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Thema: Preisverfall bei Briefmarken ?
Das Thema hat 69 Beiträge:
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Mauritius Am: 21.01.2011 13:50:59 Gelesen: 13498# 1 @  
Mich würde mal interessieren welche Meinung zu diesem Thema herrscht?

Ein Fluch oder ein Segen?

Gut oder Schlecht?
 
asmodeus Am: 21.01.2011 14:41:21 Gelesen: 13475# 2 @  
@ Mauritius [#1]

Preisverfall - es kommt auf das Sammelgebiet an. In erster Linie bin ich ein glücklicher Sammler und kein Investmentbanker o.ä. Klar, freut man sich über einen gewissen Wert und wenn es mal zum Verkauf kommt, freut man sich auch über den Erlös. Wie in jedem Hobby steht die Freude an erster Stelle - die meisten Hobbies sind eher Geld vernichtend, aber es erfüllt einen.

Wenn die Preise für ein bestimmtes Gebiet niedrig sind oder fallen, freue ich mich, weil ich u.U. "bessere" Werte günstiger erwerben kann. Den Ärger habe ich nicht, aber wenn einer früher das Gebiet xy für horrende Preise gekauft hat und sie mit der Absicht des Anlegens gesammelt hat und sie fallen im Preis, dann wird es ihn mächtig ärgern.
 
nomis Am: 21.01.2011 19:47:16 Gelesen: 13409# 3 @  
mauritius

Kein Verfall - NULL.

Meine Freunde im Wiener Dorotheum - Briefmarkenauktionen - jammern mir immer vor, daß ab 1960 NICHTS mehr verkäuflich ist, was im Prinzip stimmt.

Am Preisverfall arbeiten:

a - Prüfer und Katalogmacher - der liebe Oechsner schickt mir laut Katalog zu prüfendes Kleinzeug ca. ab 5 Euro zurück, prüft er nicht. und die Kids sollen dauernd Prüfer fördern?

Alle Germania sind meist verwaschen. Prüfer A - kann ich nicht, Prüfer B - falsch (eine 50 Mrd. Infla).

Prüfer werden für "UNGÜLTIG" erklärt - daher empfiehlt es sich, Marken nur mit beiliegendem Prüfer zu kaufen. Nun: Schlegel retourniert mir eine 80 pfg AM-Post - Unsigniert, Stempel echt, aber nachverwendet - man könnte die Marke ja jetzt ein paarmal prüfen lassen.

b - Kataloge notieren Bedarf und Gefälligkeitsstempel - aber solche Fälle - gestohlene Stempel ? Werden nur bei Inflazeug als falsch geprüft.

DIES so ausführlich, weil "SAMMLER" in diese Probleme hinein rennen - siehe Phila Auktion : geprüft ab 50 Euro wird, zu Recht verlangt. Bilder zusammentragen kann nur der Anfang vom Sammeln sein - ich habe unserem Jugendklub achon ein paar Kilo überlassen - gefragt sind Motive.

c - weitere PHILA-Totengräber sind die Postverwaltungen - jeder Max & Moritz bekommt zum 36,5 Jahrestag eine Sondermarke, fleissig werden ebenfalls Ersttag, Letzttag und Mittagblätter, sowie Jahr, Tag und Nachtbücher verausgabt.

Daher ist bei Auktionen NICHT zu schreiben: Herzlichen Glückwunsch zu, sondern: trauriges Beileid zu dem Ramsch, den Sie sich zugelegt haben.

Mit herzlichem Beileid für alle Leidensgenossen,
kurt
 
gestu Am: 21.01.2011 21:04:39 Gelesen: 13392# 4 @  
Einen Preisverfall gibt es sicher und es wird diesen auch weiterhin geben, das steht für mich fest!

Aber es kommt immer darauf an, wie immer! Wenn ich so manche Bund-Sammlung sehe, die zur Zeit wie Sauerbier angeboten wird, dann erkenne ich gleich auf den ersten Seiten der Sammlung: Es fehlen die Spitzen, falls sie doch vorhanden sind, ist die Qualität nicht besonders! Und viele solcher Sammlungen werden zur Zeit angeboten. Im Grunde ist so etwas unverkäuflich!

Wer aber beim Sammeln immer auf Qualität geachtet hat, der hat immer die Chance, einen guten Erlös zu erzielen.

