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Thema: Deutsche Besetzung des 1. Weltkrieges 1914/18: Amtliche Ganzsachen
Das Thema hat 40 Beiträge:
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hajo22 Am: 06.12.2013 13:54:23 Gelesen: 11988# 16 @  
@ volkimal [#15]

Lieber Volkmar,

zum Stempel Bukarest kann ich Dir leider nicht weiterhelfen. Vielleicht wendest Du Dich an die zuständige Arge unter "http://www.arge-dt-besetzung-wk1.de";. Ich kann nur ansagen, daß es noch andere Bukarest-Stempel während der Besatzungszeit gibt. Ich komme noch darauf.

Um etwas Struktur in den Beitrag zu bringen, habe ich in [#1] die Gebiete in der Reihenfolge aufgelistet, in der ich sie gerne abarbeiten möchte. Mit Belgien bin ich noch lange nicht fertig. Im Vordergrund sollen auch die Ganzsachen stehen und weniger die Stempel, Zensuren, Posttarife und die sonstigen zahllosen Besonderheiten (wie hier z.B.):



Möglichst kein Beitrag ohne Abbildung heißt die Devise: Hier eine Ganzsachen-Banderole für die P 10 nach der Portoerhöhung vom 1.8.1916 mit den neuen Aufdrucken "Belgien (und) cent.".

Einen schönen Nikolausabend wünscht allen Sammlerfreunden
Jochen
 
hajo22 Am: 06.12.2013 14:03:04 Gelesen: 11984# 17 @  
@ DerLu [#14]

Lieber Sammlerfreund,

was es hier mit dem handschriftlichen Vermerk "Rückwanderer-Sendung" für eine Bewandnis hat, weiß ich nicht. Bitte an die im Beitrag [#16] bezeichnete Arge wenden, die vielleicht weiterhelfen kann.

Es wäre auch schön, Texte auf der Rückseite einer Karte so einzuscanen, daß man sich zum Lesen nicht den Hals verrenken oder den Bildschirm kopfstehen lassen muß.

Viele Grüße
Jochen
 
hajo22 Am: 06.12.2013 15:23:12 Gelesen: 11968# 18 @  
Die Germaniakarten mit dem Aufdruck "Belgien" und der Wertangabe "Centimes" erschienen bereits 1914 und umfaßten 1 Kartenbrief und 5 Postkarten (davon 3 Antwortkarten=Doppelkarten mit Frage- und Antwortteil).

Ungestempelt werden Antwortkarten regelmäßig als Doppelkarten gesammelt und nicht in getrennter Form Frage/Antwort. Anders bei der gestempelten Erhaltung. Hier stellen die Karten in getrennter Form die übliche Erhaltung dar. Daneben kommen auch gestempelte Doppelkarten ohne oder mit Nutzung der Antwortkarte vor. Antwortkarten, bei denen die Fragekarte beim Versand der Antwort nicht abgetrennt wurde, sind besonders beliebt und begehrt (und selten).

Hier Abbildungen der 6 Ganzsachen:



Beim Kartenbrief schwankt die Kartonfarbe von hellblaugrau bis graublau (nach meinen Erfahrungen).






Viele Grüße
Jochen
 
Lars Boettger Am: 06.12.2013 19:27:25 Gelesen: 11930# 19 @  
@ hajo22 [#18]

Hallo Jochen,

bitte erlaube mir noch einen Schwenker in die Postgeschichte: Frankiert mit einer 10 Cent.-Marke der belgischen Besatzungsausgabe, ging die Postkarte an einen Soldaten. Der war traurigerweise schon gefallen. Ohne einen Zensurstempel ging der Brief nach Luxemburg an den Absender zurück. Ich weiss, dass ist ein ziemlich weit hergeholter Fall, aber trotzdem kein "philatelistisch inspirierter" Beleg.

Beste Sammlergrüsse!

Lars


 
hajo22 Am: 06.12.2013 21:14:34 Gelesen: 11910# 20 @  
@ Lars Boettger [#19]

Hallo Lars,

ja, das ist sicher eine Bedarfskarte.

Wie ich schon schrieb, blieben die als Feldpostkarten unnötigerweise umfunktionierten Ganzsachen zensurlos.

