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Thema: Belege aus der eigenen Familiengeschichte
Das Thema hat 256 Beiträge:
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volkimal Am: 22.08.2019 13:50:30 Gelesen: 28754# 232 @  
Hallo zusammen,

während des 2. Weltkrieges wurde Walther Dübgen im Juli 1940 zur deutschen Wehrmacht einberufen und war in Nienburg/Weser bei der Organisation für die französischen Kriegsgefangenen tätig. Dementsprechend haben die beiden folgenden Karten an Walther Dübgen die Anschrift Nienburg/Weser Oflag XB.

Für die Unterbringung von Kriegsgefangenen baute die Wehrmacht im gesamten damaligen Reichsgebiet zahlreiche Gefangenenlager auf. Die beiden hauptsächlichen Lagertypen waren Mannschaftsstammlager (Stalag) und Offizierslager (Oflag). Im norddeutschen Wehrkreis X, Sitz in Hamburg, sind drei Oflag eingerichtet worden: Oflag X A in Sandbostel, X B in Nienburg und X C in Lübeck.





Diese beiden grünen Eilnachrichtkarten hat Kläre Dübgen zusammen mit ihrer Tochter Christa 1944 aus Hamburg an ihren Mann geschickt. Eilnachrichtenkarten dienten dazu, Angehörigen nach Bombenangriffen schnell zu unterrichten. Voraussetzung für die portofreie Beförderung war es, dass der Ort im Wehrmachtsbericht genannt wurde. In der Regel erhielten sie keine Abstempelungen, da sie unmittelbar den Bahnposten zugeführt werden sollten.
Die Eilnachrichtenkarte mit grüner Umrandung und Beschriftung konnte nur an Soldaten, die in der Anschrift eine Feldpostnummer hatten, verschickt werden. Bei einigen Karten fehlt die grüne Umrandung auf der Mitteilungsseite. Die parteiamtliche Beglaubigung in dem auf der Anschriftenseite dafür vorgesehenem Feld war erforderlich, damit der Soldat Bombenurlaub beantragen konnte.

Walther Dübgen kehrte nach Kriegsende nach Hamburg zurück und nahm bei Simon Evers die Arbeit wieder auf. Die Firma war nach Ausbombung im Wiederaufbau. Erst mit dem späteren allgemeinen Wirtschaftsaufschwung begann auch hier ein neuerlicher Aufstieg der Firma.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 31.08.2019 13:53:09 Gelesen: 27862# 233 @  
Hallo zusammen,

am 9. August 1954 war ein kleines Familientreffen bei Dübgens in Hamburg. Diese Karte schickten Kläre und Walther Dübgen zusammen mit vier anderen Verwandten an meine Großeltern.



Großmutter hat später auf der Karte notiert „Bitte Datum ansehen. Karte hat Vater nicht mehr erreicht“. Großvater ist am 09.08.1954 gestorben. Genau an dem Tag haben die Karte geschrieben wurde.



Diese Karte aus Japan ging an Walther Dübgen bei der Firma Simon Evers u. Co. Die Karte wurde am 07.11.1960 in Shinagawa, einem der 23 Bezirke von Tokio aufgegeben. Vermutlich ist die Karte überfrankiert.

Wann man das Datum mit seinem Geburtsdatum 26.03.1890 vergleicht, so sieht man, dass Walther Dübgen schon über 70 Jahre alt war immer noch für die Firma arbeitete. Und das obwohl er unter beginnender Parkinson-Krankheit litt.

Viele Grüße
Volkmar
 
Baber Am: 01.09.2019 17:00:21 Gelesen: 27826# 234 @  
@ fogerty [#219]

Hallo Ivo,

in Kriegszeiten vertraut man niemandem auch nicht den sog. Verbündeten.

Der Nachrichtenverkehr wurde am 9. April 1940 in der „Verordnung über den Nachrichtenverkehr“ neu geregelt. Auszug der wichtigen Bestimmungen: „§ 1 Als Nachrichtenverkehr im Sinne dieser Verordnung ist u. a. anzusehen: Briefe, Drucksachen, Warenproben, Geschäftspapiere, Mischsendungen, Zeitungen, Maternbriefe, Postanweisungen, Briefe vom und zum Postscheckamt, Päckchen und Paketsendungen; der Brieftaubenverkehr. § 2 Der unmittelbare und mittelbare Nachrichtenverkehr mit dem feindlichen Ausland ist verboten. § 5 Der Nachrichtenverkehr mit dem nichtfeindlichen Ausland ist grundsätzlich zulässig. Es dürfen jedoch keine Nachrichten über die militärische, wirtschaftliche oder politische Lage übermittelt werden und keine Ansichtspostkarten, Blindenschrift, Sachaufgaben, Kreuzwort- und andere Rätsel sowie gefütterte Umschläge verschickt werden. Inlandsnachrichtenverkehr § 9 Der Inlandsnachrichtenverkehr kann aus Gründen der Kriegsführung durch das Oberkommando der Wehrmacht Beschränkungen oder Auflagen unterworfen werden. § 11 Der Nachrichtenverkehr des Deutschen Roten Kreuzes sowie der Kriegsgefangenen und Internierten ist durch besondere Bestimmung geregelt.“

Deine Postkarte war wohl in einem Brief, da sie keine Marke trägt. Warum ist sie aber in Vilshofen in Bayern gestempelt?

