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Thema: Luxemburg: Besondere Stücke der Luxemburger Wappenausgabe
marc123 Am: 01.01.2018 22:26:01 Gelesen: 3701# 1 @  
Die UN FRANC-Marke mit umgekehrtem Aufdruck

Die 37,5 centimes-Marke (Abb.1) wurde 1872 mit dem Aufdruck „UN FRANC“ über dem alten Wert versehen (Abb.2). Hierbei entstand eine Variante mit umgekehrtem Aufdruck. Nur drei Exemplare dieser Variante sind bis heute bekannt. Alle sind zwischen Mai und September 1873 in Diekirch abgestempelt. Der alte Wert 37,5 wurde auf beiden Seiten anhand eines Federstrichs durchgestrichen. Genauso selten wie die Marke, sind auch die Informationen, die man über diese findet.



Abb. 1 u.2: 37,5 centimes und UN FRANC-Marke

Der Prifix-Katalog der Banque du Timbre erwähnte erstmals 1960/61 und bis 2009 unter der Katalognummer 24b (25b) die Abart „surcharge renversée; umgekehrter Aufdruck“ der UN FRANC-Marke farbig durchstochen und bewertete diese zuletzt mit 3100 Euro in gestempelter Form. Ungebraucht ist sie nicht bekannt. Anschließend verschwindet die Marke aus den Katalogen.

Aus der Literatur ist nur sehr wenig über diese Marke mit umgekehrtem Aufdruck zu erfahren. Sie scheint erst sehr spät entdeckt bzw. dem Luxemburger Sammlerkreis bekannt geworden zu sein. Erstmals erwähnt wird die Marke (Abb. 3) 1940 von dem berühmten belgischen Briefmarkensammler René Berlingin (1). Er erwähnt die Abstemplung von Diekirch vom 21. 05. 73., beschreibt sie kurz und sagt, dass an der Echtheit der Marke und dem Stempel kein Zweifel besteht (2). Das Stempeldatum ist auf der Abbildung nicht überprüfbar. Zwei Seiten zuvor stellt Berlingin die Frage nach der seltensten Briefmarke Luxemburgs, kommt zur Schlussfolgerung, dass es die „Un Franc renversé“ ist, erwähnt tabellarisch, dass nur ein Exemplar existiert und stellt sie sogar mit der berühmten 3sk. orange von Schweden gleich (3).



Abb. 3: Marke mit umgekehrtem Aufdruck., nach Berlingin 1940

Vierzehn bzw. fünfzehn Jahre später widmet Bernard Wolff (1954, 52; Abb.2; 1955, 32; Abb. 2) der „Marke mit verkehrtem Aufdruck“ wie er sie nennt, gerade mal acht Zeilen und bildet sie ab. Hierbei handelt es sich allerdings nicht mehr um die Marke, die von Berlingin gezeigt wurde, sondern um zwei Marken, die „umgekehrt als Paar zusammengeklebt“ wurden (Abb. 4). An neuen Informationen liefert er, außer der Abbildung nur, „Es ist noch hervorzuheben, dass bei den Naumannschen Überdrucken sich ein Bogen mit verkehrtem Aufdruck UN Franc befand.“ Weiter: „Zwei von diesen seltenen Marken, umgekehrt als Paar zusammengeklebt, wurden vor einigen Jahren (4) zu dem hohen Preise von 60 000 Fr. verkauft (5).“ Diese Angaben sind leider, wie in der Luxemburger Literatur aus dieser Zeit und leider auch heute noch oft anzutreffenden, unwissenschaftlichen Art, auf Quellenangaben zu verzichten. Das Argument, dass es sich um einen Bogen (6) gehandelt hat, der umgekehrt überdruckt wurde, erscheint uns, ohne Beweis, als Spekulation. Leider konnten wir bis jetzt auch nicht nachweisen wo das „Paar“ verkauft wurde und wer der Besitzer war.



Abb. 4: „Paar“ mit umgekehrtem Aufdruck, nach Wolff 1954, 52, Abb. 2

Sieben Jahre später tritt die Marke noch einmal Mal in der Literatur auf. Klein (1963, 50; 75) erwähnt in nur fünf Zeilen auf Deutsch und auf Französisch, über die Marke. Etwas Neues erfahren wir hieraus nicht. Auf Quellenangaben wird verzichtet. Er erwähnt, dass nur drei Exemplare bekannt sind, erwähnt, dass „die alte Wertziffer 37,5 mit Federstich entwertet wurde“. Der hier im deutschen Text unglücklich benutzte Begriff „Federstrich entwertet“ ist im französischen mit „barrée à la plume“ besser gewählt. Weiter wird erwähnt, dass nur drei Stück mit Stempel dem Einkreisstempel Diekirch bekannt sind und dass „an ihrer Echtheit kein Zweifel besteht“. Es ist keine Marke abgebildet. Die drei bekannten Stücke sind wohl die drei in diesem Artikel vorgestellten Stücke.

1985 wird das „Paar“ in der bekannten Sammlung „JUAN DEL PUENTE“ (7) von Jean Dupont verkauft. Diesmal mit FSPL-Attest. Es schafft es nicht einmal in die Farbabbildungen, sondern wird schwarzweiß abgebildet. Der Schätzpreis betrug 2500 Schweizer Franken. Zugeschlagen wurde es für nur 2000 Schweizer Franken. Erstaunlich ist hier die Beschreibung, dass es sich um ein Exemplar mit Variante, zusammen mit einer normalen Marke gehandelt haben soll (8). Auffallend ist auch, dass die Marken jetzt etwas versetzt abgebildet werden. Unklar ist, ob sie sich vorher auf einem kleinen Fragment befanden oder nicht.

