briefes ist zu sagen, dass dieser zuerst Brunnen passierte, dann per Bahnpost „Bern-Zürich“ weitergeleitet wurde, ehe er über Horgen dann vermutlich am gleichen Tag in Zürich ankam.

Zur Frankatur lässt sich anführen, dass beide Briefe laut Tarif vom 01.07.1862 bis zum 01.09.1871 portogerecht mit 10 Rappen für einen einfachen Brief im Fernverkehr frankiert gewesen sind. Schön fürs Auge, dass der Absender einmal eine 10 Rappen Marke und einmal zwei 5 Rappen Marken verklebte.

Auf jeden Fall wird dieses "Double" einen schönen Platz in meiner Sammlung bekommen, nicht umsonst sind Stabstempel unter Schweizsammlern sehr beliebt!

Vielleicht kann jemand etwas ausführlicher darauf eingehen, ob es ein Muss gewesen ist den Leitstempel abzuschlagen (wahrscheinlich eher nicht), aber evt. hat jemand die entsprechende Verordnung parat. :D

Liebe Grüße

Kevin




 
SH-Sammler Am: 18.08.2018 13:42:11 Gelesen: 507# 490 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#489]

Hallo Kevin,

Du hast hier zwei schöne Briefe, die Du in Deine Sammlung integrieren willst. Bevor Du die Briefe jedoch ablegen kannst, solltest Du noch ein paar Korrekturen zu den Laufwegen ausführen.

Beide Briefe sind, so wie Du korrekt aufschreibst, in die Ortschaft Hirzel (im Kanton Zürich) adressiert, nicht nach Zürich (= Stadt Zürich). Hirzel liegt etwa 22 km südlich von Zürich, relativ nahe beim Kanton Zug. Das Studium der Landkarte hilft allenfalls mit, gewisse Fehler in einer Briefbeschreibung zu vermeiden.

Nun zum Laufweg des ersten Briefes vom 07.09.1864:

Von Seewen hinauf nach Schwyz in das übergeordnete Postamt. Dort Kontrolle der Brieftaxe und weiter mit der Überlandpost nach Zug, dem Hauptort des Kantons Zug, eintreffend um 5 Uhr nachmittags. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ging es erst am Folgetag weiter nach Sihlbrugg, dann entlang des alten Säumerpfades den Berg hinauf nach Hirzel. Der erste Brief hat Zürich definitiv nicht gesehen.

Zu Deiner Information: Eine Eisenbahnverbindung von Seewen nach Zug gab es zu jener Zeit noch nicht.

Nun zum Laufweg des zweiten Briefes vom 13.09.1864:

Von Seewen ging es diesmal nach Brunnen, knapp 5 km entfernt. Brunnen war, wie Schwyz auch, ein rechnungspflichtiges Postamt. Ein Leitstempel von Brunnen hätte im Prinzip vorne drauf gehört. Nun wird die Erklärung des Laufweges aber schwierig, ja fast unmöglich. Brunnen liegt ja auf der „falschen“ Seite. Eine weiterführende Eisenbahn gab es auch noch nicht. Von Brunnen käme höchstens der Seeweg nach Luzern in Frage. Dazu fehlt jedoch ein Schiffstempel resp. ein Stempel von Luzern. In dieser Gegend gab es auch keine Eisenbahnlinie BERN – Zürich.

Meine Annahme geht nun dahin, dass der Brief zurücklief über Arth-Goldau nach Rotkreuz. Dort wurde der Brief dem Postwagen der neu erstellten Eisenbahnlinie „Luzern – Knonau – Affoltern a/Albis – Zürich übergeben. Der Bahnstempel BERN – Zürich könnte nur auf einer ganz kurzen Teilstrecke von Altstetten (ZH) bis Zürich drauf gekommen sein. Ab Zürich dann wurde der Brief mit der Schiffspost (in Betrieb bis ca. 1890) auf dem Zürichsee nach Horgen transportiert. Ab Horgen musste der Brief dann wieder den Berg hinauf in Richtung Zug bis nach Hirzel, diesmal jedoch von der Zürcher Seite her. Der Brief hat also eine grosse Reise hinter sich, die Du nur nachvollziehen kannst, wenn Du die Strecke auf einer Karte „nachfährst“.

Soviel von meiner Seite. Aber bitte mache weiter und bereichere diesen Thread mit dem Zeigen von Briefen.

SH-Sammler

Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 18.08.2018 14:06:44 Gelesen: 503# 491 @  
@ SH-Sammler [#490]

Hallo Hanspeter,

vielen Dank für deine Korrekturen!