Der Markt wird aber immer mehr dadurch beeinflusst, dass immer mehr "alte" Sammler wegsterben und es an Nachwuchs fehlt. Wer soll die vielen Sammlungen noch kaufen, wenn überhaupt kein Nachwuchs da ist? Das gilt vor allem für 08/15-Sammlungen. Spezial-Sammlungen sind da vielleicht noch etwas besser dran, aber man muss erst mal einen Käufer finden! Und das geht auch nur, wenn die Sammlung eine gute Qualität hat!

Und Nachwuchs? Wo soll der her kommen, bei der Ausgabepolitik der Post? Zu viele und zu teure Ausgaben, wer will die vom Taschengeld finanzieren können? Und dann das Verhalten der "älteren" Sammler: Wenn auf Tauschtagen wirklich mal ein Schüler etwas haben möchte. Da habe ich schon oft beobachten können, dass dann genau nach Katalogpreis taxiert und abgerechnet wird. Vielleicht sollte man da mal etwas weitsichtiger sein und einen "Sonderpreis" machen.

Ich sammle, weil ich Spaß daran habe! Es ist Hobby und kein Geschäft! Wer Geld damit verdienen möchte, der sollte die Finger von Briefmarken lassen! Aber man sollte sich trotz allem überlegen, was man noch investiert und wofür man sein Geld ausgibt. Im Grunde kann man am Ende froh sein, wenn man das "investierte" Geld durch Verkauf wieder zurück bekommt. Das gilt vor allem für die Neuheiten.
 
doktorstamp Am: 22.01.2011 01:30:07 Gelesen: 13348# 5 @  
@ nomis [#3]

Deinen Ärger kann man verstehen. Etwas deutlicher wäre vielleicht besser. Was ausser Ärger hervorgehoben war, "Es gibt Ungereimtheiten zwischen den Argen".

Ich bin in beiden erwähnten Gebieten relativ bewandert und eine Mitgliedschaft bei beiden kann ich empfehlen. Stempelkunde ist nicht gleich Stempelkunde, hinzu kommen die damals herrschenden Begebenheiten, und Gebräuche, ferner mit Nachkriegszeug gibt es "noch" Zeitzeugen, die dazu eine Aussage machen können. Bei Infla ist dies selten der Fall, denn der meist betagte Sammler dürfte zu jenen Zeiten als Kind es mitbekommen haben.

Bei Ampost gibt es nur ein Handvoll Marken die prüfungsnotwendig sind. Bei Infla ist es umgekehrt, Jede Marke ist mit einem Falschstempel zu finden, egal ob Ramsch, oder Spitzenstück.

@ gestu [#4]

Einen Preisverfall gibt es sicher und es wird diesen auch weiterhin geben, das steht für mich fest!

Dieser Aussage ist nichts hinzuzufügen.

Wer lange sammelt wird wohl bewüßt oder unbewüßt die Ausgabepolitik der verschiedenen Postverwaltungen bemerkt haben, ob Deutschland oder gleich Land X, aber zwischen 1960 und 1970 wurde je nach Land eine Markenschwelle ausgebreitet. Diese Schwelle deckte nicht nur den Postbedarf, sie deckte und schützte und vergrösserte die Einnahmen. Mit abnehmenden Nachwuchs wurden sie Einfallsreicher, Bogen, Rollen, Markenheftchen, FDC, naßklebend, selbstklebend, Teller, Tassen, und, und, und. Ja, es hat sich in den letzten Jahren stark vermehrt.

Aber auch in der Klassik gibt es Beispiele hiervon, zugegeben nicht in dem Maß wie heute.

Die neueste Ausgabe Englands kostet um die € 5, aber wer alles drum und dran haben will, und ich spreche hier nur von postfrisch muß schlappe £ 47 berappen (€ 55 ungefähr), und er hat nicht mal die gestempelten, geschweige denn das FDC.

Wie oft ich die leidliche Geschichte erleben mussen, als mir Großeltern oder ihre Enkel mit der vermeintlich wertvollen Sammlung entgegen kommen. Es gibt natürlich Ausnahmen, weitaus die Mehrzahl werden (bitter) enttäuscht.

