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Thema: Die unterschiedlichen Kalender
volkimal Am: 12.11.2014 18:46:10 Gelesen: 125818# 1 @  
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Hallo zusammen!

Bei der Beschäftigung mit ausländischen Belegen hatte ich immer wieder Probleme mit der genauen Datierung oder der Ermittlung der Laufzeiten. Das lag daran, dass im Ausland (Russland, China, Japan usw.) zum Teil andere Kalender benutzt werden oder benutzt wurden. Bei Wikipedia sind ca. 70 verschiedene Kalender aufgeführt (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kalendersysteme ). Diese kommen natürlich längst nicht alle in der Philatelie vor, aber einige sind es schon.

Um Euch die Arbeit zu erleichtern, möchte ich an dieser Stelle die verschiedenen Kalender vorstellen, die in meiner Sammlung vorkommen. Vor allem geht es mir darum, zu erklären, wie man die verschiedenen Stempeldaten auf unser Datum umrechnen kann.

Der gregorianische Kalender

Hier in Deutschland wird – wie in den meisten Ländern der Erde – der gregorianische Kalender benutzt.



Wie man am Ersttagsblatt mit Briefmarke und Ersttagsstempel erkennt, wurde der gregorianischen Kalender im Jahre 1582 von Papst Gregor XIII eingeführt.

Vorher galt in Deutschland der julianische Kalender. Dieser hatte den Nachteil, dass er mit seinen durchschnittlich 365,25 Tagen um etwa elf Minuten länger als das Sonnenjahr war. Dadurch verschob sich der astronomische Frühlingsanfang etwa alle 130 Jahre um einen Tag auf ein früheres Kalenderdatum.

Diese Verschiebung wurde 1582 durch Auslassen von 10 Kalenderdaten korrigiert (auf Donnerstag, den 4. Oktober folgte Freitag, der 15. Oktober). Zusätzlich passte man die durchschnittliche Tageszahl an die tatsächliche Dauer eines Jahres an, indem man die Anzahl der Schaltjahre änderte. Genaueres findet ihr bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender.

Im nächsten Beitrag werde auf die unterschiedlichen Daten im gregorianischen und julianischen Kalender eingehen, der z.B. bis 1918 in Russland verwendet wurde.

Viele Grüße
Volkmar
 
22028 Am: 12.11.2014 18:51:00 Gelesen: 125817# 2 @  
Da denke ich passt die Info zu diesem Kalenderkonverter ganz gut hin:

http://calendarhome.com/calculate/convert-a-date/
 
Heinz 7 Am: 14.11.2014 22:37:09 Gelesen: 125730# 3 @  
@ volkimal [#1]

Hallo Volkmar und Kollegen,

das Thema mit den unterschiedlichen Kalendern kann wirklich zu besonderen Belegen führen, wie ich Euch an einem meines Erachtens sehr schönen Beispiel zeigen möchte.

"Auf dem Straßenweg beträgt die Distanz von Galați nach Wien 1187 Kilometer."
"Auf dem Straßenweg beträgt die Distanz von Wien nach Triest 480 Kilometer."
"Auf dem direkten Weg beträgt die Entfernung zwischen Triest und Κερκυρα 839 Kilometer."

Diese Info holte ich aus "http://www.entfernung.org";. Warum erzähle ich Euch das? Nun, der beiliegende Brief hat genau diese Reise hinter sich: Er wurde in Galatz (Rumänien) aufgegeben, ging über Wien und Triest auf's Schiff und wurde nach Korfu geschippert, wo er die 90 Lepta Nachfrankatur erhielt. Der Brief legte also rund 2500 Kilometer zurück.



Betrachten wir nun die Stempel: "GALATZ 17 / 2 / 69" steht da und "KERKYRA 17 FEBR 69".

Nanu? Zweimal dasselbe Datum? - Nun, nur scheinbar. Die Post in Galatz verwendete seit 1.1.1865 den gregorianischen Kalender (die österreichische Post sowieso - der Brief wurde von dem österr.-ungarischen Postamt in Galatz gestempelt). Griechenland (Corfu) verwendete aber noch den Julianischen Kalender, der um diese Zeit 12 Tage hinterherhinkte. Der 17.2.1869 (julianisch) entsprach also dem 1. März 1869 (gregorianisch).

So benötigte der Brief also 12 Tage vom Abgang zum Bestimmungsort. Hätte der Brief den Weg über das Schwarze Meer genommen, wäre es vermutlich schneller gegangen, aber der Brief lief eindeutig über Wien/Triest.

So spannend kann Philatelie sein!

Herzliche Grüsse - Heinz
 
volkimal Am: 15.11.2014 09:32:23 Gelesen: 125704# 4 @  
@ 22028 [#2]
@ Heinz 7 [#3]

Hallo 22028,

dieser Link ist sehr hilfreich. Ich kannte ihn bisher nicht. Vielen Dank!

Aber er reicht natürlich nicht aus. Man muss noch etwas mehr Hintergrundwissen haben. Dieses wird am Beitrag von Heinz deutlich.

Hallo Heinz,

ein sehr schönes Beispiel! Aufgabe- und Ankunftsstempel mit demselben Datum, und das bei der Entfernung! Und vor allem aber ist es super, wie Du den Beleg beschrieben hast.

Du schreibst: "Die Post in Galatz verwendete seit 1.1.1865 den gregorianischen Kalender". Galt das nur für das österreichische Postamt oder auch für das rumänische? Nach Wikipedia wurde der gregorianischen Kalender im Königreich Rumänien erst 1918 eingeführt.

Solche Belege und solche Informationen sollen hier gezeigt werden.

Viele Grüße und vielen Dank.

Volkmar
 
volkimal Am: 15.11.2014 09:37:51 Gelesen: 125701# 5 @  
Der julianische Kalender

Postkarte von Lodz nach Bernau bei Berlin aus dem Jahre 1902:



Aufgrund der wechselhaften Geschichte hat Lodz verschiedene Namen: Lodz (deutsch), Łódź (polnisch) oder Лодзь (russisch). Mit der zweiten Teilung Polens 1793 wurde die Stadt Teil Preußens. Nach dem Frieden von Tilsit 1807 kam der Ort Teil zum Herzogtum Warschau und wurde 1815 in Kongresspolen integriert, sodass die Stadt dem russischen Zaren unterstand.

Nun zu den Stempeln auf der Karte:

Aufgabestempel: Лодзь (Lodz) 15.01.1902
Ankunftsstempel: Bernau (Mark) 30.01.1902
 

Man könnte meinen, dass die Beförderungszeit 15 Tage betrug. Das stimmt aber nicht, denn es waren nur 2 Tage! Da Lodz zum russischen Reich gehörte, galt dort der julianische Kalender. In Bernau in Deutschland wurde dagegen der gregorianische Kalender benutzt. Der julianische Kalender und der gregorianische Kalender unterschieden sich 1902 um 13 Tage.

Aufgabedatum: 15.01.1902 (jul) + 13 => 28.01.1902 (greg.)

Man erkennt die unterschiedlichen Zeiten auch sehr schön, wenn man die Bildseite der Karte ansieht. Der Absender hat nämlich oben rechts das gregorianische Datum angegeben. Die Ansichtskarte zeigt übrigens den neuen Markt (= Nowy Rynek) in Lodz.



Umrechnung vom julianischen zum gregorianischen Kalender:

Vom 18.02.1800 (jul.) bis zum 16.02.1900 (jul.) muss man im Kalender 12 Tage nach vorne gehen, um das gregorianische Datum zu bekommen.
Vom 17.02.1900 (jul.) bis zum 31.01.1918 (jul.) muss man im Kalender 13 Tage nach vorne gehen, um das gregorianische Datum zu bekommen.


Im Jahre 1918 wurde in Russland der gregorianische Kalender eingeführt. Auf den 31. Januar 1918 (jul.) folgte in Russland der 14. Februar 1918 (greg.). Die Daten dazwischen gab es in Russland nicht.

Viele Grüße
Volkmar
 

muemmel Am: 15.11.2014 17:10:28 Gelesen: 125662# 6 @  
Hallo in die Runde,

dazu passt eine Postkarte, die am 20.1.1883 von Gotha nach Berditscheff (damals zu Russland gehörig) auf die Reise ging:



Laut Eingangsstempel erreichte die Karte ihr Ziel am 12. Jan. 1883, was natürlich nicht möglich war. Wie bereits erwähnt, galt in Russland noch der Julianische Kalender. Addiert man 12 Tage auf das Eingangsdatum, ergibt sich als Ankunfttag der 24. Januar 1883 (Gregorianisch). Damit ist die Welt also wieder in Ordnung und eine Zeitreise mit ungewissem Ausgang bleibt uns erspart.

Die Karte stammt aus der Sammlung einer guten Bekannten.

Informationen zu Berditscheff unter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Berdytschiw

Hübsche Grüße
Harald
 
Heinz 7 Am: 15.11.2014 18:18:48 Gelesen: 125646# 7 @  
@ volkimal [#4]

Hallo Leute,

das macht echt Spass mit Euch! Leider hatte ich heute einen grossen Datenverlust, weil ich wollte Euch einen grösseren Beitrag liefern zum Thema, und habe das Ganze offenbar etwas "überladen". Jedenfalls ging am Ende gar nichts mehr und ich flog raus. Alle Sicherungen waren weg - schade. Drei Stunden Arbeit sind vorerst mal weg. Nun portioniere ich die Beiträge in "verdaulichere" Happen und hoffe, so meine (Zeit-) Investitionen doch noch nutzen zu können. Immerhin die Scans habe ich noch alle auf dem Stick.

Vorweg eine konkrete Antwort: Ja, die rumänische Post stellte ihren Kalender um per 1.1.1865 auf den gregorianischen. Zuvor galt der julianische Kalender, sowohl in der Moldau, als auch in der Walachei und zu Beginn der Vereinigten Fürstentümer. Die Notiz im "Michel" stimmt also genau. Die Menschen verwendeten im 19. Jahrhundert in diesem Gebiet die Kalender munter nebeneinander, das sieht man auch an vielen Doppelnotierungen des Datums, z.B. 1./13. März 18xx.

Auf dem Gebiet der ehemaligen Fürstentümer Moldau und Walachei gab es auch fremde Postdienstleister. Dabei verwendete Österreich und Frankreich den gregorianischen, Russland und Griechenland hingegen den julianischen Kalender.

Ein ähnliches Beispiel zum obigen Brief (Beitrag 3) zeige ich Euch anbei: Brief von Ismail nach Corfu



Zwar hat der Brief einige Mängel (Stempel eher undeutlich, Marken z.T. angeschnitten, Rückseite mit Papier-Fehlstelle), aber für unsere Zwecke lässt sich alles zeigen: Ismail, eine ukrainische Stadt an der Donau, nahe bei der Mündung zum Schwarzen Meer, gehörte nur kurz, 1856-1877 zu Rumänien. Von 1812 bis 1856 und von 1877 bis 1917 gehörte die Stadt zum russischen Bessarabien.

Am 25.9.1871 wurde nun ein Brief von Ismail (Rumänien!) nach Corfu geschickt. Der Agraffen-Stempel gehört zur Gruppe A65 und ist ein rumänischer Stempel (fig. 401 Stempelbuch K. Dragomir 1990). Wiederum wurde die lange Route über Wien gewählt, wie deutlich vermerkt wurde. Der Brief erhielt auch alle Durchgangsstempel: GALATZ 26 / 9 - WIEN 30 / 9 / 71 - TRIEST (Datum fehlt) - KEPKYPA = KERKYRA 25 SEPT 71 (julianisch). Der Brief kostete 100 Lepta, die wurden bei Ankunft verklebt (griechische Frankatur) und entwertet: 25.9.1871 (julianisch). Also auch dieser Brief benötigte 12 Tage.



Die Briefrückseite ist, obwohl optisch alles andere als "Luxus", wichtig und wertvoll. Fortsetzung folgt

Heinz
 
Heinz 7 Am: 15.11.2014 18:57:56 Gelesen: 125633# 8 @  
@ volkimal [#4]

(Fortsetzung)

Nun zeige ich Euch einen Brief, als sich die Post noch nach dem alten julianischen Kalender ausrichtete.



Warum ist dieser Brief interessant? Auf dem obigen Bild seht Ihr eigentlich nur ca. 2/18 des gesamten Briefes. Früher wurden grosse Briefbogen gefaltet und aussen beschriftet, gesiegelt und verschickt.



Der Briefbogen wurde mehrfach gefaltet und so in 18 Felder unterteilt, die wie folgt verwendet wurden: Feld 10-18: Raum für Brieftext; Feld 1-9: "Verpackungsteil". In Feld 5 wurde die Adresse vermerkt, Feld 4 und 6 wurden ineinander geschoben und versiegelt und bildeten so die Briefrückseite. Auf dem ersten Bild seht Ihr also Feld 5 und 6 des Gesamtbogens. Der Fleck rechts aussen (auf Feld 6) ist normal, er stammt von der Versiegelung. In Feld 4 ist das Papier etwas aufgerissen, das geschah beim Öffnen des Briefes. Der oben gezeigte Bogen ist aber in hervorragender Erhaltung (er ist immerhin 154 Jahre alt!).

Wie wir aus dem Briefkopf ersehen (Teil-scan der Felder 12,15+18) notierte der Briefschreiber Abgangsort, das Datum und den Namen des Empfängers.

.

Schön ist jetzt, dass der Briefeschreiber den gregorianischen Kalender verwendete. Der 9. Februar (greg.) entsprach genau dem Poststempel-Datum "GALATZ / MOLDOVA 28 / 1 (jul.)". Der Brief an Herrn Wechsler kam zwei Tage später in Jassy (auch Moldau) an und erhielt auf der Briefrückseite den (roten) Ankunftsstempel "JASSY MOLDOVA 30 / 1" (jul.).

Ein Wort noch zum Porto: 1860 kostete so ein Brief 40 Parale. Der Absender verzichtete aber auf eine Frankierung, entweder, weil er keine Marke zur Hand hatte (schade, es wäre ein Ochsenkopf (2. Ausgabe, rechteckig, Michel Nr. 6) "fällig" gewesen), vielleicht aber auch weil sich der Briefeschreiber beim Adressaten beschwerte. Ich entziffere aus dem Schreiben: "...schon am 6t hier eintreffen, und ist bis heute nicht da." Möglich also, dass der Absender seine "Mahnung" quasi zur Strafe unfrankiert versandte.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 16.11.2014 20:58:58 Gelesen: 125595# 9 @  
@ volkimal [#4]
@ Heinz 7 [#8]

Liebe Leser,

ich möchte meinen gestrigen "halben" Beitrag heute noch vervollständigen. Gestern habe ich Euch einen Brief gezeigt, bei dem der Schreiber den gregorianischen Kalender verwendete, die moldauische Post aber den julianischen.

Nun sind wir neun Jahre später. Herr Rosenthal aus Pitesci (Walachei) sandte einen Brief nach Bukarest, das ebenfalls in der Walachei lag. 1859 hatten sich die zwei Fürstentümer Moldau und Walachei, die beide unter der Oberhoheit des Osmanischen Reiches standen, zu einem gemeinsamen Staat (Vereinigte Fürstentümer) zusammengeschlossen. Ab Januar 1862 nahm das Gebiet den Namen Rumänien an. 1867/68 wurde eine neue Währung eingeführt; Bani ersetzten die alten Parale. Ein einfacher Inlandbrief kostete nicht mehr 40 Parale (wie 1860) bzw. 30 Parale (wie 1862) bzw. 20 Parale (wie 1865), sondern neu 18 Bani. Und die rumänische Post verwendete seit dem 1.1.1865 den Gregorianischen Kalender.

Auch Herr Rosenthal verwendete für seine Mitteilung einen Faltbrief.



Dieser wurde ähnlich verwendet wie der oben gezeigte Brief. Nach 5 Faltvorgängen hatte er das handliche Format von ca. 14 x 9 cm. Feld 5 des Briefbogens bildete die Briefvorder-, Feld 2 und 8 (ineinander gesteckt) die -Rückseite, die gesiegelt und somit verschlossen wurde. (Man vergleiche die Faltung des Briefes von 1860, die anders erfolgte; dort bilden Feld 4+6 die Briefrückseite). Der Brief wurde frankiert mit dem höchsten Wert der 6. Ausgabe von 1868 (der ersten mit Währung Bani, Michel Nr. 20) und der Post übergeben am 22. Februar 1869.



Drei Tage später kam der Brief in Bukarest an, wie der Stempel auf der Briefrückseite klar zeigt.



Brief, Marke und Stempel sind sehr sauber und natürlich gefällt mir dieser Brief sehr. Eine Besonderheit ist mir aber beim Öffnen des Briefes aufgefallen:



Klar ersichtlich hat der Rosenthal seinen Brief mit 10. Februar datiert. Er hat ihn dann aber nicht zwölf Tage später erst auf die Post gebracht, sondern am selben Tage. Herr Rosenthal arbeitete schlicht noch nach dem julianischen Kalender, wie so viele seiner Landsleute. Die Post aber verwendete nun schon eine Weile den Gregorianischen Kalender.

Diese Aussage lässt sich sogar beweisen. Der Empfänger machte sich nämlich fein säuberlich Notizen zu dem Brief (siehe Feld 7 des Briefbogens): Name des Senders - Datum des Versandes - Datum der Ankunft und ein weiteres Datum wurden vermerkt. Der Empfänger vermerkt also, dass die Stempeldaten 22/2 und 25/2 den Daten 10.Feb und 13.Feb (Julianischer Kalender) entsprachen. Er verwendete auch den Julianischen Kalender.



Schön, nicht wahr? Wir haben also einen ähnlichen Fall wie beim Brief 1860, nur genau umgekehrt!

Herzliche Grüsse - Heinz
 
volkimal Am: 16.11.2014 22:14:49 Gelesen: 125577# 10 @  
@ Heinz 7 [#9]

Hallo Heinz,

einfach klasse die Belege, die Du zeigst und vor allem die Beschreibungen - genau so, wie ich sie bei diesem Thema haben möchte. Zusätzlich ist auch noch sehr schön, dass Du Belege aus einem Gebiet zeigst, das ich nicht belegen kann.

Danke fürs Zeigen
Volkmar
 
Marcel Am: 16.11.2014 23:06:54 Gelesen: 125568# 11 @  
Ich hatte mal einen Beitrag bei Air Mail / Luftpost - Aufkleber, Labels, Eindrucke, Vermerke über das Gengô (Nengô)-System, daß sich nach bestimmten Ereignissen untergliedert und in Ären eingeteilt ist.

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=63566

Nengō bzw. Gengō bezeichnen in der japanischen Zeitrechnung „Jahresdevise“ oder „Äranamen“. Im weiteren Sinne ist damit das in Japan übliche kalendarische Schema gemeint, das seinen Ursprung in China hat. Mehrere Jahre werden dabei in Gruppen mit dem gleichen Namen, bzw. mit der gleichen „Devise“ zusammengefasst. Obwohl in Japan auch die westliche Zeitrechnung bekannt ist, gilt bei Behörden das nengō-System als verbindlich.

Hier eine Liste: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Neng%C5%8D

Wir leben zur Zeit im Heisei - übersetzt "Frieden geben". Den Namen dieser Ära hat Kaiser Akihito gegeben. Er bestieg am 7. Januar 1989 den japanischen Chrysanthementhron und wurde am 12. November 1990 offiziell zum 125. Tennō (himmlischer Herrscher) von Japan ausgerufen.

so jetzt aber wirklich Schluß für heute schöne Grüße
Marcel
 
volkimal Am: 22.11.2014 13:07:42 Gelesen: 125454# 12 @  
@ Marcel [#11]

Hallo Marcel,

danke für den Hinweis. Da ich es nicht schaffe, alle Beiträge auf Philaseiten zu lesen, ist mir Dein Beitrag wohl entgangen. Über den japanischen Kalender habe ich auch schon in einem Beitrag geschrieben. Ich werde später auf den japanischen Kalender eingehen.

Heute von meiner Seite aus der letzte Beitrag zum julianischen Kalender. Diesmal ist es ein Brief, der von Rybnik nach Lodz ging. Rybnik liegt in Schlesien und gehört heute zu Polen. Den Namen Rybnik hat die Stadt beim Wechsel des Landes behalten.



Der Brief wurde am 11.11.1898 (greg.) aufgegeben und kam am 31.10.1898 (jul.) in Lodz in Russisch-Polen an. Da der Brief vor 1900 verschickt wurde, muss man im julianischen Kalender 12 Tage nach vorne gehen (siehe [#5]. Der Brief erreichte den Empfänger also am 12.11.1898 (gregorianisch) und war nur einen Tag unterwegs.

Soweit meine Ausführungen zum julianischen Kalender. Aus den anderen Ländern, in denen er galt, habe ich leider keine Belege.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.11.2014 09:47:06 Gelesen: 125376# 13 @  
Hallo zusammen,

heute geht es weiter mit der „faschistischen Zeitrechnung“, Italien 1922 bis 1944/45.

Mit Benito Mussolinis Marsch auf Rom am 28. Oktober 1922 hatte sich der Faschismus in Italien politisch durchgesetzt. Erstmals am 19. Oktober 1923 fügte Mussolini einem persönlichen Brief im Datum den Zusatz „Anno I dell’êra fascista“ hinzu. Durch einen internen Erlass vom 25.12.1926 machte er diesen Zusatz für die gesamte staatliche Verwaltung verbindlich. [1]

Wie macht sich die faschistische Zeitrechnung philatelistisch bemerkbar:



Beim ersten Stempel ist die Jahreszahl „1926“ noch vierstellig. Beim Stempel vom 24.7.1929 sind dagegen zwei Jahreszahlen angegeben: Die „29“ für „1929“ und die „VII“ für das siebte Jahr der faschistischen Zeitrechnung. Zum rechten Stempel siehe auch http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=45655



Vergleicht man diese beiden Stempel aus dem Jahr 1937, so entdeckt man zwei verschiedene Jahreszahlen nach der faschistischen Zeitrechnung, die „XV“ und die „XVI“. Das liegt daran, dass die faschistische Zeitrechnung am 29.10.1922 begann. Für das Jahr 1937 bedeutet es, dass bis zum 28.10.1937 das Jahr „XV“ war, ab dem 29.10.1937 das Jahr „XVI“.

Entsprechend des Erlasses vom 25.12.1926 musste ab 1927 in neuen Stempeln auch das Jahr nach der faschistischen Zeitrechnung angegeben werden. Bisher habe ich bei Poststempeln als frühestes Datum die „VI“ für 1928 gesehen. Kann jemand einen Stempel aus dem Jahr 1927 mit der „V“ zeigen?

[1] Thomas Vogtherr: Zeitrechnung: von den Sumerern bis zur Swatch, C.H.Beck Wissen 2001

Soweit für heute. Ich würde mich freuen, wenn auch Ihr einige Beispiele zeigt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.12.2014 08:04:23 Gelesen: 125316# 14 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit der "faschistischen Zeitrechnung" aus Italien.



Dieser Stempel vom 9.5.1938 = XVI zeigt die Jahreszahl nicht nur im Stempelkopf sondern auch rechts oben im Werbeklischee. Das Wort rechts neben dem Liktorenbündel sieht fast wie eine römische Zahl aus, es ist aber das lateinische Wort "Dux" für Führer.

Es gibt auch Werbeklischees, bei denen nur die römische Zahl angegeben ist. Davon besitze ich aber kein Exemplar.

Von Stephan Jürgens bekam ich diesen Scan:



Hier sieht man schön, wie sich die Stempel nach dem Ende des Krieges verändert haben. In den Maschinenstempeln sind wieder vierstellige Jahreszahlen. Da man beim Tagesstempel das Datum nach der faschistischen Zeitrechnung nicht mehr zeigen wollte, hat man das entsprechende Typenrad auf den Block umgestellt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.12.2014 18:41:03 Gelesen: 125250# 15 @  
Hallo zusammen,

Die japanische Zeitrechnung

Nach Wikipedia existierten in Japan vier verschiedene Jahreszählweisen:

• das aus China stammende Gengō-System, das auf den Amtszeiten der Tennos (japanischen Kaiser) basiert,
• die westliche Zählweise, die mit der Geburt Jesu beginnt (Anno Domini),
• die davon abgeleitete Kōki, die die japanische Reichsgründung 660 v. Chr. als Epoche nimmt und
• das ebenfalls aus China stammende System der Tierkreiszeichen und Himmelsstämme, das sich periodisch alle sechzig Jahre wiederholt.

Aus der Philatelie kenne ich drei dieser Zeitrechnungen. Bei den japanischen Stempeln wird das Datum entweder nach dem Gengō-System oder nach der westlichen Zählweise angegeben. Näheres dazu im nächsten Beitrag. Zum Kōki-System habe ich bisher nichts Philatelistisches gefunden.

Das „System der Tierkreiszeichen“ findet man bei den Briefmarken. Zum Ende jeden Jahres gibt es in Japan entsprechende Ausgaben. Da es vom Zeitpunkt her gerade so gut passt, möchte ich mit dieser japanischen Zeitrechnung beginnen:

Das System der Tierkreiszeichen

Das System der Tierkreiszeichen basiert auf zehn Himmelsstämmen und zwölf Erdzweigen. Näheres dazu bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Kalender#Der_60er-Zyklus Jedem Erdzweig ist ein Tier zugeordnet. Diese Tierzeichen werden für die Bezeichnung der Jahre in einem Zwölf-Jahre-Zyklus verwendet. Folgende Tierkreiszeichen gibt es: Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Schwein.

Wenn ich beim Blättern im Katalog nichts übersehen habe gab es in Japan von Ende 1935 bis Ende 1937 und seit Ende 1948 jeweils zum neuen Jahr eine Briefmarkenausgabe. Seit 1950 gehört auch jeweils ein Block dazu. Später gab es zusätzlich passende Neujahrs-Ganzsachen (Postkarten). Am Anfang zeigten die Marken verschiedene Motive, später waren es fast immer die entsprechenden Tiere. Hier einige Beispiele, die ich bei mir im Album fand:



1938: Jahr des Tigers, Motiv: Shimekazari = Heiliges Stroh der Neujahrsdekoration (glücksbringendes Symbol)
1952: Jahr des Drachen, Motiv: Maske und Fächer aus einem No-Stück
1957: Jahr des Hahnes, Motiv: Wal Attrappe (Glückssymbol) auf einem Festwagen
1958: Jahr des Hundes, Motiv: Spielzeughund „Inuhariko“
1959: Jahr des Schweines, Motiv: „Tai-Ebisu“ = Schutzgott Ebisu mit dem Glückssack



1960: Jahr der Ratte, Motiv: Spielmaus
1961: Jahr des Stieres, Motiv: Puppentiere (Rinder)
1962: Jahr des Tigers, Motiv: Spielzeug-Tiger
1968: Jahr des Affen, Motiv: Noborizaru = kletternder Spielzeugaffe aus Papiermaché.

Eine entsprechende Blockausgabe besitze ich leider nicht. Vielleicht kann jemand von Euch einen Block der Neujahrsmarken oder eine Neujahrs-Ganzsache zeigen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.01.2015 16:25:59 Gelesen: 125178# 16 @  
Die japanische Zeitrechnung nach dem Gengō-System:

Hallo zusammen,

passend zum heutigen Tag möchte ich die japanische Zeitrechnung nach dem Gengō-System mit Hilfe meiner Lieblings-Schnapszahl-Stempel vom 1. Januar erklären.



Bei japanischen Stempeln nach dem Gengō-System wird das Datum von rechts nach links gelesen. Ihr seht links den Sonderstempel zum 1.1.11 (= 1999) aus Akabira auf der Insel Hokkaido. Und was ist abgebildet – der Sonderstempel aus Akabira vom 1.1.11 (= 1936). Rechts ein weiteres Exemplar des Stempels von 1936 aus Fukuyama. Den Beleg mit dem rechten Stempel und die entsprechenden Erklärungen findet ihr auf http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=42324.

Wie ist es möglich, dass beide Stempel dasselbe Datum zeigen, aber aus unterschiedlichen Jahren komme? Es liegt daran, dass die Jahreszählung beim Gengō-System mit dem Amtsantritt eines neuen Kaisers (Tennos) jeweils neu beginnt. Die Tage und Monate stimmen seit der Angleichung an den westlichen Kalender im Jahre 1873 mit unserem Kalender überein.

Der linke Stempel kommt aus dem 11-ten Jahr der Heisei-Zeit, das ist die Regierungszeit des Tennōs Akihito. Der rechte Stempel kommt dagegen aus dem 11-ten Jahr der Shōwa-Zeit, das ist die Regierungszeit des Tennōs Hirohito.

Seit der Einführung der Briefmarken in Japan (1871) gab es vier Tennōs und damit auch vier Zeitabschnitte bzw. Ären.



Zum Beispiel starb Tenno Yoshihito am 25. Dezember 1926 im 15-ten Jahr seiner Regentschaft, der sogenannten Taishō-Zeit. Am selben Tag begann die Shōwa-Zeit mit dem Amtsantritt des Tennos Hirohito. Der 25. Dezember 1926 ist also:

Westliche Zeit: 25.12.1926
Taishō-Zeit: 15.12.25
Shōwa-Zeit: 1.12.25

Das Jahr 1 der Shōwa-Zeit (1926) dauerte also nur eine Woche.

Die Japanische Zeit lässt sich wie rechts in der Tabelle umrechnen bzw. man schaut einfach auf die Seite: http://www.meijigakuin.ac.jp/~watson/ref/mtsh.html .



Auf den meisten japanischen Briefmarken steht keine Jahreszahl. Eine Ausnahme bilden die Neujahrsmarken. 1999 war das Jahr des Hasen. Unten rechts auf der Marke steht dementsprechend die Jahreszahl nach dem Gengō-System und nach unserer Zeitrechnung:

平成11年 = Heisei 11 Jahr = 11-tes Jahr der Heisei-Zeit = 1999

Der Beiden Stempel kommen aus 札幌 中央 = Sapporo Zentral.
Der obere Text im Sonderstempel ist derselbe wie beim Sonderstempel aus Akabira (erstes Bild).

Es steht dort: „平成1並びの日“. Was es genau bedeutet, konnte ich bisher nicht feststellen. Je nachdem, in welcher Kombination ich die Zeichen in den Google-Übersetzer eingebe, erhalte ich verschiedene Übersetzungen. Die beiden ersten Zeichen bedeuten auf jeden Fall wieder Heisei.

Die „1“ bezieht sich nur auf die Ziffer „1“, denn 1999 ist ja das 11-te Jahr der Heisei-Zeit..

Dieselbe Inschrift steht übrigens auf Stempeln mit den Daten „11.1.1“, „11.11.1“ und „11.11.11“. Eine Auflistung der verschiedenen Stempel mit diesem Text findet ihr auf http://www.geocities.jp/hokkaidokitte/kogata199911.html . Die Stempel vom 12.12.12 sind auf http://www.geocities.jp/hokkaidokitte/kogata200012.html zu sehen.

Soweit für heute. Weitere Informationen zum Datum in den japanischen Stempeln werde ich beim nächsten Mal einstellen.

Viele Grüße und alles Gute für 2015
Volkmar
 
ragiko Am: 24.01.2015 04:29:49 Gelesen: 125049# 17 @  
@ volkimal [#15]

Zum Kōki-System habe ich bisher nichts Philatelistisches gefunden.

Dann gebe ich dir ein bekanntes Exempel dazu. Die Annahme, dass die Mythologie der Reichsgründung bis in vorchristliche Zeiten hineinreiche, für bare Münze zu nehmen, ist wissenschaftlich ähnlich aussagekräftig wie die Erschaffung der Welt in 7 Tagen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass das japanische Reich sich im 3. oder 4. nachchristlichen Jahrhundert zu etablieren begann. Die Mythologie, die Japan eine ähnlich glanzvolle Vergangenheit wie China verleihen sollte und in der die Lebenszeit der alten Kaiser auf mehrere hundert Jahre gedehnt wurde, wortwörtlich zu nehmen, das kommt nur in extrem nationalistischen Epochen in Frage.

Sehen wir uns also die Jahre an, als Japan in Ostasien zu expandieren versuchte. Dort finden wir auf den Nationalpark-Blocks ab 1938 (Michel Bl.2 bis 8) die seltsamen Jahreszahlen 2598 bis 2601, ab 1939 in Klammern durch die westlichen Jahreszahlen ergänzt. Außerdem wurde eine Sonderserie zur Feier des 2600. Jahrestages der Reichsgründung verausgabt (Mi-Nr. 288-291), und Richard Strauss gab sich dazu her, zu der nationalistischen Feier eine Festmusik zu komponieren. Diese Dinge stehen im Zusammenhang mit dem Kōki-System und verschwanden selbstverständlich ab 1946 wieder im Giftschrank des nationalistischen Kellers, wo sie herkamen.


 
volkimal Am: 24.01.2015 16:35:02 Gelesen: 125007# 18 @  
@ ragiko [#17]

Hallo ragiko,

das finde ich ja toll, dass alle vier japanischen Kalender in der Philatelie vorkommen. In meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie" sind zwar einige Belege aus Japan - so etwas wie Dein Block ist aber natürlich nicht dabei. Danke fürs zeigen!

Kannst Du meine Frage aus dem letzten Beitrag eigentlich auch beantworten: Was bedeutet „平成1並びの日“?

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 24.01.2015 17:06:55 Gelesen: 125000# 19 @  
Hallo zusammen!

Die japanische und die europäische Zeitrechnung:

Bei Briefen innerhalb Japans wird normalerweise die Zeitrechnung nach dem Gengō-System verwendet. Briefe ins Ausland erhalten dagegen Stempel nach der westlichen Zeitrechnung (beginnend mit der Geburt Jesu). Gelegentlich findet man beide Stempel auf einem Beleg.

Typische Beispiele sind Briefe mit Ersttags- oder Sonderstempeln ins Ausland. Hier zwei Beispiele:



Der Brief zum 50-jährigen Jubiläum der Luftfahrt trägt den Tagesstempel aus Tokio mit dem Datum 20.09.60 und den roten Ersttagsstempel mit dem Datum 20.09.35. Das japanische Datum ist wie üblich von rechts nach links geschrieben. Das Jahr „35“ ist das 35-te Jahr der Showa-Zeit und entspricht nach unserer Zeitrechnung dem Jahr 1960.