Ich zeige 3 Karten der P2 - alle Bedarf - aber der Wertstempel unnötig, da natürlich portofrei.

Ich stufe das in die Abt. "Kriegssouvenir" ein:



Ich habe die Karten in der richtigen Reihenfolge mit der Rückseite eingescant (die mittlere Karte leider liegend, ging nicht anders aus Platzgründen, der Text ist ja auch nebensächlich, es soll nur gezeigt werden, daß es sich um Bedarf handelte). Keinerlei Zensur.

Und hier eine Feldpost-Bedarfskarte bei der der Wertstempel der Ganzsache (P7) erforderlich war, denn diese Karte ging ins Ausland nach Zürich und war deshalb nicht portofrei.

Besonders schön auch der Feldpost-Einzeiler "Aus dem Feld(e)", den ich von anderer Post auch kenne.

Die Karte datiert (Rückseite) vom 15.6.1917. Der Absender, ein Kriegsfreiwilliger, vermerkt recht ulkig vorderseitig neben seiner Feldpostadresse: "sonst: Freiburg i. Br., Goethestr. 58".

In Beverloo bestand ein großer Truppenübungsplatz.



Deutlich zu erkennen: Keine Zensurvermerke, obwohl ins Ausland.

Schönen Abend noch und bis demnächst.
Jochen
 
Postgeschichte Am: 07.12.2013 02:00:30 Gelesen: 11884# 21 @  
@ hajo22 [#20]

Deutlich zu erkennen: Keine Zensurvermerke, obwohl ins Ausland.

Hallo Jochen,

die Karte aus Beverloo wurde ordnungsgemäß zensuriert. Der Stempel "Aus dem Felde" ist der Zensurstempel des Vermittlungspostamtes Frankfurt am Main, das u.a. für den Postverkehr mit der Schweiz zuständig war.

Gruß
Manfred
 
hajo22 Am: 07.12.2013 17:45:24 Gelesen: 11853# 22 @  
@ Postgeschichte [#21]

Danke für den Hinweis. Über die Zensurstellen und -stempel im I. Weltkrieg habe ich nur wenig Literatur. Irgendwo habe ich noch einen anderen Beleg mit dem Stempel "Aus dem Felde". Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich ihn gefunden habe (Ordnung ist das halbe Leben, ich lebe in der anderen Hälfte).

Bei dem Stempel kann man auch zunächst keine Zensur vermuten. Er kam mir immer so vor, wie ein Päckchen-Stempel für Feldpostpäckchen. Kannst Du zu diesem Stempel einen Lit.-Hinweis/Fundstelle geben?

Ich scanne eine Feldpostkarte aus Wiesbaden (bekanntlich recht nahe bei Ffm) vom 28.2.1915 ein, für die - da nicht frankiert - Nachporto in Zürich verlangt wurde.

Meine Frage: Warum wurde diese Karte nicht zensiert? Hast Du eine Erklärung? Oder einfach nur ein Durchrutscher? Nach Zürich gelaufen ist sie sicher.



Schönen Abend und viele Grüße
Jochen
 
hajo22 Am: 08.12.2013 14:17:20 Gelesen: 11810# 23 @  
Bevor ich mich jetzt bis nach Neujahr aus dem Thema ausklinke, möchte ich noch kurz auf die Michel-Nr. 13 (Doppelkarte Frage/Antwort) von Belgien eingehen:

Es gibt sie in der Type I (senkrechter Teilstrich ca. 63/64 mm) und in der Type II (Teilstrich ca. 67/68 mm).

Auf den beiden Scans kann man das deutlich sehen. Die Type I gibt es nicht als Urdruck und hätte meiner Meinung nach eine eigene Katalognummer verdient gehabt, aber man hat wahrscheinlich davon abgesehen, weil der Unterschied im Vordruck der Fragekarte so gering und die Antwortkarte im Vordruck identisch ist. Bei einer abgetrennten (gestempelten) Antwortkarte kann nicht gesagt werden, ob sie vormals an einer Type I oder II hing (außer man hat die dazu gehörige Fragekarte, z.B. in dem Fall der gestempelten Antwortkarte ohne Abtrennung der Fragekarte). Die Michel P 13 Type I gehört zu den seltenen Ganzsachen des Gebietes.



