Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Portobestimmung von Belegen: Altdeutschland Bayern - Schweiz
Das Thema hat 74 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 2   3  oder alle Beiträge zeigen
 
bayern klassisch Am: 23.03.2019 23:44:17 Gelesen: 5811# 50 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#49]

Hallo Kevin,

sehr gut recherchiert - wow!

Da 30 Rappen fehlten (50 Rappen für den unfrankierten, sog. Portobrief), galt 10 Rappen = 3 Kreuzer, also total 9 Kreuzer zu wenig, die Herr Spengelin in Lindau im Bodensee nachzahlen durfte. Dabei fand keine Teilung statt, denn die 20 Rappen wären auch bei einem ganz unfrankierten Portobrief der Schweiz gutgeschrieben worden und Bayern hätte in diesem Fall auch 30 Rappen = 9 Kreuzer kassiert, da die Teilung bei Porto- und Frankobriefen immer 2/5 zu 3/5 war.

Diese Unterfrankaturen kennen wir praktisch nur aus der Spengelin - Korrespondenz, wo ca. 5 - 6 Stücke (mit diesem) bekannt sind. Richtig ist natürlich, dass die frühen Unterfrankaturen häufiger waren, als die in den 1870er Jahren, weil es irgend wann auch der kognitiv minderbegabteste Schreiben endlich bemerkt hatte, dass mit dem neuen Vertrag eben nicht alles günstiger geworden war.

Dein Brief ist der m. E. qualitativ hochwertigste von allen - Glückwunsch dazu. Auch erwähnen könnte man, dass der Brief über den Bodensee lief mit einem Dampfboot, so dass man ihn semantisch sogar als Überseebrief bezeichnen könnte. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 24.03.2019 13:46:06 Gelesen: 5786# 51 @  
@ bayern klassisch [#50]

Dabei fand keine Teilung statt, denn die 20 Rappen wären auch bei einem ganz unfrankierten Portobrief der Schweiz gutgeschrieben worden und Bayern hätte in diesem Fall auch 30 Rappen = 9 Kreuzer kassiert, da die Teilung bei Porto- und Frankobriefen immer 2/5 zu 3/5 war.

Hallo Ralph,

danke für diese wertvolle Information! Ich nehme an bei der Teilung beziehst Du dich nur auf den Briefverkehr zwischen den süddeutschen Staaten und der Schweiz, oder?

Diese Unterfrankaturen kennen wir praktisch nur aus der Spengelin - Korrespondenz, wo ca. 5 - 6 Stücke (mit diesem) bekannt sind.

Gut zu wissen, :) also es sind bloß eine Hand voll Briefe nach Bayern bekannt und wie sieht es mit Baden und Württemberg aus?

Dort müsste es ja auch die gleichen Fälle gegeben haben. Ich weiß zumindest, dass unser Freund einen nach Baden hat :) (vielleicht sogar mehr).

Dein Brief ist der m. E. qualitativ hochwertigste von allen

Umso mehr freue ich mich natürlich den Brief verhältnismäßig günstig bekommen zu haben.

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 24.03.2019 14:39:56 Gelesen: 5780# 52 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#51]

Hallo Kevin,

Ich nehme an bei der Teilung beziehst Du dich nur auf den Briefverkehr zwischen den süddeutschen Staaten und der Schweiz, oder?

Ja, Silbergroschen - Postgebiete benötigten ja immer noch die süddeutschen Staaten, um ihre Post in die Schweiz zu bringen, da es keine direkten Kartenschlüsse gab.

also es sind bloß eine Hand voll Briefe nach Bayern bekannt und wie sieht es mit Baden und Württemberg aus?

Ich habe mich nur auf Bayern bezogen - nach Baden, Württemberg, Österreich usw. gab es das natürlich auch, aber wohl auch nicht viel mehr. Unser Robert hat natürlich eh fast alles, von daher könnte er dir auch nach dorthin etwas zeigen (was über 140 Alben halt so alles hergeben ...). :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 18.09.2019 17:13:06 Gelesen: 4567# 53 @  
Liebe Freunde,

frankierter Dienstbrief des Stadtmagistrats Bayreuth vom 1.12.1874 an den Gemeinderath z u Bannwyl Amtsbezirk Aarwangen in der Schweiz. Die Behörde hatte es mit dem Transport eilig, auch wenn der Inhalt mir nicht so dringlich erscheint, wie ich es bei dergleichen Briefen kenne. In jedem Fall notierte man Cito mit Rötelstift, unterstrich es und setzte das Schweizer Weiterfranko mit 3 Kreuzern korrekt an (was man aber nicht hätte müssen). Später unterstrich man noch mit blauem Stift Cito und setzte ein Ausrufezeichen dahinter.