Alle hatten mindestens einmal im Leben gehört oder gelesen, Marken sind wertvoll und sich folglich eingebildet.

Schuld hier hat die Presse, die ständig von Spitzenpreisen berichtet, die Fachpresse ist insofern noch schlimmer. Und manche blicken nicht durch. Vielleicht sollten sie vorgehen wie beim Tabak und eine Warnung drucken.

Aber es gibt Nachwuchs, nicht in der Menge wie vom Handel oder Verein erwünscht, aber es gibt sie, wenn auch nur in kleinen Kreisen. Die Kerze ist noch nicht erlöschen, aber bestimmt von der Ausgabepolitik der verschiedenen Postverwaltungen zum Ersticken gebracht.

mfG

Nigel
 
Briefmarkensammler Am: 22.01.2011 13:18:36 Gelesen: 13299# 6 @  
Die Ausgangsfrage "Gibt es einen Preisverfall bei Briefmarken ?" kann man getrost auf alle anderen Güter erweitern, die Menschen sammeln und/oder erwerben um Geld anzulegen/zu investieren.

"Gibt es einen Preisverfall bei Aktien ?" Na klar. Wer die von Gottschalk & Co beworbene Telekom-Aktie vor einigen Jahren für 100 EUR gekauft hat, wird heute feststellen, dass sich sein Geld mehr als gefünftelt hat.

Wer dagegen Anfang der 2000er in Rohstoff-Werte investiert hat, erfreut sich an satten Gewinnen im 3-stelligen Prozentbereich. Gleiches gilt für Oldtimer, Münzen, Immobilien, etc. pp. Es kommt halt immer drauf an.

Hinzu treten "Übertreibungen" der Vergangenheit, die der Markt in regelmäßigen Abständen korrigiert. Dass Briefmarken-Ausgaben mit mehrstelliger Millionen Auflage mit x-fachem Katalogpreis notiert und gehandelt werden, ist eben nicht das Ergebnis einer kontinuierlichen Wertsteigerung, sondern markttechnischer Manipulationen. Ich denke viele ältere Sammler erinnern sich hierbei an Fälle wie der 50 Pfg. Heinemann, Springreiter, Olympiablöcke, usw.

Briefmarkenhäuser wie Sieger, Borek und Krüger, die triviale Massenware als "Anlegeobjekt" beworben haben oder immer noch bewerben, stellen sich dabei in eine Reihe mit unseriösen Bankberatern, die zu einer Altersvorsorge auf Basis US-amerikanischer Immobilienfonds raten. Leider gab und gibt es immer noch viele hunderttausend Sammler, die diesen gemachten Hypes hinterher laufen und sich Jahre später wundern, was mit ihrem sauer verdienten Geld passiert ist. Nur ein toter Fisch schwimmt mit der Strömung.

Fest steht, dass philatelistische Massenware nur über den Preis zu verkaufen ist. Fest steht allerdings auch, dass man auch mit diesem Zeugs Geld verdienen kann, wie zahlreiche recht erfolgreiche Händler/Sammler bei EBAY beweisen. Es kommt halt immer darauf an, wie auf welchem Nivau man gekauft hat. Mit Sicherheit hat dieses Material seit den späten 80igern an "Wert" verloren.

Ein identischer Trend zeigt sich für Marken mit mehr oder minder großen Qualitätsmängeln. Wellen-, Eck- und verschmierte Stempel stellen leider in vielen Sammlungen die Regel dar. So etwas will heute kein Mensch. Gleiches gilt für ** Marken mit Falz oder Gummimängeln. Wenn ich mir heute die klassische BUND-Sammlung ansehe, die ein Philatelist als Lebenswerk zusammengetragen hat, ist festzustellen, dass gut 95% der Marken in diese Kategorie fallen und daher wertlos sind.

Gleichwohl zeigt sich ein sehr stabiler Trend für höherpreisiges Material und Besonderheiten jeglicher Art. Dabei ist es eigentlich egal, um welches Sammelgebiet es sich handelt. Selbst die (zu unrecht) verpönten BUND-Ausgaben der letzten 50 Jahre, werden davon nicht "verschont". Einige besonders spektakuläre Beispiele findet ihr hinter den Links.

Selbst postfrische Massenware der Sechziger lässt sich für 100% Michel an den Mann bringen.