Links Type I und rechts Type II

Und hier eine gestempelte Antwortkarte von der man nicht sagen kann, ob sie an einer I oder II hing.



Antwort Stuttgart vom 17.1.1918 nach Charleroi (Ankunft 22.1.18), links unten Zensurstempelrest (vermutlich Postüberwachungsstelle Charleroi). Die Antwortadresse war schon vorgeschrieben (andere Tinte, andere Schrift).

Schöne Weihnachtsfeiertage und ein Gutes Neues Jahr wünscht allen Sammlerfreunden
Jochen
 
Postgeschichte Am: 08.12.2013 18:49:21 Gelesen: 11775# 24 @  
@ hajo22 [#22]

Kannst Du zu diesem Stempel einen Lit.-Hinweis/Fundstelle geben?

Hallo Jochen,

Zum Stempel "Aus dem Felde." kann ich Dir meine Veröffentlichungen aus den Jahren 1991 und 2008 mitteilen.

1. Aus dem Felde; Arge-Germania-Marken Nr. 35/1991, S. 21 ff.
2. "Aus dem Felde.", auch aus dem Generalgouvernement Warschau; Arge Polen e.V. Rundbrief Nr. 69/2008, S. 63 ff.

In der letzten Veröffentlichung gehe ich im besonderen auf den Postverkehr der besetzten Gebiete mit dem Ausland ein. Dem zu Folge auch auf die von Dir gezeigte Karte aus dem GG Belgien. Hier kannst Du auch die entsprechenden Erlasse des Kriegsministeriums entnehmen. Wenn Du etwas Geduld hast, sende ich Dir den Artikel per Mail zu. Weitere Veröffentlichungen zu dem Thema kenne ich nicht.

Warum wurde diese Karte nicht zensiert? Hast Du eine Erklärung? Oder einfach nur ein Durchrutscher?

Feldpostkarten in die Schweiz waren zu dieser Zeit in der Regel mit einen Soldatenbriefstempel usw. zu versehen. Die Schweiz verzichtete meist aber auf diesen Stempelabdruck, so daß in dieser Zeit auch Karten ohne einen Stempel existieren. Ein Nachweis ob und wo zensuriert wurde, gibt es in diesen Fällen nicht. Die bei dieser Karte existierende Nähe zu Frankfurt ist unerheblich, da der Stempel zu diesem Zeitpunkt noch nicht existent war.

Gruß
Manfred
 
hajo22 Am: 09.12.2013 13:50:45 Gelesen: 11739# 25 @  
@ Postgeschichte [#24]

Vielen Dank für die Infos. An einer Mail mit weiteren Erläuterungen bin ich natürlich sehr interessiert. Zeit spielt dabei keine Rolle, ich komme sowieso erst wieder nach Neujahr zu den Briefmarken.

Kein leichtes Thema mit den Feldpostbelegen. Ich habe noch die Info gefunden, daß ab 1.11.1917 bis Kriegsende keine "Vermittlungspostämter" (Ffm und Hamburg) für Auslandssendungen mehr nötig waren.

Ich halte also fest: Der Gummistempel/Einzeiler "Aus dem Felde" ist ein Zensurstempel des Vermittlungspostamtes in Frankfurt a.M.

Schöne Weihnachtsfeiertage und vielen Dank.
Jochen
 
volkimal Am: 03.01.2014 14:56:35 Gelesen: 11572# 26 @  
Hallo Jochen,

diesmal die 7 1/2 Pfennig Antwortkarte aus dem Postgebiet Oberbefehlshaber Ost (Michel P 5):



Als Absender ist angegeben "Baudirektion 8 Deutsche Feldpost 214". Unten ist der entsprechende Stempel der "Baudirektion 8. Armee". Handelt es sich damit um Feldpost, die eigentlich nicht frankiert werden musste?

Zusätzlich trägt die Karte einen dreizeiligen Zensurstempel der Überwachungsstelle Königsberg (Preußen), der nicht im Riemer aufgeführt ist. Gestempelt wurde die Karte in Mitau (heute Jelgava), der Hauptstadt von Kurland. Vor dem 1. Weltkrieg lag Mitau in Russland, heute gehört die Stadt zu Estland.