Leider kenne ich sonst keine Expressbriefe in die Schweiz, weder private, noch dienstliche wie hier, denn ich nehme nicht an, dass die Post 2 mal den selben Fehler machte, sondern eher, dass er unter der Rubrik "Dienstexpressbriefe" in der Briefkarte vorgetragen wurde.

Ausweislich der siegelseitigen Stempel kam er am Folgetag schon an und könnte auch sofort ausgetragen worden sein, aber das muss Spekulation bleiben.

Keiner Spekulation bedarf es hinsichtlich des dringenden Inhalts, den ich hier transkribiert habe:

"Aufnahme des zugereisten Faerbergesellen Adolph Schaad von Bannwyl im hiesigen stadetischen Krakenhause.
Wir machen hiermit die ergebenste Mittheilung, daß der am 15. Februar 1854 geborene hier zugereiste Faerber Adolph Schaad von Bannwyl j. B. wegen Kraetze heute im hiesigen staedtischen Krankenhause aufgenommen werden mußte, daß derselbe in Folge seiner ansteckenden Krankheit nicht transportfaehig ist und dessen Heilung ohngefaehre 8 Tage waehren wird.

Der rechtskund: Bürgermeister verhindert - gez. Unterschrift".

Unser junger Fahrensmann aus der Schweiz war also in Bayreuth erkrankt an Krätze und das war damals nicht lustig [1].

Üblich war es, dass die Heimatgemeinden für Kosten ihrer Bürger im Ausland aufzukommen hatten und ich denke, dass man nach Entlassung des Färbergesellen Schaad die Kosten für das Krankenhaus, Medizin und Heilung (samt Porto natürlich) von der Gemeinde in Bannwyl wieder haben wollte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%A4tze
 
bayern klassisch Am: 09.10.2019 09:05:21 Gelesen: 4386# 54 @  
Liebe Freunde,

ein nettes Forumsmitglied hat mir folgendes Kärtchen vermacht, über das ich mich sehr gefreut habe:



Romont, 21.11.1873 an die Firma Maerz & Braun nach Nürnberg, bei dem eine 5 Rappen Inlandspostkarte mit weiteren 5 Rappen auffrankiert wurde. Ankunft in Nürnberg am 23.11.1873.

Nach langer Beobachtung des Marktes zwischen beiden Ländern muss ich feststellen, dass es viel mehr (auch oder gerade schöne) Postkarten aus der Schweiz nach Bayern gibt, als umgekehrt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 09.10.2019 11:27:17 Gelesen: 4372# 55 @  
@ bayern klassisch [#54]

Hallo Ralph,

sehr schöne Postkarte, genau nach meinem Geschmack!

Habe eine sehr ähnliche nach Sachsen, allerdings schon zur "Reichszeit".

Ich kann deine Beobachtung bestätigen, mir ist zumindest in der Bucht noch nie wirklich eine schöne PK von Bayern nach Schweiz aufgefallen, während es andersherum doch immer mal wieder Angebote gibt.

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 09.10.2019 12:26:16 Gelesen: 4366# 56 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#55]

Hallo Kevin,

auch gibt es eine kurze Zeit, in der Postkarten, wie Briefe auch, noch 7 Kreuzer kosteten bzw. 25 Rappen. Wenn du da mal eine sehen solltest, lass es mich wissen - muss nicht mal schön sein. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 17.11.2019 10:36:53 Gelesen: 3774# 57 @  
Liebe Freunde,

wo liegt die Besonderheit bei dieser Drucksache von Nürnberg nach Bischofszell in der Schweiz?



