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Thema: (?) (154) Rumänien: Postrouten und Transportwege
Das Thema hat 174 Beiträge:
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Heinz 7 Am: 15.02.2015 11:33:22 Gelesen: 81313# 50 @  
@ nor 42 [#46]

Vielen Dank für den Hinweis. Ich arbeite weiter an meinen Kenntnissen. Es tut mir leid, dass ich so wenig weiss.

Heinz
 
Soliver Am: 18.02.2015 15:19:04 Gelesen: 81267# 51 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Ich habe letztes Jahr für meine Heimatsammlung diesen Brief erstanden. Jetzt würde mich interessieren, auf welchen Postweg dieser Brief vom Aufgabeort Gura Humora in Bukowina bis nach Wien befördert wurde. Ich würde mich freuen, wenn eine sehr detaillierte Postroute zustande kommen würde.

Mit freundlichen Grüßen
Oliver


 
10Parale Am: 18.02.2015 21:21:07 Gelesen: 81246# 52 @  
@ Soliver [#51]

Eine harte Nuss ... zum Knacken.

Hat der Brief eine brauchbare Jahresangabe, gibt er Hinweise dazu? Wie heisst der Empfangsort und in welchem Großherzogtum lag dieser (Baden)?

Ich meine der Brief ist Anfang der XIX. Jahrhunderts gelaufen, ich denke 1818 ... ist eine Vermutung, deren Darlegung ich noch nicht verraten will. Gura Humorului gehörte einst zum Fürstentum Moldau, wurde 1774 von den Österreichern besetzt.

Auf Grund der Rötelungen kann man Taxierungen vermuten, aber das Feld ist mir noch zu vage bestellt. Brauchbare Zwischenstationen dieses ca. 2200 km gelaufenen Briefes sind links unten aufgeführt: Lemberg - Wien - Augsburg - Heidelberg - ???? Österreichische Posttarife kamen zur Anwendung.

Bis Lemberg waren es zunächst 360 km. Ich habe Schwierigkeiten die Grenze zur Monarchie, d.h. Taxierungsvorgaben auszumachen, weil ich nicht weiss, wann der Brief gelaufen ist. Unter Umständen ist der Brief nach Erreichen der Grenzstation in Österreich über 16 - 18 Poststationen gelaufen und hatte ein Gewicht von 2 Loth.

Über dem Text "Johann Mihael" sehe ich einen geheimnisvollen roten Stempelansatz "Dau...", den man noch erkennen sollte.

Wenn nun sogleich ein Experte die Lösung aus der Pistole schiesst, bitte nicht wundern. Auf diesem Gebiet bin ich ein eifriger Anfänger.

10Parale
 
Soliver Am: 19.02.2015 01:21:47 Gelesen: 81229# 53 @  
Der Brief ist eine harte Nuss. Deswegen versuche ich so viele Informationen wie möglich zusammenzutragen und will eigentlich auch nicht viele bereits mir gegenüber gemachte Aussagen darüber nennen, damit man sich nicht zu fehlerhaften Interpretationen verleiten lässt.

Wie du schon richtig erkannt hast, ging der Brief nach Russheim in Baden, kurz vor die Rheingrenze zur Pfalz (Bayern).

Den Stempel nach dem du gesehen hast, ist der Schreibschrift Transit-Stempel "d´autricht".

Zur Datierung gab es bis jetzt zwei Vermutungen.

1. 1806 wegen des Vermerkes "ad 806"
2. ca 1810-13 wegen des Transitstempels

Den roten handschriftlichen Vermerk über Russheim lese ich als Rötelvermerk "Wien".

Den roten handschriftlichen Vermerk über dem Transitstempel lese ich als "Lemberg".

Mich würden zB die Benennung der 16 - 18 Poststationen bis zur österreichischen Grenze sehr interessieren.

Gruß Oliver
 
Heinz 7 Am: 19.02.2015 14:22:57 Gelesen: 81204# 54 @  
@ Soliver [#53]

Guten Tag Oliver,

einen schönen Brief zeigst Du uns da! Ich nehme an, dass er wirklich im Jahr 1806 zum Versand kam via Lemberg nach Russheim gelangte.

Wenn die Zeit stimmt, und wir haben keinen Anlass dafür, dies nicht anzunehmen, dann ist dies aber streng genommen KEIN rumänischer Brief. Die Bukowina gehörte seit 1774 zu Österreich-Ungarn, und kam erst nach dem ersten Weltkrieg, also mehr als hundert Jahre später (!) zu Rumänien.

