Thema: Bleisulfidschäden: Die Folienproblematik in der Philatelie
Richard Am: 26.11.2007 11:43:03 Gelesen: 113692# 1 @  
Die Folienproblematik in der Philatelie - Ein Problem mit Zukunft!

Von Wolfgang Maassen

http://www.sammlerstube.net - Folien sollen schützen. Wertvolles bewahren. Schätze präsentabel machen und sie damit für die Zukunft erhalten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten greifen Sammler, besonders aber auch Aussteller, deshalb gerne auf die Blattschutzfolien namhafter Hersteller zurück, um ihre nicht selten teuer erworbenen Marken und Briefe darin aufzubewahren bzw. in Exponaten einem interessierten Publikum zu präsentieren. Dabei mehrten sich in den letzten Jahren Beobachtungen, die nicht nur von statistischem Interesse sind: Selbst vor wenigen Jahren erworbene klassische Marken bestimmter Provenienz verfärbten sich unter bestimmten Aufbewahrungskonditionen in vergleichsweise kurzer Zeit, wie die Auktionatoren Peter Sem und Peter Feuser belegen konnten. Handlungsbedarf war also angesagt, der Sammler und Käufer klassischer Raritäten verlangt zu Recht Aufklärung und Hilfestellung.

Phänomene

Verfärbungen bei klassischen Marken sind nicht neu. So konnte der Sammler schon im „Lehrbuch der Briefmarkenkunde“ der Gebr. Senf (Leipzig 1905) nachlesen: „Feuchte oder verdorbene Luft wirkt auf Marken, die z.B. auf Briefen befindlich, in Briefbündeln oder Kisten derselben lange ausgesetzt sind, so zerstörend, dass eine Anzahl Marken braun, schwarzbraun bis schwarz gefärbt werden, die vorher gelb, grün, ziegelrot, blau usw. waren. Verdorbener Klebstoff greift oft derart an, dass die Farben für immer verloren sind, ja, was noch hässlicher ist, dass die Marken gefleckt werden, ohne dass es ein Mittel dagegen gäbe. Auch der Einfluss des Tageslichtes wirkt ungünstig auf die Farben der Marken, die z.B. bei Ausstellungen, mehrere Tage ausgesetzt sind. Natürlich richten die direkten Sonnenstrahlen noch viel mehr Schaden an, indem sie nicht nur Farben-Nuancen erzeugen, sondern die Farben oft vollständig vernichten, so dass schließlich nur noch das weiße Markenpapier und, wenn einer vorhanden ist, der Entwertungsstempel als Rest des ehemaligen Postwertzeichens übrig bleiben“. (S. 345) Die Literatur, auch dies hier zitierte Werk, benennt weiterhin die Gefahren beim Waschen von Briefmarken, die bei Marken mit leicht verwischbaren Farben Unheil (Ver-/Entfärberungen) anrichten können.

So findet der Leser des MICHEL Briefmarkenkataloges Europa 1938 schon bei den bayrischen Ausgaben von 1862 den Hinweis: „Durch chemische Einflüsse schwärzlich oder grüngelb gewordene Stücke von Nr. 8 können mit Wasserstoffperoxyd gereinigt werden“. Dieser Hinweis fehlte noch in der Ausgabe von 1935, und ist in Senf- Katalogen überhaupt nicht zu finden. Allerdings findet man sie auch in neueren Katalogauflagen nicht mehr, selbst nicht im MICHEL- Spezial, wenn der Autor nichts übersehen hat. Wohl aber findet sich bei Preußen Nr. l im MICHEL-Spezial 2002 der Hinweis „Vorsicht! Die Farbe der Mi.-Nr. l neigt zu Farbveränderungen (Oxidation)“, was chemisch völlig falsch ist, denn es handelt sich um Sulfidbildung. Und schon im MICHEL 1942 (dem Autor lag die Auflage 1944/45 vor), steht bei Preußen zu lesen: „Nr. 6-13 sind zum Schutz gegen Fälschungen mit einem netzartigen weißen Unterdruck von kohlesaurem Bleioxid versehen, der bei chemischer Behandlung mit Schwefelwasserstoff schwärzlich oder bräunlich hervortritt. Durch Feuchtigkeit schwarz gewordene Nr. l, 13 und 16 können durch Wasserstoffperoxid aufgefrischt werden“. BPP-Prüfer Dr. Oechsner, von Hause aus Chemiker, meint dazu: „Sehr gut, etwas laienhaft, aber richtig! In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass in der Philatelie leider der Begriff 'Oxydation' für jede Art einer Verfärbung gebraucht wird, was meistens falsch ist. Vielfach handelt es sich um Sulfidbildungen“. Interessant ist, dass im MICHEL Spezial 2002 nun zu lesen ist: „Bei chemischer Behandlung (Schwefelwasserstoff) oder unsachgemäßer Lagerung der Marken (Feuchtigkeit) tritt er (gemeint ist der Sicherheitsunterdruck, Anm. d. Autors) schwärzlich oder bräunlich hervor. Die Verfärbung lässt sich dann nicht mehr entfernen“.

Dazu stellt Dr. Oechsner weiterhin fest: „Dieser Satz ist unsinnig, da kein Sammler seine Marken bewusst mit dem - äußerst giftigen – Schwefelwasserstoffgas behandelt. Es muss klargestellt werden, dass Schwefelwasserstoff in Spuren bei jedem natürlichen Fäulnisprozess entsteht und daher mehr oder weniger überall (besonders in Wohnräumen) vorhanden ist. Es kommt auf die Art der Lagerung an (Durchlüftung!), ob und wie weit diese Umwelteinflüsse sich schädlich auf die Marken auswirken. Die Entfernung der Verfärbungen mit Wasserstoffperoxid hängt natürlich stark vom Ausmaß der Sulfidbildung ab. Ist sie sehr groß, wird sie schlecht rückgängig zu machen sein, ohne die Marke zu beschädigen.“ Als wirkliche Hilfe erweisen sich solche Anmerkungen in den Katalogen. Wie Peter Feuser seit nun fast drei Jahren in Schreiben an Albenverleger und später auch an die Verbände nachwies, wurde es immer dringlicher, - und es war auch seit Jahren literaturbekannt (siehe z.B. ein Bericht von Erwin Friese, Schöneck, über Verfärbung von Preußen-Marken in „Preußen-Studien 65-27). Wie lauten nun die genauen Fakten? Feuser stellte eine „erschreckende Häufung von chemisch veränderten Marken der klassischen Periode bis etwa 1880 fest“. Marken dieser Zeit sind in der Regel mit anorganischen Naturfarben gedruckt, erst danach mit synthetischen organischen Farben, und folgende Veränderungen konnte er dokumentieren:

1. Bestimmte klassische Markenfarben neigen aufgrund der Farbzusammensetzung zur „Oxydation“, vor allem Orange- und Gelbtöne (typisches Beispiel: Preußen Nr. l). Bei diesen Marken reichen offenbar schon unbedeutende äußere Einflüsse zur „Oxydation“, die es zu allen Zeiten gab (siehe MICHEL-Anmerkung oben), sich aber in letzter Zeit häufen.

2. Erstausgaben, die auf farbigem Papier gedruckt wurden (z.B. bei Baden und Württemberg) wurden glasig, färbten sich vorder- und/oder rückseitig schwarz und zerstörten sich zunehmend selbst.

3. Ausgaben, die einen normalerweise nicht sichtbaren Sicherheitsunterdruck als Schutz gegen Fälschungen haben (z.B. Preußen, zweite/dritte Ausgabe) weisen plötzlich infolge chemischer Farbveränderung den Unterdruck sichtbar aus.

Als Ursache glaubte Feuser Blattschutzhüllen identifizieren zu können, die jeweils links gelocht und an drei Seiten geschlossen sind, deren Inhalt somit weitgehend von der Luftzufuhr abgeschlossen sind. Auch die seit vielen Jahren zunehmend mehr verbreiteten Alben, die durchsichtige, aber verschweißte Folien aufweisen und auf Kartonagen angebracht sind, sieht er als mögliche Verursacher dieser zuvor geschilderten Schadensphänomene. Demgegenüber fand er keine Hinweise auf chemische Veränderungen bei Lagerung des Marken-/Briefmaterials in handelsüblichen Klemmtaschen, Einsteckbüchern, bei Falzbefestigung oder bei Kartoneinsteckkarten, selbst wenn letztere mit Schutzhüllen aus Kunststoff umgeben waren. Auch Briefalben mit Kunststoffblättern, bei denen ein Zwischenblatt aus Papier eingelegt ist, selbst die bekannten Kunststoffhüllen für Briefe und Ansichtskarten zeigten solche Vorfälle nur in vereinzelten Fällen. Interessant sind Feusers Feststellungen mit Hüllen, die der Bürohandel anbietet, die ja in der Regel nicht weichmacherfrei sind, was zumindest bei modernen Marken, bei denen man Wert auf Fluoreszenzerhalten u.a. legt, eine Rolle spielt. Bei Verwendung von billigen Leitz-Blattschutzhüllen traten die geschilderten Phänomene nicht auf und vergleichbares darf wohl für die dünnen Billighüllen anderer Hersteller gelten. Ebenfalls unbekannt sind sie ihm bei herkömmlichen Falzlosalben, bei denen Marken unter HAWID-Klemmtaschen konserviert sind.

Weitere Stellungnahmen

Wolfgang Flemming, BPP-Prüfer für Preußen, sind solche Phänomene ebenfalls nicht unbekannt. Die Preußen-Marken 1,13,15, aber auch Baden Nr. 22 und Lübeck Nr. 2 haben Farbbestandteile, die sich unter bestimmten Umwelteinflüssen (falsche Lagerung und Pflege, zuviel Feuchtigkeit) verändern können. Dies hätten auch gerade die IHK-Gutachten bei Schadensfällen infolge der Flutwasserkatastrophe 2002 im Osten einmal mehr bestätigt. Dr. Oechsner sieht auch modrige Luft, die in winzigen Mengen Schwefelverbindungen enthält, als möglichen Verursacher. Kolportiert wird auch das Erlebnis eines Auktionators, der eine Sammlung als Einlieferung entgegennehmen sollte, die in einem Tresor in der Nähe des Hausschwimmbades untergebracht war. Sie war ebenso verfärbt wie eine Bogensammlung Böhmen und Mähren eines Prüfers, die infolge 99% Luftfeuchtigkeit zu einem festen Block zusammengeklebt war. Peter Sem, ein auch in der Katalogliteratur ausgewiesener Experte der Ausgaben von Bayern und Thum & Taxis, kennt die Problemfälle ebenfalls seit längerem und kann Feusers Feststellungen, also auch die Zunahme dieser Fälle seit Mitte der 90er-Jahre, bestätigen, z.B. bei den Bayern-Marken Nr. 3,8 oder 11, aber auch bei 2 II, 7,9 und 10. Und zwar in solchen Fällen, in denen diese Marken für zwei bis fünf Jahre in Folienalben der in Frage kommenden Firmen aufbewahrt wurden.

Gutachten

Peter Feuser, der sich schon am 4. Juli 2000 an betroffene Albenhersteller wandte, sah seine Offensive zwar registriert, ohne dass daraus aber Handlungsalternativen erfolgten. Nach mehreren in seinen Augen vergeblichen Versuchen wandte er sich vor der letzten Internationalen Briefmarkenbörse in Sindelfingen 2002 nicht nur an den APHV (bei diesem hatte er schon mehrfach vorher interveniert), sondern auch an alle anderen Verbände und die Presse. Er legte u.a. ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten vor (PTS München, 4.7.2002), das sinngemäß zitiert feststellte, dass die Druckfarben der hier zur Klärung anstehenden Briefmarken einen extrem hohen Bleianteil aufweisen, die hinterfragten Folien einen Anteil von 0,5 Prozent Zinn-Schwefel- Stabilisatoren. Das Gutachten sieht in dieser Konstellation eine mögliche (allerdings auch nicht sichere!) Reaktionsbildung, bestimmte „langsame Migrationsvorgänge“, an deren Ende als Endprodukt Bleisulfid, ein extrem schwerlösliches und schwarz gefärbtes Schwermetallsalz entsteht. Selbst in kleinsten Spuren ruft Bleisulfid die belegten Verfärbungen hervor.

Was hier recht schlüssig klingt, wird aber - das sei deutlich betont - mit der Bemerkung „unter Umständen“, also mit Vorbehalt in diesem Gutachten vorgetragen. Der APHV sah sich deshalb besonders in der Pflicht, weil die in Frage kommenden Firmen ja seine Mitglieder sind, wohingegen der BDPh seine Mitglieder vor möglichen Schäden bewahrt sehen will. Feuser hatte angesichts der in seinen Augen schleppenden Verzögerung bei der Behandlung seiner Dokumentationen Ende 2002 den Austritt aus dem APHV erklärt. Am 27. März erklärte die Verlegergruppe des APHV ihre weiteren Aktivitäten: „Im November 2002 hat der APHV - Bundesverband des Deutschen Briefmarkenhandels - nach zahlreichen Einzelgesprächen eine Kommission von verschiedenen Experten der Philatelie eingesetzt, um Fragen zur Unterbringung klassischer Briefmarken zu klären. Insbesondere geht es darum, Ursachen von Verfärbungen bei Briefmarken der klassischen Periode bis ca. 1880 festzustellen, die offenbar auch bei sorgfältiger längerfristiger Lagerung eintreten können. Verschiedene Stimmen konstatieren Zusammenhänge mit chemischen Substanzen in den Briefmarken selbst und in verschiedenen Alben- und Folienprodukten, deren Inhaltsstoffe in eine Wechselwirkung treten können, (siehe dazu auch die Pressemitteilung des APHV in philatelie Nr. 306, 57). Die „Folien-Kommission“ hat im Auftrag des APHV in den zurückliegenden Monaten mehrfach getagt und die Problematik aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet. Dabei wurden auch Veröffentlichungen bekannt, die zeigten, dass bereits seit rund 100 Jahren bei diversen Briefmarkensorten von Verfärbungen berichtet wird, die unterschiedlichen Ursachen zugeschrieben wurden. Inzwischen vorliegende Gutachten aus den Jahren 1977 bis 2003 ermöglichten keine eindeutige Aussage darüber, ob sich eine ursächliche Schädigung klassischer Marken durch die Unterbringung in bestimmten Folien nachweisen lässt.

Um ein abschließendes Urteil zu erhalten, beschloss die Kommission, ein Gutachten bei der EMPA, Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in St. Gallen/Schweiz, einem der renommiertesten Institute Europas, in Auftrag zu geben. Die EMPA hatte bereits Jahre zuvor Folienmuster beanstandeter Alben untersucht. Unter Darstellung der Sachlage richtete APHV-Präsident Carl-Heinz Schulz im Januar 2003 ein Schreiben an die EMPA mit der Frage: „Ist es Ihnen möglich, bei Zurverfügungstellung des entsprechenden Briefmarkenmaterials und aller handelsüblichen Aufbewahrungsmaterialien im Rahmen einer Langzeit-Simulation die entsprechenden Wechselwirkungen zu untersuchen und zu belegen?“ Die Antwort von Dr. A Ritter, Chemiker der Polymeranalytik vom 10. Februar 2003 ist ernüchternd. Aufgrund der geschilderten Problematik sah sich die EMPA nicht in der Lage, ein allgemein gültiges Gutachten zu erstellen. Der APHV sieht damit seine Chancen erschöpft, anhand von Analysen eine eindeutige Bestimmung der Ursachen solcher Veränderungen zu erreichen und ein eindeutiges, für alle Seiten akzeptables Abschlussurteil vorlegen zu können. Solange es ausschließlich Gutachten gibt, die von den Beteiligten je nach Interessenlage interpretiert werden können, ist es dem Verband unmöglich, hier als letzte Instanz zu fungieren. „Soweit der erste Teil der Erklärung der Verleger im APHV. Sicherlich wird man das Ergebnis unterschiedlich werten können und Beteiligte wie Betroffene finden hier ein Feld vor, das es eben keiner der beiden Seiten leicht macht, sich entweder frei von Verursachung zu sprechen oder eben einen „Mohr“ gefunden zu haben, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann. Teure Schadensersatzprozesse sind damit ebenso aus dem Felde wie die moralische Gewissheit, eine reine Weste zu haben. Kriminaljuristisch könnte man dies als „Freispruch mangels Untersuchungsmöglichkeit“ bezeichnen.

Es ist auch bemerkenswert, dass der APHV hier die Verlegergruppe speziell in der Pflicht sieht, also eigentlich gerade die Gruppe, die von Feusers Kritik ausschließlich getroffen war. Nach außen hin wäre es vielleicht der Sachklärung dienlicher gewesen, wenn eine dritte, unparteiische Instanz hier gehandelt hätte. So fällt auf, dass in dem Gutachten der EMPA durchaus ausdrücklich davon die Rede ist, dass die Problematik „solcher Migrationen“ bekannt sei; dies taucht aber in der Erklärung der Verlegergruppe des APHV nicht mehr auf! Über die Gründe kann man nur spekulieren, aber gerade dies ist dem Ernst der Sachlage nicht angemessen. Zufrieden stellen kann dies keine der Parteien, zumal damit Unterstellungen Tür und Tor geöffnet ist. Dies argwöhnt wohl auch der APHV-Bundesverband, der im zweiten Teil seiner Pressemeldung hervorhebt: „Der APHV hat unternommen, was ihm möglich war; er hat nichts unversucht gelassen, um Klarheit in diese Problematik zu bringen, und er wird sich auch. weiterhin für jede Erörterung dieses Problems zu Verfügung stehen. Der APHV hat sich zu keinem Zeitpunkt einer Verantwortung entzogen oder vor Stellungnahmen gedrückt. Aber Schuldzuweisungen aufgrund einer unbeweisbaren Sachlage können und dürfen nicht die Sache des Verbandes sein. Um so wichtiger ist es nun, eine Eingrenzung der betroffenen und gefährdeten Briefmarkensorten vorzunehmen.

Angesichts der geringen Resonanz betroffener Sammler nach den bisherigen Veröffentlichungen bleibt zu hoffen, dass der Anteil geschädigter Stücke geringer ist als von manchen Seiten dargestellt. Bei aller Bedeutung dieser Untersuchungen ist darauf hinzuweisen, dass rein mengenmäßig betrachtet nur ein minimaler Prozentsatz an Briefmarken von der geschilderten Problematik betroffen ist. Ausgaben aus der Zeit ab ca. 1880 sind nach allen bisherigen Erkenntnissen nicht in der dargestellten Weise sensibel für Materialeinflüsse. Seit wenigen Tagen liegt nun ein weiteres Gutachten vor, in dem der untersuchten Folie ausdrücklich Wirkungsneutralität in Bezug auf die getesteten klassischen Marken bescheinigt wird. Der APHV appelliert an alle, die sich in dieser Angelegenheit engagieren, Fairness und Sachlichkeit in der teils äußerst kontrovers geführten Diskussion walten zu lassen. (Köln, im März 2003)

Fachgruppe Verleger im APHV

Aktiver Verbraucherschutz

Verbraucherschutz ist etwas anderes als was in der APHV-Erklärung zu lesen ist. Verbraucher- und Sammlerschutz sind konkrete Vorschläge, was der Sammler tun kann, um künftigen Schäden vorzubeugen, aber auch eine Information darüber, was die Verleger solcher PVC-Folien nunmehr bereit sind, ggf. zu ändern. In Ermangelung konkreter Vorgaben seitens des APHV versucht der Autor einmal das zusammenzutragen, was aus der ganzen leidigen Diskussion als Handlungsalternativen sich abzeichnen könnte, natürlich ohne für sich Expertenkenntnisse in Chemie oder eine Art göttlicher Eingebung in Sachen Verfärbungen in Anspruch zu nehmen:

• Das hier geschilderte Phänomen betrifft nur bestimmte klassische, damit auch altdeutsche Marken, also Marken, die meist vor 1880 hergestellt wurden. Sammler moderner Marken des 20./21. Jahrhunderts können (vorerst) aufatmen.

• Es betrifft wohl primär - und dies auch in Zukunft - Marken/Briefe/Ganzsachen, die nahezu luftdicht in solchen Folien, und zwar in PVC-Folien langfristig ohne Belüftung gelagert wurden.

• Faktoren wie erhöhte Luftfeuchtigkeit, Modrigkeit, mangelnde Durchlüftung, eventuell auch Druck bei der flächigen Lagerung, können das Problem der Verfärbung verstärken, vielleicht gar (mit?) hervorrufen.

Was kann man also tun? Im Prinzip ergeben sich Handlungsanweisungen aus den möglichen Ursachen. Grundsätzlich sollte man als Sammler und Besitzer dieser und vergleichbarer Marken (das Phänomen dürfte ja auch für so manche klassische Marke, aus Alteuropa und Übersee gelten!):

• langfristig diese Marken nicht in PVC-Folien aufbewahren, sondern ausschließlich außerhalb solcher Folien;

• längerfristige Aufbewahrung ist – nach dem derzeitigen Kenntnisstand - ungefährlich in Polystyrol-Folien, aus dem die bekannten HAWID-Taschen und vergleichbare Produkte anderer Hersteller mit anderen Produktnamen gefertigt sind;

• Aussteller sollten Blattschutzhüllen nur kurzzeitig (also nur für die Ausstellungszeit) verwenden, danach die Hüllen direkt wieder entfernen;

• Briefmarkenmaterial ist in trockenen, gut durchlüfteten Räumen aufzubewahren, es sollte von Zeit zu Zeit gewendet und „bewegt“ werden;

• Alben sollten stehend, also nicht liegend, aufbewahrt werden, ohne Druck für die Alben entstehen zu lassen;

• direkte Sonneneinstrahlung und zu viel Licht ist zu vermeiden;

Auch, wenn die Verlegergruppe in ihrer Erklärung offenbar keine Notwendigkeit sah, Konsequenzen für die künftige Produktion von PVC-Hüllen anzudeuten, so scheint es doch ratsam, diese Produzenten an ihre Verpflichtung für den Schutz der Briefmarken zu erinnern. Dabei sei hier nicht der Eindruck erweckt, dieser würde nicht von diesen ernst genommen. Gerade die deutschen Hersteller haben sich zu allen Zeiten sehr bemüht, hohe Qualitätsstandards zu entwickeln und diese über die Jahre auch aufrecht zu erhalten. Und zweifelsohne wird kein Hersteller wissentlich das Risiko eingehen, ein gefährdendes Material auf den Markt zu bringen, würde er sich damit doch sein eigenes „Grab“ schaufeln. Dennoch sollte hier auch künftig der Zusammenhang von mangelnder Luftzuführung, also Belüftung, bei dreiseitig geschlossenen PVC-Folien und deren mögliche Folge mit zusätzlichen Gutachten und Experimenten untersucht werden. Denn dass dies nicht untersuchungsfähig sein könne, wäre ja ein „Witz der Philateliegeschichte“. Es mag dahingestellt bleiben, ob eine direkte ursächliche Reaktionsbildung als Wirkursache von einzelnen Folien, also unabhängig von Temperatur- und Luftverhältnissen, erfolgt oder nicht. Nicht dahin gestellt bleiben darf allerdings der Zusammenhang zwischen der Verwendung der Folien und der daraus möglicherweise resultierenden Folgen als „Begleiterscheinung“.

Denn, was für Medikamente gilt (Beipackzettel!), gilt sicherlich auch für solche Produkte, was nichts anderes heißt, als dass der Hersteller eine Verpflichtung hat, auf Fehlverwendungen und daraus evtl. resultierenden Folgen hinzuweisen. Und wenn man es nicht weiß, frage man eben seinen Arzt oder Apotheker. Und die Frage an die Verleger, ob durch technische Veränderung der Folien, z.B. Folien-Belüftungsschlitze bzw. innenseitige kleine Kunststoffnoppen, die einen Luftzirkulationsabstand von Folien zum Albenblatt belassen, dem Problem nicht gar vorzubeugen wäre, - diese Frage ist ebenfalls künftig noch zu beantworten. Angesichts der nach wie vor offen stehenden Problemfragen muss auch die Anfrage an die Verlegergruppe im APHV erlaubt sein, ob in künftigen Prospekten und Werbeangeboten für die hier angesprochenen Hüllen dieser Verlage nicht entsprechende Verwendungs- bzw. Ausschlusshinweise enthalten sein sollten.

Ein Problem mit Zukunft

Bisher lehnte sich der Sammler moderner Marken- und Briefware noch ruhig und gelassen in seinen Sessel zurück. In einem zweiten Teil dieses Berichtes wird noch zu zeigen sein, dass die Zukunft auch für diese Sammler ihre Überraschungen bereit hält. Das Thema moderne Druckverfahren, Gummierungsarten und Stempeltypen erweist sich gerade in den letzten Jahren als ausgesprochen vielfältig. Thermo-, InkJet-, Laserdruck, selbstklebende Gummierung oder gar nun auch Tinten-Strahl-gedruckte Stempel: hier eröffnet sich ein weites Feld. Und wohl keiner findet es sehr erfreulich, wenn er teuer erworbenes Material in zehn oder 20 Jahren vielleicht bestenfalls noch auf einem Auktionskatalog-Ausschnitt oder einer Kopie als das erkennen kann, was es ursprünglich einmal war. Eines ist sicher: die Zukunft hat schon begonnen, wohl aber auch, dass man mit der nötigen Sorgfalt und Weitsicht der Mehrzahl denkbarer Probleme durchaus vorbeugen kann. Panik ist ebenso wenig angesagt wie fahrlässige Verallgemeinerung, wohl aber sachliche Information und differenzierte Problematisierung.

Wolfgang Maassen, überarbeitet M. M.

(Quelle: http://www.sammlerstube.net/bibliothek/philatelie/034.html)
 
doktorstamp Am: 15.12.2007 15:24:14 Gelesen: 113622# 2 @  
@ Richard

Dieses Thema nochmals in Anbetracht dessen was auf anderen Seiten geschrieben war, und meine persönliche Stellung hierzu.

1. Bewiesen ist im Grunde genommen gar nichts. Das Problem, eher einer schlechten Lagerung, ist seit jeher bekannt. Folien dagegen haben erst in den letzten 30 Jahren oder so Verwendung gefunden. Probleme hat es damit gegeben, ich verweise auf Weichmacher und ähnliches. Diese sind, wenn man Folien welche für die Philatelie entwickelt worden waren kauft, behoben.

2. Bekanntlich und nicht zu verleugnen liegen die Schadstoffe, Blei, Kadmium, Kobalt usw. selbst in den Markenfarben, nicht in den Folien.

3. Es konnte auch nicht nachgewiesen das die Folien als Art Katalysator samt Mikroklima Farbveränderungen sollen verursacht haben, geschweige denn diese Reaktionen beschleunigt haben.

4. Bewiesen dagegen "schlechte Lagerung" läßt einiges entwickeln, Pilze, Stockflecken, etc, und zu gutem letzt, Farbveränderungen.

5. Als Berufsphilatelist habe ich schon einige Sammlungen gesehen. Wovon viele der schlechten Lagerung nach gelitten hatten. Dachboden (Temperaturschwankungen), Keller (Nässe), aus einer Truhe (wo sie mal 60 Jahre oder mehr gelegen haben, und die rochen ganz schön muffig). Im Gegensatz; Sammlungen die in Folien vorgezeigt waren, da waren die Marken und Belegen tip top sauber. Zu welchem Entschluß, würden sie, meine Herren und Damen, kommen ?

mfG

Nigel
 
Jürgen Witkowski Am: 27.12.2007 20:06:49 Gelesen: 113575# 3 @  
Durch Aufbewahrung in Kunststofffolien gefährdete deutsche Nachkriegsausgaben

Christian E. Geigle, BPP-Mitglied schreibt zu diesem Thema im BDPH-Forum:

Das Thema "Schäden durch Kunststofffolien" ist nicht nur bei klassischen Marken von höchster Brisanz, sondern auch bei Nachkriegsausgaben.

Ich kenne aus jüngster Zeit folgende Marken, die sich unter Folien bekannter Hersteller farblich verändern:

Bund Mi.-Nr. 119, 136, 169 (hat schon mal jemand Bund Bl. 2 F gesehen? Die Fehlfarbe "Dunkelbräunlichrot"? Ich nicht. Ich glaube, daß auch diese "Fehlfarbe" nur eine Verfärbung durch Folieneinfluß ist.)

Berlin Mi.-Nr. 103, 118

Kontrollrat Mi.-Nr. 919

Bizone Mi.-Nr. 55

Beim Deutschen Reich sind nach meinen Beobachtungen folgende, teils sehr teuren Marken besonders gefährdet: Mi.-Nr. 3, 8, 63 a, 66, 81, 94, I/II, IV/VI sowie alle Überdrucke mit diesen Marken (etwa Saar Mi.-Nr. 17 usw.).

Die Aufstellung ist natürlich nicht vollständig, aber wer aufmerksam Auktionskataloge studiert, kann meist schon auf den Farbtafeln die übelsten Farbveränderungen feststellen.

Ein langjähriger Kunde von mir hat nur beim Deutschen Reich einen Schaden von über 20.000 Euro bei postfrischen Marken, die ich in tadelloser Erhaltung mit zeitnahen/neuen Farbfotoattesten geliefert hatte. Nach etwa drei Jahren waren teils krasse Farbveränderungen roter und gelber Marken in Richtung braun/schwarz festzustellen. Die Aufbewahrung war in fabrikneuen Ganzkunststoffblättern eines deutschen Herstellers ohne zusätzliche Hawid-Taschen erfolgt, d. h. Vollkontakt mit der Folienoberfläche.

Vor diesem Hintergrund und meinen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen aus den vergangenen 20 Jahren bleibt für mich nur EIN Fazit:

Es gibt eine Reihe von Marken, die beim Kontakt mit bestimmten Kunststofffolien zur Farbveränderung neigen. Wer das Gegenteil behauptet (und die Albenhersteller tun das ziemlich offen!), handelt wider besseres Wissen und vorsätzlich falsch.

Die notwendige Konsequenz wäre dabei eine ganz einfache: Durch das Erstellen einer "Negativ-Liste" werden alle Markenausgaben benannt, die gefährdet sind, und es wird dringend empfohlen, diese nicht in bestimmten Folien unterzubringen. Vielleicht ringen sich die Hersteller ja noch einmal zu einem solchen Schritt durch. Dann könnten sie sich auch die Ausgaben für allerlei Gutachten sparen, mit denen sie die Unbedenklichkeit ihrer Produkte untermauern wollen, die aber bei Eingeweihten nur ein müdes Lächeln hervorrufen, da sie längst mit eigenen Augen die Wahrheit gesehen haben.

Peter Feuser gilt unser aller Dank und Hochachtung, daß er sich als Einzelkämpfer für diese Problematik eingesetzt hat, die gewaltige Werte und damit auch Vermögen vernichtet. Leider hat PF nicht die notwendige Unterstützung der Verbände (und hier namentlich des BDPH!) erhalten, so daß er sich aus Zeit- und finanziellen Gründen gezwungen sah, den publizierten Kompromiß mit den Albenherstellern einzugehen, die ihn sonst "am langen Arm" hätten verhungern lassen.

Es bleibt zu hoffen, daß die PHILATELIE den Mut hat/behält, sich dieses Themas langfristig anzunehmen. Aufgrund ihrer relativen wirtschaftlichen Unabhängigkeit vom Anzeigengeschäft bin ich aber recht hoffnungsvoll.

Christian Geigle

(Quelle: http://www.bdph.de/forum/showthread.php?t=5514)
 
Jürgen Witkowski Am: 28.12.2007 14:37:51 Gelesen: 113561# 4 @  
Peter Feuser, der die Folienproblematik als erster öffentlich machte schreibt im BDPH-Forum dazu:

"Hier einmal einmal ein Auszug aus dem Text des Sammlers Erwin Friese (aus den Preußen-Studien 65, S. 27, 1996):

"Seit etwa 1976 sammle ich preußische Marken, Briefe und Ganzsachen. Diese bewahrte ich zunächst in einem Einsteckalbum auf. Als dann mehr Material zusammenkam, begann ich, die Stücke auf Blancoblättern der Firma Lindner aufzuziehen und in Lindner Ringbindern abzulegen. Darin lagert das meiste Material nun schon seit über 18 Jahren, stets zu meiner vollen Zufriedenheit. Ein einziger Nachteil war, dass die Blätter durch das Umblättern unansehnliche untere Ecken bekamen.