Der Antwortteil der Karte wurde nicht verwendet und hängt an:



Viele Grüße
Volkmar
 
hajo22 Am: 03.01.2014 18:27:13 Gelesen: 11538# 27 @  
@ volkimal [#26]

Hallo Volkmar,

gute Frage, nächste Frage. Nein, ich versuch`s mal zu beantworten wie ich es mir denke: Der Sergeant (Feldwebel) Ernst Funck (lese ich) hätte natürlich eine neutrale Feldpostkarte verwenden können, schließlich hatte er als Soldat eine Feldpostnummer, letztlich seine Anschrift für die Korrespondenz mit ihm. Die Karte wäre dann mit einem neutralen Feldpost-Stempel entwertet worden. Er wollte das wohl nicht und hat so die Zivilpost verwendet, die zu bezahlen war. Der Empfänger konnte am Poststempel dann ersehen, daß der Absender sich direkt in oder in der Nähe von Mitau befand.

Aus dem Text geht hervor, daß er den Militärdienst satt hatte: "Hoffentlich ist bald Frieden".

Mein Fazit: Feldpost wäre möglich und kostenlos gewesen, der Absender wollte aber die Zivilpost nutzen, warum auch immer. Ob die Korrespondenz mittels Zivilpost schneller ging, wage ich zu bezweifeln, denn diese Post landete regelmäßig bei den Zensurstellen.

Der dreizeilige Zensurstempel von Königsberg dürfte nichts Besonderes sein, ich habe ihn mehrfach auf Ober-Ost-Post.

Hier die P3 ebenfalls aus Mitau v. 26.10.17 mit 2 Abschlägen des Zensurstempels auf Privatpost.



Übrigens, Du zeigst korrekterweise die gestempelte Fragekarte der F/A-Ganzsache.

Gutes Neues Jahr.
Jochen
 
hajo22 Am: 06.01.2014 12:04:09 Gelesen: 11454# 28 @  
Da Sfr. Volkmar das Gebiet "Ober-Ost" angesprochen hat, mache ich mit diesem Thema weiter.

Das Postgebiet "Ober-Ost" umfaßte ungefähr die heutigen baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen) sowie das russische Gouvernement Grodno. Es wurde am 15.1.1916 von Kowno aus von der dt. Heeresverwaltung eingerichtet und bestand bis zum 31.12.1918. Das Postgebiet umfaßte über 80 Postanstalten.

Ich zeige aus meiner Slg. die P 1 als "Feld"-Postkarte v. 1.4.1916 (Stempel der K.D. Feldpoststation Nr. 116) nach Berlin-Lichterfelde des "Generaloberarztes" der Etappen-Insp. 12. Armee (Etappenarzt) an seine Frau.

Die Karte wäre als Feldpost portofrei gewesen, eine Frankierung war nicht nötig. Keine Zensurvermerke, Beförderung über die deutsche Feldpost.



Bis demnächst.
Jochen
 
hajo22 Am: 07.01.2014 20:15:27 Gelesen: 11399# 29 @  
Wenn man heute oftmals lässig vom "Postgebiet Ober-Ost" spricht, so ist das nicht korrekt, denn es gibt kein "Nieder- oder Unter-Ost". Richtig bezeichnet lautet das Sammelgebiet "Postgebiet Oberbefehlshaber-Ost", also eine rein militärische Bezeichnung. Auf den Werteindrucken zeigt sich der Überdruck "Postgebiet/Ob.Ost". Von "Ober-Ost" keine Rede.

Heute zeige ich die P 2F (Frageteil) aus Wilna v. 8.8.1916 mit Zusatzfrankatur 2 1/2 Pfg., Gesamtporto mithin 7 1/2 Pfg. (2. Posttarif 1.8.16-30.9.18) nach Berlin an das Zentrale Nachweis Bureau für Kriegsgefangene, zensiert in Königsberg.

Eingangsstempel "Kriegsministerium NB (= Nachweis-Bureau) 11.8.1916".

Ein Vater sucht das Lager in welchem sein kriegsgefangener Sohn festgehalten wird.



Wer kann eine gebrauchte P 2A (Antwortteil) zeigen? Wäre schön, ich kann es leider nicht.

Schönen Abend und allen Sammlerfreunden weiterhin viel Spaß an der Philatelie.