Ich habe oben im Beitrag [#19] bereits eine Karte gezeigt zu den politischen Verhältnissen von Moldau & Walachei im 18. Jahrhundert.

Mit den Taxvermerken kann ich nicht wirklich weiterhelfen. Ein Österreich-Spezialist kann da sicher besser weiterhelfen.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
10Parale Am: 20.02.2015 16:42:23 Gelesen: 81157# 55 @  
@ Soliver [#53]

Heinz ist ein wahrer Experte. Postrouten und Transportwege in den Fürstentümern Moldau und Walachei (siehe Beitrag [#19] - die Karte von Heinz) wäre deshalb kein schlechter "Untertitel" für dieses Thema.

Mir geht es so ähnlich bei einem anderen Brief, den ich hier nur kurz vorstellen will. Hätte sich die letzten 200 Jahre nichts geändert, würden wir sagen, dieser Brief ist in Rumänien gelaufen. Denn heute sind alle Ortschaften, die sich im Jahr 1852 auf diesem vollständig erhaltenen Brief aus der berühmten Tickeli-Korrenspondenz erhalten haben, tatsächlich in Rumänien beheimatet. Aber das ist das Rumänien von 1918 an aufwärts, und nicht das "Austrian Empire", dessen Landkarte einst Europa zeichnete.

Dieser Brief wurde am 8. November 1852 in RUSZKBERG abgesandt - heute Rusca Montana (damals Austrian Empire).

Am selben Tag wurde eine Art Transitstempel in KARANSEBES (Banat) vermerkt.
Einen Tag später, am 9. November 1852 landete der Brief in Lugoj (wunderschöner Agraffenstempel, der an die rumänischen Agraffentempel erinnert).
Schlußendlich war der Brief dann am 12. November in Hermannstadt (heute Sibiu - ehemals Siebenbürgen im Austrian Empire).

Was den Brief einfach macht, ist die Marke, eine 6 Kreuzer Marke Maschinenpapier (Michel Nr. 4y - Österreich).

Als Rumänien-Sammler bin ich sozusagen in der Verpflichtung, mir auch Kenntnisse anzueignen über das Postwesen der Länder, die an Rumänien angrenzen und zu früheren Zeiten auch Teile Rumäniens regiert haben. Das betrifft auch alle Länder, die in Rumänien Auslandsexpeditionen einrichten durften wie Österreich, Russland, Frankreich und wie ich gehört habe, auch Italien und Griechenland.

Dein wunderbarer alter Brief betrachte ich als einen Rumänien-verwandten Brief, - im Gegensatz zu Heinz - aber mehr aus Nostalgie denn faktischen Gründen. Heinz hat völlig Recht. Der Brief ist bestimmt 1806 gelaufen und ein Österreich-Spezialist hätte wohl kaum Mühen, die verschiedenen Aspekte des Postweges und der Taxierung zu beleuchten. Leider fehlt mir die notwendige Literatur, und ich beschränke mich darauf, was der Brief an Informationen hergibt.

Auf jeden Fall ein wertvolles Kleinod, und wie versprochen, ich bleibe am Ball.

Liebe Grüße

10Parale


 
Soliver Am: 26.02.2015 13:06:05 Gelesen: 81025# 56 @  
@ Heinz 7

Kannst du mir evt. zu meinem Brief die Poststationen bis Lemberg nennen?

Ab Lemberg hab ich die Postrouten fast komplett und für die fehlenden kenne ich Sammler, die mir weiterhelfen können.

Gruß Oliver
 
Heinz 7 Am: 26.02.2015 22:59:48 Gelesen: 80990# 57 @  
@ Soliver [#56]

Lieber Oliver,

nein, leider kann ich das nicht ohne Weiteres "aus dem Ärmel schütteln". Wie erwähnt, ist das eigentlich ein anderes Sammelgebiet (Österreich-Ungarn), darum hast Du sicher Verständnis, dass ich hier auswendig nichts Genaues sagen kann.

Das heisst aber nicht, dass ich mich nicht für die Frage interessiere und ich gerne versuchen kann, die Frage vielleicht doch zu klären. Versprechen kann/möchte ich aber wirklich nichts.

Vielleicht hilft Dir Nor 42 weiter? Das wäre schön!

Freundliche Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 12.03.2015 18:12:21 Gelesen: 80869# 58 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vielen schöne und interessante Sachen gibt es hier zu sehen - einen könnte ich beisteuern, habe aber Fragen dazu:



In Braila ( http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C4%83ila ) wurde er als Portobrief am 2.10. / 14.10.1864 zur Post gegeben. Ob die Taxierung "40" oben mittig schon dort erfolgte, weiß ich nicht, weil ich hier noch weitestgehend im Dunkeln tappe.