Vor ca. einem Jahr beschriftete ich die Albumblätter ausstellungsmäßig und schob sie in Klarsichthüllen der Fa. Lindner, um den oben vermerkten Nachteil zu umgehen. Ich dachte mir nichts Schlimmes dabei, preist Lindner doch seine Folien als weichmacherfrei und unbedenklich an.

Nach einiger Zeit bemerkte ich, dass bei einem kürzlich ersteigerten Brief die zwei Mi.Nr. 13 schwarze Flecken bekamen. Ich beobachtete die Sache über ein paar Monate genauer und stellte dabei zu meinem Schrecken fest, dass fast alle Mi. Nr. 1, 13 und 15 ähnliche Erscheinungen zeigten, mal mehr, mal weniger.

Als ich dann noch feststellte, dass bei ganz vielen Marken aus Mi.Nr. 6 bis 12 der Schutzunterdruck sich schwarz fäbte, wollte ich aus Frust schon das Sammeln an den Nagel hängen. Bei einem Gespräch mit Dr. Müssig erfuhr ich, dass in den Lindner-Folien kleine Mengen Schwefels sei..."

Die Antwort der Fa. Lindner ist anfangs des Artikels in der Januar-PHILATELIE zu ersehen. Nicht abgedruckt wurde dort der folgende Satz: "Wir müssten ja hunderttausende Reklamationen haben, wenn man diesen Leserbrief liest, denn dann hätten ja alle Sammler diese Probleme."

Ähnliche Reklamationen erhielten die hauptbetroffenen Albenhersteller bereits Ende der Siebziger Jahre von Sammlern, Händlern und Prüfern, ohne diese mit der gebotenen Sorgfalt und Verantwortung wahrzunehmen.

Die Lindner-Transparentalben der ersten Generation (ca. 1972-1975), deren Folien sich wellten und deshalb unschön wirkten, enthielten keinen schwefelhaltigen Stabilisator (der die Folien längerfristig haltbar und eben machte und als Vergilbungsschutz diente), und verursachten deshalb auch keine Bleisulfidschäden; eine in zwei solcher Transparentalben der ersten Generation untergebrachte Preußen-Spezialsammlung, die vor einigen Jahren in Hannover versteigert wurde, wies keinerlei Bleisulfidschäden bei einigen hundert Marken auf. Man mag sich nicht auszudenken, wenn der betreffende Sammler nur wenige Jahre später ein "neues" Transparentalbum eines x-beliebigen Herstellers erworben hätte, da der größte Teil der Preußenmarken dazu neigt, sich unter PVC-Folien zu verfärben."

(Quelle: http://www.bdph.de/forum/showthread.php?t=5514)
 
Richard Am: 28.12.2007 20:19:16 Gelesen: 113553# 5 @  
Aktueller Rundbrief des Berliner und Münchner Ganzsachensammlervereines 2/2007, Seite 113, Rubrik neue Literatur

Bleisulfitschäden bei klassischen Briefmarken, Stuttgart, Selbstverlag 2007, 8 Seiten, Peter Feuser

Zitat des Redakteurs:

Der Mut Peter Feusers, als Einzelner für die geschädigten Sammler, die ja z.T. seine Kunden waren, vor Gericht zu ziehen, ist bemerkenswert.

Es gibt philatelistische Vereinigungen, von denen man dies eher erwartet hätte! Die Altdeutschlandsammler sollen es ihm danken und für die Verbreitung der kleinen Schrift sorgen.

Und wo bleibt der Schutz der Sammler durch den BDPh?
 
Richard Am: 03.01.2008 10:32:50 Gelesen: 113523# 6 @  
Peter Feuser hat sich im BDPh Forum erneut geäussert und ist gerne einverstanden, das Thema in möglichst vielen Foren zu verbreiten, da er nicht überall schreiben kann. Diesem Wunsch komme ich gerne nach.

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Halten wir doch mal fest, was an eindeutigen Tatsachen in dieser Angelegenheit feststeht und geben auch noch einige widersprüchliche Gutachten hinzu, von denen sich jeder seine eigene Meinung bilden kann:

1.) Eine sehr große Anzahl Sammler und Händler hat folgende Erfahrung gemacht: Farblich einwandfreie Marken, die in Hart-PVC-Folien der verschiedenen Hersteller von philatelistischen Bedarfsartikeln und Artikeln des Bürofachhandels untergebracht wurden, verfärbten sich nach mehr oder weniger kurzer Zeit und erlitten deutliche Wertverluste. Bei normaler Lagerung in anderen Albensystemen, auch unter anderen Kunststoffen ohne Schwefelanteile und Weichmacher, waren keine ähnlichen Schäden festzustellen.

2.) In allen Fällen dunkelten die Druckfarben nach, teilweise bis zur völligen Schwarzfärbung. Hinzu kamen auch Schwarzfärbungen und Zerstörungen der Papierstruktur bei eingefärbten Papieren und das Hervortreten von normalerweise unsichtbaren Unterdrucken.

3.) Es steht aufgrund verschiedener Gutachten (u.a. PTS, München) fest, dass es sich bei diesen Veränderungen um sog. Bleisulfidschäden handelt.

4.) Bleisulfid ist ein schwarz gefärbtes Schwermetallsalz, das durch eine chemische Verbindung von Blei und Schwefel entsteht und bereits in winzigen Spuren die oben genannten Veränderungen an vorrangig mit Naturfarben gedruckten klassischen Marken herbeiführen kann (Gutachten PTS u.a.).

5.) Untersuchungen haben ergeben, dass die Druck- oder Papierfarben geschädigter Marken mehr oder weniger hohe Anteile an Blei aufweisen, was im seinerzeit üblichen Herstellungsverfahren für Briefmarken bzw. Farben begründet ist.

6.) In den handelsüblichen Hart-PVC-Folien befindet sich als Zusatz ein schwefelhaltiger Zinnstabilisator (ca. 0,5-0,7 %), der den Kunststoff glatt und längerfristig haltbar machen soll.

7.) Nach Meinung verschiedener Institute (u.a. Papiertechnische Stiftung PTS, Eidgenössische Materialprüfungsanstalt EMPA, Bundesanstalt für Materialforschung) kann dieser schwefelhaltige Stabilisator in langsamen Migrationsprozessen austreten und mit dem Blei in den Briefmarken eine chemische Verbindung eingehen, was zur Bleisulfidbildung führen und damit die Schädigung oder Zerstörung der Marken auslösen kann. Nach Auffassung dieser drei Institute sind derartige Migrationen eindeutig nachgewiesen und damit Tatsache.

8.) Nach Meinung des Otto-Graf-Instituts der Universität Stuttgart bzw. des Steinbeis-Tranferzentrums, Reutlingen, die im Auftrag der Firmen Lindner bzw. SAFE tätig wurden, kann ein Austreten des Schwefels aus den Folien nicht nachgewiesen werden.

9.) Nach einem Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung kann eine Ursächlichkeit der PVC-Folien für die Farbschäden nur durch einen Langzeitversuch eindeutig gerichtsverwertbar nachgewiesen werden.

10.) Nach diesem Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung ist für die Bleisulfidbildung und damit die Markenschäden das Zustandekommen eines sog. Mikroklimas erforderlich, d.h., die Marken müssen ganz oder weitgehend von der normalen Außenluft abgeschnitten sein. Nach dem Gutachten könnte in den PVC-Folien ein solches Mikroklima entstanden sein.

11.) Obwohl die Alben- und Zubehörhersteller seit Ende der Siebziger Jahre (!) von Sammlern und Händlern immer wieder mit Markenschäden aufgrund der Unterbringung in PVC-Folien konfrontiert wurden, haben sie keine Maßnahmen zur Schadensbegrenzung eingeleitet. Deutlicher werdende Kritik an diesem Verhalten wurde mit einstweiligen Verfügungen und Androhung von Schadenersatzforderungen beantwortet.

12.) Der Berufsverband des Briefmarkenhandels (APHV) stützt wider besseres Wissen die Position der hauptbetroffenen Alben- und Zubehörhersteller. In einem Kommentar der BRIEFMARKENREVUE 1/2008 erweckt der APHV-Präsident Arnim Hölzer unverändert den Eindruck, die Marken selbst seien schuld an ihren Verfärbungen.

13.) Der Vorstand der Interessenvertretung der Sammler, der BDPh, hat sich unseres Wissens bisher nicht öffentlich zu der ihm spätestens seit 2002 bekannten Problematik geäußert oder auf die Albenhersteller Druck ausgeübt, sondern überlässt Kommentare und Informationen dazu dem Redakteur der Hauszeitschrift PHILATELIE.

14.) Nach Angaben der verschiedenen Hersteller von Hart-PVC-Folien sind diese völlig weichmacher- und säurefrei. Dies ist falsch. Die zur Zeit handelsüblichen Hart-PVC-Folien enthalten sowohl chemische Weichmacher (Phthalate) als auch "natürliche" Weichmacher (Ölsäure-Ester u.ä.). Es ist mir nicht bekannt, dass die zur Zeit in den PVC-Folien verwendeten Weichmacher Markenschäden verursachen können.
 
Jürgen Witkowski Am: 09.01.2008 23:44:41 Gelesen: 113497# 7 @  
Liste mit besonders gefährdeten deutschen Marken

Im BDPh-Forum hat Peter Feuser am 09.01.2008 eine Liste mit besonders gefährdeten deutschen Marken veröffentlicht:

"Die nachfolgende Liste enthält deutsche Marken bis etwa 1920, die nach meinen Beobachtungen relativ häufig, sehr häufig oder sogar grundsätzlich bei Unterbringung unter Hart-PVC-Folien geschädigt werden.

Darüber hinaus leidet auch bei den meisten der hier nicht aufgeführten altdeutschen Marken die Farbfrische, und Farben werden wabbelig und körnig. Üblicherweise gelten solche Marken als noch einwandfrei, selbst wenn sie, gemessen am ursprünglichen Zustand, an Qualität eingebüßt haben.

Die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Besonders im Handel seltener anzutreffende Marken können mit einer solchen Liste, die ein Einzelner erstellt hat, kaum vollständig erfasst werden.

Klasse Ia: * -Marken, deren Druckfarbe häufig bereits nach etwa einem Jahr unter Hart-PVC durch Dunkelfärbung farblich beeinträchtigt werden kann.

Klasse Ib: *+ - wie vor, jedoch mit zusätzlicher Schwarzfärbung rückseitig.

Klasse II: ** - Marken, deren Papierfarbe sich vorder- und rs. schwarz färben kann (in der Regel nach mehr als 5 Jahren).

Klasse III: *** - Marken, deren normalerweise unsichtbarer Unterdruck hervortritt.

Baden: 2**, 4**, 11*, 16*,18*
Bayern: 2*, 3*, 5a/b*, 7*, 8*+, 9*, 11*, 15*, 16*, 20*, 23*, 45*, 55*
Braunschweig: 1*, 3*, 16*, 18*, 20*
Bremen: 4c ** (gestriches Papier, Bleiweiß)
Hannover: 3**, 4**, 16*
Lübeck: 2*, 3*, 7*, 9*+
Mecklenburg-Schwerin: 4*, 5*
Oldenburg: 9*, 13*, 16*+
Preußen: 1*, 2**, 4**, 6*/***, 7*/***, 8*/***, 9*/***, 10*/***, 11*/***, 12 */***, 13*, 15*, 16*, 18*, 19*, 22*, 23*, 24* (auch Neudrucke)
Sachsen: 1*, 4**, 6**, 9*, 10*, 12*, 15*, 16*, 18*, 19*
Schleswig-Holstein: 2*, 3*, 8*,10*, 14*+, 15*, 17*, 18*+ 20*+, 22*, 23*, 25*
Thurn und Taxis: 6**, 8**, 9**, 10**, 13*, 15*, 16*, 17*, 18*, 19*, 21*, 22*, 23*, 25*, 27*, 28*, 29*, 30*, 31*, 34*, 37* 38*, 39*, 40*, 42*, 44* (auch ein großer Teil der Neudrucke von 1910)
Württemberg: 2**, 4**, 7*, 9*, 12*, 14*, 17*, 19*, 22*, 26*, 29*, 31*, 34*, 38*, 41*, 50*, 53* (auch Neudrucke)
Norddeutscher Postbezirk: 3*, 4*, 8*, 15*, 16*, 20* (13-21 auflagenabhängig auch ***)
Deutsches Reich: 2*, 3*, 4*, 7*, 8*, 9*, 19* (auflageabhängig), 25* (auflageabhängig), 49*, 63*, 66*, 81*, 94*, Flugpost I*, II*, IV*, V*, VI*

Betroffen sind auch zahlreiche Ganzsachen, vorphilatelistische Stempel in roter Farbe, rot gedruckte Postformulare, Klebezettel u.ä."
 
- Am: 25.01.2008 09:12:35 Gelesen: 113439# 8 @  
Zur ergänzenden Veranschaulichung habe ich begonnen die folien-gefährdeten Briefmarken hier abzubilden: http://www.wertfauna.de.

Bislang sind die Altdeutschen Staaten mit Baden, Bayern, Braunschweig, Bremen, Hamburg und Hannover aufgeführt. Es folgen morgen Preussen, Teil 1 und am Sonntag Preussen, Teil 2.
 
Richard Am: 06.02.2008 23:45:40 Gelesen: 113280# 9 @  
'Silberlocke' schrieb heute im Briefmarken Cafe den folgenden Beitrag. Da alle Beiträge dort nach etwa zwei Tagen verschwinden, möchte ich ihn gerne auf die Philaseiten übernehmen:

Aufgrund der Bleisulfidschäden bei u.a. altdeutschen Marken habe ich heute neue Blattschutzhüllen des Typs SECOL bestellt. Ich hatte der Firma das Problem geschildert und folgende Antwort erhalten, die ich auszugsweise hier weitergeben möchte:

"Ich wurde bereits durch einen anderen Sammler auf das Forum hingewiesen, in dem diese Thematik seit Ende 2007 heiß diskutiert wird. Wir haben einmal vor ca. 5 Jahren versucht, uns einen Überblick über die Marktsituation und das Produktangebot für Philatelisten, ein Bild zu verschaffen. Hierbei haben wir zu unserem Erstaunen festgestellt, dass alle einschlägigen Anbieter Ihre Hüllen aus Hart-PVC herstellten. Im Archiv-und Museumsbereich ist die Verwendung dieses Kunststoffes seit längerem völlig ausgeschlossen aufgrund des zwar geringen, aber dennoch vorhandenen Anteils an Weichmachern. Kunststoffe wie Polethylen, Polypropylen und insbesondere Polyester sind hierbei unbedenklich, solange sie nicht allzu viele Additive und Füllstoffen enthalten. Polyester bietet aufgrund seiner Klarheit und Brillanz ein ähnlich gutes Ergebnis wie das Hart-PVC.

Dennoch muss ich Sie auf etwas hinweisen, was Herr Feuser auch hervorgehoben hat. Er mutmaßt, dass nicht allein die Weichmacher verantwortlich sind für die Bleisulfidschäden, sondern auch das Mikroklima innerhalb der Hüllen. Die Gefahr eines solchen Mikroklimas haben Sie natürlich in jeder Kunststoffhülle, da allesamt nicht atmungsaktiv sind. Wir sind derzeit daran, ein neues Produkt zu entwickeln, das aus einer Kombination eines gepufferten und alterungsbeständigen Kartons besteht, auf dem Polyesterfolie aufgebracht wird. Durch diese Kombination liesse sich das Risiko eines Mikroklimas deutlich senken, da der alterungsbeständige Karton seine Filterfunktion wahrnehmen und einen Luftaustausch zulassen würde. Da sind wir jedoch noch in den ersten Entwicklungsschritten, zumal es recht kompliziert ist Polyester mit einem Karton zu verbinden, ohne auf lösungsmittelhaltige Klebstoffe zurückgreifen zu müssen. Insofern haben Sie, mit Ihrer Bestellung sicherlich die derzeit beste Lösung gewählt, die es für diesen Bereich gibt."
 
22028 Am: 13.02.2008 16:31:10 Gelesen: 113177# 10 @  
Antwort eines Albenherstellers auf meine Mail mit der Nachricht dass ich deren Produkte, welche ich Jahrelang in großen Mengen verwendete, ab sofort nicht mehr verwende.

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Sehr geehrter Herr Fuchs,

ich gebe Ihnen Recht, das Thema wird viel aber auch unsachlich und einseitig diskutiert. Unsere Einstellung zu diesem Thema resultiert aus unserer fast 40-jährigen Erfahrung mit Hart-PVC und aus zahlreichen Materialuntersuchungen.

Wir haben unsere Folien im Jahre 2002 auf ihre Eignung zur Verwendung bei klassischen Marken bei der Universität Stuttgart untersuchen lassen. Daraus ergab sich, dass die Schwefelverbindungen aus der Folie nicht austreten können, um mit der Bleifarbe zu reagieren. Vielmehr ergab sich, dass die Marken sich in einem langsamen Prozess im Laufe vieler Jahre durch den Schwefelwasserstoff in der Umluft verändern können.

Ich denke, dass durch einige wenige Meinungen die gesamte Sammler- und Händlerschaft verunsichert wurde und ich möchte ausdrücklich meine Bedenken gegenüber Alternativfolien aussprechen, da diesbezüglich noch gar keine Untersuchungen und Erfahrungswerte vorliegen.

Für uns ist die sog. Folienproblematik vielmehr eine Verfärbungsproblematik, deren Ursache sich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Leider ist bei vielen Sammlern dabei die Objektivität verlorengegangen.
 
Richard Am: 17.02.2008 00:18:19 Gelesen: 113135# 11 @  
Im BDPh Forum gab es gestern einige Beiträge, bei denen ich nicht sicher bin, ob sie gelöscht werden. Sie befassen sich überwiegend mit der Folienproblematik und den Bleisulfidschäden und wie der BDPh damit umgegangen ist. Da eine Löschung im BDPh Forum nicht auszuschliessen ist, übernehme ich sie auf die Philaseiten:

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Von: mur - registriert seit: 07.2005

Weil die Moderatoren @deckelmouk, @1867 und @aleks den Thread mit ihren Löschungen und sachlichen (?) Kommentaren etwas zu zerfleddern drohen, möchte ich meine, natürlich subjektive, Meinung kurz zusammenfassen:

Der BDPh-Vorstand hat in der PVC-Folienproblematik umfassend nicht nur versagt, er hat gegen die Sammlerinteressen, die er eigentlich zu vertreten hat, verstoßen:

Seit vielen Jahren wußte das BDPh-Präsidium davon, daß die PVC-Folien wahrscheinlich bestimmte Marken unwiderruflich zerstören. Hier meine ich nicht alleine die Bleisulfidschäden, sondern ich meine auch die (noch) sogenannte "Fluoreszenzwanderung" bei modernen Marken und ich meine auch z.B. die durchfettenden frühen SK-Markenheftchen. An einer Problemlösung im Sinne der Sammler hat der BDPh nicht gearbeitet, obwohl es seine ureigendste Pflicht gewesen wäre!

Im Gegenteil, der BDPh-Vorstand hat es in der Vergangenheit an jeder elementaren Distanz gegenüber allen Institutionen fehlen lassen, die den Sammlerinteressen zuwiderhandeln können.

Auch bei einer - durch die Stiftung - gegebenen wirtschaftlichen Abhängigkeit des BDPh von der DPAG, mußte der Präsident sich nicht die Argumente der DPAG zueigen machen und die sammlerfeindliche Umtauschfrist noch verteidigen. Wenn überhaupt eine Stellungnahme als BDPh-Präsident notwendig war, so hätte diese für eine Fristverlängerung abgegeben werden müssen.

Die Ausgabepolitik der DPAG ist selbst für Herrn Hartig nicht immer nachvollziehbar. Warum er aber immer noch Mitglied im Kunstbeirat ist, bleibt sein ureigenstes Geheimnis. Wo man keinen sichtbaren Einfluß ausüben kann, muß man ein Gremium nicht durch seine Präsenz aufwerten und bleibt logischerweise in der Versenkung.

Die öffentlichen Äußerungen von Herrn Hartig über die Philatelie und Privatpost sind grenzwertig. Herr Hartig hat übersehen, daß es eine große Zahl Sammler auch von Privatpost gibt. Diese organisieren sich nicht nur in einer Arge im BDPh, sondern auch schon außerhalb des BDPh.

Zusammen mit dem APHV ist der BDPh der Träger des BPP. Mit Sicherheit ist diese enge Zusammenarbeit einmal vereinbart worden, um dem Sammler zum Vorteil zu gereichen. Das ist scheinbar heute nicht mehr unbedingt die Realität. Ich frage mich, ob der BDPh seinen Einfluß immer im notwendigen Umfang und zum Wohle der Sammler genutzt hat. Mir fehlen die lange überfälligen klaren Definitionen zur Prüfung der durchfettenden SK-Marken genauso, wie die Stellungnahmen und Festlegungen zur "Fluoreszenzwanderung". Schon heute gibt es nachweisbare Schädigungen in astronomischer Höhe, aber keine Festlegung zur Beurteilung dieser Schädigungen.

Wir dürfen davon ausgehen, daß der BDPh-Vorstand schon seit Jahren immer genauestens über den Stand der PVC-Folienproblematik informiert gewesen ist. Sehe ich von der Veröffentlichung im Mai 2003 in der "philatelie" ab, hat dieser den Infomationsvorsprung aber überhaupt nicht zum Vorteil der Sammler genutzt.
Im Gegenteil, der BDPh-Vorstand hat entgegen den Sammlerinteressen gegen Herrn Feuser gearbeitet, indem er dessen Erkenntnisse ignoriert und dessen Engagement zum Sammlerwohl ...(Kopfschere!).

Erst als die Veröffentlichung des Skandals wegen des nimmermüden Herrn Peter Feuser und der Versendung seines Flyers an seine Kundschaft und der Verteilung z.B. in Sindelfingen nicht mehr aufzuhalten war, hat der BDPh notgedrungen wieder ein Mindestmaß an Aktivität gezeigt. Eigentlich muß man wohl sagen: Aktivität zugelassen! Dem kritischen Betrachter drängt sich die Frage auf, welche Rolle der BDPh in den vergangenen Jahren gespielt hat. Warum hat er sich nicht auf die Seite von Peter Feuser geschlagen? Welche Rolle hat der BDPh gespielt, als der BPP, dessen Vorsitzender ja den Aktivitäten von PF mal eher wohlwollend gegenübergestanden hat, sich ebenso in bisher ungebrochenes Schweigen gehüllt hat. Man hat den Eindruck gewinnen müssen, daß sich der BDPh unter eine Meinungsführerschaft des, von den Albenverlagen dominierten APHV, geduckt hat.

Für den außenstehenden Betrachter hat es, dokumentiert durch das jahrelange Schweigen, die nicht erfolgte Reaktion auf die direkt an den BDPH gerichteten Anliegen (Prozeßkostenhilfe etc.) eine de facto Mißachtung der Sammlerinteressen durch den BDPh gegeben.

Mögen auch einzelne Meinungsäußerungen von @woma und einzelne Handlungsweisen, wie z.B. das Wiedereröffnen des Threads und die Ausschreibung einer Stelle für einen Pressereferenten, vereinzelt Hoffnungen auf einen Richtungswechsel bei der Führung des BDPh genährt haben, so bleibt doch festzustellen, daß nach wie vor viele Fragen offen sind:

1. Noch immer steht eine Warnung an die Aussteller aus, deren Sammlungen, wegen der dauerhaften Lagerung in den für Ausstellungen vorgeschriebenen Blattschutzhüllen mit Sicherheit noch vor sich hingammeln.

2. Noch immer fehlt jegliche Mitteilung über erzielte Verhandlungsergebnisse aus der "Elefantenrunde". Im Gegenteil: Die Tatsache, daß zwischenzeitlich zwei betroffene Albenverlage erneut Peter Feuser vor Gericht zerren, läßt erahnen, daß es keine Ergebnisse - nicht einmal die Warnzettel für neuverkaufte PVC-Produkte - gegeben hat.

3. Außer einer Verlautbarung von Herrn Lang, dem Vizepräsidenten des APHV, hier im Forum, haben wir absolut keine Veranlassung zu hoffen, daß es einen Meinungsumschwung in der Führung des APHV gegeben haben könnte. Nach wie vor muß man nicht zuletzt wegen der erneuten Klage gegen P.F. fürchten, daß die (zwei) Albenverlage den APHV beherrschen.

4. Nach wie vor kneift der BDPh und bezieht immer noch nicht für Peter Feuser Stellung.

Mir fehlt schlicht das kleinste Zeichen dafür, daß der BDPh-Vorstand sich für die Sammlerinteressen und gegen die Interessen der Philatelieindustrie positionieren will, wo diese dem Sammlerinteresse entgegenlaufen. Der BDPh ist die Veinigung der Sammler und diese stellen die Finanzmittel zur Verfügung von denen alle anderen Philatelieverbände und, in geringerem Umfang, die Versandstelle abhängig sind. Statt mit diesem Pfund zu wuchern, muß man den Eindruck gewinnen, daß der BDPh weiterhin immer nur defensiv reagiert, auch da, wo offensives Handeln und offensive Informationspolitik angeraten scheinen.
Zur Zeit herrscht unter den verbandsgebundenen Philatelisten ein bis tief in die Vereinsebene hineinreichendes tiefes Mißtrauen gegenüber der Verbandsführung, weil, wie @oisch richtig geschrieben hat, alle Zeichen auf Aussitzen und Warten, daß sich alles wieder beruhigt, stehen. Diesen Eindruck sollte die Verbandsführung aber tunlichst vermeiden, und das geht eben nicht mit nur "amikalen" Gesprächen, die von der Basis gerne als "Kungelei" unter "Leistungsträgern" wahrgenommen werden.

Wenn unter den gegebenen Umständen der BDPh-Vorstand zum Rücktritt aufgefordert wird, kann ich das nachvollziehen. Es ist, weil letztendlich völlig ohne Konsequenzen, ein Mittel des Protestes und deswegen weder unpassend, noch anmaßend.

Mit Sammlergruß mur

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Christian E. Geigle - BPP-Mitglied - registriert seit: 02.2005 - Beiträge: 70

3. Außer einer Verlautbarung von Herrn Lang, dem Vizepräsidenten des APHV, hier im Forum, haben wir absolut keine Veranlassung zu hoffen, daß es einen Meinungsumschwung in der Führung des APHV gegeben haben könnte. Nach wie vor muß man nicht zuletzt wegen der erneuten Klage gegen P.F. fürchten, daß die (zwei) Albenverlage den APHV beherrschen.[I]

Den Meinungsumschwung in der Vorstandschaft des APHV hat es bereits gegeben. Es gibt eine neue Stellungsnahme, die in den nächsten Folgen der Fachmedien publiziert werden wird. (Das dauert nun mal ein bißchen, weil der jeweilige Redaktionsschluß immer schon einige Wochen vor Erscheinen liegt. Dadurch kann der Eindruck der Untätigkeit erscheinen. Das ist aber nicht so, denn schon unmittelbar nach Erscheinen der ersten (schlechten) Stellungnahme des APHV in seinem Verbandsmagazin haben sehr viele (!) Mitglieder darauf gedrängt, diese zu korrigieren und zu widerrufen. Das wird geschehen, seien Sie unbesorgt!)

Ich vermute, daß die beiden hauptbetroffenen Hersteller, Safe und Lindner, im Anschluß an die Kehrtwende des APHV-Präsidenten ihre Mitgliedschaft im APHV kündigen werden. Ich weiß aber auch, daß nicht nur ich diesen Schritt sehr gelassen sehen und sogar begrüße, weil dann endlich ordentliche Verbandsarbeit im Sinne der Philatelie möglich wird, ohne daß man auf zwei unkooperative Mitglieder Rücksicht nehmen müßte.

Es ist auch keinesfalls so, daß die beiden Hersteller den APHV beherrschen. Sie sind mit einem einstelligen Prozentsatz an den Mitgliedsbeiträgen beteiligt und üben ansonsten keinerlei tragende Funktion aus.

Inwieweit sich die Hersteller in den vergangenen Jahren bei den anderen Mitgliedern des APHV, namentlich den Ladenhändlern, unbeliebt gemacht haben, steht noch auf einem anderen Blatt. War früher der Vertrieb der Produkte eine partnerschaftliche Angelegenheit, von der Hersteller und Handel gleichermaßen profitiert haben, haben die Hersteller angesichts rückläufiger Umsätze neue Absatzwege beschritten. Direktmarketing oder auch das Internet (wohl mehr über Dritte, die Großposten zu Dumpingpreisen bekommen) nehmen dem Ladenhandel die Zubehörschiene weg. Das ist nicht sehr schön für diesen... wenn jetzt auch noch die Wut der Sammler über die Zerstörung wertvoller Briefmarken durch PVC-Folien (um es mal ganz grob zu umschreiben, damit ich nicht auch noch eine Einstweilige Verfügung bekomme ) bei den Ladenhändlern einschlägt, die vor Jahren diesen Mist in gutem Glauben zu horrenden Preisen verkauft haben, wird die Lust auf bestimmte Mit-Mitglieder ohnehin dahin sein.

Christian E. Geigle, der im APHV eine äußerst starke Sympathie für PF feststellen kann

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Christian E. Geigle

[I]... mußte der Präsident sich nicht die Argumente der DPAG zueigen machen und die sammlerfeindliche Umtauschfrist noch verteidigen. Wenn überhaupt eine Stellungnahme als BDPh-Präsident notwendig war, so hätte diese für eine Fristverlängerung abgegeben werden müssen.


Das Versagen ALLER Verbände (BDPh, APHV und BDB) bei dieser Frage hat die Sammler und den Handel einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet. Aber um mit den Verantwortlichen der Post AG auf Augenhöhe verhandeln zu können, muß man nicht nur die Länge, sondern auch die Größe des Gegenüber haben, sonst wird man nicht ernst genommen. Klassische Lobbyistenarbeit eben. Und in den genannten Verbänden damals leider nicht verfügbar.

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deckelmouk - registriert seit: 08.2003 - Beiträge: 2.858

Steilvorlage

Wenn ich SAFE oder Lindner wäre, mich würde der Thread hier tierisch freuen. Selbstzerfleischung des Gegners nennt man sowas. Stimmungsmache, öffentlich zelebrierte Austritte und nicht belegbare Verschwörungstheorien spielen ihnen in die Karten.

Wenn man etwas gesunden Menschenverstand hat, dann hält man sich in so einer heiklen Phase zurück und walzt das Thema nicht in einem öffentlichen Forum tot. Ich verstehe diese destruktiven Beiträge nicht. Jeder hat ein Recht auf eine eigene Meinung, aber ab und zu schadet es nicht, diese für sich zu behalten.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
AfriKiwi Am: 17.02.2008 02:44:31 Gelesen: 113133# 12 @  
@ 22028 [#10]

Hallo '22028'

Bist Du nicht zufrieden mit der Antwort dessen Albenherstellers ?

>>Wir haben unsere Folien im Jahre 2002 auf ihre Eignung zur Verwendung bei klassischen Marken bei der Universität Stuttgart untersuchen lassen.>>

Dieser Befund von nur nach 6 Jahren sollte doch auch für jeden zugänglich gewesen sein.

Was vor 20 oder mehr Jahren erzeugt wurde ist sicherlich in Qualität schon verbessert.

Egal der heutige Qualität, wenn auch die Lagerung mangelt, hilft die beste Qualität nichts.

Erich
 
Richard Am: 18.02.2008 12:45:03 Gelesen: 113111# 13 @  
Ich möchte auf einige Themen in der 'Philatelie' Februar 2008, Seite 70 ff. aufmerksam machen:

- Zeichen der Zeit erkennen. Ein Plädoyer gegen die Zerstörung
- Licht-Gefahren
- Schäden bei Briefmarken (3) - Probleme der generellen Aufbewahung
- Monochrom Klarsichthüllen für die Archivierung
- Alternative Pergamin
- Cellophan: Auch eine Alternative ?
- Leserbriefe zu Bleisulfidschäden bei (klassischen) Briefmarken.
 
