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Thema: Moderne Postgeschichte: Internationales Remailing
Das Thema hat 219 Beiträge:
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Araneus Am: 11.09.2020 15:51:39 Gelesen: 24482# 195 @  
Aus der heutigen Post ein Brief aus der Schweiz mit Rücksende-Postfach 2963 in Niederaula (Ausschnitt aus dem DIN A4-Adressträger).



Absender ist das Logistik-Unternehmen Rhenus, Standort Schaffhausen, der hier als Versender von Broschüren für Schweiz Tourismus fungiert. Wem das Postfach gehört, lässt sich nicht erkennen.

Schöne Grüße
Franz-Josef
 
DL8AAM Am: 16.09.2020 21:37:33 Gelesen: 23879# 196 @  
Postfach 7032 - Schiemdam

Bisher wurde dieses Postfach hier noch nicht beschrieben, auch finde ich im Internet keine Verweise auf dieses spezielle Fach



Werbesendung des Absenders (der nur im Anschreiben "so" genannt wird) "Google Ireland Ltd." (Gordon House, Barrow Street, Dublin 4), frankiert mit einem typischen Remailing Entgelt-Bezahlt-Eindruck der PostNL bzw. der PostNL Gruppe (Spring / G3 Worldwide); Okt/Nov 2016.

Rücksendeadresse P.O. Box 7032, 3109AA Schiedam aus der bekannten 7000er Serie von PostNLs Remailing-Geschäft, wobei diese spezielle Fach 7032 mir bisher unbekannt war. Üblicherweise identifizieren die einzelnen Postfächer ja die Kundengruppen, wie z.B. die Herkunftsländer oder u.U. vielleicht auch Großeinlieferer (Konsolidierer/Remailingpartner o.ä.). Hat jemand hierzu genauere Informationen oder hat weitere Belege mit diesem Postfach, um die "Bedeutung" näher einzugrenzen? Vielleicht steht 7032 ja für Irland? Wobei bei dieser Art von weltweit aktiven Absendern, wie Google, das Produktionsland (und/oder "Abgabeland") des Mailings nicht zwingend mit dem Land des angegebenen Firmensitz übereinstimmen muss.

Beste Grüße
Thomas
 
DL8AAM Am: 06.11.2020 02:31:39 Gelesen: 19011# 197 @  
Postfach 2013 - 3000 CA Rotterdam



a) Eingedruckt auf dem Umschlag befindet sich ein Entgeltbezahlteindruck (PPI) aus Schweden
AIRMAIL / PRIORITY A / If undeliverable return to: / Dept. 633MSSB / PO Box 5001 / SE-202 26 Malmö / PP / SE

wobei MSSB für "Morgan Stanley Smith Barney" steht, siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Morgan_Stanley_Wealth_Management

b) diesen PPI überklebt ein Entgeltbezahlt-Label der britischen Royal Mail:
AIRMAIL / 1 / ROYAL MAIL / POSTAGE PAID GB / SE 6211

c) und dieses Label wurde nun durch zwei weiße Blanco-Labels und dann abschliessend durch das endgültge Frankatur-Label der niederländischen PostNL überklebt, über die die Sendung letztendlich dann doch noch UPU-versendet wurde (Oktober 2015)
Port Payé / Pays-Bas / postnl / returns to: / P.O. Box 2013 / 3000 CA Rotterdam / Nederland

Der Umschlag, der sehr wahrscheinlich aus dem Haus Morgan Stanley stammt (aber ohne "echte" Absendernennung), selbst trägt keine weiteren Kennzeichnungen, außer dem rückseitigen Druckvermerk FA993 T (REV. 10/10), d.h. das Formular wurde wohl bereits im Jahr 2010 gedruckt?

Die Frage ist, steckt hinter dem Postfach 2013 in Rotterdam ein Remailing-Dienstleister oder wurde die Sendung nur innerhalb des Morgan Stanley Konzerns immer weitergeleitet, bis man eine günstige Einlieferungspost gefunden hat. Hat jemand weitere Sendungen mit diesem Rücksendepostfach? Im Internet finden sich weder weitere Frankatur-Beispiele, noch irgendwelche Verweise auf das Postfach selbst.