In Wien erhielt er am 18.10.1864 den "A" - Stempel für Austria bzw. Autriche, damit Frankreich wusste, über welche Route er von Rumänien instradierte. Den siegelseitigen Stempel "BAZ???H" kann ich leider nicht zuordnen und bitte um Hilfe.

Ausweislich des Stempels AUTR(iche) STRASBOURG 3 wurde er über Bayern, Württemberg und Baden in Paris am 21.10. seines Wiener Briefepakets entnommen und erhielt auch den klassischen Ankunftsstempel von Paris siegelseitig. Für 10 Decimes wurde er dem Empfänger, dem Bankhaus Fuld, zugestellt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 13.03.2015 21:33:13 Gelesen: 80838# 59 @  
@ bayern klassisch [#58]

Liebe Freunde,

der Ort ist geklärt: Baziash, an der Grenze Ungarns zu Rumänien.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Heinz 7 Am: 13.03.2015 23:44:27 Gelesen: 80827# 60 @  
@ bayern klassisch [#58]

Hallo Ralph,

ich mache zwei Teil-Scans von Seiten aus Band XVIII der Edition d'Or-Ausgabe: "Österreich-Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (D.D.S.G.); Die Emil Capellaro Sammlung".

Auf Seite 29 im Buch werden die DDSG Postagenturen gezeigt, in Ungarn liegt Basiasch (etwas östlich von Belgrad).



Auf Seite 72 des selben Bandes finden wir einen DDSG-Brief mit DDSG-Stempel BAZIAS aus eben dieser Capellaro-Sammlung. Wir sehen, es ist nicht genau derselbe Stempel wie Deiner.



Für mich stand dieser Brief nicht auf der Wunschliste, weil er keinen Rumänien Bezug hat.

Grüsse

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.03.2015 16:08:40 Gelesen: 80788# 61 @  
@ Heinz 7 [#60]

Hallo Ralph,

es wird immer breiter. Im Frühwerk zur DDSG "The Danube Steam Navigation Company; by E. F. Hurt and Denwood N. Kelly" von 1950 finde ich auf Seite 47 ("Plate 1") den nochmals anderen Stempel "BASIASCH", also mit "S". Dein Stempel hat ein "Z", ebenso wie der Beleg aus der Sammlung Capellaro.



Eventuell ist der Stempel bei Hurt/Kelly nicht reproduziert, sondern nachgezeichnet? Sie listen KEINEN Stempel "BAZIAS" oder "BAZIASCH".

Es ist also möglich, dass wir drei Stempel haben.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.03.2015 17:14:20 Gelesen: 80780# 62 @  
@ nor 42 [#23] und [#27]

Guten Tag, Herr Nor,

ich bedaure, dass Sie sich (im Moment?) nicht mehr beteiligen an den philatelistischen Diskussionen.

Ich wollte Ihnen noch recht geben bezüglich Galatz; man sollte dies tatsächlich dazuzählen, und kommt so auf neun Postdienste! Ich danke Ihnen für Ihren wertvollen Hinweis.

Die Belege der T.B. Morton & Co. Danube & Black Sea Line sind sehr selten. Nur ein Teil der existierenden Post gehörte damals auch zur Moldau.

Ich verzeichne im Moment vier interessante Belege:

1) Brief von Galatz (Handelshaus C.G. VALSAMACHI) nach Corfu, frankiert mit 90 Lepta Porto. Frankatur 10 Para "LETTER"-Stamp (statt "Journal stamp") 1865 (?)
2) Brief von Galatz (Handelshaus C.G. VALSAMACHI) nach Corfu, frankiert mit 90 Lepta Porto. Frankatur 10 Para "LETTER"-Stamp (statt "Journal stamp") 1870
3) Brief von D. Loizo Istanbul an seinen Bruder C. Loizo in Galatz, frankiert mit Morton 1870, 1 Piaster rot und Morton Newspaper stamp (überstempelt "LETTER"-Stamp (statt "Journal stamp"), angeblich 7.3.1872, signiert A. Diena
4) Brief von D. Loizo Istanbul an seinen Bruder C. Loizo in Galatz, frankiert mit Morton 1870, 2 Piaster blau, ohne Datum, signiert A. Diena

Ich nehme an, es gibt noch mehr Belege, aber sie sind sicherlich selten.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 16.03.2015 17:15:12 Gelesen: 80780# 63 @  
@ Heinz 7 [#61]

Hallo Heinz,

vielen Dank - tolle Literatur und der Balkan ist ja (nicht nur) im 19. Jahrhundert höchst interessant und spannend.