Auf der Marke und dem Stempel ist der Doppeldecker von Henri Farman abgebildet - das erste Flugzeug, das in Japan geflogen ist. Hier noch ein weiteres Beispiel:



Der Briefmarken zum „Tag des Briefeschreibens“ wurden am 27.07.1993 ausgegeben (Tagesstempel). Der Ersttagsstempel trägt wieder das Datum nach dem Gengō-System. In diesem Fall entspricht die 1993 dem 5-ten Jahr der Heisei-Zeit.

Soweit die ersten zwei Beispiele. Im nächsten Beitrag geht es weiter.

Viele Grüße
Volkmar
 
ragiko Am: 26.01.2015 02:10:34 Gelesen: 124946# 20 @  
@ volkimal [#18]

Kannst Du meine Frage aus dem letzten Beitrag eigentlich auch beantworten: Was bedeutet „平成1並びの日“?

Ja, es bedeutet ganz einfach: Einserkombinationstag in der Heisei-Zeit. Solche Einser-Kombinationen im Poststempel gibt es ja bei jedem Kaiserwechsel wieder, man kann sie auch von Taisho und Showa sammeln und finden, und im Jahr 2011 gab es auch einen 1.1.11, 11.1.11, 1.11.11 und 11.11.11 in den Lateinschriftstempeln. Schnapszahlstempel sind in Japan recht beliebt, auch 1.2.3. und andere Kombinationen. Die Dauermarke zu 700 yen (Mi.-Nr. 2314) soll eigens für solche Zahlenfreaks verausgabt worden sein, wobei die Post darauf spekulierte, dass der 7.7.7 Stempel möglichst auch die dann am Schalter erhältlichen Werte zu 7, 70 und 700 yen entwerten möge, ein tolles Geschäft für die Post.

Herzliche Grüße !
 
volkimal Am: 30.01.2015 19:24:35 Gelesen: 124866# 21 @  
Hallo ragiko,

herzlichen Dank. Ich habe die Stempel sofort in die Datenbank eingestellt. Jetzt müssen sie noch freigegeben werden.

Heute möchte ich den ersten von zwei Briefen vorstellen, bei denen sowohl die europäische Jahreszahl als auch die Jahreszahl nach dem Gengō-System vorkommt. Es handelt sich um zwei Briefe aus Berlin nach Japan.



Der Brief von der Firma Otto & Carl Philipp ging am 1.9.1910 nach Yokohama. Der Name des Empfängers „Lionel Philipp“ war eingedruckt. Zusätzlich stand bei der Anschrift das gedruckte Wort „Hotel“. Der Ortsname und der Name des Hotel mussten handschriftlich ergänzt werden. Entsprechen des Ankunftsstempels auf der Rückseite kam der Brief am 18.9.1910 in Yokohama an. Der Ankunftsstempel ist in lateinischer Schrift mit europäischem Datum.

Da der Brief unzustellbar ist, wird entsprechend der drei Aufkleber dreimal versucht ihn auszuliefern. Alle drei Zettel tragen einen Stempel vom 19.9.43 mit der Jahreszahl „43“ nach dem Gengō-System mit unterschiedlicher Uhrzeit. Das 43-te Jahr der Meiji-Zeit entspricht dem Jahr 1910.





Der erste Stempel zeigt die Zeit „前 11-12“, beim obersten (letzte) Stempel ist die Zeit „后 4-5“ eingestellt. „前“ ist das Zeichen für „vor“, „后“ das Zeichen für „nach“. Dieses entspricht dem „V“ für „vormittags“ bzw. „N“ für Nachmittags in deutschen Stempeln.

Der Brief trägt links den Bleistift-Vermerk „not here“, einen roten Stempel vom Imperial Hotel, den violetten Stempel „inconnu“ = unbekannt (franz.). Am 10. Oktober 1910 kommt noch der elliptische Stempel „advertised“ = jemanden suchen (engl.) dazu.



Vermutlich konnte der Brief schließlich doch zugestellt werden, denn er trägt keinen „Zurück“-Vermerk.

Über die Firma Otto & Carl Philipp habe ich im Internet nichts gefunden. Es gab allerdings eine jüdische Firma mit dem gleichen Namen. Allerdings wurde sie erst 1923 eingetragen und 1938 liquidiert. Ob dieser Brief von einer Vorläufer-Firma stammt weiß ich nicht, denn die Adressen stimmen nicht überein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.02.2015 15:16:59 Gelesen: 124758# 22 @  
Hallo zusammen,

normalerweise ist es in Japan so, dass Briefe innerhalb Japans das japanische Datum erhalten, Briefe ins Ausland dagegen das international übliche Datum nach der christlichen Zeitrechnung. Es gibt aber natürlich Ausnahmen wie z.B. diese:



Leider wurde bei dieser Luftpostganzsache an Großvater eine Briefmarke abgelöst. Der Absender war Hermann Hecker, der Vetter meines Großvaters. Er arbeitete als Dozent für Deutsch, Griechisch und Latein an der Universität in Sapporo.



Der Stempel kommt aus 札幌 北海道 = Sapporo Hokkaido. Wie man beim Vergleich der Daten auf der Rückseite des Briefes sieht, zeigt der Stempel das japanische Datum 5.1.25 (von rechts zu lesen). Das 25-te Jahr der Showa-Zeit entspricht dem Jahr 1950.

Viele Grüße
Volkmar
 
DERMZ Am: 21.02.2015 20:48:04 Gelesen: 124700# 23 @  
Hallo Volkmar,

durch Zufall habe ich zu Deinem Italien den passenden Stempel aus Florenz in meinen Unterlagen gefunden - hier eine Kopie, dann ist der Unterschied der "faschistischen" Zeitrechnung noch besser zu sehen, dieser trägt die Jahreszahl XV. Ich habe ihn auch auf philastempel unter Stempelnummer 092090 zur Freischaltung eingegeben.



Gruss Olaf
 
volkimal Am: 22.02.2015 15:36:09 Gelesen: 124678# 24 @  
@ DERMZ [#23]

Hallo Olaf,

schön, dass sich mal wieder jemand anders an diesem Thema beteiligt. Da der Stempel vor dem 29.10.1937 abgeschlagen wurde, trägt er die römische Jahreszahl "XV" (Siehe Beitrag [#13]).

Danke für die Ergänzung.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.02.2015 15:40:30 Gelesen: 124676# 25 @  
Hallo zusammen,

als letztes komme ich zu der Frage, wie man mit Hilfe des Stempels eine japanische Briefmarke im Katalog schneller finden kann. Es ist nicht so einfach wie in anderen Ländern. Wie schon beschrieben gibt es zwei Möglichkeiten und das Datum ist wie folgt angegeben:

Japanischer Kalender: Jahr – Monat – Tag
Europäischer Kalender: Tag – Monat – Jahr

Da der Monat maximal 31 Tage hat, kann eine Zahl größer als 31 nur eine Jahreszahl sein. Steht die Zahl rechts, so muss er sich um den europäischen Kalender handeln. Steht die Zahl links, so ist es der japanische Kalender:

Europäischer Kalender:



Diese beiden Marken aus dem Satz „Darstellung aus Industrie und Wirtschaft“ sind 1948 bzw. 1949 erschienen.

Japanischer Kalender:



Zur Bestimmung des Jahres muss ich wieder auf die folgende Seite verweisen: http://www.meijigakuin.ac.jp/~watson/ref/mtsh.html . Eine japanische Jahreszahl größer als 31 kommt in der Meiji-Zeit und in der Showa-Zeit vor. Folgende Jahre kommen in Frage:

Die japanische Jahreszahl „35“ entspricht 1902 oder 1960. Bei der „36“ muss man jeweils „1“ addieren.
Die japanische Jahreszahl „44“ entspricht 1911 oder 1969.

Die beiden ersten Marken sind offensichtlich neuer und müssen also aus spätestens 1960 bzw. 1961 erschienen sein. Man findet den Serau (ziegenartiges Säugetier) im Katalog als Nr. 588 (erschienen 1952). Die Mandarinente hat die Michel Nr. 643 und ist 1955 erschienen. Die letzte Marke ist alt und kann spätestens 1911 erschienen sein. Im Katalog findet man sie als Nr. 84 aus dem Jahr 1899. Wie man sieht, muss man aufgrund der langen Gültigkeit der Marken im Katalog mehrere Jahre zurückblättern.

Unklarer Kalender:



Bei diesen drei Marken ist nicht sofort zu erkennen, welcher Kalender zugrunde liegt. Die beiden ersten Marken werden wohl kaum aus dem Jahre 1904 sein. Es muss also das Jahr „26“ nach dem japanischen Kalender sein. Die „26“ entspricht 1893, 1951 oder 2014. Es ist Nr. 418 aus dem Jahr 1914. Die japanische Jahreszahl „9“ entspricht 1876, 1920, 1934 oder 1997. Es ist Nr. 176 aus dem Jahr 1930. Auch die dritte Marke entspricht dem japanischen Kalender. Es ist Nr. 414 aus dem Jahr 1949.



Wie ich im Michel-Katalog entdecket habe, trägt diese Marke keinen Poststempel. Um was für einen Stempel es sich handelt, ist aber nicht angegeben. Ich zeige ihn trotzdem, da das Datum gut zu erkennen ist und in einer ungewöhnlichen Reihenfolge steht. Der Stempel stammt vom 16.8.1897, dem dreißigsten Jahr der Meiji-Zeit.

Mit diesem Beitrag möchte ich das Kapitel der japanischen Zeitrechnung abschließen. Wenn einer von Euch noch etwas ergänzt würde ich mich aber freuen. Beim nächsten Mal mache ich weiter mit dem chinesischen Kalender. Als Übergang zeige ich als letztes den besten japanischen Stempel in meiner Sammlung.



Der japanische Stempel kommt aus China aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Das liegt daran, dass das Gebiet von Kiautschou nach der Kapitulation der deutschen Garnison im November 1914 unter die Verwaltung des Japanischen Kaiserreichs kam.

Es ist ein japanischer Bahnpoststempel von der Strecke Tsingtau – Tsinan (Qingdao – Jinan). Diese Strecke wurde zwischen 1899 und 1904 von den Deutschen gebaut und anschließend auch von den Deutschen betriebenen. Mit der Besetzung Kiautschous übernahmen die Japaner auch die Bahnpost. Es ist wieder ein japanisches Datum. Der Stempel kommt aus dem 5-ten Jahr der Taisho-Zeit und wurde am 28.10.1916 abgeschlagen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.04.2015 21:03:10 Gelesen: 124331# 26 @  
Hallo zusammen,

nach einiger Zeit Pause möchte ich die Reihe über die Kalender fortsetzen. In den nächsten Beiträgen geht es um:

Die chinesische Zeitrechnung.

Die chinesische und die japanische Zeitrechnung haben viele Gemeinsamkeiten. Das liegt daran, dass die Zeitrechnung in beiden Ländern zum Teil denselben Ursprung hat. So gibt es auch in China heute noch das System der Tierkreiszeichen und Himmelsstämme, das sich periodisch alle sechzig Jahre wiederholt (siehe [#15] ).



Da mein Vater einige Jahre über die Welthilfssprache Esperanto einen chinesischen Tauschpartner hatte, sind auch ein paar Belege zu diesem Thema in meiner Sammlung.

1992 war das Jahr des Affen. Aus diesem Anlass gab es diesen Umschlag und die beiden Briefmarken oben rechts. Auf der rechten Marke ist das chinesische Schriftzeichen „Affe“.



Einen entsprechenden Umschlag für das Jahr des Schweines gab es 1995. Auch hier sind wieder oben rechts die beiden Briefmarken, ebenfalls mit dem entsprechenden Schriftzeichen „Schwein“. Auf der Rückseite des Umschlags sind Erklärungen zum Jahr des Schweines in Chinesisch und in Englisch.



Neben Briefmarken gibt es auch entsprechende Ganzsachen. Hier zum Beispiel eine Postkarte mit eingedruckter Briefmarke zum Jahr des Tigers 1986.

Soweit für heute. Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Volkmar
 
volkimal Am: 17.05.2015 08:57:51 Gelesen: 124156# 27 @  
Hallo zusammen,

eigentlich wollte ich das System der Tierkreiszeichen und Himmelsstämme in China mit dem letzten Beitrag abschließen. Inzwischen habe ich aber noch einen Brief und ein paar "Blöcke" gefunden, bei denen ich nicht weiß, worum es sich handelt. Zunächst der Brief an meinen Vater:



Was dieser Umschlag zum Weltpostverein (englisch UPU = Union postale universelle) mit den chinesischen Tierkreiszeichen zu tun hat weiß ich nicht. Es sind aber links bzw. unten die Marken zu allen 12 Tierkreiszeichen von 1980 (Jahr des Affen) bis 1991 (Jahr des Schafes) abgebildet. 1992 beginnt die Abfolge wieder mit dem Jahr es Affen, und genau diese 20 Fen Briefmarke wurde aufgeklebt. Daneben ist noch die 2 Yuan Marke mit der typischen Hausform aus der chinesischen Provinz Jianxi. Wie hoch das Porto sein musste weiß ich nicht.



Zwischen die Briefmarken, die der chinesische Tauschpartner meinem Vater geschickt hat, fand ich unter anderem diese drei "Blöcke" zum Jahr der Ratte (1984) bzw. zum Jahr des Ochsen (1985). Weiß einer von Euch, was des mit diesen "Blöcken" auf sich hat? Es sind zumindest keine regulären Briefmarken.

Viele Grüße
Volkmar
 
Heinz 7 Am: 17.05.2015 12:43:35 Gelesen: 124125# 28 @  
@ volkimal [#1]

Hallo Volkmar,

es gefällt mir sehr, dass bei Deinem Beitrag [#1] jetzt ein "Inhaltsverzeichnis" kommt. Hast Du das selber so veranlasst oder ging das in Absprache mit Richard?

Gute, interessante Beiträge! Kompliment!

Heinz
 
volkimal Am: 17.05.2015 14:12:00 Gelesen: 124114# 29 @  
@ Heinz 7 [#28]

Hallo Heinz,

schön, dass Dir dieses Thema gefällt! Ich selbst kann frühere Beiträge nicht verändern. Das ist mit Richard so abgesprochen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.06.2015 16:25:30 Gelesen: 123863# 30 @  
Hallo zusammen,

endlich kann ich mit diesem Thema weitermachen. Ich hatte noch auf ein paar Belege gewartet. Heute:

Der traditionelle chinesische Kalender

Der chinesische Kalender, heute als „Bauernkalender“ bezeichnet, war der offizielle Kalender des Kaiserreichs China. Er ist eine Kombination aus einem Lunisolarkalender und einem Sonnenkalender. Das Prinzip ist relativ kompliziert. Näheres dazu bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Kalender

Der traditionelle chinesische Kalender galt bis zum 31.12.1911. Mit der Gründung der Republik China wurde er durch den gregorianischen Kalender abgelöst, wobei aber innerhalb Chinas eine andere Jahreszahl galt. Dazu mehr in den nächsten Beiträgen. Leider besitze ich keinen Beleg aus der Zeit des traditionellen chinesischen Kalenders. Vielleicht kann einer von Euch solch einen Beleg zeigen.

Der chinesische Kalender wird heute noch im gesamten chinesischsprachigen Raum für die Berechnung traditioneller chinesischer Feiertage, verwendet. Darüber hinaus dient er Anhängern der chinesischen Astrologie als Berechnungsgrundlage für die Festlegung „günstiger“ Tage, um Feste und Feiern zu begehen, bzw. der Vermeidung besonderer Aktivitäten an „ungünstigen Tagen“.



Zu diesen traditionellen chinesischen Festen gibt es verschiedene Briefmarkenausgaben. Zum Beispiel diesen Satz aus Taiwan aus dem Jahr 2012. Die vier Marken zeigen Motive zu vier verschiedenen traditionellen Festen. Ich gebe dazu jeweils das Datum des Festes in diesem Jahr an:
Chinesischen Neujahrsfest (19.02.2015), Laternenfest (05.03.2015), Drachenbootfest (20.06.2015) und Mondfest (27.09.2015). Die Daten der Feste in den Jahren seit 2011 sind bei Wikipedia nachzulesen.

Zum Laternenfest gibt es in der Volksrepublik China diese Ausgabe aus dem Jahr 1985:



Es gibt noch weitere Ausgaben, die ich aber leider nicht zeigen kann. Soweit für heute.

Viele Grüße
Volkmar
 
ragiko Am: 12.06.2015 15:25:54 Gelesen: 123788# 31 @  
Hallo Volkmar,

ich bewundere es, dass du dir so viel Mühe mit dieser interessanten, aber komplizierten Materie machst. Ich kann dazu nur wenig beitragen, möchte aber darauf hinweisen, dass in den asiatischen Ländern der Jahresbeginn zugleich den Frühlingsanfang markiert. Ich habe einmal im Februar Hongkong besucht und fand in allen Hotels und Restaurants kleine Tischlein, die mit eingetroffenen Neujahrskarten, meist sehr prachtvoll in Rot und Gold, überhäuft waren, so ähnlich wie bei uns die Weihnachtskarten. Viele Schriftzeichen und Symbole waren nicht nur glückverheißend, sondern enthielten auch auffällig oft Wendungen, die "Frühlingsbeginn", "glücklicher Frühling", "den Frühling willkommen heißen" usw. bedeuten.

Es ist für diese Völker schon schwierig, jahrtausendelange Traditionen auf den Müll zu werfen und einen fremden Kalender zu akzeptieren. Mir scheint, dass die Leute ihr Leben weiterhin am traditionellen Kalender ausrichten, ihre Geschäfte und bürokratische Angelegenheiten aber nach dem westlichen Kalender vollziehen, ein Pragmatismus, der bei uns nahezu undenkbar wäre.

Danke für die Mühe und weiter so, ich freue mich auf weitere Beiträge.

Ragiko
 
volkimal Am: 13.06.2015 06:29:13 Gelesen: 123761# 32 @  
@ ragiko [#31]

Hallo Ragiko,

eine interessante Ergänzung - vielen Dank!

Die Beschäftigung mit den verschiedenen Kalendern macht mir aber keine Mühe sondern sie macht Spaß. Das Interesse für dieses Thema entstammt meiner Sammlung "Familiengeschichte und Philatelie". Die Schwester und der Bruder von Großvater haben sehr lange in China gelebt. In dem Kapitel "Die Kontakte zu China" meiner Sammlung kommen der chinesische Kalender, der japanische Kalender und die faschistische Zeitrechnung Italiens vor.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.06.2015 11:05:50 Gelesen: 123747# 33 @  
Der Minguo-Kalender

Der traditionelle chinesische Kalender galt bis zum Ende des Jahres 1911. Am 1. Januar 1912, dem Datum der Gründung der Republik China, wurde er durch den gregorianischen Kalender abgelöst. Die Wirren in den Jahren nach der Republikgründung, der chinesische Bürgerkrieg und die teilweise Besetzung Chinas durch Japan verhinderten zunächst, dass sich das neue Kalendersystem im ganzen Land durchsetzte.

Während der Tag und der Monat an den westlichen Kalender angepasst war, gab es auch in China eine eigene Jahreszählung. Das Jahr der Gründung der Republik China (1912) wurde zum Jahr 1 ernannt. Dieses ist der sogenannte Minguo-Kalender. Will man ein Datum aus dem Minguo-Kalender in unseren Kalender umrechnen, so muss man zur Jahreszahl jeweils 1911 Jahre addieren.
Anhand dieses Briefes kann man die unterschiedlichen Daten gut erkennen:



Der Brief wurde auf dem Postamt „Canton S.O. No. 4“ aufgegeben. Die chinesischen Ortsangabe 廣州 ist auf dem Stempel von rechts nach links zu lesen. Zwischen den beiden Zeichen steht die chinesische 4 = 四 für das Postamt Nr. 4.



Das Aufgabedatum (8.9.27, 14 Uhr) ist nach dem Minguo-Kalender. Zur Jahreszahl 27 muss man einfach 1911 addieren. Damit stammt der Brief aus dem Jahr 1938. Eine Stunde später (um 15 Uhr) war der Brief beim Hauptpostamt in Canton. Da der Brief ins Ausland ging, zeigt der Stempel diesmal unser Datum und damit die Jahreszahl 38.



Einen Tag, am 9.9.1938, später verließ der Brief um 17.00 Uhr Canton in Richtung Hongkong. Dort war er erst 3 Tage später am 12.9.18 um 18 Uhr (6 PM). An der langen Zeit ist zu erkennen, dass der Brief bis Hongkong auf dem Landweg befördert wurde. Honkong ist keine 200 km von Canton entfernt. Von Hongkong aus ging es dann weiter per Luftpost. Irgendwo unterwegs wurden die beiden letzten Stempel abgeschlagen.

Weitere Informationen zum Minguo-Kalender folgen in den nächsten Beiträgen.

Viele Grüße
Volkmar
 
Heinz 7 Am: 14.06.2015 17:47:45 Gelesen: 123711# 34 @  
@ volkimal [#33]

Sehr informativ. Danke, Volkmar, fürs Zeigen

Heinz
 
volkimal Am: 24.06.2015 15:00:16 Gelesen: 123574# 35 @  
Hallo zusammen,

auch anhand dieser Postkarte lassen sich die Unterschiede des gregorianischen Kalenders und Minguo-Kalender gut zeigen. Zusätzlich wird ein weiteres Problem deutlich. In chinesischen Stempeln ist das Datum nicht immer in lateinischen Zahlen angegeben sondern es wurden zum Teil auch chinesische Zahlzeichen verwendet.



Die Karte hat Onkel Hans (der Bruder von Großvater) an einen deutschen Bekannten bei der Berliner Mission in Canton geschickt. Onkel Hans selbst hatte von 1929 bis 1931 an der Missionsschule und an der chinesischen Universität in Canton gearbeitet. Später lebte er in Tsingtau und unterrichtete auch dort an der Missionsschule. 1936 kehrte Onkel Hans nach Deutschland zurück.

Onkel Hans hat die Karte in Berlin aufgegeben. Sie wurde mit der transsibirischen Eisenbahn befördert und kam vier Wochen später in Canton an. Die Karte konnte nicht zugestellt werden. Wie üblich bekam sie bei den weiteren Zustellversuchen einen oder mehrere Aufkleber mit den neuen Adressen. Diese Aufkleber wurden vor dem Zurücksenden leider abgerissen. Neben dem chinesischen Stempel mit lateinischen Zahlen trägt die Karte zwei Stempel mit chinesischen Zahlen. Schließlich ging die Karte als unzustellbar nach Deutschland zurück.



Der Berliner Stempel trägt das Datum nach unserer Zeitrechnung – er ist vom 9.5.1938.

Beim Ankunftsstempel aus Canton vom 4.6. ist die Jahreszahl 27 dagegen nach dem Minguo-Kalender. Der Stempel kommt natürlich aus dem Jahr 27 + 1911 = 1938.



Um die beiden anderen Stempel zu entziffern, muss man die chinesischen Zahlen und die Zeichen für Tag, Monat und Jahr kennen. Wie man der Tabelle entnehmen kann, gibt es für die Zahlen 20 bzw. 30 jeweils ein Zeichen, sie können aber auch mit zwei Zeichen geschrieben werden. Die Zahl 20 zum Beispiel als „2 x 10“.




Da die chinesischen Zeichen zum Teil nicht so gut zu erkennen sind, zunächst noch einmal die Datumszeile in chinesischer Schrift und anschließend die Übersetzung. Der Stempel stammt also vom 5.6.1938. Die Jahreszahl ist natürlich wieder nach dem Minguo-Kalender. Die „20“ links vom Strich entspricht der Uhrzeit. Wie ihr seht kommen in diesem Stempel beide Darstellungsmöglichkeiten der 20 vor.




Dieser Stempel in roter Farbe und ohne Uhrzeit wurde zwei Wochen später, wahrscheinlich vor dem Zurücksenden der Karte, abgeschlagen. Er stammt vom 20.6.1938. Wie man anhand dieser beiden Stempel erkennen kann, sind die Zeichen für Tag, Monat und Jahr nicht immer im Stempel enthalten.

Soviel für heute. Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.07.2015 12:32:00 Gelesen: 123442# 36 @  
Hallo zusammen,

heute habe ich einmal ein Aufgabe für Euch. Ich habe aber eine Bitte:

Stellt die Lösungen auf die Fragen bitte nicht gleich ins Forum sondern wartet z.B. bis Mitte der Woche.

Mir würde die Aufgabe keinen Spaß machen, wenn die Lösung schon darunter angegeben ist.

Bei allen Stempeln geht es darum, die Stempeldaten abzulesen und die Jahreszahlen in unserer Jahreszählung anzugeben.





Beleg 1:

1) Wann wurde der Brief in Tsingtao aufgegeben?
2) Wann war er in Tientsin?

Kann mir eigentlich einer erklären, was das Zeichen "丁" oben im Stempel bedeutet?



Beleg 2:

Chinesischer Bahnpoststempel der Strecke Tsingtau-Tsinan. Diese Strecke wurde von Deutschland gebaut, als Tsingtau noch deutsches Pachtgebiet war.
3) Wann wurde der Brief im Zug aufgegeben?

Viele Grüße
Volkmar
 
Hermes65 Am: 07.07.2015 20:19:21 Gelesen: 123355# 37 @  
Vatikan Mi.Block 4 und 811-813 zu "400 Jahre Gregorianischer Kalender."

Gruß
Manfred


 


volkimal Am: 08.08.2015 10:03:39 Gelesen: 123020# 38 @  
@ volkimal [#36]

Hallo zusammen,

leider hat keiner auf meine Frage geantwortet. Vielleicht war die Aufgabe für die, die sich etwas damit auskennen, zu leicht. Daher gebe ich die Antwort selbst.

Beleg 1:

Tsingtao: Stempeldatum 27.6.25, 20 Uhr => 27.6.1936 nach unserer Zeitrechnung.
Auch hier wurden wieder die beiden verschiedenen Schreibweisen für die "20" benutzt.
Tientsin: Stempeldatum 28.6.25, 21 Uhr.

Beleg 2:

Der Brief wurde am 11.1.29 im Zug aufgegeben => 11.1.1940 nach unserer Zeitrechnung.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 23.08.2015 19:57:32 Gelesen: 122627# 39 @  
Hallo zusammen,

hier ein weitere chinesische Karte an Hellmut Matzat.



Es ist die letzte Karte mit einem Stempeldatum nach dem Minguo-Kalender in meiner Familiensammlung.



Das Stempeldatum ist:
9 3 7 30
Tag Monat 7
 


Das Jahr 37 nach dem Minguo-Kalender entspricht dem Jahr 37 + 1911 = 1948. Mit der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 wurde der Minguo-Kalender dort abgeschafft.

Weitere Informationen zur Karte siehe: http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=98605 und http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=98622

Viele Grüße
Volkmar
 

ligneN Am: 25.08.2015 15:17:30 Gelesen: 122551# 40 @  
@ volkimal [#25]

Wie ich im Michel-Katalog entdeckt habe, trägt diese Marke keinen Poststempel. Um was für einen Stempel es sich handelt, ist aber nicht angegeben. Ich zeige ihn trotzdem, da das Datum gut zu erkennen ist und in einer ungewöhnlichen Reihenfolge steht. Der Stempel stammt vom 16.8.1897, dem dreißigsten Jahr der Meiji-Zeit.

Es ist ein Postgirostempel. Die gibt es nur in senkrechter Schreibweise. Sie wurden 1885-1903 benutzt, zunächst nur auf Formularen, ab 1890 auch zur Entwertung der Briefmarken auf Postanweisungen bzw. ab 1900 auch auf Postsparkarten (nicht: Postsparbücher).

Selbstverständlich ist es ein Poststempel, aber ein "unpostalischer", d.h. nicht für Brief/Paketdienst, sondern für Geld-/Telegraphie-/Innendienste wie Gebühr bezahlt. Die Originalformulare blieben im Postamt und wurden nicht vom Absender zum Empfänger befördert.

Die meisten hohen Nennwerte (ab ca. 15 S. bis 1937, ab 40 S. 1937/45) wurden nicht für Briefpost, sondern für Telegramme usw. verwendet. Entsprechend sind reguläre Poststempel auf diesen höheren Nennwerten seltener. Die postfrisch-Metaxa (******) Sammler in Japan haben daraus einen regelrechten Kult gemacht: meinen Vollstempel auf höheren Nennwerten nur mit Uhrzeit bitterscheen.

Informationen über jap. Poststempel in deutscher Sprache bietet:

Amano, Yasuharu. Japans Poststempel. Leitfaden. Übers. Paul Schröder u. Frau.
Hrsg. Arge Japan 1971. 275 S., in 2 Bänden. Zweisprachig mit allen Abb. des Originals von 1968.

Wird immer mal wieder aus Nachlässen angeboten. Dann kann man sich das Raten sparen.
 
volkimal Am: 07.09.2015 18:35:22 Gelesen: 122322# 41 @  
@ ligneN [#40]

Hallo ligneN,

herzlichen Dank für die Erklärungen und den Literaturhinweis. Der Leitfaden ist bestimmt interessant.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.09.2015 20:58:20 Gelesen: 122282# 42 @  
Hallo zusammen,

mit der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 wurde der Minguo-Kalender abgeschafft und der gregorianische Kalender eingeführt. Dieses lässt sich nur mit Belegen zeigen, die innerhalb der Volksrepublik China gelaufen sind. Auf Auslandsbriefen wurde auch vorher schon zum Teil bei den Stempeln der gregorianische Kalender verwendet (siehe z.B. Beitrag [#33]). Dieses ist mein ältester Beleg, der innerhalb der Volksrepublik China verschickt wurde.



Der Brief stammt aus dem Jahr 1970 und damit aus der Zeit der Kulturrevolution (1966 – 1970). Leider ist das Datum in den Stempeln schlecht zu erkennen:



Beim Ankunftsstempel (rechts) ist als Datum angegeben: „1970 8 25 15“. Das Datum ist von rechts nach links zu lesen, ganz rechts steht die Uhrzeit. Der Stempel stammt also vom 25.08.1970, 15 Uhr. Der Aufgabestempel ist noch schlechter zu erkennen. Er ist vom 21.08.1970.

Da der Stempel nicht so gut zu erkennen ist ein zweites Beispiel:



Es handelt sich um einen nachgeschickten Einschreibebrief von der chinesischen Briefmarken-Versandstelle in Peking an den Tauschpartner meines Vaters in Nanjing. Da dieser umgezogen war, wurde der Brief mit einem entsprechenden Aufkleber vom Postamt 9 an das Postamt 13 weitergeleitet. Eine Übersetzung des Aufklebezettels seht ihr hier:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=75584

Obwohl der Brief von der Briefmarken-Versandstelle kommt ist er nicht frankiert sondern mit einem Stempel "Gebühr bezahlt" freigemacht.



Es ist der rote Achteckstempel, der vom Aufkleber fast verdeckt wird. Sowohl beim Gebühr bezahlt Stempel aus Peking als auch beim Stempel des Postamts 9 in Nanjing ist die Jahreszahl 1984 gut zu erkennen. Beide Stempel werde ich mit der entsprechenden Übersetzung in Philastempel einstellen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.10.2015 09:21:33 Gelesen: 121930# 43 @  
Hallo zusammen,

nachdem das Sonntagsrätsel um die Ersttagsstempel-Zwillinge gelöst ist, kann ich mit dem Thema Kalender fortfahren.

Während der Minguo-Kalender in der Volksrepublik China abgeschafft wurde, gilt er in der Republik China (Taiwan) bis heute. Die Republik Taiwan ist das einzige mir bekannte Land, in dem es zwei verschiedene Ersttagsstempel mit dem chinesischen und unserem Kalender gibt. Ich habe diese doppelten Stempel seit 2010 gesehen. Hier das erste Beispiel:



Das chinesische Datum nach dem Minguo-Kalender ist wie üblich von rechts nach links zu lesen. Wie man im Vergleich mit dem rechten Stempel (gregorianischer Kalender) leicht sehen kann, entspricht die Jahreszahl 100 dem Jahr 2011nach unserer Zeitrechnung. Als Ergänzung noch ein zweites Beispiel mit einem Ersttagsstempel-Zwilling:



Auch hier muss man zur chinesischen Jahreszahl 101 die Zahl 1911 addieren um auf unsere Jahreszahl 101 + 1911 = 2012 zu kommen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 19.10.2015 16:36:02 Gelesen: 121726# 44 @  
Hallo zusammen,

die Probleme beim Bestimmen der Briefmarken auf diesem Brief:



Die Marken haben keine Jahreszahl. Wenn ein Sammler die beiden Marken auf dem Brief im Katalog nachschlagen möchte, so schaut er vermutlich zunächst auf den Stempel. Demnach müssten die Marken aus dem Jahr 1990 oder aus der Zeit davor stammen. Im Katalog sind sie dort allerdings nicht zu finden.

Vielleicht entdeckt er dann unten auf dem Neujahrsumschlag den Hinweis „Issue of 1994“. Ein zweiter Versuch, die Marken im Jahr 1994 zu finden, wird aber auch nicht von Erfolg gekrönt.

Da der Sammler die Philaseiten kennt der nächste Versuch: Ist die Jahreszahl nach dem Minguo-Kalender angegeben, obwohl es ein Auslandsbrief ist? Dann wäre der Brief aus dem Jahr 90 + 1911 = 2001. Aber auch aus diesem Jahr stammen die Marken nicht.

Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Katalog von 2001 an rückwärts zu durchblättern. Schließlich findet der Sammler, dass es sich um die Neujahrsmarken von 1993 handelt, erschienen am 07.01.1993.



Aus welchem Jahr stammt dann der Stempel? Wenn kein Fehler bei der Einstellung der Jahreszahl gemacht wurde kann es nur der Minguo-Kalender sein. Demnach wurde der Brief am 11.06.2001 in Chaozhou (Taiwan) = 潮州 aufgegeben. Die Stadt liegt im Süden Taiwans im Landkreis Pingtung.

辛1 = Unterscheidungszeichen; 920 = Postleitzahl.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.11.2015 11:12:53 Gelesen: 121526# 45 @  
Hallo zusammen,

heute kommt der letzte Beitrag zum Thema "Chinesischer Kalender". Ich zeige noch einmal im Vergleich einen aktuellen Tagesstempel aus Taiwan nach dem Minguo-Kalender (Inlandsbrief) und nach unserem Kalender (Auslandsbrief):



Auf der Rückseite des Inlandsbriefes ist eine Aufstellung über die Postleitzahlen in Taiwan. Vergleiche: http://twn.youbianku.com/de



Ein Brief an mich, mit den Automatenmarken zur Ausstellung Taipeh 2015 - Stamp Exhibition.