Fettdruck hervorgehoben von mir.

Gruß
Bernd
 
volkimal Am: 14.09.2019 15:47:41 Gelesen: 26799# 235 @  
Hallo zusammen,

auch nachdem Walther Dübgen aus der Firma Simon Evers u. Co. ausgeschieden ist, hatte er noch Kontakt nach Japan.





Der Brief an ihn wurde am 18.12.1961 in Tokio aufgegeben. Die Postkarte wurde am 17.05.1964 geschrieben und kam ebenfalls aus Tokio.

Am 9. Juni 1965 ist Walther Dübgen im Alter von 75 Jahren in Hamburg gestorben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.09.2019 13:28:51 Gelesen: 26415# 236 @  
Hallo zusammen,

wie schon geschrieben hatten Walther und Kläre Dübgen zwei Kinder, Heinz (* 1922) und Christa (* 1923).



Heinz ist verheiratet und hat fünf Kinder. Die Tochter Almuth wohnt mit ihrem Mann in den USA. Heinz ist daher öfter in den USA um sie zu besuchen. Im Jahr 2000 hielt er sich mehrere Monate in den USA auf oder er war zweimal dort. Am 22.06.2000 schreibt er an seine Schwester: "Liebe Christa, nun habe ich den westlichsten Punkt meiner Tour erreicht. ..." Die Ansichtskarte vom Grand Canyon hat er in Terrebonne, einem kleinen Ort in Oregon aufgegeben.



Drei Monate später, am 25.09.2000 schickt er diesen Glückwunsch zum 77. Geburtstag aus Jackson (Mississippi) an Christa. Auf der Karte schreibt er u.a. "Wie steht’s mit der neuen Wohnung?" Christa will in die Senioren-Wohnanlage Feddersen Stiftung umziehen. Die Ansichtskarte stammt aus Bloomfield (Ohio). Er hat sie aber erst in Natchez (Mississippi) geschrieben und in Jackson (Mississippi) aufgegeben. Er scheint weiterhin viel unterwegs gewesen zu sein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.10.2019 11:41:38 Gelesen: 25772# 237 @  
Hallo zusammen,

wie ich im letzen Beitrag schrieb, wollte Christa Dübgen in die Senioren-Wohnanlage Feddersen Stiftung umziehen.





Diese beiden Briefe aus Neuseeland gehen an die neue Adresse von Christa Dübgen. Die Absenderin wohnte in Hamilton im Waikato-Distrikt. Beide Briefe kommen aus dem Jahr 2001.

Im Jahr 2002 ist Christa Dübgen in Hamburg gestorben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.10.2019 12:59:20 Gelesen: 24560# 238 @  
Hallo zusammen,

Almuth Dübgen hat den Amerikaner Geoffrey K. geheiratet und ist mit ihm nach Amerika gegangen. Diese Postkarte schickte sie aus Madison (Wisconsin) an ihre Tante Christa Dübgen. Leider ist die Karte nicht gestempelt.



Auf der Rückseite der Karte heißt es: „Hear ye, hear ye! Almuth Koby becomes U.S. citizen!“ Almuth bekommt also die amerikanische Staatsangehörigkeit. Die entsprechende Zeremonie ist am 14. Juni 1990 im Bezirksgericht von Madison.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 20.10.2019 09:58:01 Gelesen: 22968# 239 @  
Hallo zusammen,

der Mann von Almuth unterrichtet Germanistik an der Universität und hat mehrmals seinen Arbeitsplatz gewechselt.



Mit dieser Postkarte vom 22. Juli 1991 gibt die Familie ihren Umzug von Madison (Wisconsin) nach Lexington (Kentucky) bekannt.



Etwa ein Jahr später wechselt er erneut die Universität. Von Lexington (Kentucky) geht es nach Ann Arbor (Michigan). Auf dieser Postkarte heißt es „XXX will be teaching at the University of Michigan“. Die Mitteilung mit der Anschriftenänderung ist vom 13.06.1992.

Die „University of Michigan“ ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt und die älteste Hochschule des US-Bundesstaates Michigan. Sie wurde 1817 in Detroit gegründet und zog 1841 nach Ann Arbor um.



Unterhalb der Briefmarke ist der Tintenstrahl-Text: "Kentucky bicentennial 1792 – 1992 Lexington, Ky 405 #1 06/13/92". Dieser bezieht sich darauf, dass Kentucky 1792 als 15. Staat den Vereinigten Staaten beigetreten ist. Im Jahr 1992 erschien auch eine entsprechende Briefmarke.

Normalerweise sind diese einzeiligen Tintenstrahler aus den 1990ern als "Bearbeitungsbestätigungs-/Kontrollaufdrucke" der OCR-Leseeinheiten. Es war aber nicht unüblich, dass für besondere Anlässe ein zusätzlicher Text eingefügt wurde. [1]

Viele Grüße
Volkmar

[1] Beiträge 80 bis 82: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=207355#M80
 
volkimal Am: 27.10.2019 20:18:58 Gelesen: 22511# 240 @  
Hallo zusammen,

dieser Brief an Christa Dübgen von Almuth ist vom 16.11.1994.