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 17.11.2019 13:56:10 Gelesen: 3756# 58 @  
@ bayern klassisch [#57]

Hallo Ralph,

PP sagt ja aus bezahlt bis Grenze und ich weiß nicht, ob für über 50 Meilen 3 Kreuzer ausreichten auch wenn es eine Drucksache war.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 17.11.2019 15:21:14 Gelesen: 3749# 59 @  
@ Gernesammler [#58]

Hallo Rainer,

das P.P. stand innen und hatte mit der Taxierung/Frankierung nichts zu tun und bedeutete nur:

praemissis praemittendis

Bei Drucksachen war die Entfernung egal (wenn es kein Grenzrayon war und das war es hier natürlich nicht).

Die Lösung ist also noch zu erahnen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 17.11.2019 15:42:58 Gelesen: 3748# 60 @  
@ bayern klassisch [#59]

Hallo Ralph,

ich weiß aber ein Versuch war es Wert aber ich lass mich gern durch die Lösung überraschen und bin gespannt.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 17.11.2019 15:52:21 Gelesen: 3747# 61 @  
@ Gernesammler [#60]

Hallo Rainer,

danke für deinen Versuch - dann löse ich mal:

Eine Drucksache (DS) Bayern - Schweiz kostete immer 1 Kreuzer für Bayern und 1 Kreuzer für die Schweiz je Gewichtsstufe.

Hier war es natürlich die 1. Gewichtsstufe, also hätte man 2 Kreuzer frankieren müssen.

Aber wenn man keine 1 Kreuzermarken zur Hand hatte, klebte man schnell eine geläufige 3 Kreuzermarke, die ja jeder hatte und verschwendete so 1 Kreuzer.

Die bayerische Post knobelte nun, ob es eine unterfrankierte 2. Gewichtsstufe einer DS war, oder gar ein unterfrankierter Brief. Da es aber eine DS war, die offen aufgeliefert wurde (ich hoffe, dass man das erkennen kann), konnte es also nur eine DS sein, die um 1 Kreuzer überfrankiert worden war.

Bayern behielt hier also 2 Kreuzer und notiert in Blau (richtig wäre es in Rot gewesen) 1 Kreuzer Weiterfranko für die Schweiz.

Überfrankierte Drucksachen sind sehr selten, weil gerade Auslandsdrucksachen Poststücke der "Profis" waren, die natürlich genau wußten, was die Poststücke kosteten. Hier sollte sie schnell raus und den Extrakreuzer wird man wohl verschmerzt haben.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 21.01.2020 14:43:12 Gelesen: 2875# 62 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen der ungewöhnlichsten Bayern - Schweiz - Briefe, die ich kenne und ich musste ihn unbedingt haben.

Eine Portofreie Regierungs Sache vom 2.8.1848 aus Memmingen des 7. Bundes - Armme - Korps zu Memmingen "An Herrn Major von Liel im Kgl. bay. Generalquartiermeisterstabe in Bern", womit der Brief in Bayern und der Schweiz portofrei zu belassen war. AM 4.8.1848 kam er in Zürich an und war am Folgetag schon in Bern. Doch in Bern war Herr von Liel nicht mehr, weswegen man oben notierte: " Von Bern den 4ten August abgereist. J. Kraft zur Krone".



Ich folgere also, dass der Brief Herrn von Liel um einen Tag verpasst hatte und Herr J. Kraft vom Gasthaus Krone im Bern, wo er wohl logiert zu haben schien, den Brief der Berner Post retour gab. Diese schickte ihn postwendend nach Zürich zurück, wo er siegelseitig am 7.8. vormittags ankam und wo der Auslag von Zürich - Stempel etwas sinnlos abgeschlagen worden war, denn "Auslagen", also eigene, Schweizer Porti, waren ja keine angefallen, weshalb das Innere des Auslagestempels auch leer bleiben musste.

Am 9.8. traf der Retourbrief wieder in Memmingen ein, doch war Herr von Liel auch jetzt nicht mehr dort zu erreichen und man strich "Memmingen" und setzte seine neue Anschrift "München" darüber, wo er letztlich erfolgreich am 10.8. auch zugestellt werden konnte.

