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Thema: Waffeleinpressung als Schutz gegen Wiederverwendung von Marken
Jürgen Witkowski Am: 15.11.2009 22:00:40 Gelesen: 12667# 1 @  
Ab dem Jahr 1867 kam in den USA auf Marken, die von der National Bank Note Company, New York hergestellt wurden, eine Waffeleinpressung, auch Gaufrage oder im englischen Sprachraum "Grill" genannt, zum Einsatz. Durch die nach dem Druck erfolgte Einprägung eines Gittermusters wurde die Papieroberfläche leicht beschädigt. Dadurch sollte erreicht werden, dass die Stempelfarbe tief in das Papier eindringt und eine Entfernung und somit eine Wiederverwendung der Marken erschwerte.

Während die Marken mit "grills" aus den USA außerordentlich gesucht und recht teuer sind, gibt es aus Peru eine Reihe von Ausgaben ab dem Jahr 1874, die im Michel annähernd zu den verhältnismäßig niedrigen Preisen der "Normalmarken" notiert sind. Sie wurden von derselben Druckerei hergestellt, wie die USA-Marken.

Da die Auflagenhöhen der peruanischen Marken den Angaben im Michel nicht zu entnehmen sind, kann man nur spekulieren, ob es an einer hohen Auflage oder an mangelndem Sammelinteresse liegt, dass diese philatelistisch interessante Episode anscheinend wenig beachtet wird.


Peru, Portomarke MiNr. 2I mit Waffeleinpressung

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
AfriKiwi Am: 15.11.2009 23:58:29 Gelesen: 12649# 2 @  
@ Concordia CA [#1]

Hallo Jürgen,

ob es an einer hohen Auflage oder an mangelndem Sammelinteresse liegt, dass diese philatelistisch interessante Episode anscheinend wenig beachtet wird.

Ich vermute eher es mangelt an Sammlern von diesem Gebiet.

Es ist doch thematisch eine tolle Marke nur dem Bild nach und vermute wohl auch wegen dem Grill geschätzt.

Ich überlasse aber mehr unseren Südamerikasammlern das fundierte Wort zum Thema.

Erich
 
Harald Zierock Am: 16.11.2009 10:27:22 Gelesen: 12634# 3 @  
@ Concordia CA [#1]

Jürgen,

eine Kleinigkeit habe ich über dieses Thema gefunden; ob es Dir von großem Nutzen sein wird, weiß ich nicht.

Viele Grüße,

Harald

http://www.1847usa.com/Grills.htm
 
Lars Boettger Am: 16.11.2009 11:42:52 Gelesen: 12621# 4 @  
@ Concordia CA [#1]

Hallo Jürgen,

"ausserordentlich selten" trifft nur für einen kleinen Teil der "Grills" zu. Gerade die Ausgabe von 1869 wurde in der Regel mit Waffeleinpressung ausgegeben. Die frühen und experimentellen "Grills" und die auf den hohen Nominalen der Banknotes sind z.T. ausgesprochenen Weltraritäten.

M.W. war die Auflage für Peru relativ hoch, es sind noch ungebrauchte Bögen vorhanden. Allerdings sind meine Unterlagen zu dem Thema eingelagert. Eventuell findet sich auf der Internetseite der USPCS noch mehr zu dem Thema: http://www.uspcs.org

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
Lothar Schrapp Am: 16.11.2009 23:28:31 Gelesen: 12582# 5 @  
@ Concordia CA [#1]

Hallo Jürgen,

erst durch Deinen Beitrag bin ich neugierig geworden, ob ich in meinen Beständen auch Marken aus Peru mit Waffeleinpressung besitze. Bei grober Durchsicht habe ich davon bereits ca. ein Dutzend Marken gefunden. Also ein Anzeichen dafür, dass sie nicht selten sind.

Die Marke Nr. 4 der Portomarken zeige ich hier mit Vor- und Rückseite. Als Ergänzung der von Dir bereits vorgestellten Nr. 2 dieses Satzes aus dem Ausgabejahr 1874. (Kein Beitrag für ein Bilderbuch für Kleinkinder).

Da ich leider nicht (mehr) über ausreichende Englischkenntnisse verfüge, fehlen mir grundlegende Informationen zu Waffeleinpressungen. Mein Michel-Katalog aus dem Jahr 1996 und die aufgezeigten Links helfen mir nicht weiter.