Richard Am: 21.02.2008 12:47:25 Gelesen: 113075# 14 @  
Presseerklärung des BDPh e.V. zur Problematik der Verwendung von Klarsicht-Blatthüllen für philatelistische Zwecke

Der Bund Deutscher Philatelisten e.V. verfolgt mit großem Interesse die laufende Diskussion zur Problematik der Verwendung von Klarsicht-Blatthüllen für philatelistische Zwecke.

Nach derzeitigem Stand besteht die berechtigte Sorge, dass offenbar die Verwendungsfähigkeit bestimmter Blatthüllen für philatelistische Zwecke materialbedingt eingeschränkt sein kann. Hierzu wird auf die einschlägigen Informationen in Heft 3/2008 der „philatelie“ verwiesen.

Der BDPh e.V. fordert vor diesem Hintergrund im Interesse seiner Mitglieder und der anderen Sammler die Hersteller von Blatthüllen auf, unverzüglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen und nur noch Hüllen mit Materialeigenschaften anzubieten, die eine langzeitstabile Aufbewahrung philatelistischen Materials garantieren.

Dem Sammler müssen Hüllen zur Verfügung stehen, die für philatelistische Zwecke in vollem Umfang kurz-, mittel- und langfristig nutzbar sind. Wir empfehlen den Herstellern von Blatthüllen zu prüfen, inwieweit ihr Produkt zweckentsprechend gekennzeichnet wird, z.B. „Zur langzeitstabilen Aufbewahrung philatelistischen Materials ohne Einschränkung geeignet.“

Dieter Hartig
Präsident des
Bundes Deutscher Philatelisten e.V.

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Stellungnahme des Bundesverband Deutscher Briefmarkenversteigerer e.V. (BDB) zur Diskussion „Bleisulfidschäden bei klassischen Briefmarken“

Die vom Bund Deutscher Philatelisten e.V. (BDPh) verlegte Fachzeitschrift philatelie, berichtete in den Ausgaben 12/2007, 1/2008 und 2/2008 über Beobachtungen und Untersuchungen hinsichtlich der Entstehung von Bleisulfidschäden bei klassischen Briefmarken nach einer längerfristigen Aufbewahrung unter Kunststoff-Folien. Das Problem betrifft hauptsächlich Briefmarken bis ca. 1880, aber auch die halbamtlichen Flugmarken Deutsches Reich MiNr. I bis VI. Eine Aufstellung der betroffenen Marken ist abgedruckt in philatelie 367 (Jaunuar 2008) auf Seite 50.

Der Bundesverband Deutscher Briefmarkenversteigerer e.V. (BDB) verfolgt die Diskussion mit großer Aufmerksamkeit und nimmt auf der Basis des derzeitigen Kenntnisstandes über mögliche „Bleisulfidschäden bei klassischen Briefmarken“ wie folgt Stellung:

Die Bildung von Bleisulfid, das die Marken schwarz färbt, erfolgt durch eine chemische Reaktion von Blei- und Schwefelverbindungen. Es ist bekannt, dass Druckfarben zur Herstellung von Briefmarken in einzelnen Fällen Bleiverbindungen enthielten, insbesondere bei klassischen Markenausgaben bis ca. 1880.

Kunststoff-Folien bestehen aus verschiedenen Grundstoffen (PE, PP, Polyester, PVC). Durch die Zugabe von Zusatzstoffen erhalten die Kunststoff-Folien ihre gewünschten Eigenschaften im Hinblick auf Elastizität und Verformbarkeit (Weichmacher) sowie Haltbarkeit (Stabilisatoren).

Bei PVC-Folien zur Aufbewahrung von Briefmarken sind in der Vergangenheit Stabilisatoren auf der Basis von Schwefelverbindungen nachgewiesen worden. In wie weit diese Schwefelverbindungen unter bestimmten Voraussetzungen mit der Markenfarbe bei klassischen Marken bis ca. 1880 reagieren, ist wissenschaftlich – trotz einer Vielzahl in durchgeführter Gutachten – nicht geklärt. Beobachtungen und Erfahrungen bei Sammlern und Mitgliedsunternehmen des BDB lassen jedoch darauf schließen, dass unter bestimmten Bedingungen chemische Reaktionen zwischen Bleibestandteilen der Markenfarbe und den Schwefelverbindungen des Stabilisators in der Kunststoff-Folie zur Bildung von Bleisulfid an der Markenoberfläche bei klassischen Briefmarken bis 1880 führen können. Um den chemischen Vorgang der Bildung von Bleisulfid aus Blei- und Schwefelverbindungen zu verhindern erscheint es aus der Sicht des BDB angebracht, die Bleibestandteile der Markenfarbe so wirksam wie möglich vor dem Kontakt mit Schwefel bzw. Schwefelverbindungen zu schützen.

Der BDB empfiehlt daher bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts eine Aufbewahrung von Briefmarken unter Folien mit Stabilisatoren auf der Basis von Schwefelverbindungen zu vermeiden. Anregungen für eine Aufbewahrung bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts finden sich in den o.g. Ausgaben der philatelie.

Von verschiedenen Auktionsunternehmen werden Briefmarken vor und während der Versteigerung zum Schutz vor physischen Beschädigungen kurzzeitig in Folien eingesiegelt. Der BDB verweist in diesem Zusammenhang auf die Hinweise in den Versteigerungskatalogen der Mitgliedsunternehmen, dass diese Folien nicht zur längerfristigen Aufbewahrung von Briefmarken bestimmt sind.

Bei einer längerfristigen Lagerung von Briefmarken unter Folien sollten zur Vermeidung von Bleisulfidschäden schwefelverbindungsfreie Kunststoff-Folien verwendet werden. Welche Kunststoff-Folien „100% schwefelverbindungsfrei“ sind, sollte der Sammler bei dem jeweiligen Hersteller bzw. bei seinem Lieferanten verbindlich erfragen. Alle Hersteller und Vertreiber von Bedarfsartikeln für Briefmarken arbeiten natürlich intensiv mit den Herstellern von Folien an einer Lösung des Sachverhalts.

Gleichzeitig hat der BDB im Hinblick auf die derzeitige Diskussion jedem BDB-Mitgliedsunternehmen empfohlen, eine individuelle Klärung der Beschaffenheit und Eignung der verwendeten Schutzfolien mit dem jeweiligen Lieferanten vorzunehmen.

Der Inhalt dieser Stellungnahme orientiert sich an den Ergebnissen gemeinsamer Konsultationen mit anderen Verbänden in der Philatelie. Der BDB wird im Rahmen seiner Möglichkeiten die Bemühungen aller Beteiligten in der Philatelie zur endgültigen Klärung der „Bleisulfidschäden“ bei klassischen Briefmarken bestmöglich unterstützen.

Der Vorstand des BDB e.V.

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Erklärung des APHV zu Bleisulfidschäden an Briefmarken, ihren möglichen Ursachen sowie zu Maßnahmen zu ihrer Verhinderung

Schon seit Jahren wird in der Philatelie in Einzelfällen beobachtet, dass es bei bestimmten, meist bis ca. 1900 produzierten Briefmarken zu einer chemischen Reaktion zwischen den in den Druckfarben der Briefmarken enthaltenen Bleiverbindungen und Schwefelverbindungen in den Kunststofffolien kommen kann.
Im Sinne äußerster Vorsorge empfiehlt daher der Bundesverband des Deutschen Briefmarkenhandels allen Sammlern und Händlern bis zur endgültigen Klärung der Problematik eine Aufbewahrung von zumindest klassischem Material unter Folien mit Schwefelverbindungen zu vermeiden. Welche Kunststofffolien 100% schwefelverbindungsfrei sind, sollten Sammler und Händler bei dem jeweiligen Hersteller bzw. bei seinem Lieferanten verbindlich erfragen. Den Herstellern der Folien empfiehlt der APHV, die Verwendungsfähigkeit des von ihnen angebotenen Materials schnellstmöglich abschließend und endgültig zu klären und seine uneingeschränkte Nutzbarkeit zur Aufbewahrung von Briefmarken aller Art zu garantieren.

Darüber hinaus erachtet es der APHV als selbstverständliche Obliegenheit eines jeden Sammlers, seine Briefmarken regelmäßig zu überprüfen und auf eventuelle Veränderungen hin zu begutachten. Auch wenn die ganz überwiegende Anzahl von Briefmarken von dem Problem nicht betroffen ist, dürfte die regelmäßige Kontrolle der eigenen Sammlung im wohlverstandenen Eigeninteresse jedes Sammlers liegen.

Köln, den 30. Januar 2008
Bundesverband des Deutschen Briefmarkenhandels APHV e.V.

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Artikel aus "Philatelie aktuell", März 2008, Seite 70ff

Schäden bei Briefmarken (4): Verlage und Verbände melden sich zu Wort

Seit den Veröffentlichungen bisheriger Beiträge zum Thema herrscht – im Internet wie hinter den Kulissen – reger, zu weilen gar hektischer Aktionismus. Aussagen sich betroffen fühlen der Sammler stehen mehr oder weniger nützliche Empfehlungen gegenüber. Emotionen, teils gar polemische Reaktionen so wie Unterstellungen, Annahmen und Vermutungen prägen das Bild einer in sich kaum noch zu überblicken den Situation. Der weil gab es, allerdings eher unbemerkt für die Öffentlichkeit, durchaus auch Versuche, Betroffene – dies sind nicht nur Sammler und Händler, sondern auch Verlage und Verbände – an einen Tisch zu bringen, um im Dialog Wege aus der Misere zu finden. Ein Überblick mag dies verdeutlichen.

Schon Ende November 2007 bemühte sich APHV-Präsident Arnim Hölzer, selbst mit Vertretern der Verlage eine Übereinstimmung zu dem von dritter Seite verfassten und von ihm vorgelegten „Beipackzettel“ (vgl. philatelie Januar 2008, S. 50) zu erreichen. Ein grundsätzlicher Konsens hierüber konnte zwar erzielt werden, allerdings wünschten die Verlage die Veröffentlichung einer Pressemeldung, die zusätzlich ihre eigene Sicht weise zum Ausdruck bringen sollte. Dies geschah im APHV- Nachrichtenblatt mit einer Zusammenstellung von Michael Burzan, in der sich dann plötzlich auch der zur gemeinsamen Abstimmung der Verbände gedachte „Beipackzettel“ wiederfand. Sammler wie Händler werteten diese Veröffentlichung als wenig hilfreich und verstärkten, gerade im Internet, ihre Kritik und verlangten von den Verbänden Stellungnahmen.. teils gar von Vorständen Rücktritte.

Ende Januar 2008 kam es zu einem sehr kurzfristig ein berufenen Treffen der Verbände und Verlage, an dem allerdings nur zwei Verlage und auch nicht alle Verbände teilnahmen. Durch eine wenig glückliche Informationspolitik allen Seiten gegenüber, war auch hier nicht die Möglichkeit gegeben, den so notwendigen Dialog endlich zu eröffnen. Dies soll – so die Planung bei Redaktionsschluss – im Februar mit einer internen Sitzung der Verlage nach geholt werden, der dann vielleicht eine gemeinsame Verlage-Verbände-Sitzung folgen wird.

Erklärungen der Verlage

Es ist aus heutiger Sicht völlig belanglos, ob es einer Mail-Umfrage der Redaktion philatelie zu verdanken ist, dass sich die Verlage selbst zu Wort meldeten. Am 8. Januar war diesen nämlich Fragen zur tatsächlichen Beschaffenheit ihrer Produkte zugegangen, weil absehbar war, dass alleine die Hinweise zu den Aufbewahrungsmaterialien selbst dem Sammler wenig nützen würden. Denn wer kann schon Polyester von PVC, Polypropylen von Polystrol etc. unterscheiden? Er wünscht und erbeten waren also wörtlich Antworten auf die Fragen, unter welchen Produktbezeichnungen Folien angeboten werden, aus welchem Material diese bestehen, welche Eigenschaften, welche Formate und ggf. an dere Produktbezeichnungen bekannt sind.

Vorbildlich im Informationsumfang und zeitlich als erster löste der Leuchtturm Albenverlag die erbetene Aufgabe, deren Beantwortung er gleichzeitig auch ab Januar auf seiner Internetseite bereitstellte. Hier eine Kurzübersicht:

Polystrol: SF-Vordruckblätter, OF-Vordruckalben, SF-Schutztaschen, Einsteckkarten aus Karton

Polyester: Blattschutz hüllen (BSH1), LB-Blätter mit auf geklebten Klarsicht folien, Vario-Hüllen (klarsichtig), Grande-Hüllen (klarsichtig)

Hart-PVC: R-/G-Tafeln, ORION-Blätter KABE (Blanko-Albenblätter mit auf geklebten Klarsichtfolien), Stella Blattschutzhüllen KABE, Vario-Hüllen (mit schwarzer Trägerfolie), Optima-Hüllen, Grande-Hüllen (mit schwarzer Trägerfolie), Maximum-Hüllen, HP-Hüllen, Einsteckbücher mit klarsichtigen Streifen

Polypropylen: FDC-Alben, ETB-Alben

Pergamin: Einsteckbücher mit Pergaminstreifen

In einer Erklärung verweist der Leuchtturm-Verlag auf die derzeit aktuelle Diskussion, darauf, dass ein kausaler Zusammenhang mit PVC-Folien und Schäden an darin auf bewahrten Briefmarken durch die Entstehung von Bleisulfid nicht beweisbar sei, aber auch Risiken nicht völlig aus geschlossen sind. Seine Empfehlung für Sammler, die „aufgrund eines eventuell bestehen den Risikos im Zusammenhang mit der Verwendung von Hart-PVC-Produkten auf diese verzichten möchten, … auf Produkte ohne Hart-PVC auszuweichen“. Der Verlag verweist auch auf zahlreiche andere Faktoren, die für die Veränderung von Briefmarken, Belegen oder auch Stempeln verantwortlich sein können, wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichteinwirkung, Luft- Schadstoffe, mangelnde Durchlüftung usw. und empfiehlt, Sammlungen in jedem Fall regelmäßig auf eintretende Veränderungen zu überprüfen.

Die Firma Schaubek teilte am 24. Januar ihre Auflistung mit, wobei deren Klemmtaschen allesamt von HAWID produziert werden, die Blattschutzhüllen und sonstigen Folien-Produkte von KOBRA, eine eigene Folienproduktion also nicht stattfindet. Insofern kam den Stellungnahmen bei der genannter Firmen besondere Bedeutung zu. HAWID ließ statt einer Antwort auf die gestellten Fragen am 24. Januar nur wissen:

Danke, dass Sie unseren Produkten in Ihrer Ausführung in der Philatelie aktuell in der Ausgabe vom Februar 2008 eine Absolution erteilt haben. Dürfen wir Sie aber bitte darauf hinweisen, dass unsere Folie nicht aus Poplyester besteht sondern dass wir unsere Folie seit mehr als 60 Jahren aus reinem Polysterol herstellen. Das ist ein gewaltiger Unterschied.“ (Anmerkung des Autors: Die Original schreibweise des Briefes wurde beibehalten)

Die Redaktion stellte gegen über HAWID und den Verlagen richtig, dass keinesfalls eine „Absolution“ erteilt worden sei, weder vom Redakteur noch vom Autor des in Wirklichkeit angesprochenen Beitrages, der ja eindeutig mit Ralph Ebnerals Verfasser gezeichnet war. Im Gegenteil: Ebner hatte gerade betont, dass David Beech, Kurator der British Library, wegen seiner Vorbehalte selbst HAWID­Klemmtaschen zur Markenaufbewahrung ablehnt (wegen Brüchigkeit der Klemmnaht). Schäden wie in PVC-Folien sind, so Lesermeldungen bisher, nicht bekannt,es sei denn, Marken unter HAWID werden in PVC-Material aufbewahrt.

Die Firma KOBRA-Sammlerzubehör, deren Produkte auch von anderen Verlagen angeboten werden, teilte am 28. Januar 2008 mit, dass diese Produkte aus Polypropylen- und Hart-PVC-Folien hergestellt werden. Eine nähere Zuordnung dieser unterschiedlichen Materialien zu einzelnen Produkttypen ist seit dem 12. Februar auf der Internetseite http://www.kobra.de ersichtlich, so dass man nun auch eine genaue Information hat, aus welchem Material das jeweils gewünschte Produkt gefertigt ist. Eine zusammenfassende Übersicht soll in Kürze ebenfalls online sein.

Für die Schwäbische Albumfabrik (SAFE) teilte Geschäftsführer Dr. Frank Schneider am 24. Januar mit, dass weichmacher- und stearatfreies Hart-PVC seit 1957 für Hüllen, seit 1958 auch für Einsteckblätter verarbeitet werden. Seit 2000 fänden solche Folien in einer modifizierten, mechanisch-veränderten Struktur für die seit 1977 produzierten Dual-Vordruckblätter Verwendung. Aus Polypropylen seien seit 1998 produzierte Hüllen für Postkarten, Briefe und sonstige Sammelobjekte, aus Polyester PET (G-Pet) würden ebenfalls Hüllen, teilweise auch als Deckfolie zu Vordruck blättern gefertigt, die allerdings nicht konkreter namentlich benannt wurden.

Wörtlich hieß es: „Unsere Folien werden laufend getestet. Es besteht kein Anlaß, an der Eignung für Briefmarken, auch für sog. ‚klassische’ Marken zu zweifeln.“

Die Firma Lindner Falzlos GmbH beschränkte sich in einer zeitgleich im Internet und an die Redaktion verbreiteten Stellungnahme darauf, schon mehrfach bisher benannte generelle Aussagen zu wiederholen und ansonsten auf diverse, auch von der Fa. Safe an geführten Gutachten zu verweisen. Eine konkrete Beantwortung der von der Redaktion gestellten Fragen wurde nicht zugeschickt.

Um den Überblick zu komplettieren, sei auch noch die Omnifit-A4-Plus-Folie des Phil*Creativ Verlages erwähnt, die eben falls aus PVC besteht. Gemäß Verlagsangaben sei bislang noch kein einziger Schadensfall bekannt. Dennoch würde den Auslieferungen jeweils der benannte „Beipackzettel“ beigefügt.

Versehentlich nicht angefragt wurde bisher die Deutsche Postphilatelie, die ja ein über aus reichhaltiges Produktprogramm, auch mit Folien, betreibt. Die Informationen werden nach gereicht.

Verbände reagieren

Unabhängig von der mehr oder weniger großen Auskunftfreudigkeit der Verlage, gingen die Verbände Ende Januar dazu über, selbst ihren Mitgliedern Empfehlungen nahezulegen. Der erste Verband war der BDPh, der folgende Erklärung im Internet bekannt gab:

„Der Bund Deutscher Philatelisten e.V. verfolgt mit großem Interesse die laufende Diskussion zur Problematik der Verwendung von Klarsicht-Blatthüllen für philatelistische Zwecke.

Nach derzeitigem Stand besteht die berechtigte Sorge, dass offenbar die Verwendungsfähigkeit bestimmter Blatthüllen für philatelistische Zwecke materialbedingt eingeschränkt sein kann. Hier zu wird auf die einschlägigen Informationen in Heft 3/2008 der „philatelie“ verwiesen.

Der BDPh e.V. fordert vor diesem Hintergrund im Interesse seiner Mitglieder und der anderen Sammler die Hersteller von Blatthüllen auf, unverzüglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen und nur noch Hüllen mit Materialeigenschaften anzubieten, die eine langzeitstabile Aufbewahrung philatelistischen Materials garantieren. Dem Sammler müssen Hüllen zur Verfügung stehen, die für philatelistische Zwecke in vollem Umfang kurz-, mittel- und langfristig nutzbar sind. Wir empfehlen den Herstellern von Blatthüllen zu prüfen, in wie weit ihr Produktzweckent sprechend gekennzeichnet wird, z.B. „Zur langzeit stabilen Aufbewahrung philatelistischen Materials ohne Einschränkung geeignet.“

Dieter Hartig
Präsident des Bundes Deutscher Philatelisten e.V.

Dem BDPh folgte der APHV wenige Tage später, am 30. Januar. In dessen Erklärung hieß es:

„Schon seit Jahren wird in der Philatelie in Einzelfällen beobachtet, dass es bei bestimmten, meist bis ca. 1875 mit Naturfarben gedruckten Briefmarken zu einer chemischen Reaktion zwischen den in den Druckfarben der Briefmarken enthaltenen Bleiverbindungen und Schwefelverbindungen in zur Aufbewahrung verwendeten Kunststofffolien kommen kann.

Der APHV empfiehlt in Erfüllung seiner satzungsgemäßen Aufgaben, die ausdrücklich die Förderung der Philatelie einschließen, im Sinne äußerster Vorsorge bis zur endgültigen Klärung der Problematik eine Aufbewahrung von klassischem Material unter Folien mit Schwefelverbindungen zu vermeiden. Welche Kunststofffolien völlig frei von Schwefel sind, sollten Sammler und Händler bei den jeweiligen Herstellern bzw. Lieferanten der Folien erfragen.

Von den Herstellern der Folien erwartet der APHV, dass diese unverzüglich alle Anstrengungen unternehmen, um die Ursachen der Verfärbungen zu erforschen und so dann ggf. die Zusammensetzung ihrer Folien entsprechend zu ändern, um deren uneingeschränkte Verwendbarkeit zur Aufbewahrung von Briefmarken zu gewährleisten. Der APHV erwartet darüberhinaus, dass die Folienhersteller bis zur endgültigen Klärung ihre Kunden über die bestehende Problematik umfassend informieren.

Darüber hinaus erachtet es der APHV als selbstverständliche Obliegenheit eines jeden Sammlers und Händlers, ihre Bestände regelmäßig zu überprüfen und auf eventuelle Veränderungen hin zu begutachten. Auch wenn die ganz überwiegende Anzahl von Briefmarken von dem Problem nicht betroffen ist, dürfte die regelmäßige Kontrolle der eigenen Sammlung im wohlverstandenen Eigeninteresse jedes Sammlers liegen.

Thomas Brückel
Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Briefmarkenhandels “

Der Bundesverband Deutscher Briefmarken-Versteigerer (BDB) gab Anfang Februar eine gemeinsame Erklärung ab, in der es heißt:

„Die vom Bund Deutscher Philatelisten e.V. (BDPh) verlegte Fachzeitschrift „philatelie“, berichtet in den Ausgaben 12/2007, 1/2008 und 2/2008 über Beobachtungen und Untersuchungen hinsichtlich der Entstehung von Bleisulfidschäden bei klassischen Briefmarken nach einer längerfristigen Aufbewahrung unter Kunststoff-Folien. Das Problem betrifft hauptsächlich Briefmarken bis ca. 1880, aber auch die halbamtlichen Flugmarken Deutsches Reich MiNr. I bis VI. Eine Aufstellung der betroffenenen Marken ist abgedruckt in philatelie 367 (Januar 2008) auf Seite 50.

Der Bundesverband Deutscher Briefmarkenversteigerer e.V. (BDB) verfolgt die Diskussion mit großer Aufmerksamkeit und nimmt auf der Basis des derzeitigen Kenntnisstandes über mögliche „Bleisulfidschäden bei klassischen Briefmarken“ wie folgt Stellung:

Die Bildung von Bleisulfid, das die Markenfarbe schwarz färbt, erfolgt durch eine chemische Reaktion von Blei-und Schwefelverbindungen. Es ist bekannt, dass Druckfarben zur Herstellung von Briefmarken in einzelnen Fällen Bleiverbindungen enthielten, insbesondere bei klassischen Markenausgaben bis ca. 1880.

Kunststoff-Folien bestehen aus verschiedenen Grundstoffen (PE, PP, Polyester, PVC). Durch die Zugabe von Zusatzstoffen erhalten die Kunststoff-Folien ihre gewünschten Eigenschaften im Hinblick auf Elastizität und Verformbarkeit (Weichmacher) sowie Haltbarkeit (Stabilisatoren).

Bei PVC-Folien zur Aufbewahrung von Briefmarken sind in der Vergangenheit Stabilisatoren auf der Basis von Schwefelverbindungen nachgewiesen worden. Inwieweit diese Schwefelverbindungen unter bestimmten Voraussetzungen mit der Markenfarbe bei klassischen Marken bis ca. 1880 reagieren, ist wissenschaftlich – trotz einer Vielzahl durchgeführter Gutachten – nicht geklärt. Beobachtungen und Erfahrungen bei Mitgliedsunternehmen des BDB lassen jedoch darauf schließen, dass unter bestimmten Bedingungen chemische Reaktionen zwischen Bleibestandteilen der Markenfarbe und den Schwefelverbindungen des Stabilisators in der Kunststofffolie zur Bildung von Bleisulfid an der Markenoberfläche bei klassischen Marken bis ca. 1880 führen können. Um den chemischen Vorgang der Bildung von Bleisulfid aus Blei- und Schwefelverbindungen zu verhindern, erscheint es aus der Sicht des BDB angebracht, die Bleibestandteile der Markenfarbe so wirksam wie möglich vor dem Kontakt mit Schwefel bzw. Schwefelverbindungen zu schützen.

Der BDB empfiehlt daher bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalt seine Aufbewahrung von Briefmarken unter Folien mit Stabilisatoren auf der Basis von Schwefelverbindungen zu vermeiden. Anregungen für eine Aufbewahrung bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts finden sich in den o.g. Ausgaben der philatelie.

Von verschiedenen Auktionsunternehmen werden Briefmarken vor und während der Versteigerung zum Schutz vor physischen Beschädigungen kurzzeitig in Folien eingesiegelt. Der BDB verweist in diesem Zusammenhang auf die Hinweise in den Versteigerungskatalogen der Mitgliedsunternehmen, dass diese Folien nicht zur längerfristigen Aufbewahrung von Briefmarken bestimmt sind.

Bei einer längerfristigen Lagerung von Briefmarken unter Folien sollten zur Vermeidung von Bleisulfidschäden schwefelverbindungsfreie Kunststoff-Folien verwendet werden. Welche Kunststoff-Folien‚ 100% schwefelverbindungsfrei’ sind, sollte der Sammler bei dem jeweiligen Hersteller bzw. bei seinem Lieferanten verbindlich erfragen. Alle Hersteller und Vertreiber von Bedarfsartikeln für Briefmarken arbeiten natürlich intensiv mit den Herstellern von Folien an einer Lösung des Sachverhalts.

Gleichzeitig hat der BDB im Hinblick auf die derzeitige Diskussion jedem BDB Mitgliedsunternehmen empfohlen, eine individuelle Klärung der Beschaffenheit und Eignung der während der Auktionen verwendeten Schutzfolien mit dem jeweiligen Lieferanten vorzunehmen.

Der Inhalt dieser Stellungnahme orientiert sich an den Ergebnissen gemeinsamer Konsultationen mit an deren Verbänden in der Philatelie. Der BDB wird im Rahmen seiner Möglichkeiten die Bemühungen aller Beteiligten in der Philatelie zur endgültigen Klärung der 'Bleisulfidschäden' bei klassischen Briefmarken bestmöglich unterstützen.

Der Vorstand“

Soweit die Stellungnahmen dieser Verbände (der BPP folgt noch) kurz vor Redaktionsschluss, die sich im eigentlichen Kern der Aussage völlig einig sind: bis zur Klärung der offen stehen den Frage problembehaftete Marken, zumal die schon in philatelie Nr. 367 auf S.50 aufgeführten altdeutschen Marken, nicht unter PVC-Folie aufbewahren und stattdessen Alternativen zu nutzen. Dass es solche gibt, hat der Verfasser dieser Übersicht schon in der letzten Ausgabe aufgewiesen. Die nunmehr mit geteilten Informationen der Verlage dürften zur zusätzlichen Einschätzung und Wahl der Produkte gewünschter Materialart deutlich mehr beitragen, als Versuche, engagierte Parteien per Abmahnung oder erneuter Klage zum Schweigen zu nötigen.

So wie es keinen Freischein im Sinne einer generellen Amnestie gibt, sollte es allerdings auch keine Sippenhaft und Panikmache geben, denn das Thema Bleisulfid tangiert Briefmarken, deren Druckfarbe Blei enthält. Wohl 99 Prozent aller seit 1900 gedruckten Marken enthält dies eben nicht.

Wolfgang Maassen

---

Die halbfette Hervorhebung von Überschriften und Namen geschah durch die Redaktion Philaseiten.de
 
Richard Am: 11.03.2008 08:55:32 Gelesen: 112641# 15 @  
PDF-Datei von Peter Feuser, 9 Seiten

Lead sulfide damage to classic postage stamps

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/fb.pl?m=759

Alternativ: 9 Bildseiten mit dem Text:










 
Richard Am: 23.03.2008 13:14:29 Gelesen: 112452# 16 @  
In der DBZ vom 14.03.08 ist jetzt die Stellungnahme des BDB Bundesverbandes Deutscher Briefmarkenversteigerer zu lesen (Seite 26).

Sie entspricht dem Beitrag [#14], den Sie hier auf den Philaseiten lesen konnten.
 
Richard Am: 26.03.2008 14:08:06 Gelesen: 112408# 17 @  
Stellungnahme des Bundes Philatelistischer Prüfer e. V. (BPP) zur Diskussion "Hart-PVC-Folien" und "Bleisulfidschäden bei klassischen Briefmarken"

In den Ausgaben 12/2007, 1/2008 und 2/2008 der Fachzeitschrift philatelie wurde über sog. Bleisulfidschäden bei klassischen Briefmarken nach Aufbewahrung in Kunststoff-Folien berichtet und diskutiert.

Die Beurteilung philatelistischer Prüfgegenstände erfordert u. a. die Feststellung von Farbnuancen sowie gegebenenfalls deren Veränderungen. Die Tatsache, dass sich bestimmte Markenfarben unter besonderen Einflüssen verändern können, ist in einigen Fällen bereits vor ca. hundert Jahren beschrieben worden. Das häufigste Beispiel ist die Bildung von schwarzbraunem Bleisulfid durch Einwirkung von Schwefelwasserstoff oder anorganischen sowie organischen Sulfiden auf gelbes Bleichromat, das in Druckfarben enthalten sein kann.

Da bereits geringste Mengen an Sulfiden genügen, um sichtbare Veränderungen auf einer Briefmarkenoberfläche hervorzurufen, ist die genaue Herkunft dieser Substanzen nur schwer zu eruieren. Dadurch resultieren im Einzelfall auch Probleme bei der Farbbestimmung.

Mitglieder des Bundes Philatelistischer Prüfer e. V., Berufsphilatelisten und Sammler beobachten seit einigen Jahren ein stark vermehrtes Auftreten veränderter Farben nicht nur im zuerst betroffenen Bereich der klassischen Briefmarken, sondern auch sowohl bei neueren als auch bei modernen Sammelgebieten.

Besonders aufgefallen ist dies bei bestimmten Briefmarkenausgaben, die in Schutzhüllen oder Albenblättern aus Hart-PVC-Folien aufbewahrt worden waren. Erhebliche Farbveränderungen waren speziell bei Langzeit-Unterbringung bestimmter Briefmarkenausgaben unter Hart-PVC-Folie zu beobachten. Der Effekt trat bei einzelnen Ausgaben aber auch relativ schnell und noch deutlicher unter Luftabschluss bzw. geringer Luftzirkulation – wie bei verschweißten Folien oder Lagerung im Bank-Safe – auf.

Aus verschiedenen synthetischen Ausgangsmaterialien (Polyethylen "PE", Polypropylen "PP", Polyester, Polyvinylchlorid "PVC") hergestellte Kunststoff-Folien erfordern beim Produktionsprozess oder für das Erreichen der gewünschten Eigenschaften den Einsatz von Zusatzstoffen, z. B. von sog. Stabilisatoren oder Weichmachern. Stabilisatoren für die Produktion von PVC-Folien können komplexe Zinn-Schwefel-Verbindungen (Sulfide) enthalten. Art und Menge dieser Zusatzstoffe können sich außerdem im Verlauf der Jahre –z.B. in Abhängigkeit von Verarbeitungsmaschinen –geändert haben. Auch hier dürfte – rückwirkend - eine genaue Feststellung sehr schwierig sein.