Du kannst gerne Scans meines Briefes an Interessierte schicken, damit sie ihn in ihre Kartei/Datei aufnehmen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 30.03.2015 18:37:06 Gelesen: 80641# 64 @  
@ nor 42 [#21]

Lieber Sammlerfreund,

gerne stelle ich heute einen Brief vor, der im "Nebeneinander" mit anderen Briefen NOCH interessanter wird.

Ich habe das Vergnügen, einen Brief mit dem Stempel Tchilinghirian "Austrian PO Abroad" Nr. 721 zu besitzen.



Er ist am 7. Juli 1862 (Greg. Kalender) abgeschickt worden und erhielt am 9.7. in Jassy einen Durchgangsstempel (rückseitig), bis Wien brauchte er weitere 5 Tage (Ankunftsstempel in rot sehr sauber "WIEN 14.VII").

Der Stempel ist selten und wertet bei Tchil. für die 2. Periode 1857-1869 mit "RRR". Für dieselbe Zeitperiode bewertet Blistyar einen markenlosen Brief mit Euro 400 (siehe Seite 76). Altmeister Edwin Müller (Handbuch der Entwertungen von Österreich ...) 1961 gab diesem Stempel beachtliche 150 Bewertungspunkte (mindestens, siehe Seite 215, und das OHNE den "Beliebtheits-Faktor" (x 2)).

Ich weise darauf hin, dass es mindestens 7 Briefe gibt, die alle sehr ähnlich sind:

1861 (26.12.), Absender Bas. Schandro, Bakau, Exemplar Blistyar, siehe Seite 77
1862 (17.5.), sehr ähnlicher Brief, Einschreiben, siehe Buch Gmach, Seite 253
1862 (23.6.), sehr ähnlicher Brief, Einschreiben, siehe Buch Gmach, Seite 254
1862 (7.7.), sehr ähnlicher Brief, siehe anbei
1862 (25.8.), sehr ähnlicher Brief, siehe Henry W. Houser coll., siehe Auktionskatalog Christie's Robson Lowe Zürich, 18.6.1992, Los 1098 (Brief 1 von 2)
1866 (25.5.), Absender nicht derselbe, Adressat aber auch Lohner Wagenfabrikant, siehe Henry W. Houser coll., siehe Auktionskatalog Christie's Robson Lowe Zürich, 18.6.1992, Los 1098 (Brief 2 von 2)
1868 (23/8), Absender Klein, Adressat Loos & Bolzer, Iserlohn, frankiert mit 10 Soldi, siehe Hans Smith FRPSL, sein Buch "The Austrian PO in the Levant", 2013, Seite 14

Sehr interessant ist nun, dass der erste, dritte und vierte Briefe alle mit 25 Kreuzer taxiert wurden, der sechste aber nur mit 15 Kreuzer. Die Auflösung dafür gibt uns wieder das Buch von Blistyar: Seite 44: 15 Neukreuzer von 1.11.1858 für Inland + 10 Kreuzer für den Postlauf innerhalb der Donaufürstentümer - Konsulatstaxe (siehe S. 45: Moldova: Bacau 10 Kr.)

Der sechste Brief ist wie gesagt von 1866 (gemäss Katalog-Beschreibung). Dazu gelten aber bereits die ermässigten Gebühren, siehe (u.a.) Blistyar, S. 46: Inland (also Österreich) 5 Kr. und für den Postlauf innerhalb der Levante, Zona II, Moldova: 10 Kr. Summe 15, stimmt also! Und auch der Betrag 10 Soldi für den Brief 1868 können wir verstehen, da - nach dem 15.10.1866 die Tarife auch innerhalb der Levante ermässigt wurden.

Die Tarife für die Briefe 2 und 3 müssten eigentlich höher liegen, da sie Einschreibe-Briefe waren. Brief 3 sei rückseitig wie folgt taxiert "25/10/10" (siehe Gmach S. 254).

Das ergibt also ein interessantes "Mosaik"-Bild! Die zwei Briefe 3+7 brachten an den Auktionen 2007+2013 jeweils einen Zuschlag von CHF 1500, jeweils deutlich über dem "Ausruf", gemäss Notiz Gmach, Seite 254.

Nicht jeder Post-Tarif ist zu erklären und nicht jeder "stimmt", aber wenn es gelingt, passende Erklärungen zu Stempeln und Tarifen zu finden, so freut das den forschenden Philatelisten.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
10Parale Am: 01.04.2015 01:00:34 Gelesen: 80608# 65 @  
@ Heinz 7 [#64]

"Nicht jeder Post-Tarif ist zu erklären und nicht jeder "stimmt", aber wenn es gelingt, passende Erklärungen zu Stempeln und Tarifen zu finden, so freut das den forschenden Philatelisten."

