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Thema: Schweiz Dauerserie Bundesmarke Wappen 1850
Das Thema hat 107 Beiträge:
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briefmarkenwirbler24 Am: 18.01.2019 12:43:13 Gelesen: 3004# 83 @  
@ SH-Sammler [#82]

Du hast recht, der Brief kommt aus Luzern. Die Marken sind mit der "Luzerner Raute" entwertet. Der Brief ging nach REIDEN, ebenfalls im Kanton Luzern gelegen. Reiden liegt mit ca. 40 km Fahrstrecke im Briefkreis 2 wie Du richtig schreibst.

Hallo Hanspeter,

auf "Reiden" wäre ich beim besten Willen nicht gekommen, vielen Dank für die Entschlüsselung!

Du schreibst, dass die Marke mit allen 4 Schnittlinien nicht der "Regel" entspricht. Ist doch gut für Dich. Marken mit allen Schnittlinien werden höher bewertet als angeschnittene Marken.

So sollte es auch gemeint sein, ich wollte es nur noch mal erwähnen für die Mitleser dieses Themas, die selbst vielleicht kein Altschweiz sammeln.

Liebe Grüße

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 30.01.2019 15:17:34 Gelesen: 2736# 84 @  
Guten Tag allerseits,

ich brauche wieder einmal Hilfe bei der Entzifferung des Aufgabeortes, der Abgangsstempel ist leider nicht mehr deutlich lesbar, aber anhand des Inhalts lässt sich der Ort bestimmen. Ich kann leider nur ein Stück des Endes erkennen "...stein", aber auch hier bin ich mir nicht sicher. Verschickt wurde der Brief nach Thun.

Wie in obigen Beispielen bereits mehrmals erwähnt, beträgt das Franko laut dem Tarif vom 01.01.1852 bis zum 01.07.1862 für einen einfachen Brief der 1. Gewichtsstufe im 2. Briefkreis (über 2-10 Stunden) 10 Rappen. Demnach kann hier nur (wenn wir davon ausgehen, dass der Brief nicht unterfrankiert ist) ein Radius von etwa 50 km um Thun herum in Frage kommen, aber leider bin ich auch hier nicht fündig geworden.

Darüber hinaus meine Frage, wagt sich jemand an die Typen-/bzw. Drucksteinbestimmung heran?

Anhand eines Scans eine solche vorzunehmen, ist natürlich doppelt so schwierig, aber ich bin mir nicht ganz sicher bei der Bestimmung, gearbeitet habe ich übrigens mit diesem Bogen (Typentafel), von dem ich euch auch gerne einen Link gebe [1].

Liebe Grüße

Kevin







[1}] http://www.pro-philatelie.info/faelschungen/altschweiz/rayon.html
 
wuerttemberger Am: 30.01.2019 15:21:46 Gelesen: 2733# 85 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#84]

Der Ort heißt Ruschein. Steht hinten nochmals vom Empfänger vermerkt drauf. Genauso wie auf deinem Brief aus Chur
 
briefmarkenwirbler24 Am: 30.01.2019 15:30:41 Gelesen: 2731# 86 @  
@ wuerttemberger [#85]

vielen Dank für deine blitzschnelle Antwort!

Ich habe gesehen, dass der Name des Ortes vom Empfänger nochmals notiert wurde, allerdings konnte ich es nicht entziffern (leider tue ich mir da immer noch ziemlich schwer).

Wenn es tatsächlich "Ruschein" bedeutet, dann läge hier wirklich eine Unterfrankatur vor, denn von Ruschein nach Thun sind es 300 km Entfernung, sodass 15 Rappen hätten frankiert werden müssen, was mich natürlich nicht stören würde, denn Unterfrankaturen sind natürlich um ein vielfaches seltener.