Spitzenwerte aus den Sammelgebieten werden bei EBAY und den zahlreichen Auktionshäusern unverändert mit hohen Preisen gehandelt. Ich habe selbst schon zahllose Lücken meiner eigenen Sammlung für weit mehr als 100% Michel schliessen müssen. Auf 10% Schnäppchen warte ich in dieser Kategorie leider vergebens.

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Es gibt aus meiner Sicht keinen generellen Preisverfall bei Briefmarken. Zu beobachten ist dagegen eine sehr wohltuende Normalisierung mancher irrationaler Übertreibungen. Material, das wirklich selten ist, ist im Preis sehr stabil. Im Spitzensegment ziehen die Preise tendenziell eher an.

Es liegt letztendlich an jedem einzelnen Sammler, wie werterhaltend er seine gezackten Schätze zusammen trägt. Mann kann vieles richtig machen. Vieles allerdings auch falsch. Philatelisten, die mir erklären, dass sie nur aus Freude an der Marke sammeln, brauchen sich später dann auf jeden Fall nicht wundern, wenn ihr "Sammelwerk" bei einem Verkauf nur für lange Gesichter sorgt.

[5 tote Links redaktionell entfernt am 25.11.2020]
 
TeeKay Am: 25.11.2020 11:38:44 Gelesen: 4396# 7 @  
Wir haben jetzt einen Status erreicht, bei dem Bund postfrisch als Kiloware verkauft wird. 2230 g ab 170 Euro. Ich versteh nicht, warum so wenige Sammler und Händler das Zeug vor 20 Jahren umtauschten. Selbst als Minderjähriger kam ich drauf, dass das ne gute Idee wäre und kaufte für etliche tausend Euro pseudo-postfrische Marken bei eBay für den Umtausch.



https://www.ebay.de/itm/Bund-postfrisch-knapp-18000-Marken/333791368581
 
10Parale Am: 25.11.2020 13:01:49 Gelesen: 4332# 8 @  
@ TeeKay [#7]

Habe mir das Angebot angesehen. Stimmt mich irgendwie traurig. Der flinke Händler preist das Angebot passend zur Vorweihnachtszeit in einer "Lebkuchenschachtel" an. Also mir wäre eine mit Lebkuchen gefüllte Dose viel lieber als dieses Lot, aber von einem Preisverfall kann man da ja schon sprechen.

Als ich eben frische Milch beim Norma kaufte, lag in Kassennähe eine Schatzkiste von Leuchtturm für 19,99 €. Da musste ich mich selbst für das Jahr belohnen und kaufte die Tüte.

Der wertvollste Posten in dem ganzen relativ wertlosen Allerei soll dieses Stück Leipziger Messe 1947 sein, ich lass mal die Anpreisung für sich selbst sprechen.

Wer wertvolle Briefmarken sammeln möchte, sollte sich die Beitragsreihe "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt" anschauen und mit dem Sparen beginnen. Da es aber leider keine Zinsen mehr gibt für Sparguthaben und wir so nach und nach auf allen Ebenen enteignet werden (nur der Goldpreis scheint langfristig den Irren und Wirren zu trotzen!), hilft für die Jugend eigentlich nur noch "reich geboren werden".

Liebe Grüße

10Parale


 
opti53 Am: 25.11.2020 13:39:54 Gelesen: 4292# 9 @  
@ 10Parale [#8]

Hallo 10Parale,

die Anpreisung stimmt, wenn es sich um L13 und postfrisch handelt. Bei L13 1/4 sind es nur noch 15 € Katalogwert.

Bei dem Wertverfall von BRD und Berlin ist vor allem erschreckend, dass DM-Marken so preiswert sind, auch aus der letzten Phase vor der Euro-Einführung. Da muss man sehr hoffen, dass uns der Euro noch lange erhalten bleibt, damit den Euro-Marken nicht das gleiche Schicksal blüht.

Eigenartigerweise kann man immer noch Bargeld bei der Bundesbank zum gleichbleibenden Kurs in Euro umtauschen. Warum hat das auf den Wert der Marken keinen Einfluss?

Viele Grüße

Thomas
 
10Parale Am: 25.11.2020 14:17:22 Gelesen: 4255# 10 @  
@ opti53 [#9]

"Da muss man sehr hoffen, dass uns der Euro noch lange erhalten bleibt, damit den Euro-Marken nicht das gleiche Schicksal blüht."