Inzwischen ist die Familie schon wieder umgezogen. Sie lebt jetzt in Kent (Ohio). Ihr Mann arbeitet jetzt an der Kent State University. Obwohl es auch in Kent (Ohio) ein Postamt gibt, tragen alle Briefe von Almuth einen Stempel des Postamtes Akron (Ohio), so auch dieser Brief an Christa vom 06.04.2002.



Während der Brief vom 1994 noch an die Adresse Winterhuder Kai geht, tragen die beiden anderen Briefe an die Adresse der Senioren-Wohnanlage Feddersen Stiftung, in der Christa seit Ende 2000 lebt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 09.11.2019 12:03:30 Gelesen: 21751# 241 @  
Hallo zusammen,

Almuth und ihr Mann haben drei Kinder: Sarah, Peter und Elisabeth. Diesen Brief schickt die 9-jährige Elisabeth am 22.05.2000 an ihre Großtante Christa Dübgen.





Auf der Rückseite ist ein Tintenstrahl-Aufdruck mit einem Datum und einer 8-stelligen Nummer. Dieser Aufdruck dürfte aus Großbritannien stammen. Dort kommen diese Pfeile bei normalen Tintenstrahl-Entwertungen britischer Briefzentren vor, inklusive des Datumsformats und der 8-stelligen Nummer. Zum Vergleich ein Beispiel vom Swindon Mail Centre.

Hiermit schließe ich das Kapitel über die Familie Dübgen ab. Mal sehen wen ich als nächstes vorstellen werde.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 23.02.2020 17:11:53 Gelesen: 14071# 242 @  
Hallo zusammen,

meine Urgroßeltern Ferdinand Werdermann und seine Frau Hedwig geb. Hecker habe ich schon in den Beiträgen [#27] bis [#48] vorgestellt.

Urgroßvater hatte 4 Geschwister. Von seinen jüngsten Bruder sind auch noch einige wenige Belege erhalten geblieben. Diese Postkarte schickte Urgroßvater an seinen Sohn Hermann (mein Großvater). Urgroßvater war gerade in Hamburg und wollte seinen jüngsten Bruder Wilhelm und dessen Frau Marie besuchen.



Urgroßvater schreibt am 11.06.1897:

Beinahe hätte ich bei all dem vielen Schönen, das ich hier zu sehen bekomme Deinen Geburtstag vergessen. Ich Denke, diese Karte wirst Du morgen noch bekommen.

Onkel Willy läßt uns lange warten. Er sitzt mit seinem Dampfer in Brunshausen. Wir haben heute Nachmittag wieder stundenlang nach ihm ausgeschaut an der Elbe. Wenn er nicht die Nacht kommt, wenn die Fluth ist, hoffen wir, kommt er morgen Nachmittag zur Fluthzeit. Heute sahen wir, wie ein großer Dampfer festfuhr….


Wilhelm Werdermann war damals bei der kaiserlichen Marine als Maschinist tätig. Er wurde gerade von einer Fahrt zurückerwartet. Von Wilhelm sind noch ein paar Dokumente erhalten geblieben.



Am schönsten finde ich den Staatsangehörigkeits-Ausweis von ihm. Dem Marinesoldaten, Maschinisten Friedrich Wilhelm Werdermann wird bescheinigt, dass derselbe und zwar durch Geburt die Eigenschaft als Preuße besitzt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 11.03.2020 20:28:18 Gelesen: 12948# 243 @  
Hallo zusammen,

diese Ansichtskarte schickte Wilhelm Werdermann am 24.08.1910 aus Smyrna an seine Frau nach Hamburg.



Es scheint im Sommer heiß gewesen zu sein. Wilhelm schreibt:

„Mein liebes Frauchen! Dir und den Kindern die herzlichsten Grüße, habe soeben ein kühles Bad genommen.
Herzlich. Dein Manne“

1900, als der Staatsangehörigkeits-Ausweis für den Marinesoldaten Wilhelm Werdermann ausgestellt wurde war er immerhin schon 30 Jahre alt. Ob er 1910 noch bei der Marine war weiß ich nicht.

Wilhelm gab die Postkarte beim deutschen Auslandspostamt in Smyrna auf. Smyrna, das heutige Izmir, liegt ganz im Westen der Türkei an der Ägäisküste.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.03.2020 19:30:08 Gelesen: 12191# 244 @  
Hallo zusammen,

nachdem Wilhelm Werdermann aus dem Militärdienst ausgeschieden ist, fand er eine Anstellung als Ingenieur bei der Vacuum Oil Company. Zur dieser Firma heißt es bei Wikipedia [1]: 1899 wurde die deutsche Tochtergesellschaft Deutsche Vacuum Oil Company in Hamburg gegründet. Die Raffinerie in Wedel wird 1906 in Betrieb genommen, gefolgt 1911 von der Raffinerie in Bremen-Oslebshausen.