Liebe Grüße

Kevin
 
wuerttemberger Am: 30.01.2019 15:38:31 Gelesen: 2729# 87 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#86]

Der Brief lief nach Truns, das ist gleich um`s Eck
 
briefmarkenwirbler24 Am: 30.01.2019 15:45:24 Gelesen: 2723# 88 @  
@ wuerttemberger [#87]

Danke für die Aufklärung, wenn man die Orte nicht richtig lesen kann, wird es schwer eine Erklärung für die Taxierung vorzunehmen...
Dann heißt es wohl für mich: Üben, üben, üben

Liebe Grüße

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 21.02.2019 18:10:35 Gelesen: 2168# 89 @  
Hallo liebe Forumgemeinde,

heute möchte ich euch gerne wieder einen neuen Beleg zeigen.

Aufgegeben wurde das kleine Brieflein am 18.11.1851 in Bern und wurde adressiert an einen Lederhändler in Solothurn.

Entwertet wurde die Marke (Rayon I, Mi.Nr. 9) mit einer blauen Raute und nebendran bzw. oben drüber wurde der Aufgabestempel von Bern platziert.

Zur Taxierung lässt sich sagen, dass hier der Tarif vom 01.10.1849 bis zum 01.01.1852 gilt, nach dem es noch 4 Briefkreise sowie einen "Ortskreis für größere Orte" gegeben hat. Mein Brief wurde richtig frankiert mit 5 Rappen für einen Brief der 1.Gewichtsstufe (bis 1/2 Loth) im 1. Briefkreis (sprich bis 10 Stunden was etwa 48 km entsprach).

Wenn mich nicht alles täuscht, lese ich jedoch auf der Siegelseite, dass der Brief in Wattenwil geschrieben worden ist. Die Luftlinie von Wattenwil nach Solothurn beträgt genau 48,67 km. Somit hätte der Brief mit 10 Rappen frankiert werden müssen (2. Briefkreis), wäre er in Wattenwil aufgegeben worden. Also hat unser Absender 5 Rappen gespart und die Schweizer Post somit um 5 Rappen betrogen, indem er den Brief nach Bern gebracht hat, um ihn dort aufzugeben.

Korrigiert mich bitte, wenn ich mit meiner Interpretation falsch liege.

Liebe Grüße

Kevin




 
bayern klassisch Am: 21.02.2019 18:45:56 Gelesen: 2161# 90 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#89]

Hallo Kevin,

sehr interessantes Stück - aber ich habe ein Wattwil gefunden bei Appenzell und von dort aus sind es sogar 117 km [1].

Liebe Grüsse,
Ralph

[1] https://www.luftlinie.org/Wattwil/Solothurn,CHE
 
briefmarkenwirbler24 Am: 21.02.2019 20:05:49 Gelesen: 2146# 91 @  
@ bayern klassisch [#90]

Hallo Ralph,

vielen Dank für die Information, aber steht nicht "Wattenwil" auf der Siegelseite?

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 21.02.2019 20:36:21 Gelesen: 2140# 92 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#91]

War das nicht der antike Alternativname für Wattwil?

LG,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 21.02.2019 20:44:19 Gelesen: 2138# 93 @  
@ bayern klassisch [#92]

Die Frage habe ich mir auch gestellt, allerdings habe ich beim Ort "Wattwil" keine Referenz zu "Wattenwil" als Alternativbezeichnung in der geschichtlichen Rubrik gefunden, was sich aber beim damaligen Sprachgebrauch eventuell natürlich einfach eingebürgert haben könnte.

Aber an der obigen Erklärung würde dies ohnehin nichts ändern, der 2. Briefkreis trat bei 10 bis 25 Stunden in Kraft, in den Wattwil ebenfalls noch reinpassen würde.

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 21.02.2019 21:02:33 Gelesen: 2135# 94 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#93]

Hallo Kevin,

so ist es - in jedem Fall eine Ersparnis durch entfernte Postaufgabe und das ist doch ein Traum.

LG,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 22.02.2019 04:26:35 Gelesen: 2117# 95 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#89]
@ bayern klassisch [#92]

Hallo Kevin

Es gab auch einen Ort namens Wattenwil bei Worb, ganz in der Nähe von Bern. Von dort würde die Brieftaxe stimmen.

Nun stellt sich die Frage, welches Wattenwil es beim vorliegenden Brief denn war.