Beste Grüße
Thomas

Beispiele der überklebten Entgeltbezahlt-Eindrucke ("Dept. 633MSSB" und "SE 6211") wurden bereits in der Vergangenheit schon mal in unserer Stempeldatenbank eingestellt, siehe



(identischer Eindruck)



(ähnlicher Tintenstrahler)

https://www.philastempel.de/stempel/zeigen/112694 bzw. https://www.philastempel.de/stempel/zeigen/147995
 
Araneus Am: 22.11.2020 19:49:54 Gelesen: 17359# 198 @  
Swiss Post International

Leider liegt mir nur ein leerer Fensterumschlag vor. Interessant ist hier der Freimachungsvermerk der Swiss Post International, der eine Datumsangabe enthält. Das Ganze sieht aus wie der Druck einer umgebauten Freistempelmaschine:



Schöne Grüße
Franz-Josef
 
büsi Am: 04.12.2020 23:46:02 Gelesen: 15921# 199 @  
@ DL8AAM [#28]

Durch Zufall habe ich den Beitrag über den Remailing-Brief aus Büsingen gefunden. Ich wäre daran für meine Heimatsammlung interessiert, weiß aber als Neuling nicht, ob diese Kontaktaufnahme so funktioniert. Sie können mir aber gern eine eMail mit dem Schlagwort "Büsingen-Remailing" senden.

mit freundlichen Grüßen, Büsi
 
GSFreak Am: 04.01.2021 13:59:39 Gelesen: 11338# 200 @  
Hier eine unfrankierte Ansichtskarte aus Lanzarote nach Deutschland, geschrieben am 24.11.1995 an der Costa Teguise.

Wie kommt ein belgischer P.P.-Stempel auf die Karte? Gab es da seinerzeit einen belgischen Postdienstleister auf Lanzarote oder wurde die Karte erst bei einem Zwischenstopp der Urlauber in Brüssel dort am Flughafen "freigemacht", weil sie vergessen hatten, die Karte von Lanzarote aus abzusenden?



Beste Grüße
Ulrich
 
Journalist Am: 04.01.2021 14:08:05 Gelesen: 11336# 201 @  
@ GSFreak [#200]

Hallo Ulrich,

ein tolles Stück, das man auf alle Fälle aufheben sollte. Hier gibt es viele verschiedene Postkarten aus verschiedenen Urlaubsgebieten, die in den letzten Jahren vorbei an der jeweiligen Heimatpost über Privatpostdienstleister an den Empfangsort geleitet wurden.

Viele Grüße Jürgen
 
DL8AAM Am: 04.01.2021 19:29:20 Gelesen: 11275# 202 @  
@ GSFreak [#200]
@ Journalist [#201]

Hi,

das ist "etwas" aus dem Bereich des internationen Remailings.

Diese Karten wurden vor Ort entweder per Einwurf über separate Briefkästen, auch per Abgabe bei der Hotelrezeption oder Kiosk o.ä. versendet. Der versendende Kunde hat sicherlich das Porto bezahlt, auch wenn hier scheinbar wohl keine spezielle, sichtbare Frankatur mitverkauft wurde.

Der örtliche (kanarische) "Postbetreiber" muss natürlich die 'eingesammelten' Postkarten irgendwie in den UPU-Kreislauf einschleusen, dafür werden Remailingstrukturen verwendet. In Deinem Fall wurde die Karte über die belgische Post in das UPU-System abgeleitet.

In der belgischen "Entgeltbezahlt"-Frankatur findet sich die postalische Lizenz- bzw. Genehmigungsnummer ("Permit Mail") des "UPU-Einlieferes", hier "B-101" (ehemals "10/537", bis 1994). Hinter dieser Lizenznummer steht das 1986 gegründete weltweit aktive Remailingunternehmen "Belgavia Mailhouse BGMH". 1996 wurde BGMH von Scandinavian Distribution and Postal Service (SDPS), einer Tochter der dänischen Post (Post Danmark), übernommen (umbenannt in "Belgian Mailhouse") und später in das Joint Venture "Direct Link" der dänischen und schwedischen Post eingegliedert.

Interessant ist übrigens das angegebene Rücksendepostfach "P.O. Box 101/30" beim Flughafen Brüssel, 101 steht für BGMH und der nachgestellte Suffix gibt den tatsächlichen Kunden an. In diesem Fall "30" und 30 steht für DHL. Das heisst DHL hat für seine Ableitungen ihrer Kunden von den Kanarischen Inseln damals BGMH als "Subdienstleister" eingesetzt.