Der Stempel auf dem Inlandsbrief aus Hsinchu (新竹) zeigt das Datum 103.7.31 nach dem Minguo-Kalender. Der Brief wurde also am 31.07.2014 abgestempelt. (103 + 1911 = 2014). Der Stempel auf dem Auslandsbrief vom Wenshan Muxin Post Office aus Taipei (文山木新) ist dagegen vom 18.05.2015.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 02.12.2015 12:13:41 Gelesen: 121084# 46 @  
Hallo zusammen,

nachdem das letzte Sonntagsrätsel gelöst wurde, kann ich bei diesem Thema weitermachen und das nächste Land und seine Kalender besprechen:

Die Koreanischen Kalender

Mit den Kalendern in Korea muss man gleichzeitig einen Einblick in die Geschichte des Landes geben. Die ersten Briefmarken Koreas erschienen 1884 im Königreich Joseon (Choson). Dieses stand unter der Vorherrschaft des Kaisserreichs China. Von 1897 bis 1910 existierte das Kaiserreich Korea. 1905 wurde es zu einem Protektorat des Japanischen Kaiserreichs, 1910 als Kolonie in dieses eingegliedert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde Korea von Japan unabhängig. Zeitgleich kam es unter den konkurrierenden Besatzungsmächten Sowjetunion und USA zur Teilung Koreas in Nord-Korea und Süd-Korea.



Auf dieser Briefmarke des Kaiserreichs Korea aus dem Jahre 1903 ist die Jahreszahl im Stempel leider nicht zu erkennen. Die damaligen Stempel waren nach französischem Vorbild Kreis-Strichkreisstempel mit der europäischen Jahreszahl. Es gab aber auch Stempel in koreanischer Schrift. Leider besitze ich keine solchen Stempel und kann nicht sagen, welcher Kalender im Kaiserreich Korea auf den Stempeln mit koreanischer Schrift verwendet wurde. In der Zeit als Korea japanische Provinz war, wurde der japanische Kalender in Korea verwendet.

Der Kalender in Südkorea

Von 1945 bis 1961 beruht die koreanische Jahreszahl auf dem Gründungsdatum des ersten koreanischen Königreichs Go-Joseon. Der Legende nach wurde Go-Joseon im Jahr 2333 v. Chr. vom Halbgott Dangun Wanggeom gegründet. Dieses Jahr ist in Korea als Gründungsjahr weithin anerkannt. Um die Koreanische Jahreszahl zu berechnen muss man also zu unserer Jahreszahl 2333 Jahre dazu addieren. Tag und Monat stimmen mit unserem Kalender überein.



Auf dieser Briefmarke aus dem Jahr 1959 wird es sofort deutlich, denn dort sind beide Jahreszahlen angegeben. 1959 + 2333 = 4292 (koreanischer Kalender)



Bei den Stempeln gibt es wie in Japan oder China Stempel mit koreanischen und mit europäischen Jahreszahlen. Auf diesem Ersttagsbrief aus dem Jahre 1958 + 2333 = 4291 sind beide zu sehen. Bei dem Stempel mit der europäischen Jahreszahl ist das Datum von links nach rechts angegeben. Diese Stempel wurden vor allem bei der Auslandspost benutzt. Die Stempel mit der koreanischen Jahreszahl sind von rechts nach links zu lesen. Die Jahreszahl 4291 ist wie in diesem Fall vierstellig angegeben. Häufig sind die Stempel aber nur zweistellig, dann wäre es das Jahr „91“. Die Stempel mit der koreanischen Jahreszahl wurden in der Regel bei der Inlandspost verwendet.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.12.2015 19:26:40 Gelesen: 120648# 47 @  
Hallo zusammen,

die großen Jahreszahlen aus Südkorea gefallen mir einfach gut. Deshalb heute auf die Schnelle ein zweites Beispiel:



Der Ersttagsbrief zum 60-ten Jubiläum der koreanischen Eisenbahn ist vom 18.09.4292.

4292 - 2333 = 1959

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.12.2015 10:17:23 Gelesen: 120394# 48 @  
Hallo zusammen,

die höchste mögliche Jahreszahl auf einem Stempel ist die 4294 = 1961, denn ab 1962 wurde in Korea unser Kalender verwendet. Hier ein Beispiel:



Zum Vergleich ein Stempel aus dem Jahr 1962 mit unserer Jahreszahl:



Die 4294 ist nach meinem Wissen die höchste auf einem Stempel vorkommende komplett ausgeschriebene Jahreszahl. Beim jüdischen Kalender haben wir aktuell das Jahr 5776. Die 5000 wird aber auf Stempeln nicht angegeben, sondern dort steht nur die Zahl 776. Die Jahreszahl ist also nicht komplett ausgeschrieben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.12.2015 11:50:49 Gelesen: 120185# 49 @  
Hallo zusammen!

Korea: Die Unterscheidung der Kalender bei zweistelligen Jahreszahlen im Stempel

Die vierstelligen Jahreszahlen waren bei Tagesstempeln in Korea eher selten. In der Regel wurde das Jahr zweistellig angegeben. Das Datum im Stempel kommt in beide Leserichtungen vor, so dass die Jahreszahl entweder rechts oder links steht. Wie kann man also unterscheiden, ob das Datum nach dem koreanischen oder nach unserem Kalender angegeben ist? Zunächst eine Gegenüberstellung der Jahreszahlen:



Bis 1962 trugen die südkoreanischen Briefmarken nur die Inschrift „ 대한민국 우표“.

Ab 1962 kam noch der Text „Republic of Korea“ dazu. Hier die beiden Fälle:



Bei diesem Block kommen beide Jahreszahlen vor:



Entsprechend der Inschrift auf dem Rand kommt der Block aus dem Jahr 4293 = 1960 (ohne „Republic of Korea“)

Als zweistellige Jahreszahlen kommen nach dem koreanischen Kalender aber nur die Zahlen von 78 bis 94 vor. => Der Block wurde erst 7 Jahre nach dem Erscheinen im Jahr 1967 abgestempelt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.01.2016 11:19:50 Gelesen: 119945# 50 @  
Hallo zusammen,

diese Postkarte wurde innerhalb von Südkorea verschickt:



Der Stempel ist von rechts nach links zu lesen. Er stammt vom 15.04.65. Der Werteindruck trägt zwar nicht die Inschrift „Republic of Korea“, ist also vor 1962 erschienen. Entsprechend der Tabelle im Beitrag [#49] kann es sich bei der Jahreszahl „65“ aber nur um unseren Kalender und das Jahr 1965 handeln.

So weit der Kalender aus Südkorea. Beim nächsten Mal folgt Nordkorea.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.01.2016 18:05:02 Gelesen: 119610# 51 @  
Hallo zusammen,

im Gegensatz zu Südkorea wurde seit der Gründung der Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) im Jahre 1948 unser Kalender benutzt. Man sieht es zum Beispiel an den Jahreszahlen auf den Briefmarken oder auf den Ersttagsstempeln:



Hier vier Beispiele aus den Jahren 1948, 1957, 1974 und 1989. Die Landesbezeichnung "조선.우표" setzt sich aus zwei Worten zusammen. "조선" sind die beiden ersten Zeichen von "Joseon". Joseon war ein koreanisches Königreich, das von 1392 bis 1897 bestand. Der Begriff "Joseon" als Bezeichnung des Landes wurde von 1910 bis 1945 wiederverwendet, als Korea eine Kolonie Japans war. Nordkorea hat diesen Brauch weitergeführt. "우표" bedeutet ganz einfach "Briefmarke".



FDC und Ersttagsstempel zum 70. Jahrestag der 1000-Li-Wanderung von Kim II Sung aus dem Jahr 1995.

1997 wurde in Nordkorea offiziell der Chuch’e-Kalender eingeführt. Dazu komme ich beim nächsten Mal.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.01.2016 15:11:37 Gelesen: 119404# 52 @  
Hallo zusammen,

Der Chuch’e-Kalender (meist Juche-Kalender geschrieben)

1997, drei Jahre nach Kim Il-sungs Tod, wurde in Nordkorea offiziell der Chuch’e-Kalender eingeführt. Er unterscheidet sich vom Gregorianischen Kalender durch die Jahreszählung, die mit dem Geburtsjahr Kims beginnt. Das Jahr 1912 gilt als „Chuch’e 1“ (gesprochen: Dschutsche 1).

Seit der Einführung des Chuch’e-Kalenders werden die Jahreszahlen auf den Briefmarken und den Ersttagsstempeln wie bei diesem Beispiel angegeben:



Reptilien-Ausgabe mit der Jahresangabe „주체 87 (1998)“. Die beiden koreanischen Schriftzeichen „주체“ bedeuten Chuch’e.



Aus Anlass des 100-ten Geburtstages von Kim Il-sungs erschienen im Jahre 주체 101 (2012) mehrere Briefmarken. Bei diesen wird Beginn des Chuch’e-Kalenders im Jahr 주체 1 (1912) besonders deutlich, denn der Block und die Briefmarke tragen im oberen Bereich die folgende Inschrift:



In der nordkoreanischen Propaganda wird Kim Il-sung als „Der Große Führer Genosse Kim Il-sung“ (위대한수령김일성동지) bezeichnet. Dieses ist auch der Text oberhalb der Jahreszahlen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.02.2016 11:12:54 Gelesen: 119222# 53 @  
Hallo zusammen,

heute einige weitere Beispiele zum Chuch’e-Kalender. Die Umrechnung vom Chuch’e-Kalender zu unserem Kalender ist sehr einfach. Man addiert einfach 1911 zum Chuch’e-Jahr und erhält unsere Jahreszahl.



Zwei Beispiele aus dem Jahr 주체 96 (2007). Rechts sieht man die Kimjongilia (Kimchŏngil hwa). Es ist eine Begonien-Hybride aus der Gruppe der Knollenbegonien. Sie wurde 1988 zum Anlass des 46. Geburtstags von Kim Jong-il von dem japanischen Botaniker Mototeru Kamo aus Kakegawa gezüchtet.



Blumen-Motive aus den Jahren 주체 97 (2008) und 주체 101 (2012)



Eine Ganzsache mit Abbildung eines Hais und einer Meeresschildkröte aus dem Jahr주체 102 (2013).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 20.02.2016 12:50:12 Gelesen: 118778# 54 @  
Hallo zusammen,

der Chuch’e-Kalender fängt mit dem Jahr 1912 an. Alle Jahreszahlen ab 1912 lassen sich also nach diesem Kalender angeben. Man sieht es an dem Block zum 100-ten Geburtstages von Kim Il-sung und an dieser Marke zum gleichen Anlass [#52]. Beide tragen den Text 주체 1 (1912) - 주체 101 (2012).



Die rechte Marke zeigt den 1000-Ri langen Weg von Kim Il-sung aus dem Jahre 1923. Sie trägt den Angabe 주체 12 (1923) - 주체 97 (2008).

Was macht man aber bei Daten, die vor dem Jahr 1912 liegen? Dazu habe ich zwei Möglichkeiten auf diesen beiden Briefmarken gefunden:



Die linke Marke erschien aus Anlass des 125. Jahrestages des ersten Japanisch-Chinesischer Krieges. Wegen Streitigkeiten um den politischen Status Koreas kam es 1894 zum Krieg. Die Marke trägt den Text 1894 -주체 103 (2014). Die erste Zahl ist nach unserem, die zweite nach dem Chuch’e-Kalender angegeben.

Auf der Marke zum Ulsa-5-Punkte-Vertrag wird der Zeitraum dagegen mit 1905 년 – 2005 년 angegeben. Das Zeichen „년“ bedeutet „Jahr“.

Dieses ist der letzte Beitrag zu den koreanischen Kalendern. Eine Frage konnte ich leider nicht klären:

Was für eine Jahreszahl steht in den Tagesstempeln, die innerhalb Nordkoreas verwendet werden?

Wird dort der Chuch’e-Kalender oder unser Kalender benutzt? Die wenigen Belege aus Nordkorea aus der Zeit nach 1997 gehen alle ins Ausland. Dort wird unsere Jahreszahl benutzt. Einen Inlandsbrief habe ich noch nicht gesehen.

Viele Grüße
Volkmar
 
Phoenix Am: 21.02.2016 19:00:29 Gelesen: 118720# 55 @  
Hier noch ein Maya-Kalender-Block [1]



Kirgistan Bl. 62 A **

Beste Grüße,

Phoenix

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Maya-Kalender
 
volkimal Am: 06.03.2016 20:17:57 Gelesen: 118257# 56 @  
@ Phoenix [#55]

Hallo Phoenix,

eine schöne Ergänzung zu einem sehr alten Kalender. Danke fürs zeigen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.03.2016 21:02:15 Gelesen: 118248# 57 @  
Hallo zusammen,

wie angekündigt folgt jetzt eine Ergänzung zum japanischen Kalender nach dem Kōki-System

Ich fasse noch einmal alles zusammen. Das Kōki-System beruht auf der japanischen Reichsgründung im Jahre 660 v. Christi.

Ragiko schreibt dazu im Beitrag [#17]:

Die Annahme, dass die Mythologie der Reichsgründung bis in vorchristliche Zeiten hineinreiche, für bare Münze zu nehmen, ist wissenschaftlich ähnlich aussagekräftig wie die Erschaffung der Welt in 7 Tagen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass das japanische Reich sich im 3. oder 4. nachchristlichen Jahrhundert zu etablieren begann. Die Mythologie, die Japan eine ähnlich glanzvolle Vergangenheit wie China verleihen sollte und in der die Lebenszeit der alten Kaiser auf mehrere hundert Jahre gedehnt wurde, wortwörtlich zu nehmen, das kommt nur in extrem nationalistischen Epochen in Frage.



Sehen wir uns also die Jahre an, als Japan in Ostasien zu expandieren versuchte. Dort finden wir auf den Nationalpark-Blocks ab 1938 (Michel Bl.2 bis 8) die seltsamen Jahreszahlen 2598 bis 2601, ab 1939 in Klammern durch die westlichen Jahreszahlen ergänzt. /I]



[I]Außerdem wurde eine Sonderserie zur Feier des 2600. Jahrestages der Reichsgründung verausgabt (Mi-Nr. 288-291), und Richard Strauss gab sich dazu her, zu der nationalistischen Feier eine Festmusik zu komponieren. Diese Dinge stehen im Zusammenhang mit dem Kōki-System und verschwanden selbstverständlich ab 1946 wieder im Giftschrank des nationalistischen Kellers, wo sie herkamen.


Da diese Jahreszählung aber bei Stempeln aus Japan nicht benutzt wurde, ging ich davon aus, dass es überhaupt keine Stempel nach dem Kōki-System gibt. Durch Zufall entdeckte ich dann aber, dass das Kōki-System bei Stempeln in japanisch besetzten Gebieten benutzt wurde.





Die beiden ersten Marken gehören zur japanischen Besetzung von Java. Beide stammen aus dem Kōki-Jahr 2605 = 1945. Der Viererblock gehört zur japanischen Besetzung von Malaya. Er gefällt mir besonders, da die Jahreszahl im Stempel vierstellig angegeben ist.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.03.2016 11:58:13 Gelesen: 118109# 58 @  
Hallo zusammen,

im Frühjahr 1942 begann die japanische Armee Niederländisch-Indien zu besetzen. Ihr Interesse galt kriegswichtigen Rohstoffreserven und der Verbesserung ihrer strategischen Position. Am 5. März 1942 eroberten sie Batavia, die Hauptstadt von Niederländisch-Indien und zwangen am 8. März die Niederländer zur Kapitulation. Die fast 350-jährige Zeit ihrer Kolonialherrschaft war vorüber. Am 8. August 1942 wurde Batavia in Djakarta umbenannt. Seit der Rechtschreibreform des Jahres 1972 wird die Stadt Jakarta geschrieben.



Postkarte aus Djakarta, geschrieben am 30.12.2604 (= 1944). Am 01.01.05 (= 1945) mit einem Maschinenstempel entwertet. Wie man sieht, wurden die Jahreszahlen nach dem Kōki-System von der Bevölkerung übernommen. Ob das freiwillig geschah oder ob sie dazu gezwungen wurden weiß ich nicht.

Die Form der Kreuze im Stempelkopf sind typisch niederländisch (siehe http://www.philastempel.de/stempel/zeigen/121147 ). Der Ortsname Djakarta kommt allerdings aus der japanischen Besetzungszeit. Ich vermute, dass es ein neu angefertigter Stempel im niederländischen Stil ist.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.04.2016 16:40:53 Gelesen: 117268# 59 @  
Hallo zusammen,

auch diese Karte gehört zu den japanischen Besetzungsausgaben von Niederländisch Indien (Java). Es ist eine Postkarte aus Surabaya, der zweitgrößten Stadt Indonesiens. Zunächst wuchs die Stadt nur langsam. Erst nachdem im Jahr 1926 Surabaya zur Hauptstadt der Provinz Ostjava wurde, entwickelte die Stadt sich zu einer modernen Großstadt.



Von 1942 bis 1945 stand Surabaya unter japanischer Herrschaft. Während dieser drei Jahre Besatzungszeit kam die Entwicklung der Stadt völlig zum Erliegen. Damals hieß die Stadt noch Soerabaja.

Im Jahre 1945 erhielt Surabaya den Beinamen „Heldenstadt“. Dies ist eine Anerkennung für den heldenhaften und zähen Kampf der Einwohner dieser Stadt gegen gleich drei Besatzungsmächte (Niederländer, Japaner und Engländer). Dieser Kampf kostete unzählige Opfer, führte aber letztendlich zur Befreiung Indonesiens von jahrhundertelanger Fremdherrschaft.



Der Stempel zeigt in diesem Fall die vollständige Jahreszahl 2604 = 1944. Der indonesische Stempeltext: „Alamat sempoerna dengan menjeboetkan nama djalan dan nomor roemah“ bedeutet frei übersetzt: „Die Adresse ist nur vollständig mit Straßennamen und Hausnummer“.

Mit dieser Karte möchte ich die Ergänzung zum japanischen Kalender nach dem Kōki-System abschließen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.04.2016 18:00:38 Gelesen: 116677# 60 @  
Hallo zusammen,

Die Thailändischen Kalender

In Thailand sind in der philatelistischen Zeit vier verschiedene Zeiträume zu unterscheiden. Der traditionelle thailändische Kalender (Chulasakarat, Julasakarat) galt bis zum Jahr 1889. Näheres siehe auf der Seite http://www.faszination-asien.de/Kalender/seite501.htm. Diesen Kalender kann ich bisher nicht philatelistisch belegen.

1. Ratana Kosindra Sok (RS) auch Ratanakosinsok (1889 - 1912)

Im Jahr 1889 wurde von König Chulalongkorn (Rama V) der Ratana Kosindra Sok eingeführt. Er basiert auf dem Gregorianischen Kalender. Allerdings wurde der Zeitpunkt der Jahreszählung auf die Gründung der neuen Residenzstadt Bangkok verlegt: Am 1.4.1782 AD begann rückwirkend das Jahr 1 RS. Der Jahreswechsel ist also immer am 1. April (AD). Ratanakosin ist der Name für die zentrale Zone in Bangkok, in der die Königsstadt erbaut wurde, sozusagen der alte Name von Bangkok.



Ortspostkarte aus Bangkok (กรุงเทพ). Der Aufgabe- und der Ankunftsstempel stammen von verschiedenen Postämtern, sind aber am selben Tag abgeschlagen worden.





Entsprechend der thailändischen Zahlen in der Tabelle wurde die Postkarte am 12-3-26-3 (RS) beim Postamt Bangkok 5 aufgegeben aufgegeben und kam am selben Tag beim Postamt Bangkok 2 an. Von der Jahreszahl „126“ wurden nur die beiden letzten Zahlen „26“ angegeben.

Der Stempel kommt also aus dem Jahr Jahr 126 (RS) + 1781 = 1907 (AD).

Der Monat ist 3 (RS) + 3 = 6 (AD).

Der Stempel stammt also vom 12-3-126 (RS) = 12.06.1907 (AD).



Der Gummistempel der Bangkok manufacturing company auf der Rückseite bestätigt dieses Datum.



Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 14.05.2016 16:28:59 Gelesen: 116147# 61 @  
Hallo zusammen,

wie schwierig es ist, ein Stempeldatum genau zu bestimmen zeigt diese Postkarte, die ich auf der Messe in Essen fand. Sie gibt mir noch einige Rätsel auf.



Der Stempel ist zwar sehr klar, dennoch ist es mir nicht gelungen, den Aufgabeort zu ermitteln. Ich kann zwar die meisten Zeichen finden, aber das hilft mir nicht weiter. Vermutlich steht im Stempel „?มทปภ??ร”
Auch das Stempeldatum gibt Rätsel auf. In der Postkarte ist die erste thailändische Briefmarke aus dem Jahr 1883 eingedruckt. Nach Michel war die Briefmarke nur bis 1887 gültig.



Bei Delcampe habe ich gesehen, dass diese Postkarte aber mindestens bis 1900 verwendet wurde. Danach gab es sie noch für ein paar Jahre mit einem Aufdruck. Beim Stempeldatum lese ich „12 1 14“. Die drei Zahlen „1“ sehen allerdings alle unterschiedlich aus. Jetzt sind drei Fälle denkbar:

1) Der Stempel stammt aus der Zeit von 1883 bis 1889 (Chula-Sakarat-Zählung)
2) Der Stempel stammt aus der Zeit nach 1889 (Ratana Kosindra Sok)
3) Der Stempel trägt unser Datum.

Bis 1889 galt in Thailand die Chula-Sakarat-Zählung (Abkürzung C.S.) auch kleine Zeitrechnung genannt. Um unsere Jahreszahl zu ermitteln muss man je nach Datum 638 oder 639 Jahre zu dem thailändischen Datum addieren. In dem Fall käme der Stempel aus dem Jahr 14 C.S. + 639 = 653 AD. Das kann nicht sein.

Ab 1889 gilt der der Ratana Kosindra Sok. In dem Fall wäre die Jahreszahl 14 RS + 1781 = 1795 AD. Auch das ist nicht möglich.

Wenn ich den Verwendungszeitraum der Postkarte (bis ca. 1900) ansehe, so passt unsere Zeitrechnung auch nicht.

In diesem Fall ist es mir also nicht möglich, dass Datum der Karte zu bestimmen.
Vielleicht kann mir einer von Euch helfen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.06.2016 13:31:30 Gelesen: 115533# 62 @  
Hallo zusammen,

weiter geht es mit den Thailändischen Kalendern:

2. Suriyakati-Kalender, buddhistische Zeitrechnung (BE)
Die Zeit von 1912 bis 1940 AD = 2455 bis 2483 BE


König Vajiravudh (Rama VI), der Sohn vom König Chulalongkorn (Rama V), schaffte nur 23 Jahre später den Kalender seines Vaters wieder ab. Er führte eine Jahreszählung basierend auf dem Tod Buddhas im Jahr 543 v. Chr. ein. Diese Zählung begann am 21.12.1912. Der Jahreswechsel ist weiterhin am 1. April (AD).

Ausgehend vom thailändischen Datum (BE) ergibt sich die folgende Umrechnung:
01.01. bis 30.09. (BE): Jahr BE - 543 = Jahr AD Monat BE + 3 = Monat AD
01.10. bis 31.12. (BE): Jahr BE - 542 = Jahr AD Monat BE – 9 = Monat AD

Umgekehrt ergibt sich ausgehend von unserem Datum (AD) die folgende Umrechnung:
1. Januar bis 31. März (AD): Jahr AD + 542 = Jahr BE Monat AD + 9 = Monat BE
1. April bis 31. Dezember (AD): Jahr AD + 543 = Jahr BE Monat AD – 3 = Monat BE
 

Dieser Brief kommt ebenfalls aus Bangkok (กรุงเทพ) und zwar vom Postamt 2 (๒). Bei diesem Stempeltyp sind die unterschiedlichen Kalender besonders gut zu erkennen, da das Datum gleich in beiden Kalendern angegeben wurde.



Der Stempel ist vom 23-7-66 (BE) bzw. 23.10.23 (AD).

Das passt zur oben aufgeführten Umrechnung:

Jahreszahl: 1923 (AD) + 543 = 2466 (BE). (Von den Jahreszahlen wurden also jeweils nur die beiden letzten Ziffern angegeben.)
Der Monat ist 10 (AD) – 3 = 7 (BE).

Viele Grüße
Volkmar
 

volkimal Am: 11.06.2016 12:02:26 Gelesen: 115378# 63 @  
Hallo zusammen,

zum Suriyakati-Kalender in der Zeit von 1912 bis 1940 AD = 2455 bis 2483 BE kann ich keinen weiteren Beleg zeigen. Ich habe nur noch eine Briefmarke mit einem entsprechenden Stempel:



Diese Marke wurde beim Postamt 4 in Bangkok abgestempelt. Die thailändischen Zeichen im Stempel sind kaum zu erkennen, aber es muss ๘∙๙∙๖๑ = 8∙9∙61 (BE) heißen, denn das Datum entspricht dem 8.12.18 (AD).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 18.06.2016 08:28:40 Gelesen: 115155# 64 @  
Hallo zusammen,

der jetzt folgende Kalender gilt in Thailand bis heute.

3. Suriyakati-Kalender, buddhistische Zeitrechnung (BE)
Die Zeit seit 1941 AD = 2484 BE


Eine weitere Angeichung an den gregorianischen Kalender gab es im Jahre 2484 BE bzw. 1941 AD. Der Jahresbeginn wurde vom damaligen thailändischen Premierminister Phibul Songkhram auf den 1. Januar verlegt. Das wurde erreicht, indem das Jahr 2483 BE nur neun Monate lang war.

Es genügt also ab 1941 die Umrechnung:
Jahr BE – 543 = Jahr AD
Jahr AD + 543 = Jahr BE


Auf einigen Ersttagsstempeln sind gleichzeitig beide Daten angegeben. Leider wurden dabei die Monate als Name bzw, als Abkürzumg angegeben. Hier ein Beispiel vom 24. Oktober 1968 AD = 24. ตุลาคม 2511 BE:





Die Monate und ihre Abkürzungen in Thailand stammen von der Seite http://www.phakinee.com/thailand-wochentage-monatsnamen/

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 11.07.2016 17:57:38 Gelesen: 114565# 65 @  
Hallo zusammen,

diese Postkarte mit einer Briefmarke des Königs Bhumibol Adulyadej trägt gleich zwei Stempel mit drei unterschiedlichen Angaben des Datums. Ob es sich um einen Ersttagsstempel handelt oder wozu der Stempel herausgegeben wurde, weiß ich nicht.





Der erste Stempel zeigt das Datum nach dem Suriyakati-Kalender mit lateinischen Zahlen. Von der thailändischen Jahreszahl 1977 AD + 543 = 2520 BE wurden nur die zwei letzten Ziffern angegeben. Oben im Stempel ist kein Ortsname sondern die Angabe ไปรษณีย์กลาง = G.P.O. = General Post Office = Hauptpostamt.

Der zweite Stempel zeigt dasselbe Datum in thailändischer Schrift, diesmal mit abgekürzter Monatsangabe und das Datum nach unserem Kalender. Der Februar heißt in Thailand กุมภาพันธ์ und wird "ก.พ." abgekürzt (siehe letzter Beitrag).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 23.07.2016 10:17:18 Gelesen: 114297# 66 @  
Hallo zusammen,

bevor ich zu den thailändischen Tagesstempeln komme noch zwei Ersttagsstempel. In ihnen ist das Datum wieder anders angegeben als in den bisher gezeigten Beispielen:





Bei diesem Stempel zum höchsten buddhistischen Feiertag, dem Vesak-Tag wurde das thailändische Datum komplett in thailändischer Schrift angegeben. Der Monat Juni = มิถุนายน ist ausgeschrieben, die Jahreszahl mit vier Ziffern angegeben: ๒๕๕๕ = 2555 (BE) = 2555 – 543 = 2012 (AD).





Sondermarken zum 125-ten Jahrestag der ersten thailändischen Briefmarken. Es sind die verschiedenen Marken abgebildet, die am 4.8.1883 erschienen.



Beim thailändischen Datum ist diesmal der Monat August als Ziffer ๘ = 8 angegeben. Da ich nur diesen einen Stempel mit einer Monatsangabe als thailändische Ziffer kenne, weiß ich nicht, ob der Strich unter der Ziffer üblich ist. Von der Jahreszahl ๒๕๕๑ = 2551 (BE) = 2008 (AD) sind nur die beiden letzten Ziffern angegeben.

Bei den Ersttagsstempeln habe ich bisher folgende thailändische Datumsangaben registriert:

1. Datum nur in thailändischer Schrift
Monatsangabe ausgeschrieben, abgekürzt oder als Ziffer
Jahreszahl zwei- oder vierstellig.
2. Datum mit thailändischer Schrift (Monat) und unseren Ziffern (Tag und Jahr)
3. Das komplette Datum wird unseren Ziffern angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.08.2016 21:41:19 Gelesen: 113852# 67 @  
Hallo zusammen,

bei den thailändischen Tagesstempeln gibt es keine so große Vielfalt. Als erstes eine Karte an meinen Onkel. Aufgrund dieser Karte habe ich seinerzeit entdeckt, dass es in Thailand einen eigenen Kalender gibt:



Die Jahreszahl im Stempel ist in diesem Fall vierstellig und nach dem Buddhistischen Kalender angegeben. Die Karte wurde am 2.7.2511 BE aufgegeben. Subtrahiert man von der Jahreszahl 543 Jahre so kommt man auf den 2.7.1968 AD. Wie bei diesem Beispiel werden die Jahreszahlen auch bei ausländischen Briefen überwiegend nach dem Buddhistischen Kalender angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.08.2016 19:53:08 Gelesen: 113732# 68 @  
Hallo zusammen,

ein zweites Beispiel mit vierstelliger Jahresangabe nach dem Buddhistischen Kalender:



Dieser Brief nach Karatschi wurde am 26.6.2528 BE - 543 = 1985 AD im Rong Muang Post Office (รองเมือง) in Bangkok aufgegeben. Als Ziel wurde zunächst Indien angegeben. Wo der Fehler entdeckt und in Pakistan korrigiert wurde ist nicht zu erkennen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.08.2016 11:41:10 Gelesen: 113512# 69 @  
Hallo zusammen,

aus dem Jahr 1999 AD = 2542 BE kann ich gleich drei verschiedene Schreibweisen der Jahreszahl zeigen. Zunächst die Jahreszahl 2542 BE die als vierstellige Zahl:



Von der buddhistischen Jahreszahl 2542 genügen natürlich auch die beiden letzten Ziffern:



Daneben habe ich bei einem Maschinenstempel auch noch die Jahreszahl 1999 nach unserem Kalender gefunden:



Die Jahreszahl 1999 in diesem Stempel ist besonders ungewöhnlich, da es sich um einen Ortsbrief innerhalb von Bangkok handelt. Er geht von Bang Na nach Bang Nak. Dieses sind zwei der 50 Stadtbezirke Bangkoks.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.08.2016 14:34:57 Gelesen: 113335# 70 @  
Hallo zusammen,

besonders häufig sind in Thailand die zweistelligen Jahreszahlen nach dem buddhistischen Kalender. Hier ein aktuelles Beispiel vom 01.01. 2559 BE – 543 = 2016 AD.



Nach dem Chinesischen Horoskop ist 2016 das Jahr des Affen. Ober auf dem Rand steht in thailändischer Schrift ๑ มกราคม ๒๕๕๙ = 1. Januar 2559.

Dieser Brief vom 24.01.2529 B= = 1986 AD sieht aus wie ein typischer Zurück-Beleg. Aufgegeben wurde der Einschreibebrief in Rangsit (รังสิต), einem nördlichen Vorort von Bangkok. Der Empfänger wohnte in Lak Si (หลักสี่), einem der 50 Bezirke von Bangkok.



Leider kann ich kein einziges Wort im violetten Pfeilstempel bzw. dem roten Rechteckstempel entziffern. Mir steht dazu nur der Google-Übersetzer zur Verfügung. Wenn ich dort „Zurück“ ins thailändische übersetzen lasse, so gibt es nur eine einzige Lösung: „กลับ". Dieses Wort finde ich aber nicht auf dem Brief. Bessere Übersetzungsprogramme liefern verschiedene Lösungen. Bei Leo.org gibt es bei der Übersetzung von „Zurück“ ins Englische 11 Adjektive, 9 Verben und 20 weitere Substantive, Phrasen und Beispiele. Leider übersetzt Leo nur in 8 verschiedene Sprachen.

Viele Grüße
Volkmar
 
Günter Rote Am: 02.09.2016 14:59:10 Gelesen: 113164# 71 @  
@ volkimal [#57]

Zur japanischen Zeitrechnung. Die beiden zweistelligen Jahreszahlen auf den japanischen Stempeln (26.2.05 und 17.6.0?) sind wahrscheinlich eher nach der Shōwa-Zeit angegeben, den Regierungsjahren des Kaisers Hirohito, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Sh%C5%8Dwa-Zeit, Jahr 1 = 1926, Jahr 2 = 1927 usw. Jahr 26 = 1951. Ich bin darauf gekommen, weil ich vorgestern (1. September) in Tokyo einen Ubahn-Pass gekauft habe und auf dem Beleg den Stempel 28.9.01 gelesen habe (Das bezieht sich auf den aktuellen Kaiser).
 
volkimal Am: 02.09.2016 15:29:58 Gelesen: 113158# 72 @  
@ Günter Rote [#71]

Hallo Günter,

schön, dass du dich mit den japanischen Stempeldaten befasst. Deiner Aussage, dass das Datum nach der Shōwa-Zeit angegeben ist, muss ich aber widersprechen.



Es sind die Briefmarken Michel Nr. 3 und 7 der japanischen Besetzung von Java. Sie sind 1943 erschienen und waren bis 1945 gültig. Wenn das Datum im Stempel der Shōwa-Zeit entsprechen sollte, so kämen nur die Jahreszahlen 18 = 1943, 19 = 1944 oder 20 = 1945 in Frage. Diese Zahlen kommen aber im Stempel nicht vor. Es muss sich also doch um den japanischen Kalender nach dem Kōki-System handeln. 05 = 2605 = 1945.

Bei Stempeln innerhalb Japans kenne ich übrigens auch nur die Jahreszählung nach dem Gengō-System, das mit jedem Tenno neu beginnt - siehe Beitrag [#16] und folgende. Zuerst dachte ich, dass es das Kōki-System gar nicht im Stempel gibt, bis ich es durch Zufall bei den japanisch besetzten Gebieten im Zweiten Weltkrieg fand.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.09.2016 19:51:16 Gelesen: 113129# 73 @  
Hallo zusammen,

neben den bisher gezeigten Beispielen kann die Jahreszahl in thailändischen Stempel auch noch zweistellig nach unserem Kalender sein. Besonders deutlich wird das, wenn wie in diesem Beispiel, daneben noch weitere Stempel abgeschlagen sind.



