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Thema: 2021 Festjahr 1700 Jahre Judentum in Deutschland
Das Thema hat 39 Beiträge:
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10Parale Am: 24.04.2021 20:59:37 Gelesen: 4151# 15 @  
@ bayern klassisch [#14]

die Arbeiten sind in Vorbereitung.

Zuvor möchte ich eine Zeitung vorstellen, die sich schon seit 1946 in Deutschland an jüdische und am Judentum interessierte Leser wendet. Die Wochenzeitung für Politik, Kultur, Religion und Jüdisches Leben sieht sich in der Tradition großer liberaler jüdischer Zeitungen des 19. und 20. Jahrhunderts, siehe [1] .

Ich persönlich finde den Teil, der sich mit der jüdischen Religion beschäftigt für mich als Christen sehr interessant. Ich konnte schon viele Gemeinsamkeiten entdecken und viel über jüdische Gebräuche und Traditionen lernen.

Herausgeber der Zeitung ist der Zentralrat der Juden in Deutschland mit Sitz in Berlin. Hier ein Freistempler vom 22.04.21. Auch dies dürfte bald der Geschichte angehören, da der Rechnungsversand nun bald per E-Mail erfolgt (siehe rotes Label).



[1] https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Allgemeine
 
10Parale Am: 04.05.2021 21:07:00 Gelesen: 4020# 16 @  
@ 10Parale [#15]

Wenn Rothenburg ob der Tauber heute 10% jüdische Mitbürger hätte, wären das etwa 1.100 Personen. Um 1274, als der mittelfränkische Ort zur Freien Reichsstadt erhoben wurde, lebten tatsächlich schon 500 - 600 Juden in der Stadt, was 10% der Bevölkerung darstellte. Damit zählte die jüdische Gemeinde zu einer der ältesten in Deutschland überhaupt. Es gab eine Synagoge, eine Mikwe (Tauchbad), ein Gemeindehaus und einen Friedhof.

Wie in vielen anderen Städten lebte auch in Rothenburg ob der Tauber die jüdische Bevölkerung in einem zugewiesenen Viertel. So finden wir in vielen Städten in jener Zeit eine "Judengasse". Nun, auch Berufsgruppen hatten in jener Zeit ihre Straßenzüge, so gab es Metzger-, Bäcker und auch allerlei Handwerkergassen.

Es gab aber auch Ausnahmen. Im galizischen Brody (heute: Westukraine) war es Juden erlaubt, überall zu wohnen, wo sie wollten. Viele Juden wollten in der Nähe der Synagoge wohnen, so dass sich darum Stadtviertel und später auch Ghettos bildeten (Warschau).

Hier eine alte pittoreske Künstlerkarte, die die Judengasse in Rothenburg ob der Tauber zeigt (signiert J.Frank). Zwei Musikanten ziehen aus dem Schatten eines Baumes kommend durch die Gasse und werden von einer einzelnen Frau auf einer Treppe betrachtet.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 27.05.2021 21:26:27 Gelesen: 3849# 17 @  
Am 10. August 1989 erschien die 300 Pfennig Marke zu Ehren von Fanny Hensel. Doch wer war diese Frau, die mit grüner Farbe im Zweifarben-Stichtiefdruck auf weißem, fluoreszierenden Papier abgebildet ist?

Im sogenannten SHARED HISTORY PROJECT ( https://sharedhistoryproject.org/ ) anlässlich der 1700 Jahre-Feier erschien als Objekt 21 "Fanny Hensels (geb. Mendelssohn Bartholdy) italienisches Kreuz.

Fanny Hensel (geb. 14. November 1805 in Hamburg) stammt aus der berühmten Musikerfamilie Mendelssohn Bartholdy. Ihr Großvater Moses und ihr Bruder Felix sind vielen als großer Philosoph und Musiker bekannt. Fanny Hensel war ebenfalls eine geniale Pianistin und komponierte eigene Stücke.

Als sie 11 Jahre alt war, hatten sie ihre Eltern Abraham Mendelsohn und Lea Solomon christlich taufen lassen, ebenso wie Ihre Geschwister. Es stellte sich bald die Frage, weshalb der Übertritt dieser wohlhabenden Familie zum evangelischen Christentum vollzogen wurde. Jeder, der sich selbst den Wurzeln seiner Erziehung entreißt, weiß, wie schwer es ist, eine neue religiöse Identität zu finden. Hing es nicht auch mit dem gesellschaftlichen Aufstieg zusammen? Die hervorragenden Kompositionen von Johann Sebastian Bach förderten auch den Zusammenhalt der evangelischen Christenheit in der neu erwachenden Nation. War es da als Musiker nicht gerade eine Pflicht, sich als ein Zeichen der Assimilation dem Christentum zu unterwerfen? Viele jüdische Personen traten damals zum evangelischen Glauben über, doch nicht alle.