In der Auflistung "Poststellen der Schweiz" ist nur ein Wattenwil aufgeführt. Es hatte eine Posteinrichtung ab 1847. Das hilft leider auch nicht weiter, um rauszufinden, welche der 2 Gemeinden im Kanton Bern es nun war.

Da die Schweizer Post bis 1862 die Brieftaxen "entlang der Postrouten" berechnete, kommen wir der Lösung doch noch näher. Vergleiche die Transportwege der beiden Wattenwil miteinander, dann wirst Du die Lösung finden. Die Distanzen werden heutzutage zwar den Autobahnen entlang gemessen. Aber Du kannst die Distanz trotzdem in etwa abschätzen.

Liebe Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 22.02.2019 13:59:25 Gelesen: 2089# 96 @  
@ SH-Sammler [#95]

Hallo Hanspeter,

vielen Dank für deinen Hinweis, dass bis 1862 die Brieftaxen "entlang der Postrouten" berechnet wurden.

Vergleiche die Transportwege der beiden Wattenwil miteinander, dann wirst Du die Lösung finden. Die Distanzen werden heutzutage zwar den Autobahnen entlang gemessen. Aber Du kannst die Distanz trotzdem in etwa abschätzen.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, soll ich also nicht die Luftlinie berechnen, sondern die normale Fahrstrecke.

Demnach hätten wir bei besagtem "Wattenwil bei Worb" in etwa 43 km und bei dem anderen Wattenwil (was ich zuerst vermutet habe) eine Strecke von etwa 70 km.

Also handelt es sich wahrscheinlich um Wattenwil bei Worb, sodass der Absender die Post gar nicht um 5 Rappen erleichtert hat (noch im 1. Briefkreis)?

LG

Kevin
 
Heinz 7 Am: 22.02.2019 14:13:21 Gelesen: 2088# 97 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#89]

Lieber Kevin,

Du zeigst uns (vielleicht/vermutlich) einen schönen "Forwarder-Brief".

Es gibt in der Tat verschiedene Wattenwil. Ich denke, Du liest die erste Zeile richtig:

"Wattenwil, im ?? Wintermonat 1851"

Das Wattenwil, das ich kenne, liegt westlich von Thun, also eine satte Distanz weg von Bern; da kann man nicht einfach rasch zu Fuss hingehen. Es gibt meines Wissens aber auch ein Wattenwil bei Worb, und Worb ist ein Vorort von Bern. Wenn wir nun davon ausgehen, dass es DIESES Wattenwil ist, dann ist Folgendes wahrscheinlich:

Wattenwil (Worb) hatte damals keine eigene Poststelle oder (wahrscheinlicher): unser braver Absender wusste, dass ein Brief nach Solothurn 10 Rappen kostet. Offenbar wusste er aber auch, dass ab Bern die gleiche Dienstleistung der Post (Beförderung des Briefes nach Solothurn) nur 5 Rappen kostet. Was tun? Ich vermute, der brave Mann hat den Weg nach Bern zurückgelegt, um die 5 Rappen zu sparen.

Du solltest also auf keinen Fall davon sprechen, dass der brave Absender "die Schweizer Post somit um 5 Rappen betrogen" (habe), sondern der Absender hat durch seine Kenntnisse und seinen Fleiss 5 Rappen gespart.

Früher haben sehr viele Leute ganz streng auf jede Geldausgabe achten müssen und eine Ersparnis von 5 Rappen war eine Anstrengung wert. Wir sollten also den Fleiss des Absenders würdigen.

Solcher Fleiss (und die Suche nach Postgebühr-Ersparnismöglichkeiten) sind übrigens ein wichtiger Grund für das faszinierende Thema: "Forwarder Briefe".

Leider kann ich meine oben genannten Vermutungen im Moment nicht verifizieren, vielleicht stimmen meine Angaben auch nicht. Aber die mögliche "Geschichte" zu diesem Brief verdient es meines Erachtens, erwähnt zu werden.

Liebe Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.02.2019 14:18:46 Gelesen: 2087# 98 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#96]

zuerst müssten wir jetzt prüfen, ob Wattenwil bei Worb (Danke, Hanspeter!) eine eigene Poststelle bzw- -ablage hatte. Wenn ja: was hätte der Brief gekostet?