Den Brief hat mein Vater am 1.3.1966 postlagernd an seinen Vetter nach Chiang Mai im Norden Thailands geschickt. Rückseitig ein Ankunftsstempel des G.P.O. = General Post Office aus Bangkok vom 3. März 1966. Da Willi Matzat den Brief nicht abgeholt hat, wurde er fast ein Jahr lang aufbewahrt.



Am 23.2. 67 bekam er den Stempel des „Dead letter office“ von Bangkok und wurde zurückgeschickt. Das Dead letter office ist bei der Post die Abteilung für unzustellbare Briefe. Die Jahreszahl ist einmal zweistellig und einmal vierstellig angegeben. Ungewöhnlich finde ich, dass keinerlei Vermerk aus Chiang Mai auf dem Brief ist. Vielleicht kam der Brief überhaupt nicht dort an, sondern ist im Postamt in Bangkok „hängengeblieben“.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.09.2016 20:07:55 Gelesen: 113011# 74 @  
Hallo zusammen,

auch bei diesem Brief vom Erstflug zwischen Bangkok und München entspricht die Jahreszahl „95“ eindeutig unserem Kalender und damit dem Jahr 1995:





Der Brief wurde am 20.03.95 im Postamt Bangkok Airport aufgegeben. Entsprechend des Stempels auf der Rückseite kam er am 28.03.95 in München an.



Dieser Brief trägt nur den thailändischen Stempel vom 24.05.60. Dennoch ist es eindeutig klar, dass es sich nur um das Jahr 1960 handeln kann. Postfreistempel gibt es in Thailand erst seit 1952. Diese Form mit der weiten Zähnung ist die erste Art, die dort vorkam. Siehe auch https://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog/Thailand . Es handelt sich um eine Universal “MultiValue”-Stempelmaschine.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 18.09.2016 11:09:19 Gelesen: 112878# 75 @  
Hallo zusammen,

diese Briefmarke zeigt das Bild von König Prajadhipok, der von 1925 bis 1935 in Thailand regierte. Im ersten Moment sieht es so aus, als ob die Marke (Michel Nr. 202) am 25.11.1979 abgestempelt wurde. Sie ist aber schon 50 Jahre vorher am 15.04.1928 erschienen.



Unter der Regentschaft von König Ananda Mahidol (1935 – 1946) wurde 1941 ein neuer Kalender eingeführt. In Wirklichkeit wurde die Marke daher viel früher abgestempelt, denn es handelt sich wieder um den Suriyakati-Kalender der bis 1940 galt, nur dass das Datum diesmal mit lateinischen Zahlen angegeben wurde.

Ausgehend vom thailändischen Datum (BE) ergibt sich die folgende Umrechnung:

01.01. bis 30.09. (BE): Jahr BE - 543 = Jahr AD Monat BE + 3 = Monat AD
01.10. bis 31.12. (BE): Jahr BE - 542 = Jahr AD Monat BE – 9 = Monat AD
 

Die Briefmarke wurde also im Jahr 2479 BE – 542 = 1937 AD abgestempelt. Bei der Monatsangabe muss 9 subtrahiert werden. Das tatsächliche Stempeldatum ist also der 25.02.1937 AD. Der Stempel kommt von der Inlands-Abteilung des General Post Office (G.P.O. Inland Section) in Thailändischer Schrift ป.ณ.ก. ฝาน. Damit dürfte der Stempel aus Bangkok stammen.

Mit diesem Beitrag bin ich mit den thailändischen Kalendern fertig. Mal sehen womit ich beim nächsten Mal weitermache.

Viele Grüße
Volkmar
 

volkimal Am: 25.09.2016 10:49:00 Gelesen: 112673# 76 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter. Heute: Die Buddhistische Zeitrechnung in weiteren Ländern

Die buddhistische Zeitrechnung (auch Buddhist Era = B.E.) wird vor allem in den Ländern des „südlichen Buddhismus“ benutzt. Dieses sind z.B. Kambodscha, Laos, Myanmar, Sri Lanka und Thailand. Stempel mit dem Datum nach der buddhistischen Zeitrechnung sind mir allerdings nur aus Thailand bekannt.

Dennoch lässt sich die buddhistische Zeitrechnung auch in den anderen Ländern philatelistisch nachweisen. In Sri Lanka erscheint seit 1978 jährlich eine Briefmarkenausgabe zum Vesak, dem höchsten buddhistischen Feiertag. Vor allem auf den Blöcken wird oft die christliche und die buddhistische Jahreszahl angegeben. Hier der Block aus dem Jahr 1987 AD = 2531 BE:





Wie man an den Ankunftsstempeln sehen kann, stammt dieser Brief aus Thailand ebenfalls aus dem Jahr 1987. Der Stempel auf den Briefmarken zeigt allerdings die Jahreszahl 30 = 2530 BE. Damit unterscheiden sich die buddhistischen Jahreszahlen aus Sri Lanka und Thailand um ein Jahr.

Es liegt daran, dass je nach Land bei der buddhistischen Zeitrechnung von zwei verschiedenen Zeitpunkten an gezählt wird. In Sri Lanka beginnt die Jahreszählung mit dem Todesjahr des indischen Religionsstifters Siddhartha Gautama, auch „Buddha“ genannt. Er starb im Jahr 544 vor Christi.
In Thailand geht man dagegen vom Parinirvana aus, dem Übergang Buddhas ins Nirvana. Damit beginnt die buddhistische Zeitrechnung in Thailand erst ein Jahr später nämlich 543 vor Christi.

Viele Grüße
Volkmar
 
10Parale Am: 01.10.2016 21:38:13 Gelesen: 112425# 77 @  
Es heißt "Zeitreisen" wären unmöglich. Dabei ist es ganz einfach.

Am Abend des kommenden Sonntags beginnt das jüdische Jahr 5777. Die sind uns einige Zeit voraus, betrachten wir die nüchternen Zahlen.

Schana Towa 5777

10 Parale


 
volkimal Am: 02.10.2016 19:31:33 Gelesen: 112353# 78 @  
@ 10Parale [#77]

Hallo 10 Parale,

schön, dass Du auf den Jahreswechsel im jüdischen Kalender hinweist. Diesen Kalender habe ich mir für später aufgehoben. Irgendwann werde ich auch ihn vorstellen.

Mit dem buddhistischen Kalender kann ich zur Zeit noch nicht weitermachen, da ich noch auf einen Beleg warte. Der Brief mit dem Beleg kommt übrigens aus Israel. Wenn der Stempel gut abgeschlagen ist habe ich dann vielleicht gleichzeitig etwas zum jüdischen Kalender.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 17.10.2016 17:39:47 Gelesen: 111755# 79 @  
Hallo zusammen,

da der Brief aus Israel immer noch nicht angekommen ist, heute ein zweiter Block zum Vesak-Fest aus Sri Lanka:



Auch hier wird beträgt der Umrechnungsfaktor vom Buddhistischen Kalender zu unserem Kalender 544 Jahre (2525 BE - 1981 AD = 544). Wie schon beschrieben unterscheidet sich die Umrechnung des Buddhistischen Kalenders in Sri Lanka damit um ein Jahr zum Buddhistischen Kalender in Thailand. Dort ist der Umrechnungswert 543 Jahre.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 20.10.2016 15:15:47 Gelesen: 111579# 80 @  
Hallo zusammen,

endlich ist der erwartete Brief aus Israel eingetroffen. Ich musste ihn allerdings beim Zoll in Münster abholen. 80 km Fahrt für eine Sendung im Wert von knapp über 10 Euro. Jetzt aber zu den unterschiedlichen Kalendern:

Das 2500-te Jahr des Buddhistischen Kalenders war der Anlass, in allen wichtigen buddhistischen Ländern Briefmarken herauszugeben. Je nach Beginn der Jahreszählung erschienen die Briefmarken im Jahr 1956 oder 1957. Dadurch kann man leicht erkennen, in welchem Land dieselbe Jahreszahl gilt.





1956 erschienen die Briefmarken in Burma, Ceylon, Indien und Laos. Diese vier Länder beginnen die Jahreszählung mit dem Todesjahr von „Buddha“. Der Unterschied zu unserem Kalender beträgt also jeweils 544 Jahre.



In Kambodscha und in Thailand erschienen die Briefmarken dagegen im Jahr 1957. Wie schon beim thailändischen Kalender beschrieben beträgt der Unterschied zu unserem Kalender also 543 Jahre. Die Jahreszählung in diesen beiden Ländern beginnt mit dem Parinirvana, dem Übergang Buddhas ins Nirvana.

Damit bin ich mit den buddhistischen Kalendern fertig.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 27.10.2016 18:39:10 Gelesen: 111254# 81 @  
Hallo zusammen!

Der nepalesische Kalender: Vikram Sambat (VS) oder Bikram Sambat (BS)

Mit dem nepalesischen Kalender komme ich laut Wikipedia zum ersten Lunisolarkalender. Unser Kalender ist dagegen ein Solarkalender (Sonnenkalender). Er nimmt den Lauf der Erde um die Sonne als Basis für die Zeiteinteilung, ohne den Mond zu berücksichtigen. Das Jahr hat 365 Tage.
Die älteren Kalender waren Lunarkalender, weil sie sich an sicher beobachtbaren Himmelserscheinungen, nämlich den Mondphasen orientierten. Ein reiner Lunarkalender hat keinerlei Bindung an das Sonnenjahr und an die Jahreszeiten. In ihm werden zwölf Mondmonate zu einem Mondjahr (Lunarjahr), das etwa 11 Tage kürzer als ein Sonnenjahr zusammengefasst.

Ein Lunisolarkalender enthält wie jeder Lunarkalender als 12 Mond-Monate. Zur Annäherung an das Sonnen-Jahr wird durchschnittlich alle nicht ganz drei Jahre ein dreizehnter Mond-Monat eingeschaltet.

Beim Vikram Sambat hat das Jahr aber 12 Monate und 365 Tage. Die Information bei Wikipedia ist falsch und der Vikram Sambat kann nur ein Solarkalender sein. Der Fehler kommt vermutlich dadurch zustande, dass die religiösen Feiertage nach den Mondphasen festgelegt werden. Der Vikram Sambat basiert auf alter Hindu-Tradition. Der Kalender ist nach dem König Vikramaditya Samvat benannt. Vikram Sambat löste 1903 den bis dahin geltenden Nepal Sambat ab.



Die Briefmarke und der Ersttagsstempel dokumentieren sehr schön den Jahreswechsel im nepalesischen Kalender, der nach unserer Zeitrechnung immer Mitte April stattfindet:.



Die Briefmarke und der Ersttagsstempel dokumentieren sehr schön den Jahreswechsel im nepalesischen Kalender, der nach unserer Zeitrechnung immer Mitte April stattfindet:

१.१.०२२ = १.१.२०२२ = 1.1.2022 VS = 13.4.1965 AD Auch jeder andere Monat beginnt in der Mitte des christlichen Monats. Die Jahreszahl ist dem christlichen Kalender 56,7 Jahre voraus.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.11.2016 09:23:06 Gelesen: 111065# 82 @  
Hallo zusammen,

wie ich schon schrieb, beruht die Verwechselung des Solarkalenders und des Lunisolarkalenders bei Wikipedia eventuell darauf, dass sich der Termin einiger der religiösen Feiertage nach den Mondphasen richtet. Hier drei Beispiele:



Rato Machhendranath

Das Fest beginnt immer am ersten Tag der dunklen Monatshälfte des Monats Chaitra. Es ist das größte Fest Patans. In einer Prozession wird der Rote Machhendranath, der Schutzgotte Patans in einem riesigen Wagen mit Seilen durch die Stadt gezogen. Auf der rechten Marke ist einer dieser Wagen zu sehen. Der Umzug dauert bis zu 3 Monaten. Machhendaranath gilt als Gott des Regens. Da der Monsun sich langsam nähert, dient dieses Fest der Bitte um guten Regen.



Gai Jatra

Gai Jatra beginnt am Tag nach dem Vollmond des Monats Bhadau. Das Fest ist zum Gedächtnis der verstorbenen Verwandten des letzten Jahres wird auch oft als Fest der Kühe bezeichnet. Die Kuh als heiliges Tier soll den Hindus den Weg zum Totengott Yama zeigen. Man glaubt, wenn man sich am Schwanz der Kuh festhält, gelingt das besser.

Am 1. Tag des Festes treiben Familien die im letzten Jahr Tote in ihrer Verwandtschaft hatten, Kühe durch die Altstadt Kathmandus. Als Ersatz springen oft junge Männer ein, die sich als Kuh verkleiden.



Shivaratri

Siivaratri wird am Neumond des Monats Falgun gefeiert. Man feiert dieGeburt Shivas. Es ist das bedeutendste Hindufest, an dem zahlreiche Pilger und Yogis von weit her nach Pashupatinath kommen. Auch der nepalesische König als Inkarnation Shivas erscheint zu diesem Fest. In der Morgendämmerung nehmen die Pilger ein heiliges Bad im Bagmati und verehren Shiva danach im Temple. Viele Pilger nehmen an diesem Tag Marihuana zu sich. Dies ist übrigens der einzige Tag des Jahres, an dem dies ohne Strafe geduldet wird.

Die Informationen zu diesen drei Festen stammen von der folgenden Seite:

http://www.reinold-online.de/Nepalinfos/feste_in_nepal.htm

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 19.11.2016 14:44:17 Gelesen: 110261# 83 @  
Hallo zusammen,

noch einmal eine Ergänzung zu den nepalesischen Feiertagen. Einen Feiertag, der sich nach den Mondphasen richtet hatte ich vergessen:



Dashain = Durga Puja

Man feiert das Fest in der hellen Monatshälfte des Monats Ashwin. Es ist das größte und längste Fest des Jahres in Nepal, mit einer Dauer von 10 Tagen. Das Fest endet bei Vollmond. Vor Beginn des Festes werden die Häuser geschmückt und in vielen Orten werden Schaukeln für die Kinder errichtet, die während des ganzen Dashain-Festes stehen bleiben. Die ersten neun Tage sind zu Ehren der Göttin Durga. Sie soll durch Opfergaben besänftigt werden. Deshalb findet man zu dieser Zeit auf den Märkten unzählige Tiere, wie Schafe, Ziegen, Enten, Hühner und Wasserbüffel, die als Opfertiere gekauft werden. Die Hauptfeierlichkeiten beginnen am siebten Tag.

Andere Feste sind unabhängig von den Mondphasen. Hier ein Beispiel:




Das Stempeldatum ist nach dem nepalesischen Kalender und nach unserem Kalender angegeben:
२०३६-१०-१ = 2036-10-1 VS = 15.01.1980 AD

Samyak Pooja
Nach Angabe auf dem Ersttags-Faltblatt beginnt das Fest in Kathmandu immer am ersten Tag des 10-ten Monats Magh. Dort findet es alle 12 Jahre statt. In Lalitpur wird es alle fünf Jahre gefeiert und jährlich in Bhaktapur
Während der Zeremonie, die auf einem großen offenen Gelände stattfindet, werden Hunderte von Bildern von Dīpankara Buddha versammelt und Geschenke der verschiedenen Arten von Lebensmitteln an die Gottheiten und die buddhistische Gemeinschaft gemacht.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.12.2016 20:36:29 Gelesen: 109458# 84 @  
Hallo zusammen,

Nepal gibt zwar nicht viele Briefmarken heraus, 1960 waren es nur 5 Marken. Dennoch ist Nepal vermutlich das einzige Land, bei dem man das Schaltjahr philatelistisch durch Briefmarken und ihre Ersttagsstempel dokumentieren kann. Von 1960 bis 1971 erschienen jeweils am Geburtstag König Mahendras dem 11. Juni A.D. Briefmarken. Von 1972 an war es jeweils am 28. Dezember A.D., dem Geburtstag von König Birendra. Am 28.12.2000 gab es die letzte Briefmarke zu König Birendra, denn er wurde am 1. Juni 2001 ermordet.

Ein Berliner Händler bot durch Zufall von fast allen Jahren Ersttagsbriefe bzw. Ersttags-Faltkarten sehr günstig an, so dass ich viele dieser Ersttagsstempel kaufen konnte.



Der 42-te Geburtstag König Mahendras am 29.02.2018 VS = 11.06.1961 AD

Wie bei diesem Beispiel wird bei Ersttagsstempeln das Datum fast immer nach dem Vikram Sambat und zusätzlich nach unserem Kalender angegeben. Man kann die Daten also gut erkennen.

Ein Vergleich der Stempeldaten in Nepal ist jedoch dadurch nicht ganz einfach, dass die nepalesischen Zahlen zum Teil sehr unterschiedlich geschrieben werden. Die folgende Tabelle enthält nur Zahlen, die ich aus Stempeln herauskopiert habe. Vor allem die Zahl „9“ kann sehr unterschiedlich geschrieben werden.



Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 19.12.2016 18:07:30 Gelesen: 109155# 85 @  
Hallo zusammen,

wie schon angekündigt kann man in Nepal das Schaltjahr philatelistisch durch Briefmarken und ihre Ersttagsstempel dokumentieren. Hier ist die ersten Viererserie zum Geburtstag König Mahendras:



Leider hatte gerade der Stempel im Schaltjahr nur das Datum nach unserer Zeitrechnung.



Normalerweise entspricht der 11.06. A.D. immer dem 29.02. V.S. Alle vier Jahre ist es aber der 28.02. V.S. Somit gibt es auch in Nepal alle vier Jahre ein Schaltjahr.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 27.12.2016 18:54:41 Gelesen: 108769# 86 @  
Hallo zusammen,

heute ein weiterer Beitrag zum Schaltjahr in Nepal. Diesmal mit Ersttagsstempeln zum Geburtstag König Birendras am 28. Dezember:



Auch hier ist erkennbar, dass alle 4 Jahre ein Schaltjahr ist. Allerdings fällt auf, dass im Gegensatz zum letzten Beitrag die Jahreszahlen der Schaltjahre diesmal nicht durch 4 teilbar sind. Es liegt daran, dass zwischen dem 28.02.VS und dem 13.09.VS der Jahreswechsel liegt. Wann das Schaltjahr wirklich ist, lässt sich so nicht feststellen.

Wenn man die Stempel vergleicht, so sieht man, dass das nepalesische Datum sehr unterschiedlich angegeben wird. Die Jahreszahl (drei- oder vierstellig) bzw. der Tag stehen manchmal rechts, manchmal links. Der Monat wird entweder als Zahl oder als Wort angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.01.2017 10:14:41 Gelesen: 108435# 87 @  
Hallo zusammen,

beim nepalesischen Kalender fand ich zunächst keine Internetseite, mit deren Hilfe ich den nepalesischen Kalender in unseren Kalender umrechnen kann. Ich kannte aber die Marke mit dem nepalesischen Neujahr am 1.1.2022 VS = 13.4.1965 AD [#81]. Außerdem habe ich bei Wikipedia unter dem Thema "Vikram Sambat" folgende Tabelle gefunden:



Um weitere Stempeldaten bestimmen zu können, erstellte ich aufgrund der angegebenen Monatslängen eine Umrechnungstabelle vom nepalesischen zu unserem Datum. Da viele Ersttagsstempel in Nepal das Datum sowohl nach dem Vikram Sambat als auch nach unserem Kalender angeben ließ sich leicht überprüfen, ob meine Umrechnungstabelle richtig war. Sie versagte aber schon bei einem der ersten Ersttagsstempel.

Es hat lange gedauert, bis ich die Lösung gefunden hatte. Ich hatte die Idee, mir das Kapitel Vikram Sambat bei Wikipedia einmal in der nepalesischen Schrift anzusehen. Ich kann sie zwar nicht lesen, es gibt jedoch den Google Übersetzer. Hier sah die Monatstabelle folgendermaßen aus:



Damit man es besser verstehen kann, habe ich die Überschriften und die Anzahl der Tage in unserer Schrift ergänzt. Die Tabelle beim deutschen Wikipedia ist also falsch, denn die Anzahl der Tage kann bei jedem Monat unterschiedlich sein. Damit war natürlich auch meine Umrechnungstabelle hinfällig.



Mit Hilfe dieser Tabelle konnte ich zum Beispiel erkennen, dass dieser Stempel aus dem zweiten Monat जेठ = Jesth (Mai/Juni) stammt.

Soviel für heute, viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.01.2017 18:43:42 Gelesen: 107989# 88 @  
Hallo zusammen,

im letzten Beitrag habe ich Euch meine Probleme mit dem nepalesischen Kalender geschildert. Später fand ich auch noch die umfangreichen und ausgezeichneten Internetseiten von Bernhard Peter zu verschiedenen Kalendersystemen aus Asien. Der Vikram Sambat wird auf dieser Seite beschrieben: http://www.kultur-in-asien.de/Kalender/seite206.htm. Dabei ist auch eine Liste der Monatslängen aus den Jahren 2056 – 2060 VS (1999/2000 – 2003/2004 AD). Nach einer bestimmten Monatswechsel-Regel wird der Anfang eines neuen Monats astronomisch festgestellt.

Schließlich fand ich zwei Seiten, mit Hilfe derer man für jeden Tag seit 1936 das nepalesische Datum in unser Datum umrechnen kann. Die Links sind: http://nepalicalendar.rat32.com/index.php bzw. http://www.ashesh.com.np/nepali-date-converter.php.

Mit Hilfe dieser Seite konnte ich die folgenden Monatslängen und die Schaltjahre bestimmen. Das Ergebnis ist:



Jetzt ist es natürlich auch leicht möglich, nepalesische Stempeldaten zu lesen und zu in unseren Kalender zu übertragen.





Beim Stempeldatum ist die Jahreszahl dreistellig angegeben, die letzte Ziffer ist aber nicht erkennbar. Der Brief stammt nach der Angabe auf der Rückseite aus dem Jahr 1962. Der Stempel kommt aus dem 2. Monat des nepalesischen Jahres जेठ = Jesth.
Das Stempeldatum nach dem Vikram Sambat ist: 2019 जेठ 30 = 12.06.1962 AD
Aus welchem Ort der Stempel kommt bzw. was im Stempel steht habe ich dagegen bisher nicht herausbekommen.

Viele Grüße
Volkmar
 
EdgarR Am: 15.01.2017 17:12:13 Gelesen: 107942# 89 @  
Ich hätte auch noch etwas beizutragen:

im Iran rechnet man

1.) NICHT im "Standard!-islamischen Kalender (gemäß dem der heutige 15. Januar 2017 gregorianischer Zeitrechnung der 16. 4. 1438 = 16. Rabi II 1438 wäre)

2.) aber offensichtlich auch noch in nicht nur landeseigener Zeitrechnung sondern auch noch in verschiedenen Systemen.

Nach dem Kalenderrechner http://www.nabkal.de/kalrechiran.html wäre der heutige 15. Jan. 2017 je nach Gusto der 26. Dei 1395 (neuer iranischer Zeitrechnung), oder der 26. Dei 2575 ("schahi"-Zeitrechnung), oder der 2. Bahman 938 ("dschelali"-Zeitrechnung), oder ...

Viel Süpaß beim Weiterforschen!
EdgarR
 
EdgarR Am: 15.01.2017 17:31:40 Gelesen: 107940# 90 @  
@ EdgarR [#89]

Und hier gleich die praktische Anwendung:

Dieser Postfreistempel aus Teheran



gibt als Datum den "15.2.93" an.

In Langfassung wäre das also der 15. 02. 1393 oder "15. Ordibehescht 1393" der neuen iranischen Zeitrechnung.

Hey presto! Der schlaue Kalenderrechner macht daraus den 5. Mai 2014 gregorianischer Zeitrechnung. Easy - wenn man weiß, wie.

Aber die iranische Post hat auch noch einen kundenfreundlichen Service für die Briefe, die in den internationalen Postaustausch gehen: Sie schlägt besondere Handstempel ab, die die im Ausland ja wirklich wenig geläufige(n) iranische(n) Kalenderdaten in die entsprechenden gregorianischen Kalenderangaben umsetzten:



Sehr löblich!
 
volkimal Am: 15.01.2017 20:43:57 Gelesen: 107924# 91 @  
@ EdgarR [#90]

Hallo EdgarR,

schön, dass Du auch einmal etwas zu diesem Thema beiträgst.

Die verschiedenen Kalender im arabischen Bereich werde ich auch irgendwann vorstellen. Dein Link wird mir dabei bestimmt helfen - sehr schön!

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 24.01.2017 21:10:32 Gelesen: 107588# 92 @  
Hallo zusammen,

viele Stempel in Nepal werden sehr undeutlich abgeschlagen, so dass eine Bestimmung des Datums oft unmöglich ist. Bei diesem Brief ist zumindest einiges zu entziffern:



Ich kann die Schrift nicht lesen, aber der Brief ist entweder innerhalb Nepals oder nach Indien gegangen. Er trägt drei Stempel. Zu den Monaten siehe Tabelle im Beitrag [#87], Der Link für den Datumsrechner ist

http://nepalicalendar.rat32.com/index.php bzw. http://www.ashesh.com.np/nepali-date-converter.php. :



Stempel mit europäischem Datum vom General Post Office (G.P.O.) in Kathmandu vom Juni 1963.



Der Ort ist unleserlich. Von der Jahreszahl 2020 sind nur drei Ziffern angegeben:

Das Datum ist 020 असार 3 o. 6 (?). असार = 3. Monat = Ashad. Damit stammt der Stempel entweder vom 17. oder 20.06.1963 AD.



Auch hier kann ich den Ort nicht erkennen. Das Datum ist 2020 आषाड 14. आषाड = 3. Monat (anderer Name). Der Stempel ist also vom 28.06.1963 AD.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.02.2017 11:45:24 Gelesen: 107279# 93 @  
Hallo zusammen,

ein weiterer "Brief" aus Nepal:



Obwohl dieser „Zettel“ vermutlich innerhalb Nepals befördert wurde, tragen alle drei Stempel das europäische Datum. Ob es daran liegt, dass die Orte im Südosten Nepals an der Grenze zu Indien liegen weiß ich nicht.



Die Stempel kommen aus:
Inarwa (Nepali: इनर्वा ) 08.03.1966
Itahari (Nepali: इटहरी ) 09.03.1966
evtl. Biratnagar ( Nepali: विराटनगर ) 11.03.1966

Der erste Stempel ist ein Einschreibstempel. Ob der Zettel wirklich als Einschreiben verschickt wurde, kann ich nicht sagen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.02.2017 15:10:18 Gelesen: 107060# 94 @  
Hallo zusammen,

zum Abschluss noch zwei Belege aus Nepal mit dem nepalesischen Datum:





Der Aufgabestempel ist leider kaum zu erkennen. Dafür ist das Datum beim Ankunfts- oder Beförderungsstempel gut zu lesen. Den Ort habe ich allerdings bisher nicht herausbekommen.
Der Stempel ist vom 2017 चैत्र 7 = 07.12.2017 VS = 20.03.1961 AD. Das Datum nach unserer Zeitrechnung habe ich wieder mit Hilfe des Umrechners ermittelt (siehe [#88]).





Bei diesem Stempel fehlt die Jahreszahl. Daher ist das exakte Datum nicht zu bestimmen. Unten steht das Land नेपाल = Nepal. Auch hier weiß ich den Ort bisher noch nicht. Der Brief wurde aufgegeben am आश्विन 6 = 06.06. VS = 22.09. im Schaltjahr 23.09.

Mit diesem Beitrag möchte ich den Nepalesischen Kalender beenden.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.02.2017 17:01:41 Gelesen: 106671# 95 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich mit einem neuen Kalender beginnen:

Der jüdische Kalender (Hebräische Kalender)

Der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender. Das Jahr hat 12 Monate, die sich nach den Mondphasen richten. Neben den Normaljahren mit 12 Mondmonaten (ordentlich 354 Tage lang) gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten (ordentlich 384 Tage lang) zur Angleichung an das Sonnenjahr. Mehr dazu später.

Heute möchte ich erst einmal zeigen, wie das jüdische Datum in den Stempeln angegeben wird. In Israel ist in fast alle Stempeln das Datum sowohl nach dem jüdischen Kalender (in hebräischer Schrift) als auch nach unserem Kalender angegeben. Hier das erste Beispiel. Den Brief hat mein Cousin aus Metula mitgebracht hat, wo er einige Zeit in einem Kibbuz gearbeitet hat:



Die Texte in den israelischen Stempeln sind in der Regel dreisprachig und in drei Schriften angegeben – in Hebräisch, Englisch und Arabisch.
In der Mitte steht das Datum zunächst in Hebräisch (von rechts nach links zu lesen). Darunter ist das Datum nach unserer Zeitrechnung.

Nach dem Datumsumrechner http://calendarhome.com/calculate/convert-a-date/ ist der 02.09.1977 (AD) = 19 Elul 5737 (AM) = זילשת לולא טי (von rechts nach links lesen).

Wie ist das Datum nun zu lesen. Hier die hebräischen Zahlen:



Von der Jahreszahl 5737 wird die 5000 einfach weggelassen.

737 = 400 + 300 + 30 + 7 = ת + ש + ל + ז (von rechts nach links). Zwischen der Einer- und Zehnerzahl ist noch ein Strich.

Der Monat wir ausgeschrieben Elul = לולא (von rechts nach links zu lesen).
Der Tag 19 = 10 + 9 = י + ט. 

Soweit eine kurze Einführung, wie das jüdische Datum zu lesen ist.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.03.2017 17:28:56 Gelesen: 106210# 96 @  
Hallo zusammen,

in Israel ist bis auf wenige Ausnahmen der Ortsname im Stempel in den drei Schriften Lateinisch, Hebräisch und Arabisch angegeben. Als Sprache entspricht dieses Englisch, Hebräisch bzw. Arabisch. Das Datum ist bei allen Stempelarten so gut wie immer nach dem jüdischen Kalender und nach unserem Kalender angegeben. Hier verschiedene Beispiele:



Tagesstempel aus Netanya ( נתניה bzw. نتانيا )
Stempeldatum: 19.05.1958 (AD) = 29 Iyyar 5718 (AM) = כט אייר תשיח
Die hebräischen Zeichen sind von rechts nach links zu lesen.



Tagesstempel aus Tel Aviv Yafo ( תל אביב יפו bzw. تل أبيب يافا )
Stempeldatum: 18.08.1957 (AD) = 21 Aw 5717 (AM) = בא בא תשיז
Bei der Jahreszahl 5717 wird die 5000 wieder weggelassen.
Die Zeichen im Stempel sind: ת + ש + י + ז = 400 + 300 + 10 + 7 = 517

Beim jüdischen Kalender ist “AM” ist die Abkürzung für „Annus Mundi“. Das bedeutet Weltjahr bzw. seit Erschaffung der Welt.

Zum besseren Verständnis für die hebräische Monatsangabe im Stempel hier noch eine Tabelle der jüdischen Monatsnamen.



Schiffspoststempel der SS Kedmah ( א/ק המדק bzw. من سطح السفينة )
Datum: 24.10.1949 = 1 Cheschwan 5710 = א ןוושח תשי
Links die Abbildung der SS Kedah. Weitere Informationen zum Schiff:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:S.S._Kedmah1951.jpg

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.03.2017 15:10:14 Gelesen: 105469# 97 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit den Maschinenstempeln:



Brief der israelischen Streitkräfte. Die 2328 im Dreieckstempel ist die Nummer der Armee-Einheit.

Der Brief trägt einen normalen Maschinenstempel aus Haifa, der drittgrößten Stadt Israels. In den israelischen Maschinenstempeln ist das jüdische Datum zweizeilig angegeben. Oben links steht der Monat, daunter Tag und Jahr. Oben rechts sind ein oder zwei Zeichen, deren Bedeutung ich nicht kenne. Da alle Zahlzeichen gleichzeitig auch Buchstaben sind, kann ich auch nicht sagen, ob es sich um Zahlen oder Buchstaben handelt.



jüdisches Datum:

Monat: אדר = Adar, Tag : ב = 2,
טיכשת (Jahr) = 400 + 300 + 20 + 9 = 729 => 5729
Insgesamt ergibt sich 2 Adar 5729 (AM) = 20.02.1969 (AD)
Unten im Stempel ist, wie bei Maschinenstempeln üblich, eine römische Zahl – hier die VII.

Zusätzliche Stempel auf dem Brief:



םוד ההצלחה שחירת םוד = Das Geheimnis des Erfolgs Vertraulichkeit
בשרות פעיל = Der aktive Dienst

Diese Übersetzungen kommen vom Google-Übersetzer.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 09.04.2017 19:12:17 Gelesen: 104534# 98 @  
Hallo zusammen,

normalerweise werden die Zahlen in der hebräischen Schrift immer aus den höchsten möglichen Zahlen zusammengesetzt. Es gibt aber zwei Ausnahmen: Die Endziffern 15 und 16 werden grundsätzlich nicht als יה und יו für 10 + 5 und 10 + 6, sondern als טו und טז für 9 + 6 und 9 + 7 dargestellt, um Ähnlichkeiten mit dem Namen Gottes יהוה zu vermeiden.



Stempel aus Hurfeish einem Ort im Norden Israels vom 22.07.1986 (AD) = 15 Tammus 5746 (AM). Die 5746 ist wie üblich als 746 = 400 + 300 + 40 + 6 = ת + ש + מ + ו geschrieben (von rechts nach links zu lesen). Tammus = תמוז. Die 15 ist wie man gut sehen kann als 9 + 6 = ט + ו angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 14.04.2017 10:32:04 Gelesen: 104177# 99 @  
Hallo zusammen,



Einschreibebrief aus Nahariyya im Norden Israels vom 22.07.1959 (AD) = 16 Tammus 5719 (AM) nach Haarlem in den Niederlanden. Auf der Rückseite ein weiterer Stempel aus Haifa vom selben Tag.





Damit zeigen diese Stempel die zweite Ausnahme bei den Zahlen: 16 = 9 + 7 = ט + ז = טז anstelle von 10 + 6 = י + ו = יו. Die Stempel sind aber nicht sauber abgeschlagen und die 7 = ז innerhalb der 16 ist kaum von einer 6 = ו zu unterscheiden.