Als Fanny Hensel im Alter von 40 Jahren in der vollen Blüte Ihres Lebens und musikalischen Schaffens eine Reise nach Florenz zu ihrer kranken Schwester unternahm, kaufte sie dort ein Kreuz. Dieses Kreuz stellte sie in ihrem Musikzimmer auf, um ihre Neigung zum Christentum zu unterstreichen. Sie war mit Herzen Christin und mit Wurzeln Jüdin.

Abgebildet das zugehörige Ersttagsblatt der Deutschen Bundespost aus der Dauerserie "Frauen der deutschen Geschichte".

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 12.07.2021 20:31:54 Gelesen: 3614# 18 @  
@ forum,

am 30.VIII.97 schrieb Theodor Herzl eine Ansichtskarte an seine Tochter Trude. Freigemacht mit 10 Rappen Wappen und Abstempelung von Basel. Die Karte schrieb er während des Zionistischen Kongresses. Auf der Karte noch ein Bahnpoststempel von ISCHL vom 31.VIII.97.

Wer die Karte sehen möchte, schaue mal auf [1], ein virtuelles Museum, wo die Geschichte der Juden nördlich der Alpen an Hand von sehr schönen Objekten dargestellt ist.

Liebe Grüße

10Parale

[1] https://sharedhistoryproject.org/object/card-from-theodor-herzl-to-his-daughter-trude
 
bayern klassisch Am: 12.07.2021 21:24:36 Gelesen: 3605# 19 @  
@ 10Parale [#18]

Hallo 10Parale,

vielen Dank für den Link - ich bin sicher, dass sich vieles Interessante in zahllosen Sammlungen zu dieser spannenden Thematik finden lässt - dieses Thema ist noch lange nicht erledigt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
10Parale Am: 16.07.2021 19:52:55 Gelesen: 3536# 20 @  
@ bayern klassisch [#19]

Ich staune oft und in aller Stille über Deine schönen bayerischen Belege, von komplizierten Porto-Entschlüsselungen (die ich oft 3 Mal lesen muss, bis ich sie verstanden habe) ganz zu schweigen und danke für den Dank.

Ich habe lange überlegt mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich habe ja auch einen Komplex Antisemitismus eröffnet. Mit meiner Ehefrau habe ich mich nun entschlossen, dieses Jahr Auschwitz (Oświęcim) zu besuchen. Als Schüler war ich einmal in Dachau und das hat mich sehr mitgenommen, mehr als die Erzählungen, die ich bis dato von meinen Großeltern über den Krieg gehört hatte. Auf der Hin- und Rückreise wollen wir Krakau und Ostrava streifen.

Ich möchte trotz allen Gräueln das Schöne, das Gemeinsame und das Miteinander dieser langen Geschichte und Gegenwart hervorheben. Darüber gibt es Zeugnisse und Zeugen. Ich hoffe dass es auch eine Zukunft gibt und Synagogen in Deutschland nicht mehr durch Polizei und Soldaten bewacht werden müssen.

Hier eine alte Ansichtskarte von Speyer. Dort herrschte schon sehr früh jüdisches Leben und Brauchtum. Ich lasse den Text unkommentiert.

Liebe Grüße

10Parale


 
bayern klassisch Am: 16.07.2021 20:44:16 Gelesen: 3526# 21 @  
@ 10Parale [#20]

Hallo 10Parale,

vielen lieben Dank für die Blumen. Bin leicht errötet beim Lesen deiner Zeilen.

Wichtig ist, dass die Geschichte, wie sie war, Allgemeingut wird bzw. bleibt. Für mein Nervenkostüm wären solche Reisen nicht gut, daher lasse ich das. Aber ich bin in Speyer geboren und hatte im Religionsunterricht als Lehrer einen Konvertiten (Sohn des Rabbiners von Speyer vor dem Krieg). Immer, wenn ich die Propaganda der 1930er und 1940er Jahre mit Abbildungen von Juden sehe, sehe ich meinen ehemaligen Lehrer, der diesen Abbildungen in keinster Weise entsprach und der Deutschland liebte so wie es damals war - diese Geisteshaltung würde ich mir für alle Menschen wünschen, aber bei DER Realität wird es wohl ein frommer Wunsch bleiben.