Wie man an diesem Briefumschlag sehen kann, besuchte Wilhelm Werdermann im Oktober 1911 den Firmensitz der Vacuum Oil Company in Philadelphia (USA). Von dort aus schickte er diesen Einschreibebrief an seine Frau. Schön, dass er dazu einen Firmenumschlag benutzte. Der Negativ-Einschreibestempel auf der Vorderseite ist zum Glück sauber abgeschlagen. Der Spruch oben links "the oil that lubricates most" heißt übersetzt "das Öl, das am meisten schmiert".



Auf der Rückseite sind zwei amerikanische Einschreibstempel. Einer ist vom Postamt Philadelphia Bourse Sta. (ich vermute Bourse station) vom 30.10.1911. Einen Tag später wurde ein amerikanischer Einschreib-Seepoststempel abgeschlagen. Am 7.11.1911 war der Brief dann in Hamburg.

Damit bin ich auch schon wieder mit dem kurzen Kapitel über Wilhelm Werdermann zu Ende.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Socony-Vacuum_Oil
 
volkimal Am: 13.04.2020 09:49:37 Gelesen: 11226# 245 @  
Hallo zusammen,

über Victor John und seine Frau Gertrud (Trude) habe ich schon ausführlich berichtet (siehe Beiträge [#216] und folgende).

Jetzt fand ich in meiner Sammlung einen Brief von Susi Moraes an Elise John in Berlin-Steglitz:



Weder der Name Susi Moraes noch Elise John sagte mir etwas. Dass sie doch zur Familie von Victor John gehören, habe ich erst entdeckt, als ich das Album zur Hochzeit von Victor John mit Gertrud Stein (genannt Trude) durchsah - siehe [#226]. Dort fand ich diese Seite:



Zur Taufe von Victor Edmund Lothar John am 17. Januar 1925 waren beide eingeladen und haben im Gästebuch unterschrieben. Hier konnte ich auch erkennen, dass Susi Moraes den Geburtsnamen John hatte. Bei ihrer Unterschrift Susi John und bei der Anschrift des Briefes fällt sofort das ungewöhnliche „J“ auf. Vermutlich hat Susi John einen Portugiesen geheiratet, denn Moraes ist die altertümliche Form des häufigen portugiesischen Familiennamens Morais.



Der Brief wurde am 21.03.1938 in Lisboa norte, 2ᴬ Secção = Lissabon Nord, 2. Sektion aufgegeben. Im Teilsegment ist noch angegeben „=1ᵃ EXP.“

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.05.2020 14:46:35 Gelesen: 7997# 246 @  
Hallo zusammen,

ich habe einige Zeit überlegt, welches Kapitel meiner Familiensammlung ich als nächstes zeigen möchte. Ich habe mich für "Das Ende des Krieges und die Zeit danach" entschieden.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war für die Deutsche Bevölkerung sehr schwer. Es herrschte Hunger und alles war knapp. Viele Häuser waren zerstört und es fehlten Wohnungen – zumal die Situation durch die Flüchtlinge aus dem Osten noch verschärft wurde.

Besonders schlimm war, dass von vielen Angehörigen und Freunden nicht bekannt war, ob sie den Krieg überlebt hatten und wie es ihnen ergangen war. Dadurch, dass der Briefverkehr über Wochen oder Monate hinweg eingestellt war, und erst nach und nach wieder eröffnet wurde, lebten viele Menschen lange Zeit im Ungewissen, was das Schicksal ihrer Familie betraf.

Die drei Brüder Werdermann waren am Ende des Krieges in Deutschland, ihre Schwester Dora lebte dagegen in China. Großvater wohnte in Dortmund, Onkel Hans in Retzin bei Grambow (Pommern, in der Nähe von Stettin) und Gottfried in Zeuthen (Brandenburg, südöstlich von Berlin). Ihre Mutter Hedwig Werdermann war am Ende des Krieges zunächst bei ihrem Sohn Gottfried in Zeuthen und ab Ende September in Berlin im Altenstift.

Großvater war somit in der britischen Zone, Gottfried und Hans lebten dagegen in der sowjetischen Zone. Der Briefverkehr war zunächst vollkommen eingestellt, danach begann er innerhalb der Zonen. Der Briefverkehr von Zone zu Zone war aber noch nicht gestattet. Er kam erst Ende Oktober 1945 wieder in Gang. Der Briefverkehr ins Ausland war aber weiterhin noch nicht zugelassen. Das spielt aber hier keine Rolle, denn auf die Geschichte von Dora und ihren Kindern gehe ich später ein.

Das Kapitel "Das Ende des Krieges und die Zeit danach" ist nach meiner Meinung sehr interessant. Die Notzeit spiegelt sich in der Philatelie in Form von vielen Provisorien wieder. Bei den Belegen aus dieser Zeit sollte man aber auch immer die Texte beachten. Sie geben einen sehr guten Einblick in das Leben im zerstörten Deutschland. Aus diesem Grund gehe ich in diesem Kapitel besonders oft auch auf die Texte der Belege ein.



Diese Karte an Großvater hat Onkel Hans am 16.2.1945 in Löcknitz (Pommern) abgeschickt. Großmutter ergänzte sie später durch den Vermerk: "Eine der letzten Nachrichten vor dem Zusammenbruch". Da der Text der Karte in Stenografie geschrieben ist, kann ich ihn leider nicht lesen.