Die Südamerika-Sammler können mir vielleicht Hinweise geben, ob die genannten Marken aus Peru zwischenzeitlich doch noch eine besondere Entwicklung genommen haben.



Mit freundlichen Sammlergrüssen

Lothar Schrapp
 
petzlaff Am: 17.11.2009 15:56:13 Gelesen: 12567# 6 @  
Die "Grills" sind beileibe keine Exoten, sondern insbesondere in der postalischen Philatelie Merkmale, die separate Katalogisierungen rechtfertigen (Scott und Michel geben ein Beispiel dafür).

Unter den "Grills" gibt es Weltraritäten, die es mit einer "Mauritius" aufnehmen können.

Selbst auf (in Normalausführung) relativ häufigen Marken, wie z.B. der grünen 3c Washington ist ein "Grill" für den durchschnittlichen Sammler zu Recht schon eine kleine Sensation.

Lieber Lars, sei bitte nicht böse, wenn ich deine Aussage ein wenig relativiere - es gibt Marken, die nur mit "Grill" bekannt sind (z.B. die USA Pictorals von 1869 - von den Sonderdrucken rede ich an dieser Stelle nicht). Andere Serien, wie zum Beispiel die "Banknotes" sind mit "Grill" in akzeptabler Erhaltung durch die Bank hinweg sehr bis extrem selten.

LG
Stefan
 
Lars Boettger Am: 17.11.2009 16:57:25 Gelesen: 12552# 7 @  
@ petzlaff [#6]

Hallo Stefan,

es gibt m.W. auch Pictorals ohne Grill - und ich meine nicht die Reprints. Und es gibt Marken mit Mehrfach-Grills. Im Prinzip bestätigst Du meine Aussage nur: Viele Grills sind relativ einfach erhältlich, andere wie die "Z"-Grills z.T. nur in wenigen (und teilweise umstrittenen) Exemplaren vorhanden. Das ist ein Thema, bei denen selbst Experten sich die Köpfe mit Wonne einschlagen und Prüfergebnisse schneller kippen, als die Tinte auf den Attesten trocken wird.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
petzlaff Am: 17.11.2009 17:11:13 Gelesen: 12549# 8 @  
@ Lars Boettger [#7]

Es gibt Pictorals SCHEINBAR ohne Grill - diese Serie wurde offiziell nie ohne Grill ausgegeben.

Leider existieren zahlreiche "ohne Grill" Fälschungen, die vermutlich mit einem "heissen Bügeleisen" hergestellt wurden. :-).

Die Reprints sollten wir tatsächlich aussen vor lassen, wie ich aber auch schon sagte.

Mehrfach-Grills sind absolute Sahnestücke, ebenso wie die "Split-Grills", bei denen die Pressung nicht passgenau auf die Marke aufgebracht wurde.

Auf alle Fälle sind die "Grills" separate, ganz offiziell zertifizierte eigenständige Markenausgaben, die keine Unternummern, sondern durchaus Hauptnummern in der Katalogisierungsschematik rechtfertigen.

LG
Stefan
 
Lars Boettger Am: 17.11.2009 19:08:41 Gelesen: 12536# 9 @  
@ petzlaff [#8]

Hallo Stefan,

es gibt Pictorials ohne Grill: http://www.siegelauctions.com/ - einfach "Powersearch" benutzen. Es sind nicht viele Marken ohne Grill geblieben, aber sie sind vorhanden (namentlich die 30 Cents). Scott Trepel war der "Section Editor" für den "Chronicle" für die Pictorials, von daher glaube ich seinen Beschreibungen.

Von meiner Seite ist damit die Abschweifung "Grill ja/nein auf Pictorials" beendet, sonst wird das hier zu speziell.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
petzlaff Am: 18.11.2009 09:33:41 Gelesen: 12511# 10 @  
@ Lars Boettger [#9]

Danke für den Hinweis - ABER: waren das offizielle Ausgaben ?

Ich möchte das bezweifeln - es handelt sich m.E. wohl um Abarten bzw. durchgerutschte Makulatur, die heute natürlich preislich, sofern angeboten, ihren Seltenheitswert einfährt.