Ungeachtet der teils widersprüchlichen wissenschaftlichen Untersuchungen zur chemischen Reaktionsweise bestimmter Folien-Zusatzstoffe mit gewissen Bestandteilen der Markenfarbe (nach neuesten Erkenntnissen auch der Gummierung) bleiben die zahlreichen Beobachtungen von Farbbeeinträchtigungen bei Lagerung in einigen Produkten aus Hart-PVC-Folien durch die Verbraucher bestehen.

Der BPP empfiehlt daher als Vorsichtsmaßnahme zur Vermeidung von Sulfidbeeinträchtigungen eine Aufbewahrung von Briefmarken nur unter Folien, die ohne den Zusatz sulfidhaltiger Stabilisatoren hergestellt wurden.

Auskünfte, ob die vom Sammler bisher verwendeten Folien Schwefelverbindungen enthalten, kann und sollte der einzelne Sammler von den jeweiligen Herstellern einholen.

Der BPP hält es für unumgänglich, dass in Zukunft im philatelistischen Zubehörhandel Schutzhüllen angeboten werden, die eindeutig als "frei von Schwefelverbindungen" deklariert sind. Hier sind Handel, Hersteller und Sammlerverbände gefordert.

Der Vorstand des BPP
 
Richard Am: 30.03.2008 07:52:54 Gelesen: 112376# 18 @  
Peter Feuser schrieb gerade:

Der BDPh-Vorstand und der Folienskandal

Mein Brandbrief an den BDPh-Präsidenten betr. Foliensache (vom November 2002!) mit einem ganzen Ordner Anlagen blieb ohne Antwort.

Ein geraume Zeit später erfolgter Anruf wegen der für die BDPh-Mitglieder wichtigen und dringlichen Angelegenheit wurde abgeblockt. Ein Rückruf erfolgte nicht.

Die Anregung des BPP-Präsidenten Dr. Penning, meine Feststellungsklage gegen die Albenhersteller mit einem symbolischen Betrag zu unterstützen, wurde demonstrativ abgelehnt.

Während des mehrjährigen Verfahrens herrschte beim BDPh-Vorstand Funkstille. Es entstand der Eindruck, das Problem sollte unter Hinweis auf das laufende Verfahren ausgesessen werden.

Nach Erscheinen meines Flyers im Oktober 2007 hat sich nicht der BDPh-Vorstand an mich gewandt, sondern der Redakteur der Hauszeitschrift.

Es gibt bis heute keine offizielle Stellungnahme des BDPh-Vorstandes zur Gesamtproblematik, wie sie mittlerweile vom BDB, BPP und sogar dem APHV (mit eindeutigen Warnungen und Aufforderungen an die Hersteller) vorliegt.

Es gab und gibt seit dem Jahre 2002 durch den Vorstand keinerlei direkte Unterstützung meiner Bemühungen um Schadensbegrenzung. Diese Bemühungen kommen in allererster Linie den BDPh-Mitgliedern zugute.

Es ist nicht erkennbar, dass auf die betroffenen Hersteller Druck ausgeübt wurde. Noch während der letzten Messe in Sindelfingen wurde mir erklärt, der BDPh-Vorstand halte dies für nicht sinnvoll.

Der BDPh-Vorstand ist der Meinung, in der Folienangelegenheit keine Fehler gemacht und seine Mitglieder stets zeitnah und ausreichend informiert zu haben.

Bei der nächsten Hauptversammlung sollten dem BDPh-Vorstand von den Mitgliedern klare Fragen gestellt werden, auf die klare Antworten erwartet werden sollten.

P.F.
 
Jürgen Witkowski Am: 30.03.2008 13:09:55 Gelesen: 112366# 19 @  
@ Richard [#18]

Ein Zensurbeleg der besonderen Art

Ich finde es einfach nur beschämend. Anstatt öffentlich im BDPH-Forum Stellung zu beziehen, wird der Beitrag und mit ihm der gesamte Thread einfach aus dem Verkehr gezogen. Heute, Sonntag den 30.03.2008, 13.00 Uhr ist der Thread im BDPH-Forum nicht mehr aufrufbar.

Mit vollkommenem Unverständnis
Jürgen
 
doktorstamp Am: 30.03.2008 13:20:05 Gelesen: 112363# 20 @  
@ Concordia CA [#60]

Diese kleine Meldung stand da;

Thema gelöscht von curtis
Grund: Nach Absprache mit Peter Feuser bis nach Abschluss des Gerichtsverfahrens (Anfang April) deaktiviert.


In wie fern dies stimmt, oder ob jemand eigenhändig gehandelt hat, werden wir vielleicht erst später erfahren.

Von PF gibt es keine Stellungnahme zu dem 'Deaktivieren'.

Also abwarten.

mfG

Nigel
 
Jürgen Witkowski Am: 30.03.2008 13:42:29 Gelesen: 112361# 21 @  
@ doktorstamp [#61]

Ich bekomme nur die unten angezeigte Meldung:

Ungültige Angabe: Thema

Wenn Sie einem normalen, gültigen Link im Forum gefolgt sind, wenden Sie sich bitte an den Webmaster.

Ich rechne mit allem und kann nichts mehr glauben. Traurig, dass es zu einem solch unglaubwürdigen Spiel kommen musste.

Mit immer mehr Unverständnis
Jürgen
 


doktorstamp Am: 30.03.2008 14:06:29 Gelesen: 112358# 22 @  
@ Concordia CA [#21]

Hier der Link

http://www.bdph.de/forum/forumdisplay.php?f=64

Etwas runterscrollen da siehst du den Platz wo der Thread einst stand.

mfG

Nigel

PS Ich gehe davon aus du hast die Seite eingespeichert.
 
Jürgen Witkowski Am: 30.03.2008 15:36:47 Gelesen: 112353# 23 @  
@ doktorstamp [#22]

Das beruhigt mich ein wenig. Bei meinem Direktlink zu dem Thema bekomme ich jedenfalls oben von mir gezeigte Seite zu sehen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Jürgen Witkowski Am: 31.03.2008 17:10:51 Gelesen: 112327# 24 @  
Stellungnahme von Peter Feuser vom 31.03.2008

Der Haupt-BDPh-Thread ist nach Absprache zwischen den Moderatoren und mir bis zur Erledigung des Rechtsstreits mit den Albenherstellern deaktiviert worden. Ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Die beiden betroffenen Albenhersteller haben zusätzlich zur Einstweiligen Verfügung vom 5.2.2008 mittlerweile einen Ordnungsmittelantrag beim Landgericht Stuttgart gestellt und das Gericht aufgefordert, mich mit einer empfindlichen Strafe zu belegen. Mein Rechtsanwalt hat den Antrag gestellt, sowohl die Einstweilige Verfügung als auch den Ordnungsmittelantrag zurückzuweisen.

Um eine weitere Eskalation des Rechtsstreits zu vermeiden, habe ich der vorläufigen Deaktivierung des Hauptthreads, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, zugestimmt.

Bis zur Erledigung des Rechtsstreits ist es mir nicht mehr möglich, zur Sache detailliert Stellung zu nehmen und ich bitte höflichst, bis auf weiteres von Anfragen abzusehen. Über den Fortgang der Angelegenheit wird in den Foren zeitnah berichtet werden.

P.F.
 
Richard Am: 02.04.2008 10:55:36 Gelesen: 112279# 25 @  
@ Concordia CA [#63]

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Termin Anfang April auf Wunsch der Albenhersteller verschoben wurde.

Ein neuer Termin ist mir noch nicht bekannt.
 
Richard Am: 02.04.2008 18:19:34 Gelesen: 112269# 26 @  
Weitere Informationen von Peter Feuser:

Deutsche Briefmarken-Revue 4/2008

In der April-Ausgabe der Zeitschrift befindet sich ein Artikel zur Folienproblematik.

Bemerkenswert sind die Ausführungen des Herstellers KOBRA, die in Nuancen von der bisherigen Informationspolitik abweichen und indirekt das Gefährdungspotential von Hart-PVC für bleihaltige Marken nicht mehr in Frage stellen. Jetzt heißt es:

"Wir haben schon bisher bei einem wesentlichen Teil unseres Fertigungsprogramms parallel zu Hart-PVC auch Folien aus Polypropylen eingesetzt und angeboten, welche sich bisher als unbedenklich bestätigt haben. Dies werden wir weiter ausbauen. Die von uns verwendete Hart-PVC-Folie in frei von jeglichen Weichmachern*, sodass für den Großteil der Sammler, die nicht von der Problematik bleihaltiger Naturfarben betroffen sind, ein hochwertiges und unbedenkliches Produkt zur Verfügung steht."

* Nach meinen Informationen kann das von Natur aus sehr spröde Hart-PVC ohne Zusatz von Weichmachern nicht zu Folien verarbeitet werden. Analysen der handelsüblichen Hart-PVC-Folien bestätigen das Vorhandensein von Ölsäure-Estern und Phthalat-Weichmachern. Die Firma Lindner schreibt in der letzten PHILATELIE, S. 57: "Unsere Folien bestehen aus Polyvinylchlorid mit esterartiger Komponente (PVC-Folie)."

In der Produktinformation der Firma Leuchtturm heißt es:

"Allerdings können auch wir ein Risiko nicht zu 100 Prozent ausschließen. Briefmarken-Sammlern, die aufgrund eines eventuell bestehenden Risikos im Zusammenhang mit der Verwendung von Hart-PVC-Produkten auf diese verzichten möchten, empfehlen wir auf Produkte ohne Hart-PVC auszuweichen."

In der aktuellen Kundeninformation der Fa. SAFE heißt es nach wie vor:

"Unsere Folien wurden laufend getestet. Es besteht kein Anlass, an der Eignung für Briefmarken, auch für sog. "klassische" Marken, zu zweifeln."

Und bei Lindner:

"Aufgrund dieser Fakten besteht kein Grund, an der Eignung unserer Folien für die Unterbringung von Briefmarken zu zweifeln."
 
Richard Am: 05.04.2008 09:09:42 Gelesen: 112243# 27 @  
Peter Feuser schreibt:

Das Landgericht Stuttgart hat jetzt als neuen Verhandlungstermin festgesetzt:

Dienstag, 15. April 2008, 16.30 Uhr, Landgericht Stuttgart, Urbanstr. 20, 1. Stock, Saal 155.
 
Jürgen Witkowski Am: 15.04.2008 20:41:25 Gelesen: 112139# 28 @  
Stellungnahme von Peter Feuser vom 15.04.2008, 18.53 Uhr im BDPh-Forum

Heutiger Rechtsstreit zur Folienproblematik

Gegenstand der heutigen Verhandlung vor dem Landgericht Stuttgart war eine Einstweilige Verfügung der Albenhersteller SAFE und Lindner gegen mich wegen Äußerungen im Thread "PVC-Folien schädlich für altdeutsche Briefe (Bleisulfidschäden)?"

Bei dieser Verhandlung ging es nicht um die eigentliche Problematik, sondern um eventuelle Verstöße meinerseits gegen den im letzten Verfahren (Negative Feststellungsklage) geschlossenen Vergleich. Der Streitwert betrug € 100.000,-.

Das Gericht schloss sich im Wesentlichen den Argumenten der Albenhersteller an und empfahl letztendlich unter Hinweis auf die hohen Kosten bei Fortführung des Verfahrens, den Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung zurückzunehmen. Der Ordnungsmittelantrag der Albenhersteller gegen mich wurde auf Vorschlag des Gerichts einvernehmlich für erledigt erklärt.

Die Kosten des Einstweiligen Verfügungsverfahrens von ca. € 8.000,- müssen von mir getragen werden. Die Kosten für den Ordnungsmittelantrag trägt jede Partei selbst.

Ich danke ausdrücklich allen Teilnehmern aus diesem und anderen Foren, die mich mit einem finanziellen Beitrag oder durch zustimmende Postings unterstützt haben. Es sind mittlerweile rund € 2.500,- an Spenden zusammengekommen. Meine früheren Bemühungen in der Sache wurden bereits vom BDB und BPP mit einem Zuschuss unterstützt. Allen Verbänden danke ich zudem für die in den letzten Monaten verfassten öffentlichen Erklärungen. Ich danke auch der Fachpresse für das Aufgreifen des Themas.

Meine Möglichkeiten, mich in dieser Angelegenheit zu äußern, werden durch die juristischen Auseinandersetzungen mit den Verlagen deutlich eingeschränkt. Ich werde den BDPh als Forenbetreiber noch heute bitten, dass alle meine bisherigen Beiträge im Thread "Bleisulfidschäden schädlich für altdeutsche Briefe (Bleisulfidschäden)?" gelöscht bleiben. Eine reine Sachdiskussion ist natürlich nach den Aussagen des Gerichts auch weiterhin möglich und eine endgültige wissenschaftliche Klärung der Problematik wünschenswert.

Peter Feuser
 
Richard Am: 30.04.2008 11:57:04 Gelesen: 111992# 29 @  
Peter Feuser schreibt:

Michel-Rundschau 5/2008

In der neuesten MICHEL-Rundschau findet sich zum Thema Bleisulfidschäden ein bemerkenswerter Kommentar von Erich H. Slaby. Der Autor hat sich intensiv mit der Thematik beschäftigt und schreibt u.a.:

"Allerdings ist keinesfalls sicher, dass die Veränderungen ausschließlich auf ungeeignete Folien zurückzuführen sind. Schwefelwasserstoff, ein hochgiftiges Gas, ist ein in Spuren vorhandener Bestandteil der Atmosphäre. Außer aus natürlichen Quellen (Vulkanismus) stammt es aus Fäulnisprozessen (Kläranlagen, Abwasserleitungen, Komposthaufen). Daher kann gerade in der Nähe von Industriegebieten und in städtischen Ballungsräumen die Luftverschmutzung auf Dauer eine ähnliche Reaktion hervorrufen, so dass die Druckfarben, der Unterdruck oder das gefärbte Papier auch "an der frischen Luft" mit den darin enthaltenen schwefelhaltigen Stoffen zu reagieren beginnen. Dieses Problem ist ja nicht neu, sondern wurde schon zu Zeiten beobachtet, als es noch keine Klarsichtfolien gab, aber jedermann noch kräftig mit Holz und Kohle heizte und der Misthaufen hinter dem Haus zum Himmel stank.

Unser Tipp: Im Zweifelsfall lassen Sie sich vom Hersteller der Folien bzw.des Albums beraten und bestätigen, dass Sie deren Lieferanten vertrauen können.

Übrigens sind auch die sogenannten "Blattschutzfolien", in denen man eine komplette Albumseite unterbringen kann, nicht zur dauerhaften Aufbewahrung von Briefmarken gedacht, sondern dienen hauptsächlich als Schutz vor mechanischen Beeinrächtigungen und eventuell kurzfristig, gewissermaßen als UV-Filter, auch vor übermäßiger Lichteinwirkung, zum Beispiel beim Versand oder auf Ausstellungen. Die Albumblätter sollte man aber nach Ende einer Veranstaltung wieder ohne diese Schutzfolien im Album unterbringen.

Ganz wichtig: Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Sammlung auf eventuelle Veränderungen! Nehmen Sie eine Marke heraus, und wenn Sie dann einen "Abklatsch" des Markenbildes in der Folie oder unter der Prüflampe das Aufleuchten von Fluoreszenzstoffen im Klarsichtstreifen erkennen können, ist das Album für eine Aufbewahrung von Briefmarken garantiert nicht geeignet. Insbesondere "No-Name"-Alben und -Folien, vor allem, wenn sie schon älter als 30 Jahre sind, können eine Gefahr für Ihre Marken darstellen.

Nach unseren bisherigen Erfahrungen jedoch sind die häufigsten Schäden an Briefmarken ganz überwiegend auf völlig andere Ursachen zurückzuführen, z.B. auf schädliche Stoffe in der (Selbstklebe-)Gummierung, alte Falze, falsches Raumklima mit zu hoher, zu niedriger oder stark schwankender Temperatur und Luftfeuchtigkeit, zu starke oder andauernde Lichteinwirkung, Zigarettenrauch und andere Luftverschmutzung - oder eben auch auf nicht geeignete Klarsichtstreifen in Alben. Die strengen Anforderungen an ein Archiv, wie sie die British Library stellt (klimatisierter Archivraum etc.), lassen sich für einen normalen Sammler kaum realisieren."

Na, dann bedanken wir uns einmal beim bedeutendsten Kataloghersteller der Welt für diese doch sehr deutliche Stellungnahme.
 
doktorstamp Am: 30.04.2008 15:14:09 Gelesen: 111975# 30 @  
@ Richard [#65]

Was der Herr Slaby schreibt kann zumindest als irreführend bezeichnet werden.

Das Ganze missachtet die Gutachten, sowie bekannte chemische Prozesse, Molekulare Migration ist eine Tatsache und kein Märchen.

Das schlechte Lagerung hierzu führen kann ist auch bekannt, aber die Mehrzahl der Sammler heute, achten genauestens auf die Unterbringung ihre Schätze. Es gibt heutzutage weniger Sammler denn je, aber der Schaden hat sich vermehrfacht, was nicht im Einklang mit der Zahl der heutigen Sammler zu bringen ist.

Schleierhaft und irreführend.

mfG

Nigel
 
Richard Am: 04.05.2008 13:06:40 Gelesen: 111917# 31 @  
Peter Feuser schrieb heute:

Weichmacher in Hart-PVC-Folien ?

Die Frage, ob in den Hart-PVC-Folien Weichmacher enthalten sind, ist nach wie vor ungeklärt.

Praktisch alle Alben- bzw. Folienhersteller betonen in ihren Produktinformationen die völlige Weichmacherfreiheit der Hart-PVC-Folien. Sie werden beispielsweise von der Firma X als "garantiert weichmacherfrei" bezeichnet bzw. "Die von uns eingesetzte Hart-PVC-Folie ist weichmacher- und säurefrei." Einem nachfragenden Bayernsammler bestätigte die Firma Y am 4.2.2008: "Die Blattschutzhüllen sind Spezial-Hart-PVC-Folien, welche absolut weichmacher- und säurefrei, maß- und formfest sowie auch alterungsbeständig gemäß Herstellerangaben sind. Sie können also ihre Sammlerstücke weiterhin mit gutem Gewissen aufbewahren."

Es fällt die Einschränkung "gemäß Herstellerangaben" auf. In PHILATELIE 4/2008 enthält die Produktinformation der Firma Y bei den Hart-PVC-Folien als weitere Einschränkung den Zusatz "mit esterartiger Komponente".

In einem Schreiben der Firma INEOS Films vom 2.4.2008, die einem Teil der Albenhersteller das Rohmaterial in Rollen liefert, heißt es: "Hiermit bestätigen wir, dass in INEOS Films Hart-PVC-Folien für den Einsatz für Briefmarkenalben keinerlei Weichmacher als konstitutionelle Additive eingesetzt werden."

Diese Aussage schließt nicht aus, dass in den Hart-PVC-Folien dennoch Weichmacher enthalten sind, sondern bestätigt lediglich, dass von dieser Firma keine Weichmacher bewusst zugesetzt werden. Verschiedene Analysen der handelsüblichen Hart-PVC-Folien detektieren sowohl kleine Anteile von chemischen Weichmachern (Phthalate) als auch rund 1,5 % Ölsäure-Ester, die als natürliche Weichmacher bzw. Gleitmittel gelten. So heißt es in WIPO, Use of Bleached Biodiesel as a Plasticizer: "Eine andere Klasse von Weichmachern sind natürliche Ester. Bekannt sind Ölsäure-Ester u.a. Sie werden u.a. für flexibles PVC eingesetzt."

Auf telefonische Nachfrage bei der Firma INEOS Films wurde mir erklärt, dass für den Lebensmittelbereich ein Grenzwert von 1,5 % derartiger Ölsäure-Ester gilt, der eingehalten wird. Möglicherweise werden deswegen die Hart-PVC-Folien als "weichmacherfrei" vermarktet. Lebensmittelverpackungen haben allerdings im Gegensatz zu Aufbewahrungsmitteln für philatelistische Zwecke nur eine ganz kurze vorgesehene Lebensdauer. Auf weitere Nachfrage vor einigen Wochen per Fax mit u.a. gegoogelten Auszügen aus Artikeln der Firma BAYER usw., die eine Hart-PVC-Produktion ohne Weichmacherzusatz für die allermeisten Verwendungen (also auch Folien) ausschließen und sich m.E. alleine schon deshalb die Aussage "absolut weichmacher- und säurefrei" verbietet, erhielt ich bisher keine Antwort.

In einem Gutachten der EMPA vom 19.6.1995 heißt es: "Speziell weichmacherhaltige Folien sind im Philateliebereich als bedenklich einzustufen, da Weichmacher in das Papier migrieren kann oder Papier-Inhaltsstoffe und Druckfarbenbestandteile in die Folie eindringen können. Ebenfalls können Bleisalze, welche z.B. als Stabilisatoren eingesetzt werden, mit einigen Druckfarben reagieren." In einer Stellungnahme der Firma BAYER heißt es, dass Hart-PVC-Folien bis zu 12 % Weichmacher enthalten können.

Die völlige Weichmacherfreiheit der für Sammlerzwecke verwendeten Kunststoffe ist für Philatelisten besonders wichtig. Weich-PVC-Folien mit einem Anteil von ca. 20-30 % Weichmachern waren bis etwa 1975 für Briefmarken-Aufbewahrungszwecke in Gebrauch und haben nachweislich erhebliche Schäden angerichtet. Offensichtlich durch die Aufbewahrung in Weich-PVC-Folien entstandene Bleisulfidschäden sind allerdings bisher nicht bekannt geworden. Es besteht der Verdacht, dass Hart-PVC-Folien neben den bekannten Beisulfidschäden auch zu Veränderungen wie wandernden Fluoreszenzen, Abblättern z.B. metallischer Farben, Beeinträchtigungen des Gummis usw. beitragen können. Eine fehlende Weichmacherfreiheit könnte die Ursache für diese Veränderungen sein.

Sollte es sich bestätigen, dass die handelsüblichen Hart-PVC-Folien Weichmacher (in welcher Form und in welchem Umfange auch immer) enthalten, erscheint es zwingend notwendig, dass die Alben- und Folienhersteller in ihren Produktinformationen deutlich darauf hinweisen. Nach Lage der Dinge zweifelhafte Garantien wie "absolut weichmacherfrei" wiegen die Verbraucher in einer trügerischen Sicherheit. Hinweise wie "mit esterartiger" Komponente sind keinesfalls aussagekräftig.
 
Richard Am: 23.05.2008 14:26:40 Gelesen: 111689# 32 @  
Peter Feuser schrieb gestern:


APHV Hauptversammlung 2008

Aus dem Bericht des APHV zur Jahreshauptversammlung am 30.3.2008 in Hamburg:

"Die 'Folienfrage' von möglichen Farbreaktionen klassischer Briefmarken durch ungeeignete Unterbringung wurde verantwortungsbewusst und in gemeinschaftlicher Abstimmung mit den anderen philatelistischen Verbänden behandelt.

Als Antrag wurde die Kostenbeteiligung für ein Gutachten von 2002 im Zusammenhang mit der Foliendiskussion gewünscht, die Zusage wird überprüft."


Aus dem Bericht des Präsidenten:

"Und damit nicht genug, es tauchte zeitgleich ein altes Problem wieder aus der Versenkung auf: das Folienproblem. Da unter Anträge dieses Thema noch einmal zur Sprache kommt, hier nur soviel: Zeitintensiv-nervenaufreibend- und wenig erfreulich für alle Beteiligten."


Aus dem Bericht der Verlage zum Geschäftsjahr 2007:

Leider hat ein elitäres Thema in den letzten Monaten großen Aufruhr verursacht: Die Folienproblematik. Keiner der Verlage will, dass Sammler Schaden mit ihren Briefmarken erleiden. Im Gegenteil: Sie wollen den Sammler davor schützen und stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite. Vorschnelle und unüberlegte Aktivitäten helfen niemandem, weder dem Sammler, dem Handel noch den Verlagen selbst. Gerade im Hinblick auf eine hoffentlich noch viele Jahre erfolgreiche Philatelie und im Hinblick auf ein wunderbares und lehrreiches Hobby, das nicht zuletzt Menschen in aller Welt miteinander verbindet und Freude schafft, sollten alle Handelspartner dabei mithelfen, in den kommenden Jahren positive Akzente zu setzen.

Hans W. Hohenester, Verlegersprecher
 
Richard Am: 24.05.2008 09:21:44 Gelesen: 111665# 33 @  
Peter Feuser schrieb gestern:


Der Verlegersprecher Hans W. Hohenester schrieb im Bericht der Verlage zum Geschäftsverlauf 2007:

"Vorschnelle und unüberlegte Aktivitäten helfen niemandem..."

Die wohl gemeinten "Aktivitäten" vom Herbst 2007 hatten eine Vorlaufzeit von mehr als 7 Jahren!! Seit dieser Zeit werden Albenhersteller, der Handel und die Verbände APHV, BDB, BPP und seit dem Jahre 2002 auch der BDPh von den Ereignissen förmlich überrollt!! Seit Mitte 2000 sind Hersteller und auch der APHV (LV Baden-Württemberg) bereits in allen Einzelheiten über die Problematik von mir informiert worden. Jahrelang wurde von mir vergebens darauf hingearbeitet, eine möglichst marktschonende Lösung der Problematik unter Mitwirkung aller Verbände zu finden.

"Keiner der Verlage will, dass Sammler Schaden mit ihren Briefmarken erleiden. Im Gegenteil: Sie wollen den Sammler davor schützen und stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite."

Dazu nur soviel: Der Forennutzer und Bayernsammler Allgäuer erhielt auf seine besorgte Nachfrage wegen der seinerzeitigen Berichterstattung in der PHILATELIE am 21.5.2003 von der Firma Y betr. der Blattschutzhüllen 8XXX folgende Auskunft:

"Unsere Blattschutzhüllen Bestell-Nr. 8XXX sind aus einer weichmacher- und säurefreien Polypropylen-Folie (PP-Folie) und absolut geeignet zur Unterbringung von Briefmarken und sonstigen Belegen."

Auf weitere Nachfrage betr. dieser Blattschutzhüllen Nr. 8XXX aufgrund der neuerlichen Berichterstattung in der PHILATELIE erhielt er am 4.2.2008 per Mail folgende Auskunft:

"Die Blattschutzhüllen sind Spezial-Hart-PVC-Folien, welche absolut weichmacher- und säurefrei, maß- und formfest sowie auch alterungsbeständig gemäß Herstellerangaben sind. Sie können also ihre Sammlerstücke weiterhin mit gutem Gewissen sicher aufbewahren."

Es wird verschwiegen, dass diese Blattschutzhüllen sowohl einen schwefelhaltigen Stabilisator als auch rund 1,5 % Ölsäure-Ester (als Weichmacher bzw. Gleitmittel) enthalten, die im Verdacht stehen, schwere Markenschäden auslösen zu können. Die "positiven Akzente", die Herr Hohenester in seinem Jahresbericht herbeibeschwört, werden von den Albenherstellern zweifellos gesetzt, allerdings ausschließlich für ihre eigenen Produkte und nicht im Hinblick auf die sichere Aufbewahrung gefährdeter Marken innerhalb von Hart-PVC-Folien.

Der APHV schreibt in einer Verlautbarung vom 8.2.2008:

"Von den Herstellern der Folien erwartet der APHV, dass diese unverzüglich alle Anstrengungen unternehmen, um die Ursachen der Verfärbungen zu erforschen und sodann ggf. die Zusammensetzung ihrer Folien entsprechend zu ändern, um deren uneingeschränkte Verwendbarkeit zur Aufbewahrung von Briefmarken zu gewährleisten. Der APHV erwartet darüber hinaus, dass die Folienhersteller bis zur endgültigen Klärung ihre Kunden über die bestehende Problematik umfassend informieren."

Der Albenhersteller Y ist Mitglied im APHV (drei andere Hersteller sind aus unterschiedlichen Motiven aus dem Verband ausgetreten). Der APHV sollte Herstellern, die sich nicht an die Resolution vom 8.2.2008 halten, Sanktionen androhen oder sie zum Austritt aus dem APHV bewegen.
 
Richard Am: 02.06.2008 12:53:18 Gelesen: 111570# 34 @  
Peter Feuser schrieb gestern:

Das im Auftrag des Albenherstellers Y erstellte Gutachten 124.432 der schweizerischen Materialprüfungsanstalt EMPA vom 19.6.1995 wurde von mir bereits deutlich im nicht mehr einsehbaren Arminus-Thread (**) kritisiert. Einerseits wurde in dem Gutachten auf die starke Bleisulfid-Gefährdung von Briefmarken durch PVC-Stabilisatoren hingewiesen, aber andererseits die Hart-PVC-Folien für die Aufbewahrung von Briefmarken empfohlen.

Nach einer Nachfrage von dem Geschäftsführer der Firma CORINPHILA, Karl Louis, rückt die EMPA nunmehr von ihrem Gutachten ab. In einem Schreiben der EMPA bzw. UGRA heißt es:

"Nicht ohne Staunen habe ich als Chemiker von der Quasi-Unbedenklichkeitsbescheinigung in dem von Ihnen zitierten und uns per Fax zugeschickten EMPA-Prüfbericht Nr. 124'432 Kenntnis genommen. [...] Schon deshalb wäre es angebracht gewesen, von Hüllen aus PVC grundsätzlich aus purer Vorsicht und mit Anbetracht der wertvollen Briefmarken abzuraten."

---

(**) im BDPh Forum unsichtbar gemacht oder gelöscht
 
doktorstamp Am: 02.06.2008 15:44:45 Gelesen: 111566# 35 @  
@ Richard [#34]

Nach dem Motto "He who pays the piper calls the tune". Wer bezahlt, hat zu bestimmen (bestechen).

Ob man hier etwas faulriechen kann ? Gibt sicher zu bedenken.

mfG

Nigel
 
Richard Am: 05.06.2008 18:11:52 Gelesen: 111524# 36 @  
Peter Feuser schrieb heute:

MICHEL Deutschland-Spezial 2008

Im neuen Deutschland-Spezial konnten wir zum Thema Bleisulfidschäden nichts finden. Es wären entsprechende Hinweise bzw. Warnungen in der Einleitung unter der Rubrik "Markenfarben" oder bei anderer Gelegenheit (Vorwort usw.) angebracht.

Mutmaßliche typische Bleisulfidfarben wie Preußen 16b oder etwa Alliierte Besetzung 919F (Mi. ** 1.200,-; gestp. 1.000,-; auf Brief 1.200,-!) sind im MICHEL immer noch vertreten. Der BPP sollte sich entschieden dagegen aussprechen, dass solche Marken von ArGe- oder BPP-Mitgliedern geprüft bzw. attestiert werden. Bereits in der Vergangenheit wurden ähnlich gelagerte Aufnahmen von offensichtlich bleisulfidgeschädigten Markenfarben (wie der "Farbfehldruck" NDP 16F) nach kurzer Zeit wieder aus dem Katalog entfernt. Hier erfolgt jetzt der Hinweis: "Bei MiNr. 16 kommen Verfärbungen bis zu (dunkel)lilakarmin vor." Diese Notiz dürfen wir dann auch hoffentlich im nächsten Spezial für die Preußen Nr. 16 erwarten?
 
Richard Am: 27.06.2008 12:11:40 Gelesen: 111267# 37 @  
Peter Feuser fragte gestern:

In PHILATELIE 6/2008, Seite 52, findet sich ein Foto, das im Jahre 2003 entstand und neben dem ehemaligen APHV-Präsidenten Carl-Heinz Schulz die Repräsentanten der bedeutenden deutschen Albenhersteller und des Schwaneberger Verlages zeigt. Die Verlegerrunde tagte, um über die Folienproblematik zu diskutieren.

Zu diesem Zeitpunkt dauerten meine Bemühungen zur Verhinderung weiterer Bleisulfidschäden bereits rund drei Jahre an. Auch lag das PTS-Gutachten aus dem Jahre 2002 vor, das eine mögliche Erklärung für die Farbveränderungen an Marken, Poststempeln usw. lieferte.

Dieses Foto stammt ausweislich der Bildunterschrift vom ehemaligen BDPh-Vorstand Wilhelm van Loo.