Man könnte, wenn man "bösartig" wäre, Deine Karte also in die Schublade "Deutsche Post in Spanien" ablegen. ;-)

Wie gesagt, "schöne neue Postwelt". ;-)

Beste Grüße
Thomas

[Beiträge [#200] bis [#202] redaktionell verschoben aus dem Thema "Entgeltvermerke - sammelwürdig ?"]
 
Leon Am: 05.01.2021 13:15:03 Gelesen: 11081# 203 @  
Hallo,

das ist mein erster Beitrag auf dieser Website. Ich möchte gerne ein Remailing aus China über die Philippinen nach Deutschland aus 12/2018 vorstellen.

Versendet wurde der Luftpolsterumschlag zunächst vom chinesischen Absender über den Postdienstleister Yanwen, der ihn anscheinend an die China Post übergab, wie in folgendem Label zu sehen:



Anschließend fand ein Remailing über die philippinische PHLPOST statt, wobei hier als Absender das Postfach 7674 in Pasay City aufgedruckt ist.



Die Bedeutung der Aufschrift "One World" erschließt sich mir jedoch nicht, ist hier eventuell die Fa. "One World Express" noch mit im Spiel?

Gruß
Leon
 
DL8AAM Am: 05.01.2021 17:25:19 Gelesen: 11029# 204 @  
@ Leon [#203]

Danke für das Zeigen, Leon! Chinesische eCommerce-Sendungen über die Philippinen sind ja auch eher etwas "seltener" zu sehen!

Zu Deiner Frage: Ja, es sieht so aus. Dazu passt das folgende Zitat [1]

One World Express, a global e-commerce B2C courier and logistics company, [...] is also keen to work closely with PHLPost

und auch die Schriftart deren Logos entspricht in etwa dem Schriftzug auf Deiner Sendung:



Beste Grüße und nochmals Danke!
Thomas

[1] https://postandparcel.info/67603/news/show-time/
 
Araneus Am: 23.01.2021 20:48:20 Gelesen: 8652# 205 @  
Ich tue mich mittlerweile schwer, den Begriff Remailing für viele neuartigen Belege zu verwenden. Mit der klassischen Definition („ Versand von Brief- oder Warensendungen inländischer Absender über ein kostengünstiges Drittland an Empfänger im Inland“ [1]) lassen sich die hier auf der Seite gezeigten internationalen Warensendungen nicht mehr beschreiben. Vielleicht sollte die Überschrift dieses Threads dahingehend („internationaler Warenversand“) erweitert werden, eine nachträgliche Aufteilung ist wahrscheinlich problematisch. Vielleicht können die „Gründer“ dieses Threads das einmal überdenken.

Der folgende aktuelle Beleg des Modeversenders H&M macht das deutlich.



Die Firma H&M betreibt in Deutschland Ladengeschäfte und einen Onlinehandel, der Sitz der Firma befindet sich in Schweden. Der Versand online bestellter Ware erfolgt bisher von verschiedenen Logistikzentren in Deutschland und Polen. Neuerdings wird aber (auch) direkt aus Schweden versandt.

Möglich wird das dadurch, dass die deutsche DHL in Form der DHL eCommerce Solutions Division unter anderem auch in Schweden aktiv ist. Die Sendungsverfolgung zeigt, dass der gesamte Transportweg im Bereich von DHL bzw. Deutscher Post stattgefunden hat. Die internationale Aktivität nationaler Postunternehmen ist mittlerweile verbreitet. „Remailing“ liegt hier aber nicht vor.

Das Adresslabel entspricht in seiner Gestaltung dem seit dem 01.01.2020 vorgeschriebenen Label für internationale Warenpost [2]. Der Frankiervermerk enthält die Adresse des IPZ 1 in Frankfurt, wurde aber vermutlich schon in Schweden aufgebracht. Die Rücksendeadresse befindet sich in Magdeburg. Interessant die Zustellung als „EINSCHREIBEN Einwurf“.

Schöne Grüße
Franz-Josef

[1] https://www.duden.de/rechtschreibung/Remailing
[2] https://www.deutschepost.de/de/b/briefe-ins-ausland/warenpost-international/harmonised-labels.html
 
Araneus Am: 23.01.2021 20:48:20 Gelesen: 8635# 206 @  
Ich tue mich mittlerweile schwer, den Begriff Remailing für viele neuartigen Belege zu verwenden. Mit der klassischen Definition („ Versand von Brief- oder Warensendungen inländischer Absender über ein kostengünstiges Drittland an Empfänger im Inland“ [1]) lassen sich die hier auf der Seite gezeigten internationalen Warensendungen nicht mehr beschreiben. Vielleicht sollte die Überschrift dieses Threads dahingehend („internationaler Warenversand“) erweitert werden, eine nachträgliche Aufteilung ist wahrscheinlich problematisch. Vielleicht können die „Gründer“ dieses Threads das einmal überdenken.