Die Situation in Deutschland wurde im Frühjahr 1945 immer schwieriger. Die Alliierten rückten immer weiter vor und überquerten am 7. März 1945 bei Remagen den Rhein. Ende März 1945 war das Ruhrgebiet vollständig eingeschlossen, die Verbindung zwischen Großvater (Dortmund) und seinen Geschwistern (Pommern bzw. Brandenburg) war unterbrochen.



Am 3. April 1945 schickt Onkel Hans diese Postkarte mit Antwortkarte (nächste Seite) an Pastor Wolff, den Leiter des Stephanstiftes in Hannover. Der Text der Karte ist hochinteressant, denn er gibt einen Einblick in die letzten Tage des Krieges. Er schreibt:

Sehr geehrter Herr Pastor! Persönlich kennen wir uns zwar nicht. Aber ich bin in sich steigender Sorge um meinen Bruder in Dortmund (Rostock) und Familie, von denen der letzte Gruß vom 11. Februar war. Und jetzt überstürzen sich die Ereignisse dort. Mußten, durften, konnten sie noch raus?? Sprach er bei Ihnen vor, oder in Altenau? Falls Sie jüngere Nachricht von ihm haben, wäre ich Ihnen für kurzen Bescheid sehr dankbar. Wie wird diese Passionszeit des Deutschen Volkes enden? Gott allein weiß es. Sein Wille geschehe!

Auch um Mutter in Berlin-Zeuthen muß man sich sorgen, während wir 25 km hinter der Front noch jede Nacht ungestört schlafen können. Aber die Koffer sind seit 6 Wochen gepackt. Wo soll man noch hinfliehen? Aber wenn der Befehl kommt, muß man mit Dorftreck losziehen. Post gibt es nur noch sehr wenig, meist über 14 Tage bis 4 Wochen alt. Soldaten "an der Front" können einen persönlich besuchen! Wir hatten 6-9 Verwandte meiner Frau aus Ostpreußen aufgenommen, jetzt mußten sie und alle Evakuierten fort, um Quartiere für Soldaten frei zu machen. Ob und wo sie landeten, wissen wir noch nicht. Viele Familien wissen nichts voneinander, die Soldaten leiden auch sehr darunter. Und trotz allem möchte man immer noch hoffen! Dankbar sind wir, das Osterfest noch zu Hause erleben zu können. Viele Grüße sendet Ihnen und Ihrer Familie, auch von meiner Frau.
Ihr Johannes Werdermann


Wie der Eingangsstempel des Stephanstiftes zeigt erreichte die Karte ihr Ziel erst am 20. November 1945. Es handelt sich hier um einen sogenannten "stummen Überläufer", d.h. die Karte ist noch während des Krieges abgeschickt, aber erst nach dem Ende des Krieges zugestellt worden, sie trägt aber keinen Zensurvermerk oder sonstige postalische Vermerke hierzu. Das einzige ist der private Eingangsstempel des Stephanstifts. Hannover wurde zwar erst am 10. April besetzt, also eine Woche nachdem Onkel Hans diese Karte abschickte. Wenn man die Beförderungszeiten in den letzten Kriegswochen betrachtet, so kann man dennoch ohne weiteres davon ausgehen, dass der private Eingangsstempel echt ist. Alfred Meschenmoser schreibt in seinem Werk "Überroller-Post 1945-1949" (S.17):

Philatelistische Kenner jener Zeit wissen, daß April-Post nur noch innerhalb einer begrenzten Region gelaufen sein kann. Einen weiträumigen Postverkehr gab es nicht mehr, April-Post ist normalerweise Überroller-Post.



Im Ortsstempel ist übrigens die Postleitgebietszahl (4) nachträglich eingesetzt. Das Postleitgebiet 4 = Pommern lag nach dem Krieg zum größten Teil in Polen. Die Bereiche in der sowjetischen Zone wurden im Juli 1945 dem Postleitgebiet 3 = Mecklenburg zugeschlagen.

Soviel für heute. Demnächst geht es weiter.

Viele Grüße
Volkmar
 
evwezel Am: 30.05.2020 15:37:19 Gelesen: 7982# 247 @  
@ volkimal [#246]

Hallo Volkmar,

vielen Dank für das Teilen deiner Familiengeschichte - sehr interessant!

Viele Grüße,

Emiel
 
volkimal Am: 10.06.2020 20:58:03 Gelesen: 6995# 248 @  
Hallo zusammen!

Wie von Onkel Hans befürchtet, kam es zum Dorftreck, d.h. die gesamte Bevölkerung des Ortes Retzin (Pommern) musste vor den sowjetischen Truppen fliehen.