Die Mikwe in Speyer habe ich besucht und war, immerhin romanischen Ursprungs, beeindruckt, wie Speyer überhaupt viel zu bieten hat für eine Kleinstadt mit 48.000 Einwohnern. Aber vielleicht bin ich da positiv voreingenommen.

Schönes WE und liebe Grüsse,
Ralph
 
10Parale Am: 04.08.2021 20:17:33 Gelesen: 3413# 22 @  
@ bayern klassisch [#21]

Speyer steht bei mir ganz oben auf der Wunschliste für einen Ausflug mit der Bahn. Mal schauen, ob es sich dieses Jahr noch realisieren lässt.

Was deinen Lehrer betrifft, den Konvertiten, da gab es ja ein großes Vorbild: Heinrich Heine. Zu Honoré de Balzac soll der große Dichter und Schriftsteller einmal gesagt haben: "Ich wurde getauft, aber bin nicht konvertiert." Ein Gedicht von ihm lautet so:

Und alle die Tränen fließen
Nach Süden, im stillen Verein,
Sie fließen und ergießen
Sich all in den Jordan hinein

Quellen: "Der Rabbi von Bacherach" von Heinrich Heine und "Zu einer anderen Zeit", Porträt der jüdisch-deutschen Epoche von Amos Elon (Carl Hanser Verlag 2002).

Ich bleibe mal in Bayern und zeige eine schöne Ansichtskarte aus der Landeshauptstadt München. Am 18.5.1911 mit einem waagrechten Paar des Prinzregenten Luitpold Michel Nr. 77 Type I freigemacht lief die Karte in den noblen Stadtteil KADIKEUI von Konstantionopel, wo die Ankunft bildseitig mit einem schönen türkischen Stempel dokumentiert wurde.

Die schöne Ansichtskarte zeigt die ALTE SYNAGOGE in MÜNCHEN in friedlichem Beieinander mit der FRAUENKIRCHE im Hintergrund. Die ALTE MÜNCHNER SYNAGOGE wurde als eine der ersten Synagogen von den Nationalsozialisten abgefackelt. Heute steht dort ein Gedenkstein.

Liebe Grüße

10Parale


 
bayern klassisch Am: 04.08.2021 21:04:48 Gelesen: 3401# 23 @  
@ 10Parale [#22]

Hallo 10Parale,

schönes Gedicht und feine Karte.

Wie schön könnte die Welt heute noch sein, hätte es nicht Verrückte und Kriege gegeben?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
T1000er Am: 22.08.2021 19:55:20 Gelesen: 3257# 24 @  
@ 10Parale [#15]

Hier ein Freistempler vom 22.04.21. Auch dies dürfte bald der Geschichte angehören, da der Rechnungsversand nun bald per E-Mail erfolgt.

Mir liegt auch ein AFS dieser Zeitung vor. Mit Datum vom 18.08.2021 auch noch sehr "frisch". Ich habe den Stempel mal in die Datenbank übernommen, da die Maschine bisher hier noch nicht erfasst wurde und Deinen als mit vorerst frühesten Verwendungsdatum ergänzt.

Schöne Grüße,
Thomas
 
Altmerker Am: 22.08.2021 20:05:07 Gelesen: 3253# 25 @  
@ 10Parale [#15]
@ T1000er [#24]

Hallo,

als Pressehistoriker gehe ich mal paar Jahre zurück. Damals saß die Redaktion noch in Düsseldorf, zog später in die Hauptstadt Bonn und sitzt nun in der Bundeshauptstadt Berlin. 1946 war Düsseldorf Gründungsort der "Allgemeinen" als "Jüdisches Gemeindeblatt für die Nord-Rheinprovinz und Westfalen".

Gruß
Uwe


 
T1000er Am: 22.08.2021 20:17:53 Gelesen: 3248# 26 @  
@ Altmerker [#25]

Als Pressehistoriker....

habe ich mal eine Frage an Dich. Sind Dir von dieser Zeitung Auflagenzahlen bekannt? Die heutige Auflage beläuft sich auf rund 6.900 Exemplare. Wie hoch war die Auflage wohl in den 1960er Jahren? Bestimmt weniger, oder?