[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Moderne Postgeschichte: Internationales Remailing"]

Meinung der Redaktion:

Eine Aufteilung eines Themas mit über 200 Beiträgen ist nicht möglich, wohl aber neue Themen nach einem neuen Schema, wobei das alte Thema nach den Grundsätzen des Forums nicht geschlossen werden soll.
 
DL8AAM Am: 24.01.2021 14:55:01 Gelesen: 8593# 207 @  
@ Araneus [#206]

Mit der klassischen Definition („ Versand von Brief- oder Warensendungen inländischer Absender über ein kostengünstiges Drittland an Empfänger im Inland“

Nur leider ist diese Definition falsch. Was Du da beschreibst ist ein Teil des Remailing, nämlich das sogenannte ABA-Remailing, welches übrigens schon sehr, sehr lange verboten wurde und bis heute komplett illegal ist (z.B. der dt. Handwerker [A] verschickt seine Rechnung an seine dt. Kunden [A], über den Umweg einer Post im 1km benachbarten Ausland [B]). In der ganz frühen Frühzeit des Remailings wurde ABA zwar mal praktiziert, das wurde aber sehr, sehr schnell durch die UPU international untersagt. Zugelassen sind lediglich ABB- oder ABC-Remailings.

ABB nennt sich heute oft "Direct Mail" (d.h. zum Beispiel: Werbesendungen deutscher DPAG-Kunden [A] nach Frankreich [B], werden von der DPAG über deren Niederlassung in Frankreich [B] direkt bei der frz. La Poste als Inlandssendung eingeschleust). Beim klassischen (legalen) Remailing handelt es sich, neben der ABB-, meist (...) um die ABC-Form (zum Beispiel: Deutsche Privatposten verschicken Sendungen ihrer Kunden [A] nach Österreich [B] gesammelt über die Malta Post [C]). Bei den "klassischen" eCommerce-Päckchen/Warenpost-Sendungen aus China (nach D) handelt es sich um eben diese klassischen ABB- ("Niederaula-Frankaturen") und ABC-Versionen (z.B. mit belgischen BPI-Frankaturen).

Beste Grüße
Thomas
 
DL8AAM Am: 24.01.2021 16:15:29 Gelesen: 8568# 208 @  
Nur kurz zur Visualisierung

Leider findet sich in meiner Sammlung kein Beispiel eines verbotenen, "klassischen" ABA-Railings, sorry.

ABC-Remailing



Päckchen-/Warenpostsendung eines chinesischen eCommerce-Händlers (A) versendet über das chinesische Logistikunternehmen Yun Express (YT-Sendungsnummer), nach Deutschland (C), UPU-Einschleusung über ECDC Logistics Belgien (B); PPI-Frankatur der BPI (Belgium Post International) unter der Genehmigungsnummer 9572.

ABB-Remailing



Päckchen-/Warenpostsendung eines (hongkong-) chinesischen eCommerce-Händlers (A) versendet über das chinesische Logistikunternehmen 4PX Worldwide Express (HK4PX-Sendungsnummer), nach Deutschland (B), UPU-Versand-Postabwicklung direkt über die Deutsche Post, DPAG-Frankatur "Prepaid" beim IPZ Niederaula ("Postfach 2007") (B) - übrigens verwsendet als selbstgebuchtes Einwurfeinschreiben, dass gemäß der damaligen DPAG-Trackingdetails erstmals im "Internationalen Logistikzentrum der Deutschen Post Singapore" erfasst wurde.

und ein ABB-Remailing in "klassischer" Briefform



Standardbrief aus Kanada (A) in die USA (B), dort versendet als "Inlandssendung" über TNT Mailfast in Buffalo, NY (B) (P.O. Box 2017); AFS-Frankatur (Gerät: PB7150219) vom 29.03.1995.

TNT Mailfast wurde übrigens kurz danach von der niederländischen Post übernommen und ist heute Teil dessen Remailing-Joint Venture (postNL, Royal Mail und Singapore Post) Unternehmens "Spring Global Mail" (aka "G3 Worldwide Mail").