Auf dieser "Karte" an Großvater schreibt Onkel Hans:

Liebe Geschwister! Wir waren 14 Tage auf Dorftreck, viel erlebt und verloren. Seit 1.5. keine Zuteilung außer Brot und Kartoffeln, im Dorf keine Kuh kein Schwein! Ich war Ende August in Zeuthen, traf Mutter noch lebend an, trotz Ruhr. Am 29.9. ist sie ins Stift zurückgekehrt; ich will Ende Oktober wieder hinfahren, mir Traugotts Anzug zu holen. Tante Luise Dittmer starb, auch Rudolf Spindler am 30.6. Zeuthener und Markgrafs wohl auf, verloren nichts. Hildburg arbeitet in Friedersdorf für Kartoffeln. Berta überstand leichten Typhus. Ich unterrichte seit 1.9. in Ramin. P. Labs ist noch in Retzin, Familie in Greifswald. Hoffentlich seid ihr gesund und wohl. Herzliche Grüße auch von Berta Hans

Onkel Hans ist nach dem Dorftreck nach Hause zurückgekehrt, denn als Absender gibt er wieder Retzin bei Löcknitz an. Er lebte also in der sowjetischen Zone, während Großvater in Dortmund und damit in der britischen Zone wohnte. Der Briefverkehr zwischen den Zonen war zunächst verboten. Onkel Hans wollte aber nicht so lange warten, bis der Briefverkehr wieder freigegeben wurde. Er hat deshalb diesen einfachen Zettel einem Reisenden in die britische Zone mitgegeben. Dieser übergab ihn am 29.10.45 in Quakenbrück der Post allerdings ohne ihn zu frankieren. Der "Zettel" wurde als Postkarte behandelt und entsprechend mit 9 Pfg. Nachporto belegt (das Eineinhalbfache des fehlenden Portos).

Die "Karte" kam am 1. November in Dortmund an (Lebenserinnerungen Band 6, S.163). Es war der erste schriftliche Gruß von Hans, der Großvater nach dem Krieg erreichte. Es war aber nicht das erste Lebenszeichen, denn schon am 18. September notierte Großvater in seinem Tagebuch, dass er Nachricht von seiner Mutter und den Geschwistern habe.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.06.2020 13:19:35 Gelesen: 6291# 249 @  
Hallo zusammen,

am 29.10.45, dem Tag an dem der Gruß von Onkel Hans in Quakenbrück eingesteckt wurde, war die Post von der sowjetischen zur britischen Zone aber schon wieder zugelassen. Am selben Tag schickte Urgroßmutter aus Berlin diese Karte an meinen Großvater. Es ist übrigens ihre erste Karte in lateinischer Schrift. Vorher hat sie immer Sütterlin geschrieben, und das war nach dem Krieg nicht erlaubt.



Urgroßmutter schreibt:
Meine lieben Kinder! 27.X.45
Heute vor 6 Monaten war der letzte Brief von Dir, lieber Hermann geschrieben, der uns Ende März erreichte vor dem großen Angriff. Gestern hörte ich, daß jetzt man überall hin schreiben könne, da will ich Euch und Euern Mädeln innige Grüße senden und mitteilen, daß wir alle die schweren Monate mit Gottes Hilfe gut überstanden...
Mittelbar hörte Tante Clara von ihrem Hermann daß Friedburg in München gewesen sei, und Gerhard hatte an sie erwähnt, daß er von Euch Nachricht habe. Daraus schlossen wir, daß nichts Großes bei Euch geschehen sei, weil solches erwähnt worden sei. Gott sei Lob und Dank. Nun werdet Ihr sicher bald selbst schreiben.
Hans und Berta waren Ende April 10 Tage im Dorftreck. Er war am 19.X. ankommend über 4 Tage hier für sich und seine Frau Sachen zu holen, hoffentlich kam er gut heim. Wenn Ihr von Euren Söhnen nur bald gute Nachricht hättet...
Hans ist seit 1.Okt. im Nachbardorf als Lehrer. Berta kann vorläufig noch unterrichten. Er sagte, er habe mehrfach versucht, Euch zu schreiben. Wir hatten im Sommer alle die Ruhr, ich schwer. Dörte pflegte mich so gut es ging, ich fühle mich ganz wohl, wiege 92 Pfd. Nun seid innigst gegrüßt Ihr Lieben dort.
Gott befohlen Eure Mutter




Wie Urgroßmutter auf der Karte schrieb, hat Onkel Hans mehrfach versucht an Großvater zu schreiben. Von diesen Nachrichten sind außer der eben gezeigten "Karte" noch zwei weitere bei Großvater angekommen. Diesen Brief schrieb Onkel Hans am 23.9.1945 in Retzin. Er hat ihn dann einem Reisenden mitgegeben, der den Brief aber erst zwei Monate später am 29.11.1945 in Eckernförde aufgab.



Von einem Brief, den Onkel Hans am 14.10.1945 schrieb, kann ich nur den Text zeigen. Da ich nicht weiß, wo und wann der Brief aufgegeben wurde, kann ich nicht sagen, welcher Umschlag dazu gehört. In der Zeit, als die Post noch nicht zugelassen war, hat Onkel Hans in allen drei noch erhaltenen Karten bzw. Briefen in etwa dasselbe erzählt. In diesem vier Seiten langen Brief beschreibt er natürlich die Zeit nach dem Krieg am ausführlichsten.