In diesem Zusammenhang dürfte die über die Folienproblematik informierten BDPh-Mitglieder die Beantwortung der folgenden Fragen interessieren:

1.) Waren neben Wilhelm van Loo noch weitere BDPh-Vertreter bei diesem Treffen anwesend?

2.) Wurden vom BDPh nachdrücklich die Sammlerinteressen gegenüber dem APHV und den Albenherstellern wahrgenommen, nachdem alle Beteiligten (auch BDPh-Präsident Dieter Hartig) ausführlich über die Bleisulfidproblematik informiert worden waren?

3.) Wurde von den Teilnehmern des Treffens Übereinstimmung über das weitere Vorgehen in dieser Sache erzielt?

4.) Was war der Grundtenor einer derartigen Vereinbarung?
 
Richard Am: 07.07.2008 09:39:27 Gelesen: 111149# 38 @  
Peter Feuser schrieb gestern im BDPh Forum:

---

Die neue PHILATELIE ist für mich noch etwas gewöhnungsbedürftig. Die alte empfand ich insgesamt als die beste aller Zeitschriften, nicht zuletzt wegen der fundierten Fachartikel von woma. Ich bin allerdings ein konservativ denkender Mensch.

Zur Folienangelegenheit möchte ich nochmals deutlich werden: Der BDPh-Vorstand hat hier kläglich versagt und sollte wegen der Tragweite der Affäre zurücktreten. Details hierzu konnte jeder Forennutzer im nicht mehr einsehbaren Arminus-Thread nachlesen.

Ich habe fast drei Jahre lang, sozusagen hinter den Kulissen, versucht, eine alle Seiten befriedigende und möglichst marktschonende Regelung zu finden (BDPh-Präsident Hartig hat sich geweigert, mit mir zu reden). Erst als dies nicht gelungen ist, wollte ich über meinen Auktionskatalog an die Öffentlichkeit treten. Die daraufhin von 2 Albenherstellern erfolgte einstweilige Verfügung endete mit einem Vergleich. Ich durfte mich in Form eines Verdachtes äußern. Dies hätte zum damaligen Zeitpunkt natürlich auch der BDPh zum Anlass nehmen können, die Mitglieder und die Öffentlichkeit unter Berücksichtigung der juristischen Belange offiziell in Form eines Verdachtes zu informieren. Ich teile die Ansicht einiger Mitglieder, dass der BDPh-Vorstand wegen seiner Untätigkeit eine gewisse Mitschuld an seit 2003 entstandenen Bleisulfidschäden trägt, vor allem, weil er meiner dringenden Bitte, die Vorschriften über den Einsatz von Blattschutzhüllen bei Ausstellungen zu verändern, nicht gefolgt ist.

Nach diesem Verfahren haben nicht die beiden Albenhersteller, sondern habe ich die negative Feststellungsklage veranlasst (der alte Vergleich blieb davon unberührt), d.h., nicht ich war verklagt. Es sollte versucht werden, mittels Gutachten die Problematik gerichtlich klären zu lassen. Der BDPh-Vorstand hat eine Unterstützung dieser Feststellungsklage im Gegensatz zu BDB und BPP demonstrativ verweigert. Bis auf woma hat kein einziger führender BDPh-Funktionär bis heute überhaupt nur ein Wort zur Sache mit mir gesprochen!

Gesprochen hat der BDPh-Vorstand mit dem APHV und den Albenherstellern und im Jahre 2003 mit diesen offenbar eine Übereinkunft über das weitere Vorgehen getroffen. Nach Lage der Dinge kann diese Vereinbarung nur so ausgesehen haben, die Diskussion über die Folienproblematik öffentlich nicht weiterzuverfolgen, sonst hätte es sicher nach der Veröffentlichung in der PHILATELIE im gleichen Jahre seitens des BDPh in den Folgejahren weitere Informationen und Warnungen an seine Mitglieder gegeben. Die Artikel in der PHILATELIE erschienen nach außen als die Meinung eines Redakteurs. Wenn sie die Meinung des BDPh-Vorstandes darstellen sollten, hätte man das deutlich machen sollen. Ich selbst habe zu keinem Zeitpunkt darum gebeten, die Berichterstattung in der Fachpresse während der langjährigen Fortdauer der Negativen Feststellungsklage einzustellen oder einzuschränken. @ woma: Hier muss ein Missverständnis vorliegen.

Die Einstweilige Verfügung der beiden Albenhersteller von diesem Jahr betraf nicht die Problematik selber, sondern juristisch fragwürdige Äußerungen von mir im BDPh-Forum. Die umfassende Diskussion im Forum hat aber schließlich dazu geführt, dass jetzt deutliche öffentliche Resolutionen mit Empfehlungen und Warnungen von BPP, BDB und sogar APHV vorliegen. Es ist grotesk und ein Armutszeugnis für den Verband als Sammlerschutzorganisation, wenn es ausgerechnet der BDPh-Vorstand bis jetzt nicht geschafft hat, eine eigene offizielle Stellungnahme zur Gesamtproblematik abzugeben. Die Stellungnahme des Vorstands zu den Ausstellungsblatthüllen ist eine Lachnummer ohne Aussagekraft.

Die äußerst umfangreiche Berichterstattung in der PHILATELIE zum Thema Aufbewahrungsmittel für Briefmarken ist begrüßenswert, die Vermischung des Bleisulfidskandals mit anderen Problemkreisen verwässert die Angelegenheit aber stark und führt zur Verwirrung Betroffener, wie zahlreiche mir zugegangene Anfragen, Leserbriefe in ArGe-Rundbriefen (vgl. letzte Preußenstudien usw.) zeigen. Bedeutende Sammler, die bereits erhebliche Bleisulfidschäden registrieren mussten, belassen ihre Albenblätter nach wie vor in den PVC-Blattschutzhüllen (jetzt oben geöffnet, da kann dann nichts mehr passieren!!) und berufen sich auf fragwürdigste "Garantien" bestimmter Alben- und Folienhersteller betreffend Weichmacherfreiheit usw. und betonen, dass ihre geschädigten Marken nach einer Behandlung mit Wasserstoffperoxyd wieder "wie frisch aus der Druckerei" aussehen.

Das alles ist zum Haare ausraufen! Durch Bleisulfidschäden (deren genaue Ursache wissenschaftlich noch ungeklärt ist) wurden in den letzten 30 Jahren bedeutende Teile unseres philatelistischen Kulturgutes geschädigt bzw. ruiniert. Die chemische Behandlung bleisulfidgeschädigter Marken mit ätzenden Bleichmitteln kommt einer Reparatur gleich, die in den allerseltensten Fällen den ursprünglichen Farbzustand einer Marke wiederherstellt. Anstatt nunmehr alles daran zu setzen, zukünftige Schäden zu vermeiden, verharrt der BDPh-Vorstand nach wie vor in Lethargie und versucht nach wie vor offenbar krampfhaft, eine direkte Konfrontation mit bestimmten Albenherstellern zu vermeiden. Genau eine solche Konfrontation, notfalls auch eine juristische, wäre aber die verdammte Pflicht und Schuldigkeit des Verbandes.
 
doktorstamp Am: 26.10.2008 11:06:44 Gelesen: 110522# 39 @  
In letzter Zeit wird viel über Secol Erzeugnisse und Produkte die Rede. Die Firma hat ihren Sitz in England, hat aber durch zwei Firmen eine Vertretung in Deutschland.

Gesprächen mit der Firma ergaben folgendes:

Noch haben sie sich nicht so intensiv mit der Philatelie beschäftigt, hierzu denken sie an eine Ausdehnung ihrer Produkte um dies künftig abzudecken. Sie sind vom Bleisulfidschaden bewußt.

Alle ihre Produkte sind P.A.T. verifiziert (ISO 14523).

Zu ihren Endverbrauchern zählen u.a. die British Library, British Museum, da die Produkte unbedenklich sind. Eine an David Beech gestellte Frage hat dies auch bestätigt.

Unterdessen haben einige Hersteller ihre Produkte umgestellt haben. Unbdenklich sollen die Taschen von Hawid, Leuchtturm und Prinz sein.

Gelesen aber noch nicht bestätigt, Leuchtturm biete einen Umtausch der Blattschutzhüllen an.

Was und wer unerwähnt bleibt spricht ja Bände.

mfG

Nigel
 
Illgen Am: 26.10.2008 15:36:27 Gelesen: 110505# 40 @  
In Deutschland sind mir 3 Händler bekannt die Polyesterfolien vertreiben:

http://www.moochrom.com
http://www.archiv-box.de
http://www.illgen.at

Und bitte was hier unerwähnt geblieben ist denkt an die Phosphoreszens von Marken!
 
Stempelwolf Am: 03.11.2008 19:55:58 Gelesen: 110497# 41 @  
Nicht alle Marken oder Belege leiden unter der Folie. Um andere Sammler vor gleichem Unheil zu bewahren, stelle ich hiermit meine festgestellten Schäden vor.

Betroffene französische Marken sind MiNr: 5, 15, 22, 30, 35 und 43. Die Druckfarbe "Orange" verfärbt sich unter Folie zu unansehlichem "Braun".

Rote Freistempel auf Belegen verblassen bis zur Unkenntlichkeit.

Beste Grüße
Wolfgang
 
Illgen Am: 04.11.2008 07:21:04 Gelesen: 110473# 42 @  
Hallo Stempelwolf,

könnte ich von dir ein Teil der beschädigten Marken erwerben für meine Referenzsammlung (im Aufbau)?

Suche auch noch Phosphoreszensschäden möglichst mit Hüllen.

Gruß

Hermann
 
Stempelwolf Am: 04.11.2008 20:26:51 Gelesen: 110441# 43 @  
@ Illgen [#42]

Hallo Hermann,

da ich nicht nur die Marke, sondern auch den auf ihr befindlichen Stempel sammele kann ich mich von keiner Marke trennen. Als Beispiel beigefügt: Linke Marke farbfrisch, rechte Marke verfärbt aber Stempel noch gut zu erkennen.



Beste Grüße
Wolfgang
 
Illgen Am: 22.11.2008 09:41:09 Gelesen: 110305# 44 @  
Lieber Wolfgang,

danke für die Bilder, also wenn du mal was los werden willst denke bitte an mich.

Gruß

Hermann
 
Richard Am: 11.12.2008 11:54:16 Gelesen: 110174# 45 @  
Ein Beitrag, auf den Peter Feuser aufmerksam macht:

Artikel in Dansk Filatelistisk Tidsskrift 4/2008

Dieser Artikel von Ib Krarup Rasmussen, langjährigem Produktionsleiter in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb, kann zur Lektüre nur empfohlen werden. Leider liegt nur eine englische Übersetzung aus dem Board von Richard Frajola/USA vor.

Bemerkenswert ist neben vielen anderen hilfreichen Informationen die kategorische Aussage, das Hart-PVC definitiv nicht weichmacherfrei produziert werden kann. Die entsprechenden Garantien, die von einigen Album- bzw. Folienherstellern nach wie vor gegeben werden, sind infolgedessen wertlos.

http://www.rfrajola.com/mercury/RR1.pdf
 
doktorstamp Am: 12.12.2008 04:58:39 Gelesen: 110150# 46 @  
@ Richard [#45]

Ich habe Peter Feuser um eine Kopie des Beitrages im Original erbeten. Es sind einige Fehler aufgetreten, und an einigen Stellen ist das Englisch nicht ganz geheuer.

Ich kann es dann aus dem Dänischen ins Deutsch zu Weihnachten übersetzen.

mfG

Nigel
 
germaniafreund Am: 15.12.2008 09:22:58 Gelesen: 110099# 47 @  
@ Stempelwolf [#43]

Hallo Wolfgang,

auch ich habe mich mit der Folienproblematik zu kämpfen. Links eine farbfrische 94 AI - rechts eine verfärbte 94 BII



Diese Verfärbung ist nicht bei mir geschehen, aber ich habe die Marke als Beispiel für die Verfärbungen erworben. Man sieht sehr schön, dass die Schädigung nicht gleichmäßig sondern ungleichmäßig beginnt.

liebe Grüße Klaus
 
Jahnnusch Am: 15.12.2008 11:14:11 Gelesen: 110093# 48 @  
Kann man feststellen wie viel von der 1 Reichsmark wann gedruckt worden ist?

War nicht nach dem Krieg nicht alles anders, sogar die Markenfarbe fragt erstaunt Jürgen, der aus der Rhön.
 
germaniafreund Am: 15.12.2008 12:39:20 Gelesen: 110086# 49 @  
@ Jahnnusch [#48]

Hallo Jahnusch,

eine Auflagenhöhe der Marken ist nicht bekannt, sollte aber in die Millionen gehen.

Nach dem Krieg und während des Krieges hat sich die Farbe der 94 nicht geändert.



Die oben gezeigte rechte Marke ist eindeutig verfärbt, glaube mir.

liebe Grüße Klaus
 
Illgen Am: 15.12.2008 12:45:33 Gelesen: 110083# 50 @  
Stimmt, die Nr. 94 ist eine sehr empfindliche Farbe, sie verfärbt sich ins rotbraun. Habe etliche Marken davon, eine bedauerlicherweise mit Fotoattest wo darauf steht ohne Mängel. Vermutlich weil es nur 40 Stück davon gibt.

Wenn wir schlau sind deklarieren wir die Farbe als "bessere Farbe b" GRINS!
 
Jürgen Witkowski Am: 28.12.2008 14:21:25 Gelesen: 109976# 51 @  
Sachsen MiNr. 15

Bei dem rechten Exemplar handelt es sich nicht etwa um eine neue Farbvariante der ohnehin schon mit 7 Farbtypen im Michel aufgeführten Sachsen MiNr. 15, sondern um eine von links oben nach rechts unten fortschreitende Verfärbung. Links ist zum Vergleich ein farbfrisches Exemplar zu sehen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Illgen Am: 16.01.2009 18:20:22 Gelesen: 109841# 52 @  
Anbei die Nr 94 BII (Urmarke) dank Oxydation in einer zweiten Farbe!

 
LOGO58 Am: 08.10.2010 17:44:28 Gelesen: 118864# 53 @  
[Beiträge 53 bis 57 aus dem Posthorn Thema redaktionell zusätzlich nach hier kopiert]

Liebe Posthorn-Spezialisten,

ich habe einmal einen Scan der MiNr. 124 eingestellt und wundere mich über die einzige Farbbeschreibung "lebhaftgelbbraun", die ich im Michel finden konnte. Insbesondere die fast schon ins "schwarzbraun" gehenden Werte halte ich zumindest für ungewöhnlich.

Bereits in der Vergangenheit waren mir einzelne Marken dieser Art untergekommen, ich habe aber die Farbe einer Veränderung im Wasserbad o.ä. zugeschrieben. Die jetzt abgebildeten Marken sind jedoch aus einer jüngst von mir aufgelösten Sammlung und nun wundere ich mich doch.

Kann mir jemand eine Erklärung geben? Im Katalog ist kein Hinweis auf Verfärbungen, auch im Wasserbad, zu finden.

Vielen Dank
LOGO58


 
germaniafreund Am: 08.10.2010 17:55:00 Gelesen: 118862# 54 @  
@ LOGO58

Hallo,

ich halte diese Verfärbungen für Bleisulfidschäden. In der 2. Reihe Marke 2-4 und in der 3. Reihe Marke 1 weisen die typischen Unregelmäßigkeiten auf. Bleisulfidschäden treten immer dann auf, wenn keine weichmacherfreien Folien, Steckkarten usw. verwendet werden.

Ist übrigens bei meinem Sammelgebiet auch ein großes Problem.

liebe Grüße Klaus
 
LOGO58 Am: 09.10.2010 16:28:47 Gelesen: 118809# 55 @  
@ germaniafreund [#54]

Hallo Klaus,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Ich halte Deine geschilderte Möglichkeit - auch mangels anderer Alternativen - für sehr realistisch. Trotzdem stellt sich mir die Frage, warum ich die Verfärbungen nur bei der Bund 124 und nicht bei anderen Posthörnern festgestellt habe, die aus der gleichen Sammlung stammen, also höchstwahrscheinlich den gleichen Aufbewahrungsort hatten.

Viele Grüße
Lothar
 
wuerttemberger Am: 10.10.2010 10:22:04 Gelesen: 118777# 56 @  
@ germaniafreund [#54]

Weichmacher enthalten weder Blei noch Schwefel. Es handelt sich vielmehr um Hilfsstoffe, die bei der Produktion von PVC-Folien unabdingbar sind, weil sonst nur Abfall aus den Produktionsmaschinen herauskommen würde. Die Firma Baerlocher ( http://www.baerlocher.de/de/ ) aus Unterschleissheim produziert übrigens diese "Hilfsstoffe".

Gruß

wuerttemberger
 
petzlaff Am: 10.10.2010 11:56:12 Gelesen: 118769# 57 @  
@ LOGO58 [#55]

Bleisulfidschäden sind typisch für Orange-farbene Drucke, und das schon seit über 140 Jahren. Bei anderen Farben kommt so etwas eher nicht vor, gegebenenfalls noch bei braunen, zinnober oder ockerfarbenen Marken. Allerdings kommt das immer auf die chemische Zusammensetzung der Druckfarbe an.

Dass dir bei anderen Marken der Posthornserie so etwas noch nicht aufgefallen ist, liegt einfach daran, dass die anderen Marken farbtechnisch resistent gegen Bleisulfidschäden sind.

Abgesehen davon sind Kataloge auch nur "Menschen", die sehr häufig relativ wenig Interesse an den eigenen Erkenntnissen von durch Schrott geschädigten philatelistischen "Mitmenschen" haben.

LG, Stefan
 
besso Am: 17.11.2010 22:54:07 Gelesen: 116922# 58 @  
@ LOGO58

Hallo Logo53,

war eine Zeit nicht in den Seiten, daher erst heute meine Frage zu den Farbunterschieden bei der 124. Hatte mich vor längerer Zeit intensiver mit Farben bei PH befaßt (in Arge PH Heuss). Dabei ist mir aufgefallen, daß sich unterschiedliche Farben oft zeitlich zuordnen lassen, besonders bei der 124 und der 129, aber auch bei 130, d.h. es sind systematische Erscheinungen.

Speziell bei 124 hat die erste Auflage 1951 die dunklen Töne, etwa wie Deine in der Mitte der 2.Reihe. Allerdings sind Deine abgebildeten aus späteren Auflagen (52 und später), die nie mehr so dunkel sind wie abgebildet. Es spricht damit alles für eine Verfärbung.

Nur der Vollständigkeit halber die Frage: Sieht der Scan so aus wie die Marken? Oder sind im Scan die Unterschiede größer als visuell zu beobachten?

Interessant natürlich die Sache mit den Weichmachern. Hast Du die Marken in so einem alten Album gefunden oder in der Massenware? Mir ist leider solch ein Fund vieler Verfärbungen noch nicht gelungen.

Wer weiß genau, um welchen Weichmacher es sich handelt oder wirken generell alle verfärbend? Und auf welche Farb-Pigmente wirkt er? Würde mich sehr interessieren. Gibt es Fachliteratur zu dem Thema "Weichmacher"?

Generell zur Farbforschung noch die Frage an Bildbearbeitungs-Spezis: Wie kann man geringe Farbunterschiede per Software so verstärken, daß die Unterschiede visuell besser sichtbar werden? Wäre ein guter Trick, um einfacher nach Farben zu sortieren. Mir ist es nicht gelungen.

Besso
 
besso Am: 17.11.2010 22:59:59 Gelesen: 116917# 59 @  
@ petzlaff

Hallo Stefan,

habe eben an Logo58 geschrieben. Das mit den farbverändernden Wirkungen der Weichmacher interessiert mich etwas genauer. Kennst Du Literatur dazu? Oder weißt Du Genaueres zum ablaufenden Chemismus?

MfG
Reinhard
 
taro Am: 28.08.2013 19:13:58 Gelesen: 90591# 60 @  
Ich benutze 160g Papier von Clairefontaine (Trophée in charmois). Dieses ist zwar ein wenig teurer als normales Kopierpapier, jedoch ist es pH-Neutral und somit sollte die Überraschung in einigen Jahres ausbleiben. Zumal ich die Marken noch in Hawids packe sowie das ganze in dokumentenechten Hüllen abhefte. Ich glaube, das sollte reichen. ;-)

Viele Grüße
Sven
 
Wim Ehlers Am: 28.08.2013 19:40:36 Gelesen: 90575# 61 @  
@ taro [#60]

Hallo Sven,

nur ein kleiner Hinweis zu dokumentenechte Hüllen: Sie müssen weichmacherfrei sein, damit sie nicht im Laufe der Zeit vergilben (ja, gibt es auch bei PVC und kann einem so manche Marke nach Jahren zerstören).

Zum Thema Papier: da nutze ich Naturpapiere in unterschiedlichen Pastell-Farben (je nach Sammlung), am liebsten 120 g/qm, und dann nehme ich immer 2 fertige Seiten (also später linke und rechte Seite) und packe sie in die Dokumentenhülle. Das trägt dann schon ordentlich auf.

Beste Grüße
Wim
 
zockerpeppi Am: 28.08.2013 20:22:17 Gelesen: 90528# 62 @  
@ eurowelter [#61]
@ taro [#60]

Auf der Jahreshauptversammlung der Belux hat Lars uns verdeutlicht, welche Schäden PVC bei vor allem älteren Briefmarken verursachen kann! Dann lieber einige Cent mehr ausgeben und nicht recyceln oder Briefe klassisch im Schuhkarton aufbewahren.

@+
Lulu
 
taro Am: 28.08.2013 20:30:51 Gelesen: 90518# 63 @  
@ zockerpeppi [#62]

Sind die Marken denn auch ohne direkten PVC-Kontakt gefährdet? Vielleicht kann Lars hier genauere Auskünfte geben - es soll ja schließlich nicht am falschen Ende gespart werden.

Grüße
Sven

[Beiträge 60 bis 63 redaktionell kopiert aus dem Thema "Briefmarkensammeln, auch etwas für den kleinen Geldbeutel"]
 
Lars Boettger Am: 29.08.2013 15:45:17 Gelesen: 90660# 64 @  
@ taro [#24]

Hallo Sven,

heute sind Bleisulfidschäden durch Umwelteinfluss so gut wie ausgeschlossen. Ausser man wohnt in der Nähe eines Kohlekraftwerks, dass mit schwefelhaltiger Kohle betrieben wird. Die meisten Schäden werden durch schwefelhaltige PVC-Folie verursacht, auch wenn das durch die Hersteller verneint wird. Den Folienherstellern fehlt der wissenschaftliche Beweis, nur durch Beobachtungen lassen sie sich nicht überzeugen.

Briefmarken bis ca. 1955 sind dabei gefährdet. Luftabschluss sollte man vermeiden, PVC ganz weglassen, ich bewahre meine Sammlungen in HAWID-Steckkarten auf bzw. die Belege in Polyester-Behältern - ohne Folio. Das ist kostengünstig und die Belege sind geschützt.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
Wim Ehlers Am: 29.08.2013 16:06:34 Gelesen: 90645# 65 @  
@ Lars Boettger [#64]

Hallo Lars,

Du hast geschrieben Briefmarken bis ca. 1955 sind dabei gefährdet. Luftabschluss sollte man vermeiden, PVC ganz weglassen.

Das hört sich wirklich besorgniserregend an! Kannst Du das etwas näher erläutern, denn die meisten Philatelisten und Briefmarkensammler besitzen ja gerade Marken des Deutschen Reich und aus den Anfangsjahren der beiden deutschen Staaten.

Wenn ich daran denke, dass solche Sammlungen gefährdet sein sollten, nur weil sie in PVC-Hüllen eingetütet wurden, eventuelle Schäden davontragen, müssten sich sogar Sammler wegen der Wertbeständigkeit Gedanken machen, aber auch Einsteiger in unser Hobby könnten gleich auf den richtigen Weg der Unterbringung ihrer Sammlung geführt werden.

Vielen Dank schon einmal!

Beste Grüße
Wim

[Beiträge 64 und 65 redaktionell kopiert aus dem Thema "Briefmarkensammeln, auch etwas für den kleinen Geldbeutel"]
 
Meinhard Am: 09.03.2014 08:35:13 Gelesen: 87054# 66 @  
Hallo eurowelter,

lese gerade diesen Beitrag und möchte einen Beitrag einstellen, welcher in der Ausgabe "Die Briefmarke", Ausgabe 3/14, Herausgeber: VÖPh, 1060 Wien von Herrn Fritz H. Sturzeis erschien. (Quellennachweis) (ist auch hier abgebildet http://www.voeph.at/index.php?id=235)

Diese Zeitschrift wird mit der Post an alle BriefmarkenSammler, welche ein Abo bei der Österreichischen Post haben, zugestellt.

Der eingestellte Original-Block stammt von meiner Sammlung, wo der "Goldaufdruck" noch vorhanden ist.

Schöne Grüße an alle, Meinhard


 
hajo22 Am: 09.03.2014 10:45:11 Gelesen: 87014# 67 @  
Wer hat negative Erfahrungen mit den Folien der Fa. SAFE gemacht? Ich bewahre meine Sammlung auf Blankoblättern (Marken in Hawidtaschen) unter Safe-Schutz(folien)hüllen auf (Briefe/Dokumente/Marken).

Würde mich interessieren, da ich ansonsten Briefe lediglich in Pergaminschutzhüllen stehend in Pappkartons aufbewahre, hier dürfte keine Gefahr bestehen.

Viele Grüße
Jochen
 
hajo22 Am: 09.03.2014 11:55:38 Gelesen: 86992# 68 @  
Ich hatte auch viele Jahre die SAFE-Spezialblätter für Ganzsachen/Briefe (2 Briefe Vorderblatt, 2 Briefe Rückseite) verwendet. Ich denke, das ist auch nicht unproblematisch. Wenn man einen Beleg aus solch einer Tasche entnimmt und daran riecht, steigt ein saurer Geruch in die Nase. Ich habe daher vor einiger Zeit begonnen auch hier die Alben zu leeren und auf die gute alte Pergamintüte umzusteigen. Der saure Geruch verfliegt nach 5-10 Minuten an der "frischen" Luft.

Ich habe daraufhin Kontakt mit der Fa. Hans Schröder (http://www.archiv-box.de) aufgenommen und mir den Produktkatalog für die Philatelie zusenden lassen. Slogan der Firma: "Kulturgut sicher aufbewahren", Produkte für Museen, Bibliotheken, historische Sammlungen, usw. Ich bin jedoch noch nicht auf deren Produkte - aus Kostengründen - umgestiegen. Ich müßte dann eine radikale Umgestaltung der Aufbewahrung vornehmen.

Bei ALDI gibt es Prospekthüllen DIN A4 (Produktname "REX") aus Polypropylen (PP), die ich seit geraumer Zeit für die Aufbewahrung großformatiger Briefe nutze. Die Hüllen haben 4-fach Lochung und passen damit in jeden normalen Leitzordner. Bislang konnte ich noch keine Schädigungen (auch an älteren) Briefen feststellen.

Daneben verwende ich für die Ganzsachen Kobrablätter und Ordner. Auch hier ist ein gewisser saurer Geruch festzustellen. Vor allem gefährdet erscheinen mir die Bund-Ganzsachen aus der frühen LUMOGEN-Zeit. Gerade bei den ganz wertvollen (teuren) Ganzsachen ist zu befürchten, daß der Lumogen-Streifen (dünn bzw. dick) so nach und nach verschwindet.

Viele Grüße
Jochen
 
Richard Am: 02.06.2014 17:59:23 Gelesen: 85834# 69 @  
Aus dem Bericht über die Jahrestagung des BDB:

Kundenorientiert diskutierten die Mitglieder des BDB bei ihrer Tagung die Problematik bestimmter PVC-Blattschutzhüllen, unter denen nach wie vor starke Verfärbungen von Briefmarken zu beobachten sind. In Zusammenarbeit mit den anderen Philatelieverbänden in Deutschland, besonders dem BDPh, sollen hier künftig weitere Schritte unternommen werden.

Wir können gespannt sein, was der neue Vorstand des BDPh unternehmen will.

Schöne Grüsse, Richard
 
Richard Am: 02.08.2014 09:03:17 Gelesen: 84890# 70 @  
Folienschäden bei Briefmarken

(wm) Der Mülheimer Auktionator Harald Rauhut ist bekanntlich auch Präsident des Bundesverbandes Deutscher Briefmarkenversteigerer (BDB). In dieser Funktion ist er seit Jahren mit dem Thema „Folienschäden auf Briefmarken“ vertraut, die BDB-Mitglied Peter Feuser zuletzt bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des BDB in Bremen nachhaltig wieder zur Sprache gebracht hat. Für sein eigenes Auktionshaus Rauhut & Kruschel zog Harald Rauhut nun die Konsequenz, die er mit nachfolgend wörtlich wiedergegebenem Text im Vorwort zu seinem Katalog der 158. Versteigerung publizierte:

Der Auktionator ist verpflichtet, als Treuhänder eingeliefertes Gut besonders sicher zu verwahren. Aus diesem Grunde haben wir in der Vergangenheit zum Schutz von Einzellosen diese in Folien eingeschweißt. Unter Abwägung aller Interessen und Risiken verzichten wir ab dieser Auktion auf die Verwendung von Hart-PVC-Folien zur Aufbewahrung von Briefmarken, bis auf wenige moderne Ausnahmen.

Die von diversen Herstellern bis heute ohne Warnhinweise in Verkehr gebrachten Hart-PVC-Folien sind nach langjährigen Erfahrungen vieler Berufsphilatelisten und meinen eigenen Erfahrungen nach für die Lagerung von klassischen und vielen semiklassischen Marken ungeeignet. Der Stuttgarter Kollege Peter Feuser hat hierzu bereits vor einigen Jahren eine umfangreiche Ausarbeitung vorgelegt, die auch heute noch gilt. Fakt ist, dass nach Aufbewahrung in Hart-PVC-Folien klassische und semi-klassische Marken (z.B. Deutsches Reich Nr. 63, Flugpost-Rhein-Main, bis hin zu Bund Nr. 119, 136 oder 158) oft deutliche Verfärbungen, sog. „Bleisulfidschäden“, zeigen. Dies betrifft nicht nur Marken der ganzen Welt, sondern auch Vorphilabriefe. Die Kontrollrat Nr. 919F beispielsweise war einige Jahre im Michel teuer notiert, obwohl die Farbe das Ergebnis einer Verfärbung durch Lagerung in falschen Folien war. Wir empfehlen Ihnen, Ihre Briefmarken auf die für die Unterbringung verwendeten Produkte hin zu überprüfen. Bedenkenlos ist Polysterol (HAWID) oder Polyester (Blattschutzhüllen etc.). Insbesondere klassische Marken sollten Sie aus ungeeigneten Hart-PVC-Hüllen sofort entfernen.

 
Richard Am: 03.02.2016 09:23:11 Gelesen: 75305# 71 @  
Folienschäden an Briefmarken – eine philatelistische Katastrophe

wm (01.02.2016) - Das Thema erregt seit Jahren die Gemüter zahlreicher Sammler im In- und Ausland. Es schlägt hohe Wellen, die nicht selten – gerade im Internet und in sozialen Netzen – für endlos viele Einträge sorgen.

Christian Geigle, der Präsident des Bundes Philatelistischer Prüfer, ist mit diesem Thema bestens vertraut und bereits der Titel seines Vortrages deutet die Tragweite an. Mehr dazu wird er am 4. März 2016 ab 12 Uhr im FORUM der Internationalen Briefmarken-Börse München (gleich neben dem Großstand der Deutschen Post) interessierten Zuhörern näher bringen.
 
22028 Am: 03.02.2016 09:30:27 Gelesen: 75300# 72 @  
Zu dem Thema ist auch ein Artikel von Wolfgang Straub in der Februar 2016 Ausgabe der Philatelie.

http://www.bdph.de/fileadmin/Image_Archive/Startseite/Februar_16_Inhalt.pdf

Folienproblematik und Farben. Die Farbtönungsunterschiede beim Aulendorfer Aufdruck der Wohnungsbaumarken (I)
 
Francysk Skaryna Am: 04.02.2016 09:27:22 Gelesen: 75119# 73 @  
Moin

@ Richard [#127]

Das Thema erregt seit Jahren die Gemüter

... ohne, dass sich abschließend etwas geändert hätte. Sonst gäbe es diese Diskussion nicht. Eigentlich schade.