Zuletzt taucht „das Paar“ (Abb. 5) 2000, anlässlich der Ausstellung vom 1-3 Dezember in Monaco auf (9). Zusammengesetzt sind die Marken wie in der Dupont-Sammlung. Aussteller ist Jean Huys aus Lichtenstein. Hier wird es als zwei der drei bekannten Exemplare genannt. Weiter wird der Fehlaufdruck als der bedeutendste von Luxemburg und als eine große europäische Seltenheit vorgestellt (10).



Abb. 5: „Paar“ mit umgekehrtem Aufdruck (Principauté de Monaco. Catalogue de l’Exposition des 100 Timbres et Documents Philatéliques parmi les plus rares du monde (Monaco 2000), 88)

Erstaunlich ist, dass diese Variante nicht mehr in den Prifix/ Michel-Katalogen erwähnt wird, handelt es sich doch nach der Auffassung Berlingins, der sich die Autoren des vorliegenden Artikels anschließen, um die bedeutendste Abart der Luxemburger Philatelie.



Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren Ihnen dankbar.

Commission pour la Philatélie traditionnelle, les Entiers postaux et l’Histoire postale du Luxembourg

Marc Schaack; Olivier Nosbaum



(1) Berlingin R., Catalogue-Etude. Les Timbres les plus rares de Belgique et des autres Pays. Les Oblitérations de Luxembourg. Les Centres Renversés (Ham-sur-Heure 1940), 32-34.

(2) „Obl. Diekirch 21. 05. 73. L’ancienne valeur a été barré à l’encre lors de l’emploi. : L’erreur a donc été reconnue alors. L’authenticité de la surcharge et de l’oblitération est hors de doute“ Berlingin (1940, 34).

(3) „Enfin au sommet, l’erreur la plus rare d’Europe, avec le 3sk. orange N°24“(Berlingin 1940, 32). „Il n’eiste qu’un exemplaire, coupé dans la marge gauche. C’est l’erreur la plus rare d’europe, à côté du 3 sk.jaune, erreur de Suède“ (Berlingin 1940, 34). René Berlingin war später, von 1950-1878, bzw.1984 Besitzer der 3 sk „Treskilling banco“. Siehe z.B. Feldmann D., Sweden „Treskilling“ yellow. Unique error of color. The world’s most expensive Stamp. Special Auction (Genf 2010), 21.

(4) Im französischen Text: Vor zwei Jahren.

(5) Wolff B., La surcharge erronée „Un Pranc“ au lieu de „Un Franc“, sur les timbres-poste de l’émission 1875 du Grand-Duché de Luxembourg. Balaase Magazine 93, 1954, 52-54. Wolff B., Der irrtümliche Aufdruck „Un Pranc“ anstatt „Un Franc“ auf der nicht verausgabten gezähnten 37 ½ centimes-Marke, Luxemburger Druck, von 1875. In: UTL (Hrsg.), Commémoration du 65e anniversaire (Luxemburg 1955).

(6) Im Gegensatz zu der Un Franc-Marke von Brück wo in zwei Schritten zu jeweils 50 Marken der 100er Bogen überdruckt wurde, war bis jetzt nicht bekannt, wieviel UN FRANC-Marken gleichzeitig überdruckt wurden. Anhand des sogenannten „Bourenstein-Brief“ konnten wir nachweisen, dass der Aufdruck wie bei den Un Franc-Marken in zwei Schritten zu 50 Marken durchgeführt wurde.

(7) Corinphila 1985, Los 5437.

(8) „un franc sur 37 ½ gris-brun var: surch renv - jolie pièce avec deux lég. oblit. de Diekirch et usée avec timbre normal (collées tête-bêche) les valeurs faciales annulées a la main… “

(9) Principauté de Monaco. Catalogue de l’Exposition des 100 Timbres et Documents Philatéliques parmi les plus rares du monde (Monaco 2000), 88; 146.

(10) „ L‘erreur la plus importante du Luxembourg et une grande rareté européenne.“


Siehe Datenbank http://nicht-im-katalog.de/marken/suchen/ablage/8
 
Heinz 7 Am: 03.01.2018 00:29:54 Gelesen: 3589# 2 @  
@ marc123 [#1]

Lieber Marc,

ich wünsche Dir ein gutes Neues Jahr!

Euer Artikel ist sehr interessant. Ich kann zur Zeit auch nicht beurteilen

a) warum die Marke nicht mehr im Prifix-Katalog aufgeführt ist
b) warum dieser markante und sehr seltene Fehldruck nicht teurer bewertet war

Du bittest um Kommentare, und gerne mache ich anbei ein paar Anmerkungen.

1.) Ihr solltet meines Erachtens darauf achten, dass die zwei Abarten

1872 - Zumstein Nr. 25/Michel Nr. 25, UN FRANC auf 37 1/2 Cent gelbbraun, Wappen im KREIS
1879 - Zumstein Nr. 36 I/Michel Nr. 36 II, UN PRANC auf 37 1/2 Cent braun, Wappen im OVAL

klar voneinander getrennt werden, die eine hat mit der anderen eigentlich nichts zu tun. Dass Monsieur Bernard Wolff (damals Präsident der Union des Timbrophiles de Luxembourg) in seinem Beitrag im BALASSE MAGAZINE "La surcharge erronée "Un Pranc" au lieu de "Un Franc" (...)" AUCH auf die erstgenannte Abart eingeht, sollte dem nicht-wissenden Leser des Artikels verständlich, mit einigen Worten, erklärt werden (sonst versteht man das nicht).

2.) es haben sich mehrere Schreibfehler in Deinen Text eingeschlichen.
Fussnote 3:
"existe" statt "eiste"
"d'Europe" statt "d'europe"
"Feldman" statt "Feldmann"

Fussnote 5:
"Balasse" statt "Balaase" (no. 93, Avril 1954)

Haupttext:
"mit FDSPL-Attest" statt "FSPL"

Haupttext:
"JAN HUYS" statt "Jean".