Jochen
 
Belgiensammler Am: 08.01.2014 20:04:30 Gelesen: 11366# 30 @  
Hallo,

zuerst mal allen ein gutes neues Jahr. Zu unzensierten Ganzsachen kann ich einen Beitrag leisten. Alle Ganzsachen sind Bedarf, also kein Hinweis auf Dank für die schönen Belege usw.

Ich habe mich auch schon gefragt warum keine Zensur? Alle anderen Ganzsachen und Belege haben Zensur. Zu den Zensurstempeln gibt es ein Handbuch von Gerhard Ludwig und Werner Hamacher. Also hier mal 3 Belege zur Diskussion.

Karl




 
muemmel Am: 08.01.2014 21:33:40 Gelesen: 11347# 31 @  
@ hajo22 [#29]

Hallo Jochen,

"Postgebiet Ob. Ost" wurde auf Marken der im WK I eroberten Ostgebiete im Baltikum, Weißrussland und der Ukraine überdruckt und das "Ob." bedeutet "Oberbefehlshaber".

Grüßle
Mümmel
 
hajo22 Am: 08.01.2014 21:52:06 Gelesen: 11344# 32 @  
@ muemmel [#31]

Genau das habe ich zum Ausdruck gebracht. Ist wohl mißverständlich "rübergekommen".

@ Belgiensammler [#30]

Tja, das Rätsel kann ich nicht lösen. Vielleicht jemand anderer?

Viele Grüße
Jochen
 
hajo22 Am: 12.01.2014 19:47:51 Gelesen: 11266# 33 @  
Ich mache weiter mit der Besetzung "Belgien" und zeige den einzigen Kartenbrief des Gebietes (K 1), den es nach meinen Beobachtungen in verschiedenen Kartonfarben gibt (hellblau bis graublau), hier gestempelt Louviere 10.2.1917 mit "attraktivem" Zensurstempel von Soignies.

Wie bekannt sind die Kartenbriefe an den Rändern ausserhalb der Perforierung gummiert. Hier wurde der Kartenbrief "offen" eingeliefert, d.h. nicht zugeklebt, so daß der Zensor den Inhalt ohne Beschädigung des Briefumschlages lesen konnte. Möglicherweise war die offene Einlieferung auch Vorschrift.

Geblieben ist auf jeden Fall ein besonders schönes Exemplar eines bedarfsmäßig verwendeten Kartenbriefes.



Schönen Sonntagabend.
Jochen
 
hajo22 Am: 14.01.2014 20:03:05 Gelesen: 11215# 34 @  
Bevor ich demnächst mit der Etappe West fortfahre, zeige ich eine der häufigen P 10 Type I, gestempelt St. Hubert v. 26.6.1917 nach Ixelles.

Die Karte trägt einen besonders wuchtigen Zensurstempel "Militär-/Überwachungsstelle/Libramont.".

Einfach sehenswert, sonst nichts.



Wer kann einen besonders interessanten Zensurstempel aus dem Besetzungsgebiet Belgien zeigen (z.B. noch größer)?

Schönen Abend.
Jochen
 
sentawau Am: 17.07.2015 12:52:57 Gelesen: 6738# 35 @  
Zu diesem interessanten Themenkreis ist lange nichts mehr geschrieben worden. Ich will versuchen, den Faden wieder aufzunehmen.

Das Inland-Porto im Bereich der Landespost Belgien wurde am 1. Oktober 1918 von 8 auf 10 Cent erhöht. Um die noch reichlich vorhandenen 8 Cent-Postkarten aufzubrauchen, wurden gleichzeitig 2 Cent-Briefmarken (Mi. Nr.10) durch Überdruck hergestellt. Vorher war es, nicht möglich, 8 Cent-Postkarten (z. B. zum Zwecke der Auslandsverwendung) auf 10 Cent portorichtig aufzufrankieren, denn es standen nur 3 Cent-Marken zur Verfügung.

Die Ergänzungsportomarken erschienen allerdings zu einem Zeitpunkt, als sich die deutsche Verwaltung des besetzten Belgiens schon in Auflösung befand. Viele Postämter waren bereits geschlossen, oder die Postbeförderung war eingestellt, so dass die 2 Cent-Marken nur noch bei wenigen großen Postämtern an die Schalter kamen und bedarfsmäßig verwendet wurden. Bestimmungsgemäß auf 8 Cent-Karten verwendet, ist die Marke sehr selten. Auf Brief kenne ich sie bislang nur auf Sammlerbriefen an Philatelisten oder Händler, z. B. an Noske, Kosack oder Köhler, dann meist gleich zehnfach verklebt.