5 Rappen ? - dann ist fraglich, warum der Brief in Bern abgestempelt wurde. Dann hätte ich erwartet: Stabstempel: "Wattenwil" oder "Wattenweil" oder "Wattenschweil". Dann wäre meine Theorie (Forwarder-Brief) obsolet.

10 Rappen ? - dann wäre meine obige "Story" denkbar.

Ja, Postgeschichte ist spannend!

Schade, dass ich (ohne Literatur) im Moment nicht ganz genau weiterhelfen kann.

Heinz
 
briefmarkenwirbler24 Am: 22.02.2019 14:41:28 Gelesen: 2079# 99 @  
@ Heinz 7 [#97]

Hallo Heinz,

schön, dass Du dich an meinem vorgestellten Brief beteiligst, so machen Foren doch Spaß! :D

Im Grunde genommen stellst Du die gleiche These auf wie ich in [#89], nur mit dem Unterschied, dass du die Ersparnis von 5 Rappen eher als "Akt des Fleißes" und nicht wie ich als "Betrug" auffasst.

Ich glaube hier kann man durchaus geteilter Meinung sein bzw. da scheiden sich vermutlich die Geister. Natürlich ist es rein wirtschaftlich gesehen sehr klug vom Absender gewesen den Brief nach Bern zu bringen um ihn dort aufzugeben (hätte ich vermutlich auch gemacht um Geld zu sparen). Wenn man es jedoch ganz streng betrachtet, erlitt die Post dadurch einen Verlust von 5 Rappen. "Betrug" klingt natürlich sehr böswillig und gleich nach einem Verbrechen, aber im weitesten Sinne ist es dies meiner Meinung nach.

Aber wie gesagt, ich glaube hierüber wird es sehr gespaltene Meinungen und Ansichten geben.

@ Heinz 7 [#98]

Aber genau wie Du sagtest, muss nun erst mal verifiziert werden, um welches Wattenwil es sich handelt und ob das oben besagte eine eigene Poststelle hatte. Hier müsste wohl Hanspeter die nötige Literatur bzw. Nachschlagewerke besitzen, oder?

LG

Kevin
 
SH-Sammler Am: 22.02.2019 15:36:18 Gelesen: 2070# 100 @  
@ Heinz 7 [#98]
@ briefmarkenwirbler24 [#99]

Hallo Heinz, hallo Kevin,

wie oben geschrieben, ist in der Auflistung "Poststellen der Schweiz" nur EIN Wattenwil aufgeführt. Jenes Wattenwil hatte eine Postablage seit 1847 und führte einen Schreibschriftstempel (Kursivschrift). Das Wattenwil mit dem Schreibschriftstempel ist auch im Werk Vorphilatelie Schweiz aufgeführt, jedoch auch dort ohne nähere örtliche Beschreibung. Ich nehme nun an, dass es sich um das Wattenwil bei Thun handelt.

Wattenwil bei Worb hatte demzufolge keine Postablage, also auch keinen Stempel. Briefe mussten von der übergeordneten Stelle (Bern) gestempelt werden. Dies ist auf dem Brief von Kevin so geschehen.

Die Postroute führte sicher auch über Bern, jedenfalls nicht direkt nach Solothurn.

Mit der Distanz entlang der Postroute (welches bis 1862 so Vorschrift war) via Bern nach Solothurn würde die Brieftaxe auch stimmen.

Nun könnte man noch die Einwohnerzahlen der zwei Wattenwil aus dem Jahr 1850 ausfindig machen und vergleichen. Vielleicht war Wattenwil bei Worb ganz einfach noch zu klein, um eine Postablage betreiben zu können.

Mehr kann ich nicht beitragen. Ich bleibe bei der Annahme, dass es so gewesen sein könnte.

Liebe Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 22.02.2019 16:52:07 Gelesen: 2057# 101 @  
@ SH-Sammler [#100]

Hallo Hanspeter,

also handelt es sich, wie ich in Post [#96] schon geschrieben habe, doch um das Wattenwil bei Worb, sodass hier die 5 Rappen demnach völlig korrekt frankiert worden sind.