Viele Grüße
Volkmar



 
volkimal Am: 04.07.2020 11:49:26 Gelesen: 6111# 250 @  
Hallo zusammen,

der Brief vom 12.11.45 ist der erste Brief von Onkel Hans an Großvater, der erhalten geblieben ist und den Onkel Hans selbst aufgegeben hat. Die 12 Pfg. Marke von Mecklenburg-Vorpommern ist mit einem Notstempel entwertet worden - in diesem Fall mit dem aptierten Reichssiegel des Postamtes Löcknitz (Pommern).



Im November 1945 wurde das Datum noch handschriftlich eingesetzt. Bei dem Doppelbrief vom 8. Februar 1945 (letzte Seite) stand dagegen schon ein Gummistempel für das Datum zur Verfügung. Bei den 12 Pfg. Marken gab es vier verschiedene Farben. Diesmal verwendete Onkel Hans die lebhaftrote Marke.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.08.2020 10:03:24 Gelesen: 3888# 251 @  
Hallo zusammen,

nach einer langen Pause will ich mit einem Beitrag zu diesem Thema anfangen, wieder mehr auf Philaseiten zu zeigen.



Im Dezember 1945 wollte Onkel Hans wieder zu seiner Mutter nach Berlin fahren. Dazu benötigte man eine Reisebescheinigung. Die Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns hatte angeordnet, die Aushändigung einer Fahrkarte von der Vorlage eines Entlausungsscheines abhängig zu machen (Heinz Buchner: Beiträge zur Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns S.35). Diese Reisebescheinigung für Onkel Hans in deutscher und russischer Sprache ist am
20. Dezember 1945 vom Kreispolizeiamt Randow ausgestellt worden.



Die Fahrt nach Berlin verzögerte sich aber, denn auf dieser Ganzsachen-Postkarte aus Mecklenburg-Vorpommern vom 27.12.45 schreibt Onkel Hans:
Lieber Hermann! Da Berta so nervös ist, daß sie nicht vertragen kann, daß ich schreibe, kam ich gar nicht zum Schreiben. So weiß ich nicht, ob ich Dir schon den langen Brief vom 4.12. mit Familienbrief bestätigt habe. Von Herzen danke ich Dir dafür, er war das größte Weihnachtsgeschenk, kam am 23. an...
Sehr leid tut es mir, daß ich nun nicht nach Berlin zu Mutter fahren kann. Ich wage nicht, auf offener Karte zu stenographieren. Wir verlebten das Fest so still wie noch nie, ich fast dauernd mit Hausfrauenarbeit in Bewegung...
Zumeist kein Licht am Baum in ganz Retzin, aber seit 13.12. haben wir elektrisch Licht, so daß man sich fast wieder wie ein Kulturmensch fühlt...

Ich warte eben, nach Anklam zu fahren zu Lehrertagung, hoffe Dir von dort ausführlich zu antworten...
Die Karte ist mit dem Bahnpoststempel Stralsund-Rostock entwertet worden Auffällig ist, dass im Stempel alle beweglichen Teile also die Zugnummer und das Datum fehlen.



Im Januar 1946 ist Onkel Hans dann doch nach Berlin gefahren. Kurz vor seiner Rückfahrt schickte er noch eine Karte an seine Mutter. Er benutzte dazu wieder eine Ganzsache aus Mecklenburg-Vorpommern, die er am 13.1.1946 in Berlin-Charlottenburg aufgab (nächste Seite).
Es ist bisher nicht eindeutig geklärt, ob die Marken aus Mecklenburg-Vorpommern offiziell in Berlin erlaubt waren, oder ob sie nur geduldet wurden. Wie man an dieser Karte sieht, kommen aber anstandslos beförderte Stücke vor.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.08.2020 14:30:31 Gelesen: 3203# 252 @  
Hallo zusammen,

heute zwei weitere Postkarten aus Mecklenburg-Vorpommern (Michel P 5b):



Entwertet mit dem Notstempel des Postamtes Löcknitz. Wie bei vielen Karten, die kurz nach dem Krieg verschickt wurden, sagt auch hier der Text wieder einiges über die Zeit aus. Am 14.1.1946 schreibt Onkel Hans an seine Mutter:

Gestern hat es viel geschneit und gestürmt, da habe ich mehrmals Schnee gefegt - aber wieder barfuß, da werden keine Strümpfe nass ... Gestern hat es "Rindfleisch" gegeben. Kuheuter, das wir als Sonntagsbraten assen.



Am 9.2.1946 wurde das Datum nicht mehr handschriftlich sondern mit Hilfe eines Gummistempels eingesetzt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 24.08.2020 14:15:42 Gelesen: 2661# 253 @  
Hallo zusammen,

an diesem Einschreibebrief erkennt man etwas die Probleme, mit denen das Postamt Berlin N 58 nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun hatte:



Es gab keine Einschreibezettel des Postamtes mehr. Man verwendete also R-Zettel des Postamtes 106, die man handschriftlich änderte. Desweiteren müssen die meisten Stempel des Postamtes im Krieg vernichtet worden sein. Diesen Stempel hatte man wohl noch in irgendeiner Schublade. Die Marken sind mit einem alten Sternchen-Stempel des Deutschen Reiches entwertet. Dieser Stempel ist lange Zeit nicht benutzt worden, denn das Sternchen ist noch im Stempel enthalten. Vor 1945 sind nur zwei Daten bekannt: 23.4.1927 und 08.01.1931. Bei allen Stempeln, die im Gebrauch waren, sind die Sternchen 1937 auf behördliche Anordnung aptiert d.h. herausgeschnitten worden.