Gratuliere gleichwohl zu dem seltenen Brief mit dem RRR-Stempel von BAKEU 7/7 wie auch zu der einleuchtenden Erklärung über die Zusammensetzung der Taxierung von 25 Neukreuzer bis Wien. Gerne würde ich auch die Rückseite mit dem Ankunftsstempel von Wien einmal betrachten.

Sicherlich ist die Fähigkeit einen Posttarif erklären zu können eine besondere Kunst und gelingt sie vom Verstande her, sicher auch eine Freude für das philatelistisch schlagende Herz.

An gleicher Stelle wage ich an Hand eines weiteren Briefes eine Erklärung für die Taxierung von 35 Neukreuzer. Vielleicht irre ich mich auch, aber es ist der Versuch ja mal wert. Das Brieflein mit vollständigem Inhalt wurde am 26.11.1862 (Greg.Kalender) in Galatz in der österreichischen Auslandspostexpedition abgeschlagen. Es handelt sich um den Stempel Gal5 (siehe in [#63] genannt Gmach S. 222). Zusammen mit dem Stempel wurde auch der Einzeilerstempel FRANCO verwendet, wie man hier schön sehen kann.

Der Brief lief nach Costantinopel zu dem bereits bekannten Figli Theologo. Rückseitig ist eine Röteltaxierung von 35 zu erkennen. Meine Hypothese lautet nun: 15 Neukreuzer von 1.11.1858 für Inland + 20 Kreuzer für den Postlauf innerhalb der Donaufürstentümer - Konsulatstaxe (siehe ebenfalls Seite 45 Norbert Blistyar). Nun schreibt Blistyar dazu "pe mare prin Lloyd". Über die Postroute bin ich nicht ganz eins, ich denke der Brief wurde tatsächlich mit der Lloyd transportiert.

Kann mich auch täuschen, aber eine logische Erklärung wäre das - und würde mich als Mikroforscher natürlich auch sehr erfreuen.

Liebe Grüsse

10 Parale


 
Heinz 7 Am: 27.04.2015 21:07:27 Gelesen: 80470# 66 @  
@ 10Parale [#65]

Guten Abend,

leider hat sich noch niemand zu Deinen Fragen äussern mögen, und auch ich vermag im Moment noch keine Antwort zu geben. Ich habe selber gewisse Fragen zu Deinem Brief, und müsste mir einmal die Zeit nehmen, alles aufzureihen.

Bevor es so weit ist, erlaube ich mir, selber wieder eine Frage zu stellen. Natürlich nicht nur an Dich, sondern an viele Leser, hoffentlich.



Dieser nette Brief wurde im April bei Viennafil, Wien angeboten. Der Ausrufpreis war mit Euro 80 nicht zu hoch, und da es ein früher Brief ist (für die Moldau) und eine schön geschriebene Adresse hat, interessiere ich mich auch für dieses Los. Ich bin nun aber vom Zuschlagpreis doch sehr überrascht: volle Euro 900 hat der Brief gebracht, mit Zuschlag also sogar mehr also 1'000!

Warum nur? Habe ich etwas übersehen? Anbei noch der Losbeschrieb: "1819, desinfizierter Brief mit Inhalt von Jassy 12.11.1819 an den kaiserlichen General Graf Khevenhüller in Wien, weitergeleitet nach St. Pölten und retourgeschickt, handschriftlicher Vermerk "De Jassy en Moldavie", Ankunftsstempel von St. Pölten rückseitig, Taxen vorder- und rückseitig. Prachtbeleg!

Ich bin gespannt, ob jemand einen guten Grund sieht für diesen sehr hohen Preis für diesen Brief. Vermutungen und Diskussionen dazu erwünscht!

Heinz
 
10Parale Am: 29.04.2015 12:44:40 Gelesen: 80425# 67 @  
@ Heinz 7 [#66]

Vielleicht war es ein Bietergefecht, was den Preis sehr hochtreiben kann. Dennoch und unabhänging davon

1. Empfänger des Briefes ist kein Geringerer als ein Angehöriger des österreichischen Hochadels (übrigens Adel aus Bayern - Beilingries - kommend), siehe dazu den Link

auch http://de.wikipedia.org/wiki/Khevenh%C3%BCller

2. " De Jassy en Moldavie" Dies ist ein bedeutender handschriftlicher Hinweis auf die Provenienz des Briefes und meiner Meinung nach ist solch ein Vermerk (mangels Stempel!) durch seine Originalität und Seltenheit der Grund für das hohe Auktionsergebnis.