Schade, dann haben wir doch keinen "Forwarded"-Brief, sondern bloß einen normalen Brief im 1. Briefkreis, an dem ich aber dennoch meine Freude haben werde.

LG

Kevin
 
Heinz 7 Am: 24.02.2019 21:30:58 Gelesen: 1850# 102 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#89]
@ SH-Sammler [#100]

"Wattenwyl:

1) zerstr. Pfarre von 2310 Einw., unter dem alten Herrschaftssitz Burgistein, im bern. Amtsbez. Seftigen. Das Dorf liegt von Obstbäumen beschattet in einer wiesenreichen Ebene. Die Kirchgemeinde besteht aus den Dritteln: Dorf, Rain und Mettlen. Der Gürbenbach trennt den Ort vom Bade Blumenstein. Das ehemalige Herrschaftsgebäude dieses Ortes ist jetzt Pfarrwohnung

2) - oder Wattenweil, Dorf zwischen Vechigen und Wilkardswyl, in der Kirchgemde. Worb, bern. Amtsbez. Konolfingen"

Ich habe wörtlich zitiert aus dem "Vollständigen Ortslexikon der Schweiz" herausgegeben von Fink & Comp., Zürich 1862.

Ich habe die Orte Worb, Vechigen, Wattenwil, und Wikartswil alle gefunden auf der Landeskarte der Schweiz, Masstab 1:50'000, Blatt 243 (Bundesamt für Landestopographie, 3084 Wabern, 1987).



Die drei letztgenannten sind alles nur kleine Dörfer, sodass es durchaus möglich ist, dass dieses Wattenwil nie eine Poststelle hatte. Ich vermute, dass die Post nach Worb hätte gebracht werden sollen, das in einer Distanz von 1-2 Kilometern von Wattenwil liegt.

Warum der Brief von Kevin nicht in Worb gestempelt wurde, ist sicher eine Überlegung/Überprüfung wert. Sollte tatsächlich ein Preisunterschied bestanden haben (Worb - Solothurn = 10 Rappen (?) / Bern - Solothurn = 5 Rappen), so bleibe ich bei meiner Vermutung, es handle sich um einen Forwarder Brief: er wurde nach Bern gebracht, bevor er der Post übergeben wurde.

Das wäre dann eine schöne Besonderheit, finde ich. Forwarderbriefe sind für einzelne Gebiete bekannt und beliebt, für andere Gebiete aber meines Wissens nahezu unbekannt.

Heinz
 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.02.2019 22:56:34 Gelesen: 1839# 103 @  
@ Heinz 7 [#102]

Hallo Heinz,

vielen Dank für diese ausgiebige Recherche!

Die drei letztgenannten sind alles nur kleine Dörfer, sodass es durchaus möglich ist, dass dieses Wattenwil nie eine Poststelle hatte. Ich vermute, dass die Post nach Worb hätte gebracht werden sollen, das in einer Distanz von 1-2 Kilometern von Wattenwil liegt.

Ich habe leider kein Stempelhandbuch (was ich mir demnächst wohl auch mal zulegen werde), daher die Frage, hatte Worb denn zu dieser Zeit bereits ein eigenes Postamt? Dass Wattenwil keines hatte, sollte ja nun klar sein, doch bei Worb haben wir die Frage noch nicht geklärt.

Ferner schrieb Hanspeter Wattenwil bei Worb hatte demzufolge keine Postablage, also auch keinen Stempel. Briefe mussten von der übergeordneten Stelle (Bern) gestempelt werden.. Nun stellt sich mir die Frage, wenn Worb ein eigenes Postamt gehabt hätte, hätte der Brief dort auch aufgegeben werden können? Oder war Bern das übergeordnete Postamt, wie es Hanspeter beschrieben hat?



Diesen Brief habe ich im Netz gefunden, allerdings etwa 30 Jahre später.