Ein sehr interessanter Aspekt, Thomas. Ich glaube aber, - das stimmt mich optimistisch -, werden andere europäische Länder dieses Schicksal zu verhindern wissen. Ich muss es leider sagen: der deutschen Politik traue ich zu, dass sie im Fall der Fälle auch die Euro-Marken außer Kurs setzen würde.

Übrigens: mein Zähnungsmessgerät zeigt Zähnung 13 an und die Marke ist in eindeutiger postfrischer Qualität. Das beruhigt mich nun auch.

Liebe Grüße

10Parale


 
TeeKay Am: 25.11.2020 14:28:27 Gelesen: 4240# 11 @  
@ opti53 [#9]

Wenn du die Marken genauso in Euro tauschen könntest wie die DM, hätten die auch noch einen Wert. Aber weil die Post damals einen Richter fand, der die Außerkurssetzung für rechtmäßig erachtete und einen BDPh, der das begrüßte*, sind die postfrischen Marken wertlos (und oft eh nicht postfrisch, sondern mit beschädigtem Gummi, was den unterlassenen Umtausch umso unverständlicher macht).

" Mit einer derart großzügigen Regelung der Post sollten wir Sammler daher rundum zufrieden und dankbar sein - meinen wir." - Philatelie 304

" Der Bund Deutscher Philatelisten als Spitzenverband der organisierten Sammlerschaft teilt nicht die vom Fachhandel und seinem Dachverband geäußerten Befürchtungen, dass nach Beendigung des Markenumtausches große Preiseinbrüche bei den zum 30. Juni 2002 ungültig gewordenen DM-Briefmarken eintreten worden. Vorübergehende Preisnachlässe in einigen Teilbereichen mögen nicht auszuschließen sein. Diese dürften sich aber in vertretbaren Grenzen halten und nach aller Erfahrung über kurz oder lang wieder weitgehend ausgeglichen werden.
[...]

Der BDPh hält die von der Deutschen Post gewährte Umtauschfrist für angemessen und ausreichend. [...] Damit hat sich die Deutsche Post aus Sicht des BDPh äußerst kulant und vorbildlich bei der erforderlichen Umstellung von der DM auf den Euro verhalten. Wer nicht umtauschen wollte, bekennt sich offensichtlich zum Sammelgebiet Deutschland und hat Freude an den Marken dieses Gebietes mit ihren überwiegend gelungenen Aussagen zur Geschichte, Kultur und zu den ideellen Worten und Geschehnissen in unserem Land, Er hat nicht Spekulation oder größere Wertsteigerungen im Sinn, die bei Marken in zigfacher Millionenhöhe ohnehin nicht eintreten können.

Markenbestände auf Grund von Sammlungsauflösungen und Nachlässe dürften nach Ansicht das BDPh weiterhin vom Fachhandel wie eh und je aufgenommen und vertrauensvoll geregelt werden. Der Handel lebt schließlich auch davon!
" - Philatelie 316

Und das scheint die Meinung des BDPh-Vorstands und nicht des Philatelie-Chefredakteurs Wolfgang Maaßen gewesen zu sein. Denn der analysiert in Philatelie 314 korrekt, dass eine Dauerumtauschmöglichkeit eine Maßnahme zur Preisstabilisierung gewesen wäre.

Bedanke dich also bei deiner damaligen Interessenvertretung BDPh, seinerseits vertreten durch Dieter Hartig. Für seine Verdienste bekam er gleich im Folgejahr die Richard-Renner-Medaille des BDPh angeheftet, die für "beispielhaftes Wirken für die Belange der Deutschen Philatelie" verliehen wird.
 
Richard Am: 25.11.2020 15:49:39 Gelesen: 4184# 12 @  
Hallo zusammen,

um wieder auf den Titel des Themas zurückzukommen:

Ich habe mir die Mühe gemacht, den Preistrend und den Wert der Marken für verschiedene Gebiete der letzten 12 Jahre zu ermitteln. Dafür standen knapp 45.000 Umsätze der Philaseiten Auktion (von insgesamt 90.000 gehandelten Losen) zur Verfügung [1].