Bei diesem Ersttagsstempel vom Flughafen Ben Gurion ist die 16 = טז besser zu erkennen. Früher hatte der Flughafen, wie auf diesem Stempel, den Namen תעופה שדה לוד = Lod Flughafen (nach der benachbarten Stadt Lod).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 23.04.2017 13:59:21 Gelesen: 103515# 100 @  
Hallo zusammen,

Bei allen israelischen Stempelarten wird das Datum nach dem jüdischen Kalender (AM) und nach unserem Kalender (AD) angegeben. Die einzige Ausnahme sind die Post- und Absenderfreistempel.



Bei diesen Stempeln gibt es nur das Datum nur nach unserem Kalender. Weshalb das so ist, weiß ich nicht. Wenn man die israelischen Stempel auf der Seite mit den internationalen Freistempeln ansieht, so stellt man fest, dass das von Anfang an so war: https://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog/Israel

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.04.2017 10:27:22 Gelesen: 103185# 101 @  
Hallo zusammen,

wie schon erwähnt, ist der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender. Das Jahr hat 12 Monate, die sich nach den Mondphasen richten und 29 oder 30 Tage lang sind. Damit hat ein Jahr ca. 354 Tage. Damit sich der jüdische Kalender gegenüber dem Sonnenjahr (unser Kalender) nicht ständig verschiebt, gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten. Diese haben ca. 384 Tage.



Das Normaljahr und das Schaltjahr kann man im Stempel nur an der Monatsbezeichnung Adar (Normaljahr) oder Adar I bzw. II (Schaltjahr) erkennen. Hier die entsprechenden Beispiele:

Normaljahr: אדר = Adar



Schaltjahr - Adar I und Adar II:



In einem Zyklus von 19 Jahren wird die Differenz zwischen Mondjahr und Sonnenjahr durch Schaltmonate ausgeglichen. Der Schaltmonat wird in den Jahren 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19 innerhalb eines 19-Jahres-Zyklus geschaltet. Geschaltet wird immer dann, wenn die Differenz zwischen Sonnen- und Mondkalender am Jahresende mehr als einen Monat betragen würde, wobei von der Mitte des Zyklus ausgegangen wird.

So entstehen zwölf Gemeinjahre mit je zwölf Monaten und sieben Schaltjahre mit je 13 Monaten, die alle aufgrund von Schalttagen wiederum „regulär“, „übermäßig“ oder „vermindert“ sein können. Dadurch wird der Kalender so angepasst, dass er sich zum Lauf der Sonne und den Jahreszeiten nur geringfügig ändert.

Die Schalttage liegen entweder im Monat Cheschwan oder Kislew. Diese beiden Monate können entweder 29 oder durch einen Schalttag 30 Tage haben. Gibt es keinen Schalttag, so ist es ein vermindertes Jahr, gibt es zwei Schalttage, so ist es ein übermäßiges Jahr. Wenn das Jahr einen Schalttag hat, so ist es ein reguläres Jahr.



Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 14.05.2017 17:54:31 Gelesen: 102549# 102 @  
Hallo zusammen,

das jüdische neue Jahr (mit der jeweils nächsthöheren Jahreszahl) beginnt im Herbst mit dem ersten Tag des siebten Monats Tischri, der Rosch ha-Schana („Haupt des Jahres“) genannt wird. Dieser Tag kann nur auf einen Montag, Dienstag, Donnerstag oder Sonnabend fallen.

Als erster Monat des Jahres wird hingegen der Frühlingsmonat Nisan nach biblischer Tradition mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten nummeriert. Nach Meinung von Historikern geht diese ungewöhnliche Anordnung auf die Übernahme der babylonischen Monatsnamen durch die Israeliten zurück.



Briefmarken zum jüdischen Neujahrsfest 5721 AM = 1961 AD. Die Briefmarken zum jüdischen Neujahrsfest erscheinen in Israel immer kurz vor Ende des Jahres im Monat לולא = Elul. In diesem Fall am 9. Elul 5721 (AM) = 21.08.1961 (AD). Den Stempel auf der Rückseite kann man besser erkennen. Er kommt also aus dem sechsten Monat, dem letzten Monat vor dem Wechsel der Jahreszahl am 1. Tischri (1. תשרי).



Stempel vom ersten Monat des Jahres, dem Nisan = ניסן.

Mit diesem Beitrag beende ich den jüdischen Kalender.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.05.2017 14:40:11 Gelesen: 101866# 103 @  
Hallo zusammen,

ich möchte mit diesem Beitrag beginnen, Kalender vorzustellen, bei denen im Stempel arabische Zahlen vorkommen. Deshalb als erstes die entsprechende Tabelle:



Der Rumi-Kalender (Osmanisches Reich bzw. Türkei)

Der Rumi-Kalender ist ein auf dem julianischen Kalender basierender Sonnenkalender. Er wurde während der Tanzimat-Periode eingeführt und war von 1840 bis 1926 im Osmanischen Reich sowie der Republik Türkei gültig. Zur Geschichte des Rumi-Kalenders kann man einiges bei Wikipedia nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Rumi-Kalender

Bei vielen Stempeln des osmanischen Reiches ist das Datum nach dem Rumi-Kalender in arabischen Zahlen und zusätzlich unser Datum in lateinischen Zahlen angegeben. Hier das erste Beispiel. Die Postkarte (P37) kommt aus Brousse = Bursa, der viertgrößten Stadt der Türkei:





Als Stempeldaten sind angegeben:

22 – 12 - 12 = 22.12.1912 (christlicher Kalender)
٩ - ١٠ - ٢٨ = 28 - 10 - 9 = 09.10.1328 (Rumi-Kalender)

Obwohl der Rumi-Kalender auf dem julianischen Kalender beruht, ist im Stempel das Datum nach dem gregorianischen Kalender angegeben. Auf der Rückseite wurde mit einem Gummistempel das Datum 27. 12.1912 abgeschlagen. Das muss das Ankunftsdatum der Karte in Berlin oder das Datum der Antwort sein.
An diesem Datum erkennt man leicht, dass das Datum im Stempel nur der gregorianische Kalender sein kann. Der 22.12.1912 (jul.) wäre der 04.01.1913 (greg.). Dann könnte die Karte aber am 27.12. noch nicht in Berlin gewesen sein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.06.2017 16:26:44 Gelesen: 101268# 104 @  
Hallo zusammen,

wie ich schrieb, basiert der Rumi-Kalender auf dem julianischen Kalender. Auf der englischen Wikipedia-Seite findet man die Umrechnung:

Zwischen dem 14. März 1900 und dem 28. Februar 1917 muss man 13 Tage und 584 Jahre vom Gregorianischen Kalender abziehen, um das Datum nach dem Rumi-Kalender zu erhalten. Davor waren es 12 Tage und 584 Jahre. Der Unterschied von 13 bzw. 12 Tagen entspricht dem Unterschied zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender. Die Geschichte des Kalenders ist recht kompliziert. Wieso der Unterschied gerade 584 Jahre beträgt, habe ich selbst nicht verstanden.



Ich nehme noch einmal den Stempel vom letzten Beitrag. Als Stempeldaten ist der 22.12.1912 angegeben:

Wenn man von diesem Datum 13 Tage und 584 Jahre abzieht, so erhält man den 09.12.1328. Das passt nicht zum Stempeldatum vom ٢٨ - ١٠ - ٩ = 09.10.1328. Die Ursache liegt darin, dass beim Rumi-Kalender der Jahreswechsel zwischen dem Februar und April ist. Dadurch werden die Monate im Rumi-Kalender anders gezählt. Hierzu die folgende Tabelle:



Bei der Umrechnung der Daten darf man also nicht von dem Monat in Form einer Zahl ausgehen, sondern man muss den Namen des Monats verwenden:
22. Dezember 1912 minus 13 Tage und 584 Jahre = 9. Dezember 1328. Nach der Zählung im Rumi-Kalender ist das, wie im Stempel angegeben, der 09.10.1328.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 14.06.2017 19:20:04 Gelesen: 100557# 105 @  
Hallo zusammen,

es gibt zwar viele Stempel im osmanischen Reich, bei denen das Datum sowohl nach dem Rumi-Kalender als auch nach unserem Kalender angegeben ist. Gelegentlich findet man aber Stempel, die nur das Datum nach dem Rumi-Kalender enthalten. Auf dieser Postkarte (Michel P 42) sieht man gleich drei dieser Stempel:



Alle drei Stempel stammen vom selben Tag. Nur die Uhrzeit und der Ort sind unterschiedlich.

Als Datum ist jeweils angegeben: ٣٣٠ - ٢ – ٧ = 7 - 2 - 330 = 07.02.1330 (Rumi-Kalender).

Beim rechten Stempel ist die Jahreszahl nur zweistellig als ٣٠ = 30 angegeben.





Die Umrechnung zu unserem Kalender geschieht entsprechend des letzten Beitrages folgendermaßen:

Zur Jahreszahl nach dem Rumi-Kalender müssen 584 Jahre addiert werden: 1330 + 584 = 1914.

Beim Monat geht man am besten vom Namen aus. Der 2. Monat nach dem Rumi-Kalender ist der April (Tabelle im letzten Beitrag).

Zum Tag nach dem Rumi-Kalender muss man noch 13 Tage addieren: 7 + 13 = 20. Die drei Stempel sind also vom 20.04.1914 (AD).

Die arabischen Schriftzeichen in den Stempeln entsprechen den persischen Schriftzeichen.

1. Stempel: Fatih (فاتح) Uhrzeit: 5 – 6
2. Stempel: oben: ??? unten: Istanbul (استانبول) Uhrzeit: 6 – 5
3. Stempel: Eyoub-Sultan (ایوب سلطان) Uhrzeit: 7 – 8

Das Zeichen links neben der Uhrzeit habe ich bisher nicht herausbekommen. Es dürfte aber vermutlich unserem Vormittag oder Nachmittag in den 12 Stunden Stempeln entsprechen. Fatih und Eyoub = Eyüp sind heute Stadtteile Istanbuls auf der europäischen Seite.

Links neben der Marke befindet sich noch ein kleiner Kreisstempel mit der Nummer ١١٨ = 118:



Um was für eine Art von Stempel es sich hierbei handelt kann ich nicht sagen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 09.07.2017 16:21:19 Gelesen: 99182# 106 @  
Hallo zusammen,

noch ein paar Beispiele zum Rumi-Kalender. Mein frühester Stempel ist dieser:



In arabischen Ziffern erkennt man die Jahreszahl: ٣١٤ = 314 = 1314 (Rumi). 1314 + 584 = 1898 (AD).

Als Tag ist angegeben die ٣ = 3. Bis zum 13. März 1900 musste man 12 Tage zum Rumi-Tag addieren: 3 + 12 = 15.

Den Monat erkennt als Abkürzung NOV, also November nach unserem Datum.
Im Arabischen ist November تشرين ثاني = im Rumi-Kalender „Teşrin-i Sânî”

Der Stempel kommt also vom 15.11.1898 (AD) = 3. Teşrin-i Sânî 1314 = 03.09.1314 (Rumi)



Im Stempel kann ich nur drei Zeichen der Jahreszahl lesen: ١٣٣ = 133. Die vierte Zahl ist nicht zu erkennen.

Briefmarken Mi. 229, 230 (1914) und Mi. 625, 626 (1917) => es können nur sein:
Arabisches Zahlen: ١٣٣٣ = 1333 Rumi = 1917 (AD) oder ١٣٣٤ = 1334 Rumi = 1918 (AD).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.07.2017 11:37:02 Gelesen: 98522# 107 @  
Hallo zusammen,

ein letztes Beispiel zur ersten Phase (bis 1917) des Rumi-Kalenders:





Wo die Postkarte aufgegeben wurde kann ich nicht sagen. Diesmal ist die Jahrezahl im Tagesstempel vierstellig. Dafür fehlt diesmal die Uhrzeit.
Arabisches Zahlen: ٢٤ - ٤ - ١٣٢٧ = 1327 - 4 - 24
1327 + 584 = 1911. Der vierte Monat im Rumi-Kalender ist der Juni. Wenn man vom 24. Juni dreizehn Tage weiterzählt kommt man auf das Datum 07.07.1911 (AD).

Dieses Datum zeigt der Stempel unten links vom Palais impérial = königlicher Palast (vermutlich Istanbul). Es ist wahrscheinlich der Dolmabahçe-Palast (Residenz des Sultans) oder der Topkapı-Palast (Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.07.2017 08:35:45 Gelesen: 98056# 108 @  
Hallo zusammen,

Ab dem 1. März 1917 ist es erheblich leichter, Stempeldaten nach dem Rumi-Kalender zu übersetzen. Bis auf das Jahr hat man den gregorianischen Kalender übernommen. Auf den 15. Februar 1332 (julianische Hidschra-Zählung) folgte durch Auslassung von 13 Tagen der 1. März 1333 (1917). Weiterhin verlegte man den Jahresanfang auf den 1. Januar. Somit verliefen von da an die Jahre beider Kalender mit einer Differenz von 584 Jahren vollständig parallel.



Diese türkische Auslandspostkarte Michel P 47 geht an den Leipziger Briefmarkenhändler Albert Friedemann.





Arabisches Zahlen: ١٨ - ١١ - ٣٣ = 1333 - 11 - 18

Zur Umrechnung auf unser Datum muss man nur noch 584 Jahre addieren. 1333 + 584 = 1917. Tag und Monat stimmen überein. Die Postkarte aus Pera wurde am 18.11.1917 aufgegeben.

Pera ist der griechische Name von Teilen des heutigen Istanbuler Stadtteils Beyoğlu. Oberhalb bzw. unterhalb des Steges trägt der Stempel die Zahlen ٧ bzw. 7. Entweder ist es die Postamtsnummer oder ein Unterscheidungszeichen. Wie der arabische Ortsname genau lautet weiß ich nicht. Pera hießt auf Persisch روی. Diese Zeichen sieht man unten im Namen.

Da die Karte ins Ausland ging, bekam sie den zusätzlichen Départ-Stempel. Aus welchem Ort er stammt ist nicht zu erkennen. Als Datum ist schwach zu erkennen 18 NOV. 917. Der Doppelrechteckstempel ist vermutlich ein türkischer Zensurstempel.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.08.2017 09:19:34 Gelesen: 97536# 109 @  
Hallo zusammen,

diese Karte wurde zwar auch ins Ausland verschickt, das Datum im Stempel ist aber nur nach dem Rumi-Kalender. Der zweite Stempel (Depart) und der Zensurstempel (?) sind nicht zu erkennen.



Arabisches Zahlen: ٢٨ - ١ - ٣٤ = 34 - 1 - 28 = 1334 - 1 – 28. Statt des europäischen Datums ist diesmal die Uhrzeit ١١-١٢ = 12-11 angegeben. Die Postamtsnummer oder Unterscheidungszeichen sind diesmal die ٨ = 8.
Zur Umrechnung des Datums: Als Jahr ergibt sich 1334 + 584 = 1918 (AD). Damit kommt der Stempel aus der Zeit nach der Umstellung vom Rumi-Kalender auf den gregorianischen Kalender am 1. März 1917. Tag und Monat stimmen also mit unserem Datum überein. Die Postkarte wurde am 28.01.1918 in Pera aufgegeben.

Zum Text der Karte siehe http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=159033

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 17.08.2017 18:54:29 Gelesen: 96627# 110 @  
Hallo zusammen,

mit diesem Beitrag schließe ich den Rumi-Kalender ab. Im Rahmen der Reform von Atatürk wurde der Rumi-Kalender durch einen Gesetz vom 26. Dezember 1341 AH (1925 n.Chr.) aufgegeben. Anfang 1926 führte man den gregorianischen Kalender als sogenannten „Internationalen Kalender“ ein. Dabei wurden die Monatsnamen des Rumi-Kalenders übernommen. Anfang 1945 wurden anstelle der Monatsnamen des Rumi-Kalenders die türkischen Monatsnamen übernommen.



Bei diesem Brief vom 04.04.1927 wurde noch der alte Stempel mit doppeltem Datum abgeschlagen.



Arabisches Zahlen: ٤ - ٤ - ٢٧ = 27 - 4 - 4 = 1927 - 4 – 4. In dem Fall wurde also auch bei den arabischen Zahlen das Datum nach dem gregorianische Kalender angegeben.

Absender des Einschreibebriefes ist die „Banco di Roma“. Leider ist für mich keine Ortsangabe erkennbar. Die Bank hatte aber auf jeden Fall in Istanbul und Izmir eine Filiale. Diese Art des Einschreibestempels wurde zumindest in Istanbul verwendet. Oben steht UPU, darunter Turqui (= französisch Türkei). Ein Ort ist nicht angegeben. Frankiert wurde der Brief mit 5 Freimarken der Serie von 1926. Insgesamt sind es 28 ½ Ghrusch. Die Marke links unten ist eine Zwangszuschlagsmarke zu 2 ½ Ghrusch zugunsten des Roten Halbmondes.

Ich habe lange nach einen Umrechner vom Rumi-Kalender zum gregorianischen Kalender im Internet gesucht. Die folgende Seite habe ich erst gefunden, nachdem ich auf die Idee kam, die Suchbegriffe Rumi-Kalender und Umrechner auf Türkisch eingegeben. http://www.ttk.gov.tr/genel/tarih-cevirme-kilavuzu/ Jetzt kann man jedes Stempeldatum nach dem Rumi-Kalender sehr leicht bestimmen. Man muss nur noch die arabischen Zahlen „übersetzen“.
 
volkimal Am: 08.09.2017 14:30:38 Gelesen: 95239# 111 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich mit dem zweiten Kalender aus dem arabischen Bereich beginnen:

Der Iranische Kalender (Persische Kalender)

Der Iranische Kalender bzw. Persische Kalender wird in der heutigen Form seit dem 31. März 1925 auf Beschluss des iranischen Parlaments als amtlicher Kalender im Iran verwendet. In der Folge wurde er auch in Afghanistan eingeführt. Der iranische Kalender beruht auf dem Umlauf der Erde um die Sonne. Es handelt sich also um einen Sonnenkalender. Das Jahr ist ein Sonnenjahr mit einer festen Länge von 365 Tagen, in Schaltjahren 366 Tagen, und besteht aus 12 Monaten zu 31, 30 oder 29 Tagen.



Wenn man das iranische Datum 19.02.1389 und unser Datum 09.06.2010 vergleicht, so sieht man sofort, dass der Jahreswechsel im Iran nicht mit unserem Jahreswechsel übereinstimmen kann. Beim Iranischen Kalender ist der Jahresbeginn immer die Frühlingstagundnachtgleiche (20. oder 21. März nach unserer Zeitrechnung).



Besonders auffällig ist natürlich die Jahreszahl 1389. Die Zeitrechnung des iranischen Kalenders beginnt mit der Auswanderung (Flucht bzw. Hidschra) des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina. Somit dauert zum Beispiel das Jahr 1396 vom 21. März 2017 bis 20. März 2018 laut iranischem Kalender. Für Daten zwischen dem 1. Januar und dem 20. März müssen 622 Jahre, für Daten zwischen dem 21. März und dem 31. Dezember 621 Jahre von der westlichen Zeitrechnung abgezogen werden.

Eine Liste Anfangs- und Enddaten der Jahre 1354 (1975/76) bis 1419 (2040/41) findet man auf der Seite https://en.wikipedia.org/wiki/Iranian_calendars

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 24.09.2017 12:13:27 Gelesen: 94335# 112 @  
Hallo zusammen,

beim Rumi-Kalender habe ich schon die Zahlen vorgestellt, die in arabischen Ländern verwendet werden. Dabei habe ich mich allerdings falsch ausgedrückt. Wir in Europa verwenden arabische Ziffern. In arabischen Ländern werden dagegen indische Ziffern benutzt. Dabei ist noch zwischen Arabien und Ostarabien zu unterscheiden. Der Iran gehört zu Ostarabien.



Es unterscheiden sich allerdings nur die Ziffern 4, 5 und 6. Im Iran werden in der Regel die ostarabisch-indischen Ziffern verwendet. Wie man bei den Stempeln dieses Briefes sieht, kommen im Iran daneben aber auch die arabisch-indischen Ziffern vor.



Bei diesen beiden Stempeln sieht man alle drei Ziffern, bei denen es einen Unterschied gibt. Besonders deutlich ist es bei den beiden letzten Ziffern der Jahreszahl 64 = ۶۴ = ٦٤. Beim Monat ist die dritte unterschiedliche Ziffer die 5 = ۵ = ٥.



links ostarabisch-indische Ziffern: ۶۴-۰۵-۱۲ = 64.05.12 = 1364.05.12
rechts arabisch-indische Ziffern: ١٣٦٤-٥-١٣ = 1364.05.13

Die Jahreszahl nach unserem Datum lässt sich einfach berechnen: 1364 + 621 = 1985 AD. Zur Umrechnung des genauen Datums benutzt man am besten einen Umrechner aus dem Internet. Ich benutze vor allem diese beiden Seiten:

https://calendarhome.com/calculate/convert-a-date/ oder http://www.nabkal.de/kalrech2.html.

Die Zählung beim Iranischen Kalender wird als hidschri schamsi (Sonnen-Hidschra = SH) bezeichnet. Die Jahreszählung nach dem islamischen Mondkalender dagegen als hidschri qamari (Mond-Hidschra = AH) bezeichnet.

Man sieht, dass der Brief am 12.05.1364 SH = 03.08.1985 AD aufgegeben wurde. Der Maschinenstempel wurde am 13.05.1364 SH = 04.08.1985 AD abgeschlagen. Leider kann ich die arabische Schrift nicht lesen und weiß nicht, aus welchem Ort die Stempel kommen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 09.10.2017 13:05:23 Gelesen: 93359# 113 @  
Hallo zusammen,



Diese Briefmarke mit dem Bildnis vom Schah Mohammad Reza Pahlavi trägt einen sauber abgeschlagenen Bandstempel aus Teheran (تهران). Das Stempeldatum nach dem Iranischen Kalender ist ٣٩-١٠-٢٧ = 39-10-27 = 1339-10-27 HD. Der Kalender-Umrechner gibt als Datum nach dem gregorianischen Kalender den 17.01.1961 AD an.

Noch leichter ist das ganze bei Ersttagsstempeln, denn diese zeigen in der Regel das Datum sowohl nach dem Iranischen als auch nach unserem Kalender an. Man benötigt also keinen Umrechner. Hier ein Beispiel:



FDC zur Ausgabe Familienplanung vom 05.12.1972 AD. Oberhalb von unserem Datum steht der Tag nach dem Iranischen Kalender: ١٣۵١-۹-١۴ = 1351-9-14 HD. Wie bei den Ersttagsstempeln üblich, wird die Jahreszahl vierstellig angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
DL8AAM Am: 09.10.2017 15:22:00 Gelesen: 93337# 114 @  
@ volkimal [#105]

Das Zeichen links neben der Uhrzeit habe ich bisher nicht herausbekommen.

Das sieht mir wie das arabisch/persische Schriftzeichen ﺵ (Schin) in seiner isolierten Form aus, Lautwert "Sch" (wie in Schule). Das türkisch Wort für Vormittag lautet Sabah, nur ob das hier passen könnte, kann ich aber absolut nicht sagen.

Gruß
Thomas
 
volkimal Am: 12.10.2017 15:43:35 Gelesen: 93122# 115 @  
@ DL8AAM [#114]

Hallo Thomas,

da wirst Du recht haben. Das arabische Zeichen im Stempel sieht ganz genauso aus wie ﺵ . Jetzt fehlt nur noch jemand, der die Bedeutung in diesem Fall (bei der Uhrzeitangabe) erklären kann.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 20.10.2017 17:31:21 Gelesen: 92656# 116 @  
Hallo zusammen,

als nächstes möchte ich eine Stempelform vorstellen, die man gelegentlich im Iran findet – den Zweirechteckstempel. Die Stempel stammen von drei eingeschriebenen Luftpostbriefen aus Isfahan, die am selben Tag aufgegeben wurden:





Als Briefmarken wurden jeweils Michel Nr. 2000 und 2026 verwendet. Zusammen ergeben sich 105 Rial Porto für jeden Brief.





Das Stempeldatum nach dem iranischen Kalender ist ١٣٦٢-٦-٣١ = 1362-6-31 HD = 22.09.1983 AD. Leider sind die arabischen Texte im Stempel wieder einmal unsauber und für mich nicht zu entziffern.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.10.2017 18:21:35 Gelesen: 91939# 117 @  
Hallo zusammen,

in Sindelfingen fand ich diesen iranischen Brief mit den Datumsangaben nach unserem und dem iranischen Kalender in lateinischen Ziffern. Es ist der erste Beleg mit beiden Datumsangaben in lateinischen Ziffern, den ich gefunden habe. Besonders schön war für mich, dass beide Stempel sehr klar abgeschlagen sind.



Der Brief wurde am 11.06.1932 AD in Schiras aufgegeben. In Teheran ist er vier Tage später am 25.03.1311 HD = 15.06.1932 AD angekommen. Laut Leitvermerk soll er über Pahlavi, Baku, die UdSSR nach Berlin transportiert werden. Leider sind keine weiteren Beförderungsvermerke vorhanden. Den arabischen Text oben rechts kann ich nicht lesen.

Mit Pahlavi dürfte das heutige Bandar Anzali gemeint sein. Die Stadt am Kaspischen Meer hatte früher den Namen Bandar Pahlawi oder Bandar-e Pahlavī. Von dort aus könnte der Brief über Land oder per Schiff nach Baku gelangt sein. Die Entfernung von Schiras nach Teheran beträgt ca. 920 km. Von Teheran bis Pahlavi sind es ca. 365 km.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.11.2017 14:28:15 Gelesen: 91267# 118 @  
Hallo zusammen,

bei den Ersttagsstempeln im Iran ist das Datum häufig sowohl nach unserem Kalender als auch nach dem Iranischen Kalender angegeben. Daher kann ich eine Besonderheit des Iranischen Kalenders am besten mit mehreren Ersttagsstempeln zeigen.



Beim Stempel vom 26. Januar 1976 ist als iranische Jahreszahl die ١٣۵٤ = 1354 (HD) angegeben.

Am 6 Mai 1976 ändert sich die iranische Jahreszahl auf einmal zur ٢۵٣۵ = 2535. Was ist passiert?

Im März 1976 AD führte der Schah von Persien, Mohamed Reza Pahlavi, im Rahmen seiner Rückbesinnung auf die altiranische Größe eine neue Ära ein (Gesetz vom 24. Esfand 1354 Hidschri Schamsi = 14. März 1976 AD). Der neue Kalender wurde großspurig "kaiserlicher Kalender" oder "imperialer Kalender" genannt. Ausgangspunkt war die Gründung des Achmämenidenreiches unter König Cyrus I im Jahre 559 v. Chr.

Die neue Jahreszählung hat den Namen Persische Ära (PE). Der Beginn wurde auf den 28. März 559 v. Chr. (nach dem Julianischen Kalender) festgelegt. Das Jahr 559 v. Chr. entspricht dem Jahr 1 der persischen Ära bzw. Ära Shahanshahi, wie sie auch genannt wurde. Der 21.03.1976 AD war nicht mehr der 01.01.1355 HD sondern nach der neuen Zeitrechnung der 01.01.2535 PE.

Der iranische Kalender und die persische Ära unterscheiden sich um genau 1180 Jahre, ansonsten sind die Kalender genau gleich. Umrechnung:

Christliche Zeitrechnung (AD) in Persische Ära (PE),
Shahanshahi: 1. Januar bis Nouruz: PE = AD + 558 Nouruz bis 31. Dezember: PE = AD + 559

Persische Ära (PE) in christliche Zeitrechnung (AD):
1. Januar bis Nouruz: AD = PE - 558 Nouruz bis 31. Dezember: AD = PE - 559

Nouruz ist der Name des Neujahrs- und Frühlingsfestes, das am 20. oder 21. März vor allem im iranischen Kulturraum gefeiert wird.



Im August 1978 endete die Persische Ära und es wurde wieder der Iranische Kalender eingeführt. Dieser Stempel vom 06.03.1978 AD ist vom ١۵.١٢.٢۵٣٦ = 15.12.2536 PE. Das Datum liegt noch vor dem Jahreswechsel. Die höchste Jahreszahl, die bei der Persischen Ära vorkommt ist das Jahr 2537 PE.

Die neue Jahreszählung stieß nicht nur beim Klerus sondern auch in weiten Kreisen der Bevölkerung auf erheblichen Widerstand und konnte sich nicht richtig durchsetzen. Bereits am 05.06.1357 HD = 27.08.1978 AD, also noch geraume Zeit vor der eigentlichen islamischen Revolution, beschloss die Regierung, wieder zur alten Jahreszählung zurückzukehren.

Weitere Informationen zur Persischen Ära und zum Iranischen Kalender findet man auf den Seiten von Bernhard Peter: http://www.kultur-in-asien.de/Kalender2/irankal7.htm

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 20.11.2017 18:03:28 Gelesen: 90423# 119 @  
Hallo zusammen,

ich habe lange gesucht, bis ich einen Tagesstempel aus der Persischen Ära im Iran gefunden habe. Das Problem ist, dass in der Zeit 1976 bis 1978 fast immer Rollenstempel zum Einsatz kamen, bei denen häufig nur die Welle zu sehen ist. Stempel mit gut lesbarem Datum sind kaum vorhanden. Daher habe ich mich sehr über diesen Brief gefreut, den ich in Sindelfingen fand:





Zusätzlich zum Stempel zeige ich den persischen und den englischen Text der Briefmarke. Der Stempel trägt das Datum ۳۶-۱۲-۱۵ = 36 – 12 -15 = 15.12. 2536 PE = 06.03.1978 AD. Die beiden letzten Ziffern der Jahreszahl kann man gut im Vergleich mit der Jahreszahl auf der Briefmarke erkennen. Aufgegeben wurde der Brief in Teheran (تهران ). Der Ortsname steht ganz links. Was die restlichen Zeichen bedeuten, kann ich noch nicht sagen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 02.12.2017 16:26:03 Gelesen: 89325# 120 @  
Hallo zusammen!



Als ich diesen Brief bei Delcampe sah, wollte ich ihn sofort haben. Mir war etwas aufgefallen, das den Stempel für mich sehr interessant machte. Es war die Jahreszahl. Das iranische Jahr 1355 HD entspricht unserem Jahr 1977 AD. Damals galt im Iran die Persische Ära. Die Jahreszahl im Stempel hätte also 2535 PE sein müssen.



Wieso wurde bei einem Poststempel noch die veraltete Jahreszählung benutzt? Ich kann mir Vorstellen, dass bei diesem Stempel mit einer vierstelligen Jahreszahl an der ersten Stelle nur die „1“ und an der zweiten Stelle nur die „3“ existierte. Man konnte die Jahreszahl 2535 also überhaupt nicht einstellen.
Auch bei deutschen Typenradstempeln sind an der ersten Stelle des Tages, Monats bzw. des Jahres nur die erforderlichen Zahlen vorgesehen. Vergleiche hierzu den Beitrag von JohannesM: http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=159077

Es gibt aber noch ein zweites Problem bei dem Stempel. Entsprechend der Umrechnung der Kalender ist der 16.10.1355 HD der 06.01.1977 AD. Die Briefmarke aus der Serie „Tag der Reformen“ wurde in Gedenken an die „Weiße Revolution“ vom 26. Januar 1963 herausgegeben. Das Ausgabedatum der verwendeten Briefmarke war der 26.01.1976 AD = 06.11.1355 HD.

Das Stempeldatum muss also falsch eingestellt sein. Welches Stempeldatum richtig gewesen wäre lässt sich nicht mehr feststellen. Der Luftpostbrief kam entsprechend des Stempels auf der Rückseite am 09.02.1977 an. (Bei den italienischen Maschinenstempeln mit dreizeiligem Datum wurde die Jahreszahl mit römischen Ziffern angegeben.)



Zusätzlich fällt beim Stempel aus Teheran auf, dass die Ortsbezeichnung auf dem Kopf steht. Beim Ortsnamen TEHRAN fehlt allerdings kein „E“. „Tehran“ ist die englische Bezeichnung von Teheran und ist inzwischen bei den Stempeln üblich.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 14.12.2017 18:55:10 Gelesen: 88345# 121 @  
Hallo zusammen,

bei Wikipedia heißt es: „1957 wurde der Iranische Kalender auch in Afghanistan als offizielle Zeitrechnung eingeführt. Jedoch werden in Afghanistan als Monatsnamen die Namen der Tierkreiszeichen auf Persisch und Paschto verwendet.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Iranischer_Kalender




Dieser Brief wurde am 10.05.1950 AD in Kabul aufgegeben. Im Stempel sind zum Glück die Daten nach unserem und nach dem in Afghanistan geltenden Kalender angegeben. Im Stempel steht rechts ٢٩.٢.٢٠ = 29.2.20. Wenn man das Datum 10.05.1950 umrechnen lässt, so findet man beim Afghanischen Kalender den 20.02.1329. Damit entspricht das Datum dem Iranischen Kalender. Obwohl der Iranische Kalender laut Wikipedia erst 1957 in Afghanistan eingeführt wurde galt er, wie der Stempel beweist, schon 1950. Bei Angabe bei Wikipedia kann nicht stimmen.

Beim Begriff „Afghanistan“ findet man bei Wikepedia weitere Informationen zum Kalender. Dort heißt es:

„Gesetzliche oder staatliche und landwirtschaftliche Feiertage und Feste wie Nouruz, Unabhängigkeitsfest sowie staatliche Gedenktage werden nach dem iranischen Sonnenkalender gefeiert. Religiöse Feste werden nach dem islamischen Mondkalender gefeiert.

Der Kalender nach dem Sonnenjahr ist Staatskalender, auch wenn er im Laufe der Geschichte auf dem Boden des heutigen Landes, aber auch seit der Namensgebung „Afghanistan“ im 19. Jahrhundert wiederholt außer Kraft gesetzt worden ist. Zuletzt wurde der Solarkalender im Jahre 1996 von den Taliban für ungültig erklärt. Der islamische Lunarkalender war der Kalender des „Islamischen Emirats Afghanistan“. Seit der Loja Dschirga von 2004 ist der auf dem Sonnenjahr beruhende Kalender abermals in der Verfassung verankert.“


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan#Kalender

In Afghanistan gibt es bezüglich der Kalender für mich also noch einiges zu erforschen. Das ist aber nicht einfach, denn ich brauche dazu Belege, bei denen ich das Datum nach dem in Afghanistan geltenden Kalender und zusätzlich nach dem Gregorianischen Kalender erkennen kann.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.01.2018 19:10:11 Gelesen: 86004# 122 @  
Hallo zusammen,

bisher habe ich aus Afghanistan nur zwei echte Bedarfsbriefe in meiner Sammlung. Dieses ist der zweite:



Wie in vielen Ländern bei Briefen ins Ausland üblich, wurde bei diesem Brief vom 16.03.1966 das Datum im Stempel nach unserem Kalender eingestellt. Auch die fünf Briefe, die bisher beim Thema „Afghanistan: Echt gelaufene Belege“ gezeigt werden tragen unser Datum.