Sollte tatsächlich ein Preisunterschied bestanden haben (Worb - Solothurn = 10 Rappen (?) / Bern - Solothurn = 5 Rappen), so bleibe ich bei meiner Vermutung, es handle sich um einen Forwarder Brief: er wurde nach Bern gebracht, bevor er der Post übergeben wurde.

Von Worb aus wären es tatsächlich mehr als 48 km, sodass es der 2.Briefkreis gewesen wäre und der Brief mit 10 anstatt 5 Rappen hätte frankiert werden müssen. Es bleibt also spannend.

LG

Kevin
 
SH-Sammler Am: 25.02.2019 04:14:49 Gelesen: 1823# 104 @  
@ Heinz 7 [#102]
@ briefmarkenwirbler24 [#103]

Hallo Heinz, hallo Kevin !

Danke, Heinz, für die weiteren Informationen zum Ort Wattenwil.

Hier ein weiterer Beitrag von meiner Seite, der Link zu "allen" bisher bekannten Poststellen der Schweiz ab ca. 1850.

http://svps-ascep.ch/wp-content/uploads/2018/01/Poststellenchronik-20180101.pdf

WORB bei Bern hatte demzufolge schon 1832 eine Postablage. Diese wurde 1846 zu einem rechnungspflichtigen Postbüro ernannt. Der Brief von Kevin, nach Solothurn adressiert, hätte also in Worb behandelt werden können.

So wie es aussieht wurde der Brief jedoch nach Bern getragen und dort den Postdiensten übergeben.

Dieses Vorgehen verwundert mich nicht. War Bern doch ein wichtiger Marktort, wo die Bauern der umliegenden Dörfer oft, wenn nicht täglich zu Markte fuhren. Und wenn man dann einen Brief mitnimmt, und dabei 5 Rappen sparen kann, ist es um so besser.

Liebe Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
Heinz 7 Am: 25.02.2019 08:57:13 Gelesen: 1804# 105 @  
@ SH-Sammler [#104]
@ briefmarkenwirbler24 [#103]

Richtig, Hanspeter! Danke auch für den Link betr. Poststellenchronik. Ich habe noch die gedruckte 1. Auflage in meiner Bibliothek und nicht mehr daran gedacht, dass dieses wunderbare Werk später auch noch als elektronische Version herausgegeben wurde.

Kevin, wichtig: Es scheint ein Preisunterschied Worb/Bern tatsächlich bestanden zu haben - und damit haben wir offenbar einen perfekten Forwarder Brief! Aus Porto-Ersparnis-Gründen wurde der Brief statt in Worb aufgegeben nach Bern getragen. Ich nehme an, Worb war offiziell zuständig für Wattenweil; nicht das deutlich weiter entfernte Bern.

Sehr schön!

Unnötig zu erwähnen, dass der Brief damit klar an Wert gewonnen hat! Ein Brief von Bern nach Solothurn mit einer stark angeschnittenen Rayon-Marke ist nicht besonders wertvoll, bei einem Forwarder-Brief gelten aber ganz andere "Gesetze" und Toleranzen (was die Qualität anbelangt).

Heinz
 
briefmarkenwirbler24 Am: 25.02.2019 11:25:13 Gelesen: 1757# 106 @  
@ SH-Sammler [#104]
@ Heinz 7 [#105]

Hallo Hanspeter, hallo Heinz,

erst einmal vielen herzlichen Dank für den Link, ich werde mir die Seiten alle ausdrucken, damit ich besser damit arbeiten kann und habe viel Geld gespart!

Dann scheinen wir den Brief doch nun gemeinsam nach einigen Recherchen und Grübeln gemeinsam geknackt zu haben, klasse! :D

Dann hat sich meine erste Vermutung in [#89] doch noch bewahrheitet und der Absender hatte eine Portoersparnis von 5 Rappen durch die Aufgabe in Bern anstatt in Worb.

Dann freut es mich umso mehr den Brief gekauft zu haben, da man so etwas sicher nicht alle Tage zu Gesicht bekommen wird.

Liebe Grüße

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 04.03.2019 18:45:40 Gelesen: 1494# 107 @  
Hallo zusammen,

heute zeige ich euch mal keinen neuen Brief, sondern versuche mal ein bisschen die Hintergrundinformationen für die Einführung der Rayon-Marken zu beschreiben. An ein paar Stellen ist ja bereits darauf eingegangen worden, aber noch nicht wirklich tiefergehend.