3.) Kommentare:

Dr. med. Jan Huys ist ein hervorragender Philatelist und ist Schwiegersohn von René Berlingin (Gatte von Myriam Huys-Berlingin, der Tochter von René Berlingin).

Die falsche Beschreibung des Auktionsloses 5437 "... usée avec timbre normal..." (Corinphila, 73. Versteigerung) ist wirklich seltsam, aber erklärbar! (siehe unten). Abgebildet auf Tafel 269 unzweifelhaft das Los, das 2000 die Sammlung Dr. Jan Huys zierte. Schätzpreis bei Corinphila 1985 war aber CHF 1'000 (nicht CHF 2'500, wie im Text erwähnt).

Mögliche Erklärung: Vermutlich hat der Katalogbeschreiber nicht genau aufgepasst. Beschreiben wir das Paar Schritt für Schritt:

linke Marke: Marke normalstehend / Aufdruck kopfstehend
rechte Marke: Marke kopfstehend / Aufdruck AUCH kopfstehend => also ZWEIMAL kopfstehend, damit ist (nur der AUFDRUCK betrachtet) dieser wieder normalstehend!!! (weil ja die Marke kopfstehend ist). Darum hat vermutlich der Beschreiber irrtümlich von einer "normalen" Marke gesprochen.

Die zwei zusammen gezeigten Marken
im Artikel Balasse 1954
im Auktionskatalog Corinphila 1985
im Ausstellungskatalog Monaco 2000
...sind ganz bestimmt immer dieselben zwei Stücke. Ich habe alle drei Abbildungen vor mir. Von einem Paar sollten wir nicht sprechen. Wir lesen nirgends etwas, dass es sich nicht um zwei lose, gestempelte Marken handelt.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Heinz 7 Am: 03.01.2018 00:54:23 Gelesen: 3586# 3 @  
@ Heinz 7 [#2]

Und noch eine Ergänzung.

Wolff schreibt im Balasse Magazine, dass die zwei Stück "vor zwei Jahren" für 600'000 Luxemburgische Francs verkauft wurden. (Er schreibt von "paire", ich halte es für korrekt/wahrscheinlich, dass es zwei Einzelmarken sind, siehe oben).

Das müsste dann wohl 1952 gewesen sein. Ob in Luxemburg 1952 Auktionen durchgeführt wurden, weiss ich nicht, aber die Auswahl dürfte nicht allzu gross sein. Aber vielleicht wurde die Marke auch nicht versteigert, sondern zu einem Fixpreis verkauft? - Vielleicht geben Zeitschriften aus Luxemburg dieser Zeit einen Hinweis.

So, es ist spät geworden.

Gute Nacht!

Heinz
 
marc123 Am: 03.01.2018 19:13:56 Gelesen: 3522# 4 @  
@ Heinz 7 [#2]

Lieber Heinz,

auch Dir ein schönes neues Jahr!

erstmals vielen Dank für Deine ausführlichen Kommentare. Diese helfen uns weiter. Dieser Artikel wurde anfangs nicht fürs Forum sondern für die Zeitung "Le Moniteur du Collectionneur" der fspl geschrieben wurde. Hier wird er auch noch leicht verändert publiziert werden, voraussichtlich im Februar, mit Verweis auf das Forum. Wir haben 2015 eine Reihe Artikel im Moniteur über die Wappenmarken gestartet, die anschließend im Internet in Farbe publiziert werden:

http://phila-dudelange.lu/cphd/index.php/de/beitraege/luxemburger-wappenausgabe

Wieso haben wir diesen Artikel zuerst ins Forum gesetzt?

1) Um die neue Rubrik "Nicht im Katalog" zu unterstützen, wo ich die Marke auch eingestellt habe.

2) Kleine Veränderungen und Verbesserungen können wir noch vornehmen und Anregungen und Kommentare die wir durch das Forum, wie jetzt von Dir erhalten, können wir noch in den Artikel einbauen. Vielleicht kennt ja noch jemand ein weiteres Exemplar, was ich zwar eher ausschließe, aber wer weiß. Möglicherweise haben wir einen Artikel nicht berücksichtigt, weil wir ihn nicht kennen und werden hier darauf hingewiesen. (Siehe auch den Aufruf unten).

b) warum dieser markante und sehr seltene Fehldruck nicht teurer bewertet war

Vielleicht eine Erklärung hierzu: Für Top Stücke der Luxemburger Klassik wird im Verhältnis zu denen anderer Länder in der Regel weit weniger bezahlt. Auch wenn sie wegen der Größe des Landes und der geringeren Auflage manchmal wesentlich seltener sind. Es gibt weniger Sammler die bereit sind sehr hohe Preise zu zahlen. Die Luxemburger Klassik ist meiner Meinung nach auch weniger bekannt und es fehlt an renommierten Stücken.

Zu Punkt 1:

Da gebe ich Dir recht, dieser Punkt wird noch ergänzt. In den Artikeln von Herrn Wolff wird die hier behandelte Marke ja nur nebenbei erwähnt.

Zu Punkt 2:

Alles richtig. fdspl steht im Auktionskatalog. Ich denke dass hier solch ein Attest http://www.briefmarken-atteste.de/atteste/zeigen/800 gemeint ist, deswegen habe ich das gelassen. fspl ist natürlich richtig. Ich werde da aber noch einmal darüber nachdenken.

Zu Punkt 3:

Die 1000 CHF sind richtig, da habe ich mich in der Zeile vertan. Es ist denkbar dass sich heute die drei Stücke im Besitz der Familie Berlingin/Huys befinden.