Nicht gelaufener Ersttagsbrief vom 05.09.1962 mit einem Stempel, in dem das Datum wieder nach zwei verschiedenen Kalendern angegeben ist:





Der Name der Stadt Kabul = کابل ist diesmal nicht in der französischen Schreibweise Kaboul sondern in der im englischen und deutschen üblichen Schreibweise angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.01.2018 11:04:27 Gelesen: 84654# 123 @  
Hallo zusammen,

bei diesem Brief wurde zwar ein Ersttagsumschlag benutzt. Es ist aber kein Ersttagsbrief, denn die Marken sind schon 29.11.1962 erschienen.



Dieser Stempel ist der letzte Tagesstempel aus Afghanistan mit dem Datum nach zwei verschiedenen Kalendern in meiner Sammlung. Das Stempeldatum ist der 05.01.1963 AD = ٤١. ١٠.١٥ = 41.10.15 = 15.10.1341 HD nach dem iranischen Kalender.

Bis Mitte der 60-er Jahre gab es in Afghanistan Stempel (wie diesen) mit dem Datum nach dem gregorianischen Kalender und nach dem iranischen Kalender. Danach habe ich bei Bedarfspost bisher nur noch Stempel mit unserem Datum gesehen. Allerdings besitze ich keine Inlandspost und weiß nicht, welches Datum dort angegeben wurde. Anders als bei den Tagesstempeln ist es mit Ersttagsstempeln. Dort sind bis ins Jahr 1989 beide Kalender angegeben. Dadurch ist es mir möglich, auch in der Zeit die beiden Kalender miteinander zu vergleichen und Besonderheiten zu erkennen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.01.2018 16:30:45 Gelesen: 82127# 124 @  
Hallo zusammen,

im Gegensatz zu den 1960-er Jahren gab es insbesondere in der Zeit nach 1979 spezielle Ersttagsstempel passend zur Markenausgabe. Die Ersttagsstempel waren in der Regel violett. In diesen Stempeln war das Datum wieder nach dem iranischen und nach unserem Kalender angegeben:



Dieser Briefmarken erschienen aus Anlass der Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Moskau am 05.05.1985 AD. Im Stempel sieht man zusätzlich das Datum ١٣٦٤.٢.١٥ = 1364.02.15 nach dem Iranischen Kalender (HD).

Die Daten der Ersttagsstempel bis 1987 AD = 1366 HD stimmen mit den Daten bei den Kalender-Umrechnern überein. Wie die beiden folgenden Stempel zeigen, ist es ab 1988 etwas anders.



Das Stempeldaten im Stempel ist: 18.8.1988 bzw. ١٣٦٧-۵-٢٨ = 1367-5- 28.
Nach dem Umrechner ergibt sich: 18.08.1988 AD = 27.05.1367 HD



Das Stempeldaten im Stempel ist: 26.9.1988 bzw. ١٣٦٧-٧-۵ = 1367-7- 5
Nach dem Umrechner ergibt sich: 26.09.1988 AD = 04.07.1367 HD

Die Daten des Kalenderumrechners und die auf den Ersttagsstempeln unterscheiden sich also jeweils um einen Tag. Das gilt auch für die anderen Stempeldaten von Ersttagsstempeln aus den Jahren 1988 bzw. 1989, die mir zur Verfügung stehen bzw. die ich im Internet gesehen habe.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das das Datum in allen Ersttagsstempeln falsch ist. Andererseits kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass der Kalender aus Afghanistan damals um einen Tag vom Kalender im Iran abgewichen ist. Was wirklich los war, konnte ich bisher auch mit Hilfe des Internets nicht feststellen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 11.02.2018 14:57:34 Gelesen: 78243# 125 @  
Hallo zusammen,

es folgt heute der letzte Beitrag zum Iranischen Kalender. Im Beitrag [#124] habe ich geschrieben "Die Daten des Kalenderumrechners und die auf den Ersttagsstempeln unterscheiden sich 1988/89 jeweils um einen Tag." Bei diesem Stempel ist es anders:



Während das Datum des Umrechners jeweils um einen Tag nach unten abweicht, ist es bei diesem Stempel anders. Das Stempeldatum ist der 03.08.1989 bzw. der ١٣٦٨-۵-٣ = 1367-5- 3. Nach dem Umrechner ist der 03.08.1989 AD aber der 12.05.1368 HD. Hier scheint beim iranischen Datum die „10“ beim Tag zu fehlen, denn dann ist wieder ein Tag Abweichung nach unten vorhanden.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 18.02.2018 15:13:07 Gelesen: 77753# 126 @  
Hallo zusammen,

Der Islamische Kalender

Mit diesen Briefmarken aus Afghanistan bzw. dem Iran möchte ich zum Islamischen Kalender kommen. Bevor im Jahre 1925 der Iranische Kalender eingeführt wurde (Beiträge [#111] und folgende), galt in beiden Ländern der Islamische Kalender.



Bei dieser Briefmarke aus Afghanistan (Michel Nr. 1) steht an der rechten Seite die Jahreszahl ١٢٨٨ = 1288 AH = 1871 AD. Es sieht so aus, wie wenn die Briefmarke auf diesem Briefstück unten kaputt ist. Das ist aber normal, denn in Afghanistan erfolgte die Entwertung bis 1891 durch Abreißen oder Ausschneiden eines Teils der Marke.



Diesen beiden Briefmarken stammen aus dem Iran. Entsprechend des Aufdrucks kommen sie aus den Jahren 1319 AH = 1902 AD bzw. ١٣٢١ = 1321 AH = 1903 AD.



Schließlich noch zwei Marken aus Saudi Arabien. Diese sind aus den Jahren ١٤٠٥ = 1405 AH = 1985 AD bzw. ١٤٠٨ = 1408 AH = 1988 AD

Wenn man die islamische Jahreszahl von unserer Jahreszahl (gregorianischer Kalender) subtrahiert, so bekommt man folgende Ergebnisse:

1871 – 1288 = 583
1903 – 1321 = 582
1988 – 1408 = 580

Wie man sieht, ist es nicht möglich eine eindeutige Zahl anzugeben, mit deren Hilfe man die Jahreszahl umrechnen kann.

Es liegt daran, dass der Islamische Kalender ein echter Mondkalender (Lunarkalender) ist. Die Länge eines Jahres richtet sich nur nach den Mondphasen. Damit ist ein Jahr im Islamischen Kalender nur 354 Tage lang. Zur Anpassung an die astronomisch genaue Länge eines Mondjahrs mit 354,3671 Tagen ist das kalendarische Mondjahr etwa alle drei Jahre um einen Tag länger. Eine irgendwie geartete Schaltregel gibt es nicht, sie ist auch überflüssig, weil sich der Beginn jeden Mondmonats aus der Beobachtung, nicht einer Berechnung ergibt.

Der Islamische Kalender verschiebt sich gegenüber unserem Kalender jährlich um ca. 11 Tage.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.03.2018 18:46:24 Gelesen: 77035# 127 @  
Hallo zusammen,

da ein reiner Mondkalender für die Landwirtschaft unbrauchbar ist, hatte sich bis zum frühen 20. Jahrhundert überall in der islamischen Welt auch der Gebrauch von Solarkalendern erhalten. Heute wird in fast allen islamischen Ländern im Alltags- und Wirtschaftsleben der gregorianische (Sonnen-) Kalender verwendet.

Der islamische Kalender und die islamische Zeitrechnung werden heute vorwiegend für religiöse Zwecke benutzt. Der Ramadan und die anderen insgesamt zwölf Mondmonate des Kalenders beginnen in vielen islamischen Ländern an demjenigen Tag, an dessen Abend erstmals nach Neumond eine dünne Mondsichel als Neulicht-Ereignis von einer religiösen Autoritätsperson beobachtet wird.

Das einzige Land, das über einen sehr langen Zeitraum den islamischen Kalender in seinen Stempeln verwendet hat ist Saudi-Arabien. In vielen Fällen ist es dort sehr einfach, das Stempeldatum nach dem islamischen Kalender zu übersetzen, da in vielen Stempeln auch das Datum nach dem gregorianischen Kalender angegeben ist.



30.09.65 = ٨٥/٦/-٥ = 85.06.05
Der 30.09.1965 AD entspricht also dem 05.06.1385 AH nach dem islamischen Kalender.

AL-Khobar, auch Khobar oder Al-Chubar (arabisch الخُبر), ist eine Stadt im östlichen Saudi-Arabien am Persischen Golf, etwa 400 km nordöstlich der Hauptstadt Riad.

Bei Bandstempeln war es in Saudi-Arabien üblich, dass der eine Kopf das islamische Datum und der andere Kopf das Datum nach dem gregorianischen Kalender enthält.



Linker Stempelkopf: 03.06.1978
Rechter Stempelkopf: ٢٧-٦-١٣٩٨ = 27.6.1398
Der Stempel wurde beim Postamt Riyadh A.P. = Riad Airport = مطار الرياض verwendet.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.03.2018 08:55:17 Gelesen: 76536# 128 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit dem islamischen Kalender. Damit ihr die Zahlen besser vergleichen könnt, füge ich die Tabelle noch einmal hinzu:



Wie man sieht ist der Stempel vom 21.08.1982 = ١١-٢-١٤٠٢ = 02.11.1402 und kommt aus der Hauptstadt Saudi-Arabiens Riyadh = الرياض (deutsch Riad). In Saudi-Arabien gibt es diese ungewöhnlichen Maschinenstempel mit einem sehr kleinen Abstand zwischen den beiden Stempelköpfen – er beträgt nur 1,45 cm. Im Zwischenraum sind drei steigende Wellen. Der Achsabstand von Mitte zu Mitte der beiden Stempelköpfe misst ca. 4 cm.



Dieser Stempel stammt aus Makkah = مكة. In Deutschland hat der zentrale Wallfahrtsort des Islam den Namen Mekka. Das Datum ist diesmal einzeilig und nicht so gut lesbar. Der Stempel ist vom 15.02.1999 = ١٤١٩-١٠-٢٩ = 1419.10.29.

Der Absender des Briefes kommt aus Al-Khobar am Persischen Golf. Um nach Mekka zu gelangen muss man einmal die Arabische Halbinsel durchqueren, eine Strecke von ca. 1300 km. Mein erster Gedanke war, ob er gerade auf einer Pilgerfahrt war. Die große Pilgerfahrt, der Haddsch, kann nur während bestimmter Tage im Jahr (8.–12. Dhu l-Hiddscha) durchgeführt werden; die kleine Pilgerfahrt, ʿUmra genannt, kann zu jeder beliebigen Zeit erfolgen. Im Jahr 1999 war die Haddsch vom 27. – 30. März. Der Brief wurde aber schon 1,5 Monate vorher aufgegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 11.03.2018 10:05:14 Gelesen: 76510# 129 @  
Hallo zusammen,

beim Versuch, den Stempel in die Datenbank einzugeben ist mir der arabische Text im Ortsstempel aufgefallen.

Aufgrund der großen religiösen Bedeutung, die die Stadt im Islam hat, wird sie im Arabischen üblicherweise mit einem ehrenden Beinamen versehen und als مكة المكرّمة Makka al-Mukarrama "Mekka, die Ehrwürdige" bezeichnet. So steht es auch im Ortsstempel.

Viele Grüße
Volkmar
 
Koban Am: 11.03.2018 16:16:22 Gelesen: 76500# 130 @  
@ volkimal [#127]

da ein reiner Mondkalender für die Landwirtschaft unbrauchbar ist

Hallo Volkmar,

vorab, ich schätze Deine Beiträge ganz ausserordentlich. Gleich mehrere meiner Lieblingsthemen hier sind auf Deinem "Mist gewachsen". Nicht zuletzt deshalb, hast Du auch diesmal wieder meine Stimme zum Mitglied des Monats bekommen.

Zu der obigen Aussage muss ich aber intervenieren. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass es kaum eine Publikation zum Thema Kalender gibt, bei der nicht ihre Notwendigkeit für die Landwirtschaft hervorgehoben wird. Richtig wird die Aussage dadurch allerdings nicht.

Kein Landwirt, weder heute, noch vor tausenden von Jahren, benötigt/e einen Kalender für Aussaat und Ernte. Die Erfahrung aus der Beobachtung der Natur genügt dafür vollkommen. Aussaat und Ernte orientieren sich am erscheinen von bestimmten Pflanzen, Tieren, sowie Witterung und Sonnenstand.

Sonnenauf- und Untergänge strukturierten darüberhinaus das Jahr (Sonnenwenden, TagundNachtgleichen)und wurden in frühester Zeit mit Landmarken in Beziehungen gesetzt. Es dürften vielmehr religiöse Aspekte sein, die ursprünglich zur Entstehung von (verschiedenen) Kalendern führten.

Gruß,
Koban
 
volkimal Am: 12.03.2018 08:37:37 Gelesen: 76470# 131 @  
@ Koban [#130]

Hallo Koban,

vielen Dank für die Lorbeeren! Bzgl. der Landwirtschaft habe ich einfach den Inhalt aus Wikipedia übernommen ohne groß darüber nachzudenken. Du hast natürlich recht! Der einfache Bauer brauchte keinen Kalender um seine Felder zu bestellen.

Die Entstehung von Kalendern hatte mit Sicherheit unterschiedliche Gründe. Neben der Religion gibt es weitere Gründe dafür. Einiges ist bei Wikipedia unter dem Thema "Kalender" zu lesen. Natürlich muss man bei Wikipedia immer vorsichtig sein, denn es stimmt nicht alles. Zum Beispiel sind beim nepalesischen Kalender (= Vikram Sambat) einige grobe Fehler bei Wikipedia. Ich muss mich einmal dort anmelden, damit ich die Fehler korrigieren kann.

Viele Grüße
Volkmar
 
johanneshoffner Am: 12.03.2018 09:03:57 Gelesen: 76468# 132 @  
Ich möchte hier einen meiner Lieblingsbelege zeigen. Die Postkarte wurde am 11.12.1911 in Hamburg aufgegeben und war 2 Tage später in Wladiwostok. Sie hat schon öfters an Vereinsabenden für Staunen gesorgt. Viele Sammler fühlten sich bestätigt, dass früher alles besser war: Das Wetter war besser, die Ochsen hatten grössere Köpfe und die Post war schneller.


 
volkimal Am: 12.03.2018 13:15:33 Gelesen: 76452# 133 @  
@ johanneshoffner [#132]

Hallo Johannes,

so ein sehr schönes Beispiel zum gregorianischen/julianischen Kalender fehlt mir noch in meiner Sammlung. Danke fürs Zeigen!

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 17.03.2018 10:11:56 Gelesen: 76199# 134 @  
Hallo zusammen!

Durch die Stempel aus Saudi-Arabien habe ich wahrscheinlich die Lösung meines Problems aus dem Beitrag [#124] gefunden. Dort hatte ich gezeigt, dass in Afghanistan die Stempeldaten der Ersttagsstempel ab 1988 um einen Tag vom Ergebnis des Kalender-Umrechners abweichen. Jetzt habe ich festgestellt, dass dasselbe Problem bei sehr vielen Stempeln aus Saudi-Arabien ebenfalls auftritt. Es sieht nach einem Fehler beim Umrechner aus. Wie komme ich darauf?

Als erstes habe ich mir einmal angesehen, wie man das islamische Datum ins gregorianische Datum umrechnen kann oder umgekehrt. Eine ausführliche Erklärung steht bei Wikipedia. Das Prinzip ist ausgesprochen umständlich und scheint auch nicht eindeutig zu sein. https://de.wikipedia.org/wiki/Islamischer_Kalender

Ich habe nämlich anschließend verschiedene Umrechner im Internet herausgesucht und eine Reihe Daten von Ersttags- bzw. Tagesstempeln damit kontrolliert, wobei auf den Stempeln immer beide Daten angegeben waren. Hier ist das Ergebnis:



Die schwarzen Daten stammen von Ersttagsstempeln, die blauen von Tagesstempeln. „richtig“ bedeutet, dass das Stempeldatum und das Datum des Umrechners übereinstimmen. Bei „falsch“ weicht das Datum des Umrechners um einen Tag vom Stempeldatum ab. Bei „falsch falsch“ beträgt die Abweichung sogar zwei Tage. Folgende Umrechner habe ich verglichen:

https://calendarhome.com/calculate/convert-a-date/
http://www.islamicity.org/hijri-gregorian-converter/?AspxAutoDetectCookieSupport=1
https://www.islamicfinder.org/islamic-date-converter/
https://www.linktoislam.net/islamic-calendar/hijri-date-converter/
http://www.al-islam.com/Loader.aspx?pageid=918
http://www.iranchamber.com/calendar/converter/iranian_calendar_converter.php
http://www.assabile.com/convert-date-hijri-gregorian.htm

Wenn ihr das Ergebnis einmal vergleicht, sieht man, dass die Umrechner mit drei verschiedenen Algorithmen arbeiten, von denen aber keiner alle Daten richtig umrechnet. Bei der Tabelle liefern drei Umrechner die meisten richtigen Ergebnisse. Das bedeutet natürlich nicht, dass das immer so sein muss. Ich habe bisher nur Stempeldaten aus der Zeit von 1962 bis 2017 verglichen und weiß bisher nicht, wie es in der Zeit davor aussieht.



Der Tagesstempel vom ٨-٩-١٤٠٣ = 08.09.1403 AH = 19.06.1983 AD fällt in der Tabelle etwas aus dem Rahmen. Das kann an den Algorithmen oder natürlich auch daran liegen, dass eines der beiden Daten im Stempel falsch eingestellt ist. In diesem Fall glaube ich eher, dass der Stempel falsch eingestellt ist. Ich habe dazu extra mehrere Stempel aus dem Jahr 1983 herausgesucht und verglichen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.03.2018 08:56:09 Gelesen: 75696# 135 @  
Hallo zusammen,

das WLAN in der Ferienwohnung funktioniert und ich kann Beiträge einstellen. Ich muss nur zusehen, dass ich fertig bin, bevor die Enkel aufstehen.

Bei den Postfreistempeln aus Saudi-Arabien gibt es drei verschiedene Fälle, das Datum anzugeben. Gelegentlich sieht man Stempel mit dem Datum nach unserer Zeitrechnung. Solch ein Stempel fehlt mir aber noch in der Sammlung. Der zweite Fall sind Stempel, die ein Datum nach dem islamischen Kalender aber mit unseren (arabischen) Ziffern haben. Das Datum ist dann von links nach rechts zu lesen, die Jahreszahl ist dreistellig angegeben.



Hier ein Beispiel vom 07.09.1400 AH. Die Datumsumrechner liefern dazu das Ergebnis 20.07.1980 (Convert a date) oder 19.07.1980 AD (IslamiCity). Entsprechend der Tabelle im letzten Beitrag ist wahrscheinlich das letzte Datum zutreffend.

Die Stempel mit arabischen Ziffern werden nicht nur für Post verwendet, die z.B. nach Europa geht. Dieser Brief geht nach Pakistan. Wie man an der Anschrift sieht, wäre man dort ohne Probleme in der Lage, auch ein Datum mit arabisch-indischen Ziffern zu lesen.



Der Brief kommt aus Khamis Mushayt = Chamis Muschait = خميس مشيط, einer Stadt ganz im im Südwesten von Saudi-Arabien in der Provinz Asir. Das Stempeldatum 06.03.1404 AH entspricht wahrscheinlich dem 10.12.1983 AD.

Soweit für heute. Ich höre gerade Lukas rufen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.04.2018 14:51:03 Gelesen: 75299# 136 @  
Hallo zusammen,

der dritte Fall bei den Postfreistempeln aus Saudi-Arabien ist die Angabe des Datums in indisch-arabischen Ziffern. Das Datum ist in diesem Fall von rechts nach links zu lesen, die Jahreszahl wird dreistellig angegeben. Diese Datumsangabe wird vor allem bei den späteren Stempeln verwendet, die Datumsangabe mit unseren modernen arabischen Ziffern in der früheren Zeit (vor allem bis in die 80-er Jahre).



Ich zeige den frühesten und spätesten Stempel aus meiner Sammlung. Der erste Stempel aus Riad befindet auf einem Brief nach Pakistan vom ١٥. ١٠. ٤٠٩ = 409.10.15 = 15.10.1409 AH = 20.05.1989 AD.



Mein neuester Stempel kommt vom ١٧.٨.٤٢١ = 421.8.17 = 17.08.1421 AH = 14.11.2000 AD. Er befindet sich auf einem Brief nach Indonesien. Jubail ist eine Stadt im Osten Saudi-Arabiens am Persischen Golf.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 27.04.2018 10:19:37 Gelesen: 73435# 137 @  
Hallo zusammen,

endlich funktioniert mein PC wieder und ich kann einen Beitrag einstellen.

Wie ich im Beitrag [#134] beschrieben habe, ist das Ergebnis beim Umrechnen der Daten nicht immer gleich. Das richtige Datum dürfte bei den Ersttagsstempeln zu erkennen sein, da diese vielfach das Datum nach dem islamischen und nach dem gregorianischen Kalender zeigen. Bei Tagesstempeln mit beiden Daten dürfte es in der Regel richtig sein, vielleicht ist das Datum aber auch gelegentlich falsch eingestellt. Hier einige der Ersttagsstempel:



Bei den Ersttagsstempeln gibt es einige, bei denen das Datum bei beiden Kalendern in unserer Schrift angegeben ist. Die Briefmarke zum Thema Energiesparen erschien am 01.08.1424 AH = 27.09.2003 AD.

Traditionell wird am 9. Oktober die Gründung des Weltpostvereins mit dem Weltposttag gefeiert. Aus diesem Anlass erschien am 13.08.1424 AH = 09.10.2003 AD die rechte Briefmarke. Bei diesen beiden Stempeln liefern z.B. die Datumsumrechner IslamiCity und Link to islam das richtige Datum.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.05.2018 15:47:21 Gelesen: 72740# 138 @  
Hallo zusammen,

neben unseren lateinischen Zahlen wird das islamische Datum natürlich häufig auch in arabisch-indischen Zahlen angegeben. Auch hierzu zwei Beispiele:



In Riad gibt es das King Abdul Aziz Horse Center. Man sieht den Reitplatz auf der Briefmarke vom ٢٣-١٠-١٤٢٤ = 1424.10.23 AH = 17.12.2003 AD.

Für eine Pilgerfahrt nach Mekka nimmt man heutzutage gerne auch ein Flugzeug. Die Briefmarke vom ١-١١-١٤٢٤ = 1424.11.01 AH = 24.12.2003 AD erschien aus diesem Anlass.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.06.2018 18:38:48 Gelesen: 62452# 139 @  
Hallo zusammen,

endlich komme ich dazu das Thema die unterschiedlichen Kalender fortzusetzen.

Als letzter Beleg aus Saudi-Arabien noch ein Tagesstempel auf einer Postkarte an meinen Vater:





Die Karte kommt von dem ehemaligen Schüler Bodo Grunewald. Er schreibt:
„… habe ich heute das außerordentliche Vergnügen, eines hier produzierten Landschaftsbilder, unter dem Künstlernamen – PINEP – in Saudi-Arabien veröffentlicht, Ihnen als Kartengruß zukommen zu lassen.“

Die Ortsangabe im Stempel ist „KH.MUSHAIT“. Die Postamtsnummer ist „6“. Oben ist der Ortsname in arabischer, unten in lateinischer Schrift angegeben.
Die Karte kommt also aus Khamis Mushayt = Chamis Muschait, einer Stadt im Südwesten von Saudi-Arabien in der Provinz Asir. 2004 hatte die Stadt 372.000 Einwohner.

Das Stempeldatum ist: ١٤٠٩-٩-١٩ = 1409-9-19 AH. Dieses entspricht vermutlich dem 25.04.1989 AD. Die Umrechner geben aber zum Teil den 24.04.1989 AD an.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.06.2018 13:26:50 Gelesen: 60987# 140 @  
Hallo zusammen,

Obwohl der islamische Kalender in vielen islamischen Ländern gilt, ist es nicht einfach Stempel aus anderen Ländern nach dem islamischen Kalender zu finden. Im Iran galt z.B. bis 1925 der islamische Kalender. Alle Stempel die ich aus der Zeit davor gesehen habe, tragen aber unser Datum. Auch die Stempel aus fast allen anderen islamischen Ländern zeigen unser, also das gregorianische Datum.

In Afghanistan sowie in Hedschas und Nedschd, den Vorgängerstaaten von Saudi-Arabien habe ich Stempel nach dem islamischen Kalender gefunden. Komplette Stempelabschläge fehlen aber noch in meiner Sammlung. Hedschas ist der westliche Teil, Nedschd der zentrale Teil Saudi-Arabiens.



Die linke Marke kommt aus Hedschas. Sie ist 1924 AD = 1342 AH erschienen. Links sind noch die drei ersten Zahlen der Jahreszahl zu sehen: ١٣٤ = 134.
Die rechte Marke kommt aus Nedschd. Sie wurde am 03.04.1931 AD = 15.11.1349 AH in Dschidda = Djeddah abgestempelt. Leider fehlt der rechte Teil des Stempels mit dem islamischen Datum in arabisch-indischen Ziffern. Damit man den Stempel besser lesen kann, habe ich dieselbe Marke ein zweites Mal auf dem Kopf abgebildet.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.07.2018 17:28:38 Gelesen: 56721# 141 @  
Arabische Staaten, unser Kalender

Hallo zusammen,

aus Homs in Syrien kommen diese Stempel mit der Datumsangabe in unseren (arabischen) Zahlen und zusätzlich in arabisch-indischen Zahlen:



Als ich diese Stempel aus Syrien fand, habe ich zuerst angenommen, dass das Datum nach unserem und nach dem islamischen Kalender angegeben ist. Damit lag ich allerdings falsch.





In der Datumszeile steht: 29.4.38 * ٣٨.٤.٢٩ = 38.4.29. Es ist also zweimal dasselbe Datum nach dem gregorianischen Kalender. Die arabisch-indischen Zahlen sind allerdings von rechts nach links zu lesen. Beim Stempel aus Aleppo (Rückseite) ist das Datum nur mit unseren Zahlen angegeben.

Beim Ankunftsstempel aus Mailand sieht man zusätzlich das Datum nach der faschistischen Zeitrechnung: 1938 = XVI.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.07.2018 08:48:09 Gelesen: 53248# 142 @  
Hallo zusammen,

genauso wie in Saudi-Arabien gibt es in Syrien Bandstempel mit unterschiedlichen Stempelköpfen - siehe Beitrag [#128]. Im ersten Stempelkopf ist das Datum mit unseren (arabischen) Ziffern angegeben, im zweiten Stempelkopf dagegen mit arabisch-indischen Ziffern. Es ist ein zweisprachiger Stempel. Der Ortsname ist in beiden Stempelköpfen sowohl in Französisch als auch in Arabisch angegeben.



Das Stempeldatum in arabisch-indischer Schrift ist von rechts nach links, das andere von links nach rechts zu lesen. In beiden Stempelköpfen aus Damaskus ist das Datum nach unserem (gregorianischen) Kalender angegeben:

.

Damit man das Datum besser lesen kann, habe ich Striche bzw. Punkte eingesetzt, die im Stempel nicht vorhanden sind. Interessant finde ich auch die hochgestellte und unterstrichene Minutenangabe in beiden Stempelköpfen.

Auch die Posteigenwerbung ist sowohl Französisch als auch Arabisch. Es heißt dort: Expediez vos colis par la poste rapidite securite = Versenden Sie Ihre Pakete schnell und sicher mit der Post.

Viele Grüße
Volkmar
 
DERMZ Am: 14.08.2018 11:40:54 Gelesen: 50878# 143 @  
@ volkimal [#5]

Guten Tag,

was haben wir denn hier? Fangen wir doch mal ganz harmlos an:



Eine Alte Ansichtskarte aus dem Jahr 1899 aus Marburg, gezeigt ein Blick um den Lahnbogen auf die Stadt und über allem thront das Schloss. Es wird schlicht von der nächsten Fahrt nach Cassel und weiter über Berlin nach Neubabelsberg und Zeuthen berichtet. Damit sind wir von Hessen nach Brandenburg unterwegs - so weit, so gut.



Nun, die Zeit in Marburg war wohl etwas knapp, so hat der Absender die Karte erst in Kassel am 5.3.1899 in den Kasten geworfen. Auch bis hierhin noch nichts besonderes.



So, nun wird es etwas interessanter. Die Karte wurde nach Sankt Petersburg in Russland verschickt. Mit der Empfängeradresse tue ich mich noch etwas schwer, das braucht noch ein wenig bis ich es entziffert habe. Spannend finde ich den Ankunftsstempel, dieser datiert vom 24.2.1899. Dank Volkmars akribischer Recherche, kann ich nun das Datum vom julianischen auf den gregorianischen Kalender umrechnen, somit müsste die Karte am 8.März in St. Petersburg eingetroffen sein.

Spannend auch die Stempelform des Ankunftstempel, für mich ein Kreisstegstempel mit Bogen oben und unten und jeweils ein Segment oben und unten. Der Ortsname (russisch Санкт-Петербург) ist in kyrillisch, jedoch findet sich am Ende noch ein großes Härtezeichen "Ъ", dieses scheint heute verschwunden zu sein.

Letzter Punkt, die Karte ist über Eydtkuhnen geleitet, ehemalige Grenzstadt zwischen Deutschland und Russland. Leider kein Transitstempel vorhanden, ich zeige daher noch als Ergänzung eine Feldpostkarte aus dem Jahre 1915 aus Eydtkuhnen.






Beste Grüsse sagt Olaf
 
DL8AAM Am: 14.08.2018 17:14:30 Gelesen: 50851# 144 @  
@ DERMZ [#143]

Mit der Empfängeradresse tue ich mich noch etwas schwer

Wenn ich mich als deutelnder Wessi nicht irre, ging die Karte an Herrn/Frau Olerich in der Kazaner Straße (Kazanskaya Ulitsa) Nr. 18, Wohnung 11 in Sankt Petersburg.

Das Haus dürfte sogar noch das "Original" von damals sein:



(Quelle: Google Maps)

Gruß
Thomas
 
volkimal Am: 14.08.2018 21:03:54 Gelesen: 50823# 145 @  
@ DERMZ [#143]
@ DL8AAM [#144]

Hallo Olaf und Thomas,

schön, dass ihr auch einmal etwas zu diesem Thema beitragt. Dass die Adresse auf der Karte sofort übersetzt wird finde ich auch gut.

Vielen Dank und viele Grüße
Volkmar
 
DERMZ Am: 16.08.2018 16:22:55 Gelesen: 50645# 146 @  
@ DL8AAM [#144]

Danke Thomas,

so habe ich das kyrillische auch umgesetzt. Es ist halt doch zu lange her, als daß es mir flüssig von der Hand geht. Vielen Dank für das Photo, eine tolle Idee, die mir noch nicht in den Sinn kam.

Viele Grüße aus dem südlichen Süden

Olaf
 
volkimal Am: 17.08.2018 17:41:34 Gelesen: 50554# 147 @  
Hallo zusammen,

ein Foto von Angelika und Hans-Joachim Förster von einem Friedhof aus Istanbul möchte ich euch nicht vorenthalten:



Die gute Nadide ist allerdings keine 666 Jahre alt geworden. Die Jahreszahl 1330 ist nach dem Rumi-Kalender, der bis 1925 in der Türkei bzw. dem Osmanischen Reich galt. 1330 Rumi + 584 = 1914 AD. Nadide ist also 82 Jahre alt geworden.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 25.08.2018 10:40:11 Gelesen: 49795# 148 @  
Hallo zusammen,

im Beitrag [#141] habe ich mit unserem gregorianischen Kalender in arabischen Staaten begonnen. Ein letztes Beispiel aus Syrien mit der Datumsangabe in unseren (arabischen) Zahlen und zusätzlich in arabisch-indischen Zahlen:



Mit diesem zweisprachigen Stempel (Französisch/Arabisch) aus Aleppo habe ich Beispiele aus den drei größten Städten des Landes gezeigt.

Das Stempeldatum in arabischer Schrift ist 30-12-47 = 20.12.1947 AD. In arabisch-indischer Schrift ist angegeben ٤٧-١٢–٣٠ = 47-12-30. Es ist also dasselbe Datum, muss aber von rechts nach links gelesen werden.

Viele Grüße
Volkmar
 
filunski Am: 01.09.2018 23:01:02 Gelesen: 48197# 149 @  
Lieber Volkmar,

ich habe etwas überlegt bei welchem Thema ich diesen Beleg zeige, der speziell für dich gedacht ist, da er gleich mehrere deiner "philatelistischen Adern" trifft. ;-)

Hier erst mal die Anschriftenseite:



Im Text und bei verschiedenen anderen Angaben, z.B. Absender = Sendanto, oder das Zielland, Österreich = Austrujo, fällt die ungewöhnliche Sprache auf. Esperanto.

Noch viel interessanter und deswegen hier im Thema, die Bildseite dieser Postkarte, weitere Worte dazu erspare ich mir, das Bild dürfte alles dazu selbst sagen:



Amu salutojn,
Peter ;-)
 
volkimal Am: 02.09.2018 10:17:26 Gelesen: 48060# 150 @  
@ filunski [#149]

Kara Peter,
multaj dankon!

Das ist wirklich eine interessante Karte. Einen Esperanto-Kalender habe ich noch nicht gesehen. Bisher habe ich Belege mit Kalendern noch nicht in diesem Thema gezeigt, aber sie passen natürlich auch dazu.

Was wohl der italienische Maschinenstempel "Arrivano i vichinghi" = "Die Wikinger kommen an" bedeutet? Bezieht er sich auf den US-amerikanischer Abenteuerfilm "Die Wikinger" des Regisseurs Richard Fleischer aus dem Jahr 1958?

Viele Grüße
Volkmar
 
filunski Am: 02.09.2018 23:32:30 Gelesen: 47850# 151 @  
@ volkimal [#150]

Hallo Volkmar,

dachte ich mir, dass dir der Kalender gefällt! ;-)

"I vichinghi" meint genau den von dir genannten Film. Werbung für den Kinostart des Films in Rom.