Beste Grüße
Thomas
 
Araneus Am: 24.01.2021 16:17:55 Gelesen: 8565# 209 @  
@ DL8AAM [#207]

Hallo Thomas,

ein Kennzeichen aller Remailing-Formen ist meines Erachtens, das mindestens zwei Postunternehmen beteiligt sind und ein grenzüberschreitender postalischer Transport stattgefunden hat.

Das ist aber im heutigen E-Commerce-Bereich oftmals nicht gegeben. Du selbst hast einmal einen Beleg folgendermaßen vorgestellt: „ Eine spezielle Form, die man im weitesten Sinne - vom Grundprinzip her - ebenfalls dem großen Dunstkreis des Remailgs zuordnen kann, ist der internationale Versand von Waren aus dem Bereich des eCommerces.“ [1]

Einen anderen E-Commerce-Beleg habe ich gestern vorgestellt [2]. Beide Belege sind für mich keine Remailing-Belege. Sie im „Dunstkreis“ anzusiedeln, ist mir philatelistisch zu unpräzise.

Viele Versandhändler betreiben ihre Lager im benachbarten Ausland (z.B. Amazon, Modehändler, Versandapotheken). Sie übergeben die Sendungen für Deutschland entweder im jeweiligen Land an DHL oder bringen die Sendungen selbst über die Grenze und liefern Sie direkt an einem DHL-Paketzentrum ein. Manche chinesischen Versandhändler betreiben Lager in Europa oder bringen die Ware containerweise nach Europa, wo sie dann in postalische Sendungen verpackt werden. Das sind dann aber reguläre Inlandssendungen.

Der Online-Handel wird weiter zunehmen, die Zahl und auch die Vielfalt der Belege wird größer werden. Eine Trennung der E-Commerce-Belege aus dem Ausland von den wirklichen Remailing-Belegen würde ich für sinnvoll erachten.

Schöne Grüße
Franz-Josef

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=242322
[2] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=256897
 
DL8AAM Am: 24.01.2021 17:31:09 Gelesen: 8535# 210 @  
@ Araneus [#205]

Die internationale Aktivität nationaler Postunternehmen ist mittlerweile verbreitet. „Remailing“ liegt hier aber nicht vor.

Wenn das kein Remailing ist, was dann? Der einzige Unterschied zu "früher", der "klassischen Zeit" des Remailings ist, das ursprünglich damals reine Privatunternehmen als Remailingdienstleister aktiv waren, die für den Teil des Postweges die teureren- örtlich eigentlich zuständigen - "hoheitlichen" Posten umgangen haben. Zwischenzeitlich haben aber die großen (nationalen/hoheitlichen) Posten Remailing als Geschäftsmodell entdeckt und haben diese alten Privatfirmen, die Pioniere des Geschäfts, aus dem Business - durch Aufkauf - rausgedrängt und so das Business fast komplett selbst übernommen. Das Geschäftsmodell wird aber in seiner "Grundform" genauso weitergeführt, wie damals, auch wenn das nun verfeinert, weiterentwickelt und extrem "professionaliert" (ver-Konzern-t) abgewickelt wird.

Das Grundprinzip des Remailings war und ist aber weiterhin, das der postversendende Kunde seine Auslandssendungen nicht vor Ort, normal bei seinem national zuständigen "Postamt" einliefert, sondern das er seine Sendungen (in aller Regel vor Ort) irgendeinem externen "Dienstleister" übergibt, der die Sendungen dann auf eigene Kappe, über "eigene Wege" irgendwie ins Ausland transportiert (transportieren lässt) und die Sendungen offiziell erst im Empfänger- (ABB-) bzw. in einem zwischengeschalteten Drittland (ABC-Remailing) in den UPU-Postlauf einschleust.

Das diese im Ausland tätigen privaten Dienstleister inzwischen fast alle irgendeiner "normalen" Post gehören, tut hier erst einmal prinzipiell nicht zur Sache.

In Deinem Fall ist hier die schwedische Niederlassung der "DHL eCommerce Solutions Division" das eigentliche Remailingunternehmen, dass die Sendungen vor Ort einsammelt (vom Versender übernimmt, direkt oder über "Konsolidierer") und anschliessend dann "per gelbem DHL-Laster" (oder Flieger) [aber außerhalb des UPU-Systems] nach Deutschland schafft und erst in Deutschland, der hier "zuständigen UPU-Post", nämlich der Deutschen Post DHL, übergibt, die die Sendung dann als einfache Inlandssendung verschickt. Absolut klassisches ABB-Remailing (siehe auch "Direct Mail"). Selbst wenn vieles konzernintern abgewickelt wird, ist das Remailing, nur halt die "moderne" Form des Remailings.

