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Thema: Moderne Raritäten: Der Rote Adenauer
Richard Am: 21.10.2018 09:49:47 Gelesen: 765# 1 @  
Die von Heinz Schillinger entworfene Marke sollte zum 1. Todestag des Bundeskanzlers Konrad Adenauer im Juli 1968 herausgegeben werden. Wenige Tage vor Erscheinen wurde sie vom Verkauf zurückgezogen. An ihrer Stelle erschien eine bildgleiche Marke Mi. 567 lebhaftorange/schwarz statt lebhaftrot/schwarz.

Im Handel vorkommende Marken mit der Katalognummer XI und Gummihandstempel "Muster" am Unterrand sind postamtlich verschickte Musterexemplare.

Die Marke notiert im Michel ** mit Euro 5.000.-- .



Auf der 63. Aix Phila Auktion am 30.11. und 1.12. in AAchen wird ein Exemplar der Marke zu 1.500 Euro ausgerufen.

Schöne Grüsse, Richard
 
Markus Pichl Am: 22.10.2018 22:49:50 Gelesen: 662# 2 @  
Hallo,

hier noch ein von mir am 11.03.2010 erstellter Scan, einer dieser seltenen unverausgabten Exemplare.

Es handelt sich um ein Exemplar mit Oberrand (Bogenfeld 7).

Im Jahre 2010 war meiner Einer noch der Meinung ein Scan zu 400 dpi (nun virtuell auf 500 dpi aufgebessert) wäre eine tolle Sache und dann hatte ich noch nicht einmal das Attest meiner Marke eingescannt und muß dieses heute aus fremder Bildquelle zeigen.



Durchaus bin ich auf das Ergebnis bei Aix Phila gespannt und nach der Auktion können wir die Ergebnisse aus 2010 und 2018 in Vergleich ziehen.

Beste Grüße
Markus
 
Frankenjogger Am: 23.10.2018 07:48:04 Gelesen: 603# 3 @  
Hallo,

wurde gerade bei Gärtner für 2.400 Euro zugeschlagen. Da stimmt der Michelpreis noch.

VG, Klemens
 
Markus Pichl Am: 23.10.2018 09:18:37 Gelesen: 572# 4 @  
Hallo,

bei Gärtner war es ebenso, wie nun bei Aix Phila im Angebot, ein Exemplar ohne Bogenrand.

Unter dem Suchbegriff "roter Adenauer" finde ich im Moment fünf verschiedene Exemplare, darunter die zwei von Gärtner und Aix Phila. Bei Heinrich Köhler erzielte ein Oberrandstück (Feld 9) stolze Euro 3.800.- im Zuschlag.

Hier erst einmal eine Übersicht, zu allem anderen komme ich erst heute Abend.



MfG
Markus
 
Markus Pichl Am: 23.10.2018 22:31:37 Gelesen: 470# 5 @  
Hallo,

zur Zeit scheinen sich rare Marken und Belege aus einigen Sammelgebieten unter einer Vielzahl von mindestens besser betuchten Sammlern sich großer Beliebtheit zu erfreuen und das ist für alle am Markt beteiligten recht erfreulich.

Es erweckt mir durchaus den Eindruck, dass diese Sammlerschaft, die sich an gewissen raren Stücken erfreut, heute eine gezieltere Auswahl trifft, als früher und Rar nicht gleich Rar ist. Soll heißen, die genauen Sachverhalte, die zu "Rar" führen, werden heute augenscheinlich genauer hinterfragt. Gut, es gehört dann noch ein bisschen Glück dazu, dass sich Interessenten um das Rare in Bietergefechten duellieren.

Ein Druckbogen bestand aus vier Schalterbogen (= 200 Marken). Ob vier Schalterbogen mit Stempel "Muster" versehen und versendet wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Eventuell kann man das sogar über amtliche Akten recherchieren, insofern man auf solche Zugriff erhält und diese auch noch vorhanden sind?

Die nachstehenden Bilder stammen von Philasearch und zeigen die zwei versteigerten Marken und deren Ergebnisse.









Wenn das Oberrandstück beim Auktionshaus Heinrich Köhler bereits Euro 3.800.- erzielt hat, was mag dann die rechte untere Bogenecke mit Formnummer "2" beim Württembergischen Auktionshaus in wenigen Tagen erzielen? Warten wir gespannt das Ergebnis ab, Bilder folgen dann.

Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 30.10.2018 00:22:32 Gelesen: 341# 6 @  
Hallo,

wie von mir insgeheim eingeschätzt und durch die Blume angedeutet hat das rechte untere Eckrandstück mit Formnummer "2" beim württembergischen Auktionshaus einen noch höheren Zuschlagspreis erzielt, als das Oberrandstück bei Köhler. Vermutet hatte ich einen Zuschlag von vollem Katalogwert, in der "Normalausführung". Dieser wurde sogar noch knapp übertroffen.

Der Zuschlag erfolgte bei Euro 5.200.- (plus Aufgeld)





Gute Zeiten für bestimmte Raritäten.

Das nächste Exemplar, welches versteigert wird, ist das rechte Bogenrandstück beim Auktionshaus Ulrich Felzmann in Düsseldorf. Der Ausrufpreis ist Euro 2.000.-

Beste Grüße
Markus
 
Markus Pichl Am: 09.11.2018 20:42:42 Gelesen: 205# 7 @  
Hallo,

heute wurde das oben bereits angezeigte rechte Bogenrandstück beim Auktionshaus Ulrich Felzmann in Düsseldorf versteigert.

Der Ausruf war auf Euro 2.000.- taxiert und der Zuschlag erfolgte bei Euro 2.500.- (zzgl. sogen. Aufgeld)





Diesem Exemplar liegt ein interessantes Dokument des Bundesministers für das Post- und Fernmeldewesen bei.



Es sagt die Bitte des Ministers aus, dass das zuvor übersandte Musterexemplar, also der "rote Adenauer", zurückzusenden sei und anbei ein neues, also eins in der verausgabten Version, liege.

Der Bitte wird wahrscheinlich nicht jeder Empfänger gefolgt sein, wurde man doch jetzt erst so richtig hellhörig gemacht, dass das zuvor übersandte Exemplar einmal eine Rarität werden könnte.

Durchaus frage ich mich aber, wo denn die dann neu übersandten organgefarbenen Musterstücke abgeblieben sind? Damit möchte ich keine Zweifel an der Echtheit von dem Dokument aufbringen sondern vielmehr die Frage aufwerfen, warum ich bisher keine verausgabte MiNr. 567 mit Stempel "Muster" irgendwo gesehen habe und wo die denn alle abgeblieben sind?

Vor gut 20 Jahren hatte ich als Berufs-Philatelist bzw. als Auktionssachbearbeiter beim Auktionshaus Felzmann die "Muster-Marken"-Sammlung eines Zeitungsjournalisten in Händen gehalten. Nach meiner Erinnerung begann die Sammlung mit diversen Stücken ab den 1970er-Jahren und war später über eine weite Strecke augenscheinlich komplett. Wie auch immer, ein roter Adenauer war in jedem Fall nicht dabei. Was ich damit ausdrücken möchte ist, dass derartige einst versendete Muster-Exemplare tatsächlich den Handstempel "Muster" erhielten und gemäß den Attesten auch solche, die Ende der 1960er-Jahre versendet wurden.

Selbstverständlich hätte eine MiNr. 567 mit Stempel "Muster" nicht den Stellenwert der unverausgabten Marke, aber geben muß es sie ja dennoch.

Beste Grüße
Markus

Bildquelle: Auktionshaus Ulrich Felzmann
 
waelli2018 Am: 10.11.2018 06:19:26 Gelesen: 157# 8 @  
Hallo Markus,

ich war gestern in Düsseldorf und habe überraschenderweise den Zuschlag zu einem - wie ich finde - fairen Preis für dieses Ensemble erhalten. Anbei findest Du einen Scan von beiden Marken nebeneinander, so daß nun ein Musteraufdruck der Auflagenfarbe online ist.

Wie so oft mag der dazugesponnene Hintergrund fast genauso spannend sein wie die Marke selbst:

- Die Rote Adenauer kommt mit Begleitbrief an: "Ach, schon wieder ein Muster, wie üblich. Schreiben weggeworfen, Marke in Schublade - fertig."

- Kurze Zeit später: "Ach, schon wieder ein Muster, naja. Schreiben zerknüllt und weg, Marke in Schublade - fertig. Fertig? So etwas hatten wir doch kürzlich - Sekunde - das ist ja interessant."