Die Auktionsfirma Harlos rief 2002 (18. Auktion Los 2778) eine derart frankierte Karte mit 150 Euro aus. Damals war sie das zweite bekannte Stück. Ich zeige nachfolgend zwei weitere Exemplare, abgestempelt am 5. 10. 1918 in Antwerpen bzw. am 7. 11. 1918 in Brüssel. Beide tragen Zensurstempel, der auf der Karte aus Antwerpen allerdings in der Abbildung kaum zu erkennen ist (roter Rollstempel links unten). Die Spuren eines frühen Sammlers auf dieser Karte habe ich absichtlich nicht entfernt. Außerdem kann ich auch die Doppelkarte 8 Cent mit der 2 Cent-Marke zeigen, abgestempelt bereits am 2.10. in Brüssel (fast Ersttag!)



Philatelistisch frankierte Briefe sind dagegen relativ häufig. Der nachfolgend abgebildete ist immerhin von der Post befördert worden, abgestempelt in Pepinster am 2. 11. 18. Die außerdem abgebildete Drucksache vom 2. 11.1918 aus Brüssel dagegen hat vermutlich nie einen Postsack von innen gesehen.



Zum Schluss noch eine um 3 Cent überfrankierte Postkarte vom 31. 7. 1918, als es noch keine 2 Cent-Marken gab. Meistens wurden allerdings ersatzweise 3 Cent-Marken verwendet. Die Postkarte ist an einen „Zivilarbeiter“ sprich Zwangsarbeiter in Deutschland gerichtet. Völkerrechtswidrig rekrutierte Zwangsarbeiter aus unterworfenen Ländern waren keine Erfindung der Nazis – auf diese Idee waren schon die Herren Hindenburg und Ludendorff gekommen. Aber das ist eine andere Geschichte, die sich auch am Beispiel Belgien philatelistisch darstellen läßt.



Auf die besondere Bewandtnis mit der unscheinbaren 2 Cent-Marke machte als Erster aufmerksam Horst Denke in der Ganzsache 75. 2001, S. 204 -211, die dort fehlerhafte Gebührentabelle berichtigt in 76. 2002, S.32.
 
hajo22 Am: 17.07.2015 15:48:23 Gelesen: 6725# 36 @  
@ sentawau [#35]

Du zeigst neben den amtlichen Ganzsachen auch 2 Briefe, die hier (eigentlich) nicht ihren Platz haben. Ich weise nur daraufhin, mich stören sie nicht.

Da die Resonanz auf das Thema in der Vergangenheit eher bescheiden ausfiel, habe ich im Januar 2014 von weiteren Beiträgen abgesehen. Das Thema ist eben sehr speziell und wer sammelt schon Ganzsachen aus dem I. Weltkrieg. Das sind wohl nur ganz Wenige.

Aus meiner Sammlung zeige ich aus dem Bereich "Deutsche Post in Polen" die P7 (F/A zu 7 1/2 Pfg.), in der Hoffnung Interesse am Sammelgebiet zu wecken.

Die Fragekarte (P7F) mit Antwortteil ging aus Wloclawek am 12.3.1918 nach Arosa/Schweiz ins Hotel Bristol. Da um 2 1/2 Pfg. unterfrankiert wurde eine Nachgebühr von 10 Rappen erhoben und die Nachgebührmarke entwertet mit Arosa 20.3.19 (Fehleinstellung beim Jahr, richtig: 1918). Vielleicht glaubte der Absender die Karte sei sowieso portofrei da er ja auf die Feldpost hinwies (durch handschriftlichen Vermerk). Allerdings wurde auf die Karte ein roter Kastenstempel "Ausland" vermerkt, der auf das fehlende Ergänzungsporto aufmerksam machte.



Den Antwortteil hatte der Absender richtig mit 2 1/2 Pfg. auffrankiert und seine Adresse bereits vorgeschrieben.

Die Antwortkarte (P7A) ist gestempelt Arosa vom 9.4.18.