Beginnen wir mal mit der Einführung der Ortspost:

Als in den ersten Postgesetzen von Frankierung die Rede war, wurde darunter erst mal nur die Vorauszahlung des Portos verstanden, nicht etwa die Frankatur mit Marken. Frankaturzwang bestand ohnehin erst mal nur für eingeschriebene Briefe, Drucksachen, Nachnahmesendungen, Muster zur ermäßigten Taxe im 1.Rayon und Ortsbriefe (insofern die ermäßigte Taxe von 2/1/2 Rappen beansprucht wurde). Mit Kreisschreiben vom 05.04.1850 bewilligte das Postdepartement den Kreispostdirektionen in gewissen Orten eine Ortspost einzuführen. Gleichzeitig wurde die Ausgabe von Frankomarken zu 2/1/2 Rappen für die im Gesetz vorgesehene ermäßigte Taxe bekanntgegeben. Folgende Orte wurden namentliche benannt:

Lausanne, Freiburg, Vevey, Bern, Burgdorf, Thun, Neuenburg, Biel, Le Locle, La Chaux-de-Fonds, Basel, Solothurn, Aargau, Zofingen, Lenzburg, Baden, Luzern, Schwyz, Altdorf, Zürich, Winterthur, Rischterswyl, Wädenschwyl, Zug, Schaffhausen, Frauenfeld, St.Gallen, Rorschach, Altstätten, Wattwil, Rapperschwyl, Chur, Bellinzona, Lugano und Locarno (ferner bekannt von Nyon und Porrentruy).

Nun zu den Vorschriften bzgl. der Abstemplung:

In der oben genannten Weisung des Postdepartements ist ebenso folgendes zu vernehmen:

- Marken sollen in der linken oberen Ecke verklebt werden
- damit bereits verwendete Marken nicht zum zweiten Mal benutzt werden, müssen diese vor Abgabe der Briefe mit dem Ortsstempel so
überdeckt werden, dass jenes jederzeit auch ersichtlich ist
- ist es ebenfalls gestattet die Marke mit schwarzer Tinte kreuzweise zu durchstreichen (Federzugentwertung)
 

Mit dem Postanweisung 26 im September 1850 wurde die Einführung der Rayon-Marken (für den 1. und 2. Rayon) bekanntgegeben für die Verwendung ab Oktober (dem 1.Weinmonat).

Für die Entwertung derselbigen wurden die Stempel "PP" (Port payé); PD (Payé destination) oder Franko vorgesehen. Die Postablagen, die diese Stempel nicht besaßen, hatten die Entwertung eben per Federzug vorzunehmen und das nächstgelegene Postbüro hatte dann die Stempel "PD", "PP" oder "Franko" draufzudrücken. Gleichzeitig wurde die ursprünglich angeordnete Benutzung des Ortsstempels zur Markenentwertung wieder rückgängig gemacht. Diese Regelung der Ortsstempel wurde allerdings am 22.10.1850 wieder zurückgenommen und die Verwendung derselbigen erlaubt. Die damaligen Bestimmungen waren jedoch nie wirklich "definitiv" ausgesprochen worden, sondern wurden immer schwammig formuliert, sodass sich recht viele Stempelformen auf den Briefen finden können, jedoch nur bis zum 01.08.1851, als die Rauten eingeführt wurden. Vorgeschrieben wurde auch stets die Verwendung schwarzer Tinte, dennoch hielten sich nicht alle Postämter daran (z.B. Basel, St.Gallen, Zürich) und es lassen sich auch rote Stempel und Entwertungen finden.
Im Jahre 1856 waren noch etwa 75% aller Inlandsbriefe unfrankiert.

Am 23.05.1857 wurden die eingeführten Rauten wieder außer Gebrauch gesetzt und durch Ortsstempel ersetzt.

So viel für´s Erste, morgen geht es dann weiter.

Liebe Grüße

Kevin
 


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