Irgendwie habe ich den Namen der Ortschaft "Hirzel" im Eifer überlesen, was natürlich auch einen Unterschied macht, ob die Briefe nun in ein 22 km weiter entfernten Ort oder eben in die Stadt Zürich selbst gesendet wurden.

Bezüglich der Laufwegbeschreibungen:

Ich hatte die Briefe ja bereits im Parallelforum vorgestellt und auch schon dort mir selbst bzw. den anderen die Frage gestellt, wieso der Brief in Richtung Brunnen gelaufen ist, eben weil dies in der entgegengesetzen Richtung gelegen war. Ralph hatte mir die Pläne der Eisenbahnnetze als Link geschickt, aber ich konnte dort keine passende Strecke finden, umso mehr dankbar bin ich dir, dass du mir nun Aufschluss darüber gibst.

So wie du den Laufweg beschreibst, klingt das ja nach einem enormen Umweg, umso schöner, dass der eine Brief den einfachen und direkten Weg zeigt und der andere Brief den großen Umweg. Auf jeden Fall ein hochinteressanter Laufweg, kann man evt. eine Ursache für die Sendung des zweiten Briefes festmachen? Ich nehme mal stark an, dass der zuständige Postbeamte gewusst haben muss, dass dies einen Umweg darstellt, also war wohl irgendein anderer Grund dafür verantwortlich?!

Auf jeden Fall sehr interessant, welche Geschichte hinter solchen Briefen stecken kann.

Liebe Grüße

Kevin
 
SH-Sammler Am: 18.08.2018 15:17:37 Gelesen: 487# 492 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#491]

Hallo Kevin,

die Strecke des 2. Briefes via Rotkreuz ist ca. 90 km, von der Distanz her also möglich in einem Tag. Jene via Zug - Sihlbrugg etwa 35 km. Via Rotkreuz ist schon ein Umweg, aber wer weiss, welche Verbindung zur aktuellen Tageszeit die schnellere war?

Vielleicht wollte man einfach mal ausprobieren, wie der Transport mit der neu erstellte Bahnlinie via Knonau und Zürich funktionierte? Die genauen Abgangszeiten kenne ich nicht, dafür kenne ich die geographischen Gegebenheiten, weil ich in dieser Gegend gute 35 Jahre gelebt habe.

Eine andere Frage stellt sich mir, warum in Deinem Parallelforum niemand versuchte eine Antwort auf Deine Fragen zu geben? Warum auch immer: Hier bei Philaseiten.de "werden Sie geholfen".

In diesem Sinne

Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 18.08.2018 15:26:55 Gelesen: 485# 493 @  
@ SH-Sammler [#492]

Hallo Hanspeter,

natürlich sehr vorteilhaft, wenn man die Gegend wie seine eigene Westentasche kennt :D, kommt einem als Postgeschichtler natürlich sehr entgegen!

Wie dem auch sei, das genaue Wie und Warum lässt sich nach gut 150 Jahren natürlich nicht mehr feststellen, aber ich denke mit den Hypothesen kann man auch sehr gut arbeiten. ;)

Bezüglich deiner Anmerkung zum Parallelforum, ich glaube die Mehrheit der Mitglieder sind Altdeutschland-Sammler und die Schweiz-Sammler haben entweder den Beitrag übersehen oder sind nicht so aktiv, umso besser in zwei Foren aktiv zu sein, denn die Chance erhöht zumindest prozentual gesehen eine Antwort zu bekommen. :D

LG

Kevin
 
Apn Am: 19.08.2018 07:45:21 Gelesen: 381# 494 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#489]
@SH-Sammler [#490]

Zum zweiten Beleg: Der Bahnpoststempel ist ja nur als Fragment erhalten. Ich schlage vor, ihn statt als "BERN - ZÜRICH" als "LUZERN - ZÜRICH" zu lesen. Die Bahnlinie Luzern - Zürich wurde am 1. Juni 1864 eröffnet, also war im September 1864 eine Beförderung über diese Linie möglich.

Der Leitweg wäre dann Seewen -> Brunnen -> Schiff -> Luzern -> Bahn -> Horgen -> Hirzel.
 
SH-Sammler Am: 19.08.2018 08:19:07 Gelesen: 370# 495 @  
@ Apn [#494]
@ briefmarkenwirbler24 [#493]

Hallo Apn,

schön, dass sich ein weiterer CH-Sammler hier äussert. Danke auch für den Hinweis zum Stempel. Da war ich auf einem Auge wohl (wieder mal) blind.