VG, hajo22
 
sentawau Am: 19.07.2015 12:45:34 Gelesen: 6646# 37 @  
@ Hajo 22

Du zeigst neben den amtlichen Ganzsachen auch 2 Briefe, die hier (eigentlich) nicht ihren Platz haben. Ich weise nur daraufhin, mich stören sie nicht.

An den zwei Ganzstücken unter den Ganzsachen würde ein Juror sicherlich Anstoß nehmen. Darum stelle ich grundsätzlich nicht aus. Eine Briefmarke, die speziell als Ergänzungsporto für eine Ganzsache ausgegeben wurde, gehört m. E. auch in ihren anderweitigen Verwendungen in eine Ganzsachensammlung.

Ich glaube, dass Ganzsachensammler zahlreicher sind als es scheint. Wenn bei Ebay unter dem vielen Papiermüll mal ein besonderes Stück erscheint, dann wird es meistens auch gut bezahlt, und ich kann oft erkennen, dass das auf Grund sehr guter Fachkenntnis geschieht. Allerdings scheinen Ganzsachensammler in besonderem Ausmaß schreibfaul zu sein.

In meinem vorigen Beitrag habe ich eine Postkarte gezeigt, die als Zivilarbeiterkarte verwendet wurde. Solche Karten kommen öfters vor. Es gab aber für diese Verwendungsform bei der deutschen Landespost in Belgien auch 4 spezielle Karten. Den deutschen Zensoren boten sie den Vorteil, dass die Marke eingedruckt war. Bei aufgeklebten Marken bestand die Möglichkeit, geheime Nachrichten unter der Marke zu verstecken.

Die Zivilarbeiterkarte P 6 zeige ich in den beiden Typen I und II (enger und weiter Abstand zwischen Ziffer und „Cent“). Die Karten P 7 – P 9 sind auf beschichtetem („gekreideten“) Karton gedruckt. Das sollte das Beschreiben mit Geheimtinten erschweren.






 
hajo22 Am: 19.07.2015 20:12:51 Gelesen: 6609# 38 @  
@ sentawau [#37]

Etappengebiet West:

Zivilarbeiterpostkarte P 6I in der "Fehlverwendung" als Feldpostkarte v. 16.8.1917. Als Feldpost natürlich gebührenfrei. Der Soldat hatte vielleicht gerade keine andere Karte zur Hand und die 10 cent. waren auch nicht die Welt.



Deine Bemerkung zu den Kreidepostkarten finde ich recht orginell, aber wenig glaubwürdig. Ich halte das - bitte nicht böse sein - für Unfug. Wo hast Du das gelesen?

VG, hajo22
 
sentawau Am: 21.07.2015 12:06:53 Gelesen: 6542# 39 @  
@ hajo22 [#39]

Deine Bemerkung zu den Kreidepostkarten finde ich recht orginell, aber wenig glaubwürdig. Ich halte das - bitte nicht böse sein - für Unfug. Wo hast Du das gelesen?

Das ist eine interessante Frage und keinesfalls Unfug!

Sog. Kreidekarton wurde für amtliche Sonderpostkarten in Deutschland gelegentlich verwendet, erstmals bei DR P 100 – 103, dann für P 241, P 243, Danzig P 62. Warum, ist unbekannt. Kreidekarton gibt Mehrfarbendruck sehr gut wieder, lässt sich aber schlecht mit Tinte beschriften. Wer einer häufigen Unsitte folgend die Katalognummern mit Bleistift auf die Karten schreibt, sollte einmal versuchen, sie wieder auszuradieren. Er wird sich wundern. Mit Geheimtinten zu schreiben, habe ich noch nicht versucht. Aber das würde sicherlich auch Spuren hinterlassen.

Diese Empfindlichkeit mag der Grund gewesen sein, die Zivilarbeiterkarten P 7 – 9 auf Kreidekarton zu drucken. Das Beispiel wurde bei ähnlichen Anlässen wiederholt. Um bei Belgien zu bleiben: während des 2. Weltkriegs die merkwürdige Fremdarbeiterkarte aus dem Bereich des Luftgaukommandos Brüssel. Zu nennen sind ferner aus Vichy-Frankreich zwei gewöhnliche Karten (P 94 – 95), ferner eine Sonderkarte für die Weihnachtskorrespondenz mit den Kriegsgefangenen in Deutschland (P 93). Schließlich gehören dazu aus Großbritannien die vielen Formulare für die Post deutscher Kriegsgefangener. Den Amerikanern genügte für solche Korrespondenz der gekreidete Schreibgrund noch nicht. Deshalb verwendeten sie imprägniertes Material, das sich beim Befeuchten blaugrün verfärbt.