LG, Peter
 
volkimal Am: 07.09.2018 18:49:07 Gelesen: 47052# 152 @  
Hallo zusammen,

die von 1958 bis 1961 bestehende Vereinigte Arabische Republik (VAR) war ein Zusammenschluss der arabischen Staaten Ägypten und Syrien. Die Union zerbrach mit dem Austritt Syriens am 28. September 1961. Ägypten behielt den Namen Vereinigte Arabische Republik nach deren Ende noch bis zum Jahr 1972 bei.



Auf diesem Einschreibebrief aus Kairo nach München ist einer der wenigen mir bekannten Stempel aus Ägypten, bei denen das Datum in arabisch-indischen Ziffern geschrieben ist.



Der Absender des Briefes wohnt in Kairo. Da aber der Aufgabestempel nur arabischen Text enthält, kann ich aber nicht sagen, wo der Brief aufgegeben wurde. Das Datum ist gut zu erkennen, nur die Uhrzeit ist unklar. ٦٤-٢-٢٦ = 64-2-26 = 26.02.1964. Einen Tag später erhält der Brief einen Stempel vom Postamt Cairo Airport.

Der Brief trägt keinen Einschreibezettel oder Einschreibestempel. Lediglich die Nummer des Einschreibens ist zweimal handschriftlich vermerkt. Unten steht die Zahl hinter einem „R“ in arabisch-indischen Ziffern: „R ١٩١“. Links von der Anschrift ist mir der Buchstabe unklar, die Ziffern sehen aber nach unseren arabischen Ziffern aus: „? 191“. Ob er in Deutschland als Einschreiben behandelt wurde ist nicht erkennbar. Auch die Bedeutung des kleinen elliptischen Stempels unterhalb der Marke ist mir nicht klar. Vielleicht kann ja einer von Euch etwas dazu sagen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 18.09.2018 16:53:00 Gelesen: 46016# 153 @  
Hallo zusammen,

als nächstes ein Einschreibebrief aus dem Irak:



Das Stempeldatum ist = 1968 August 1 = 01.08.1968 AD. Es ist also nach unserem (gregorianischen) Kalender. Die beiden rechten Marken sind MiNr. 463 zur Eröffnung des neuen Irak-Museums in Bagdad. Links ist eine Zwangszuschlagsmarke zur Flutkatastrophe 1967 mit dem arabischen Aufdruck الدفاع الوطني = nationale Verteidigung (MiNr. 18). Was für ein Stempel links unten auf der Rückseite ist, weiß ich nicht.





Durch den Einschreibezettel ist es mir möglich, den Aufgabeort zu erkennen. Auf dem Einschreibezettel ist angegeben Al-Sadoon = السعدون. Damit kommt der Brief aus Bahdad. Im Rusafa-Distrikt östlich des Tigris gibt es den Al-Saadoon Park bzw. die Saadoun Street. Dort wohnt auch der Absender des Briefes. In der Nähe gibt es ein Postamt der Iraq telecom and post company = الشركة العامه للاتصالات والبريد. Evtl. hat der mittlere Teil „للاتصالات“ etwas mit dem arabischen Text unten im Stempel zu tun. Die Zeichen passen aber nicht genau.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.09.2018 19:16:10 Gelesen: 42464# 154 @  
Hallo zusammen,

nach den Tagesstempeln noch zwei Ersttagsstempel aus Dubai bzw. aus der Vereinigten Arabischen Republik:



Das Stempeldatum ist in unserer und in der arabisch-indischen Schrift angegeben. Es muss wie üblich von rechts nach links gelesen werden:



In diesem Fall wurde der syrische Monatsname für den Januar verwendet:






Wo dieser Ersttagsstempel aus der Vereinigten Arabischen Republik abgeschlagen worden ist, kann ich nicht sagen. Es ist kein Ort angegeben. Im Stempel steht oben lediglich die Übersetzung des englischen Textes. Die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Republik war Kairo. Kein Problem bietet dagegen das Stempeldatum:



Bei beiden Ersttagsstempeln wurde also nur der gregorianische Kalender verwendet.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.10.2018 14:52:22 Gelesen: 41430# 155 @  
Hallo zusammen!

Der äthiopische Kalender

Wenn man diese Briefmarken aus Äthiopien zum Millennium genauer ansieht, so stellt man fest, dass sie erst 2007 erschienen sind.



Der äthiopische Kalender ist eine Variante des koptischen Kalenders. Die Jahreszählung läuft dem gregorianischen Kalender 7 Jahre und etwa 8 Monate hinterher.

Auf den neueren Briefmarken aus Äthiopien steht in der Regel unten links die Jahreszahl in der äthiopischen Schrift. Bei diesem Satz ist es nicht so, denn dort steht ፪ሺህ = 2. Jahrtausend. Die Briefmarken sind also im Jahr 2000 EE = 2007 AD erschienen. Die Abkürzung „EE“ steht in diesem Fall für „Ethiopian era“.

Viele Grüße
Volkmar
 
DERMZ Am: 12.10.2018 20:47:05 Gelesen: 40633# 156 @  
@ volkimal [#19]

Guten Abend,

heute hatte ich die folgende Karte im Briefkasten, ein schönes aktuelles Beispiel für die unterschiedlichen Kalender in Japan - doch um es nicht zu vergessen, ohne diese Forum und Volkmars spannende Zeitreisen, ich hätte nie niemals an unterschiedliche Kalender gedacht!



Der nette Kollege hat Tokio besucht, und dort im Stadtteil Shiba den Tokio-Tower besichtigt. Der Tokio Tower ist in der Form dem Eifelturm nachempfunden, allerdings in Rot und Weiss lackiert. Auf dem roten Handstempel ist das Datum in der Heisei-Zeit im Gengö-System angegeben, dabei steht die 30 am Anfang für das 30.Jahr seit Beginn der Heisei-Zeit am 8. Januar 1989. Tag und Monat sind in diesem Fall identisch mit unserem Kalender. Der zweite Stempel - ich nenne ihn mal "Exportstempel" - ist in dem uns geläufigen Kalender gehalten.

Beste Grüße aus dem südlichen Süden

wünscht Olaf
 
volkimal Am: 17.10.2018 09:25:58 Gelesen: 40071# 157 @  
@ DERMZ [#156]

Hallo Olaf,

schön, dass ich bei diesem Thema nicht nur Alleinunterhalter bin und dass Du auch einmal einen Beleg zeigst. Danke!

Alle anderen können natürlich auch gerne mitmachen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 17.10.2018 09:40:40 Gelesen: 40065# 158 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit dem Äthiopischen Kalender. Anhand dieser drei Ausgaben kann man gut erkennen, dass der Jahreswechsel nicht mit unserem Kalender übereinstimmt. Alle drei Briefmarken sind im selben äthiopischen Jahr erschienen. Als Jahreszahl ist unten links jeweils das Jahr ፳፻፲ angegeben.

An dieser Stelle eine erste Einführung in die äthiopische Jahreszählung. Die drei Ziffern sind:

፳ = 20, ፻ = 100 und ፲ = 10. Die äthiopische Jahreszahl ist 20 x 100 + 10 = 2010 EE.









Daneben stehen als Jahreszahlen nach unserem Kalender 2017, 2017/18 bzw. 2018 AD. Die unterschiedlichen Jahreszahlen ergeben sich dadurch, dass der Jahresbeginn nach unserem Kalender im September ist. Wieso bei der mittleren Marke beide Jahreszahlen angegeben sind weiß ich nicht. Ich konnte das genaue Erscheinungsdatum des Satzes bisher noch nicht feststellen.



Hat einer von Euch Informationen dazu? Ich konnte die Seite der äthiopischen Post leider nicht öffnen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.10.2018 18:21:12 Gelesen: 38291# 159 @  
Hallo zusammen,

zum „Übersetzen“ der äthiopischen Jahreszahlen genügt es nicht, die äthiopischen Ziffern zu kennen. Man muss zusätzlich wissen, wie die Jahreszahlen aufgebaut sind. Hier zunächst die äthiopischen Ziffern:



Auf dieser Briefmarke (MiNr 362) aus der Serie „alte Städte“ stehen gleich zwei Jahreszahlen nach dem äthiopischen Kalender in äthiopischen Ziffern und zusätzlich nach unserem Kalender:



Links stehen hintereinander die Zeichen für folgende Ziffern: ፱, ፻, ፺, ፪ = 9, 100, 90, 2
Rechts sind es die Ziffern ፲, ፪, ፻, ፺, ፪ = 10, 2, 100, 90, 2
Hinter den Jahreszahlen steht ዓ : ም : = C.E. = Christian era. Ich habe inzwischen festgestellt, dass häufiger CE anstelle von EE = Ethiopian era benutzt wird.

Die Jahreszahlen sind wie folgt zu lesen:
፱ ፻ ፺ ፪ ዓ : ም : = 9 x 100 + 90 + 2 = 992 CE = 1000 AD
፲ ፪ ፻ ፺ ፪ ዓ : ም : = (10 + 2) x 100 + 90 + 2 = 1292 CE = 1300 AD

Vor den Jahreszahlen steht noch ላሊበላ = Lalibela und ከ = von
Darunter heißt es ጥንታዊ : መናለሸ : ከተማ : = antike Hauptstadt
Lalibela ist weltweit bekannt für die elf monolithischen Kirchen, die überwiegend mehrgeschossig in rote Basaltlava gemeißelt sind. Die Briefmarke zeigt eine dieser Kirchen und zwar die Kirche Bet Emanuel oder Bet Amanuel

Viele Grüße
Volkmar
 
mausbach1 Am: 09.11.2018 10:44:48 Gelesen: 36652# 160 @  
Danke, suchst ein japanischer roter Stempel mit Datum 3.3.12 - welches originale Datum ist auf einer Karte "verschlüsselt"? Das Datum wird evtl. aus dem Jahr 1991 stammen?

Meinen herzlichen vorab meinen Dank!

Glückauf!
Claus
 
volkimal Am: 09.11.2018 14:20:21 Gelesen: 36622# 161 @  
@ mausbach1 [#160]

Hallo Claus,

es ist leichter, wenn du den Stempel zeigst. Wahrscheinlich steht die 3 links. Dann dürfte der Stempel aus dem Jahr Heisei 3 stammen. Damit wäre er vom 12.03.1991 AD.

Siehe https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=98953

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.11.2018 20:58:48 Gelesen: 36119# 162 @  
Hallo zusammen,

Zauditu, die älteste Tochter von König Menelik II. wurde am 27. September 1916 zur äthiopischen Kaiserin erklärt. Ihr Cousin Tafari Makonnen wurde gleichzeitig der Kronprinz. Aus Anlass der Krönung der Kaiserin am 11. Februar 1917 gab es zwei Sätze mit einem entsprechenden Aufdruck.



Beim Aufdruck stehen oben der Name der Kaiserin Zauditu = ዘውዲቱ oder des Kronprinzen Tafari = ተፈሪ. In der Mitte ist das äthiopische Datum ፬ : የካቲት : ፲ ፱ ፻ ፱ und unten das Datum nach unserer Zeitrechnung, also der 11.2.1917 AD. Wie ist das äthiopische Datum zu lesen?

Die Jahreszahl ist so aufgebaut wie schon beschrieben: ፲ ፱ ፻ ፱ = (10+9)x100+9 = 1909 CE. የካቲት = Yäkatit = der 6-te Monat im Äthiopischen Kalender. Links steht eine ፬ = 4 für den Tag.

Beim äthiopischen Kalender gibt es 13 Monate. Die ersten 12 Monate haben jeweils 30 Tage, der 13. Monat hat 5 Tage bzw. im Schaltjahr 6 Tage.



Der Begriff „Beginn im Schaltjahr“ bezieht sich auf unsere Schaltjahre, also 1904 AD, 1908 AD, 1912 AD, 1916 AD usw. Die äthiopischen Schaltjahre sind 1903 CE, 1907 CE, 1911 CE, 1915 CE usw.

Entsprechen dieser Tabelle beginnt der Yäkatit am 8. Februar. Der 4. Yäkatit 1909 CE ist also der 11. Februar 1917 AD.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 23.11.2018 09:21:46 Gelesen: 34914# 163 @  
Hallo zusammen,

zum Abschluss des Äthiopischen Kalenders komme ich noch zu einigen ungewöhnlichen Jahreszahlen. Die Schreibweise der Zahlen mit der Äthiopischen Schrift scheint auch im Land selbst nicht mehr sehr geläufig zu sein, denn in der Zeit von 2008 bis 2010 trugen die Briefmarken falsche äthiopische Jahreszahlen.





Die Übersetzung der äthiopischen Jahreszahlen ergibt:

፲ ፱ ፻ ፺ ፱ = (10 + 9) x 100 + 90 + 0 = 1999 CE
፪ ፻፻ = 2 x 10.000 = 20.000 CE
፪ ፻፻ ፩ = 2 x 10.000 + 1 = 20.001 CE



፪ ፻፻ ፪ = 2 x 10.000 + 2 = 20.002 CE
፳ ፻ ፪ = 20 x 100 + 2 = 2002 CE

Bei der Ausgabe vom 06.04.2010 AD war noch die falsche Jahreszahl. Dann hat man den Fehler wohl bemerkt, dann die nächste Ausgabe vom 06.10.2010 AD hatte die richtige Jahreszahl. Eine umfangreiche Zahlentabelle findet man auf der Seite https://eotcmk.org/a/የግእዝ-ቁጥሮች-አጻጻፍ/

Einen Datumsumrechner für den Äthiopischen Kalender findet man auf der Seite https://calendar.zoznam.sk/ethiopian_calendar-en.php?ly=1917&x=0&y=0

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.12.2018 17:31:45 Gelesen: 33535# 164 @  
Hallo zusammen,

heute komme ich zu einem sehr ungewöhnlichen Kalender. Bei Wikipedia steht er auf der Seite "Kalendersysteme" unter der Überschrift "Neuzeitliche Kalenderentwürfe". Es ist aber ein eindeutiger Solarkalender, denn das Jahr hat 365 Tage und es gibt Schalttage zur Anpassung an das Sonnenjahr.

Der französische Revolutionskalender


Einen Tag nach Erstürmung der Bastille am 15. Juli 1789 wurde in Frankreich das „Jahr Eins der Freiheit“ (An 1 de la liberté) ausgerufen. Da der gregorianische Kalender beibehalten wurde, dauerte das Jahr 1 nur 5½ Monate.



Am 22. September 1792 schaffte der Nationalkonvent die Monarchie ab; zugleich beschloss er, mit diesem Stichtag das „Jahr 1 der Republik“ (An 1 de la République) beginnen zu lassen. Die staatlichen Institutionen waren verpflichtet, die neue, geänderte Jahreszahl zu verwenden.

Diese Ganzsache mit dem Sonderstempel erschien am 200-ten Geburtstag der Einführung des Französischen Revolutionskalenders (auch Republikanischer Kalender genannt) [1]. Oben im Stempel steht dementsprechend „An 1 de la République“.



Beim gregorianischen Kalender hat ein Tag 24 Stunden, eine Stunde 60 Minuten und eine Minute 60 Sekunden. Dieses geht auf die Babylonier zurück. Die Babylonier benutzten die Zahl 60 als Basis ihres sogenannten Sexagesimalsystems.

Am 5. Oktober 1793 entschied der Nationalkonvent, auch die Zählung der Tage und Monate zu erneuern. Der Französische Revolutionskalender basiert auf dem Dezimalsystem. Jeder Tag hatte 10 Stunden. Außerdem sollte jede Stunde 100 Minuten und jede Minute 100 Sekunden haben.

Die Umsetzung dieses Vorhabens hätte alle vorhandenen Uhren unbrauchbar gemacht. Neue Uhren waren jedoch sehr teuer. Daher beschloss der Konvent, das Gesetz zur dezimalen Tageseinteilung auszusetzen; es trat nie in Kraft.

Soviel fürs Erste, viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sischer_Revolutionskalender
 
volkimal Am: 22.12.2018 12:52:51 Gelesen: 31627# 165 @  
Hallo zusammen,

auch die Jahreseinteilung wurde im Französischen Revolutionskalender neu geregelt. Das Jahr hatte 12 Monate mit jeweils 3 Wochen von 10 Tagen. Dies sind insgesamt nur 360 Tage. Zur Anpassung an das Sonnenjahr folgten am Ende des Jahres 5 bzw. in Schaltjahren 6 Übergangstage (Feiertage), die sogenannten „jour complémentaire“.

Durch die Zehntagewoche gab es nur noch alle zehn Tage einen freien Tag. Mit den Feiertagen am Jahresende waren es insgesamt nur noch 41 freie Tage im Jahr, was den Kalender nicht beliebt machte.

Der Jahresbeginn war während der gesamten Gültigkeitsdauer des Revolutionskalenders auf den Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst festgelegt. Dieser Tag konnte nicht berechnet werden sondern musste durch Himmelsbeobachtung bestimmt werden. In der Zeit des Französischen Revolutionskalenders war das des 22. bzw. der 23. September. Das Jahr 12 begann am 24. September.

Die 12 Monate des Revolutionskalenders wurden in vier jahreszeitliche Gruppen eingeteilt:



In der damaligen Zeit waren in Frankreich als Aufgabestempel die sogenannten Département-Stempel üblich. Diese hatten kein Datum. Brief aus Nizza im Département 85 Alpes-Maritimes nach Agde. Adge liegt ca. 4 km von der Küste des Mittelmeers entfernt.



Der Brief wurde am 29. Brumaire an 9 geschrieben. Für die Umrechnung findet man bei Wikipedia entsprechende Tabellen:



Der Brief ist also am 20.November 1800 geschrieben worden.

Viele Grüße
Volkmar

Quelle:
Auf den entsprechenden Monat klicken: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sischer_Revolutionskalender
oder direkt auf https://de.wikipedia.org/wiki/Brumaire
 
volkimal Am: 05.01.2019 14:09:27 Gelesen: 30586# 166 @  
Hallo zusammen,

nach einer etwas verlängerten Weihnachtspause soll es heute mit dem französischen Revolutionskalender weitergehen.

Mitte der 1790-er Jahre kamen die ersten Monatsstempel als Ankunftsstempel auf. Später hat man auch Datumsstempel eingeführt.







Brief aus Bordeaux im Département 32 (Gironde) nach Nantes mit dem Datum 9 Brumaire an 11. Auf der Rückseite ist der Ankunftsstempel aus Nantes. Auf „re“-endend ist es ist einer der Herbstmonate. Der Stempel wurde also am 12 Brumaire an 11 abgeschlagen. Entsprechend der Tabelle im letzten Beitrag entspricht das Datum dem 3. November 1802.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.01.2019 17:10:17 Gelesen: 29678# 167 @  
Hallo zusammen,

in meiner Kalendersammlung habe ich noch einen zweiten Ankunftsstempel aus Nantes. Auf „re“-endend ist es ebenfalls einer der Herbstmonate - in diesem Fall der Frimaire.





Der Brief aus Libourne kam entsprechen des Brieftextes am 24 Frimaire an 11 in Nantes an. Der Tabelle ist zu entnehmen, dass dieses der 15. Dezember 1802 ist.



Die Daten im Stempel waren nicht verstellbar. Wäre beides (Tag und Monat) zusammenhängend hätte man für jeden Tag des Jahres einen eigenen Stempel benötigt - insgesamt also 365 Stück. Wenn man die beiden Ankunftsstempel vergleicht, so fällt auf, dass dort mit zwei einzelnen Stempeln der Tag und der Monat nacheinander abgeschlagen wurden. Dadurch waren insgesamt nur 12 Stempel für die Monate und 31 Stempel für die Tage erforderlich.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.02.2019 15:04:29 Gelesen: 27594# 168 @  
Hallo zusammen,

am bekanntesten sind die Pariser Ankunftsstempel (Kreisstempel) zur Kontrolle der Laufzeiten. Diese gibt es seit September 1802. Auch die Pariser Stempel haben Daten nach dem Französischen Revolutionskalender.







Brief aus Orléans nach Paris mit dem Départementstempel „P 43 P“ (Département 43 = Loiret). P.P bedeutet „port payé“. Das Porto ist also bei der Aufgabe des Briefes bezahlt worden.

Im Ankunftsstempel ist oben der Monat. Der Brief kam also am 22. Frimaire an 14 in Paris an. Entsprechend der Tabelle [1] ist es der 13. Dezember 1805. Was der Achteckstempel T.4.E bedeutet weiß ich bisher noch nicht.

Viele Grüße
Volkmar

[1]: Tabelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Frimaire
 
volkimal Am: 17.02.2019 10:47:51 Gelesen: 26104# 169 @  
Hallo zusammen,

alle Frühlingsmonate endeten auf "-al". Es waren die Monate Germinal (Keim, Spross), Floréal (Blume) und Prairial (Wiese).Demt entsprechend endeten die abgekürzten Monatsnamen oben im Stempel auf "al":





Brief von Calais im Département 61 = Pas-de-Calais nach Paris. Heute hat Pas-de-Calais die Nummer 62. Entsprechend des Ankunftsstempels war der Brief am 23 Floréal an 12 in Paris. Dank Lulu kenne ich eine weitere Internetseite zum Umrechnen der Daten des Französischen Revolutionskalenders. Der Brief kam dementsprechend am 13.05.1804 in Paris an. Der Link ist:

http://archivesenligne.pasdecalais.fr/cg62v2/outils/calendrier/calendrier_rev_greg.php?annee=I

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.03.2019 12:44:15 Gelesen: 24918# 170 @  
Hallo zusammen,

ich merke gerade, dass ich mit der Reihenfolge der Monate durcheinandergekommen bin. Nach dem Herbstmonat Frimaire habe ich einen Stempel aus dem Frühlingsmonat Floréal vorgestellt. Die Wintermonate (auf -se endent) habe ich versehentlich überschlagen. Das hole ich jetzt nach:





Ortsbrief aus Paris, geschrieben und angekommen am 26 Nivôse an 13. Laut Umrechner entspricht dieses Datum dem 16.01.1805. Neben dem Zweikreisstempel befindet sich auf der Rückseite noch ein Achteckstempel "H.1.E". Dank Lulu (zockerpeppi) weiß ich, dass es sich dabei um einen Stempel des Bureaux des quartier handelt.





Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.03.2019 10:37:49 Gelesen: 23728# 171 @  
Hallo zusammen,

es fehlen als letztes noch die Sommermonate, die alle auf "-re" enden:





Der Brief kommt aus Châtellerault im Département 80 (Vienne). Der Département-Stempel oben auf dem Brief ist allerdings kaum zu erkennen. Der Brief kam am 25 Messidor an 12 in Paris an. Dieses Datum entspricht dem 14. Juli 1804.

Viele Grüße
Volkmar
 
Heinrich3 Am: 01.04.2019 11:20:20 Gelesen: 22745# 172 @  


Hallo Volkmar,

liege ich richtig, wenn ich diesen Stempel auf das Jahr 1906 datiere?

Ich gehe auf Grund der Briefmarke davon aus, daß der Stempel nicht aus 1939 sein kann.

Korrektur erbeten, wenn nötig!

Danke
Heinrich
 
volkimal Am: 01.04.2019 14:25:05 Gelesen: 22725# 173 @  
@ Heinrich3 [#172]

Hallo Heinrich,

du hast das Datum richtig bestimmt. Die Jahreszahl 39 gibt es nur als Meiji 39 = 1906 oder als Showa 39 = 1964.

Von der Marke her kann es nur der 30.10.1906 sein.

Viele Grüße
Volkmar
 
ragiko Am: 01.04.2019 15:09:53 Gelesen: 22718# 174 @  
@ volkimal [#173]

Hallo Volkmar,

heute wurde der Name für die Amtszeit der kommenden Tennogeneration verkündet. Der alte Herr will ja nicht mehr und soll noch in diesem Jahr durch seinen Ältesten abgelöst werden, weshalb die derzeitige Ära, die auf Amtsblättern noch existiert, mit dem Jahr 31 zu Ende geht. Für die Fans der japanischen Royals beginnt noch in diesem Jahr, sobald der neue Tenno sich auf seinem Thron niederlässt, alles wieder bei eins, Jahr 1 der Ära Reiwa.

Da die Inlands-Stempeltype und -farbe gleich ist wie beim letzten Jahr 1 (1989), kann jetzt, wem danach der Sinn steht, alle verpassten Ersttagsstempel der Ausgaben ab 1989 ff nachholen. :-)))

Grüßchen aus Tokyo,

ragiko
 
volkimal Am: 01.04.2019 15:10:31 Gelesen: 22718# 175 @  
Hallo zusammen,

wie im Beitrag [#165] beschrieben, gab es am Ende des Jahres 5 „jour complémentaire“. Bis auf wenige Ausnahmen kann man diese Tage nur am Datum des Briefes erkennen.





Brief von Montpellier nach Agde vom 1 jour complémentaire an 8. Der letzte Tag im letzten Monat (fructidor) des Jahres an 8 ist der 17.09.1800. Der Brief wurde also einen Tag später am 18.09.1800 geschrieben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.04.2019 18:42:51 Gelesen: 21787# 176 @  
Hallo zusammen,

auch von den "jour complémentaire" gibt es die entsprechenden Pariser Ankunftsstempel. Diese Stempel sind natürlich deutlich seltener als die Stempel der anderen Tage.



Brief von Metz nach Paris, geschrieben am 3 jour complémentaire an 11. Entsprechend des Ankunftsstempels kam der Brief zwei Tage später, am 5 jour complémentaire an 11 in Paris an.



Das Jahr 11 = XI war ein Schaltjahr und hatte 6 jours complementaire. Schade, dass der Brief nicht einen Tag später angekommen ist. Ich weiß nicht, ob es den Stempel vom "6 jour complémentaire an 11" überhaupt gegeben hat. An 11 = 1803 ist das einzige Jahr, in dem der Stempel vorgekommen sein könnte.



Dieses sind die letzten Tage des Jahres 11:

30 fructidor an 11 = 17.09.1803
1 jours complémentaire an 11 = 18.09.1803
2 jours complémentaire an 11 = 19.09.1803
3 jours complémentaire an 11 = 20.09.1803
4 jours complémentaire an 11 = 21.09.1803
5 jours complémentaire an 11 = 22.09.1803
6 jours complémentaire an 11 = 23.09.1803
1 vendémiaire an 12 = 24.09.1803
 

Der Brief aus Metz ist also am 22. September 1803 in Paris eingetroffen. 

Viele Grüße
Volkmar
 

volkimal Am: 30.04.2019 14:43:05 Gelesen: 20433# 177 @  
Hallo zusammen,

der republikanische Kalender galt bis zum 31. Dezember 1805. Napoleon I. führte 1806 den gregorianischen Kalender wieder ein. 1871 kam er nochmals während der linksradikalen Pariser Kommune zum Einsatz.





Ab 1806 wird in den Stempeln wieder unser Kalender verwendet. Roter Ankunftsstempel auf einem Brief von Abbeville nach Paris vom 29. Mai 1806.





Schwarzer Ankunftsstempel auf einem Ortsbrief aus Paris vom 20. September 1814.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 19.05.2019 09:05:08 Gelesen: 18802# 178 @  
Hallo zusammen,

auch bei modernen Stempeln sieht man gelegentlich Daten nach dem französischen Revolutionskalender. Dieses sind Stempel, deren Ausgabeanlass im Zusammenhang mit der französischen Revolution stehen. Ein erstes Beispiel:



Der Stempel kommt aus La Roche-sur-Yon, einer französischen Stadt mit 53.578 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Vendée.



Die Stadt La Roche-sur-Yon in ihrer heutigen Gestalt wurde unter Napoleon erbaut. 1804 verlegte er den Sitz der Präfektur von Fontenay-le-Comte in die neu erstandene Stadt. Dementsprechend steht auf dem Stempel das Datum 25. Mai 1804 = 5 Prairial an XII.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.05.2019 11:37:01 Gelesen: 17727# 179 @  
Hallo zusammen,

zur Feier des 200jährigen Jubiläums der Französischen Revoltion gab es in Frankreich zahlreiche Briefmarken und Sonderstempel. Auf den Stempeln und den Marken steht dementsprechend bicentenaire = Zweihundertjahrfeier.





Zu den Briefmarken:

1. Marke: 25.02.1989, Bedeutende Persönlichkeiten der Französischen Revolution
2. Marke: 01.01.1989, 200. Jahrestag der Französischen Revolution
3. Marke: 27.05.1989, Verkündung der Menschen- und Bürgerrechte

Bei diesen drei Stempeln ist auch das Stempeldatum nach dem französischen Revolutionskalender angegeben. Die Stempel sind vom:

1. Stempel: 11.11.1989 = 21 brumaire an 198
2. Stempel: 12.11.1989 = 22 brumaire an 198
3. Stempel: 25.06.1989 = 7 messodor an 201

Wie man sieht, weicht die Jahreszahl beim dritten Stempel von den beiden anderen ab. Beim letzten Stempel ist man bei der Jahreszählung fälschlicherweise vom Datum der Französischen Revolution, also von 1789, ausgegangen. Die Jahreszahl „201“ ist falsch. Der Grund: Am 22. September 1792 schaffte der Nationalkonvent die Monarchie ab; zugleich beschloss er, mit diesem Stichtag das „Jahr 1 der Republik“ (An 1 de la République) beginnen zu lassen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.06.2019 12:19:14 Gelesen: 17011# 180 @  
Hallo zusammen,

diesen Stempel habe ich gerade gefunden:



Hier ist nur ein Datum nach dem französischen Revolutionskalender angegeben: "22 frimaire an VIII". Entsprechend der Umrechnungstabelle [1] findet man das Datum 13. Dezember 1799.

Wenn man dann noch bei Wikipedia unter "Conseil d’État" nachliest [2] erfährt man:

Der Conseil d’État (deutsch: Staatsrat) ist eine französische Institution mit Sitz im Palais Royal in Paris...

Der Conseil d’État geht auf Napoleon zurück. Er wurde am 13. Dezember 1799 unmittelbar nach dem Staatsstreich durch den Ersten Konsul und späteren Kaiser gegründet.


Wie man sieht, ist das Datum im Stempel korrekt angegeben.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Frimaire
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Conseil_d%E2%80%99%C3%89tat_(Frankreich)
 
volkimal Am: 26.06.2019 19:30:29 Gelesen: 15736# 181 @  
Hallo zusammen,

mit dem letzten Beitrag hatte ich den Französischen Revolutionskalender beendet. Es folge ein Kalender, der aber auch etwas mit der Französischen Revolution zu tun hat.

Der Positivisten-Kalender [1]

Der Positivisten-Kalender (auch Comte-Kalender genannt) ist ein Solarkalender, der von Auguste Comte im Jahr 1849 zur Reform des Gregorianischen Kalenders vorgeschlagen wurde. Er erreichte jedoch, wie auch andere Entwürfe von Comte, niemals weitere Verbreitung.



Isidore Marie Auguste François Xavier Comte (1798 - 1857) war ein französischer Mathematiker, Philosoph und Religionskritiker. Vor allem ist er jedoch als Begründer des Positivismus und Mitbegründer der Soziologie bekannt - deren Benennung auf Comte zurückgeht.



Das System des Positivisten-Kalenders:

Der Kalender hat 13 Monate zu je 28 Tagen plus einen Festtag zu Ehren der Toten zum Jahresende. Dieser Extratag wird weder einem Monat noch einem Wochentag zugeordnet. Auf diese Weise können Woche und Monat synchronisiert werden, das heißt, jeder Monat beginnt grundsätzlich mit einem Montag.



Neben dem Gemeinjahr mit 365 Tagen sieht der Kalender ein Schaltjahr mit einem zusätzlichen Extratag am Jahresende vor, der dem Andenken an weibliche Heilige gewidmet sein soll. Die Jahresanfänge und die Schaltregel stimmen mit jenen des Gregorianischen Kalenders überein.

Allerdings sollte die christliche Jahreszählung durch eine positivistische ersetzt werden: Als Jahr 1 (Epoche) sollte das christliche Jahr 1789 gelten, in dem die Französische Revolution ihren Anfang nahm.

Die Monate des Positivisten-Kalenders wurden nach berühmten Persönlichkeiten benannt und gehen jährlich die Weltgeschichte unter fortlaufenden Themensetzungen durch – eine Weltgeschichte, die zur Verwissenschaftlichung führt:



Die Gegner des Kalenderentwurfs bemängeln u. a. seine ideologische Grundlage, die in den Monatsnamen zum Ausdruck kommt, und die Unteilbarkeit der Monatsanzahl 13. Dadurch ist es nicht möglich, das Jahr in statistisch sinnvolle Abschnitte wie Halbjahre oder Quartale aufzuteilen. Auch eine Integration der traditionellen Jahreszeiten in den Kalender ist schwierig.

Da der Positivisten-Kalender niemals weitere Verbreitung gefunden hat, gibt es natürlich auch keine Stempel mit dem Datum nach dem Positivisten-Kalender.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Positivisten-Kalender
 
volkimal Am: 15.07.2019 11:16:58 Gelesen: 14416# 182 @  
Hallo zusammen!

Internationaler ewiger Kalender [1]

Außer in positivistischen Kreisen wurde der Kalender in der Praxis nie verwendet. In den 1930er Jahren erlebte er als leicht modifizierter Internationaler ewiger Kalender e vorübergehend größere Aufmerksamkeit. Damals wuchs weltweit die Forderung nach einem reformierten modernen Kalender, der den als zu kompliziert empfundenen gregorianischen Kalender ersetzen sollte.

Als Internationaler ewiger Kalender (engl. International Fixed Calendar, abgekürzt IFC) wird ein Kalenderentwurf von Moses Cotsworth (1859–1943) bezeichnet, den dieser 1923 vorgestellt hat.



Dieser Kalender teilte das Jahr in 13 Monate zu je 28 Tagen plus einen Extratag am Jahresende (im englischen auch als „a year and a day“ bezeichnet, für ein Mondjahr und einen Tag). Dieser Extratag wird weder einem Monat noch einem Wochentag zugeordnet. Auf diese Weise können Woche und Monat synchronisiert werden, das heißt jeder Monat beginnt grundsätzlich mit einem Sonntag und besteht jeweils aus vier vollständigen Wochen.

Die Monatsbezeichnungen entsprechen jenen des Gregorianischen Kalenders. Der zusätzliche dreizehnte Monat wird in die Jahresmitte zwischen Juni und Juli gelegt und erhält den Namen Sol („Sonne“) oder Midi („Mitte“).