Wenn die Inschrift eines Stempels nicht symmetrisch ist, so sehe ich das in der Regel. Und der Stempel BERN-Zürich wäre tatsächlich nicht symmetrisch. So habe ich das Stempelwerk "ausgegraben" und in der Gruppe 83D doch tatsächlich eine Abbildung des Bahnstempels LUZERN-ZÜRICH mit der Zugnummer Z 44 gefunden.

Kevin wird sich freuen, wenn er den Brief nun in seiner Sammlung ablegen kann.

Ich wünsche allerseits einen schönen Sonntag

SH-Sammler
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 19.08.2018 21:31:36 Gelesen: 285# 496 @  
@ Apn [#494]

Vielen Dank für die Korrektur, wie Hanspeter schon sagte, dann sollte der Laufweg des Briefes nun endgültig geklärt sein, sodass ich ihn in der Sammlung ablegen kann.

LG

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 19.08.2018 21:45:17 Gelesen: 280# 497 @  
Guten Abend zusammen,

zur späten Stunde möchte ich euch noch gerne eine hübsche Buntfrankatur nach Kiel (bis dato noch zum NDP gehörig) vorstellen.

Aufgegeben wurde der Brief am 30.07.1871 um 4 Uhr vom Absender "Hôtel des Alpes" in Interlaken und adressiert an "Frau Dr. Valentiner, geb. von Wardenburg" nach Kiel.

Der Brief trägt leider nur noch den Transitstempel von Bern, dürfte aber einen Tag später in Kiel angekommen sein.

Nun zur Frankatur:

Der Norddeutsche Bund bestand bekanntlich vom 01.01.1868 bis zum 31.12.1871, in den ersten 8 Monaten (also bis zum 31.08.1868) wurden die Frankaturen der Briefe noch nach Taxrayons berechnet (20, 30, 40 oder 50 Rappen bzw. 6, 9, 12 oder 15 Kreuzer waren möglich, in wenigen Fällen auch 4 oder 5 Silbergroschen). Die Briefe, die in diese Zeit fallen, werden natürlich von Sammlern sehr gesucht, insbesondere die Briefe, welche mit Silbergroschen-Marken frankiert worden sind.

Mein Brief fällt leider in die Periode, in der bereits die Einheitstaxe eingeführt worden ist (25 Rappen, 7 Kreuzer oder 2 Silbergroschen), also ab dem 01.09.1868 bis zum Ende.

Wirft man noch einen Blick auf die Adressatin, lässt sich sagen, dass es sich hierbei um eine offenbar recht früh verwitwete Adelige, welche im Dienste der Herzogin Friederike von Schleswig-Holstein-Sonderburg (später Herzogin von Anhalt-Bernburg) gestanden hat, handelt.

https://www.geni.com/people/Sophie-Wilhelmine-Valentiner/6000000018290226020

https://www.geni.com/people/Johann-Heinrich-Valentiner/6000000018290244001

https://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_von_Schleswig-Holstein-Sonderburg-Gl%C3%BCcksburg

Liebe Grüße

Kevin


 
Gerhard Am: 21.08.2018 11:04:09 Gelesen: 79# 498 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#497]

Hallo Kevin,

was heißt hier "mein Brief ist leider", dafür eine schöne MiF: Wenn auch gelborange und braun nicht so "bunt" erscheinen, wie Z.B. blau und gelb so fällt der Brief ja zudem noch unter die Rubrik Adelspost, besonders nachdem Du den Empfänger so umfangreich gegoogelt hast. Es sind doch oftmals auch die kleinen Dinge, die Besonderheiten ausmachen.

Bin gespannt auf deinen nächsten Fang. ;-

Danke für's Zeigen.

Gerhard
 
briefmarkenwirbler24 Am: 21.08.2018 11:58:12 Gelesen: 69# 499 @  
@ Gerhard [#498]

Hallo Gerhard,

als Postgeschichtler hätte mich ein entsprechender Beleg aus dem Zeitraum vom 01.01. bis zum 31.08.1868 natürlich mehr erfreut, aber dennoch, wie du schon sagst, sind Buntfrankaturen immer schön anzusehen, erst recht wenn der Empfänger auch noch eine Person von Adel gewesen ist ...

Freut mich zu hören, dass Du das Thema mit Interesse verfolgst! :)

Liebe Grüße

Kevin
 

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