@ Richard [#126]

Die von diversen Herstellern bis heute ohne Warnhinweise in Verkehr gebrachten Hart-PVC-Folien sind nach langjährigen Erfahrungen ... für die Lagerung von klassischen und vielen semiklassischen Marken ungeeignet.

Wir brauchen keine Warnhinweise, sondern problemfreie Aufbewahrungsmittel. Es gibt sicher kein alle möglichen Alterungsumstände ausschliessendes Aufbewahrungsmittel, aber ohne Not durch ungeeignete Materialien weitere negative Umstände hinzuzufügen, ist schon etwas seltsam. Einzig von der Firma Leuchtturm ist mir bekannt, dass sie in einer Übersicht [1] die verwendeten Materialien nennt. Welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, bleibt jedem selbst überlassen. Aber warum tun sich andere Hersteller so schwer damit, wenigstens die Materialien zu nennen?

Gruss

[1] https://www.leuchtturm1917.de/index.php/downloads/dl/file/id/77/kunststoffhüllen_produktinformation.pdf
 
22028 Am: 04.02.2016 10:56:51 Gelesen: 75082# 74 @  
@ Francysk Skaryna [#129]

Es gibt ja mehrere Gutachten, die aber scheinbar zu verschiedenen Ergebnissen / Ursachen kommen.

Solange es keine rechtlich bindenden Gutachten gibt, werden die Hersteller sich wohl hüten irgendwelche Warnhinweise zu drucken da könnten sonst Schadenersatzforderungen in großer Höhe auf sie zu kommen.
 
Francysk Skaryna Am: 04.02.2016 12:49:42 Gelesen: 75026# 75 @  
@ 22028 [#130]

Moin,

Es gibt ja mehrere Gutachten, die aber scheinbar zu verschiedenen Ergebnissen / Ursachen kommen.

Für die unterschiedlichen Ergebnisse muß es ja Gründe geben! Es wäre einmal interessant zu wissen, mit welcher Zielsetzung sie beauftragt wurden. Die Ursachen sind ja bekannt und ändern sich nicht alleine deshalb, weil statt des Käufers (oder seines Interessenvertreters) nun der Händler / Hersteller den Auftrag gibt.

Die Interessenlage ist ebenso nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist, dass man nach wie vor von Herstellerseite das selbe Material verkauft - wissentlich dessen, dass da zumindest ein wohlbegründeter Verdacht besteht. Es ist ja nicht so, als wenn es dazu keine Alternativen gäbe, bei denen die Probleme bislang nicht beobachtet wurden.

Einen derartigen Vorgang hat man ja schon bei den sogenannten Schonfalzen beobachtet, die so lange verkauft wurden, bis sich nicht mehr leugnen ließ, was ohnehin schon länger bekannt war. Was hat man eigentlich daraus gelernt?

Gruss
 
Peter Feuser Am: 04.02.2016 13:20:23 Gelesen: 75006# 76 @  
Gelernt hat man aus der Schonfalz-Affäre (deren Schadenshöhe wohl im niedrigen Promillebereich der Hart-PVC-Schadenshöhe liegt) und der Weich-PVC-Affäre (ebenfalls geringe Schäden) nichts. In beiden Fällen erfolgte nach relativ kurzer Zeit ein Rückruf und die Falze bzw. Weich-PVC-Folien wurden nicht mehr für philatelistische Zwecke vertrieben. Hart-PVC-Folien wurden und werden immer noch seit Anfang/Mitte der 1970er-Jahre -trotz Kenntnis der Gefahren- von den Zubehörherstellern vertrieben. Bereits Mitte der 1970er-Jahre gab es juristische Auseinandersetzungen zwischen geschädigten Sammlern und einzelnen Albenherstellern. Das Verhalten der Zubehörhersteller ist völlig rücksichtslos und unverantwortlich. Es müsste geprüft werden, ob hier nicht gegen Produkthaftungsvorschriften verstoßen wird. Es sollte juristisch geprüft werden, ob den hauptbetroffenen Albenherstellern der Vorwurf der vorsätzlichen Sachbeschädigung gemacht werden kann.

Die von zwei Albenherstellern veranlassten Gutachten niedrig gestellter Institute (Universität Stuttgart bzw. Steinbeis-Institut, Reutlingen) müssen als Gefälligkeitsgutachten angesehen werden. Sie "entlasten" die Folien lediglich durch die Aussage, dass sich eine Migration (also ein Austreten) der schwefelhaltigen Stabilisatorenanteile, nicht nachweisen lasse. Sowohl in Gutachten der höher gestellten Papiertechnischen Stiftung, München, als auch der deutschen sowie der schweizerischen Material-Prüfungsanstalt (EMPA) werden diese Migrationen als Tatsache dargestellt.

Die von den beiden Albenherstellern veranlassten "Gutachten" sind infolgedessen zur Entlastung der Hart-PVC-Folien wertlos.
 
mljpk Am: 04.02.2016 14:43:06 Gelesen: 74969# 77 @  
@ Peter Feuser [#131]

Sehr geehrter Herr Feuser,

eine Produkthaftung scheint aus meiner Sicht durchaus möglich.

Problembereiche für den Anspruchssteller werden in einer Überlegung zu Ihren Schilderungen sein, die Kausalität zwischen fehlerhaftem Folienmaterial und Schaden zu beweisen, die Schadenshöhe zu beziffern (nötige Marktpreisermittlungen zu den geschädigten Marken vorher/nachher), was dann nach meiner Einschätzung auf einen Gutacherstreit hinauslaufen würde, mit gewissen Beweiserleichterungen bei der Ermittlung der Schadenshöhe, jedoch bei einem offenen Beweisergebnis (im Juristendeutsch "non liquet") dies zu Lasten des Anspruchsstellers gehen kann. Da die Diskussion auch schon länger schwelt, dürfte die Verjährung von Produkthaftungsansprüchen von drei Jahren ab Kenntnisnahme von Fehler, Schaden und Person des Herstellers eine zu beachtende Frage sein. Je länger man zuwartet, desto schwieriger wird es für den Geschädigten.

Die Hersteller könnten sich damit exkulpieren, dass bis zum Aufkommen der Diskussion um die Folienproblematik eine mögliche Schädigung nach dem Stand von Wissenschaft und Technik nicht erkannt / vorhergesehen werden konnte. Interessant ist die mir bisher nicht bekannte gewesene Tatsache, dass bei Weichfolien bereits in den 1970er Jahren eine Verfärbungsdiskussion vorlag. Man müsste mal tiefer einsteigen ob und inwieweit die aktuell relevante chemische Reaktion bereits damals bekannt war, was dann dem Hersteller den Einwand fehlender Kenntnis nach Stand der Technik abschneiden könnte, da er aus den damaligen Vorgängen zu den Weichfolien nach dem verhältnismäßig strengen Haftungsmaßstab des „Inbegriffs der Sachkunde, die im wissenschaftlichen und technischen Bereich vorhanden ist, also die Summe an Wissen und Technik, die allgemein anerkannt ist und allgemein zur Verfügung steht" hätte ableiten können, dass eine chemische Wechselwirkung und Schädigung von Marken auch bei Hartfolien auftreten kann.

Soweit mit bekannt ist, wurden doch bereits Prozesse geführt. Können Sie hier Einzelheiten zu den Anspruchsgrundlagen und dem Ausgang und den Hintergründen dazu schildern? War die Produkthaftung dabei ein Thema? Jedenfalls müsste ein Anspruchssteller mit einem konkrekten Verfärbungs- und Papierschaden vorteten, um überhaupt eine Klage versuchen zu können, da bekannterweise ohne Kläger kein Richter zu finden ist.

Dies nur einige kursorische Spontanüberlegungen. Mit Spannung Berichten zu ggf. bereits durchlaufenen Prozessen entgegensehend verbleibe ich mit besten Sammlergrüßen

Jens
 
Peter Feuser Am: 04.02.2016 15:55:50 Gelesen: 74931# 78 @  
Es ging bei meinen eigenen Bemühungen immer um die Verhinderung zukünftiger Schäden. Wegen der Beweisnot der Geschädigten, Verjährung, Gegengutachten usw. müssen Schadensersatzprozesse in Frage gestellt werden, mangels Erfolgsaussichten. Mir selbst sind keine Klagen gegen die Zubehörhersteller bekannt. Nach meinen Informationen wurde im Zuge der Weich-PVC-Affäre Anfang der Siebziger Jahre von einzelnen Zubehörherstellern Schadensersatz an betroffene Sammler gezahlt. Hier gingen sogar Markenteile bzw. -Farben mit den Folien eine physische Verbindung ein, d.h., Farben bzw. Markenteile befanden sich nach einer gewissen Zeit inmitten der Folien! Die Hart-PVC-Problematik hat aber mit der Schadensursache der Weich-PVC-Folien (chemische Weichmacher/Phtalate) nichts zu tun. Bei Hart-PVC-Folien sind die Schwefelanteile in den sog. Stabilisatoren die mutmaßliche Schadensurache.

Die hauptbetroffene Firma X verarbeitet und vertreibt eigenen Angaben zufolge bis heute ausschließlich Hart-PVC, die Firma Y hat nur einen kleinen Teil ihrer Produktion offenbar umgestellt! Dies ist eine echte Katastrophe. Nach Kenntnis des PTS-Gutachtens von 2002 hätten die Hart-PVC-Folien für philatelistische Zwecke nicht mehr angeboten, sondern sogar zurückgerufen werden müssen. Statt dessen werden die Folien bis heute ohne jede Einschränkung, ohne Ausschlusshinweise usw. vor allem von den zwei hauptbetroffenen Firmen vertrieben. Die Schäden dürfen sich m.E. international mittlerweile auf einen dreistelligen Millionenbetrag zubewegen, schließlich haben die Hart-PVC-Folien seit 1975 einen Riesen-Marktanteil erreicht. Jeder Sammler, der beispielsweise seine Deutsches-Reich-Sammlung in Transparent-Albumblättern (mit vorgelagerten Hart-PVC-Folien) unterbringt, schädigt mit großer Sicherheit über kurz oder lang einen Teil seiner Marken, beispielsweise die postfrisch/ungebraucht teuren Mi.Nr. 3, alle Flugpost Rhein-Main, Markwerte der Reichspostausgaben usw. Bei den klassischen Ausgaben sieht es viel, viel schlimmer aus, ein wirklicher Wahnsinn, den der BDPh als sogenannte Interessensvertretung der Sammler und wir alle praktisch ohne Gegenwehr hinnehmen.

Wer sich zusätzlich informieren will, kann das auch in den entsprechenden Threads im BDPh-Forum oder bei stamps-x.
 
mljpk Am: 04.02.2016 16:43:30 Gelesen: 74892# 79 @  
@ Peter Feuser [#78]

Sehr geehrter Herr Feuser,

hat man denn bei den betroffenen Herstellern unter Verweis auf die möglichen Produkthaftungsrisiken (ich denke hier etwa an Instruktionsfehler durch unterbliebene Hinweise auf die beschränkte Verwendbarkeit für Marken mit Bleianteilen in der Druckfarbe) in Kenntnis der von Ihnen benannten Gutachten eine Produktionsumstellung angeregt? Ist Ihnen eine Reaktion hierauf bekannt? Es dürfte doch im ureigensten Interesse der Hersteller sein, hier eine Umstellung zu erreichen, bzw. zumindest Verwendungshinweise zu geben, wenn auch nur ein gewisses Risiko einer schädigenden chemischen Reaktion besteht.

Mit freundlichen Sammlergrüßen

Jens
 
Peter Feuser Am: 04.02.2016 17:06:30 Gelesen: 74873# 80 @  
@ jens

Alle Appelle an die hauptbetroffenen Albenhersteller, auch die von APHV, BPP und BDB (die Anregungen des BDPh-Vorstands kann man kaum als solche bezeichnen), blieben völlig ergebnislos. Natürlich wurde auch jede Diskussion über die Thematik verweigert.

Ich muss mich leider wieder aus der Diskussion aus Zeitmangel ausklinken, bitte Fragen evtl. per PN. Danke.
 
22028 Am: 04.02.2016 18:28:09 Gelesen: 74832# 81 @  
Das Problem mit den Folien ist nun schon seit Jahren bekannt, leider gibt es nach wie vor Unmengen von Sammlern die ihre Marken darin unterbringen. Leider ist es so wie ich sehe die Sachlage nicht einfach. Auch wenn Peter Feuser mit seiner Meinung sicher Recht hat und ich bewundere ihn für seinen Einsatz dafür, solange es kein rechtgültiges Urteil gibt gilt doch immer noch, so schwer es auch sein mag, die Unschuldsvermutung bzw. "in dubio pro reo".

Jegliche Verbände wie APHV, BPP, BDB und der BDPh (letzteren nenne ich auch, wenngleich das Verhältnis von Peter Feuser zum BDPh scheinbar nicht das beste ist) habe sicher nicht die finanzielle Decke sich mit den Herstellern "anzulegen".

In vielen Ortsvereinen, in Foren, in der Philatelie etc. wurde das Problem thematisiert..., es liegt aber zunächst am Sammler selbst sein Meinung zu bilden und Konsequenzen daraus zu ziehen. Nur, viele Sammler interessiert das Thema überhaupt nicht, das sehe ich in meinem Ortsverein immer wieder.

Ich habe die Konsequenzen schon vor mehreren Jahren gezogen und habe ein Albumsystem gefunden das besser und billiger ist. OK, für den 0815 Vordruckalbenfüller ist das System nichts..., der Sammler der Vordruckalben befüllen möchte muss schon etwas Arbeit investieren, und da scheitert es meist...

@ Richard

Du bist ja auch aktiv in Deinem Ortsverein, wie reagieren die Mitglieder da auf das Thema?
 
Peter Feuser Am: 04.02.2016 19:01:45 Gelesen: 74809# 82 @  
@ 22028

wenngleich das Verhältnis von Peter Feuser zum BDPh nicht das beste ist

Sie haben, genau wie ich, in Gotha miterlebt, dass alle BDPh-Landesverbände den Antrag von Jürgen Herbst an den BDPh, auf allerallerniedrigster Stufe in der Folienproblematik endlich aktiv zu werden, abgelehnt wurde. Dies ist eine Schande. Im BDPh-Forum wurde ich wegen kritischer Äußerungen zu diesem Thema gesperrt, Jürgen Herbst sogar lebenslänglich!

Statt die Interessen seiner Mitglieder wahrzunehmen, promotet man im Rahmen der BDPh-Belege-Edition die Hart-PVC-Albenblätter eines der hauptbetroffenen Zubehörhersteller, lässt sich auf Sponsoring ein und macht Schleichwerbung für philatelistische Totengräber.
 
Francysk Skaryna Am: 04.02.2016 20:05:07 Gelesen: 74768# 83 @  
@ Peter Feuser [#82]

Moin,

Im BDPh-Forum wurde ich wegen kritischer Äußerungen zu diesem Thema gesperrt, Jürgen Herbst sogar lebenslänglich!

Mir fiel beim Lesen dieses Satzes ad hoc der Beitrag Original oder Fälschung oder ... in der "Philatelie" ein. Ich habe den Eindruck, als versuche man, in reproduzierbaren Fällen andere Meinungen mundtod zu machen. Maassens Beitrag war meines Erachtens tendenziell und mit dieser Einschätzung stehe ich nicht ganz alleine da. Mit den eigentlichen Aufgaben des Verbandes hat diese Politik herzlich wenig zu tun.

Gruss
 
Francysk Skaryna Am: 05.02.2016 09:17:18 Gelesen: 74658# 84 @  
@ 22028 [#81]

Moin,

Jegliche Verbände wie APHV, BPP, BDB und der BDPh ... habe sicher nicht die finanzielle Decke sich mit den Herstellern "anzulegen".

Man muß ja nicht unbedingt gleich den großen Knüppel schwingen. Die Ursachen sind nun teilweise schon seit gut 100 Jahren ausgemacht [1] und aus den täglichen Erfahrungen lassen sich Empfehlungen herleiten, vielleicht auch im Sinne einer Positivliste, in der die Materialien aufgelistet werden, bei denen die Veränderungen nicht beobachtet wurden. Einziger Pferdefuß wäre, dass nach Änderung der Rezeptur der für die Herstellung benötigten Bestandteile ein Eintrag schnell wieder obsolet werden kann.

Gruss

[1] https://www.bpp.de/de/Folienproblematik.html
 
Richard Am: 06.02.2016 09:43:07 Gelesen: 74515# 85 @  
@ 22028 [#81]

Du bist ja auch aktiv in Deinem Ortsverein, wie reagieren die Mitglieder da auf das Thema?

Hallo Rainer,

obwohl von einigen Mitgliedern Altdeutschland und Deutsches Reich gesammelt, gehandelt und getauscht wird, ist das Interesse an der Folienproblematik genau wie an der Fälschungsproblematik bei Null. An Aufklärung und Vorträgen besteht kein Interesse, mit einer Ausnahme hat niemand auch nur eine Fachzeitschrift abonniert und der Verein spart seit Beginn dieses Jahres die BDPh-Beiträge, er hat sich abgemeldet.

@ Peter Feuser [#82]

Sie haben, genau wie ich, in Gotha miterlebt, dass alle BDPh-Landesverbände den Antrag von Jürgen Herbst an den BDPh, auf allerallerniedrigster Stufe in der Folienproblematik endlich aktiv zu werden, abgelehnt wurde.

Hallo Peter,

ich saß ja als Pressevertreter in der ersten Reihe und habe vieles mitbekommen. Jürgen Herbst, der was vielen nicht bekannt ist im gleichen Verein ein BDPh Verwaltungsratmitglied hat (Aufsichtsrat), war vorher vermutlich noch nie auf einer Hauptversammlung und hat etwas unbeholfen agiert. Das wäre mir wohl genauso gegangen. Meine Versuche, ihn vor der Hauptversammlung per Mail zu erreichen, um ihn über die Abläufe zu informieren, waren erfolglos.

Bei der Ablehnung seiner Anträge ging es nach meiner Überzeugung nicht um die Folienproblematik, sondern um die Finanzen des BDPh. Abgestimmt wird auf der Hauptversammlung nicht von 38.000 Mitgliedern, sondern im wesentlichen von den drei Verwaltungsratvertretern aus Bayern (Ludwig Gambert), Nordrhein-Westfalen (Werner Müller) und Südwest (Peter Kuhm), welche aufgrund ihrer Mitgliederzahl die Stimmenmehrheit und das Sagen haben.

Jede Aktivität, die für Gutachten, Forschungen, Gerichtsverfahren und mehr Beträge in fünf- oder sechsstelliger Höhe kosten kann, muss vom Vorstand und Verwaltungsrat aufgrund der leeren Kasse, der roten Zahlen und der weiter fallenden Einnahmen = Mitgliederzahlen sorgfältig überlegt werden. Schon jetzt fehlen dem BDPh die finanziellen Mittel an allen Ecken und Enden.

Wer sagt "mehr Leistung" sollte auch sagen "wie wird die Mehrleistung finanziert". Die Mehrheit der BDPh Mitglieder lehnt über ihre Vereine und die Landesverbände eine Erhöhung der Kosten ab. Dies wurde schon bei der Abstimmung über die Erhöhung des Jahresbeitrags deutlich: Bayern lehnte jegliche Erhöhung ab, Südwest stimmte soweit ich mich erinnere für 3 Euro mehr im Jahr und nur Werner Müller aus Nordrhein-Westfalen hatte das Plazid der Mitgliedsvereine aus NRW für eine Erhöhung um 6 Euro im Jahr. Aufgrund der Ablehnung von Bayern kam es dann zu einer Erhöhung von 3 Euro im Jahr, das sind weit weniger als 1 Cent täglich an Mehrbelastung für jedes BDPh Mitglied.

Bleibt die Frage, "wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld ?". Neben dem BDPh als Vertreter der Sammler bleibt für mich nur der Handel und die Auktionsfirmen. Mir sind deren Umsatzzahlen und Einnahmen nicht bekannt, aber solche Aussagen wie von Rauhut (Einlieferung von 40 Tonnen) oder Gärtner (zweitgrösstes Auktionshaus der Welt) deuten schon auf ein erhebliches Provisionseinnahmen- und Finanzpotential hin, zumal es alleine in Deutschland von mir geschätzte 100 kleine und grosse Auktionsfirmen gibt.

Während die Auktionsfirmen ein Interesse am Erhalt des Geschäfts und der dafür notwendigen Marken und Belege haben sollten, könnte der Handel teilweise ablehnend reagieren. Wurden und wird dort doch trotz der vielfältigen und bekannten Warnungen in der Presse und in Foren das vermutlich für die Schädigung / Verfärbung der Marken verantwortliche Material weiter angeboten und verkauft. Teile des Handels dürften der Meinung sein, besser nicht für eine Aufklärung zu sorgen, um nicht anschliessend von Sammlern auf Millionenzahlungen verklagt zu werden, weil sie in vermutlicher Kenntnis der Lage Marken-schädigendes Material vertrieben haben.

Das Thema ist vielschichtig und aufgrund fehlender Finanzierung der dringend erforderlichen Massnahmen derzeit kaum einer Lösung, sprich Aufklärung über die tatsächlichen Gründe der Schädigungen näher zu bringen.

@ Peter Feuser

Du bist für mich zum Thema Bleisulfidschäden der Auktions-Ansprechpartner Nr. 1 für meine Frage: Wie sehen Deine Kollegen bei den anderen Auktionsfirmen die Frage der (Mit-) Finanzierung der entstehenden Kosten, wie ich sie oben angesprochen habe ?

Soweit einige Gedanken, zu denen auch gegenteilige Meinungen gerne willkommen sind.

Schöne Grüsse, Richard
 
Peter Feuser Am: 06.02.2016 10:48:32 Gelesen: 74487# 86 @  
@ Richard

Der BDPh als Interessensvertretung der Sammler hat in der Folienaffäre zu keinem Zeitpunkt im Sinne seiner Mitglieder angemessen reagiert. Das Versagen des BDPh und auch der Stiftung wird als größte Schande in die Geschichte beider Institutionen eingehen. Wir haben es immerhin mit der mit Abstand größten vermeidbaren Katastrophe der gesamten Philateliegeschichte zu tun. Schonfalz- oder Weich-PVC-Affären sind absolute Peanuts dagegen. Die Bleisulfidschäden durch Hart-PVC-Folien dürften in vieltausendfacher Größenordnung liegen.

Auf meine persönliche und emotionale Eingabe an Präsident Hartig erhielt ich 2002 noch nicht einmal eine Antwort. Damals gab es noch eine große Menge Geldes durch Mitgliederbeiträge und Stiftungszuschüsse. Der BDPh wusste gar nicht, wohin mit dem ganzen Geld! Auf dem Höhepunkt der Diskussion 2007/2008 nach Erscheinen meines Flyers überließ der Vorstand die Behandlung des Themas "philatelie"-Redakteur Wolfgang Maaßen. In den 15 Jahren seit 2000 gab es nur eine einzige, dillettantisch abgefasste Erklärung des BDPh-Vorstands zur Problematik von Präsident Hartig. Die Appelle von BDB, BPP und APHV im Jahre 2008 waren ganz erheblich detaillierter, fachkundiger und drastischer. BDB und BPP haben meine Bemühungen im Gegensatz zum BDPh-Vorstand nicht nur ideell, sondern auch finanziell unterstützt. Hat der BDPh in der Folienaffäre in den 15 Jahren auch nur einen einzigen Cent investiert, um seine Mitglieder vor weiterem Schaden zu bewahren? Vom LV Südwest kam immerhin eine kleine Spende als Zuschuss zu meinen Gerichtsverfahren.

Es kann mittlerweile keinerlei Zweifel mehr daran bestehen, dass der Vertrieb von Hart-PVC-Folien für philatelistische Zwecke vollständig unterbunden werden muss. Mittlerweile ist klar, dass auch eine enorme Anzahl semimoderner und sogar moderner Marken bis 1960 in den Hart-PVC-Folien Bleisulfidschäden erleiden (Ursache im juristischen Sinne ist nicht geklärt). Man schaue sich einmal nur die Unzahl an schweizerischen oder schwedischen Marken aus den 1920/1930er-Jahren an, die sich unter Hart-PVC verfärben. Es ist nicht die Pflicht von BPP oder BDB, die sicherlich jegliche Initiative zur Verhinderung weiterer Bleisulfidschäden im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch finanziell unterstützen würden, sondern vom BDPh als "Verbraucherschutz-Organisation" oder vom APHV (die mutmaßlichen Verursacher der Probleme sind Mitglied im Verband und haben teilweise sogar den "Ehrenkodex" des APHV unterzeichnet!)) hier nun umgehend aktiv zu werden.

Den letzten Versuch anlässlich der Auktionatorentagung 2014, alle Verbände inclusive des APHV in der Sache aktiv werden zu lassen, hat der neue BDPh-Vorstand erneut blockiert. Die finanziellen Aufwendungen für den BDPh, wenn er denn endlich in der Folienaffäre tätig werden würde, werden weit überschätzt. Die Annahme des Antrages von Jürgen Herbst in Gotha hätte den BDPh überhaupt nichts gekostet, allenfalls eventuell daraufhin zu veranlassende Aktivitäten. Äußerst unwahrscheinliche juristische Auseinandersetzungen mit den hauptbetroffenen Albenherstellern sind für den BDPh nach Lage der Dinge erfolgversprechend, d.h., die Kosten für derartige Auseinandersetzungen bleiben dann doch wohl bei den Verursachern des ganzen Elends hängen. Auch die im Raume stehenden Kosten für Langzeitgutachten usw. sind sicherlich weit überhöht. Die Ursache der Bleisulfidschäden durch die Hart-PVC-Folien kann durch einfache Bleiacetattests nachgewiesen werden. Die von den Albenherstellern durch eigene "Gutachten" bestrittene Migration der Schwefelanteile aus den Folien ist Tatsache! Kein Mensch scheint sich auch an der unlauteren Werbung der Zubehörhersteller zu stören, dass die Hart-PVC-Folien "absolut weichmacher- und säürefrei" sind. Hart-PVC-Folien können ohne Weichmacher nicht hergestellt werden! Sie enthalten ca. 1,5 % Ölsäure-Ester als Weichmacher.
 
dietbeck Am: 06.02.2016 17:54:04 Gelesen: 74389# 87 @  
Interessanterweise ist in der neuen philatelie-Zeitschrift ein Artikel über Verfärbungen beim Aulendorfer Aufdruck der Notopfermarken, sprich moderner Marken.

Generell hat in meinen Augen der BDPh wenn schon nicht finanziell so doch mindestens ideell die Sammler zu unterstützen. Und sicherlich könnte der BDPh auf die hauptverantwortlichen Verlage entsprechend Druck ausüben wenn er nur wollte. Das dies nicht getan wird ist ein Skandal und damit tut der BDPh weder sich noch seinen Mitgliedern einen Gefallen. Im Gegenteil er schadet den Sammlern und seinen Mitgliedern bzw. verhindert wider besseren Wissens Schaden von diesen abzuwenden.

dietbeck
 
juni-1848 Am: 07.02.2016 18:34:29 Gelesen: 74206# 88 @  
@ Richard [#85]

obwohl von einigen Mitgliedern Altdeutschland und Deutsches Reich gesammelt, gehandelt und getauscht wird, ist das Interesse an der Folienproblematik genau wie an der Fälschungsproblematik bei Null. An Aufklärung und Vorträgen besteht kein Interesse, mit einer Ausnahme hat niemand auch nur eine Fachzeitschrift abonniert und der Verein spart seit Beginn dieses Jahres die BDPh-Beiträge, er hat sich abgemeldet.

Mal ehrlich: Was soll man dazu noch sagen?

Ich kenne reichlich Sammler, die einzig über die explodierenden Preise der Michel-Kataloge lamentieren, weil sie dann noch weniger übrig haben für Vordruck-Albumseiten mit Hartplastik-Folien.

Fachliteratur sei ja so unendlich teuer - und dann muss man das ganze gekritzelte auch noch lesen - und verstehen - und danach handeln - ker, ker, ker - wem kann so etwas nur zugemutet werden?

Und irgendwann wundern sich die Erben, dass selbst gehaltvolle Sammlungen keine gehaltvollen Preise erzielen. Die letzten drei Nachläße in hochwertigen Alben verschiedener Hersteller habe ich schlichtweg aus "Verpackungsgrunden" liegen lassen! Selbst Stempelfarben und die als unempfindlich geltenden Ganzsachen scheinen sich in Hartplastik auch nicht auf Dauer wohl zu fühlen.

Zu guter Letzt schaut mal auf die Anzahl derer, die dieses Thema gelesen haben! Beschämend wenige - im Vergleich zu vielen anderen Themen!

Sammlergruß, Werner
 
22028 Am: 07.02.2016 19:12:11 Gelesen: 74180# 89 @  
@ juni-1848 [#88]

Völlig richtig und ausführlicher beschrieben was ich in meinen Beiträgen mitteilen wollte. Wie heißt es so oft "Mündiger Bürger", jeder muss, darf und kann selbst entschieden und wenn er auch noch beratungsresistent oder gar ignorant ist dann ist er halt selbst schuld.
 
juni-1848 Am: 07.02.2016 19:42:11 Gelesen: 74162# 90 @  
@ 22028 [#89]

Rainer, ich sehe das sogar noch drastischer!

Wir Sammler, die wir derlei Folien meiden, sind eigentlich gezwungen, bei hochwertigeren Stücken vor dem Kauf zu besichtigen. Sonst kaufen wir die versteckten Schäden gleich mit. Und das mach auf eBay mal einem Verkäufer klar, der so was murmelt wie "Privatverkauf - keine Rücknahme - außer bei fehlerhafter Beschreibung"!

Wenn ich mir alleine die aus "vielerlei Hartplastik" gefischten Infla Queroffset 100.000 oder 5.000 (Mi. 257 und 256) anschaue, wundert mich weder die Vielfalt an Farbnuancen noch der bei zwei Marken rein zufällig festgestellte Fluoreszens- Hauch. Wie das die Farb-Prüfer in Griff kriegen, ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel.

Sammlergruß, Werner
 
Richard Am: 03.03.2016 09:58:32 Gelesen: 72928# 91 @  
Preussen Nr 1 - Farben und Pigmente

Eine experimentelle Rasterelektronen-Mikroskop (SEM)-Untersuchung mit energiedispersiver Röntgenspektroskopie (EDX)

von Dr. Udo Groß, Berlin

HINTERGRUND

Die erste preußische orange-rote Freimarke 1/2 Silbergroschen/6 Pfennige vom 5.1.1851, gedruckt auf handgeschöpftem Wasserzeichenpapier in Berlin, ist vor allem bekannt wegen der vielfach auftretenden Verfärbungen.

Die erste Beschreibung dieses Sachverhalts stammt von Paul Ohrt [1] aus dem Jahr 1896 und wird mit der vermuteten Verwendung von Bleichromat, PbCrO 4, als Farbpigment erklärt. Alle späteren Publikationen haben diese plausible Aussage ungeprüft übernommen, ohne dass jemals eine experimentelle chemisch-physikalische Untersuchung dazu vorgenommen wurde. Dieser Artikel beschreibt erstmals eine zerstörungsfreie röntgenspektroskopische Untersuchung mit deren Hilfe Druckfarbe, Papier und Poststempel charakterisiert werden können.

HISTORISCHE ZUSAMMENHÄNGE und RECHERCHE

Bevor mit den aufwendigen experimentellen Untersuchungen begonnen wurde, sollte der Stand der Literatur, insbesondere der von historischen Dokumentationen, eruiert werden. Es ging dabei vor allem um den Druckprozess und besonders um eventuelle Rezepturen der Farbpigmente und Zusatzstoffe.

Da Preußen 1850 zum Zeitpunkt der ersten Markenausgabe keine eigene Staatsdruckerei besaß, wurde der Druckauftrag an die Berliner Decker‘sche Ober-Hofbuchdruckerei vergeben. Diese ging am 1.2.1852 durch Verkauf in die Preußische Staatsdruckerei über.