Charts (Grafiken) sind auf dieser Seite ganz unten zu finden.

Wer auf die einzelnen Gebiete klickt findet noch mehr Details, bis hin zu der Abbildung jedes einzelnen gehandelten Loses in der PPA und Grafiken, die Wertentwickungen und vergleichende Michel-Katalogpreise zeigen.

Schöne Grüsse, Richard

[1] https://www.philawert.de
 
Johannes2 Am: 25.11.2020 16:03:24 Gelesen: 4167# 13 @  
@ Richard [#12]

Interessant wäre eine Gegenüberstellung mit den entsprechenden Notierungen im Michel (gebietsweise summarisch würde natürlich genügen).
 
drmoeller_neuss Am: 25.11.2020 17:29:39 Gelesen: 4110# 14 @  
Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Preisverfall und der Außerkurssetzung der DM-Marken. In anderen Ländern waren die alten Marken noch lange in die Eurozeit hinein gültig bzw. konnten umgetauscht werden. (z. B. Spanien, Finnland oder Niederlande). Im übrigen hilft es nicht einmal, wenn die Marken noch gültig sind, z.B. USA und Frankreich, hier ist fast alles noch gültig, oder Belgien ab 1960. Irgendwo habe ich den Brief aus den USA herumfliegen, letztes Jahr bekommen, mit einer über 100 Jahre alten Frankatur. Was heute noch ein paar Cent sind, war früher der Stundenlohn eines Arbeiters.

Ein anderes Beispiel: Ich hatte jetzt gerade in der aktuellen Philaseiten-Auktion 500 postfrische belgische Briefmarken für 10 EUR angeboten, abgewogen waren es etwa 50 Gramm. Dabei waren auch Zuschlagsmarken, komplette Sätze, eben aus Sammlungsresten und alles einwandfrei. Der Postpreis waren etwa 2000 belgische Franken. Alle Marken sind noch heute gültig, d.h. etwa 50 Euro und werden von der belgischen Post aktzeptiert. Für zehn Euro blieb das Los unverkauft. Sollte doch eigentlich ein Schnäppchen sein?

Zum lediglichen Thema Umtausch: Die Frist war wirklich lange genug. Man hätte sie nur nutzen müssen. Aber viele Sammler sassen auf der Bund-Nominale wie eine Glucke. Ich kannte Sammler, die hatten Bund zwanzig Mal, und ich hatte vorgeschlagen, wenigstens zehn Serien umzutauschen. Natürlich ohne Erfolg. Das war die breite Meinung und warum sollte der BDPh gegen das Votum der Mehrheit seiner Mitglieder zum Umtausch anstiften?

Es gibt nun einmal immer weniger Sammler, und die alten sterben weg. Und ein durchschnittler Nachlass umfasst eben nicht nur einmal Bund komplett, sondern umfangreiche Lagerbücher.

@ TeeKay

Einige moderne Ausgaben aus Bund und Berlin sind mit guten Vollstempeln fast nicht zu bekommen. Hast Du die Einzelmarken aus dem Olympiablock 6 und 7 mit zeitgerechtem Vollstempel? Dann stelle sie ein, ich hatte dazu einmal ein Thema aufgemacht. So ein Satz bringt ein vielfaches des Katalogwertes.
 
TeeKay Am: 25.11.2020 17:40:32 Gelesen: 4096# 15 @  
Die US-Marken haben aber noch ihren aufgedruckten Wert. Das haben außer Kurs gesetzte Bund-Marken nicht. Und wenn du die belgischen Marken in Belgien angeboten hättest, wären sie auch zu einem vernünftigen Preis verkauft worden. Um gestempelte Marken ging es in diesem Jahr auch nicht. Also alles untaugliche Beispiele.

Wenn du die Ansicht vertrittst, dass man 2 kg postfrische, gültige Bund-Marken für 170 Euro bekäme und die Außerkurssetzung daher keinen Preiseinfluss hätte, dann sehe ich das als Herumtrollen an.
 
uli Am: 25.11.2020 17:58:28 Gelesen: 4079# 16 @  
@ TeeKay [#15]

Lieber TeeKay,

ich verstehe nicht, warum du den Doc so hart angehst. Der Vorwurf des Trollens ist ziemlich angebracht. Der Betreff lautet "Preisverfall bei Briefmarken" - wo steht denn hier im Thread, dass es AUSSCHLIESSLICH um postfrische Bund-Marken mit DM-Nominale geht? Davon abgesehen halte ich die Argumente vom Doc für schlüssiger als deine.