Nur am Rande zur Ergänzung: Der physische "Umweg" kann aber auch abgekürzt werden, nämlich wenn die offiziell UPU-einschleusende, nationale Post im Ausland ein - bei der UPU registriertes - ETOE (extraterritoriales Austauschbüro) betreibt. Zum Beispiel, wenn man hier in Deutschland Werbung aus Kanada mit PPI-Frankatur von Surinam erhält (ABC-Remailing), die sicherlich niemals den dinglichen Umweg über Surinam genommen hat, sondern die bereits in einem ETOE der Surinam Post im Ausland UPU-ausgetauscht wurde.



Remailing ist heutezutage sehr vielschichtig, oftmals recht komplex und häufig auf den ersten Blick auch nicht (mehr) als Remailing zu erkennen, siehe



ABB-Remailing eines französischen Absenders (Kunde der frz. La Poste). Versand abgewickelt über die La Poste und von dieser direkt bei der Deutschen Post, offiziell über das IPZ Niederaula, als "Direct Mail" eingeliefert [#103]. Falls hier das Postfach in Niederaula nicht eingedruckt wäre, wäre die Remailingeigenschaft unerkennbar und komplett verschleiert.

Versuche einmal unser Mitglied Alex Gundel zu erreichen, bei ihm kannst Du (kostenlos) eine PDF-Kopie seines fast 400seitigen (DIN A4) Handbuchs "Remailing Initiated the Globalization of the Mail Market" von 2019 bekommen, siehe [#162].

Beste Grüße
Thomas
 
epem7081 Am: 24.01.2021 17:55:35 Gelesen: 8544# 211 @  
@ DL8AAM [#208]

Leider findet sich in meiner Sammlung kein Beispiel eines verbotenen, "klassischen" ABA-Railings, sorry.

Hallo Thomas,

vielleicht kann ich hier hinsichtlich ABA aushelfen.



Mitte der 90er Jahre wurden die Mitteilungen der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e.V. mit Sitz in Stuttgart vorübergehend über CH Kreuzlingen an die Mitglieder verschickt. Siehe hier Beispiel vom 7.11.1994.

Ich meine sogar mich erinnern zu können, dass einmal über den kostengünstigeren Versand informiert wurde - finde aber das Zitat derzeit nicht in meinen Unterlagen.

Mit freundlichen Grüßen
Edwin
 
DL8AAM Am: 24.01.2021 18:24:31 Gelesen: 8531# 212 @  
@ epem7081 [#211]

Besten Dank! "Glückwunsch" zu dieser selteneren ABA-Form. Von Stuttgart nach Stuttgart über die Schweiz, illegaler geht's kaum noch ;-) Insbesondere die (einzige) auf dem Umschlag angegebene Absenderadresse (und "Rücksendeadresse") in Deutschland...

Ich selbst habe leider in meinen "1000den" von Remailingbelegen keinen echten ABA-Fall. Ich habe zwar einige "getürkte" bzw. "scheinbare" ABA-Belege, z.B. deutsche "Absender", die ihre Mailings meist innerhalb des eigenen Konzerns (o.ä.) irgendwo im Ausland produzieren lassen und dann im Ausland eben bereits von diesem Mailing-Hersteller versenden lassen (oftmals findet sich dann im Anschreiben sogar eine deutsche Adresse und man denkt deshalb fälschlich an ein ABA-, statt an ein ABB-/ABC-Remailing), aber wirklich "echte" ABAs sind ausgesprochen selten bzw. sind "ganz alt" und stammen aus der Zeit vor dem ABA-Verbot der UPU.


@ Araneus [#209]

ein Kennzeichen aller Remailing-Formen ist meines Erachtens, das mindestens zwei Postunternehmen beteiligt sind und ein grenzüberschreitender postalischer Transport stattgefunden hat.

... nichtpostalischer Transport ;-)

Das Grundprinzip des Remailings ist, das der postversendene Kunde seine Auslandssendungen nicht vor Ort - bei seiner national zuständigen UPU-Post - einliefert, sondern das er seine Sendungen (in aller Regel vor Ort) irgendeinem externen "Dienstleister" übergibt, der die Sendungen dann auf eigene Kappe, über "eigene Wege" irgendwie ins Ausland transportiert [d.h. außerhalb des UPU-Laufes "aus dem Lande schafft", von Axx nach xBx] und die Sendungen offiziell dann erst im Empfänger- (ABB-) bzw. in einem zwischengeschalteten Drittland (ABC-Remailing) in den UPU-Postlauf einschleust.