Schöne Grüße,
Thomas
 
Altmerker Am: 22.08.2021 22:00:30 Gelesen: 3237# 27 @  
@ T1000er [#26]

Hallo,

sorry, kann ich nicht mit dienen. Aber ich schaue morgen in der Redaktion nochmal.

Viele Grüße
Uwe
 
Altmerker Am: 23.08.2021 08:54:28 Gelesen: 3215# 28 @  
@ T1000er [#26]

Hallo,
Trotz intensiven Suchens finde ich keine Auflagenzahl. Aber die Preisliste für Anzeigen liegt mir (mehrere Jahre) vor. Dazu bin ich auf eine Anzeige des Blattes gestoßen. Außerdem sind da weitere jüdische Titel aufgezählt, zu denen ich kein Material habe.
Freundliche Grüße
Uwe

 
Totalo-Flauti Am: 23.08.2021 09:43:19 Gelesen: 3210# 29 @  
Liebe Sammlerfreunde,

wenn ich mich kurz melden darf. Aber zu dem Thema muss ich kurz über meinen Lieblingsautor schreiben.

Er ist Jude. Es handelt sich um Lion Feuchtwanger (geboren am 7. Juli 1884 in München; gestorben am 21. Dezember 1958 in Los Angeles). Er war zu seinen Lebzeiten einer der, auch international, erfolgreichsten deutschen Autoren seiner Zeit. Die Auflagenzahlen seiner Bücher, mit denen er wohl leider auch gern prahlte, überstiegen sogar die Auflagenzahlen von Thomas Mann.

Seit seiner Emigration nach Frankreich im Jahr 1933 war er staatenlos. Die Nationalsozialisten verbrannten seine Bücher und bürgerten ihn aus. Feuchtwanger hat vielen Emigranten in Frankreich und später in den USA selbstlos geholfen. Seine akribisch recherchierten historischen Romane gehören meiner Meinung nach aber immer noch zur Weltspitze der Literatur.[1]

Die Wartesaal-Trilogie ("Erfolg", "Die Geschwister Oppermann" und "Exil") wurden verfilmt. In der DDR wurde mit der MiNr. 1945 eine Briefmarke zu 35 Pfennig in der Reihe Bedeutende Persönlichkeiten mit Feuchtwanger ausgegeben. Vor einigen Jahren hat der Aufbau_Verlag wieder die Werke Feuchtwangers aufgelegt.

Mit lieben Sammlergrüßen
Totalo-Flauti.



[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Lion_Feuchtwanger
 
10Parale Am: 24.08.2021 22:01:44 Gelesen: 3180# 30 @  
@ Totalo-Flauti [#29]

Da werde ich mir bald mal die Bücher von Lion Feuchtwanger reinziehen müssen. Vielen Dank für diesen Literatur-Tipp. Da ist mir was entgangen.

@ Altmerker und @ T1000

Ich habe die Jüdische Allgemeine im Jahr 2001 abonniert und damals hieß sie noch ALLGEMEINE JÜDISCHE WOCHENZEITUNG (siehe Scan). Leider habe ich den Briefumschlag nicht aufgehoben, der hätte nun auch für die Stempeldatenbank dienen können.

Ich habe mal das Blatt angeschrieben und vielleicht erhalte ich Auflagenzahlen von der Quelle.

Ja, es gibt einige jüdische Persönlichkeiten und Berühmtheiten, die unser Leben in Deutschland und Europa mitgeprägt haben. Einer der Berühmtesten dürfte wohl Albert Einstein sein. Ich denke, ich brauche ihn gar nicht groß vorzustellen, jeder kennt ihn und weiß, dass er mit seiner Allgemeinen und Speziellen Relativitätstheorie das Newton´sche Weltbild verrückte. Sein Satz "Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der nicht würfelt" stammt aus einem Brief an Niels Bohr, einem berühmten Quantenphysiker. Das daraus resultierende Idiom "Gott würfelt nicht" wurde damit zu einer Interpretationsplattform zwischen Vernunft und Religion.

In Bern gibt es in der Nähe des Bärengrabens ein Bank, auf der man neben Albert Einstein Platz nehmen kann. Da hat man ihn verewigt. Hier zeige ich noch die Michel Nr. 132 von Israel aus dem Jahr 1956, welche den Nobelpreisträger (1921) und seine berühmte Formel zeigt, die besagt, dass Masse und Energie ineinander umwandelbar sind.