1 Tag zu spät, 7 Stempel, ein Armeekorps - Siegel, das sich gewaschen hat, 2 mal nachgesandt und das alles kostenlos - Sammlerherz, was willst du mehr?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 21.01.2020 19:17:19 Gelesen: 2858# 63 @  
@ bayern klassisch [#62]

Hallo Ralph,

tolles Stück was wohl jeder gern in seiner Sammlung hätte, ob Bayern oder Schweiz Sammler.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 21.01.2020 20:04:38 Gelesen: 2852# 64 @  
@ Gernesammler [#63]

Hallo Rainer,

danke dir - sehe ich auch so. Suche mal einen Brief mit leerem Auslagestempel von der Schweiz - kenne keinen anderen bisher.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 22.01.2020 12:06:46 Gelesen: 2824# 65 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Dienstbrief als gebührenpflichtige Partei - Sache des Kreis- und Stadtgerichts Ansbach vom 12.3.1824 an das Oberamt Zofingen, Bezirk Zofingen im Kanton Aargau in der Schweiz, welcher frankiert bis zu Grenze und recommandirt war (gegen Postschein).



Der Absender zahlte 30 Kreuzer, aber nicht den Schweizerischen Anteil, daher notierte die Post in Ansbach "Grenz" neben "frei" vom Absender. Die Entfernung betrug 206 km, also 27,4 Meilen. Ein einfacher Brief über 24 bis 30 Meilen hätte 10 Kreuzer gekostet, so dass dieser bis 1 Loth = 15 Kr., bis 1 1/2 Loth = 20 Kr., bis 2 Loth = 25 Kr. und bis 2 1/2 Loth 30 Kr. kosteten, weil er auch mit dem Vermerk "Mit Anlage" versehen worden war.

Oben rechts notierte Ansbach die Reco-Nro. 1, Nürnberg fügte ein blaues Tintengitter wegen der Recommandation und die Reco-Nr. 1 bei, Lindau die N. 8, Zürich die 3 oben rechts und die 20. (Eingangsmanualnummer) oben links, eine Transitpost der CH fügte die 20 bei, strich sie und vergab statt dessen die 40 und Zofingen notierte letztlich die Reco-Nr. 62 (nicht 64, wie man auch lesen könnte).

Interessanterweise blieb dieser Brief, wohl weil die CH "R.S.", statt "P.S." gelesen hatte, komplett gebührenfrei und einen Reco-Brief mit 7 verschiedenen Reco-Nummern muss man auch erst einmal finden.

Liebe Grüsse von bayern kassisch
 
bayern klassisch Am: 18.02.2020 13:55:43 Gelesen: 2266# 66 @  
Liebe Freunde,

den hier musste ich aus 2 Gründen haben, auch wenn die mit dem Postvertrag Bayern - Schweiz vom 1.9.1868 wenig zu tun hatten:



1. Ein kleiner Einkreisstempel = 24 mm (!) entwertete gleich 3 Marken - und das in München, wo es ja nur gute Beamte am Schalter gab, und

2. Der Absender stempelte bereits mit seinem eigenen "Recommandirt" - Stempel, dem die Aufgabepost pflichtbewußt einen roten Chargé - Stempelabschlag folgen ließ.

Ich kenne nur wenige Fälle, in denen Absender für sich selbst Recommandirt - Stempel anfertigen ließen.

Dieser hier aus München vom 4.7.1869 lief nach Luzern (wunderschöne Stadt, bitte mal besuchen, wenn ich die Schweiz passiert) und wurde von Lindau aus über den Bodensee mit dem Dampfboot nach Romanshorn verfrachtet, also ein sog. Überseebrief.

In Luzern kam er schon am Folgetag an - unglaubliche Leistung und daher höchster Respekt für unsere Kameraden der damaligen Zeit - heute unmöglich, ob eingeschrieben, oder nicht.

4 Kreuzer für Bayern, 3 Kreuzer für die Schweiz und 7 Kreuzer Reco-Gebühr für die Aufgabepost.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 27.03.2020 14:47:05 Gelesen: 1548# 67 @  
Liebe Freunde,

wieder einen Grenzrayonbrief der Firma Schieling & Co in Lindau an Firma Kinkelin in Romanshorn, jetzt ohne Abgabestempel verblieben. Das Datum war der 2. Mail 1868 und die Ankunft dürfte am selben Tag erfolgt sein per Dampfboot über den Bodensee.



Bei Grenzrayonbriefen innerhalb von 5 Postmeilen zwischen Aufgabe- und Abgabepost verblieb das Porto/Franko komplett der Aufgabepost, hier also 3 Kreuzer für Bayern allein.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.03.2020 11:48:42 Gelesen: 1527# 68 @  
Liebe Freunde,

den folgenden Brief konnte ich - leider! - nicht für 1 BP$ (Bernatzscher Pizza Dollar) irgendwo in der Bucht grabschen, sondern musste ihn auf einer Schweizer Auktion heimholen, aber seis drum, man lebt nur ein Mal und ich musste ihn unbedingt haben.