3. Dieser Brief erzählt eine Geschichte und vielleicht kann man die Taxierungen auch erklären, bestimmt.

Gerne würde ich auch einmal die Rückseite sehen. Hat er ein Desinfektionssiegel oder ist er gelöchert?

Zeigt der Preis doch auch wie begehrt das Sammelgebiet des Fürstentums Moldau ist.

Liebe Grüsse

10Parale
 
Heinz 7 Am: 29.04.2015 23:26:37 Gelesen: 80404# 68 @  
@ 10Parale [#67]

Vielen Dank für Deine Meinungsäusserung und die interessanten Informationen zu Khevenhüller. Erlaube mir bitte folgende Einwände/Ergänzungen/Fragen (so kommen wir vielleicht zu weiteren Erkenntnissen).

2) Der Herkunftsvermerk "de Jassy en Moldavie" ist sicherlich wertvoll, aber wir wissen, dass es zu dieser Zeit in Jassy schon einen Stempel gab (1819). Warum wurde er nicht eingesetzt?

3) die Taxierung habe ich leider noch nicht entschlüsseln können. Die Rückseite ist im Katalog leider nicht abgebildet, ich kann sie also nicht zeigen.

=> Mit der Schlussaussage: "Zeigt der Preis doch auch wie begehrt das Sammelgebiet des Fürstentums Moldau ist" magst Du recht haben :-) Es gibt sicherlich viele ernsthafte Sammler für dieses Gebiet, die sich, auch finanziell, erheblich engagieren können/wollen.

Trotz allem: den Preis von Euro 1000 + kann ich mir für dieses Stück noch nicht so richtig erklären.

Was meinen die Leser?

Freundliche Grüsse
Heinz
 
10Parale Am: 30.04.2015 22:25:27 Gelesen: 80380# 69 @  
@ Heinz 7 [#68]

" Der Herkunftsvermerk "de Jassy en Moldavie" ist sicherlich wertvoll, aber wir wissen, dass es zu dieser Zeit in Jassy schon einen Stempel gab (1819). Warum wurde er nicht eingesetzt?"

These: Seit 1785 bestanden österreichische Auslandspostämter in der Moldau und der Walachei, in Jassy (Moldau) und in Bukarest (Walachei). F. Heimbüchler bildet auf Seite 27 in seinem Werk "Die Ochsenköpfe der Moldau" einen sehr frühen Brief aus dem Jahr 1816 ab, der vom österreichischen Postamt in Jassy stammt und den Stempel "MOLDAU" trägt.

Ich neige zur Annahme, dass der Brief mit dem Herkunftsvermerk "de Jassy en Moldavie" von einem Auslandspostamt stammt.

Grund:

Taxierung I: Laut der Taxordnung vom 1. Juni 1817 betrug die Gebühr innerhalb Österreichs 14 Kr. CM (Conventionsmünze) je 1/2 Loth.

Genau diese 14 finden sich als Röteltaxierung auf der Vorderseite deines Briefes.

Taxierung II: Für die Strecke von Jassy bis zur österreichischen Grenze wurden beispielsweise 1818 (Quelle Heimbüchler) 8 Kr- CM erhoben.

Doch da ist zumindest auf der Vorderseite dieses Briefes kein Hinweis auf eine Taxierung von 8 Kr. CM.

Mich plagt jetzt aber eine andere Frage: Weshalb wurde der Herkunftsvermerk "de Jassy en Moldavie" in französischer und nicht in deutscher Sprache verfasst ähnlich dem Stempel "aus Bukarest in der Walachei" ?

Ergo: Entweder handelt es sich um einen Brief des österreichischen Postbüros in Jassy (der Stempel "MOLDAU" fehlt, weil es ihn noch nicht gab oder aus einem anderen banalen Grund) oder ...

... auf Grund der Spracherkennung "französisch" um einen Brief eines französischen Postbüros in Jassy und damit um eine absolute Rarität.

Die Rückseite des Briefes könnte noch mehr Aufschluss bringen. Aber ich glaube nun nicht mehr, dass es sich um einen Brief handelt, der von der Post der "Moldau" transportiert wurde. Jemand hat dies erkannt und bei der Auktion gesetzt und gewonnen.

Dies ist nur eine These, aber das ist ja das Spannende an der Philatelie - dass sie auch solche zulässt.