Wobei ich Dir Recht gebe, da der Kompex Remailing, in allen seinen Facetten, inzwischen so unübersichtlich geworden ist, fast eine eigene Wissenschaft ist, mag es wirklich Sinn ergeben, den Teil des internationen eCommerce-Versands (zukünftig) in einem eigenen Thema anzusiedeln.

Beste Grüße
Thomas
 
iholymoses Am: 31.01.2021 22:50:09 Gelesen: 7471# 213 @  
Hallo,

meine letzten beiden AMEX Kreditkartenabrechnungen kamen mit überklebter Freimachung von ASENDIA:



Da ist wohl die "Broadbridge Mail" (?) als Versender ausgewechselt worden:



Schönen Abend,
Reinhard
 
DL8AAM Am: 01.02.2021 15:32:31 Gelesen: 7349# 214 @  
@ iholymoses [#213]

Da ist wohl die "Broadbridge Mail" (?) als Versender ausgewechselt worden:

Hi,

kann sein, muss aber nicht. ;-) Vielleicht hat ASENDIA (Niederlassung USA/New York, "JFK") den Broadbridge-Leuten einfach nur ein besseres Angebot für Überseeableitungen gemacht, als die USPS. Broadbridge muss die Sendungen ja auch "irgendwo" bei einer Post loswerden.

Vielleicht mal checken, ob sich das Layout/Druckbild der verschickten Abrechnungen geändert hat. Meist geben "Banken" das gesamte Paket (Erstellung, Druck und Versand) an einen externen Dienstleister ab. Das könnte dann ein Indiz sein, könnte.

Beste Grüße
Thomas
 
iholymoses Am: 01.02.2021 18:10:20 Gelesen: 7314# 215 @  
@ DL8AAM [#214]

Hallo Thomas,

nein, alles andere ist unverändert - kein Layoutwechsel. Das mit dem Aufkleber wirkt ja auch eher wie eine Übergangslösung auf die Schnelle.

Grüße,
Reinhard
 
Araneus Am: 08.02.2021 18:07:48 Gelesen: 3538# 216 @  
Gemäß der alten Sammlerweisheit "Remailing ist, wenn Niederaula draufsteht", möchte ich diesen Fensterumschlag (Format: 227 mm x 162 mm, Versand im Januar 2013) auf dieser Seite vorstellen:



Allerdings finden sich hier nur drei deutsche Absenderangaben, als Sendung aus dem Ausland ist der Brief für mich nicht zu erkennen, lediglich der Hinweis auf die niederländische Firma Wolters Kluwer könnte einen Bezug zum Ausland herstellen. Im Handbuch von Alex Gundel (siehe [#162]) wird das Postfach 1603 in Niederaula als Remailing-Postfach geführt. Habe ich hier ein Remailing-Kennzeichen übersehen?

Schöne Grüße
Franz-Josef
 
DL8AAM Am: 08.02.2021 19:58:24 Gelesen: 3510# 217 @  
@ Araneus [#216]

Habe ich hier ein Remailing-Kennzeichen übersehen?

Nö... ;-)

Ich vermute mal, dass die Sendung von der niederländischen Konzernmutter Wolters Kluwer zentral für seine Tochter gemacht wurde und dann bereits von den Niederlanden aus versendet wurde. Dafür haben die dann eine "Niederlassung" der Deutschen Post bzw. DHL in den Niederlanden [1] eingeschaltet. Die hat die Sendung nach Deutschland verbracht und mit einer dt. Frankatur (mit DPAG-eigenem Postfach in Niederaula) versehen. Eigentlich sollte neben dem Postfach in Niederaula kein weiterer Absender auf der Sendung erscheinen, aber in diesem Fall ist das nicht wirklich "relevant". Diese Deck-Postfächer werden ja nur für den Fall der Unzustellbarkeit angegeben, denn Rücksendungen erfolgen gemäß der UPU-Bestimmungen ausschliesslich nur in das "Land der Frankatur". Da das hier aber ein ABB-Remailing ist, d.h. das Frankaturland ist identisch mit dem "Absenderland". Also kein Problem. Eher sogar "gut" für die DPAG, denn nun erstickt nicht ihr IPZ in Niederaula an Rücksendungen, sondern diese gehen gleich direkt eine Adresse einer Wolters Kluwer-Tochter bzw. an dessen Logistikabwickler Rhenus Medien.