Verfasst wurde er am 15.4.1863 in München auf Briefpapier der Firma Bath von Jacob Pfeiffer und gerichtet war er an den allseits bekannten Strohfabrikanten Isler in Wohlen im Aargau. Text (eignet sich auch für diejenigen, die die deutsche Kurrentschrift nicht gut lesen können als Übungs- und Anschauungsmaterial):

"Indem mir Ihr w(erthes) Haus noch aus früherer Zeit bekannt ist, wo ich in Kempten etablirt, mit Ihnen in Stroh - Waaren mehrere Jahre hintereinander verkehrte, dasselbe aber wegen Kränklichkeit meiner Frau aufgab, um dafür eine Kunstmühle angetretten habe, welche ich in jüngstens an meinen Sohn übergab, und hierher gekommen bin um mir Agenturen zu sammeln. Ich kenn das Strohgeschäft, und an große Thätigkeit von jeher gewöhnt, könnte Ihnen gewiß gute Dienste leisten, wenn Sie mir Ihr werthes Zutrauen schenken wollten.

Nicht allein für hier wäre ich dazu bereit, sondern ich ließte mich wenn Sie es wünschten, auch darauf ein, einen gewissen Bezirk selbst über Baiern hinaus zu bereisen.

Nahdem ich immer eine besondere Vorliebe für die Schweitz gehabt, würde im Falle auch eine feste Stelle bey Ihnen als Buchhalter, Correspondent, Magazzinier & annehmen, und weil ich 8 meiner Jugendjahre in Italien auf dem Comptoir und auf Reisen zugebracht, bin ich deßhalb in der italienischen Sprache ganz ferm (soll heißen "firm"), und der französischen auch kundig.

Mein Herr Vetter Albert Rohr in Lenzburg, der mir Ihre verehrliche Addresse aufgegeben, und Herr Friedrich Jäger in Lindau, können über mich genügende Auskunft ertheilen.

Zum Schluße hoffend, von Ihnen in irgendeiner Beziehung eine günstige Antwort mit Anträgen zu erhalten, empfehle mich Ihnen mit besonderer Achtung und Ergebenheit.

Sendlingerrhor - Platz No 7, parterre links."

Der Brief hätte im April 1863 bei regulärer Aufgabe in München unfrankiert bis 1 Loth 9 Kreuzer für Bayern und 3 Kreuzer für die Schweiz = 12 Kreuzer = 40 Rappen gekostet.

Durch den Schmuggel (wohl Verwandschaft bzw. ehemalige Geschäftsfreunde) und Postaufgabe in Zürich kostete er jetzt als innerschweizer Fernbrief nur 15 Rappen, also etwa 5,5 Kreuzer.

Das war natürlich nett von ihm, dass er seinem potentiellen, zukünftigen Arbeitgeber diese 25 Rappen ersparte, aber man hätte sich auch sehr gut vorstellen können, dass er den Brief, ob in München, oder in Zürich von einem Dritten aufgegeben, frankiert hätte, um so einen guten Eindruck zu machen - aber das tat er nicht.

Dergleichen Briefe sind m. E. recht selten, auch wenn Kuvertierungen und durch Güte - Aufgaben auch im Auslandsverkehr schon mal vorkommen.

Interessant ist noch die Tatsache, dass der Brief am 15.4. in München geschrieben und noch am selben Tag in Zürich aufgegeben wurde, wobei er am Folgetag in Wohlen seinen Empfänger erreichte.

Leider weiß ich nicht, ob die Bemühungen unseres Herrn Jacob Pfeiffer aus München von Erfolg gekrönt waren. Über nähere Informationen würde ich mich sehr freuen (im Netz erfolglos geblieben).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.05.2020 12:06:35 Gelesen: 1193# 69 @  
Liebe Freunde,

am 27.6.1864 sandte man in Augsburg / Stadt einen einfachen Brief nach Weißenburg Canton Bern ab, für den man 9 Kr. frankierte, wovon 3 Kr. als Weiterfranko für die Schweiz ausgewiesen wurden.