- Also das zerknüllte Schreiben aus dem Mülleimer zurückgeholt und zivilen Ungehorsam geleistet und die Rote NICHT zurückgeschickt, so daß nun beide bis zum heutigen Tage nebeneinander verwahrt wurden.
-> Irgendwie so - schöne Geschichte, oder ? :)

Gedanken hierzu:

- Auf Philasearch werden derzeit 2 Marken mit leicht ausmittigem Druck und 3 zentrierte ausgewiesen -> Können alle aus dem von Dir angesprochenen Druckbogen stammen (also innerhalb eines Druckbogens diese Abweichungen entstehen) oder spricht dies eher für einen 2. Druckbogen?

- Die lebhaftorange Marke hat oben blau gefärbte Zähne - offenbar der ´Muster´-Stempel der darüberliegenden Reihe - kann insofern keine Einzelerscheinung gewesen sein.

- Das Anschreiben ist keine stumpfe Kopie, z.B. der Posteingangsstempel hebt sich ab. Irgendeine Idee, was dort steht (´Münchner......haus ...´)?

- Wenn ich mir bei 40-facher Lupenvergrößerung bzw. im 1200dpi-Scan die ´Muster´-Stempel vergleiche, scheint die Tinte leicht abzuweichen. Weißt Du mehr über die Nutzung dieser Stempel in der damaligen Zeit? Gab es nur 1 Musterstempel oder eher ein halbes Dutzend? Ist es wahrscheinlicher, daß einfach das Stempelkissen ausgetauscht/aufgefüllt wurde oder ist der Zweitversand ggf. Chefsache gewesen + wurden hierbei andere Stempel/-kissen eingesetzt?

- Gibt es aus heutiger Sicht fundierte Annahmen über die noch im Umlauf befindlichen Roten (=Gab es 1968 knapp 3 Wochen nach dem Tod von Ohnesorg wirklich so viele regierungstreue Journalisten, die für so etwas Muße aufbrachten und brav zurückgeschickt haben)?

Soviel für heute, VG Waelli2018


 
waelli2018 Am: 10.11.2018 07:08:50 Gelesen: 146# 9 @  
Als Ergänzung das Schreiben unter UV-Licht. Das Papier scheint etwas dicker zu sein (jedenfalls bringt es mehr auf die Waage als ein heutiges Blatt mit 80g/m2).


 
Markus Pichl Am: 10.11.2018 10:24:21 Gelesen: 99# 10 @  
@ waelli2018 [#8]

Hallo waellli2018,

herzlichen Glückwunsch, zu den ersteigerten Marken und danke für die Bilder.

Aus der Losbeschreibung erging zwar, dass auch die MiNr. 567 mit Stempel "Muster" dem Los beiliegt, aber sie war leider nicht im Online-Katalog abgebildet. Das wir jetzt diese sogar, vor allem so schnell, zu sehen bekommen, da habe ich nicht davon gewagt zu träumen.

Selbst habe ich nicht davon geschrieben, dass es nur einen Druckbogen der unverausgabten Marke gab sondern nur aufgeführt, aus wie vielen Schalterbogen ein Druckbogen bestand.

Wie viele Muster-Exemplare damals versendet wurden, entzieht sich wie gesagt meiner Kenntnis. Vorstellbar ist, dass vielleicht das eine oder andere Exemplar sogar noch in Archiven von Verlagen oder Journalisten schlummert.

Vielleicht gibt es im Hause Schlegel eine Statistik, wie viele Exemplare bisweilen von den drei Schlegel's attestiert wurden?

Die violette Stempelfarbe auf den oberen Zahnspitzen bei MiNr. 567 spricht dafür, dass der Stempel "Muster" angebracht wurde, als sich die Marke noch innerhalb einem Schalterbogen befand. Einerseits gab es wahrscheinlich, zumindest im Laufe der Zeit, verschiedene Handstempel "Muster", die verwendet wurden und andererseits ist ein solcher Stempel recht einfach nachahmbar. Verausgabte Exemplare, die einen solchen Muster-Stempel tragen, werden nicht BPP-geprüft.

Zu einer weiterführenden Recherche, z.B. in diversen Online-Archiven weitere Exemplare der unverausgabten Marke oder gewöhnliche Schalterbogen der verausgabten aufzustöbern, bin ich noch nicht gekommen.

Beste Grüße
Markus
 
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