Der Begriff "Paar" ist nicht glücklich, da gebe ich Dir recht. Ich habe ihn unter Anführungszeichen gewählt um nicht jedes Mal "die als umgekehrtes Paar zusammengeklebte Marke" zu schreiben. Es sind heute wohl sicher zwei Lose Marken. 1954 sind sie anders "zusammengeklebt" abgebildet. Ob sie wirklich geklebt waren und sich möglicherweise auf Fragment befanden? Ich denke aber, dass die spätere Zusammensetzung aber eher ihrer ursprünglichen Zusammensetzung entspricht.

@ Heinz 7 [#3]

Hier hast Du dich um eine 0 vertippt. Es sind 60.000 Franken.

Aber viel wichtiger: Der Text wurde ja zweisprachig gedruckt (1954 und 1955). Die Unterschiede der Texte sind gering, aber hier die wichtigen:

-1954: "paire"; 1955 "Zwei von den seltenen Marken, umgekehrt als Paar zusammengeklebt". (Der Begriff "paire" ist auch 1954 irreführend).

-1954: "60 000 francs luxembourgeois"; 1955: "60 000 Fr" (Seit 1946 war der Luxemburger und dem belgische Franken gleichgestellt und man konnte in beiden Ländern mit Geldscheinen und Münzen beider Länder bezahlen. Diese Information ist wichtig, weil das eine Möglichkeit der Versteigerung der Marken in Belgien wahrscheinlicher macht).

1954: "vendue, il y a deux ans"; 1955: "vor einigen Jahren verkauft" (Wie genau ist die Angabe, dass der Verkauf der Marken 2 Jahre zurückliegt?)

In der Ausgabe von 1955 steht in der Einleitung nachdem erwähnt wird, dass es sich bei dem Artikel um eine Übersetzung aus dem Balasse Magazine handelt: "Die beigegebenen Klischees sind hochherzig von Herrn Willy Balasse zur Verfügung gestellt" (Deshalb eine Vermutung dass sie hier versteigert wurden).

Wir haben nach einem Auktionskatalog gesucht in dem sich die Marken befinden, aber leider nicht gefunden. Ein befreundeter Philatelist hat seine Willy Balasse Auktionskataloge von 1951 und 1952 durchgesehen. Hier ist er leider nicht fündig geworden. Aus dem gesuchten Zeitraum (wie genau man "vor 2 Jahren" interpretiert) vermuten wir die Auktionshäuser aus Belgien (Willy Balasse, U.E.G. Williame und Maurice Baeten) und aus Luxemburg eine Auktion der Banque du Timbre von Herrn Ungeheuer, falls die Marken, wie Du erwähnst nicht zu einem Festpreis verkauft wurden. Wir haben aber keiner der aufgelisteten Kataloge.

Hier würden wir uns über die Hilfe im Forum sehr freuen.

Liebe Grüße
Marc
 
Heinz 7 Am: 03.01.2018 22:31:10 Gelesen: 3489# 5 @  
@ marc123 [#4]

Lieber Marc,

Danke für die ausführliche Stellungnahme.

Die Parität des Franc Lux = Franc Belge war mir nicht (mehr) bewusst, aber ja, jetzt erinnere ich mich wieder.

Williame, U.E.G. Williame und Maurice Baeten, alles belgische Auktionshäuser, von denen ich auch Kataloge habe, aber kaum aus den 50-er-Jahren. Da kann ich leider nicht weiterhelfen.

Gutes Gelingen bei Euren Forschungen!

Liebe Grüsse
Heinz
 
Olilux Am: 03.01.2018 23:15:38 Gelesen: 3484# 6 @  
@ Heinz 7 [#3]

Lieber Heinz,

auch meinerseits besten Dank für Deine ausführlichen Kommentare.

In den 50er Jahren gab es in Luxemburg nur eine Briefmarkenzeitschrift "Moniteur du Collectionneur". Auch hier ist nichts über den Verkauf des "Paares" zu finden. Luxemburgische Auktionskataloge aus den 50er der Banque du Timbre (einziger luxemburger Händler der öffentliche Auktionen in den 50er abhielt) sind sehr selten. Im Jahr 1952 fand auch die internationale Ausstellung "Centilux" in Luxemburg statt. Während dieser Ausstellung wurden 2 Auktionen der Banque du Timbre abgehalten (39e et 40e vente publique). Das sind die einzigen Banque du Timbre-Auktionskataloge, die ich aus den Jahren 1950-1954 besitze. Auch hier wurde das Paar nicht verkauft. Ich vermute aber, dass die Marke nicht von der Banque du Timbre verkauft wurde, sonst hätte sie die Marke doch schon in den 50er Jahren in seinem Prifix Katalog aufgenommen, und nicht erst in der Ausgabe 1960/61.

Zusätzlich haben wir noch einen Literatursammler angeschrieben, um die belgischen Kataloge aus den Anfang 50er aufzutreiben.

Heute abend bin ich auf die erste Katalogisierung der Marke gestossen. Erstmals wurde sie in der 30. Ausgabe des UTL Kataloges "Les Timbres-Poste du Grand-Duché de Luxembourg" von 1953 katalogisiert, mit einem Wert von 30.000 LUF für eine gestempelte Marke.

Weder Moens, Moschkau, Lindenberg, Kohl, Maury, Michel, Zumstein etc. haben diese Marke zuvor aufgelistet.

Bis zur letzten Auflage des Prifix Kataloges von 2009, herausgegeben von der Banque du Timbre, wurde die Marke aufgeführt. Nach der Übernahme des Prifix Kataloges durch die Schwaneberger Verlag GmbH ist diese Abart seit 2011, wie die meisten anderen sammelwürdigen Abarten von Luxemburg, im Prifix-Michel verschwunden.

freundliche Grüsse

Olivier
 
Heinz 7 Am: 04.01.2018 00:03:06 Gelesen: 3472# 7 @  
@ Olilux [#6]

Guten Abend Oliver,

danke für die Ergänzungen.