LG
Stefan
 
Lars Boettger Am: 18.11.2009 11:58:44 Gelesen: 12499# 11 @  
@ petzlaff [#10]

Hallo Stefan,

wie definierst Du offizielle Ausgaben? Die Philatelisten haben die Unterscheidungen gemacht, der Post war es wurscht. M.W. handelt es sich aber nicht um Makulatur oder Abarten sondern um über den Postschalter verkaufte Briefmarken ohne Grill. Die USPS hat aber nicht "offiziell" geschrieben, dass die Marken jetzt ohne Grill verkauft werden.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
petzlaff Am: 18.11.2009 17:10:51 Gelesen: 12476# 12 @  
@ Lars Boettger [#11]

Lieber Lars,

die Pictorals ohne Grill werden nicht zu Unrecht im Michel mit dem Suffix ...F gekennzeichnet.

Es handelt sich um "Abnormals", die wirklich selten sind, aber philatelistisch gesehen keinen anderen Status (man verzeihe mir den profanen Vergleich) einnehmen als beispielsweise ungezähnte Bund-Makulatur.

Ich denke, über den Stellenwert dieser "Ausgaben" sollten sich besser die Puristen streiten, nicht aber wir.

LG
Stefan
 
Jürgen Witkowski Am: 19.11.2009 00:33:44 Gelesen: 12460# 13 @  
Nach soviel akademischer, aber durchaus interessanter Diskussion über die Problematik der Einschätzung der Grills im Sammelgebiet USA, möchte ich dem schönen Beispiel von Lothar Schrapp ein weiteres Exemplar aus Peru mit Waffeleinpressung folgen lassen.

Bei dem leider nicht sehr gut erhaltenen Stück handelt es sich um MiNr. 26 aus dem Jahr 1880.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Harald Zierock Am: 19.11.2009 07:37:03 Gelesen: 12447# 14 @  
@ Concordia CA [#13]

Jürgen,

diese Serie habe ich auch; es gibt sie nur mit Waffeleinpressung. So wird es wenigstens angegeben.

Viele Grüße,

Harald
 
Jürgen Witkowski Am: 22.11.2009 21:43:03 Gelesen: 12367# 15 @  
Ein weiteres Exemplar aus Peru mit Waffeleinpressung, das der Fußnote im Michel recht gibt, die da aussagt: "Auch mit doppelter, verschobener Waffel u.a. (häufig).

Die verschobene Waffel bei dieser MiNr. I zu 1 Cent. ist offensichtlich.

Diese Marke wurde nicht verausgabt. Da macht mich die Abstempelung nun doch stutzig. Irrtümlich verwendet oder Falschstempel ist hier die Frage.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Harald Zierock Am: 23.11.2009 07:52:22 Gelesen: 12351# 16 @  
@ Concordia CA [#15]

Hallo Jürgen,

das sieht mir eher wie ein Aufdruck als wie ein Stempel aus. Es ist aber alles so undeutlich.

Ich habe auch unter "Chilenische Besetzung von Peru" nachgeschaut, aber nichts eindeutiges gefunden.

Schön wenn man solche Sachen hat; das gibt wenigsten Gesprächsstoff.

Viele Grüße,

Harald

Mit Picasa3 versucht zu verbessern


 
Lars Boettger Am: 23.11.2009 09:18:05 Gelesen: 12346# 17 @  
@ Concordia CA [#15]

Hallo Jürgen,

das könnte auch ein normaler Kork-Killer sein. Die Waffeleinpressung verhindert ein klareres Stempelbild.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
Jürgen Witkowski Am: 23.11.2009 11:51:03 Gelesen: 12334# 18 @  
@ Lars Boettger [#17]

Mich irritiert, dass die Marke weder mit Aufdruck, noch mit Stempel vorkommen sollte, da sie nicht verausgabt wurde.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Lars Boettger Am: 23.11.2009 12:08:40 Gelesen: 12329# 19 @  
@ Concordia CA [#18]

Hallo Jürgen,

so ein Schmutzfleck bzw. Korkstempel ist doch im nu auf eine Marke gezaubert. Egal, ob sie jemals verausgabt wurde oder nicht. Korkkiller waren m.W. in den USA um diese Zeit immer noch eine gewöhnliche Art, Briefmarken zu entwerten.

Beste Sammergrüsse!

Lars
 
gruja2005 Am: 12.12.2009 23:09:41 Gelesen: 12175# 20 @  
Hallo Leute, ich bin neu hier.