Schaut man jedoch in die Tariflisten der Schweiz zu dieser Zeit, so sind alle Orte genannt, für die das Weiterfranko 3 Kr. kostet - alle anderen Zielorte kosteten 6 Kr. Weiterfranko.



Der Canton Bern lag im 2. Rayon, wie Bern selbst, so dass das korrekte Weiterfranko immer 6 Kr. betrug und die Entfernung von Augsburg bis zum Grenztaxpunkt zur CH, ab dem 1.9.1859 Basel - Schaffhausen, betrug ebenso immer 6 Kr., was also einen Brief mit einem Franko von 12 Kr. bedingt hätte.

Wohl dem, der rechnen kann - unser Augsburger konnte es nicht und Bayern entgingen zwar keine 3 Kr. bei der Aufgabe, aber die Schweiz musste diese 10 Rappen als Verlust verbuchen, denn eingefordert vom Empfänger hat sie niemand mehr.

Hinweis: Der Scanner hat die Marke oben koupiert - sie ist vollrandig.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
SH-Sammler Am: 07.05.2020 13:31:48 Gelesen: 1186# 70 @  
@ bayern klassisch [#69]

Hallo Ralph,

die Schweiz ist doch so klein, da müssten 3 Kreuzer Weiterfranko doch genügen. Aber Du hast recht, Bern lag im 2. Rayon. So musste die Schweizer Post halt einen Abstrich machen.

Liebe Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 07.05.2020 16:37:41 Gelesen: 1175# 71 @  
@ SH-Sammler [#70]

Hallo Hanspeter,

da hast du Recht - cleverer wäre es gewesen, die ganze Schweiz als nur einen Rayon zu sehen; wenn man sich die Größe des Postvereins anschaut mit nur 3 Rayons und die kleine Schweiz mit 2 Rayons, ist das schon ein besserer Witz.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 15.06.2020 12:33:24 Gelesen: 755# 72 @  
Liebe Freunde,

von einem äußert netten Forumsmitglied konnte ich den hier 1 zu 1 eintauschen. Brief aus Augsburg vom 19.12.1855 nach St. Gallen in der Schweiz, frankiert mit 9 Kreuzern für den 2. Rayon Bayerns und den 1. Rayon der Schweiz, also korrekt. Aber die Besonderheit war, dass der Absender den Brief in den Briefkasten geworfen und auf ihm oben Recommandirt vermerkt hatte.






Hierzu passt die VO-Nr. 14.873 vom 16.9.1853, nach der eigentlich dieser Vermerk durch die Hand des Absenders zu streichen war - aber ein Absender war nicht greifbar. Man hätte dann unter dem Vermerk "Boite", oder "Aus dem Briefkasten" notierten und den Brief unrekommandirt abgehen lassen sollen.

Aber die 6 Kreuzer für die Recommandation wollte man in Augsburg dann doch haben und notierte daher folgendes: "Boîte, noch 6 Recomand. Gebühr" und belastete somit die Schweiz, in specie St. Gallen, mit dem Einzug von 20 Rappen, die allein der Aufgabepost zustanden, nicht der bayer. Postverwaltung, weil in Bayern die Reco - Gebühren zu den Emolumenten der Postbediensteten gehörten.

Man brachte aber KEINEN Chargé - Stempel an und vergab auch keine Reco - Nummer! Das ist nun ein sehr widersprüchliches Verhalten, denn die Stempelung mit dem Chargéstempel war vorgeschrieben, auch wenn niemand da war, der einen Schein beanspruchen konnte (Vermerk im Reko - Manual dann einfach: "Aus der Boîte recommandirt").

Ob der Empfänger in St. Gallen die 20 Rappen bezahlt hat? Ob der Brief in der CH als rekommandirt behandelt wurde und nur gegen Unterschrift auszuhändigen war? Wir wissen es leider nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.07.2020 11:08:27 Gelesen: 281# 73 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich meinen Brief des Monats Juli 2020, der in Sils im Engadin am 30.11.1831 verfasst wurde und an Herrn Andreas B. Puonz nach Berlin gerichtet war.