Das „Archiv der Decker‘schen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei 1712-1866“ wurde vom Nachfahren der Fam. Decker, Baron H.R. von Decker in Schlesien an die Preußische Staatsbibliothek 1926/27 in Berlin veräußert. Die Sammlung kann heute im Raritäten-Lesesaal der Staatsbibliothek 1 zu Berlin eingesehen werden. Meine Recherche in dem sehr umfangreichen Archiv hat ergeben, dass Decker alle Gesetze, Edikte und Verlautbarungen des preußischen Staates gedruckt hat: so auch das Gesetz Nr.3199 vom 21. Dezember 1849 „Gesetz betreffend die Ermäßigung der Briefporto-Taxe“. Dieses Gesetz legt das Briefporto für das preußische Postgebiet nach Entfernung (in Meilen) und Gewicht (in Loth) fest. Damit war die notwendige Basis für die zukünftigen Freimarken gelegt. Der §3 besagt, dass Anfertigung und Verkauf der Stempel (Marken) durch weitere Reglementierungen festzulegen ist. Das genannte Gesetz trat am 1. Januar 1850 in Kraft. Weitergehende Details über den Druckprozess und die Freimarkenherstellung selbst sind in dem Decker‘schen Archiv nicht vorhanden.

Carl Dieckmann [2], preußischer Ober-Postassistent in Münster schreibt in seiner „Postgeschichte deutscher Staaten“ über die erste deutsche Freimarke, den schwarzen Bayern Franco von 1849, zur Herstellung der Marke: 2 Drucker, 1 Buchbinder, 1 Gummierer und 2 Gehilfen haben im Buchdruck mit einer amerikanischen Druckpresse 300 halbe Bögen a 180 Marken täglich (324000 Marken in der Woche) produziert. Über Pigmente und Druckbedingungen wird nicht berichtet. Ähnliche Aussagen über die Freimarkenherstellung in Preußen macht Paul Ohrt1. In der Berliner Niederlassung hat 1 Arbeiter an einer Presse in täglich 12 Stunden 200 Bögen a 150 Marken gedruckt. (Von der Preußenmarke ½ Sgr. wurden 550.000 Stück verkauft) Diese Information zeigt, wie wenig effektiv die Freimarkenproduktion verglichen mit heutigen Maßstäben zu diesem Zeitpunkt war, und dass die Herstellung sich auch deshalb über eine größere Zeitspanne erstreckte. Im Gegensatz zur „one batch-Herstellung“ sind bei einer täglichen Einrichtung des Druckvorgangs und der Farbmischungen weitere Abweichungen bedingt durch mangelnde Reproduzierbarkeit gegeben.

Die ausführlichste Darstellung zur Preußenausgabe stammt von P. Ohrt. Diese Beschreibung muss nicht wiederholt werden, da sie offensichtlich allen Preußen-Philatelisten bekannt ist und auch im Internet nachzulesen ist.

Die Schwärzungen und Farbvertiefungen einiger Marken bereits relativ kurz nach der Emission, ist dokumentiert. P. Ohrt hat Bleichromat als Farbpigment vermutet und die Farbänderungen mit der Bildung von schwarzem Bleisulfid erklärt. Die nachfolgende röntgenspektroskopische Untersuchung belegt, dass Bleichromat nicht als Pigment verwendet wurde; Blei aber trotzdem als ein Bestandteil des Pigments für die bekannten Farbabweichungen verantwortlich ist.

METHODOLOGIE und APPARATIVES

Eine zerstörungsfreie Untersuchungsmethode zur Bestimmung der Farbpigmente ist die Aufnahme der charakteristischen Röntgenspektren. Ein Rasterelektronenmikroskop (engl. scanning electron microscope, SEM) erlaubt neben der Bildgebung auch die Aufnahme von Röntgenspektren der untersuchten Probe. Das hier verwendete ELMI JEOL JSM-600 mit einer BRUKER EDX Einheit arbeitet mit beschleunigten Elektronen, die im Hochvakuum von ca. 1.10-6 bar die Probe bestrahlen. Die Elektronen werden am Kopf des Tubus in Abb. 1 erzeugt, beschleunigt und fokussiert. Die von dem Untersuchungsobjekt emittierten Röntgenquanten werden energieselektiv von einem Halbleiter-Detektor registriert. Bei dieser Untersuchungsvariante schlagen Primärelektronen aus kernnahen Schalen z.B. der K-Schale der Probe ein Elektron; in die Lücke springt ein Elektron einer höher liegenden Schale z.B. der L-Schale unter Abstrahlung der Energiedifferenz als Röntgenstrahlung. Deren Energie wird detektiert (EDX, energy dispersive X-ray spectra) und gestattet damit die qualitative und quantitative Analyse der vorhandenen Elemente von Objekten von wenigen μm Durchmesser (Punktanalyse). Die Steuerung des Mikroskops und die Auswertung der Messungen erfolgen mit zwei unabhängig voneinander arbeitenden Computern.



Bild 1 Elektronenmikroskop JEOL 600

Eine weitere, öfter verwendete Methode ist die Röntgenfluoreszenz-Methode, XRF, die wesentlich billiger ist und ein transportables Gerät zur Untersuchung erlaubt. Damit sind beispielsweise Messungen an Gemälden vor Ort in Museen möglich. Bekanntermaßen unterliegen Kunstwerke von van Gogh, Seurat u.a., die im letzten Jahrhundert partiell auch mit Chrome Yellow (Bleichromat) gemalt wurden auch diesen chemisch bedingten starken Farbveränderungen. Diese wurden mit aufwendigen wissenschaftlichen High Tech Verfahren aufgeklärt. [3]

Der wesentlichste apparative Unterschied ist die Verwendung von Röntgenstrahlung bei der Röntgenfluoreszenz im Gegensatz zum Elektronenstrahl bei EDX. Der wesentliche Vorteil bei der von mir genutzten Methode besteht in der Analyse von „Low Z-elements“, also chemischer Elemente kleiner Ordnungszahlen beginnend mit Z 5 (Bor) bis Z 14 (Silicium), d.h. mit dieser Vorrichtung ist z.B. auch ein zweifelsfreier Nachweis des Pigments Ultramarin blau, einem Natrium-Aluminiumsilikat-Clathrat mit Polysulfid-Radikalionen, Na 7Al 6Si 6O 24S 3, möglich.

Prinzipiell muss man sagen, dass dieses Analysenverfahren nur Einzelelemente der Probe detektiert und nicht das gesamte Molekül, dem sie entstammen. Es obliegt dann dem Fachmann, zusammen mit anderen Fakten die richtige Zuordnung zu treffen. Eine höhere Auflösung auf der Energie-Skala wie bei ESCA (Electron Spectra for Chemical Analysis) erlaubt die Besetzung der Bindungsorbitale zu bestimmen und damit auch das Erkennen von Oxidationszahlen und somit eine weitergehende chemische Zuordnung.

RÖNTGENSPEKTREN von PREUSSEN NR 1, 1851

Zur Farbuntersuchung wurde die gestempelte Marke mit dem 4 Ring-Nummernstempel 1427 (Preußisch Stargard) Bild 2b verwendet. Die Farbe ist offensichtlich nicht mehr frisch und ist einer Farbveränderung nach karmin-rosa unterlegen. Paul Ohrt hat in seinem bekannten Artikel [1] von 1896 die Farbe des ursprünglichen ½ Silbergroschen mit „lebhaft hellziegelrotorange bis stumpfdunkelorange“ beschrieben, vermutlich wie in Bild 2a dargestellt.



Bild 2a



Bild 2b

Das allgemein vermutete Bleichromat hat im Wesentlichen zwei Farbnuancen:

1. Gelb (chrome yellow), Formel PbCrO 4 bzw. hellgelb Mischkristall PbCrO 4 . PbSO 4
2. Rot (chrome red) Formel PbCrO 4 . PbO

Die Herstellungsreaktionen sind nahezu identisch, werden jedoch entscheidend durch die pH -Bedingungen bestimmt. Im stark Sauren (pH 1) entsteht das gelbe Pigment, im Neutralen oder schwach alkalischen Milieu (pH 7-8) wird Chrom Rot gebildet. Keine der beiden Varianten treffen auf die Farbe von 2a zu.

Offensichtlich kann man Mischungen von beiden Verfahrensvarianten zu orange-rot unter den damaligen unzureichenden technischen-analytischen Bedingungen nicht ausschließen.

BLEIOXID STATT BLEICHROMAT !

Gleichzeitig mit dieser Untersuchung habe ich auch aus Vergleichsgründen die klassische schwedische Marke SVERIGE Mi #4, Atta Skill Bco [4] von 1855 (Bild 3) untersucht: die Farbe ist gelb-orange und das Farbpigment an Hand des Röntgenspektrums eindeutig Bleichromat!

Dagegen ergibt die Messung von Preußen 1, Bild 2b überraschenderweise die Abwesenheit jeglicher Chromverbindung und somit von Bleichromat, PbCrO 4. Als das charakteristische Farb-Pigment tritt dagegen Bleioxid auf, offenbar als ein Gemisch von Pb(II)O und Pb3O 4. Die Messungen wurden mehrfach aus Gründen einer gesicherten Aussage an verschiedenen Positionen der Preußenmarke vorgenommen, jeweils mit demselben Ergebnis: Chrom negativ, damit auch kein Bleichromat vorhanden!



Bild 3 Schweden 8 Skill [4], Facit-Katalog 4f



Bild 4 Röntgenspektrum der Preußenmarke #1 (Bild 2b)

Blei ist als die Hauptkomponente der Probe zweifelsfrei im intensivsten Peak Kα bei 2,4 keV zu erkennen (Bild 4). Unmittelbar daneben relativ wenig Schwefel aus PbS und Calciumsulfat als Papierfüller. Chrom dagegen ist wie auch Eisen (Fe) nicht vorhanden! Der intensive Sauerstoff-Peak des Oxids liegt weit links bei 0,5 keV. Davor befinden sich Signale von Ca, C und S, die als Füllstoffe dem Papier zugeordnet werden. Die starken Peaks von Aluminium und Silicium stehen für Kaolin (China Clay, Tonerde), einem Hauptbestandteil des Papiers.

BLEI-PIGMENTE und DAS PROBLEM DER MARKEN-VERFÄRBUNG

Zum Zeitpunkt der ersten Briefmarken von Penny-Red, US #1, 1847, Preußen und altdeutsche Staaten, Schweden Skilling Banco u.a.m. war die technische Seite der Pigmentherstellung und Druckverarbeitung nur mangelhaft entwickelt. Alle diese Tätigkeiten und Fähigkeiten waren vielmehr Handwerk als Wissenschaft. Die exakte Gehaltsbestimmung der Pigmente war nicht möglich, ebenso die reproduzierbare und identische Herstellung von weiteren Farbansätzen. Geringe Abweichungen in den Parametern wie Zusammensetzung der Mischung, Zusatzstoffe und Öle, Partikelgröße der Pigmente, Viskosität und Rührung, Feuchtigkeit des Druckpapiers und Qualität des Druckzylinders bewirkten unmittelbar Variationen im Farbbild der Briefmarke.

Unabhängig davon, unterliegen etliche Farbpigmente einer natürlichen Alterung durch chemische Reaktionen oder durch Wechselwirkungen im Farbsystem. Einige Länder (USA [5], [6], England etc.) haben Bleioxide, insbesondere Pb3O 4, (englisch: red lead) als Pigment verwendet. So hat England, das 1850 bereits auf eine 10-jährige Tradition in der Briefmarkenherstellung zurückblicken konnte, Preußens Postverwaltung in seinen Anfängen Hilfe bei der Freimarkeneinführung angeboten. Eventuell ist das eine Erklärung für die frühe Verwendung von Red Lead in Preußen.

Die Herstellung von Bleioxid [5] ist relativ einfach, während sich dagegen für Bleichromat in der Regel eine weitere Reaktionsstufe nach der des Bleioxids anschließt. Für das Bleioxid ist die exakte Temperaturführung bei der Zersetzung von Bleikarbonat, PbCO 3, wichtig: Zunächst bildet sich bei über 350⁰ C rotes α-PbO (Litharge), das bei 480⁰ C in die gelbe β-Modifikation übergeht. Weiteres Erhitzen im Luftstrom bei 500-550⁰C führt zu Bleimennige, Pb 3O 4, das sich oberhalb dieser Temperatur unter Sauerstoffabgabe wieder zu Pb(II)O zersetzt. Dieser Schritt war nur schwer zu beherrschen, so dass letztlich immer Gemische (und damit Farbmischungen!) der Bleioxide vorlagen.

Diese Bleioxide unterliegen wie etliche andere Metalle auch, der Reaktion mit Schwefel-Wasserstoff zum schwarzen Sulfid gemäß Gl. 1. Offensichtlich war der preußischen Postverwaltung dieser Sachverhalt sehr wohl bekannt, denn ganz bewusst wurde bei den Marken Mi 6-13 anstelle des Wasserzeichens ein Schutzunterdruck von Bleikarbonat über die gesamte Markenfläche aufgebracht (siehe Bild 5).

Pb²+ + S²- ─ ─→ PbS pKL 29 Gl. 1

Blei-Ionen reagieren mit Sulfid-Ionen in saurer Lösung in einer trivialen Fällungsreaktion unter spontaner Bildung eines schwerlöslichen braun-schwarzen Niederschlags von Bleisulfid. (Diese Reaktion ist keine Oxidation, da kein Elektronentransfer und damit Wechsel der formalen Oxidationsstufen stattfindet im Gegensatz zur Reaktion von Gl.2.)

Mit Hilfe eines Oxidationsmittels jedoch, z.B. Wasserstoffperoxid, wird das schwarze Bleisulfid zum weißen Bleisulfat oxidiert (Gl.2) und damit wieder entfernt.

PbS + 4 H 2O 2 ──→ PbSO 4 + 4 H 2O Gl.2



Bild 5 Mi 9, PbCO 3-Unterdruck umgewandelt in schwarzes PbS

Diese Methode der Farbauffrischung ist nicht neu; sie wurde bereits 1894 vom London Philatelist empfohlen.

DIE DEGRADATION VON BLEICHROMAT IN DER KUNST

Gelbes Bleichromat wurde wegen seiner intensiven Farbkraft nicht nur für Druckpigmente sondern auch von den Malern zum Ende des vorigen Jahrhunderts häufig verwendet. Bekannt sind vor allem die Werke V. van Goghs. Durch K. Janssens und Mitarbeiter [3] konnten die Degradationsreaktionen in den Pigmenten aufgeklärt werden. Dabei zeigte sich, dass Sulfid aus der Umgebung eine entscheidende Rolle spielt. Im Gegensatz zur einfachen Bleisulfid-Reaktion auf der Preußenmarke Nr. 1, die im chemischen Sinne keine Oxydation darstellt, wirkt hier aber Chrom VI als bekanntes starkes Oxydationsmittel gemäß folgender Gleichung

8 CrO 4²- + 2 OH- + 3 S²- ←─→ 8 Cr 3+ + 20 OH- + 3 SO 4²- (Gl. 3)

Dabei wird Chrom VI zu Chrom III (grün) reduziert. Dieses Chromoxid, Cr 2O 3 . 2H 2O, das Pigment Viridian Grün, ein sehr intensives Dunkelgrün dunkelt die einst gelben Partien der Gemälde in einem sehr langsamen aber kontinuierlichen Prozess ab. Im Gegenzug wird das Sulfid zu Sulfat oxydiert. Es ist bemerkenswert, dass die besondere Beachtung der Raumluft-Atmosphäre in den modernen Ausstellungs- und Museumsräumen bezüglich Temperierung, Feuchtigkeit, UV-Schutz und Frischluft den chemischen Alterungsprozess nicht verhindern konnte.

DIE FOLIENPROBLEMATIK

Die oben dargestellten chemischen Zusammenhänge zeigen, wie einige klassische Marken natürlichen Alterungsprozessen und Verfärbungen unterliegen können, wenn sie beispielsweise bleihaltige Verbindungen enthalten. In Deutschland sind vor allem einige Marken der altdeutschen Staaten betroffen, und es hat entsprechende Diskussionen unter vielen betroffenen Philatelisten gegeben, was unter anderem in den Sammlerforen seinen Ausdruck findet.

Der chemische Hintergrund ist wie geschildert meistens bekannt und betrifft Briefmarken dieser Zeit weltweit. Ich habe hier insbesondere auch das Schicksal von Bleichromat in einer Redox-Reaktion in Gl. 3 erwähnt, obwohl Preußen #1 dieses Pigment nicht enthält. Die anstatt dessen verwendeten Bleioxide verursachen ähnliche Verfärbungen jedoch nach einem abweichenden Reaktionsmechanismus.

In der breiten Diskussion zu diesem Problem wurde viel Zutreffendes gesagt, dem ich mich inhaltlich durchaus anschließe z.B. dem BAM-Gutachten und auch der Stellungnahme des BPP auf seiner Web-Seite. Insgesamt ist es jedoch nicht nur-aber auch-ein Folienproblem. Natürlich immer dann, wenn Folien aus Herstellungs- oder Stabilitätsgründen S 2- oder reaktive Vorstufen davon enthalten. Grundsätzlich muss man aber festhalten, dass durch die Art und Wahl der Aufbewahrungsbedingungen das Schicksal dieser Marken bestimmt wird.

Danksagung

Herrn Thomas Dollmann von der arge-preussen danke ich für die Bereitstellung der Scans der Bilder 2a (Mi 1) und 5 (Mi 9).



Bild 6 Raster-Elektronenmikroskop mit Autor


LITERATUR

[1] Paul Ohrt in „Permanentes Handbuch der Postfreimarkenkunde“, Kapitel Preußen, herausgegeben von Hugo Krötzsch, Leipzig 1896
[2] Carl Dieckmann, Postgeschichte deutscher Staaten seit einem halben Jahrhundert; unter Berücksichtigung der Einführung der Freimarken, Leipzig 1896
[3] Angew. Chem. Int. Ed. 2013, 52, 11360 und Zitate darin H. Tan, He Tian, J. Verbeeck, L. Monico, K. Janssens und G. Van Tendeloo, Nanoscale nvestigation of the Degradation Mechanism of a Historical Chrome Yellow Paint by Quantitative Electron Energy Loss spectroscopy
[4] Udo Groß, FFE Journal, zur Veröffentlichung vorbereitet: A colour-ink study of some Swedish Skilling Banco stamps, 1855-58
[5] Udo Groß, FFE Journal Nr. 18, 2015: The 1847 US Number #1stamp, Franklin 5c, an experimental colour-ink study
[6] Wade E. Saadi, The Chronicle of the U.S.Classic Postal Issues, 2013, Vol. 65, 244

Copyright © 2015 by Udo Groß
 
Schwämmchen² Am: 03.03.2016 11:50:41 Gelesen: 72902# 92 @  
Was bringt so eine Untersuchung? Das viele chemische Verbindungen nicht endlos stabil sind, ist eine Binsenweisheit. Wartend man lang genug zerfallen auch irgendwann die Atome. Das ist jetzt aber mehr theoretisch.
 
Magdeburger Am: 03.03.2016 14:47:42 Gelesen: 72859# 93 @  
@ Schwämmchen² [#92]

Hallo Schwämmchen²,

das Protonen nach etwa 4 x 10^35 Jahren zerfallen sollen ist bis heute meines Wissen nicht nachgewiesen worden. Allerdings ist dies eine unvorstellbar lange Zeit.

Zur Zeit ist es eben wichtig weitere Schäden zu verhindern, und da ist eben wichtig auch solche Untersuchungen durchzuführen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Meinhard Am: 14.03.2016 19:51:46 Gelesen: 72379# 94 @  
Hallo Zusammen,

anscheinend wollen auch "einige Bayern" keine Folie. Ich habe vor längerer Zeit ein Album mit Bayern erworben und dieses, da nur sehr mager besetzt, weggelegt und eigentlich vergessen.

Jetzt kam es mir wieder unter die Hände und möchte euch die nachfolgenden Bilder zeigen.

LG, Meinhard



 
applepower Am: 24.06.2016 10:09:30 Gelesen: 68688# 95 @  
Hallo und guten Tag,

ich sammle ein wenig Preussen und natürlich auch, soweit möglich, die "schönen Belege". Meine Frage dazu ist, wie ihr eure Sammlung untergebracht habt. Einsteckbuch, selbstgestaltete Seiten, Einsteckkarten? Was ist für Euch die flexibelste Lösung.

Von meinem System, das ich mir zurecht gewurschtelt habe, sind unten zwei Musterseiten. Ich mag dieses etwas kleinere Format, es nimmt in aufgeschlagenem Zustand weit weniger Platz auf dem Schreibtisch ein, als die großen Alben, ist sehr flexibel beim Einfügen von Zukäufen. Durch das geringere Fassungsvermögen benötige ich halt mehr Platz im Schrank bzw. Regal, den ich aber ziemlich uneingeschränkt zur Verfügung habe, sodass ich auch mit der Gestaltung des Inhalts relativ freizügig umgehen kann. Die Kosten der Anschaffung sind zwar auch höher als bei Standardalben, für mich muss allerdings ein schönes Bild auch einen schönen Rahmen haben.

Ich freue mich über Tipps, Verbesserungsvorschläge, Kritik.



VG aus Kiel
Joachim
 
wuerttemberger Am: 24.06.2016 10:55:04 Gelesen: 68675# 96 @  
@ applepower

Sehr schöne Aufmachung und bei diesen Alben hast Du früher (wenn stark komprimiert) oder später (wenn locker aufgestellt) einmal die Chance, den farblosen Sicherheitsunterdruck dieser Marken deutlich zu sehen. Bemühe mal die Suche nach Bleisulfidschäden an klassischen Marken.

Klassische Marken haben in PVC-Hüllen nichts zu suchen!

Gruß

wuerttemberger
 
applepower Am: 24.06.2016 11:33:36 Gelesen: 68664# 97 @  
@ wuerttemberger [#96]

Die Briefmarken sind alle in Hawidtaschen, sodass sie nicht mit dem PVC Material in Berührung kommen. Ist das zu kurz gedacht?

VG
Joachim
 
wuerttemberger Am: 24.06.2016 11:58:18 Gelesen: 68655# 98 @  
@ applepower [#97]

Polystyrol (Hawid) bremst die schwefelhaltigen Stabilisatoren aus dem PVC nur kurzfristig. Wenn Du langfristig Freude an Deinen Marken haben willst, dann solltest Du eine andere Aufbewahrungsart wählen.

Gruß

wuerttemberger
 
Benjamin Voigt Am: 24.06.2016 13:22:39 Gelesen: 68621# 99 @  
@ applepower [#97]

Hallo Joachim,

um die Frage der Unterbringung zu beantworten:

Ich nutze DIN A4 Einsteckalben aus weißem Karton mit Pergaminstreifen und Blättern.

Macht zwar nicht soviel her, aber Papier sollte man immer bei Papier lagern, trocken und lichtgeschützt sind auch noch gute Faktoren.

MfG
Benjamin

[Beiträge [#95] bis [#99] redaktionell verschoben aus dem Thema "Altdeutschland Preussen: Schöne Belege"]
 
Werner P. Am: 20.11.2016 16:24:14 Gelesen: 64468# 100 @  
Erschreckend finde ich, dass wohl an den Hart-PVC-Alben bislang immer noch nichts geändert wurde. Als Minimum könnte man erwarten, dass zumindest die Produktion "verdächtiger" Folien gleich umgestellt wurde, als deutliche Verdachtsmomente aufkamen. Nach diesen vielen Jahren das nicht zu tun ist schon skandalös.

Ich selbst habe zwar weniger klassische Marken, bin aber durch Fluoreszenzschäden meiner modernen Briefmarken auch betroffen. Allerdings nicht nur durch Hart-PVC, die Fluoreszenzproblematik ist wohl chemisch etwas anders.

Es wäre interessant zu wissen, ob die gegen Herrn Feuser immer wieder klagenden Unternehmen in den USA Zweigstellen haben. Da wäre ja eine VW-ähnliche Klage durchaus möglich, nach obigem Verhalten. Und das könnte dort sogar eines Tages als Sammelklage geführt werden - mit dem anschliessenden Ruin der Firmen.

Ich vermute aber ganz stark, dass wohl heute in den USA nur noch Importeure vorhanden sind. Eine der beiden Firmen hatte zumindest wohl mal bis vor Kurzem ein "warehouse" drüben.

Irgendwie hätte ich manchmal gerne hier US-Verbraucherrecht. Dann wären die unsäglichen Hart-PVC-Alben wohl schon längst ersetzt worden, schon aus Angst vor unabsehbaren Prozessrisiken für die beteiligten Firmen.
 
Francysk Skaryna Am: 20.11.2016 17:30:35 Gelesen: 64428# 101 @  
@ Werner P. [#100]

Es wäre interessant zu wissen, ob die gegen Hrn. Feuser immer wieder klagenden Unternehmen in den USA Zweigstellen haben.

Moin,

warum solche Verrenkungen und warum willst Du Firmen ruinieren? Kaufe Dir die Hüllen und Klemmtaschen, die unproblematisch sind - und gut ist. Und diejenigen, die wissentlich das Zeugs mit zweifelhaften Inhaltsstoffen kaufen - worauf sollen sie klagen? Aus Schaden sind sie offenbar bislang nicht klug geworden.

Gruss
 
Werner P. Am: 20.11.2016 18:33:47 Gelesen: 64397# 102 @  
Ich will keine Firmen ruinieren. Ich finde nur das Verhalten der Firmen ziemlich daneben - statt Peter Feuser zu verklagen hätten die längst was tun können.

Leider aber sieht es in Deutschland so aus, dass hier die Gefahr für den "Stärkeren", also in aller Regel die Firmen, gering ist. Denn selbst wenn sie mal unterliegen vor Gericht, passiert nicht viel. Und das resultiert dann darin, dass eben Dinge länger am Markt bleiben, als sie sollten. Viel länger.

Es geht ja nicht um mich persönlich. Viele Sammler glauben doch den Versicherungen der Hersteller, dass Hart-PVC unschädlich ist. Nicht jeder ist organisierter Sammler, viele Erbsammlungen liegen irgendwo rum und gammeln ohne Philatelisten mit Ahnung als Besitzer usw.

Ich bin seinerzeit auch nur durch Zufall auf die Problematik gestossen. Gut, irgendwann wäre das bei mir sicher passiert, aber gerade die doch im Schnitt recht alten Philatelisten sind ja oft "internet-frei".
 
Richard Am: 23.11.2016 09:54:08 Gelesen: 64259# 103 @  
@ Werner P. [#102]

Hallo Werner,
liebe Leser,

was ich mir wünsche, ist statt einer juristisch angreifbaren und damit im Endeffekte sehr teuren und "gefährlichen" Warnliste vor nicht empfehlenswerten Produkten eine Positivliste aller zumindest im deutschsprachigen Raum angebotenen Produkte der wichtigsten Firmen, die nach den heutigen Erkenntnissen uneingeschränkt empfehlenswert für die langfristige Aufbewahrung von Briefmarken und philatelistischen Produkten geeignet sind.

Unser Mitglied Peter Feuer kennt seit März diesen Jahres meinen Wunsch, hat dessen Erfüllung jedoch aus zeitlichen Gründen abgelehnt.

Infrage kämen auch der BPP Präsident Christian Geigle, der hier im Forum mitliest, und Wolfgang Maassen, der sich intensiv mit der Materie beschäftigt und in der philatelie mehrfach ausführlich berichtet hat.

Diese Positivliste könnte regelmässig (jährlich) aktualisiert auf vielen Internetseiten - auch dieser - sowie den deutschsprachigen Fachzeitschriften veröffentlicht werden, ebenso in den Katalogen und neuer Literatur, sie könnte vielen Aussendungen des Handels beigelegt werden und auf Tauschtagen und grossen Messen verteilt werden. Damit wird die entsprechende Breitenwirkung erzielt.

Nur ist erforderlich, dass ein bekannter und fachkundiger Sammler, Händler, Auktionator, Prüfer oder Fachjournalist mit nachgewiesen grossem Kenntnisstand bereit ist, eine solche Positivliste zu veröffentlichen und zur allseitigen Verbreitung kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Wenn die philatelistisch schädlichen Produkte nicht mehr gekauft werden, dann wird deren Produktion schnell eingestellt und die vorrätigen unverkäuflichen Lagerbestände vernichtet. Zumindest können damit riesige weitere Schäden verhindert werden.

Schöne Grüsse, Richard



Grosses Interesse fand ein Referat des BPP Präsidenten Christian Geigle auf der Briefmarken Messe in München, der unter anderem auf Verfärbungen auch bei modernen Marken, wie der gelben 70 Pfenning Posthorn, hinwies.
 
22028 Am: 23.11.2016 10:23:14 Gelesen: 64245# 104 @  
Nach wie vor bekomme ich selbst von den renommiertesten Auktionshäusern Marken und Belege zugesandt welche auf deren Loskarten noch immer in Hart PVC Hüllen untergebracht sind. Auch da muss ein Umdenken stattfinden.

Ich stellte jedoch fest, dass manches Auktionshaus mittlerweile bei den Hart PVC Hüllen vermerkt, dass diese nicht zur dauerhaften Unterbringung der Marken und Belege geeignet sind.
 
Peter Feuser Am: 23.11.2016 11:27:40 Gelesen: 64211# 105 @  
Hallo Richard,

es gibt keine Hinweise darauf, dass Kunststoffe wie Polystyrol (sehr empfehlenswert für Markenunterbringung, vgl. alle HAWID-Produkte), Polyester (auch empfehlenswert), PP, PET (aus strukturellen Gründen weniger empfehlenswert) usw. zu Schäden an Marken oder Stempeln führen. Das wäre dann die Positivliste!

Eine Papierumgebung ist gleichwohl am besten für Marken und Belege. Die Meinung von einigen Experten, handelsübliche Klemmtaschen (HAWID) seien deshalb nicht für die Markenunterbringung zu empfehlen, weil unter Umständen die Naht platzen könne, ist töricht. Jedes Material unterliegt, je nach Beanspruchung, natürlichen Alterungsprozessen. Ich selbst bearbeite beispielsweise häufig Leuchtturm- und KABE-Alben, in denen die Klemmtaschen selbst nach 30 oder noch mehr Jahren in einem einwandfreien Zustand sind. Vordruckalben (mit Klemmtaschen) der genannten Firmen sind im übrigen in meinen Augen vorbildlich und sicher konstruiert und vorbehaltlos zu empfehlen.

Äußerst gefährlich insbesondere für zahllose klassische und semiklassische Ausgaben ist schwefelhaltiges Hart-PVC. Hersteller, die keine Angaben zu den verwendeten Kunststoffen machen (das sind in der Regel die, die auch heute noch völlig unverantwortlicherweise und rücksichtslos Hart-PVC-Folien fälschlicherweise als "weichmacher- und säurefrei" vertreiben), sollte man boykottieren. Einer der Zubehörhersteller produziert eigenen Angaben zufolge nur mit Hart-PVC, andere bieten neben Hart-PVC Alternativen an. Es gibt Produkthaftungsgesetze, gegen die m.E. seit mindestens 15 Jahren permanent verstoßen wird. Die hauptbetroffenen Zubehörhersteller sind bereits seit Mitte der 1970er-Jahre über die Bleisulfidproblematik informiert, ohne zu handeln.

Im Zweifel beim Hersteller nachfragen. Kommt die Auskunft "Hart-PVC" oder "weichmacher- und säurefrei" ohne Angabe des Kunststoffs (teilweise auch in Prospekten, im Netz usw. veröffentlicht), dann in jedem Fall das Angebot meiden. Wer heute noch Hart-PVC-Folien, -Alben, -Blattschutzhüllen und dergleichen für die Unterbringung von philatelistischem Material bis ca. 1945 verwendet, handelt grob fahrlässig. Jeder sollte auf sein Eigentum und die Werterhaltung bedacht sein und, falls noch nicht geschehen, die Unterbringungsart wechseln und alles aus Hart-PVC möglichst als Sondermüll entsorgen oder dem Hersteller zur Entsorgung zurücksenden. Das Zeug ist giftig.
 