Hier habe ich auch einen MiNr. 22 aus Peru mit Waffeleinpressung.

Mich interessiert, wie das zu bewerten ist und ob es irgendeine Webseite gibt, wo man sich informieren kann?

Danke.

gruja2005


 
petzlaff Am: 13.12.2009 08:16:48 Gelesen: 12163# 21 @  
@ gruja2005 [#20]

Hallo gruja2005,

kann es sein, dass die von dir gezeigte Abbildung bedingt durch das Scannen oder Fotografieren farbverfälscht wiedergegeben wurde?

Die 10 Centavos Marke gibt es in folgenden Varianten:

Mi #22 - 1876 - grün mit Waffel - Druck National Bank Note Co., New York (NBN)
Mi #67 - 1884 - schwarzschiefer mit Waffel - Druck American Bank Note Co., New York (ABN)
Mi #71 - 1886 - schwarzschiefer ohne Waffel - Druck American Bank Note Co., New York (ABN)

Die Waffeleinpressung ist normal bei den amerikanischen Drucken für Peru vor 1885. In den USA selber wurden die Waffeleinpressungen derselben Druckereiche ca. Mitte der 1870er Jahre aufgegeben. Vorher waren sie auch dort normal. Die Waffeln dienten als Schutz gegen Wiederverwendung (der Stempel ließ sich schwerer entfernen als bei Marken ohne Waffel).

Der Wert aller genannten 10 Centimos Ausgaben liegt im Pfennig-Bereich.

LG
Stefan
 
petzlaff Am: 03.01.2010 09:45:15 Gelesen: 12062# 22 @  
@ Concordia CA [#15]

Kommt etwas spät, aber kommt:

Die unverausgabte 1 Centavo in Grün von 1879 gibt es nur ohne Waffel.

Ich denke, bei der gezeigten Marke handelt es sich um eine Michel #31 (Auslandsausgabe in UPU-Farben) mit einem sehr schwachen Aufdruck. Dies ist die einzige grüne 1C MIT Waffel, die es offiziell gegeben hat (Urmarke Mi #19 in Farbänderung). Das Oval des "Plata"-Aufdrucks ist rechts neben dem Medaillon sehr deutlich zu erkennen.

Chilenische Besatzung bzw. die Aushilfsausgabe von 1883 scheidet aus - da ist der Aufdruck ein Hufeisen und nicht so schön oval wie hier.

LG
Stefan
 
Jürgen Witkowski Am: 03.01.2010 22:28:32 Gelesen: 12026# 23 @  
@ petzlaff [#22]

Respekt vor Deinem scharfen Auge. Ich habe die sichtbaren Linien des Ovals einmal kenntlich gemacht.

Mich macht allerdings stutzig, dass das Oval bei den Abbildungen im Michel annähernd die Größe der Marke haben. Das scheint mir bei meiner Marke nicht der Fall zu sein.

Die 1 Cent grün ist wohl recht häufig mit Aufdrucken versehen worden. Ich habe folgende MiNr. gefunden:

26, 31, 47, IX, 59, 64, XII und A74 sowie unter chilenischer Besetzung 50 und 74.

Sie alle beziehen sich auf Bild "t" in Farbe grün mit Waffeleinpressung. Ich denke, von der These, dass es sich um die MiNr. I handelt, kann ich mich verabschieden. Welche Ausgabe hier vorliegt, werden wohl nur Vergleichsstücke zeigen können.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
petzlaff Am: 04.01.2010 07:21:44 Gelesen: 12008# 24 @  
@ Concordia CA [#23]

Du hast Recht, es könnte sich auch um den kleineren Aufdruck "LIMA" handeln, dann wäre es eine #16.

Leider läßt sich nicht erkennen, ob im unteren Bogen des Ovals "PERU" (wie bei der #26) oder "LIMA" steht. Allerdings irritiert mich jetzt schon, dass der Aufdruck in Schwarz und nicht wie üblich in Rot ist.

Möglicherweise handelt es sich aber auch einen General Bermudéz Aufdruck von 1894 (Mi #76). Dann würde aber der rote Erstaufdruck der #26 fehlen.

Fragen über Fragen - und ungemein spannend.

Auf alle Fälle nichts Gewöhnliches.

LG
Stefan
 
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