Solche fast "unsichtbaren" Remailings sind nicht wirklich unüblich, siehe zum Beispiel [#144], optisch erscheint hier auf den ersten Blick alles rein Deutsch, Inlandssendung mit deutscher Frankatur (DIALOGPOST-Welle) und deutschem Absender - wobei die Sendung auch hier orginär von der spanischen Konzernmutter stammt und von dort über das Remailingunternehmen Spring versendet wurde. Spring hat dann für den UPU-Postversand die DPAG beauftragt. Bestätigt hat sich das auch, da fast jeder Katalog über einen anderen Spring-Weg UPU-verschickt wurde, siehe [#125] (Royal Mail "HQ 1514"), [#176] ("Postfach 7007, Schiedam/NL").

Beste Grüße
Thomas

https://dgfstationfinder.dhl.com/
 
Leon Am: 10.02.2021 21:10:13 Gelesen: 2859# 218 @  
Hallo,

im Folgenden möchte ich eine eCommerce-Sendung aus China aus dem Juni 2019 zeigen.



Ursprünglich versendet mit dem chinesischen Postdienstleister Yanwen erfolgte ein Remailing über die Post Thailands, als Absender ist das Postfach 302 am Flughafen Bangkok angegeben.

Interessant finde ich die Aufschrift "OIT" (oder "O1T"), welche ich hier im Forum bisher nur bei einer DHL-Inlandssendung gefunden habe [1], die wohl aber auch ursprünglich von einem chinesischen Onlinehändler stammt.

[1] https://www.philaseiten.de/beitrag/253169

Gruß Leon
 
juju Am: 11.02.2021 14:29:45 Gelesen: 2635# 219 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich einen Brief der ASENDIA [1] zeigen, einer gemeinsamen Firma der Schweizer Post Swiss Post und der Französischen Post La Poste für den Bereich des Internationalen Remailings.



Es handelt sich um ein Werbemailing der Kosmetikfirma "Rituals" als Umschlag aus Pappe, welches von der Firma SoPost [2], einer Marketingfirma aus England, versendet wurde. Sie ist spezialisiert auf den Massenversand von Warenproben von Firmen aus der Kosmetikbranche, ist aber selbst kein Postdienstleister, sondern eher Organisator und Koordinator solcher Mailings. Gedruckt und kuvertiert wurde dieses Mailing allerdings von einer anderen Firma, auf die ich gleich noch zu sprechen komme.

Bei Unzustellbarkeit hätte der Zusteller augenscheinlich ein ziemliches Problem gehabt: Es gibt drei Rücksendeadressen auf dem Brief!

Einmal, ganz links auf dem Adresslabel die SoPost, PO Box 87 in TN2 9AE Turnbridge Wells, Kent, England, das scheint ein Rücksendepostfach der SoPost oder ein Sammelpostfach zu sein, was man auch öfter auf solchen Mailings finden kann. Auf dem Frankaturlabel sind dann nochmal zwei Rücksendeadressen angegeben.

Links finden wir die Angabe SoPost returns c/o BKT, North Farm Road, Turnbridge Wells, Kent, TN2 3BW. Die Firma BKT, ausgeschrieben Brown Knight & Truscott [3] ist gemeint, die diese Sendung druckte und verpackte.

Ein Stück weiter rechts, nun im Bereich, der für Frankatur und spezifische Angaben der ASENDIA vorgesehen ist, findet sich noch eine dritte "Return Adress", die nun direkt auf die ASENDIA verweist, mit Rücksende"adresse" "LHR GB14110017 P". Das dürfte die britische Niederlassung der ASENDIA sein, das Kürzel "LHR" verweist wohl auf den Flughafen London-Heathrow.

Schlussendlich am rechten Rand des Labels findet sich der Freimachungsvermerk der französischen La Poste aus "99002 Paris inter". Somit ergibt sich ein klassisches ABC-Remailing mit einem, bzw. eher drei ;-) britischen Absendern, einer französischen Freimachung und einem deutschen Empfänger.

Wer das Frankaturlabel aufgebracht hat, kann ich nicht erkennen, ebenso wenig wie ich die Kennung "YA29-D" und den darüberliegenden 14-stelligen Code deuten kann.

Beste Grüße
Justus

[1] https://www.asendia.com/
[2] https://www.sopost.com/
[3] https://www.bkt.co.uk/
 

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