Werner P. Am: 23.11.2016 12:55:33 Gelesen: 64162# 106 @  
Mal eine Frage dazu: In den USA wird als einziger empfehlenswerter und als sicher angenommener Kunststoff Mylar D bzw. dessen Nachfolger Melinex empfohlen. Gibt es aus diesen Kunststoffen hergestellte Alben auch in D bzw. welche Erfahrungen gibt es dazu hier?

Weiss jemand was zu Preisen und Bezugsquellen?

(Immerhin nutzt ja angeblich die U.S. Library of Congress diesen Kunststoff und gibt als einzigen eine Empfehlung für diesen)
 
Peter Feuser Am: 23.11.2016 13:22:49 Gelesen: 64139# 107 @  
Mylar ist wohl ein Markenname für Polyesterfolien. Näheres lässt sich ergoogeln.

Ich selbst bin in chemischen Dingen nicht bewandert. Grundsätzlich kann gesagt werden: Keine Schwefelanteile in den Folien (wirklich gar keine!) = keine Bleisulfidgefahr.

Nochmals: m.E. besteht nur bei den im Handel seit ca. 1975 außergewöhnlich stark vertretenen Hart-PVC-Folien extreme Gefahr für Marken, Stempel, Formulare, Klebezettel usw.

Auch die viel gescholtenen Weich-PVC-Folien (bis Anfang der Siebziger Jahre gebräuchlich) hinterlassen keine Bleisulfidschäden! Erst kürzlich habe ich eine Sammlung mit tausenden Briefen in Weich-PVC-Folien vorgefunden, in denen sie wohl über 40 Jahre gelagert waren. Alle Marken/Stempel waren in einwandfreiem Zustand!
 
johanneshoffner Am: 10.12.2016 10:02:42 Gelesen: 62954# 108 @  
@ Werner P. [#106]

Die Firma Secol bietet Folientaschen, Belegtaschen aus Polyester an. Die Taschen werden auch von der British Library für Briefe, Briefmarken, Banknoten benutzt. Der Kurator dieser Sammlung hat mir dieses Material empfohlen. Ich benütze es seit Jahren und bin sehr zufrieden.
 
Illgen Am: 12.12.2016 07:50:35 Gelesen: 62617# 109 @  
Hier mal ein Langzeittest:

http://www.arge-bayern.eu/12.html
 
Francysk Skaryna Am: 12.12.2016 12:51:35 Gelesen: 62470# 110 @  
@ Illgen [#109]

Moin,

durchaus interessant!

Auf der Seite wird die minimal gebräunte Rückseite eines unter Pergamin gelagerten Papierstreifens gezeigt. So ganz neu ist dieses Phänomen nicht. Ursache hierfür können Aufheller im Pergamin sein.

Gruss
 
Saguarojo Am: 12.12.2016 15:37:33 Gelesen: 62407# 111 @  
@ Illgen [#109]

Danke, sehr interessant.

Gruß
Joachim
 
Schwämmchen² Am: 12.12.2016 17:49:55 Gelesen: 62352# 112 @  
Ich bitte um Verständnis, dass ich die Hersteller wo sich die Streifen verfärbt haben aus rechtlichen Gründen nicht nenne.

Warum? Ist doch nur ein persönlicher Test ohne rechtliche Bindung gewesen.
 
Werner P. Am: 12.12.2016 20:55:22 Gelesen: 62263# 113 @  
@ Schwämmchen² [#112]

Du riskierst trotzdem ein Verfahren, wenn Du so was veröffentlichst. Das Problem ist vielleicht - bei entsprechender Formulierung - weniger, dass dieses Verfahren seitens des möglichen Klägers von Erfolg gekrönt ist. Aber das musst Du Dir als kleiner Privatmann erst mal leisten können - und da brauchst Du dann einen teuren Anwalt usw. Den Ärger haben sich die Testersteller halt gespart. Wir können uns ja eh denken, wessen Folien da wohl vertreten sein werden.
 
Richard Am: 13.12.2016 09:29:01 Gelesen: 62103# 114 @  
@ Werner P. [#113]

Du riskierst trotzdem ein Verfahren, wenn Du so was veröffentlichst. Das Problem ist vielleicht - bei entsprechender Formulierung - weniger, dass dieses Verfahren seitens des möglichen Klägers von Erfolg gekrönt ist. Aber das musst Du Dir als kleiner Privatmann erst mal leisten können - und da brauchst Du dann einen teuren Anwalt usw.

Ich sehe das ebenso. Kritiken und Warnungen vor Produkten der Hersteller können in einem Millionenmarkt sehr teuer werden.

Das war der Grund, warum ich in Beitrag [#103] eine Positivliste empfehlenswerter Produkte gewünscht oder gefordert habe und dabei an Herrn Geigle (Händler und BPP-Präsident), Herrn Feuser (der bereits finanziell bluten musste) sowie Herrn Maassen (der sich ebenfalls ausführlich damit beschäftigt hat) als glaubwürdige Fachautoren herausgestellt habe.

Leider ist niemand dazu bereit, so dass wir auch künftig mit der philatelistischen Katastrophe (siehe Bild in Beitrag [#105] und dem Verfall einmaliger und hochwertiger Marken und Belege zu tun haben.

Einzelne Hinweise auf empfehlenswerte Produkte helfen den allermeisten Sammlern nicht viel, vor allem wenn sie beim Händler ihres Vertrauens, auf dem Tauschtag oder auf der Messe ihre Alben und Einsteckbücher kaufen. Eine A-4-Liste, klein zusammengefaltet mitgeführt, würde helfen, weitere grosse Schäden zu vermeiden.

Schöne Grüsse, Richard
 
Peter Feuser Am: 13.12.2016 11:36:03 Gelesen: 62014# 115 @  
@ Richard

Wir haben es mit tausenden (!) Bedarfsartikeln mit Kunststoffanteilen zu tun, die in den Prospekten von Lindner, SAFE, Leuchtturm/KABE, Prinz, HAWID, Schaubek, Kobra u.v.a. angeboten werden. Was soll da eine Positiv-Liste in der von Dir gewünschten Form?

Nochmals: Alben- und Zubehörhersteller, die heute noch in großem Umfang Hart-PVC für philatelistische Zwecke anbieten, sollten grundsätzlich boykottiert werden. Alle Produkte der Fa. HAWID sind unbedenklich.

Und nochmals: Im Prinzip sind alle Kunststoffe außer Hart-PVC m.E. unbedenklich, manche wie PET könnten zweckmäßiger sein, zu hart. Weich-PVC ist für philatelistische Zwecke nicht mehr im Handel. Kunststoffe ohne Schwefelanteile können keine Bleisulfidschäden verursachen! Die Weichmacherproblematik wird überdramatisiert.

Also: KEINERLEI HART-PVC FÜR PHILATELISTISCHE ZWECKE!

Wer unsicher ist über die Zusammensetzung seiner Alben, Folien, Blattschutzhüllen etc., der soll beim Hersteller nachfragen. Hart-PVC-Folien möglichst umgehend von den Sammelstücken entfernen und entsorgen bzw. an den Hersteller zurücksenden. Das gilt auf jeden Fall für Hart-PVC-Aufbewahrungsmittel für alle klassischen und semiklassischen Marken und Belege bis 1920. Vereinzelt sind auch noch spätere Ausgaben betroffen bis etwa 1960.
 
Illgen Am: 15.12.2016 10:22:57 Gelesen: 61580# 116 @  
Den Beweis der Schädlichkeit von PVC-Hüllen wäre leicht zu erbringen. Marken halbieren und die Hälfte der Marken in PVC Hüllen einlegen. Die andere Hälfte in anderen Hüllen, und das ganze unter Notarieller Aufsicht verpacken und ab in ein Schließfach! Und nach 4 Jahren wieder rausholen! Unter Notarieller Aufsicht!

Erschreckend bleibt wie wenig Menschen das interessiert. Nach dem Motto: das passiert nur bei anderen, oder nach mir die Sinflut.

PVC Folien kann man erriechen. Insbesondere wenn man PVC Hüllen verbrennt. Ein beißender Gestank. Der bei nicht PVC Folien völlig anders riecht!
 
wuerttemberger Am: 15.12.2016 12:11:46 Gelesen: 61501# 117 @  
@ Illgen [#116]

Ja, das ist der beißende Gestank von Chlorwasserstoff, der auch als Salzsäure bekannt ist. Ich empfehle niemandem, dem seine Schleimhäute und Lungenflügel etwas wert sind, die Geruchsprobe zu machen. Ein feuchtes Lackmuspapier in den Rauch halten genügt vollkommen.

Gruß

wuerttemberger
 
petzdiekleine Am: 07.06.2017 20:48:39 Gelesen: 53132# 118 @  
Hier mal ein Beispiel, wo man die postfrischen Posthörner aufbewahren soll, damit man noch nicht katalogisierte Farben erhält.

Gruß, petzdiekleine


 
hajo22 Am: 08.06.2017 12:31:59 Gelesen: 53007# 119 @  
@ petzdiekleine [#118]

Hier mal ein Beispiel, wo man die postfrischen Posthörner aufbewahren soll, damit man noch nicht katalogisierte Farben erhält.

Etwas kompliziert ausgedrückt. Du willst sagen, Marken in Hawid-Taschen nicht unter Folien aufbewahren, da es ansonsten trotzdem zu Verfärbungen kommen kann.

Das kommt darauf an. Unter PP- (Polypropylen) oder PET- (Polyester) Folien sollte/dürfte - soweit ich das gelesen und verstanden habe - nichts passieren. Folie ist eben nicht gleich Folie.

Ich weiß nicht so recht, ob die Folienproblematik hier im thread so richtig hinpaßt. Es gibt ja m.W. einen eigenen thread dafür.

hajo22
 
bovi11 Am: 08.06.2017 13:15:12 Gelesen: 52985# 120 @  
@ hajo22

Sicherlich ein Zwitterthema. Ich hätte z.B. nicht gedacht, daß so moderne Ausgaben, wie Posthorn, auch von der Folienproblematik betroffen sind. Insofern paßt das durchaus unter die Überschrift " Bund Dauerserie Posthorn".

Grüße

Dieter

[Beiträge [#118] bis [#120] redaktionell verschoben aus dem Thema "Bund Dauerserie Posthorn"]
 
Richard Am: 08.06.2017 13:21:07 Gelesen: 52976# 121 @  
@ bovi11 [#120]

Hallo Dieter,

das sollte schon bekannt sein, siehe Beitrag [#103]. Die dort gezeigte 70-er mit einem früheren und einem aktuellen Bild war total unbrauchbar.

Vielleicht kannst du von unseren Mitgliedern Herrn Geigle oder Herrn Feuser den Vortrag noch bekommen.

Schöne Grüsse, Richard
 
bovi11 Am: 08.06.2017 13:31:00 Gelesen: 52966# 122 @  
Die Wohnungsbaumarken sind auch von der Folienproblematik betroffen.



Bei einigen Marken früher katalogisierte unterschiedliche Aufdruckfarben wurden zwischenzeitlich aus dem Katalog/Handbuch entfernt.
 
petzdiekleine Am: 08.06.2017 16:45:13 Gelesen: 52907# 123 @  
@ hajo22 [#119]

Die gezeigten Marken sind unter "PVC"-Folienstreifen auf sogenanten Vordruckblätter. Es sind KEINE Hawid Taschen abgebildet. Unter Hawid-Taschen sind diese Marken gefahrlos und sicher bezüglich der Verfärbungen.
 
hajo22 Am: 08.06.2017 17:06:31 Gelesen: 52894# 124 @  
@ petzdiekleine [#123]

Aha. Sah aus wie in Hawid-Taschen unter Folie.

hajo22
 
Ron Alexander Am: 24.11.2017 15:26:02 Gelesen: 44277# 125 @  
Schönen Nachmittag zusammen,

eine neue Ausgabe ist heute erschienen.

RonAleX Briefmarkenecke Teil 41 (Aufbewahren von Briefmarken)

https://youtu.be/uaa3o9YC29w

In dieser Ausgabe möchte ich weniger auf die Briefmarken an sich eingehen, sondern viel mehr auf das Aufbewahren der kleinen gezackten Schätze. In diesem Zusammenhang hat mir der Leuchtturm Alben Verlag auch Material zur Verfügung gestellt, was ich auch in dieser Ausgabe vorstellen möchte.

Mal eine etwas andere Ausgabe aber die Frage der Aufbewahrung stellt sich schließlich immer wieder. Vor allem mit dem Hintergrund, was zu beachten ist.

Grüße,
Ron
 
Peter Feuser Am: 28.11.2017 19:22:14 Gelesen: 44060# 126 @  
@ ron

Mir persönlich stehen die Haare zu Berge angesichts dieses Videos. Bitte informiere Dich über die Bleisulfidproblematik und ziehe das Video zurück!

Auch die Firma Leuchtturm setzt noch in großem Umfange für die mit bleihaltigen Druck- oder Papierfarben hergestellten Marken gefährliches Hart-PVC ein. Du lobst Albensysteme wie Vario S u.ä. (schwarze Trägerfolie = Hart-PVC) über den Klee. Hier wären die Marken wegen der "weichmacher- und säurefreien Folie bestens geschützt". Die Titulierung "weichmacher- und säurefrei" lässt fast immer auf Hart-PVC schließen. Diese Folien sind weder völlig weichmacher- noch säurefrei. Das spröde Hart-PVC lässt sich ohne Weichmacher nicht zu Folien verarbeiten. Vor allem enthält handelsübliches Hart-PVC schwefelhaltige Stabilisatoren (die mutmaßliche Ursache für die Bleisulfidschäden), und sollte für die Aufbewahrung von Marken oder Briefen grundsätzlich nicht mehr verwendet werden.
 
Ron Alexander Am: 28.11.2017 20:04:57 Gelesen: 44037# 127 @  
@ Peter Feuser [#126]

Schönen guten Abend Peter,

die Diskussion ist mir bekannt (m.W. beginnend im Jahr 2008), auch Deine Beiträge hierzu in anderen Foren etc. Ich habe vor dem Dreh darüber auch noch mit der Firma Leuchtturm gesprochen und es wurde mir versichert die Produkte sind weichmacher und säurefrei. Ist auch vermerkt auf den Produktfolienbeschreibung.

Aber ich gebe Dir recht, dass Risiko besteht, aus diesem Grund habe ich die entsprechende Anmerkung in der Video Beschreibung mit entsprechenden weiterführenden Links vermerkt. So das jeder die Möglichkeit hat weiter darüber zu informieren.

Grüße,
Ron
 
Peter Feuser Am: 28.11.2017 20:45:46 Gelesen: 44018# 128 @  
@ ron

Die Versicherungen der Albenhersteller sind völlig wertlos angesichts der riesigen nicht mehr zu leugnenden Bleisulfidschäden, die große Teile unseres philatelistischen Kulturgutes in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört haben. Handelsübliche Hart-PVC-Folien können bis zu 5 % Ölsäure-Ester als Weichmacher enthalten. Die Gefährdung durch derartige oder auch chemische Weichmacher wird weit übertrieben. Hingegen äußerst gefährlich sind die schwefelhaltigen Stabilisatoren im Hart-PVC. Lasse Dir doch bitte von den Albenherstellern bestätigen, dass ihre Produkte schwefelfrei sind, dann können wir weiter diskutieren.

Nach meinen Beobachtungen entstehen die meisten Schäden reihefolgemäßig 1.) unter Hart-PVC-Blattschutzhüllen (mit wertmäßig oft besonders "schutzbedürftigen" Sammlerstücken, Ausstellungsobjekten etc.), 2.) unter Transparent-Albumblättern aus Hart-PVC (in diesem Segment sind die PVC-freien Leuchtturm-/KABE-Vordruckblätter mit Klemmtaschen absolut vorbildlich und in jeder Beziehung empfehlenswert), 3.) in Albensystemen, die vollständig aus Hart-PVC bestehen (wie von Dir vorgestellt), auch Steckkarten, 4.) in Einsteckbüchern, bei denen die Streifen aus Hart-PVC bestehen (hier entstehen konstruktionsbedingt die wenigsten Schäden, weil in der Regel eine bessere Sauerstoffzufuhr gewährleistet wird).

Albenhersteller, die heute noch -15 Jahre nach dem Outing der höchstwahrscheinlichen Ursache der Bleisulfidschäden durch die Papiertechnische Stiftung PTS (München)- philatelistische Bedarfsartikel aus Hart-PVC vertreiben, handeln völlig verantwortungs- und rücksichtslos.
 
Ron Alexander Am: 28.11.2017 20:52:53 Gelesen: 44007# 129 @  
@ Peter Feuser [#128]

Schönen guten Abend Peter,

mir ist bekannt, dass Du in diese Richtung sehr viel Forschung etc. betreibst bzw. auch sehr viel geschrieben hast, ich kenne Deine Beiträge zu diesem Thema. Ich habe nur die Grundlagen erläutert, auf welcher Basis meine getätigten Aussagen beruhen. Zur Diskussion diesen Themas, gibt es ja schon viele Threads. Dieser hier ist dazu sicher nicht geeignet. Einen Hinweis über die Thematik zu geben aber sehr wohl. Aus diesem Grund habe ich Deine Anmerkung auch dankend aufgegriffen und die Beschreibung entsprechend angepasst.

Das Thema Schwefelfrei werde ich bei meinem nächsten Gespräch ansprechen, danke für den Hinweis.

Grüße,
Ron
 
bovi11 Am: 28.11.2017 21:06:39 Gelesen: 43999# 130 @  
Selbst die rechte Marke des Bombay-Briefes halte ich für bleisulfidgeschädigt:

https://aphv.de/wp-content/uploads/2016/08/Feldman_Bombay_cover_Mauritius.jpg

Dieter
 
marc123 Am: 28.11.2017 21:42:11 Gelesen: 43973# 131 @  
@ bovi11 [#130]

Hallo Dieter,

auch wenn wir hier vom Thema abschweifen, diesen Verdacht hatte ich auch schon. So sah der Brief noch auf der Dale-Lichtenstein Auktion (Harmer 21.10.1968, Los 1) aus:



Und so schon 1989: (Christie's, Robson Lowe22.11.1989).



Allerdings war die Qualität der Abbildungen nicht die Gleiche wie heute. Daher kann ich nur von einer Vermutung sprechen. Trotzdem wird 1989 bereits von "contrasting impressions-the right stamp verry sharp and the left a little heavier" berichtet. 1968 klang dies noch anders: "sharp Impression of rich brilliant Color and unbelivably fresh".

Liebe Grüße
Marc

[Beitrag [#125] redaktionell kopiert, Beiträge [#126] bis [#131] redaktionell verschoben aus dem Thema "Ron Pichlers Youtube Videos zur Philatelie"]
 
Meinhard Am: 04.12.2017 17:26:40 Gelesen: 43319# 132 @  
Hallo,

ich habe mal einen Selbstversuch gemacht und das Ergebnis zeige ich euch nachstehend. Bleiben weiterhin in den Folien und werde dann in ca. 1 Jahr wieder hier berichten. Bild 2 Original-Farben unter Hawid zum Vergleichen.

Gruß,
Meinhard




 
Saguarojo Am: 04.12.2017 17:44:59 Gelesen: 43305# 133 @  
@ Meinhard [#132]

Hallo,

ein Jahr reicht nicht aus, zehn Jahre sollte so ein Versuch laufen.

Gruß

Joachim
 
Meinhard Am: 04.12.2017 17:55:37 Gelesen: 43297# 134 @  
@ Saguarojo [#133]

Nach 10 Jahren kann ich dann die ganze Sammlung BH in die Abfalltonne befördern. Ich habe in Sindelfingen die Firma auf die Problematik dieser Folien hingewiesen. Die Antwort war: "Ist uns nicht bekannt", es muss an der Lagerung der Marken liegen. Also alles im grünem Bereich.

Gruß
Meinhard
 
johanneshoffner Am: 04.12.2017 18:42:09 Gelesen: 43253# 135 @  
In Stampsx habe ich es auch schon geschrieben:

Ich bin gerade wieder über Marken aus Liechtenstein gestolpert, deren orangener Farbton sich ins bräunliche verändert hat. Nach wie vor rate ich allen, solche alten und gefährdeten Marken entweder in Pergamintüten oder in Polyestertaschen aufzubewahren. Ich habe beste Erfahrungen mit den Taschen der Firma secol gemacht. Die British Library bewahrt ihre Briefmarken, Fotos, Banknoten auch darin auf. Diese Taschen sind nicht teurer als PVC Taschen. Aber viel leichter, dünner und sicherer. Wenn es für die British Library gut und sicher ist, ist es auch für mich gut und sicher.

Die Seite der Firma Secol ist http://www.secol.co.uk. Diese Taschen sind auch in Deutschland und der Schweiz erhältlich.
 
jmh67 Am: 05.12.2017 06:58:29 Gelesen: 43137# 136 @  
Ich benutze schon seit Jahren nur noch Einsteckbücher mit Pergaminstreifen und habe die Alben mit PVC-Streifen ausgemustert. Wenn ich hin und wieder ein altes Einsteckbuch mit PVC-Streifen geschenkt bekomme, dann kommen die Marken da auch heraus, und das Album geht ins Altpapier.

Neben der chemischen Problematik gibt es nämlich auch noch ein mechanisches Problem, indem die Kunststoff-Folien ungleichmäßig schwinden, sich die Albumblätter verziehen und dann die Marken auf einer Seite nur noch lose sitzen, während sie auf der anderen Seite so fest klemmen, dass man das Blatt fast knicken muss, um sie herauszubekommen. Je nach Fabrikat ist das nur eine Frage weniger Jahre, bis so ein Einsteckbuch/-blatt auf diese Weise unbrauchbar wird.

Jan-Martin
 
Richard Am: 03.05.2018 09:02:33 Gelesen: 28258# 137 @  
Verfärbte Marken: Wider die Zerstörung in der Philatelie

(wm) Der Titel eines Vortrags bei der Internationalen Briefmarkenmesse in Essen am 3. Mai lässt bereits aufhorchen, Abbildungen in aktuellen Auktionskatalogen noch mehr: Es geht um die durch falsche Lagerung, u.a. in ungeeigneten Plastikhüllen, hervorgerufenen Schäden an Briefmarken, die besonders durch Bleisulfidbildung eine nachhaltige Störung ihres Originalzustandes erfahren. Briefmarken können dabei ihre ursprünglichen Farben bis zu einem Schwarzton verändern, so dass sie kaum wieder zu erkennen sind.

In Auktionskatalogen werden solche Schädigungen nicht immer benannt. So wird beispielsweise eine Preußen MiNr. 1 zwar zutreffend als „ziegelrot“ in ihrer (ursprünglichen) Farbe beschrieben, aber der Blick auf ein angebotenes Paar zeigt bereits deutlich, was aus dem „ziegelrot“ geworden ist. Im Katalog heißt es dazu nur: „tadellos“! Das mag sich auf die Echtheit beziehen, vielleicht auf den Schnitt, sicherlich aber nicht auf die Farbe der Marke, denn diese ist nicht ursprünglich, sondern verfärbt, also alles andere als „tadellos“. Ein Vergleich mit gut erhaltenen Exemplaren macht dies deutlich.



Auch wenn so manche Marke mit Altattesten (z.B. Bühler) einher kommt – vor Jahrzehnten mochten die Marken noch in originaler Farbe vorgelegt worden sein –, muss dies heute nicht mehr zutreffen. Anbieter wären gut beraten, wenn sie den zwischenzeitlich eingetretenen Veränderungen Rechnung tragen und den tatsächlichen Zustand beschreiben, zumal dieser wertmindernd ist, was man spätestens beim Verkauf einer solchen Marke erfahren wird.


 
Richard Am: 26.05.2018 09:46:09 Gelesen: 27013# 138 @  
„Wider die Zerstörung in der Philatelie“: Berliner Auktionshaus Schlegel fördert die „Bewahrung philatelistischer Schätze”

(wm) Bei der 130-Jahr-Feier des Berliner Philatelisten-Klubs am 10. Mai 2018 gab der Vereinspräsident Michael Ehrig in Anwesenheit von Andreas Schlegel bekannt, dass dessen Auktionshaus eine Sonderausgabe der im Titel genannten Schrift von Wolfgang Maassen auflegt, die für Kunden des Hauses bereit stehen wird. Damit, so Maassen, der zuvor einen Vortrag zum gleichnamigen Thema gehalten hatte, engagiert sich – abgesehen von Peter Feuser, der Ähnliches mit einer eigenen Publikation vor Jahren bereits getan hatte – zum ersten Mal ein deutscher Auktionator mit einer umfangreicheren 50-Seiten-Informationsschrift, in der nicht nur die möglichen Schäden unter PVC-Hüllenaufbewahrung näher beschrieben, sondern auch Bezugsquellen für als unschädlich geltendes Material detailliert aufgewiesen werden.

In seinem Vortrag hatte Maassen betont, dass er es mit Blick auf den Auktionsmarkt wenig nachvollziehen könne, dass Versteigerer aus Eigeninteresse nicht mehr als bisher tun. Nur vereinzelt anzutreffende kleingedruckte Hinweise wie „dass die von uns verwendeten Kunststoffhüllen … nicht zur dauerhaften Aufbewahrung geeignet sind“ und dass Kunden „die Belege nach Erwerb aus den Hüllen nehmen“ sollten, seien nicht zielführend, weil sie selten gelesen und noch weniger beachtet würden. Es gäbe durchaus alternative und als unbedenklich geltende Möglichkeiten der Auslieferung von wertvollem Briefmarkenmaterial und gerade Auktionatoren, die naturgemäß ein Interesse haben, nicht nur gutes Material wieder zu verkaufen, sondern dieses später auch im ursprünglichen Zustand wieder zurückzukaufen oder erneut anzubieten, seien hier gefordert. Schlegels Schritt sei ein begrüßenswerter Anfang, der allerdings andere, auch Verbände, nicht aus der ständigen Verpflichtung nehme. Beim Bundesverband Deutscher Briefmarkenversteigerer findet man Warnhinweise auf der Internetseite http://www.bdb.net in der Rubrik „BDB-news“ (allerdings nur, wenn man ganz nach unten scrollt) und beim Bund Philatelistischer Prüfer BPP auf http://www.bpp.de (Rubrik Wissen/Folienproblematik). Dessen Verbandspräsident, Christian Geigle, hatte sich auch mit Vorträgen zum Thema engagiert und er stellte Wolfgang Maassen Aufsehen erregende Vergleichsbilder für dessen Vorträge zur Verfügung.


 
Markus Pichl Am: 21.10.2018 07:45:57 Gelesen: 16867# 139 @  
Hallo, liebe Leser,

heute möchte ich Ihnen die seltene Baden MiNr. 18 F vorstellen.

Links im Bild eine gewöhnliche Baden MiNr. 18 und rechts im Bild die neue Sensation "Baden 18 F" in der seltenen Fehlfarbe "rosa- bis dunkelrosakarmin (silberveredelt)". Die seltene Fehlfarbe besticht gegenüber den gewöhnlichen Marken auch durch einen deutlich bläulicheren Farbeindruck!



Sie erhalten gleich verschiedene Farbtönungen auf einer Marke und die dunklen Töne mit hochwertiger Silberveredelung!

Dieses begehrenswerte Sammlerstück sollte in Ihrer Fehlfarben-Sammlung nicht fehlen!

Bestellen Sie daher noch heute und vor allem schnell, da der Vorrat stark begrenzt ist und die Wiederbeschaffung bis zu einem Jahr oder länger dauern kann, denn die "Garzeit" in gewissen Folien ist noch nicht genau ausgemacht.

Beste Grüße
Markus
 
Peter Feuser Am: 21.10.2018 08:09:25 Gelesen: 16856# 140 @  
Wie auch dem Hinweis von Jürgen Kraft nebenan zu entnehmen ist, ist die Grundlage (nicht Ursache!) allen Übels die Farbe Chromrot, die ganz offensichtlich für rote und karmine Farbtöne noch bis ca. 1960 ohne hinreichende Ummantelung der Bleianteile beim Markendruck verwendet wurde. Die katastrophale Bleisulfidentwicklung durch den massiven und fast weltweiten Einsatz der Hart-PVC-Folien, insbesondere der Firmen X und Y, lässt sich bei roten bzw. karminen Farbtönen etwa beginnend mit der Preußen Nr. 10 nachweisen. Später dann beispielsweise Preußen und NDP Nr. 16, Preußen 24, Sachsen Nr. 16, TT, Dt. Reich Nr. 19, später die querformatigen Markwerte incl. Kolonien usw., Dienst Dt. Reich, Kontrollrat und dann auch Bund Helfer der Menschheit 20 Pfg. bis zu der 20 Pfg. Beethovenblock. Dann scheint Ruhe zu sein. Es sind viele hundertverschiedene Marken mit karminen Farbtönen betroffen!

https://de.wikipedia.org/wiki/Chromrot
 
Peter Feuser Am: 21.10.2018 08:11:56 Gelesen: 16853# 141 @  
Siehe auch die Beschreibung der artverwandten Farbe chromgelb bei einem Farbenproduzenten.

http://kremerfarben.de/x-chromgelb.htm
 
Peter Feuser Am: 21.10.2018 08:18:49 Gelesen: 16846# 142 @  
Hier noch die Beschreibung des nicht zu Bleisulfidschäden neigenden Cadmiumgelbs, das vermutlich bereits ab ca. 1870 bei der Markenherstellung verwendet wurde, vgl. die farbbeständigen orangefarbigen Deutsches Reich Nr. 15, 18 und 24 usw.

http://kremerfarben.de/21010.htm
 
Markus Pichl Am: 21.10.2018 08:27:14 Gelesen: 16840# 143 @  
@ Peter Feuser [#140]

Die Verwendung von Chromrot hatte ich auch schon bei meinen Betrachtungen zu Sachsen MiNr. 15, zumindestens für einen Teil der Auflagen, in meinen dortigen Beiträgen in Erwägung gezogen.

Die in den Akten niedergelegte Angabe "Chromgelb/Rot" erachte ich nicht als eindeutig und an sulfidierten Exemplaren ist nicht wirklich eindeutig zu erkennen, welcher Farbton ursprünglich einmal vorhanden war. Durchaus kommen auch sulfidierte Marken mit späteren Daten vor, die wahrscheinlich nicht mit Mennige gedruckt wurden. Das aber nur nebenbei erwähnt.
 
Peter Feuser Am: 21.10.2018 08:46:00 Gelesen: 16829# 144 @  
@ Markus

Wie Analysen von Instituten, die im Auftrag der Albenhersteller X und Y Parteiengutachten erstellt haben, bestätigen, neigt auch die normale Sachsen 1/2 Ngr. orange (Mi. 15c) zu Bleisulfidschäden. "Ursache" dürfte bei allen Nr. 15 die Verwendung von Chromgelb bei der Markenherstellung sein.
 
Markus Pichl Am: 21.10.2018 09:03:16 Gelesen: 16812# 145 @  
@ Peter Feuser [#144]

Wie groß die Farbenvielfalt bei Sachsen MiNr. 15 ist, habe ich aufgezeigt. Zu der Marke gibt es 17 Bestellungen, welche sogar noch in Teilen ausgeliefert wurden.

Nach Aktenlage wurde bis einschließlich der Bestellung vom 23.11.1865 mit Mennige gedruckt und ab der Bestellung vom 15.03.1866 nicht mehr. "c" ist ein riesiger Sammeltopf, in den Marken aus enorm vielen Auflagen schwimmen. Die dunklen Farbtöne aus "c", welche deutlich roter sind, haben Verwendungsdaten aus 1866 und kommen in ungebraucht nur selten vor. Bei diesen dunkleren ziehe ich Chromrot in Betracht. Den helleren, deutlich gelblicheren Tönen aus "c", welche es noch Bogenweise gibt und vermutlich für die Gutachten verwendet wurden, denke ich Chromgelb an.

Faktum, auch hier wird man nicht ohne weitere Farbstoffanalysen weiterkommen und bis dahin sind es halt nur Annahmen aus Beobachtungen.

Beste Grüße
Markus

[Beiträge [#139] bis [#145] redaktionell verschoben aus dem Thema "Alliierte Besetzung Gemeinschaftsausgaben: Michel streicht 919 F aus Katalog"]