Die Nicht-Erfassung im Kohl-Handbuch (10. Auflage), im Zumstein, im Maury, im Yvert & Tellier, im Moens, im Michel, im Scott und im Stanley Gibbons habe ich auch herausgefunden.

Auch im Handbuch von Bertrand



suchen wir die Abart vergeblich. Er listet zwar Unternummern zur Nr. 24 auf, auch eine "Var.: surch. renv." (= Variété: surcharge renversé = Abart: kopfstehender Aufdruck), aber eben nur auf der bildgleichen "OFFICIEL"-Marke.

Freundliche Grüsse

Heinz
 
Olilux Am: 04.01.2018 20:53:45 Gelesen: 3398# 8 @  
@ Heinz 7 [#7]

Lieber Heinz,

nochmals Danke für deine Nachforschungen.

Im Memorial Philatélique von Bertrand hatte ich nicht mehr gesucht.

Bei den Officiel-Marken beschreibt Bertrand auch die beiden Aufdrucktypen "Officiel" (Typ I mit breiten "O" und Typ II mit schmalen "0").

Bei seinen Abarten meint er nicht den Aufdruck "UN FRANC", sondern den "Officiel" Aufdruck. Im Allgemeinen ist er aber nicht sehr deutlich mit seinen Beschreibungen.

Anbei die beschriebenen Marken mit den verschiedenen "Officiel" Aufdrücken in Typ I (obere Reihe) und Typ II (untere Reihe),



beste Grüsse

Olivier
 
Heinz 7 Am: 04.01.2018 21:15:11 Gelesen: 3386# 9 @  
@ Olilux [#8]

Lieber Olivier,

gerne geschehen! Danke auch für's Zeigen!

Ich habe noch in meinen Auktionskatalogen geschmökert, habe aber nichts Wichtiges mehr gefunden.

Mehrere Luxemburg-Sammlungen habe ich durchgesehen, aber die Abart Prifix 24b habe ich nirgends mehr gefunden, auch nicht in den Spitzensammlungen

Maurice Burrus - Balasse 26.10.1963
Isac Seligson - Corinphila 25.-30.10.1982.

Ich würde an Eurer Stelle Kontakt aufnehmen mit Herrn Dr. Jan Huys. Er wird Euch vermutlich gerne weiterhelfen.

Gutes Gelingen bei Euren Forschungen!
Heinz
 
marc123 Am: 07.03.2018 16:50:22 Gelesen: 2611# 10 @  
Der Artikel ist jetzt erschienen.

http://phila-dudelange.lu/cphd/index.php/de/beitraege/luxemburger-wappenausgabe/369-die-un-franc-marke-mit-umgekehrtem-aufdruck

Noch einmal herzlichen Dank an Heinz. Wir haben auch Deine Anregung befolgt und Dr. Jan Huys kontaktiert, der uns sehr nett geholfen hat. Leider haben wir die fehlende Provenienz nicht herausgefunden, konnten aber noch einige ausschließen.

Beste Grüße
Marc
 
marc123 Am: 14.05.2018 13:12:02 Gelesen: 2194# 11 @  
Verwendung der Luxemburger Wappenmarken auf Empfangsbescheinigungen

Das Grossherzogtum Luxemburg ratifizierte am 30. November 1851 den Postvertrag vom 6. November 1851 mit Preussen, über den Anschluss des Grossherzogtums an den österreichisch-deutschen Postverein, der am 1. Januar 1852 in Kraft trat.
In diesem Postvertrag waren auch eingeschriebene Briefe vorgesehen. Folgend einige Auszüge aus der Gesetzesgebung, betreffend die Behandlung der Recommandation aus der Periode 1852 – 1867, entnommen aus dem Luxemburger Amtsblatt Memorial I:

-Postvereins-Vertrag, Allgemeine Bestimmungen gültig ab 1. Juli 1850 (1) (für das Grossherzogtum ab 1. Januar 1852):

„Art. 22: Recommandirte Briefe werden nur frankirt abgesendet. Dafür ist von dem Aufgeber ausser dem gewöhnlichen Porto nur eine besondere Recommandationsgebühr von 6 Kreuzern (2 Silbergroschen) ohne Rücksicht auf die Entfernung und das Gewicht voraus zu zahlen.
Wenn der Absender die Beibringung einer Empfangsbescheinigung von dem Adressaten (Retour-Recipisse) ausdrücklich verlangt, so steht der absendenden Postanstalt frei, dafür eine weitere Gebühr bis zur Höhe von 6 Kreuzern oder 2Sgr. zu erheben.
Ein Ersatzanspruch für nicht recommandirte Briefe findet gegenüber den Postverwaltungen nicht statt.“


-Nachtrag vom 3. September 1855 zu dem revidirten Postvertrag vom 5. Dezember 1851, gültig ab 1. Januar 1856 (2):

„Art. 15: Wünscht der Absender einer recommandirten Briefpost-Sendung die von dem Adressaten auszustellende Empfangsbescheinigung (Ablieferungsschein, Retour-Recepisse) zu erhalten, so muss ein solches Verlangen durch die Bemerkung: “gegen Ablieferungsschein” (“Retour-Recepisse”) auf der Adresse ausgedrückt sein(3).
Wird ein Brief, welcher unzweifelhaft als recommandirter Brief zu erkennen ist, wie ein gewöhnlicher Brief zuspedirt, so ist derselbe von der empfangenen Postanstalt als recommandirter Brief zu behandeln, und ist dies der zuspedirenden Postanstalt zurückzumelden.“


-Der Postvereins-Vertrag vom 18. August 1860, der ab 1. Januar 1861 (4) in Kraft trat, hat die Gebühren nochmals bestätigt:

„Art. 24: Für recommandirte Brief ist ausser dem gewöhnlichen Porto eine Recommandationsgebühr von 2 Silbergroschen oder 10 Österreichischen Neukreuzern oder 6 Kreuzern Süddeutscher Währung ohne Rücksicht auf die Entfernung und das Gewicht zu bezahlen.
Die Recommandationsgebühr ist jederzeit zugleich mit dem Porto einzuziehen.
Wenn der Absender die Beibringung einer Empfangsbescheinigung der Adressaten (Retour-Recepisse) ausdrücklich verlangt, so steht der absendenden Postanstalt frei, dafür eine weitere Gebühr bis zur Höhe von 2 Sgr. oder 10 Österr. Neukreuzern oder 6 Kreuzern Südd. Währ. von dem Absender zu erheben.“

Die oben erwähnte Zusatzleistung einer Empfangsbescheinigung war den Autoren bisher nur aus der Gesetzgebung bekannt. Ein entsprechender Beleg lag noch nicht vor, weder im Original, noch aus der Literatur. Da es den absendenden Postanstalten frei stand (5), eine Gebühr bis zu 2 Sgr (entspricht 25 Centimes) zu verlangen, und diese Gebühr auch in keinem postinternen Tarifbuch erwähnt wird, war es also auch bis dato nicht bekannt, wie hoch denn eine solche Gebühr in Luxemburg anfiel.
Nun können wir einen solchen Beleg präsentieren der erst 2017 auf dem philatelistischen Markt auftauchte. Das vorliegende Stück kann bis dato als Unikat betrachtet werden. Philatelistisch und posthistorisch kann es als äußerst bedeutend und wertvoll betrachtet werden.




Abb.1: Empfangsbescheinigung, Vorder- und Rückseite

Die Empfangsbescheinigung wurde mit einer 25 Centimes (6) hellultramarin der ersten Auflage () der farbig durchstochenen Ausgabe frankiert. Sie wurde begleitet mit einem eingeschriebenen Brief, der in Luxemburg Stadt am 11. Februar 1867 aufgegeben wurde. Die Marke wurde anhand eines französischen Stempeltyps von Luxemburg entwertet. Rückseitig ist der Bahnpoststempel Trier-Saarbrücken vom gleichen Tag zu erkennen, sowie der Stempel „Recomandiert“. Die Empfangsbescheinigung wurde am 13. Februar 1867 in Calbe an der Saale (Sachsen-Anhalt) abgestempelt und kam am 15. Februar 1867 wieder in Luxemburg an, was die Stempel auf der Rückseite belegen.

Leider ist die Empfangsbescheinigung unten etwas gekürzt. Erkennbar ist aber, dass der „Endesunterschriebener“ wohl am 13 Februar in Calbe unterschrieb, auch wenn die Unterschrift nicht erhalten blieb.

Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren Ihnen dankbar.
Commission pour la Philatélie traditionnelle, les Entiers postaux et l’Histoire postale du Luxembourg

Marc Schaack, Olivier Nosbaum


(1) Memorial I, 94 (Luxemburg, 1851).
(2) Memorial I, 8 (Luxemburg, 1856).
(3) Solch eine Bemerkung auf einem Einschreibebrief ist uns bis heute nicht bekannt.
(4) Memorial I, 32 (Luxemburg, 1860).
(5) Siehe weiter oben, Art. 22; 24.
(6) Dies entspricht dem maximalen Betrag laut den oben erwähnten Postverträgen.
(7) Kontrolldatum vom 03.10.1865. Für den Beweis dieses Datums siehe: R. Muller u. O. Nosbaum, Les Timbres -poste du Grand - Duché de Luxembourg. Émissions 1852-1882. Essais & Épreuves Retouches Réimpressions (Luxembourg 2014) 75-76.


(Aus: FSPL (Hrsg.) Moniteur du Collectionneur. 2, 2018, 86-88).
 
marc123 Am: 16.07.2018 10:52:58 Gelesen: 1265# 12 @  
Die drei „Dupont-Briefe“ - 4 Centimes gelb, farblos durchstochen - Mischfrankaturen zum Tarif von 25 Centimes nach Frankreich

An dieser Stelle möchten wir drei Briefe vorstellen, die einiges gemeinsam haben. Alle drei liefen von Luxemburg Stadt nach Frankreich (UPU-Tarif 25 Centimes). Sie sind Mischfrankaturen in Kombination mit der auf Beleg, seltenen 4 Centimes gelb, der farblos durchstochenen Ausgabe. Es sind die einzigen Briefe die in dieser Kombination bekannt sind. Erstaunlich ist, dass sie sich alle in der bekannten Dupont –Sammlung befanden, obwohl sie aus verschiedenen Korrespondenzen stammen. Die Briefe zählen zu den bedeutendsten Briefen der durchstochenen Ausgabe. Dies wegen der Kombination, aber auch wegen der Seltenheit der gelben 4 Centimes auf Beleg. Dass wir hier nicht mit unserer Meinung alleine stehen, wird dadurch belegt, dass zwei der Briefe in den letzten Jahren auf Titelseiten von Auktionskatalogen abgebildet wurden. Provenienzen vor 1985 konnten wir nicht nachweisen. Unterscheiden tun sie sich u.a. in der Kombination der Marken und Abstemplungen.

Beginnen wir chronologisch:

1) Der Nancy-Brief

Abgesendet wurde der Brief von der Firma Weckbecker und Gliederer aus Luxemburg am 23. November 1869, adressiert an Eug. Bossu nach Nancy. Diese Korrespondenz ist bekannt (1). Frankiert wurde der Brief neben der 4 Centimes mit einem Paar 10 Centimes zweite Auflage und einer 1 Centime erste Auflage. Gerade letztgenannte ist auf Beleg äußerst selten (2).



Abb1. Der Nancy-Brief

Provenienz:

Sammlung Dupont, Corinphila 73, 23-28.09.1985, Los 5413.
Sammlung „Melusina 4“, Soluphil 115, 03.12.2010, Los 1404 (Titelbild).
H. Köhler, 364, 20-25.03.2017, Los 409.
Soler y Llach, 05.12.2017, Los 576.