Liebe Grüße

10Parale


 
T1000er Am: 10.10.2021 01:25:28 Gelesen: 2962# 31 @  
@ 10Parale [#4]

Als Ergänzung oder auch als Erweiterung der von Dir gezeigten DDR-Briefmarke zum Wiederaufbau der "Neuen Synagoge Berlin (Centrum Judaicum)" hier noch der Freistempel der gleichnamigen Stiftung in zwei verschiedenen Wertrahmen Varianten.



Schöne Grüße,
Thomas
 
10Parale Am: 22.10.2021 14:09:36 Gelesen: 2874# 32 @  
@ T1000er [#31]

Danke für das Zeigen. Vor einigen Jahren, am 03.10.2005 war ich mit meiner Frau in dieser wunderbaren neuen Synagoge in Berlin und habe mir damals ein schönes Buch gekauft von Horst Helas "Juden in Berlin-Mitte", herausgegeben vom Verein zur Vorbereitung einer Stiftung Scheunenviertel Berlin e.v. (Trafo Verlag).

Ich halte mich etwas am Rahmen des Shared History Projects [1] und zeige einen Brief der Gebrüder Arnhold, abgestempelt in Berlin am 24.12.1941.

Die Marke zum 10 Pfennig (Heinrich von Stephan) besitzt meiner Ansicht nach eine firmeneigene Lochung G A.

Das Bankhaus Gebrüder Arnhold war das erste private jüdische Bankhaus, das im Rahmen der Arisierung von den Nazis liquidiert wurde. Das Bankhaus wurde im Jahr 1864 von Max Arnhold und Ludwig Philippson in Dresden gegründet. 1911 wurde in Berlin eine Zweigstelle eröffnet. Die Bank engagierte sich im Beteiligungsgeschäft und führte eine hauseigene Pensionskasse für seine Angestellten ein, was damals eine Neuerung darstellte. Noch heute haben viele Unternehmen kein solches Konzept, weshalb auch viele Menschen im Rentenalter von den Sozialkassen abhängig werden.

Am kommenden Montag abend gibt es übrigens bei der ARD eine Sendung zum Thema "1700 Jahre Festjahr....", moderiert von Frau Sideropoulos.

Liebe Grüße

10Parale



[1] https://sharedhistoryproject.org/
 
bayern klassisch Am: 22.10.2021 14:25:54 Gelesen: 2864# 33 @  
@ 10Parale [#32]

Hallo 10Parale,

danke für deinen (wie immer) äußerst lesenswerten Beitrag. Wenn man sich mit der Geschichte der Juden in Deutschland (oder Mitteleuropa) beschäftigt, stellt man immer wieder fest, wie fortschrittlich sie in sozialer Hinsicht waren und wie gerne sie Geld gaben für Armenhäuser, Witwen und Waisen, Schulen usw.. Oft waren sie beispielgebend und ihrer Zeit weit voraus, wie du richtig schreibst.

Zwar ist dergleichen in der Thora auch so "vorgeschrieben", doch gab es scheinbar weit mehr Aktivitäten auf diesem Gebiet, als man 1933 ff den Leuten weismachen wollte.

Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende wünscht dir bayern klassisch
 
Seku Am: 16.11.2021 17:12:01 Gelesen: 2623# 34 @  
Wer sich für das Postwesen im Getto Litzmannstadt interessiert, dem sei das hier [1] empfohlen.

Shalom

Günher

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=4789&CP=0&F=1 # 4
 
10Parale Am: 21.11.2021 19:52:38 Gelesen: 2545# 35 @  
@ Seku [#34]

Im polnischen Lodz währte das Ghetto Litzmannstadt (benannt nach dem NSDAP-Reichstagsabgeordneten Karl Litzmann) von 1939 - 1944 und war nach Warschau das zweitgrößte Ghetto in Polen.

Mit diesem unsäglichen Namen verbinden sich weiteren Ortsnamen wie Kulmhof, Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor. Die Geschichten sind hoffentlich jedem bekannt.

Ich habe mich bislang noch sehr wenig mit dem Postwesen im Ghetto von Lodz beschäftigt und lese mich in das Thema ein. Sicherlich gibt es auch Sammler der Ghettopost von Warschau. Ich hoffe, die erhaltenen Briefe tragen dazu bei, auch Spuren zu finden von Menschen, deren Leben so plötzlich und grausam endete.