Ich verstehe Inhalt und Zweck der Diskussion nicht. Was können wir anderes, als zu konstatieren, dass die nachfragende Nachfrage fast überall für sinkende Preise sorgt und diese Münze zwei Seiten hat?

Frage an die ganz alten Hasen: Wie war das, als dt. Briefmarken noch eine Gültigkeitsdauer hatten? Fielen die **-Preise für diese Ausgaben nach der Gültigkeit und gab es dazu Wehklagen aus der Sammlerschaft?

Gruß
Uli
 
drmoeller_neuss Am: 25.11.2020 18:45:57 Gelesen: 4041# 17 @  
@ TeeKay [#15]

Am besten siehst Du den Preisverfall bei Nominale. Bund-Nominale wurde früher für 90 % gehandelt, Zuschlagsmarken und Blocks oft sogar zum Frankaturwert.

Heute bekommst Du für Bund-Nominale 70%. Das setzt aber brauchbare Wertstufen voraus. Kleine und krumme Werte sind mit höherem Abschlag, niemand möchte seine Post mit Briefmarken zukleistern.

Italien ist alles noch gültig. Unter 1000 Lire wird aber so gut wie keine Frankatur angekauft. Also läuft es auch hier auf einen Verkauf nach Gewicht heraus.

Frankreich bringt für einen französische Frank noch 5 Euro-Cent, weniger als ein Drittel vom Frankaturwert. Auch hier werden Marken unter einem Franken nicht angekauft, d.h. die sechziger und viel aus den siebziger Jahren geht nur noch per Gewicht.

USA wird unter 20 US-Cent auch nicht von Frankaturhändlern angekauft. Natürlich sind Deine 3- und 5-Cent-Marken noch gültig. Deine Urlaubspostkarte aus den USA kannst Du mit 24 Marken aus den sechziger Jahren frankieren, wenn Du sie unterbringen kannst. Ein Händler will die nicht.

Skandinavien bis auf Finnland ist auch noch alles gültig, nur will hier die Öre-Marken auch niemand sehen.

Und meine belgischen Marken blieben unverkauft. Wahrscheinlich waren sie zu teuer. Für den halben Preis wären sie vielleicht jetzt weg, dann wären wir beim gleichen Kilopreis wie Bund.

Ich war auch schon so schlau, auf ebay international anzubieten, Artikelbeschreibung auf französisch, um wenigstens die Wallonen anzusprechen. Leider sind andere ebay-Mitglieder schon lange vor mir auf die gleiche Idee gekommen. Fazit: Zu viel Material für zu wenige Interessenten. Und auch in Belgien wird nicht mehr viel Post mit Briefmarken frankiert.

Im übrigen habe ich meine postfrischen Olympia-Block nicht umgetauscht. Die hatten auf Tauschtagen einmal 15 DM gebracht, heute nimmt sie niemand für 30 Cent aus dem Groschenbuch. Mit einem Umtausch wäre ich besser gefahren.

Aber ich habe es schon oft gesagt: im alltäglichen Leben hast Du oft einen Preisverfall von 100%. Das Bier in der Kneipe, das die Kehle herunterrinnt, die Sommerblumen im Garten, die beim ersten Frost hinübersind, und die teuren Golfschläger, die gnädigerweise noch der Schrotthändler kostenlos mitnimmt.
 
TeeKay Am: 25.11.2020 19:11:17 Gelesen: 4015# 18 @  
Also wenn ich mir bei eBay die verkauften Lose Frankaturware anschaue, so komme ich da immer noch auf 85% für gemischte Großposten mit krummen Werten wie 55 und 62 Cent. Wenn ich dann bei einer der zahlreichen "1 Euro Verkaufsprovision fix"-Aktionen mitmache, ist das dann auch mein Enderlös. Im Übrigen sprach niemand davon, Briefmarken aus Hochinflationsländern unverändert zu verkleben. Das Argument war, dass ein ausgelaufener Umtausch (!) die Werte vernichtete bzw. unveränderter Umtausch den Wertverfall gebremst hätte. Statt 20 Marken aus einem Hochinflationsland zu verkleben, würde man also 5 Marken aus Deutschland umtauschen und dafür eine 80 Cent Marke bekommen, die anschließend für 85% bei eBay veräußerbar wäre. Es gäbe keine 2 kg postfrisch für 170 Euro. Postfrische Bund-Sammlungen ab 1969 würden mühelos für einen deutlich dreistelligen, vielleicht gar vierstelligen Preis (je nach Enddatum der Sammlung) in beliebiger Menge absetzbar sein.
 