2) Der Villers-aux-Bois-Brief

Der Brief wurde am 10. Juli 1870 von Luxemburg nach Villers-aux-Bois gesendet. Frankiert wurde der Brief neben der 4 Centimes mit einer 20 Centimes zweite Auflage und einer 1 Centime zweite Auflage.



Abb2. Der Villers-aux-Bois-Brief

Provenienz:

Sammlung Dupont, Corinphila 73, 23-28.09.1985, Los 5412.
Maison Williame 227, 03/05.02.2005, Los 516.
O. Simons 80, 10.09.2016, Los 326 (Titelbild).

3) Der Lille-Brief.

Der Brief wurde am 02. September 1870 von Luxemburg nach Lille gesendet. Frankiert wurde der Brief mit den gleichen Marken wie der Villers-aux-Bois-Brief. Allerdings wurde der Lille Brief während des Deutsch-Französischen Kriegs (19. Juli 1870 bis 10. Mai 1871) verschickt, und lief deswegen über Belgien.



Abb3. Der Lille-Brief

Provenienz:

Sammlung Dupont, Corinphila 73, 23-28.09.1985, Los 5411.
Soluphil 29, 26.10.1987, Los 4283.
Sammlung „Melusina 4“, Soluphil 115, 03.12.2010, Los 1401.
H. Köhler, 364, 20-25.03.2017, Los 410.

Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren Ihnen dankbar.

Commission pour la Philatélie traditionnelle, les Entiers postaux et l’Histoire postale du Luxembourg

Marc Schaack - Olivier Nosbaum

(1) Wir kennen Briefe frankiert mit zweimal 12,5 Centimes und solche mit 25 Centimes, alle der durchstochenen Ausgabe.
(2) Wir haben bis jetzt nur 4 Einzelfrankaturen und zwei Mischfrankaturen registriert.

Aus: FSPL (Hrsg.) Moniteur du Collectionneur. 3, 2018, 121-123.
 
Olilux Am: 04.09.2018 20:15:38 Gelesen: 841# 13 @  
Hallo,

im Mitteilungsblatt 109 der Arge BELUX sucht Lars nach Belegen vor 1883 von Luxemburg nach Skandinavien. Einer der schönsten und bekanntesten Briefe von den Luxemburger Wappenmarken ging am 12. Mai 1860 nach Malmö, frankiert mit 9 Sgr. Es ist eine der seltenen Mischfrankaturen zwischen der 1. und der 2. Ausgabe von Luxemburg.



Das Bild ist entnommen von Seite 122 des "Catalogue spécialisé du Luxembourg, Volume I, 2014" von Raymond Goebel. Ausgestellt wurde der Brief auch auf der Juvalux 1998 und ist im Buch des Symposium dieser Ausstellung abgebildet.

Leider kenne ich die Rückseite nicht.

Schönen Abend

Olivier
 
marc123 Am: 05.12.2018 18:22:40 Gelesen: 87# 14 @  
12,5 Centimes Haarlem (Teil 1)

Registratur, Verwendungszweck, Seltenheit


Seit nunmehr fast 20 Jahren sind wir dabei Belege, Fragmente, Einheiten usw. der Wappenmarken zu registrieren. Eines der Ziele dieser Arbeit ist, für jeden Wert, deren Seltenheit und Verwendungszweck zu erfassen. Das Material für diese Auswertungen liefert hauptsächlich das systematische durchsuchen von Auktionskatalogen. Aber auch Internetauktionen und Bildmaterial das uns von Luxemburger Sammlern zur Verfügung gestellt wird, werden hier mit einbezogen. Eine Erkenntnis hieraus ist, dass das Verhältnis Seltenheit zum Katalogwert in manchen Fällen sehr weit auseinander geht. Bei den Belegen konnten wir klar feststellen, dass manche häufig sind und in den Katalogen teuer bewertet werden, andere wiederum sind sehr selten und verhältnismäßig sehr günstig bewertet. Ein Beispiel, das wir hier vorstellen möchten ist die 12,5 Centimes Haarlem auf Beleg. Bis 2009, als der Prifix-Katalog noch Briefbewertungen angegeben hat, wertete eine 12,5 Centimes Haarlem gestempelt 250 Euro, + 750 Euro Zusatz für eine Einzelfrankatur auf Beleg. An Stelle einer Bewertung für Paare und Dreierstreifen auf Beleg steht ein Fragezeichen. Der Prifix-Katalog gibt für 42 Marken der Wappenmarken eine Briefbewertung an. 19 dieser Marken werten als Einzelfrankatur auf Brief mehr als die 1.000 Euro der 12,5 Centimes Haarlem. Darunter auch, bis auf die 10 Centimes, sämtliche Marken der geschnittenen Ausgabe. Diese sind auf Beleg, mit Ausnahme der drei kleinen Werte, keine Seltenheiten(1). Erstaunlich ist diese Bewertung, denn wie wir weiter unten sehen werden, ist uns kein einziger Beleg, frankiert mit der 12,5 Centimes Haarlem, als Einzelfrankatur bekannt.

Der Verwendungszweck

In diesem Artikel werden wir nur auf die anhand vom vorhandenen Material (Marken, Stempel, Briefen… ) belegbaren Verwendungszwecke eingehen. Im zweiten Teil, der für den nächsten Moniteur vorgesehen ist, gehen wir auf die theoretisch möglichen Verwendungszwecke ein. In dem Teil werden wir auch die möglichen Portotarife auflisten und von Entdeckungen aus den Archiven berichten.