* In Schaltjahren liegen diese Daten einen Tag früher. Der Schalttag wird als Extratag zwischen Samstag, den 28. Juni und Sonntag, den 1. Sol eingefügt. Genau wie der Extratag am Jahresende liegt er außerhalb des Wochenzyklus und gehört zu keinem Monat.

Ein wesentlicher Vorteil des Kalenders liegt darin, dass alle Monate gleich aufgebaut sind, sowohl was ihre Länge angeht, als auch die Zuordnung der Wochentage. Woche und Monat sind also in Phase. Der Kalender ist damit äußerst übersichtlich strukturiert. Darüber hinaus könnten monatliche Ereignisse – zum Beispiel die Auszahlung des Gehaltes – regelmäßig stattfinden.

Die Gegner des Kalenderentwurfs von Cotsworth bemängeln u. a. die Unteilbarkeit der Zahl 13. Dadurch ist es nicht möglich, das Jahr in statistisch sinnvolle Abschnitte wie Halbjahre oder Quartale aufzuteilen. Auch eine Integration der traditionellen Jahreszeiten in den Kalender ist schwierig. Die Unterbrechung des Wochenzyklus ist für Judentum, Christentum und Islam nicht akzeptabel.



Wie man im Michel lesen kann, handelt es sich bei dieser Darstellung um ein Detail des ewigen Kalenders. Diese Briefmarke hat allerdings nichts mit dem Internationalen ewigen Kalender zu tun. Diese Erklärung zur Briefmarke fand ich auf einem Ersttagsbrief:



Frei übersetzt steht dort:

Bild einer 200 Jahre alten Planke eines Ameland-Kapitäns, die im Fries-Museum in Leeuwarden aufbewahrt und als ewiger Kalender verwendet wird… Beim Kalender wird das Datum jeweils mit losen Holzklötzen angegeben. Diese Holzklötze werden auf der Briefmarke für die Jahre verwendet.

Das „ewig“ bezieht sich also nur darauf, dass das Datum mit Hilfe der losen Klötze für alle Zeit angegeben werden kann.

Viele Grüße
Volkmar

[1]: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Ewiger_Kalender
 
volkimal Am: 28.07.2019 14:58:15 Gelesen: 13343# 183 @  
Hallo zusammen!

Julianischer und gregorianischer Kalender

bei den ersten Beiträgen zu diesem Thema [#1] bis Beitrag 12 ging es um den Unterschied zwischen dem julianischen und gregorianischen Kalender. Damals habe ich nur sehr wenige Beispiele gezeigt. Daher möchte ich noch einmal auf diese Kalender eingehen.

Der julianische Kalender wurde in Ägypten entwickelt und von Julius Caesar im Jahre 45 v. Chr. im Römischen Reich eingeführt. Der julianische Kalender an sich war im gesamten Römischen Reich anerkannt, die Jahresanfänge jedoch wurden von Region zu Region verschieden gehandhabt. Auch die Jahreszählung war in den verschiedenen Teilen des Römischen Reiches verschieden. Details dazu siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Julianischer_Kalender . Es gab mehrere Reformen des julianischen Kalenders. Eine davon kann ich philatelistisch belegen.



Aus https://de.wikipedia.org/wiki/Edikt_von_Roussillon :
Das Edikt von Roussillon aus dem Jahr 1564 legte den Jahresbeginn in Frankreich auf den 1. Januar fest.
Auf einer seiner Reisen durch das Land stellte König Karl IX. fest, dass der Jahresbeginn in Frankreich je nach Diözese unterschiedlich festgelegt war: im Erzbistum Lyon war es Weihnachten, im Erzbistum Vienne – wenige Kilometer weiter – der 25. März. Andere Daten waren der bereits im Römischen Reich übliche 1. März und Ostern. Die abweichenden Regelungen erzeugten nicht nur in der damaligen Zeit Verwirrung; sie wirken als Unsicherheit zu historischen Jahreszahlen bis heute fort.
Nachdem er den Jahresbeginn für das gesamte Land vereinheitlicht hatte, fügte er einem Edikt, das er Anfang Januar 1563 in Paris erlassen hatte, vier Artikel (Nr. 39 bis 42) hinzu, die er am 9. August 1564 in Roussillon verkündete: der Jahresbeginn wurde im Artikel 39 nun auf den 1. Januar festgesetzt


Die Abbildung im Stempel zeigt das alte Schloss, in dem Karl IX. 1564 das Edikt unterzeichnete, das den 1. Januar Anfang des Jahres festlegte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.08.2019 12:24:38 Gelesen: 12896# 184 @  
Hallo zusammen,

das julianische Jahr ist gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Dies führte zu einer zunehmenden Abweichung vom Sonnenlauf, die im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug. Papst Gregor XIII. führte im Jahre 1582 den gregorianischen Kalender mit einer verbesserten Schaltregel ein.
Für den Übergang bestimmte Gregor XIII. weiterhin, dass auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 (julianisch) direkt Freitag, der 15. Oktober 1582 (gregorianisch) zu folgen hatte, womit 10 Tage übersprungen wurden (unter Beibehaltung der Wochentagfolge).



Da der neue Kalender vom Papst eingeführt wurde, benutzten ihn zunächst überwiegend die römisch-katholischen Staaten. Die meisten protestantischen Staaten behielten den julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei, was vor allem in konfessionell gemischten Gebieten Deutschlands zu einem umständlichen Nebeneinander von „altem Stil“ neben „neuem Stil“ führte.

Zum Beispiel änderte das Herzogtum Preußen am 02.09.1612 (jul.) das Datum zum 23.08.1612 (greg.).

Die orthodoxen Länder Osteuropas, behielten den julianischen Kalender noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei. Hier muss der Philatelist aufpassen, wenn er das Datum eines Beleges angeben will. Dazu mehr in den nächsten Beiträgen.

Wann in den einzelnen Ländern der Übergang vom julianischen zum gregorianischen Kalender erfolgte ist bei Wikipedia nachzulesen [1]

Viele Grüße
Volkmar

https://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender#%C3%9Cbernahme_des_gregorianischen_Kalenders
 
volkimal Am: 13.08.2019 20:55:34 Gelesen: 12037# 185 @  
Hallo zusammen,

beim julianischen Kalender gilt: Alle Jahre, bei denen die Jahreszahl durch 4 teilbar ist, sind Schaltjahre. Das julianische Jahr ist damit um etwa 11 Minuten länger als das tatsächliche Jahr.

Die von Papst Gregor eingeführte Schaltregelung war dagegen genauer. Beim gregorianischen Kalender gilt: Alle durch vier teilbaren Jahre sind Schaltjahre. Alle Jahreszahlen, die durch 100 teilbar sind, sind keine Schaltjahre. Ausnahme: Die durch 400 teilbaren Jahreszahlen sind Schaltjahre. Daraus folgt: 1600 und 2000 sind Schaltjahre, 1700, 1800, 1900, 2100 sind keine Schaltjahre.

Der 29. Februar 1900 (greg.), ein Tag den es bei uns nicht gibt:





Diese Postkarte wurde am 12.03.1900 (greg.) = 28.02.1900 (jul.) geschrieben und einen Tag später aufgegeben. Der Poststempel ist also vom 29.02.1900 (jul) = 13.03.1900 (greg.). Diesen Schalttag, den 29.02.1900, gab es bei unserem gregorianischen Kalender nicht. Es war gar nicht so einfach, einen Beleg von diesem besonderen Tag zu finden. Durch diesen Tag ergibt sich Folgendes:

Umrechnung vom julianischen zum gregorianischen Kalender:

18.02.1800 (jul.) = 01.03.1800 (greg) bis zum 16.02.1900 (jul.) = 28.02.1900 (greg):
julianisches Datum + 12 Tage = gregorianisches Datum
(1800 und 1900 ist der 29. Februar dabei mitzuzählen.)
Seit dem 17.02.1900 (jul.) = 01.03.1900 (greg.):
julianisches Datum + 13 Tage = gregorianisches Datum



Noch einmal zurück zum Stempel und der Postkarte. Interessant finde ich den Aufgabeort und den französischen Text der Karte. Im Stempel steht:
ШАБО БЕССАР. Г. = Шабо Бессар. г. = Шабо Бессарабская губе́рния = Schabo Gouvernement Bessarabien
ПОЧТ ТЕЛ.ОТД. = ПОЧТЫ И ТЕЛЕГРАФА ОТДЕЛ = Почты и телеграфа отдел = Post- und Telegraphenabteilung

Auf der Karte hat der Absender J.A. Grigorieff als Anschrift angegeben: „Chabag prés de Akkerman gouvern Beßarabie“.

Die Kolonie Chabag ist eine Kolonie, die 1822 von Schweizern aus dem Kanton Waadt am Ufer des Schwarzen Meeres gegründet wurde. Zar Alexander I. von Russland förderte zu dieser Zeit die Kolonialisierung der Region. Die Schweizer Siedler widmeten sich fortan hauptsächlich dem Weinbau. Alexanders Lehrer Frédéric-César de la Harpe stammte selbst aus dem Waadt und bewog den Zaren dazu, Schweizer Auswanderer als Kolonisten in die neu eroberten russischen Gebiete ziehen zu lassen.

Der Name der Siedlung geht auf die türkische Bezeichnung Ascha Abag (wörtl. „untere Gärten“, das heißt unterhalb der Festung Akkerman liegende Weinbau-Gebiete) zurück, wobei die Zusammenziehung Schabag später von den französisch-schweizerischen Siedlern zu Schabo umgeformt wurde, um französischer zu klingen.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schabo
[2] https://fr.wikipedia.org/wiki/Colonie_de_Chabag
 
volkimal Am: 20.08.2019 10:00:46 Gelesen: 11567# 186 @  
Hallo zusammen,

wie ich schon schrieb, galt der julianische Kalender am längsten in den orthodoxen Ländern Osteuropas. Einige der Länder kann ich belegen und ich werde sie der Reihe nach vorstellen. Allein aufgrund der Größe sind Belege aus oder nach Russland am häufigsten. Beim Thema „Griechenland Ganzsachen: Postkarten“ ging es um die doppelte Datumsangabe auf Postkarten. Diese Angabe des Datums nach dem gregorianischen und nach dem julianischen Kalender sieht man auch auf dieser Postkarte von Italien nach Russland:





Das handschriftliche Datum ist Rom, den 29. Januar 1880 (julianisch) = 10. Februar 1880 (gregorianisch). Der Unterschied zwischen den Kalendern betrug 1880 genau 12 Tage. Die Karte wurde am selben Tag aufgegeben, denn der Stempel aus Rom trägt das Datum 10.02.80.

Obwohl die Anschrift und der Empfänger der Karte in kyrillischer Schrift angegeben sind, wurde die Karte in Deutsch geschrieben. Adressiert ist die Karte an Dr. Erdberg in St. Petersburg. Er wohnte an der Ecke Litejnyj Prospekt/Simeonowskaja. Der Absender kannte ihn wohl aus einer Burschenschaft. Ihr Zirkel (Zeichen einer Burschenschaft) steht oben links auf der Rückseite.



Erstaunt war ich, als ich den blauen Rechteckstempel über der Marke entziffert hatte. Da die Marke keinen Werteindruck hat, wurde dort der Stempel ФРАНКИРОВАНО = frankiert abgeschlagen.

Der Ankunftsstempel aus Санкт-Петербург = St. Petersburg ist vom 3. Февраль 1880 = 3. Februar 1880. Das Datum wird im unteren Kreis durch die Uhrzeitangabe „5 часа“ = "5 Uhr" ergänzt. Das Zeichen "Ъ" hinter dem Ortsnamen ist das sogenannte Härtezeichen. Das war früher oft gebräuchlich und zeigt die Aussprache des davor stehenden Konsonanten an.

Unten im Stempel steht zusätzlich „ЭКСП. ВЫД. ИНОСТР. КОР.“ Es ist die Abkürzung von Экспедиция для выдачи иностранной корреспонденции = Expedition für die Ausgabe ausländischer Korrespondenz.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 27.08.2019 11:11:42 Gelesen: 10936# 187 @  
Hallo zusammen,

bei Belegen aus oder nach Russland aus dem westlichen Europa oder Übersee erkennt man den Unterschied zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender sehr leicht. Die Daten von Aufgabe- und Ankunftsstempel weichen deutlich voneinander ab. Siehe z.B. Beitrag [#186].

Anders ist es bei Belegen die zum Beispiel bis 1918 innerhalb Russlands verschickt wurden. Alle Stempel zeigen in dem Fall nur das Datum nach dem julianischen Kalender. Hier ein Beispiel:





Der Brief wurde am 16 MAИ 1869 = 16. Mai 1869 (jul.) aufgegeben. Um das Datum nach unserem gregorianischen Kalender zu berechnen musste man damals 12 Tage addieren. Damit ist der Brief am 28. Mai 1869 (greg.) - heute vor 150 Jahren aufgegeben worden. Der Brief kommt aus Новая Ладога = Nowaja Ladoga = Neu Ladoga. Das ist eine Kleinstadt am Südufer des Ladogasees.

Adressiert ist er nach Варшава = Warschau. Nach dem Wiener Kongress (1815) wurde Warschau die Hauptstadt des Königreiches Polen (Kongresspolen), das vom russischen Zaren in Personalunion mit Russland regiert wurde. Damit gehörte die Stadt zum russischen Reich. Der Brief kam entsprechend des Ankunftstempels am 20.05.1869 (jul.) = 01.06.1869 (greg.) in Warschau an. Die Beförderungszeit betrug also vier Tage.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.09.2019 09:30:00 Gelesen: 10046# 188 @  
Hallo zusammen,

jetzt noch einmal die beiden Fälle, bei denen Stempel nach dem julianischen und nach dem gregorianischen Kalender auf einem Beleg zu finden sind. Bei einem Brief aus einem der westlichen Länder nach Russland kommt die Post scheinbar vor dem Aufgabedatum an.





Modena: 12.12.1892, Рига: 4. Декабрь 1892 = Riga: 4. Dezember 1892

Die Postkarte scheint acht Tage vor dem Aufgabedatum angekommen zu sein. Tatsächlich war die Karte aber vier Tage unterwegs, denn der Unterschied zwischen den beiden Kalendern betrug 1892 genau 12 Tage: 04.12.1892 (jul.) + 12 Tage = 16.12.1892 (greg.).

Bei welchem почт. конт. = Postkontor der dritte Stempel abgeschlagen wurde ist nicht zu erkennen.

Post aus Russland in ein westliches Land scheint dagegen sehr lange unterwegs gewesen zu sein.





Калиш вокза́л = Kalisch Bahnhof: 10.04.1908, Ankunftsstempel Leipzig L 13 vom 24.04.1908.

Die Postkarte scheint 14 Tage unterwegs gewesen zu sein. Tatsächlich war die Karte aber schon nach einem Tag am Ziel, denn der Unterschied zwischen den beiden Kalendern betrug 1908 genau 13 Tage: 10.04.1908 (jul.) + 13 Tage = 23.04.1908 (greg.).

Am 01.02.1918 (jul.) = 14.02.1918 (greg.) wurde laut Wikipedia [1] in Sowjetrussland der gregorianische Kalender eingeführt. Interessant wäre es festzustellen, wann das Datum in den Stempeln tatsächlich umgestellt wurde.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender#%C3%9Cbernahme_des_gregorianischen_Kalenders
 
volkimal Am: 15.09.2019 08:48:17 Gelesen: 8948# 189 @  
Hallo zusammen,

nach Russland heute möchte ich heute mit den anderen orthodoxen Ländern beginnen, in denen ebenfalls der julianische Kalender galt. Als erstes Bulgarien. Diese Postkarte aus Vidin (Widin) in Bulgarien an die Gebrüder Senf in Leipzig habe ich schon beim Thema "Briefmarkenhändler und Briefmarkensammler früherer Zeiten" gezeigt:



Der Absender hat die Karte am 10.07.1894 (julianisch) = 22.07.1894 (gregorianisch) geschrieben und aufgegeben. Freundlicherweise hat er das Datum gleich nach beiden Kalendern angegeben "10/22. VII. 94".





Beim Stempel aus Widin ist das Datum nach dem julianischen Kalender angegeben. Der Stempel aus Calafat in Rumänien auf der gegenüberliegenden Donauseite trägt dagegen das Datum nach dem gregorianischen Kalender. Ich habe die fehlenden Teile zur Verdeutlichung ergänzt. In Rumänien galt ebenfalls der julianische Kalender, bei Auslandspost nach Deutschland hat man aber das gregorianische Datum benutzt. Am 25.07.1894 kam die Karte in Leipzig an. Die Beförderungszeit betrug also 3 Tage.

Auf der Karte steht:

Ersuche um höfl. umgehende Mitteilung, ob Sie die Marke Bulgarien 5 Stotinki rosa Fehldruck (laut Ihrem Katalog 80 Mark) vorrätig haben. Und zu welchem Preise Netto Cassa sie mir dieselbe liefern können. Baldige Antwort erwarte hochachtungsvoll. A. Biskup Widin



Es geht um die Marke Bulgarien Nr. 15, 5 Stotinki grün/grünlich als Farbfehldruck Nr. 15F in der Farbe rosa/weißorangerot = Farbe der 10 Stotinki-Marke (Michel 3.600 Euro). Links die beiden Marken mit der richtigen Farbe. Rechts ist der Farbfehldruck. Er ist gerade beim Auktionshaus Weiser im Angebot (Nachverkauf). Der Ausruf beträgt 1.000,- €.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.09.2019 11:24:30 Gelesen: 8367# 190 @  
Hallo zusammen,

diese Postkarte aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia ist leider nicht gut erhalten.



Die Postkarte wurde am 14.08.1894 (jul.) + 12 Tage = 26.08.1894 (greg.) aufgegeben. Empfänger ist der deutsche Theologe, Slawist und Orientalist Rudolf Abicht in Breslau. Er arbeitete ab 1892 an der Breslauer Universität als Lektor für polnische und russische Werke. 1900 wurde er zum Professor ernannt und habilitierte sieben Jahre später für slawische Philologie. [1]



Die Postkarte kam nach zwei Tagen am 28.08.1894 (greg.) in Breslau an. Da die Karte in bulgarischer Sprache und kyrillischer Schrift geschrieben ist, kann ich den Text nicht lesen. Der Absender ist entsprechend des Stempels von der Buchhandlung (Librairie) J.B. Hasuroff.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Abicht
 
wer.indja Am: 23.09.2019 17:22:46 Gelesen: 8337# 191 @  
@ volkimal [#118]

Ich habe soeben einen Beleg mit einem Datum entdeckt, das es aus unterschiedlichen Gründen nicht geben dürfte: der 2.8.2538 war der 24.10.1979.



Wie ausgeführt, dürfte es als letzte Jahreszahl nach dem Imperial Calendar noch 2537 geben. Das hier verwendete Datum liegt 14 Monate nach der Rücknahme der Kalenderänderung, 8 Monate nach Beginn der Revolution und 6 Monate nach Ausruf der Republik. Die Verwendung war beim Postamt Universität Teheran.

Die Verwendung der Sondermarken aus März 1979 war in Ordnung, da diese nicht für ungültig erklärt wurden; die Marke der Ds. Schah wurde offiziell überdruckt und die Zwangszuschlagsgmarken wurden bis zur Umwandlung von Roter Löwe und Sonne Iran in Roter Halbmond bis 30.6.1980 weiterhin verwendet.
 
volkimal Am: 23.09.2019 17:52:20 Gelesen: 8329# 192 @  
@ wer.indja [#191]

Hallo Werner,

sehr interessant. Ich kenne zwar einen Stempel aus der Zeit der persischen Ära, bei denen der normale iranische Kalender benutzt wurde. Solch einen Stempel aus der Zeit des normalen iranischen Kalenders aber mit einem Datum nach der persischen Ära habe ich noch nicht gesehen. Danke fürs Zeigen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.10.2019 14:08:40 Gelesen: 7636# 193 @  
Hallo zusammen,

diese Karte geht an Monsieur M.R. Bründel in Philippopoli beim Österreichisch-Ungarischen Konsulat:





Philippopoli auch Phillipopel oder Philippopolis (heute Plowdiw) ist eine Stadt an der Maritza im heutigen Bulgarien. Ende der 1870er Jahre wurde Plowdiw an die Linie des Orient-Express zwischen Istanbul und Sofia angeschlossen.

Der Aufgabestempel vom deutschen Postamt in Konstantinopel ist vom 30.05.1902 (greg.) = 17.05.1902 (jul.). Der Ankunftsstempel aus Пловдив = Philippopel vom 16.05.1902 (jul.).

Einer der beiden Stempel muss falsch eingestellt sein, denn die Karte kann nicht vor der Aufgabe angekommen sein. Da die Karte am 08.05.1902 (jul.) = 21.05.1902 (greg.) geschrieben wurde, gehe ich davon aus, dass der Stempel aus Konstantinopel falsch eingestellt ist.

Viele Grüße
Volkmar
 
Martin de Matin Am: 03.10.2019 15:59:10 Gelesen: 7620# 194 @  
@ volkimal [#193]

Kann es sein, das der Ankunftsstempel nicht der 16.5 sondern der 18.5. ist. Die Zahlen im Ankunftsstempel sind alle etwas unsauber. Bei einer Entfernung von ca. 400 km zwischen den Orten könnte ich mir vorstellen, das der Brief auch am nächsten Tag angekommen ist, da du ja auch die Eisenbahnverbindung zwischen beiden Orten aufgeführt hast. Die heutige Strassenverbindung ist eine ziemlich gerade Strecke.

Woran erkennst du, das die Karte am 8.5.1902 / 21.5.1902 geschrieben wurde? Für mich ist die Zahl vor der Jahresangabe 02 eine 6.

Gruss
Martin
 
volkimal Am: 03.10.2019 16:22:48 Gelesen: 7615# 195 @  
@ Martin de Matin [#194]

Hallo Martin,

da habe ich wohl nicht richtig hingeschaut. Du hast recht, die Karte kam wahrscheinlich am 18.05.1902 (jul.) = 31.05.1902 (greg.) am Ziel an. Dank der Bahnstrecke des Orient-Express betrug die Beförderungszeit der Karte nur einen Tag.

Wenn man die Karte im Original ansieht, so scheint der Absender das handschriftliche Datum von 8.6.02 auf den 8.5.02 korrigiert zu haben.

Viele Grüße
Volkmar
 
Thomas S. Am: 06.10.2019 19:15:43 Gelesen: 7338# 196 @  
Hallo Zusammen,

momentan versuche ich, dabei eigentlich völlig überfordert, für einen Bekannten vom Philatelistenstammtisch in Nürnberg einen Brief aus der Zeit der ersten Französischen Republik zu transkribieren und zu übersetzen. Ich habe schon frustriert nahezu aufgegeben. Möchte aber meine Umrechnung des Briefdatums hier sehr gerne von Euch überprüfen lassen.

Im Brief ist folgendes Datum vermerkt:



Ich habe versucht mit der in wikipedia vorhandenen „Umrechnungstafel zwischen gregorianischem und republikanischem Kalender“ [1] das Datum umzurechnen:

- Das 4te republikanische Jahr entspricht dem Jahr 1795 -1796

- Alle Monate auf die Endung -idor sind die Sommermonate, damit handelt es sich hier um das Jahr 1796

Ich habe im Brief gelesen: Ehermidor diesen Begriff finde ich jedoch nicht in der Tabelle. Meine Vermutung ist, daß Thermidor gemeint ist. In diesem Fall wäre es dann der 15. Juli 1796

Liege ich völlig daneben?

Freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Herzliche Grüße
Thomas

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Umrechnungstafel_zwischen_gregorianischem_und_republikanischem_Kalender
 
volkimal Am: 06.10.2019 22:15:27 Gelesen: 7308# 197 @  
@ Thomas S. [#196]

Hallo Thomas,

mit dem 27. Thermidor an IV liegst du richtig. Bei der Umrechnung hast du dich aber vertan. Ich finde die Tabelle auf der angegebenen Seite relativ unübersichtlich. Du hättest die Zeile A benutzen müssen. Das richtige Datum nach unserem Kalender ist der 14. August 1796.

Ich selbst ziehe die Tabelle der einzelnen Monate vor [1]. Wie sie benutzt werden müssen findest du im Beispiel [#165].

Es gibt aber auch Seiten, die einzelne Tage direkt umrechnen wie zum Beispiel [2].

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Thermidor#Umrechnungstafel
[2] http://pierre.collenot.pagesperso-orange.fr/Issards_fr/outils/calrepub.htm
 
Thomas S. Am: 06.10.2019 22:41:58 Gelesen: 7301# 198 @  
@ volkimal [#197]

Hallo Volkmar,

vielen Dank. Die Tabelle ist tatsächlich verständlicher und das „Rechenprogramm“ natürlich perfekt. So bekommt mein Bekannter wenigstens das korrekte Datum des Briefes und ich habe wieder etwas dazu gelernt.

Herzliche Grüße
Thomas
 
volkimal Am: 13.10.2019 10:10:26 Gelesen: 6498# 199 @  
Hallo zusammen,

Die letzten beiden Karten aus Bulgarien haben eine eingedruckte Marke mit dem Bild des Fürsten Ferdinand I. Die Karten haben die Michel-Nummer P 26 I (Ganzsachen-Katalog Europa Ost1994/95).





Die erste Karte wurde vom Absender, Herrn Georges H. Janischeff am 03.10.1904 (greg.) = 20.09.1904 (jul.) in Varna = Варна geschrieben. Der Stempel aus Varna ist aber schon vom 19.09.1904 (jul.). Entweder hat sich der Absender vertan oder der Stempel ist falsch eingestellt.



Die Gebrüder Hagenmüller hatten in der Karthäuserstr. 14 in Erfurt ein Geschäft für Brauerei- und Kellereibedarf [1]. Herr Janischeff möchte ihren Katalog haben. Christian Hagenmüller, der Empfänger der Karte, ließ verschiedene Artikel patentieren. Diese Anzeige und mehrere Patentschriften sind zur Zeit bei Delcampe im Angebot [2].

Viele Grüße
Volkmar

[1] http://www.familie-thurm.de/images/dokumente/adressErfurt/Seite_0230.jpg
[2] Delcampe.net, Suchbegriff „Hagenmüller“ 
 
volkimal Am: 20.10.2019 10:55:13 Gelesen: 5398# 200 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit der letzten Karte aus Bulgarien zum julianischen/gregorianischen Kalender:





Diese Postkarte aus Varna wurde am 16.12.1906 (greg.) = 03.12.1906 (jul.) geschrieben und am selben Tag abgeschickt. Der Monat im Stempel steht Kopf. Man kann es leicht erkennen, denn die römische Zahl IIX gibt es nicht.



Absender ist der Direktor des Sanatoriums Maritime. Vier Tage später kam die Karte bei der Fabrik für Heizungsanlagen von Franz Wagner in Crimmitschau an.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.10.2019 09:42:47 Gelesen: 4491# 201 @  
Hallo zusammen,

der julianische Kalender galt natürlich auch in den anderen orthodoxen Ländern des Balkans. Als nächstes zeige ich ein paar Beispiele aus Griechenland.





Diese Postkarte wurde laut Poststempel am 11.10.1889 (jul.) = 23.10.1889 (greg.) in ΠΕΙΡΑΙΕΥΣ = Πειραιευς = Piräus aufgegeben. Der Unterschied der beiden Kalender betrug bis 1900 genau 12 Tage. Auf der Rückseite hat der deutsche Absender das Datum 21.10.89 nach dem gregorianischen Kalender vermerkt.



Entsprechend des Stempels auf der Rückseite ging die Karte vermutlich über Patras nach Brindisi (Italien). Dort war sie nach drei Tagen. Am 28.10.1889 (greg.) kam die Karte in Worms an. Insgesamt war die Karte somit 5 Tage und nicht 17 Tage unterwegs (wie man ohne Kenntnis der Kalender denken könnte).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.11.2019 14:02:24 Gelesen: 3181# 202 @  
Hallo zusammen,

heute zwei griechische Postkarten aus Athen aus der Zeit nach dem 17.02.1900 (jul.) = 01.03.1900 (greg.). Seit diesem Tag unterscheiden sich die beiden Kalender um 13 Tage. Siehe auch Beitrag [#185].





Die Karte geht an Hrn. Emil Breseins, Inh. Dr. G Wolfram – Fabrik f. chem. Pr. (= Fabrik für chemische Produkte) in Rödelheim bei Frankfurt. Der Absender ist ein Arzt an einer orthopädischen Klinik in Athen. Zum Glück konnte er deutsch, so dass ich den Text lesen kann. Es geht um die Einrichtung einer orthopädischen Werkstatt – eine Einrichtung zum Polieren und Vernickeln von Teilen von orthopädischen Apparaten sowie zum Schleifen aller möglichen chirurgischen Instrumente.

Im Aufgabestempel steht: ΑΘΗΝΑΙ 29 ΜΑΡΤ 1905 11 Π
ΑΘΗΝΑΙ = Αθηναι = Athen. Vom 29.02.1905 (jul.) muss man 13 Tage vorwärts gehen => Der Stempel ist vom 11.04.1905 (greg.). Die Karte kam nach vier Tagen am 15.04.1905 in Rödelheim an.





Der Absender war Anton Ritter von Premerstein, ein österreichischer Althistoriker, Epigraphiker und Papyrologe [1]. Der Empfänger war Wilhelm Kubitschek, ein österreichischer Althistoriker, klassischer Archäologe und Numismatiker [2]. Den Text der Karte von Herrn Premirstein finde ich ganz interessant. Es geht um Münzen und seine Hochzeit.

Der Absender hat die Karte am 22.10.1911 (greg.) geschrieben und einen Tag später am 10.10.1911 (jul.) = 23.10.1911 (greg.) aufgegeben. Unten im Stempel steht ΑΠΟΣΤΟΛΗ = Αποστολη = Aufgabe/Versand. Da 1911 keine Ankunftsstempel mehr abgeschlagen wurden, kann ich die Beförderungszeiot nicht feststellen.



Eine Frage habe ich noch zu den Uhrzeitangaben. Dort werden die Zeichen "Π" und "Ε" verwendet. Das "Π" könnte ΠΡΩΙ = πρωί = morgens bedeuten. Für das "Ε" habe ich keine passende Bedeutung gefunden. Wer kann etwas dazu sagen? Gibt es weitere Zeitangaben?

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_von_Premerstein
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kubitschek
 
KaraBenNemsi Am: 15.11.2019 13:01:42 Gelesen: 2515# 203 @  
Kalender der Azteken

Hier verewigt als Aztekischer Kalenderstein auf einem Stempel vom 25.10.1992 aus 1000 Berlin 12.


 
volkimal Am: 16.11.2019 13:03:30 Gelesen: 2361# 204 @  
@ KaraBenNemsi [#203]

Hallo Carsten,

die historischen Kalender habe ich bisher noch nicht gezeigt. Da gibt es auch noch einige andere.

Irgenwann werde ich das Thema aber bearbeiten.

Danke fürs Zeigen
Volkmar
 
volkimal Am: 30.11.2019 14:49:23 Gelesen: 1135# 205 @  
Hallo zusammen,

endlich komme ich wieder dazu, einen Beitrag zu den Kalendern zu schreiben. Heute ein weitere Postkarte aus Griechenland aus dem Jahr 1911:



Bei der Karte finde ich den Text sehr interessant. Es ist eine Korrespondenz zwischen den Briefmarkensammlerinnen Berta Foerg(?) aus Syros in Griechenland und Luise Sannemann in Weißenfels (Sachsen).

Berta schreibt:

Syra 7.6.11
Liebes Fräulein!
Von Ihren Marken konnte ich leider sehr wenig behalten. Im ganzen macht es 36 Pf. Deutschland fehlen mir nur noch die selteneren und die Groschenmarken. Ich schicke Ihnen diesmal auch nur für 46 Pf. Wenn Sie mir nächstesmal vielleicht Deutsche Kolonien oder überhaupt bessere Marken schicken wollen, so sende ich Ihnen auch wertvolleres. Für die Adressen besten Dank. Welche von den jungen Mädchen sind am weitesten fortgeschritten?
Mit besten Grüßen
Berta Foerg(?)




Als Deutsche benutzt die Absenderin unseren Kalender. Die Karte ist datiert vom 7.6.1911. Sie hat die Karte am selben Tag aufgegeben, denn der Stempel ist vom 25.05.1911 (jul.) + 13 Tage = 07.06.1911 (greg.).

Syros (griechisch Σύρος, auch Syra oder Siros) ist eine griechische Insel der Kykladen, fast mitten im Archipel gelegen, 84 km² groß. Die Hafenstadt Ermoupoli (griechisch Ερμούπολη) ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Insel. Im Stempel ist also der Name der Insel und nicht der Name des Ortes angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.12.2019 12:24:37 Gelesen: 405# 206 @  
Hallo zusammen,

heute ein ungewöhnlicher Brief aus Griechenland:



Auf der Rückseite steht, dass er aus dem Balkan-Krieg 1912 stammt. Dank dieses Forums habe ich von Nicepm erfahren, dass der Brief von der Direktion des Etappendienstes hinter der Front stammt. Griechisch: "ΔΙΕΎΘΥΝΣΙΣ ΤΗΣ ΥΠΗΡΕΣΊΑΣ ΜΕΤΌΠΙΣΘΕΝ" bzw. "Διεύθυνσις τής Υπηρεσίας Μετόπισθεν", wobei der Artikel "ΤΗΣ" nicht auf dem Stempel abgedruckt werden musste.

Das Stempeldatum bei einem Brief innerhalb Griechenlands ist natürlich nach dem julianischen Kalender. 4. ΝΟΈΜΒΡΙΟΣ 1912 = 4. November 1912 (jul) = 17.11.1912 (greg.)

Die Anschrift in lateinischen Buchstaben ist: Stamos Delaporta / Argostolion / Kephallenia.

Naturgemäß sind bei Feldpostschreiben keine Hinweise über den Absendeort vorhanden. Angesichts des Datums 04.11.1912 kann jedoch der Absender entweder in Epirus (bei Ioannina) oder in Makedonien (bei Amindeo, Giannitsa, Thessaloniki oder Chalkidiki) gewesen sein. Es gab auch einen Hauptmann Spiridon G. Delaportas, welcher am 24.10.1912 in der Nähe von Amindeo fiel. Es könnte also ein Brief von ihm (Verzögerungen im Briefversand der Soldaten kam vor) oder über ihn gewesen sein. Aber das sind nur Vermutungen. Der Name Delaportas ist populär auf den ionischen Inseln und besonders auf der Insel Kefalonia, wohin dieser Brief verschickt wurde.

Viele Grüße
Volkmar
 
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