Liebe Grüsse

10Parale
 
10Parale Am: 06.06.2015 15:16:37 Gelesen: 79786# 70 @  
@ Forum

Es ist mir gelungen, eine kleine Karte zu entdecken, die die Lage des Roten-Turm-Passes beschreibt. Heute liegt dort das kleine Dorf Boita (deutsch: Ochsendorf) und an dessen Ende liegen die Überreste der Befestigung.

Der Rote-Turm-Pass kann man beim Thema Postrouten und Transportwege in Rumänien nicht übersehen, denn er war seit jeher einer der bedeutendsten Verbindungswege zwischen Österreich (Ungarn), Siebenbürgen und der Walachei.

In diesem Tal fliesst der Fluss Alt (Olt) und bereits römische Legionen nutzten diesen Weg für Ihre Züge durch Dakien. Die Türken fielen durch dieses Tal nach Siebenbürgen ein. So stammt der Name Roter-Turm-Pass auch aus der Zeit der Türkenkriege. Der Legende nach stammte die Farbe des Turmes aus dem Blut, welches hier einst floß, allerdings rein chemisch aus rotem Sandstein.

Seit 1740 gab es hier eine organisierte Postroute und weil die Menschen zu jener Zeit Angst vor Pest und Cholera hatten: nicht nur Durchreisende aus der Walachei oder in die Walachei mussten hier für ein paar Tage in Quarantäne (wenn die Cholera ausgebrochen war) sondern auch Briefe wurden hier einer Desinfektionsbehandlung unterzogen. Ein Sanitätsbeamte räucherte die Briefchen äusserlich und innerlich und versah sie anschließend mit einem Siegel.

Die kleinen Dörfchen entlang dieser Route hatten überwiegend Poststationen und es gibt auch Stempel, die aber sehr selten und gesucht sind, wie ich in Erfahrung bringen konnte. In Brezoiu und Cozia und Calimanesti ist man schon in Rumänien (in der Walachei). Manche Rumänen nennen die Walachei auch eine Wiese, die entweder trocken ist oder überschwemmt. Dort gibt es auch wohlschmeckende Melonen.

Liebe Grüße

10Parale
 
Heinz 7 Am: 09.06.2015 23:23:13 Gelesen: 79734# 71 @  
@ 10Parale [#70]

Lieber Freund,

vor etwa eineinhalb Jahren startete ich hier auf "Philaseiten" folgendes neues

"Thema: Desinfektions-Stationen
Heinz 7
Am: 27.09.2013 22:02:20
Gelesen: 3009
# 1"

Dazu konnte ich das wohl älteste Siegel des Rothenturm-Passes zeigen.

Leider bin ich heute mit meinen Kenntnissen nicht weiter als im Herbst 2013; aber ich möchte einen weiteren Versuch starten; irgendwann.

Liebe Grüsse
Heinz

[Redkationelle Ergänzung: http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?F=1&CP=0&ST=5886&page=0 ]
 
10Parale Am: 30.06.2015 22:02:47 Gelesen: 79486# 72 @  
@ Heinz 7 [#71]

Anläßlich des 9. Hermannstädter Treffens in Dinkelsbühl vom 27. - 29. August 1999 hielt der bekannte Rumänien-Philatelist Horst Scherrer einen Vortrag zum Thema "Von Hermannstadt nach Ramnicu Valcea" - "Eine historisch - postalische Reise mit der Postkutsche und der Eisenbahn zwischen den Jahren 1833 und 1930". Der Text wurde in der kleinen Hermannstädter Reihe, Heft 5 veröffentlicht. Es ist mir ein wahrer Schatz und ich empfehle den Text jedem Rumänien-Sammler.

Herr Scherrer unternimmt darin eine "erfundene" Reise von Hermannstadt aus mit der Postkutsche und später mit der Eisenbahn nach Ramnicu Valcea über den berühmten Rothenturm-Pass. Die Reise wird dokumentiert mit alten Postbelegen, Bildern und Ansichtskarten.

Es erfüllt mich mit kindlicher Freude heute eine Ganzsache Michel P28 vorstellen zu können, die von dieser Postroute zeugt. Die Postkarte wurde am 30. November 1894 in Calimanesti (blauer Stempel) auf den Weg gebracht. Calimanesti ist ein bekannter Badeort, bekannt durch seine Heilkraft im Olt-Tal. Die Ganzsache trägt vorne eine Art Durchgangsstempel von RIU-VADULUI vom selbigen Tage. Dieser Ort ist seltsam, denn Horst Scherrer erwähnt ihn nicht. Allerdings befindet sich ganz in der Nähe die Ortschaft CAINENI, und jetzt muss ich Horst Scherrer zitieren:

CAINENI ist das erste rumänische Gebirgsdorf nach Überschreiten des Roten-Turm-Passes. Das malerisch gelegene Dörfchen wird in der Literatur bereits im Jahr 1885 benannt und hatte im Jahr 1910 ... ca. 400 Einwohner, und ... bereits einen Bahnhof .... Über die dortige Post weiß ich nichts zu berichten. Stets daran denken, wir sind im Jahr 1894.