Das Porto für einen Fernbrief bis 100 g betrug damals 24 Pfg., die Einschreibegebühr 30 Pfg, der Brief ist also portogerecht frankiert.



Im April 1946 besuchte Onkel Hans noch einmal seine Mutter in Berlin. Auf der Rückfahrt schrieb er diese Karte, die er unterwegs in Pasewalk einsteckte. Er schrieb:

L.M. Auf dem Bahnsteig stand 1 Polizist u. 1 Beamter, wenn ich mitfahren wollte, müßte ich 10 RM Zuschlag u. 4 RM für Dzug bezahlen. Das tat ich, nun stand ich bis Angermünde im Gang, von da an Sitzplatz. Wir nähern uns Pasewalk, wo ich diesen kurzen Gruß gleich in den Kasten werfen will.
Wie ist mein Herz voll Lob und Dank für diese schönen Tage (meist allerdings nur Abende, Morgen und Nächte) mit Dir zusammen. Ich werde noch lange von der Erinnerung leben. Gebe Gott, daß es nun stetig mit Dir zur Besserung geht. ...


Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 02.09.2020 11:01:37 Gelesen: 1976# 254 @  
Hallo zusammen,

Urgroßmutter geht es nicht gut. Gottfried (Friedel), der Bruder von Großvater, besucht sie deshalb in Berlin im Elisabethstift. Von dort schickt er am 26.5.1946 diese Karte an Großvater:



Er schreibt: "Lieber Bruder, ich sitze hier an Mütterchens Bett. Dörte und Hildburg waren von 4 - 6 auch hier, um sie zu sehen und zu erfreuen..."

Am 8. Juni 1945 diktiert Urgroßmutter diese Karte an Großvater.



Der Text lautet: "Lieber Sohn, viele Glückwünsche zum Geburtstag. Ich bin schwerkrank aber ich gehe zur Besserung. Ich kann nicht lesen und nicht schreiben. Fräulein Andree schreibt für mich und läßt grüßen. ... Deine Mutter"

Außer an Großvater diktierte Urgroßmutter am selben Tag (8.6.46) diese Karte an Onkel Hans:



Drei Tage später am 11.6.1946 ist Urgroßmutter dann im Alter von 82 Jahren gestorben.

Soviel für heute. Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.09.2020 11:05:48 Gelesen: 772# 255 @  
Hallo zusammen!

Das Papier dieses Einschreibe-Doppelbriefes vom 12.9.1946 war so schlecht, dass die Absenderin die Ecken sofort mit Tesafilm gesichert hat. Ganz Hübsch ist die Mischfrankatur der Marken für Brandenburg mit der 1. Kontrollratsserie. Wie man an der Anschrift erkennt, ist Onkel Hans inzwischen von Retzin in der sowjetischen Zone in die britische Zone umgezogen. Er wohnt jetzt in der Nähe von Grevenbroich.



Im März 1947 wohnt Onkel Hans in Ramrath bei Grevenbroich. Seine Frau Berta wohnte und arbeitete weiterhin in Retzin bei Grambow. Am 10.3.1947 schickt sie diesen Brief mit dem Plan ihres Zimmers an Onkel Hans (nächste Seite). Im Text werden die beengten Verhältnisse der Nachkriegszeit deutlich.





Sie schreibt:

Zwischen den Möbeln sind nur schmale Durchgänge von ca. 30cm. ... Die Matten habe ich nicht hingelegt, wegen des Durchgangs vieler fremder Füße. (Der Weg zur Küche führte durch ihr Zimmer)
Im Wäschekorb einige Briketts, darauf Korb mit Kartoffeln und Gemüse. (über der Skizze)
Unterm Flügel Kiste mit Blech. Erbsen und etwas Weizenkörner (links neben der Skizze)

Sehr viele Häuser waren zerstört und es gab viele Flüchtlinge, die ein Zimmer brauchten. Dadurch waren die noch vorhandenen Zimmer voll belegt. Berta hatte in ihrem Zimmer sogar ein Klavier und einen Flügel stehen. Auf dem Flügel konnte sie aber nicht spielen, denn er stand mit den Tasten zur Wand.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.09.2020 19:19:28 Gelesen: 175# 256 @  
Hallo zusammen,

am 16. März 1948 fährt Onkel Hans mit der Bahn nach Bad Kreuznach. Bei einem Aufenthalt in Koblenz schreibt er diese Karte an Großvater.



Als er die Karte in Koblenz einsteckt, hat Onkel Hans aber nicht bedacht, dass er sich in der französischen Zone befand. Die Marken der 2. Kontrollratsserie waren aber nur in den drei anderen Zonen gültig. Die Marke wurde also nicht abgestempelt und die Karte wurde mit Nachporto belegt.



1949 war Onkel Hans wieder in Koblenz. Diesmal schickte er eine Ganzsache aus Rheinland-Pfalz an Großvater.

Viele Grüße
Volkmar
 

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