Die Verwendung des Kreidekartons zu Sicherheitszwecken ist mir seit langem geläufig. Aber ich kann diese These jetzt auch kompetent belegen. Sie wird mit offenem Ergebnis diskutiert bei Hanspeter Frech: Philatelistisch-historisches Ganzsachen-Handbuch des „Dritten Reiches“. 2014, S. 91 im Zusammenhang mit den Doppelkarten für Fremdarbeiter im Bereich des Luftgaus Brüssel.

Eine als Feldpostkarte bedarfsmäßig verwendete Zivilarbeiterkarte besitze ich auch. Eigentlich ist sie überfrankiert, denn als Feldpostkarte wäre sie portofrei. Aber die Verwendung gewöhnlicher Ganzsachen-Postkarten als Feldpostkarten kommt recht häufig vor und nicht immer waren Philatelisten die Urheber. Warum die Absender diese Versendungsart wählten, ist mir unbekannt.

Abschließend noch einmal zurück zum Dezember 2013 zu Deinem ersten Beitrag. Du hattest nach Unterscheidungsmöglichkeiten von P 10 und P 14 gefragt. Hält man die beiden Karten schräg, so erkennt man bei P 14 (und P 15) deutlich, dass die beiden Aufdruckzeilen von zwei verschiedenen Druckgängen herrühren. Die zweite Zeile glänzt, die erste ist tiefschwarz und glänzt nicht. Die Stellung der beiden Zeilen zueinander variiert und sollte daher besser außer Betracht bleiben.

Die P 14 besitze ich auch bedarfsverwendet als Feldpostkarte, ohne Truppen- oder Zensurstempel, aber mit einem sehr dünn abgeschlagenen Rollstempel Brüssel 4. VII.1918. Vom Zielort Berlin-Zehlendorf wurde die Karte nach Templin weiter geschickt.

Nachfolgend zeige ich zwei P 14 (ungebraucht/gebraucht, verschiedene Stellung des Aufdrucks!) und eine P 15 ungebraucht.


 
hajo22 Am: 21.07.2015 20:02:13 Gelesen: 6507# 40 @  
@ sentawau [#39]

Belgien P14/P15:

In meinem Beitrag [#1] hatte ich schon Unterscheidungsmerkmale aufgeführt (Pkt. 1-4). Das von Dir genannte Merkmal findet sich unter Pkt. 2. Ich hatte nach weiteren Unterscheidungsmöglichkeiten gefragt. Der Michel-Ganzsachen-Katalog 2007 weist auf Verschiebungen bei den Aufdrucken hin. Das habe ich auch festgestellt. Ist natürlich nicht das einzigste und auch nicht das wichtigste Kriterium, aber immerhin ein Merkmal.

Mit Kreidepostkarten kenne ich mich aus. Wer auch nur mit (weichem) Bleistift was auf solchen Karten vermerkt, macht sie zur II.Wahl, weil beim Radieren eine sichtbare matte Stelle entsteht, die sich nicht mehr beheben läßt. Vor allem ärgerlich, wenn die Bemerkungen auf den Vorderseiten der Karten stehen. Übrigens waren schon die Flugpostkarten von 1912 aus Bayern auf Kreidekarton gedruckt. Ich halte fest: Kreidekarton ist sehr empfindlich gegen Beschriftungen und unachtsame Behandlung (Kartonoberfläche splittert leicht und schnell ab).

Deutsche Post Polen

Ganzsache P4A gestempelt Warschau 18.9.1916 (Eingangsstempel Rückseite 22.9.1916). Roter Zensurstempel "Gepr.Übw.Stelle Posen" sowie Nachgebührvermerk über "3" (Pfg.), da die Fernpostkartengebühr am 1.8.1916 auf 7 1/2 Pfg. angehoben worden war.



VG, hajo22
 

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