Der Stempel ist wichtig und bedeutend und lädt ein zu Spekulationen. Dort war etwas, was diesen Stempel veranlassen musste. Wir haben einen Hinweis: "Eisenbahn". Vielleicht war hier eine Wechselstation. Ich möchte aber noch einmal auf den Namen RIU-VADULUI eingehen. Jeder kennt den Rio Bravo. Im Rumänischen heisst Fluß Raul. Also heisst der Ort "Fluss Vadul" Das ist jetzt schon sehr speziell, da CAINENI ein Gebiet von 260 Quadratkilometer umfasst. Aber den Ort RIU-VADULUI habe ich nur als Fluss gefunden, also liegt der Ort am Fluss. Und da Flüsse in der Regel im Tal verlaufen, muss es dort eine Eisenbahn gegeben haben.

Unter Umständen haben wir es hier mit der ersten Ortschaft und dem ersten Stempel auf dem Gebiet des historischen Rumäniens (Walachei) zu tun.
Denn die P28 lief weiter nach Hermannstadt (Ungarn - Nagy-Szeben - ungarischer Name) wo sie am 1. Dezember 1894 eintraf. Den Text kann ich leider nicht lesen, nur bruchstückhaft Wörter.

Interessantes Dokument.

Liebe Grüße

10 Parale


 
10Parale Am: 10.07.2015 21:35:48 Gelesen: 79397# 73 @  
Passend zu meinen Ausführungen in [#72] habe ich hier eine alte Ansichtskarte gefunden, die Calimanesti im Olt-Tal zeigt (hier Hotel Jantea). Vermutlich von dort aus ging diese Ansichtskarte über Rimnicu Valcea und mit dem Zug nach Bukarest.

Sehr schön der Zugstempel TREN R.Valcea im Rahmen (großer Stempel) vom 4. August 1907. Die Postroute verlief nach Bukarest, wohl auf der berühmten alten Postroute, die so viele Briefe von Österreich und Europa kommend in die Walachei und die Moldau transportierte. Es sind circa. 196 Kilometer bis Bukarest, links unten der Ankunftsstempel vom 5. August.

Interessant wäre jetzt, Zwischenstationen auf der historischen Postroute zu bezeichnen. Leider mangelt es mir an einer historischen Karte.

Liebe Grüße

10Parale


 
Heinz 7 Am: 17.07.2015 00:19:46 Gelesen: 79314# 74 @  
@ 10Parale [#73]

R. Valcea ist meines Wissens ein Stempel des Ortes Rimnik (nach Schreibweis von Gmach, Seite 312)

Dazu Wikipedia: "Râmnicu Vâlcea [ˈrɨmniku ˈvɨlt͜ʃe̯a] (alte Schreibweise Rîmnicu Vîlcea; deutsch veraltet: Wultsch, älter auch: Königsberg) ist die Hauptstadt des Kreises Vâlcea in Rumänien".

Ich habe für viel Geld einmal das Buch "Istoria Postelor Romane" von Constantin N. Minescu (Bucuresti 1916) gekauft. Leider kann ich wegen Sprachproblemen erst wenig verstehen; nützlich sind aber sicherlich die Karten (von denen aber auch Gmach in seinem Buch 2014 viele zeigt).

Auf Seite 185 von Marinescu zeigt er eine "Postkarte der Fürstenthümer Moldau und Walachei zusammengestellt 1848 verbessert 1854", die ich anbei auszugsweise zeige (Hermannstadt - Bukarest).



Dazu müssen wir uns bewusst sein, dass die Eisenbahnlinien des späteren XIX. Jahrhunderts natürlich nicht genau den alten Postrouten entsprach. Dennoch können Deine obigen Fragen mit dieser Karte von Minescu zum Teil beantwortet werden.

Wir sehen also, dass Rimnik südlich von Hermannstadt (damals Ungarn!) liegt. Folgt man der Strecke weiter nach Süden gelangt man nach Slatina. Von Slatina nach Bukarest war es dann (auf dem Postweg) sehr genau einfach gegen Osten. Per Eisenbahn ging es meines Wissens aber zuerst nördlich nach Piteschti, bevor die (Bahn-) Reise weiter Richtung Südosten führte.

Liebe Grüsse
Heinz
 

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