Als Aufgabestempel fungierte ENGADIN in blau und das Gewicht scheint mit 1 3/4 Loth (3. Gewicht) ermittelt worden zu sein. Das Engadin gehörte zu Graubünden und für die Schweizer Strecken gibt es die Taxen 4, dann 12 und letztlich 6 Kreuzer, so dass Bayern bis Lindau mit 22 Kreuzer belastet wurde für den schweren Brief (einfach wohl 2, 6 und 3 Kreuzer). Zu diesen 22 Kreuzern kamen für Bayern 32 weitere Kreuzer, so dass sich das Porto bis zur bayer. Ausgangsgrenze auf 54 Kreuzer belief.

Im Nünrberger Auslagestempel wurden die Taxen für die Schweizer Postverwaltungen gleich in Gutengroschen eingetragen und 5 1/2 Gutegroschen entsprachen genau 22 Kreuzern und für Bayern die ermittelten 32 Kreuzer in 8 Gutegroschen reduziert, auch wenn in Preussen längst der billigere Silbergroschen im Einsatz war.

Preussen strich dieses Währungsgewirr durch und notierte seine Endforderung nach dem Postvertrag Bayern - Preussen von 1816 mit total 29 Silbergroschen (1 Sgr. entsprach 3,5 Kreuzern, 1 Gutergroschen war einst 4 Kreuzer wert), womit wir in Kreuzern eine totale Forderung in Berlin von 102 Kreuzern haben (1 Gulden 42 Kreuzer).

Die Besonderheit liegt aber hier, abgesehen davon, dass Briefe aus dem Engadin über Bayern im Transit keine Massenware sind, schwere schon gar nicht, in dem roten Sanitätsstempel, dessen Existenz auf die Choleraepidemie dieser Zeit (vor allem 1831) zurück zu führen ist. Der Stempel KÖNIGLICH BAYERISCHES SANITAETS SIEGEL wurde lt. Feuser in rot in Augsburg abgeschlagen. Die Frage ist nun, warum sollte man in Augsburg beim Dekartieren des Zürcher Briefepakets einen Brief rasteln und mit einem Stempel bedrucken, ihn dann aber nach Nürnberg zu kartieren? Die Notation 22 / 32 könnte von Augsburg stammen, aber viel Sinn macht die Leitung nach Nürnberg mit der dortigen Rechnungsstellung nicht.

Der Inhalt ist auf Italienisch verfasst - meines ist leider ganz schlecht geworden - wenn etwas Interessantes zu erkennen ist, wäre eine kurze Inhaltsmeldung nett.

Wie sich nun anhand anderer Briefe dieser Zeit heraus gestellt hat, stammen die schwarzen Taxen unten links und der rote Sanitätsstempel tatsächlich von Lindau im Bodensee und nicht von woanders her.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.08.2020 16:33:34 Gelesen: 92# 74 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich eine kleine Besonderheit, die nett daher kommt, wenn man von dem etwas individuellen Schnitt der 6 Kreuzermarke mal absieht.



Eine Partei - Sache (Dienstbrief mit privatem Hintergrund) des katholischen Pfarramtes Weiler im Allgäu vom 31.10.1859 ging unter dem Geschäftszeichen Nr. 162 "An das Katholische Pfarramt in Baden in der Schweiz" mit dem Vermerk "frei" ab. Jedoch sehen wir neben dem "Frei" - Vermerk eine Rötel - 3 und darunter "Zur Frankirung retour". Scheinbar hatte man in Weiler versucht, den Brief als Dienstbrief kostenlos durch zu schleusen, doch war dieses Unterfangen aufgefallen und man sandte ihn dann der Aufgabepost retour.

Siegelseitig sehe ich folgende Stempel in chronologischer Reihenfolge: 31.10. Röthenbach, 31.10. Weiler (wieder zurückgeschickt bekommen), 1.11. Röthenbach-Bahnhof, 2.11. Zürich und 2. oder 3.11. Baden als Ankunftsstempel.

Dienstbriefe Bayern - Schweiz sind nicht häufig, wiewohl es davon Tausende noch heute geben müsste und welche mit Besonderheit wie hier schon gar nicht. Daher verschmerze ich mal die etwas lieblos geschnittene Marke.

Postgeschichtlich simpel: 1. Rayon Bayerns = 3 Kreuzer und 1. Rayon der CH ebenfalls 3 Kreuzer.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

Das Thema hat 74 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 2   3  oder alle Beiträge zeigen
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.