DL8AAM Am: 25.11.2020 19:18:59 Gelesen: 4005# 19 @  
Naja, bei gestempelter Standardware ist der Preisverfall wirklich eine Frage des "nicht mehr nachwachsenen Nachwuchses". Bei den postfrischen DM-Marken hat, auch wenn die Form diskutabel ist, TeeKay natürlich auch recht. Wenn man die Marke, auf der 1 DM draufsteht, inzwischen eben nicht mehr für 50 Cent verkleben kann, dann fällt der erzielbare Preis halt auf unter 10 Cent, falls sie überhaupt noch handelbar sein sollte. Wer soll die denn kaufen? Der Sammler hat sie schon lange und Einsteiger mit entsprechenden Fehllisten sind praktisch nicht existent. Der Sammlermarkt für diese Stücke ist tot, hinzukommt, das eben auch das Marktsegment der Frankaturhändler wegfällt. Darüber brauchen wir eigentlich nicht zu diskutieren.

Warum der Sammler seine postfrischen Stücke seinerzeit behalten ist, ist für diese Frage sekundär. Marktlogische Gründe sind da bestimmt kaum zu erwarten. Aber man ist halt Sammler, und wenn man schon 30 Jahre die 10 Pfennig-Marke im Album behütet hat, dann mag eben vielleicht diese nicht "entwerten" und 1:1, ohne "Mehrwert" gegen 5 Cent eintauschen. Gut verständlich, gut nachvollziehbar. Wie gesagt "Logik" ist für die meisten Hobbyisten nicht wirklich der treibende Faktor ihres Tuns. ;-) Das habe ich bei meinem Vater auch gesehen, er hat seine doppelten und dreifachen Schätzchen nicht getauscht, und zwar bewusst. Das hätte etwas von "Aufgeben" gehabt. Sammeln ist bei den meisten Sammlern halt ein Sache des Gefühls. Ich glaube auch nicht, dass mein Vater seinerzeit an eine "Wertanlage" (bestimmt nicht einmal Werterhalt) gedacht hat.

Das Kaufkraft-Argument "Was heute noch ein paar Cent sind, war früher der Stundenlohn eines Arbeiters" betrifft, das stimmt, aber - wie oben geschrieben - der aufgedruckte Frankaturwert bleibt trotzdem. Und in aller Regel ist dieser immer noch höher als der Marktpreis ungültiger, postfrischer Massenware. Auch wenn dieser nicht zwingend die untere Basis des Handeswertes darstellt. Ich kann mich gut an die New York 2016 erinnern, da haben Händler, umzugskistenweise (eine Kiste nach der anderen reingeschleppt) 3c postfrische Bogenware mit Sondermarken der 30/40er Jahre, komplett für Plattennummern (das sind diese wunderschönen klassisch-graphischen Kleinodien, weshalb ich seinerzeit mal mit USA angefangen habe) für teilweise $1 verramscht (auch an mich... hi), ganz nach der Devise "alles muss raus". Die Stände waren auch recht gut besucht bis dicht belagert. Aber welcher Nichtsammler will denn schon 19 3c-Marken auf einem Inlandsbrief verlecken? Auch dieser Markt (und der Preis) ist sehr limitiert.

Anekdote Nr. 2: In meinen Studienjahren in Nairobi, mit den vielen Straßenkindern und Bettlern, lagen regelmäßig kleine (gültige) Geldstücke (im 0,x Cent-Bereich) unbeachtet auf der Straße rum. Ich hatte die immer eingesammelt (kann kein Geld auf Erde liegen lassen) und habe mir dann immer mal wieder für 10 Münzen ein Bonbon von einem verdutzten Straßenhändler gekauft.

Beste Sammlergrüße ;-)
Thomas
 

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