Abb. 1. Paketbegleitkarte abgestempelt in Luxemburg am 08.07.1882, nach Wiesbaden

Wir können bis jetzt zwei Verwendungszwecke auf einem Beleg dokumentieren. Einmal als Einzelmarke zusammen mit drei Marken zu 25 Centimes der Haarlemer Ausgabe auf Paketbegleitkarte (Abb. 1). Diese Paketbegleitkarte gilt als Unikat. Der Tarif zu 87,5 Centimes entspricht dem Tarif eines Pakets bis zu 5 Kilogramm ins Deutsche Reich für eine Distanz über 10 Meilen (2). Der Tarif wäre portogerecht ohne Kombination mit einer 12,5 Centimes-Marke nicht möglich. Der zweite Tarif den wir belegen können entspricht der Verwendung von Paaren zum Tarif von 25 Centimes in das Deutsche Reich. Hier kennen wir nur zwei Briefe (Abb. 3 u. 4). Diese Verwendung ist allerdings eine „verschwenderische“, weil 25 Centimes Marken existieren, die für diesen Tarif vorgesehen sind. Weitere Belege dieser Marke sind uns nicht bekannt. Die 12,5 Centimes ist somit, laut unserem aktuellen Forschungsstand, die seltenste Marke auf Beleg der gesamten Wappenausgabe. Ein nächster Schritt wäre jetzt, die Fragmente danach zu untersuchen, ob hier ein Hinweis auf einen Verwendungszweck zu finden ist. Doch leider ist uns von dieser Marke auch kein einziges Fragment bekannt.



Abb. 2. Zwei Paare und eine Einzelmarke, mit zusätzlichem französischem Stempelabschlag.

Es existieren allerdings Paare (Abb. 2) und Einzelmarken, die zusätzlich eine französische Abstempelung tragen. Hier kann man genau wie bei der eben erwähnten „verschwenderischen“ Verwendung nach Deutschland, von einer solchen nach Frankreich ausgehen. Sämtliche Verwendungszwecke sind also anhand von Belegen allein nicht ausfindig zu machen.



Abb. 3. Der „Köln-Brief“, abgestempelt in Luxemburg am 12.12.1882



Abb. 4 Der „Fürth-Brief“, abgestempelt in Luxemburg am 07.11.1882

Belege der 12,5 Centimes in großen Sammlungen

Die große Seltenheit, wie weiter oben erwähnt, von nur drei bekannten Belegen die mit dieser Marke frankiert sind, sticht beim genaueren Betrachten der großen Sammlungen noch mehr ins Auge. Hier fehlen sie gänzlich, außer sie befanden sich in nicht mehr nachprüfbaren Sammellosen bei deren Verkauf. Nur in der Sammlung Seligson (Abb. 1) die 1981 (Los 5401) verkauft wurde befand sich die Paketbegleitkarte. Diese tauchte 1984 noch bei David Feldman (Auktion 37, Los 51120) und 2014 im letzten Teil, als letztes Los (Los 1060) der „Melusina“ Sammlung auf. Die beiden Briefe haben überhaupt keine bedeutenden Provenienzen. Den Brief nach Köln (Abb. 3) können wir erstmals im Mai 1985 bei Peter Rapp nachweisen (Los 6008). Der Brief nach Fürth (Abb. 4) wurde erst im September dieses Jahres bei Heinrich Köhler verkauft. Das Paar stammt vom Brief, wurde aber abgelöst und etwas nach links versetzt, was leicht an kleinen Stempelflecken rechts zu erkennen ist.

Größere Einheiten

Es sind uns nur zwei Einheiten bekannt, die grösser als Paare sind. Ein Viererblock, gestempelt Roodt (Abb.5), wurde 1981 bei der 155. Auktion von Maurice Baeten (Los 777) und 1985 (Sammlung Dupont, Los 5434) versteigert. Später befand er sich im Los 1016 der 105. Soluphil Auktion, die am 15. Dezember 2006 versteigert wurde. Die größte bekannte Einheit ist allerdings ein Achterblock (Abb. 6), gestempelt Luxemburg Ville VI. Bei beiden Stücken wäre es allerdings reine Spekulation, auf einen Verwendungszweck zu schließen.



Abb. 5. Der Vierblock, mit Einkreisstempel Roodt vom 05.01.1884



Abb. 6. Der Achterblock, mit Stempel Luxemburg Ville VI

Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren Ihnen dankbar. Wir sind für unsere Recherchen stets auf der Suche nach älteren Auktionskatalogen, besonders von der Firma Banque du Timbre von Herrn Ungeheuer und von Europhil.

Commission pour la Philatélie traditionnelle, les Entiers postaux et l’Histoire postale du Luxembourg

Marc Schaack - Olivier Nosbaum

(1) Von den 12,5; 37,5 und 40 Centimes existieren jeweils noch weit über 100 Belege.
(2) Reis, J.-P., Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg – Administration des postes et des télégraphes – histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897), 294.

(Aus: FSPL (Hrsg.) Moniteur du Collectionneur. 5, 2018, 195-199).

Siehe auch in der Atteset Datenbank: Atteste 942, 1632 und 1712.
 
Mondorff Am: 05.12.2018 20:18:02 Gelesen: 68# 15 @  
@ marc123 [#14]

Salü Marc und Olivier,

auch wenn es nicht unbedingt meine Gebiet ist, gratuliere ich zu der Forschungsarbeit und freue mich, dass der Artikel im letzten Moniteur erscheinen durfte.

Wenn es sich nicht um "Lobhudelei" (acht Seiten) geht, scheint es seit einiger Zeit schwierig zu sein, auch gründlich recherchierte Artikel im Moniteur du Collectionneur unterzubringen. *

Abschreiben ist wohl einfacher.

Herzlichen Gruß
DiDi

* Verweis auf Luxemburg Falschstempel / Stempelfälschungen (Reichspoststempel) - hier von mir und filunski in den Philaseiten eingestellt, im Moniteur jedoch nicht zur Veröffentlichung angenommen.
 
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