Heute, 21. November 2021, ist übrigens MIZWA DAY. MIZWA ist hebräisch und bedeutet so viel wie "gute Tat". Seit dem Jahr 2012 gibt es diesen Tag im jährlichen Turnus, wo Juden und Nichtjuden zusammenkommen, um irgendetwas Gutes zu tun. Denn in den Sprüchen der Väter heißt es: "Eine gute Tat führt zur Nächsten". Quelle: https://www.zentralratderjuden.de/angebote/begegnung-dialog/mitzvah-day/

So flattern die Tage auch in meinen Briefkasten Spendenaufrufe zu Weihnachten. Ja, warum eigentlich nicht auch mal auf diese Weise was Gutes tun. Hier ein Fensterumschlag von der Deutschen Krebshilfe als Beispiel für MIZWA.

Schönen Sonntag

Stephan
10Parale


 
Baber Am: 07.12.2021 12:25:06 Gelesen: 2417# 36 @  
Dieser Beleg hat nur indirekt mit dem Thema zu tun.

Aus irgendeinem Grund ist diese Weihnachtsbrief 2000 aus USA in München nochmals durch die Stempelmaschine gelaufen und das Wort München vom Werbestempel ist so auf die US-Sondermarke zum Chanukkafest gelandet, als wenn München dieses jüdische Lichterfest feiern würde.



Gruß
Bernd
 
dietbeck Am: 07.12.2021 12:59:45 Gelesen: 2409# 37 @  
@ 10Parale [#35]

Kleine Berichtigung, das Ghetto bestand "offiziell" von 1940 bis 1944. Wer sich dieser und anderer Thematiken nähern will dem sei das Buch von Heinz Wewer: "Spuren der Vernichtung" ans Herz gelegt.

Viel Hintergrundinformation anhand von postalischen Belegen. Dabei eben auch ein grösserer Teil zum Ghetto Litzmannstadt, aber auch zu anderen Ghettos, Organisationen und Einrichtungen, die im Zusammenhang mit dem Holocaust standen.
 
10Parale Am: 07.12.2021 22:36:53 Gelesen: 2342# 38 @  
@ Baber [#36]

Dieser Beleg hat nur indirekt mit dem Thema zu tun.

Ich finde der Beleg passt sehr gut zu diesem Thema, zumal CHANUKKA, wohl das fröhlichste der jüdischen Feste, gerade gefeiert wurde und weil es seit 1700 Jahren auch nördlich der Alpen gefeiert wird.

An dieser Stelle möchte ich auf einen Bericht von "Ayala Goldmann" in der Jüdischen Allgemeinen verweisen. Mit sehr viel Witz beschreibt sie ein Erlebnis mit einem jüdischen Adventskalender. Jawohl, so was gibt es tatsächlich und sie verrät sogar folgendes:

Hinter dem Schild zum 1. Dezember verbarg sich am 4. Tag des Chanukka - Festes eine gestempelte Erstausgabe "Chai", Sonderbriefmarke 1700 Jahre jüdisches Leben e.V (siehe auch Beitrag [#6].

Liebe Grüße

10Parale
 
10Parale Am: 14.01.2022 16:36:44 Gelesen: 2103# 39 @  
@ dietbeck [#37]

Vielen Dank für die Literaturempfehlung.

Das Festjahr unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten wurde mittlerweile bis 31.07.2022 verlängert, siehe [1].

In Deutschland leben meinen Recherchen nach zum jetzigen Zeitpunkt ca. 200.000 Juden. Das ist ein Anteil von ca. 0,25 Prozent der Bevölkerung. Der Anteil von Muslimen beispielsweise liegt über 5 Prozent der Einwohner.

Hier eine schöne Ganzsache von TEL AVIV aus dem Jahr 1949. In diesem Sinne wünsche ich allen jüdischen Mitbürgern.

Shabbat Shalom!

Dies ist der jüdische Gruß zum Beginn des Sabbats. Es soll Frieden herrschen. Der Sabbat beginnt am Freitag Abend mit Sonnenuntergang und endet am Samstag ebenfalls bei Eintritt der Dunkelheit. Dabei gibt es einen althergebrachten Rat, wie man den Eintritt der Dunkelheit bestimmen kann:

Der Abend beginnt, wenn man einen grauen Wollfaden nicht mehr von einem blauen unterscheiden kann.

10Parale



[1] https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/festjahr-wird-bis-mitte-2022-verlaengert/
 

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